Einzelbild herunterladen
 

Einzelv erkaufspreis 20 MarL

h 1

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadl Fulda.

Nr. 24.

tieranttoonltO) tüt den reOauioneüen Teil: Dr. I. Kramer.

S Hit die Anzeigen: I. Parzelle t-yuiOa.

Rotationsdruck u. Beriag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda ikerninrecher Nr. ü. Poititbeck-Konto 4051 Frankfurt a. M.

Mittwoch, 3j. Januar 1923.

Bezugspreis: Monatlich 375 Ml. Zustellgebühr extra. - Abgeholt in der Gefchäftsstelle 399 211l -

Anzeigen: Kleinzeile nach Eo>one> 24 kNk.; ausw. 30 Mk. Reklomezeite (te<t Brettei nach Colone'rnaß 90 Mark.

50. Zahrg.

Hart um hart.

Deutscher widerstand gegen franröstsche Willkür.

Kampf an der Ruhr steht fn einem Stadium, ditzkeit. Ditz Maschinen konnten das unbesetzte Gebiet der Franzose mit aller Rücksichtslosigkeit um crrsichm. Die Franzosen haben daraufhin die

Der

oon

In dem der ....

den Erfolg ringt. Die Deutschen aller Stände, voran die Beamten und Eisenbahner, machen ihm diesen Er- st»lg streitig und kämpfen um jeden Fußbreit Boden. Gebe Gott der deutschen Abwehr, die aus dem tief-

Eisenbahn st recke

in der Gegend von Diez auf eine Enkfermruu 300 Meter

aufgerissen,

sodaß der Zugverkehr vollkommen ftillitzgt.

Nach einer Meldung derDeutsch. Allg. Zig." haben sämtliche 25 durch die Beschlagnahme von Fahrzeugen betroffenen Rheinredereien an den Chef der französischen Jngenieurkommifsion ein Schreiben gerichtet, in welchem sie die Beförderung und den Umschlag von Brennstoffen nach Frankreich und Belgien ablehnen und erklären:Wir lassen uns nicht zur Teilnahme oder Mitwirkung an Handlungen zwingen, die sich gegen die Interessen und Gesetze unseres Vaterlandes sowie gegen Ehre und Gewissen richten."

Fritz Thyssen spricht in einer Zuschrift an die Zeitungen seinen Dank aus für die ihm von allen Seiten des In- und Auslandes anläßlich seiner Verhaftung und Verurteilung zugegangenen Briefe und Telegramme und erklärt: Meine Kameraden, Arbeiter, Beamte, Werkleiter und ich stehen alle ein für unsere gemeinsame deutsche Sache und deutsche Art. Wir wollen keine großen Worte machen, aber weiter fest bleiben und treu.

Der französische postdiktator.

wurzelndM Gefühl vaterländischer Treue heraus ge­leistet wird, Kraft und Ausdauer. Das deutsche Volk im unbesetzten Gebiet muß aber auch micheffm. Besonnenheit und Einigkeit, Opferfreudig- kert und Hilfsbereitschaft für diejenigen, die tm Kampfe an der Ruhr, diesem unblutigen, aber auch schmerzlich harten Kriege, Schaden erleiden. Wenn wir mit TÄen beweisen, daß wir ein Volk von Brü­dern sind, dann wird Frankreich sein letztes Ziel nicht erreichen. Deutschlands Einigkeit und Einheit wird vielmehr aus diesen Tagen schwerster Sorge unoerlctzt, ja gekräftigt und gestärkt hervorg:hon.

ZOiwg in Eisen M Wt.

Wie die Blätter aus Essen melden, spitzt sich die Sage im Ruhrbezirk immer weiter zu. Die französisch« Besatzungsbehörde hat bskanntgegeben, daß all« deut­schen Beamten, die ihrem Befehl nicht Nachkommen, sondern sich widersetzen, sofort verhaftet, jedoch a cht bestraft, sondern ohne Verzug ausgewiesen worden sol­len. Infolge der zahlreichen Ausweisungen, die bereits erfolgt sind und dem rücksichtslosen Eingreifen der Be­satzung in den Eisenbahn- und Postbetrieb, herrscht unter der Bevölkerung eine

erbitterte Stimmung.

