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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Einzewerkaufspreis 20 Mark.

fir. 23.

-Verantwortlich tüt Den ceDoutonellen Teil: Dr. I. Kramer. z für die Anzeigen: I. Parzeller-Fuida. :: Rotationsdruck u. Verlag her Fuldger Actiendnrckerel in Fulda -kerwplecher 9ti. 9. Poftlcbeck-Konto 4051 Frankfurt a. M.

Dienstag, 30. Januar 1923.

Bezugspreis: Monatlich 375 ZUL Zustellgebühr extta.

- Abgeholl in der Geschäftsstelle 390 Mi. ::

Anzeigen: Kleinzeile nach Lo'onei 24 2Nk., ausw. 30 Mk. Reklamezeile (lepbreite) nach Colone-mah 90 Mark.

50. Zahrg.

Ae mlitäriW WreifMO des Ruhrgebiets

Bor der Errichtung der Zollschranke.

Nach einer Meldung der „Montagspost" aus Essen ist im Laufe des Sonntags die militä­rische Einkreisung des Indu st rie­gebietsvollendet worden. Eine Absperrung ist allerdings noch nicht vollzogen, auch ist eine Zollgrenze nicht errichtet worden. Die Franzosen lassen die nach dem Osten gehenden Kohlenwagen zwar die Sperre passieren, kontrollieren aber Ort und Herkunft der Kohlen, die Kohlensorte und die Kohlenmenge. Mit der Einrichtung eines Zug­verkehrs mit französischem Personal haben die Franzosen auch weiterhin keinen Erfolg erzielt. Bis Sonntag hatten sie sieben Zug­entgleisungen zu verzeichnen. Bei Heisingen wurde durch eine von französischen Eisenbahnern geführte Lokomotive ein Mädchen überfahren und getötet.

Drohungen!

wtb Paris, 29. Jan. (Tel.) Haves meldet ans Düsseldorf: Dkmi die deutschen Eisenbahner bei Sa­botageakten angetroffen würden, würden sie feskge- nommen und sofort ausgewiesen. Andernfalls würde jder verantwortliche vorgesetzte sestgrnommen. Denn die Sabotage andauert, würde man bald sämtliche Beamte aus dem rheinischen Eisenbahnnetz herausziehen müssen.

wtb Paris, 29. Jan. (Tel.) Die „Chicago Tri- Wnc“ hält es für möglich, daß im Zusammenhang mit der Errichtung der Zollinle im Ruhrgebiet die Fran­zosen weiter vorrücklen und die nächst gelegenen Eisen- bahnknolenpunkle Wesel, Hamm, Hagen, Bar­men und Elberfeld besehen werden.

Belagerungszustand für das altbefetzle Gebiet?

wtb Paris, 29. Jan. (Tel.) Rach einer havasmeldung soll die interalliierte R h e i n l a nd- kommifsion als Antwort auf die Zwischen­fälle, die sich vorgestern in der belgischen Zone in­folge der Ausweisung deutscher Beamten ereignet haben, den Belagerungszustand erklärt haben. Der englische Delegierte habe sich bei der Abskim­mun g der Stimme enthalten.

Vie französische Brutalität.

Es ist nicht möglich, die Opfer der französischen Gewaltherrschaft, die der Ausweitung verfallen, in ihrer Gesamtheit hier zu verzeichnen. Täglich wer­den neue, umfangreiche Ausweisungen, die wegen pflichttreuen Verhallens gegen deutsche Beamten ausgesprochen werden, bekannt. Akte besonderer Brutalität verdienen hervorgehoben zu werden. Ein solcher ist gegen den Mainzer Oberbürgermeister verübt worden. Oberbürgermeister Dr. Külb näm­lich, der seit zwei Tagen im Krankenhaus war, ist im Auto, in dem auch der Chefarzt des Kran- kenhauies Platz genommen hatte, eskortiert von zwei anderen Autos mit französischen Offizieren bezw. KommtssionSmitgliedern, nach der Grenze des unbe­setzten Gebietes verbracht worden. Das Krankenhaus war in weitem Umfange durch deutsche Polizei ab­gesperrt; ebenso war dort eine Abteilung Kavallerie

„Zrau Meier".

Roman von ® d Stokmans.

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So ungewohnt war es Lens, den Hausherrn einmal in ehrlichem Zorn zu sehen, daß sie zuerst gar nicht wußte, was sie sagen sollte, und als sie, gekränkt und trotzig, aufbegehren wollte, hatte er bereits das Zimmer verlassen. Da blieb ihr nichts übrig, als schreiend und weinend zu der Frau Bürgermeister zu eilen und dieser mit einem Halberftickten Wortschwall ihr Leid zu klagen.

Indessen auch hier fand sie wenig Trost. — Mein Miete lag mit heftiger Migräne im Bett, und was sie am vorhergehenden Tage erst von ihrem Bruder und dann von ihrem Manne zu Horen bekommen hatte, ge­nügte vollkommen, um ihr den Geschmack an der Meier- schen Angelegenheit gründlich zu verderben. Fürs erste wenigstens. Sie jammerte über die Verblendung und rohe^ Rücksichtslosigkeit der Männer, erklärte, mit ihren zerrütteten Nerven weitere Aufregungen nicht ertragen zu können, und beschwor Lene, sie zu verlassen.

Diese kehrte grollend und schellend in das Doktorhaus zurück, füllte sich verkannt und beleidigt und ftreifte Frcm Meier öfter als sonst mit einem giftigen Blick, aber sie beschloß, ihr ttotzdem nicht Platz zu machen, die Kin­der ihrer verstorbenen Herrin nicht zu verlassen. Ihr Amt als Schutzgeist der Familie lieh sie sich nicht neh­men, und vielleicht kam doch noch einmal der Augen- kllick, wo die verhaßte Fremde im Staube lag und sie über sie triumphieren konnte.

Sttahlender Frühlingssonnenschem verschonte und vergoldete das alle Hamburg, wie ein echtes Frühlings­kind, keck und leichtbeschwingt, schritt Hilde de Vries durch die Sttaßen der Stadt. Das lichtblaue Tuchkleid stand ihr vorzüglich, das feine, zartgefärbte Gesichtchen mit dem natürllchen Glorienschein des hellen Haares hob sich wttkungsvoll von dem dunkeln Strohhut ab, und der Blick der langbewimperten und stahlblauen Augen übte

aufgestellt, die erst abrückte, nachdem das Automobil mit dem ausgewiesenen Oberbürgermeister abge­fahren war.

Der Reichskanzler richtete an den Bürger- m e i st e r in K i r ch e n d e, wo am 23. Januar ein Arbeiter von französischen Soldaten durch zwei Schüsse schwerverletzt wurde, folgendes Telegramm: „Wie ich höre, geriet in ihrer Gemeinde durch die Willkür französischer Soldaten das Leben eines friedlichen Bürgers in schwere Gefahr. Ich bitte Sie, dem verletzten Arbeiter meine Anteil­nahme und meine Wünsche auf baldige völlige Genesung, auszusprechen."

Der Kampf gegen die deutsche Presse.

Die Rhe mLa:'Kommission hat die sofortige Ausweisung des Hauptschriftleiters der „Neuen Wiesbadens Zeitung", Gorrenz, anyeordnet, da er aufreizende Artikel geschrieben habe. Seine Familie nmtz das besetzte G.biet im Verlaufe von vier Tagen verlassen haben.

wtb Kreuznach, 29. Ian. (Tel.) Der „Oeffent- liche Anzeiger" und die „Kreuznacher Zeitung" sind auf weitere 14 Tage ohne Angabe von Gründen verboten worden.

^_wtb Zweibrücken, 29. Ian. (Tel.) Der „Völk. Merkur" ist für drei Tage verboten worden.

Gin Anschlag auf das Rheinkabel.

Aus Essen wird gemeldet, daß die Franzosen bei Steele und bei Düsseldorf das Rheinkabel durchschnttten haben. Der Regierungspräsident wird sofort wegen der Wiederherstellung mit den Franzosen verhandeln. Die Reparatur kann nur von deutschen Beamten vorgenommen werden und diese verlangen die Räumung sämtlicher Um» schalterstationen, die von den Franzosen besetzt sind.