Am Montag wurde das Telegraphenamt von französi­schen Soldaten mit ausgepflanztem Seitengewehr be­setzt. Das weibliche Beamtenpersonal wurde von den Offizieren mit der Reitpeitsche aus dem Saal getrieben.

Der Düsseldorfer Gsneratkommissar der französisch- belgischen Besatzung hat nach einer Meldung desVor­wärts" dem Regierungspräsidenten aus die Frage, ob an eine

Hungerblockade

ernsthaft gedacht sei, ein- schriftliche Mtteibrng zu- gehen lassen, in der er bürt wird, es sei nicht daran gedacht, die für die deutsche Bevölkerung reservierten Lebensmittel zu beschlagnahmen oder die Lebensmittel- zuifuhr wbzuschneidsn. Wenn in der LebensmiüÄver- strrgunig Schwierigkeiten eintreten würden, so sei das, wie in dem Schreiben behauptet wird, die Schuld der Eisenbahner, die seit einigen Tagen das Eisenbahnnetz lahmlegten. Dieser Versuch, die Eisenbahner gegen die Bevölkerung des Ruhrgebietes auszuspielen, wird mißlingen, da die Bewohner des Ruhrbezirks sehr wohl wissen, aus welchem Grunde die Eisenbahnerschaft pas­sive Resistenz übt. Im Gegensatz zu der schriftlichen Zusicherung, daß die Lebensmittelzufuhren nicht abge- schrcktten werden sollen, steht die Tatsache, daß die Franzosen die Ruhrtalbahn und die Strecke Duksburg- Oberhausen-Lünen für ihre Transporte beschlagnahmt und jede Benützung für deutsche Transporte ausge- sihaltet haben.

DerVerl. Lokolanz." meßet aus Koblenz, daß auf dem dortigen Bahnhof 13 Lokomotiven von den Franzosen Weggeführt werden sollten. Die deutschen GiserÄrahner setzten jedoch die Maschinen nach dem un- besetzten Gebiete zu i*n Fahrt und durchfuhren den Bahnhof Diez, wo die Franzosen vergeblich versuchten, die Lokomotiven aufzuhalten, mit Schnellzlrgsgeschwin-

wtb Essen, 30. 3<m. (Tel.) Ium Aufsichks- beamten für den gesamten Po st betrieb des Ruhrgebiets wurde der französische Beamte Drally ernannt. Als Sanktionen für die deutsche Ab­lehnung, den Franzosen Zernsprechverbindungen herzu- stellen, ließ er den gesamten Betrieb eine Stunde unterbrechen, mit der Bestimmung, daß bei jeder nach­folgenden Dienstverweigerung die Strafe erhöht würde.

GewaltmatznahMiN.

vtd Mainz, 30. Irm. (Id.) Der Mainzer Hauptbahnhof ist gestern mittag 4 Uhr von französischen Truppen besetzt und um 7 Uhr wieder geräumt worden, nachdem die Or­ganisationen der Beamten und Arbeiter mit dem Streik gedroht hatten.

wtb Essen, 30. Jan. (Tel.) Die französische Milstar-Dehörde Hal bestimmt, daß auch im Ruhrge­biet alle Beamten ausgewiesen werden, die es Mehnen, den französischen Befehlen zu gehorchen.

wtb Paris, 30. Ian. (Tel.) Havas berichtet aus Düsseldorf: Die gestern angekündigkea Verhaftungen und Ausweisungen von Oberbeamten seien im Gange. Die für Düsseldorf vorgesehene Zahl belaufe sich auf 13, unter diesen befinde sich der Rachfolger des Präsidenten Dr. Schlutius. Am Mittag seien 9 Fälle erledigt gewesen.

Flugzeuge statt Eisenbahn.

Das AmsterdamerAlgemeen Handelsblad" meldet: Da der Eifenbahnverkehr von Holland nach dem Rheinland völlig in Unordnung geraten ist, hat die Königliche Luftfahrtsgesellschaft

Stau Meier".

Roman von ®. d. Stotmans.

37] ---------

Daß eine glückliche Heirat einmal einen Ausgleich bringt, ist auch nicht zu hoffen. Thea steht der Ehe mit einem unbezwinglichen Mißtrauen gegenüber, und die wenigen jungen Männer, die fie kennt, fürchten ihren scharfen Verstand und ihr hoffärtiges Wesen."

Und Ihr Sohn?" fragte Frau Meier.

Frau Kläudine seufzte.Ach," sagte fie,über den Jungen, den Hans, gräme ich mich erst recht. Er ist auch wie umgewandell. Früher vertraute er mir alles an, jetzt scheut er sich, von dem zu sprechen, was ihn erfüllt >nd bewegt, und ich tappe tm Dunkeln."

Sie wißen nichts?" .

Ich weiß nur, daß er leidet, und ich kann mir auch senken, weshalb."

»Ist eine Liebe tm Spiel?"

Die Mutter nickte.

Ja, ich glaube, es ist Hilde de Dries. Schon als Gymnasiast hat er für sie geschwärmt, und 'm neuerer Seit ist er wieder viel mit ihr zusammen."

Allerdings, an den musikalischen Abenden."

Und, wie mir scheint, auch sonst. Wenn Hllde früher einen Wunsch hatte, fand sie auch immer Mittel und EL ege, ihn, zu erfüllen. Sie kannte keine Bedenken, und das ist's, was mich jetzt so beunruhigt. Sie sind ja ost in der Lage, die beiden zu beobachten; was' denken Sie oon der Sache?"

Frau Meier überlegte einen Augenblick, dann sagte sie:Sie haben recht, Ihr Sohn liebt Fräulein de Vries."

Und sie?"

Kokettiert nur mit ihm, ist feiner nicht wert! Das klingt hart, und er will es natürlich nicht glauben; aber wenn man die blonde Hilde auf die Probe stellen könnte, würde sie selbst bald den Beweis liefern, daß er ihr im Grunde des Herzens sehr gleichgültig ist."

»Mein armer Hans! Ich weiß, sie ist sehr ehrgeizig und eitel. Halten Sie es trotzdem für möglich, daß sie ihn heiratet?"

»Für möglich ja,. für wünschenswert nicht."

Die andere lächelte matt.3a", meinte sie,das sage ich auch. Dieses Mädchen wäre vielleicht fein Un­glück, aber Hans ist gewiß ganz anderer Ansicht und würde jedes Opfer bringen, um ihr zu gefallen.

Die Frage mürbe nicht weiter erörtert, denn Frau Meier fchlug Frau Kläudine vor, an ihrem Arm einen kleinen Spaziergang zu machen. Das Wetter war herr­lich, und in einem stillen Winkel des Stadtparks fangen die Nachtigallen. Die wollte Frau Petersen hören. Der Weg war auch wirkllch keine Anstrengung für sie, und später ruhten die Damen auf einer Bank, die in der Nähe der de Driesschen Besitzung lag. Durch den in der Mitte freigehaltenen Garten konnte man ganz deut­lich die Villa sehen, und ihr Anblick weckte in Frau Kläudine allerlei Erinnerungen.

Siebe Frau Meier," sagte sie in ihrer sanften, etwas wehmütigen Weise,können Sie sich wohl denken, daß dieser Besitz einst der Gegenstand meiner heißesten Wünsche war und mitunter Sie dürfen mich nicht auslachen noch ist? Die modernen Bauten mit ihren ausgesuchten Bequemlichkeiten gefallen mir nicht, aber dieses alte Haus hat für mich einen großen Reiz. Wenn es etwas aufgefrifcht und hier, an dieser Seite, mit einer Veranda versehen würde, die man bei schlechtem Weller schließen kann, müßte es reizend fein. Auch die grünen Jalousien dürften nicht fehlen. Sie schützen im Winter vor dem Sturm und geben im Sommer, wenn man sie richtig stellt, ein so angenehmes, ge­dämpftes Licht."

Der Garten ist auch sehr hübfch," warf Fr« Meier ein.

Ach ja, der Sorten mit den vielen, vielen Rosen. Welch eine Wonne muß es fein, darin zu sitzen oder nmherzugehen und sich zu sagen, dies alles ist mein Eigentum. Niemand kann es mir nehmen. Mir scheint, jeder Kummer müffe sich da leichter ertragen lassen, jedes Leid gelinder werden."