Die französische Oberleitung.

Wie die Havasagentur meldet, begaben sich Gene­ral Weygand und Minister Le Trooquer wiederum nach item Ruhrgebiet, um eine enge 23er- bin Lun g mit den BesatzMigÄbethörden zwecks Aus füh­rung der in den letzten Tagen einstimmig beschlossenen Maßnahmen sicherzustellen.

Der Völkerbund tritt zusammen.

wtb Paris,29 Jan (Tel) TerBölkerbundrat wird heute vormittag 11 Uhr im Luxemburg, palast zusammentreten.

Die Wahl von Paris als Tagungsort an Stelle von Genf, wo die Konferenzen des Völkerbunds­rats in der Regel stattfinden sollen, fft, wie die „Frkft. Ztg." zu berichten weiß, auf Antrag Frank­reichs erfolgt unb dürfte in den französischen Be­sorgnissen vor den einzelnen Mitgliedern des Rats zugeschriebenen Absichten, das Reparationsproblem und in Zusammenhang damit die Ruhr- b e s e tz u n g auf das Programm der Tagung zu setzen, ihren Ursprung haben. Die französische Re­gierung scheine dabei von der Erwägung ausge­gangen zu sein, daß sie es hier in Paris weit leich­ter als auf dem entfernten neutralen Boden in der Hand haben würde, eine ihr unbequeme Dis­kussion zu verhindern.

seine bezaubernde Wirkung auf i>ie vorübergehenden Herren aus.

Das junge Mädchen gehörte nicht zu denen, welche über ihre Vorzüge im unklaren sind, sie war kokett mit Verstand und Bewußtsein, und freute sich seiner Macht über das starke Geschlecht, wie man sich einer besonders guten Gabe und eines beneibensroerten Besitzes erfreut.

Ja, sie war dufttg und zart wie eine Blume, und dabei doch von einem ganz eigenartigen, fesselnden Reiz umflossen, der sie unter Umständen zu einer sehr gefähr­lichen Partnerin machte. — Hans Petersen war sich über die Ursache dieses Reizes nie ganz klar, aber er empfand die Wirkung, und als er ihr nun bei dem verabredeten Stelldichein in dem obem Saal der Konditorei am schmalen Marmortisch gegenüberfafj, unbeobachtet und und ungestört, fühlte er sich von ihrer Nähe wieder ganz berauscht. Er versicherte ihr, daß sie das herrlichste, süßeste Geschöpf der ganzen Erde sei, und küßte ihr die Hände mit solcher Ausdauer und Inbrunst, daß Hilde ihm mit einem Gemisch von verwundertem Erstaunen und hoher Befriedigung ins tiefbewegte Antlitz sah.

Sie war indessen nicht hierhergekommen, um mir seiner Begeisterung neue Nahrung zu geben, sie wollte eine Entscheidung herbeiführen, zu der ihm öisher so­wohl der Mut als auch die Gelegenheit gefehlt hatte, sich ein- für allemal über seine Absichten und Ansichten klar zu werden. Ihre eigenen Entschlüsse behielt sie sich auch dann noch vor, aber er sollte offen aussprechen, was er inbezug auf sie wünschte und wollte, und keinen Zweifel übrig lassen, welcher ihr unbequem fein konnte.

Zuerst begriff Hans Petersen gar nicht, wie weit ihm mit einem Male die Grenzen gesteckt worden waren; die Worte, die ihm im Herzen brannten, wollten nicht über die Lippen, und das Geschenk ihrer Gegenliebe und einer gemeinsamen Zukunft erschien ihm so ungeh-uer groß, daß er nicht darum zu bitten wagte, aber endlich hatte Hilde de Dries ihn doch so weit, wie sie ihn haben wollte, und kaum verständlich, mit zitternder Stimme sagte er: „Hilde, seit ich denken kann, habe ich Sie ge­liebt, immer und immer. Alles habe ich ertragen, well ich Sie in der Nähe wußte, und meine Sehnsucht war mitunter so groß, daß ich meinte. Sie müßten sie selbst