Frau Meier lächeüe verständnisvoll.Ob der Major auch so denkt?"

Der Major? Das glaube ich nicht. In den ersten Jahren hat er ja Himmel und Erde in Bewegung ge­setzt, um die Villa los zu werden, aber - der Preis war wohl zu hoch. Niemand wollte sie."

einen Flugdienst nach Köln organisiert, der ausgenommen werden soll, sobald die Besatzungs- behörden ihre Zustimmung erteilt haben. Es sollen Passagiere, Post und Güter befördert werden.

Im Kampfe.

Der Oberbürgermeister Jarres aus Duis­burg ist ausgewiesen worden und ohne An­gabe von Gründen sofort im Auto ins unbesetzte Gebiet verbracht worden. Forstmeister H a e f f k e, der verhaftet worden war, ist zu 4 Wochen Se­fa n g n i s bei sofortigem Strasantritt verurteist worden.

Die französische Regierung richtet gegen­wärtig eine Eisenbahnlinie von Duis­burg über Oberhausen-Recklinghau­sen nach Düren und eine zweite von Essen nach Hattingen über Dortmund ein.

Ter Kampf 6er Kieinunaen in Amerika.

DasAlgemeen Handelsblad" in Amsterdam meldet aus N e w y o r k:

Die lebhafte Agitation für und gegen ein ameri- konisches Eingreifen in der Ruhrfrage dauert an. Verschiedene hervorragende Geschäftsleute wie der Bankier Vanderlip und der Stahlmdustrielle Gary erklärten, Amerika solle feinen moralischen Einfluß zu einer Vermittlung in die Wagfchale werfen. Der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat L o w d e n wies darauf hin, daß die amerikanischen Seiden-, Baumwolle-, Kupfer- und Stahlmärkte in Europa verloren gehen können und trat für die Einberufung einer internationalen Konferenz ein.

Der Völkerbund

und das Reparationzprodlem.

wtb Par i s, 30. Ian. (Tel.) Havas berichtet: Man versichert in fireifen des Völkerbundes, im verlauf der heuligm Sitzung des Völkerbundrales werde das Reparationsproblem außerhalb der offiziel­len Sitzung zum Gegenstand eines Meinungsaus­tausches zwischen Vertretern der teilnehmenden Stachen gemacht. Es sei möglich, daß infolge M.fet offiziellen Verhandlung dem.kerbund eine Reso­lution unterbreitet werde des Inhaltes, der Bölter- bundsrat werde gegebenen Falles geneigt sein, auf verlangen der interessierten Mächte sich mit dem Re­parationsproblem zu befassen, wie er es bereits zum Ausdruck gebracht habe.

Aus derdiplomatischen" Fassung dieser Meldung geht hervor, wie der Völkerbund fürchtet, auch nur ein eindeuliges Wort zu gebrauchen, woran das mächtige Frankreich vielleicht Anstoß nehmen könnte.

Gegen ein falsches Gerücht.

wtb Hamburg, 30. 3an. (Tel.) Me aus H u f n m gemeldet wird, entbehren die Meldungen des BrüsselerPeuple", die auch in deutsche Zei­tungen übergegangeu sind, wonach Husumer Händ­ler Vieh an Frankreich und Belgien für die Versorgung der Truppen im Ruhrgebiet ge­liefert hätten, jeder Grundlage. Rach Auskunft der amtlichen Stellen sind seit 14 Tagen Viehliefe­rungen nur nach Berlin abgegangen und auch diese nur in beschränktem Umfang. Trotzdem ist eine strenge Untersu ch u n g der Angelegenheit eingeleitek worden.

Wie viel verlangte er denn?"

Dierzigtausend Mark."

Und das fand man zu hoch?"

Ja, weil die Besitzung etwas abseits Legt und das Haus nicht mehr neu ift"

Jetzt würde er sich wohl auch kaum noch davon trennen. Wenn man zehn Jahre lang in einem Haufe gelebt hat, gewinnt man es lieb, und die Gewohnheit übt ihre Macht."