poincarö erstrebt ein Vertrauensvotum

wtb P a r i s, 29. Jan. (Tel.) Das „Echo de Paris" schreibt: Dekanniiich hatte sich Poincare bereit erklärt, am ersten Freitag im Februar, also am kommenden Freitag den 2. Februar, die In­terpellation in der Kammer zu beantworten. Unter den obwaltenden Umständen wird der Minister- Präsident möglicherweise nach einer kurzen Erklä- rung einen neuen Ausschub verlangen, und es ist so gut wie sicher, daß die Kammer ihm vorbehalts- los ihr Vertrauen gewähren wird.

Senator Borah

für ein Eingreif n Amerikas.

wtblpatis, 29. Ian. (Tel.) „Chicago Tribuna" berichtet aus Washington: In einer von ihm unterzeichneten Erk ärung in den Blättern versichert Senator Borah, das Problem der auswärtigen Ange- legenhrilen sei kein europäisches allein und berühre die wichtigsten amerikanischen Geschäslsinle- ressen. Die Geschäftsleute, Farmer und Arbciler würden alle gleicherweise in ihrer Existenzfrage be­troffen. Das Schicksal Mitteleuropas sei setzt i u d e r S ch w e b e und es sei Amerika, Pflicht, in der Ruhrfrage einzugreifen. Deutschlands Zusam­menbruch würde einen großen Verlust für alle Volks- kreise in Amerika bedeulen. Senator Borah beabsich­tigt die vorstehende Erklärung als Grundlage für seine Rede im Senat zu verwenden, in der er die ameri­kanische Intervention verlangen wird.

Vie Hausbesitzer gegen die Zranzosen.

Ein weilerer Boykott. ■

Der preußische Landesverband der Haus- und Grundbesitzer yereine Hal in seiner Hauptversammlung ifn Berliner Rathaus em- müttg eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Da die Franzosen und BelO r in roher rücksichtsloser Weife selbst Greise, Kranke und Frauen ihrer Wohnung berauben, fordern wär dm organisierten Hausbcsitz auf, den Franzosen und Belgiern dieWohnungenzu kündigen und feinen mehr als Mieter aufzunehnen.

(Eine Kundgebung der ehemaligen Kriegsgefangenen

Am Sonntag vormittag hat die Reichsvereini­gung ehemaliger Kriegsgefangener in der Berliner Stadthalle eine Protestversammlung gegen die Besetzung des Ruhrgebiets abgehalten. In der am Schluß der Versammlung angenommenen Resolution heißt es: Die ehemaligen Kriegsgesangenen erheben mit allen Volksgenossen erneut flammenden und feierlichen Protest gegen das unserem Volke von einem dem Imperialismus ergebenen Gegner zugefügte Unrecht. Alle Versammelten stimmten einmütig in die Parole ein: 'Für Frieden und Recht, Heimat, Glück und Familie!

zwei Mseitde 69öne 6er Mett Nation.

Eine Roke des französischen Kriegsministers.

Wer kann das Lachen verbeißen, wenn er fol­gendes liest:

Der französische Kriegsminister veröffenttichi folgende Rote: Ein franzöfischerKorporal und ein f r a n z ö s i s ch e r I ä g e r, die am 22. Ja­nuar von Trier nach dem Ruhrgebiet abreiften, seien im Zuge hinter Köln eingeschlafen und erst im Bahnhof Münster wach geworden. Sie seien in eine Kaserne der Stadt geführt worden

ahnen und spüren. Wie segne ich bas Theater unb bie Musik, bie uns roieber zusammengesührt haben, unb trenn unsere Väter nicht wären. Hübe, wenn vir ihr Vorurteil besiegen könnten, möchten, könnten Sie mir angehören — als mein geliebtes Weib, mein köstliches Kleinod?"

Wie ein Sturm gingen bie Worte über sie hin unb bewegten sie, well sie so ungewohnt waren. Sie fürchtete sich beinahe ein bißchen vor bem verzehrenben Feuer, bas in feinen Augen brannte, senkte ben Blick unb schwieg eine Welle, ihn hn Ungewissen lassend, ob er sie durch sein Ungestüm erzürnt habe oder nicht, aber bann sah sie ihn fmschenb an unb meinte zögernd: „O Hans. Sie meinen also wirklich, daß wir uns heiraten könnten?"

„Ja, das meine ich."

„Aber wir sind doch beide abhängig von unseren Stern. Wovon sollen wir leben, wo unser Heim auf- schlagen?"

„Das weiß ich setzt noch nicht, aber wenn n>: sind, wird es sich finden."

„In Grotenburg?"

„Ja, wo denn sonst?"

„Dann müßte Ihr Bater sich schon zur Ruhe setzen und Ihnen bas Geschäft übergeben."

Hans Petersen senkte ben Kopf. „Geliebte Hilde, Bas wirb er nie tun. Das Höchste, worauf ich rechnen kann, ist, baß ich sein Kompagnon werbe."

„Dann würde Papa die Partie nie zugeben."

„Auch nicht, wenn er selbst wieder heiraten sollte unb bie erwachsene Tochter ihm unbequem wäre?"

„Er selbst?" Sie wiederholle es unwillig, zweifelnd, als habe sie nicht recht gehört, unb öffnete bie Augen weit in ungläubigem Staunen.

„Ja", meinte er, „mir will es scheinen, als ob sein Herz noch einmal erwacht sei unb sich ber klugen,. ele­ganten unb lieben-würdigen Frau Meier lebhaft zu­wende. Dazu die gemeinfamen musikalischen Interessen und Studien —"

Hilde lachte leise mit überlegenem Spott. „O Hans, welche Idee! Papa wieder heiraten, in seinem Alter und noch dazu diese Frau Meier? Ich kann Ihnen sagen.

und dort unter Bewachung der Schupo geblieben. Sobald die französische Regierung Kenntnis von der Angelegenheit erhalten habe, habe sie alsbald bei der deutschen Regierung interveniert, damit die beiden Soldaten sofort wieder ihren Truppenteilen zugeschickt würden. Die deutsche Regierung sei die­sem Ersuchen der franzöfffchen Regierung nach­gekommen.

Ob Marschall Fach auf diese beiden Angehörigen seiner Armee von Siegern besonders stolz ist?

Vie Lage in Bayern.

Der nationalsozialistische Parteitag.

Das Programm der Nattonalsozialisten für ihren Parteitag, der auch von auswärügen Teilnehmern besucht war, ist trotz des Ausnahmezustandes im großen ganzen'durchgeführt worden. Im Mittel­punkt stand die Standartenweihe. Der Führer H i t t l e r hielt eine kurze Ansprache, in der er das Hakenkreuz als Symbol des wieder erstarkten Deutschland feierte und erklärte, datz kein Jude je diese Fahnen berühren dürfe. Dann übergab er den Abteilungen vier neue Standarten. Hittler nahm den Sturmabteilungen den Schwur ab, für diese Fahnen bis zum Letzten einzutreten. Oberst v. Xylander versicherte die Bereitwillilgkeit des Völkischen Freiheitsbundes, die Bewegung der Na- ttonalsozialisten zu unterstützen. Nur Hakenkreuz und Stahlhelm würden Deutschland wieder in die Höhe bringen.

Die antisemitische Demonstration löste, wie zu erwarten war, in der linksgerichteten deutschen Presse starke Gegenwirkungen aus. Die ganze Sache ist im Interesse der Einheitsfront gegenüber den Franzosen sehr zu bedauern. Das deutsche Volk hat zurzeit andere Sorgen als Fahnenweihen.

Deutsche; Reich.

* Das deutsche Reichsschulgesetz. Ter Bildungs- aus chuß des Reichstages hat die zweite Lesung des Reichsschulgesetzes vertagt, um den Fraktionen Gelegenheit zu geben, eine Einigung über bas Gesetz herbeizuführen.

* Kommunistischer Parteitag. Am Sonntag wurde in Leipzig im Volkshause der Parteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands mit einer Rede Klara Zetkins eröffnet. Die geschäftliches Verhandlungen beginnen Montag.