Während die beiden Damen so über die Villa fpra- chen, gaben merkwürdigerweise de Vries und feine Toch. ter sich ganz ähnlichen Gedanken hin.

Der Major faß vor feinem Schreibtisch mitten tm Zimmer und Hilde stand ihm gegenüber, das Haus- Haltungsbuch in der Hand. Sie hatte llch soeben Geld geben lassen, und ärgerte sich, daß gewiße Lebensrnittel im Preise gestiegen waren. Daran anknüpfend begann er auf Grotenburg zu schelten, nannte es ein elendes kleines Nest und redete sich so in Eifer, daß er nichts Gutes mehr daran zu finden schien.

Im Grunde dachte er dabei eigentlich mir an Frau Meier, die ihm so viel Rätsel aufgab und ihm die in­nere Ruhe nahm. Er sagte sich, daß sie an einem grö­ßeren Ort, in einem bewegteren Leben keinen lebhaften und nachhaltigen Eindruck auf ihn gemacht haben würde, und grübeUe darüber nach, rote er fein innere- Gleiih- gewicht roiederherstellen und einen ehrenvollen Rückzug bewerkstelligen könne.

Da sagte Hilde mitten in feine Gedanken hinein ganz ruhig:Papa, weshalb bleiben wir denn eigentlich hier?"

Er starrte sie an.Weshalb, Kind? Als ob du das nicht genau wüßtest. Weil wir hier festgebunden sind."

Sie lächeüe.Du könntest die Villa doch verkaufen."

5a, für einen Pappenstiel, aber nicht für das, was sie mir wert ist."

Wer weiß, was vor Jahren nicht glückte, kann jetzt gelingen. Versuche es doch noch einmal."

Er schüttelte den Kopf.Die Snferate in den Ham­burger Zeitungen sind zu teuer, und hier tauft fie doch kein Mensch." . (Fortsetzuiio folgt).

MzösW SWklW (et Me.

wtb Paris, 30. San. Minister 2a Troqueur erklärte bei ferner Ankunft in Brüssel dem Korrespon­denten desPetit Par.fien", man habe d t c notwen. digsten Verkehr est recken der Eisenbahn auf dem linken Rheinufer und die VerbindungsliniM mit dem Ruhr gebiet hergestellt.Nach und na ch kommen wir (die Franzosen) ?u einer ziemlich glatten Lage. Die Züge, die wir (»fort in Bewegung gesetzt haben, nachdem die deutschen Eisenbahner gezwungen wurden, t-ie Bahnhöfe zu oer.assen, genügen den Be­dürfnissen unserer Truppen. Wir werden außerdem di« Ernährung der Bevölkerung sicher stellen und nach eini­ger Zett werden wir sie wmh dem Publikum, selbst dem deutschen Publikum zur Verfügung stellen können." Die rosige Ansicht des Ministers findet in den tatsäch­lichen Berhällmsien keine Bestätigung.

wtb Paris, 30. Ian. (Tel.) Ministerpräsident Poincare erklärte gestern amerikanifchen Presse­vertretern gegenüber, entgegen der deutschen Be­hauptungen habe Frankreich nichtdre Absicht, das Ruhrgebiet zu annektieren. Er unter­streiche die Tatsache, daß die französische Armee so­lange deutsche Gebiete besetzen würde, bis das Reich seine Reparationsverpflichtungen gemäß der Klau­seln des Versailler Friedensvertrages erfüllt habe. Frankreich, so erklärte Poincare, ist fest entschlossen, nicht die Garantie herzugeben, die seine Truppen in Händen haben, bevor die Zahlungen erfüllt sind. Die Ruhr ist ein weiteres Pfand von der gleichen Art wie die Rheinlands. Wenn Deutschland das tut, wozu es nicht die Absicht habe, feine Verpflich­tungen durchzuführen, wenn es mit den Zahlungen beginnt, die Lieferungen ausführt, wie es aus­gemacht wurde, fo werden wir dis französischen un- belgischen Truppen aus dem Ruhrgebiet zurück­ziehen, und 15 Jahre, nachdem mit der Ausfüh- runjf des Vertrages begonnen wurde, wird auch das linke Rheinufer geräumt werden. Rach dem Kriege 1870-71 haben die Preußen ihre Garnisonen in Frankreich gelassen, bis der letzte Centime be­zahlt war. Die Psandnahme wird so lange dauern, bis Deutschland bezahlt hat. Es können 5 Jahre vergehen, bevor genügend Beweise der Aufrichtig­keit, die Reparationen zu bezahlen, seitens Deutsch­land gegeben werden. Aber das Deutsche Reich kann das Ruhrgebiet vorher befreien, wenn es fein Finanzfystem vorher reorganisiert. Frank­reich ist einmütig darin, die Garantie, die das Ruhr­gebiet darstellt, vor diesem Tage nicht zu verlassen. Poincare fühlt sich noch berufen, die Korresponden­ten vor der deutschen Propaganda zu warnen, die behaupte, Frankreich bezahle ungeheure Summen für die Besetzung des Ruhrgebietes. Das fei voll­kommen faljch. Frankreich habe nicht einen ein­zigen Soldaten mobilisiert, es hat nur über die Soldaten verfügt, die schon unter Waffen standen. Die Unterhaltungskosten feien nicht höher als in Frankreich und die Kosten der Lebensmittel und der sonstigen Gebrauchsgegenstände feien nicht be­trächtlich. Für uns Deutsche ist aus den Ausfüh­rungen Poincares vor allem zu entnehmen, wie zäh der französische Staatsmann seine Ziele verfolgt.

Deutsches Reich.

* Berlin, 30. Jan. DerReichsanzeiger" verüssM. eine Verordnung üb:r die Höchstsätze in der Erwerbs-, losensürsorge, eine Bekanntmachung betr. Brennstoss- vevkaulsrpreis-e und ein G.setz über phosphorhaltrge Minemli-n M§> GchtLne.

* Für Rtchrspenden hat der Finanzminister Steuerbefreiung auf Grund des § 108 Abl. 1. der Reichsabgabsnordmmg zugeftandm und den Finanzämtern die erforderlichen Ermächtigungen erteilt/

* Die Beamtenbesoldung. Der Reichsrat hat den G-setzentwms betreffend die achte Ergänzung des Besoldungsgesetzes, wodurch die Beamtengehälter für die zweite Hälfte des Monats Januar um wettere 25 Prozent und die Fnmenzulage auf 7500 Mark erhöht werden, angenommen. Ferrier wurde der Gefetzent- wurf angenommen, der einen Betrag von 1500 Miliar- den zur Sicherung der Volksernährung und einen solchen von 500 Milliarden Mark für das Ruhrgebiet vorsieht.

* Tie Lage in Bayern. Wie wir von infor­miertet Seite erfahren, beruht die Meldung der Münchener Neuesten Nachricklen", daß der Staats­minister deS Innern Dr. Schweyer am Sonntag dem Ministerpräsidenten fein Rückirittsgesuch unter­breitet habe, nicht auf Wahrheit.

Kurland.

* Die Drohung mit dem firückenskock. Ms das englische Königs paar nach Lo.dan zurückkehrte, stellte sich ihm ein früherer Soldat in den Weg und schwang den Krückenstock. Bei seiner Verhaftung er. klärte er, er habe den König wegen der AcbeitÄosen- frage sprechen wollen.

* Japan und der Vatikan. Nach einer Blätter­meldung ans Tokio bat die japanische Regierung beschlossen, einen Gesandten im Vatikan zu ernennen.

Aus der Zentrum sparte;.

= Ruhrspende. Die Z-ntrurnsfraktion des preußi. scheu Landtags hat aus Beiträgen ihrer Mitglieder dem Herrn Wohlsahrtsininister Hirtsiefer 'tzunächst ein« Million Mark für die Ruhrspende zur Verfügung gestellt.

Schule und Volksbildung.

Sin volkrschullehrer ;um Shrendoktor ernannt. Die vhiloiophische Fakultät der Universität Heidelberg hat den Volksschullehrer Ernst Krieck in Mannheim in Anerkennung seiner hervorragenden Forschungen auf dem iScbiete der Philosophie und Geschichte der Päda­gogik die Würde einesEhrendoktors der Philosophie, verliehen..