Deutscher Reichstag.

In der Samstagssitzung wurde über dasIugendge- richtsgesetz beraten. Die zweite Lesung konnte noch nicht zu Ende geführt werden. Dann begann die erste Beratung des Gesetzentwurfs über Kleinrentner­fürsorge. Darnach soll die Fürsorge den Gemeinden übertragen werden, denen bas Reich 80 Prozent der dafür aufgewandten Mittel erstattet. Die Abgg. Frau Teusch (Ztr.) und Frau Schroeder (Soz.) begründen die Vorlage unb beantragen ihre Ueberweifung an den Ausschuß für Sozialpolittk. Die Borlage geht an den sozialpolitischen Ausschuß.

Die Novelle zur G e t r e i d e u m l a g e, bie ben letzten Termin für die Ablieferung des Umlagegetreibcs1 um einen Monat auf den 15. März vordatieren will, wird ohne Aussprache in allen drei Lesungen angenom­men. V

Das Haus vertagt sich auf Mittwoch, 31. Januar, 2 Uhr nachmittags.

Tagesordnung: Anfragen und Anträge über bie Störung bes Schulbetriebes im besetzten Ruhrgebiet. Auf Antrag des Adg. Leicht (B. 23p.) wird bem Präsidenten die Ermächtigung erteilt, eventuell die Aussprache über die jüngsten bayerischen Vorgänge auf die Tagesordnung zu setzen, falls die Regierung eine Erklärung darüber abzugeben hat.

er denkt nicht daran, und wenn er daran dächte, so würde er es .nicht wagen, um meinetwillen."

„Sind Sie davon überzeugt?"

„Felsenfest; sehen Sie, ich habe die kleine Courinache- rei zwischen den beiden ja nicht nur bemerkt, sondern auch unterstützt, well ich fand, daß Papas Aufmerkam- keit dadurch von mir abgelenkt wurde unb ich mehr Freiheit genoß als sonst. Außerdem bringen die musi­kalischen Abende uns bas ersehnte Beisammensein, aber weiter soll und darf die Sache auch nicht gehen. Dafür werde ich jetzt schon sorgen."

„Lieben Sie Ihren Vater so sehr, Hilde? Sind Sie eifersüchtig?"

„Nein, ich will nur keine Stiefmutter, keine Miterbi» für unser kleines Vermögen."

„Aber wenn Sie selbst heiraten?"

„Dann erst recht nicht!"

Ein harter, entschlossener Zug kam in das zarte Ge­sicht, bas ihm bei einem anbern langen Mädchen stark mißfallen hätte, aber Hilde gegenüber verjagte bei ihm das gesunde Urteil. Er sand alles reizend und recht, was sie sagte unb tat, unb war von seinen eigenen Ange­legenheiten so erfüllt, baß sein Interesse für andere im Augenblick sehr gering mar. Hilde ließ ihm auch keine Zeit zu weiteren Erörterungen. Sie tränt einen Schluck Schokolade, betupfte ihre Sippen sorgfältig mit einem Batisttüchlein unb sagte, an bas Dorangegangene wieder antnüpfenb: „Sie wissen ja: die offene Weinstube ist der Stein des Anstoßes. Mit einem Kompagniegeschäft wäre uns also nicht gehosfen. Aber können Sie sich nicht selbständig machen, etwas anderes anfangen?“

Er lächelte bitter. „Womit denn, Hilde? Mein Vater ist vermögend, aber er will mir nichts geben, und meine Mutter, bie zu jebem Opfer bereit wäre, hat selbst nichts worüber sie verfügen kann."

In Hildes Kopf blitzte ein neuer Gebaute auf. „Hans", jagte sie, sich über ben Tisch neigenb, „vor Jahren, als ich mit Ihrer Schwester so viel vertehrte, war in Ihrem Hause immer von einem Dntel Tim die Rede, ber im Auslanbe lebte, furchtbar reich war unb Ihre Mutter zur Erbin einsetzen wollte, well sie seine erste Liebe ge-

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