Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
Mark.
Nr. 19.
tieramwonlio; tüt Den itoauioneUen Teil: Dr. I. Kramer.
- füt die Anzeigen: I. 'i'ar ze 1i er-guioa.
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Aciiendruckerei in Fulda, itemtpredter Nr. ». Postscheck-Konto 4051 Frankfurt a. M.
Donnerstag, 25. Januar 1923.
öezugsprets: Dtonauiä 375 ZIU ^Zustellgebühr extra, u Abqeholt in der Geschästsslllle 393 Nlr. ::
Anzeigen: Klein,eile nach Lo one> 24 Ulk., aus«. 33 M. ’ütliamejetie (Ienbrelte> nach Colone matt 93 Mark.
50. Zahrg.
Die Mainzer Kriegsgerichtsverhandlung
Die französische Schreckensherrschaft am Rhein.
Die Franzosen versuchen ihr gewalttätiges Vorgehen mit dem Schein des Rechtes zu umgeben. Deshalb haben sie die im Ruhrgebiet verhafteten Führer der rhernisch-westfälischen Industrie nach Mainz geschleppt und mit größter Beschleunigung vor das Kriegsgericht gestellt. Am Mittwoch vormittag hat die Verhandlung begonnen. Privat-Tele» gramme melden uns darüber folgendes:
Der Schauplatz des Gerichts.
wtb Mainz, 24. Jan. 8.45 vormittags. Die euf 9 Uhr festgesetzte Lriegsgrrichlsverhandlung gegen die Zechsnbesitzer bezw. Zecheiwertreter aus dem Ruhrrevier findet im geräumigen Schmurgerichlssoal des Justizgebäudes statt, in dem ein: große Anzahl von Pressevertretern, namentlich auch aus dem Ausland, und besonders aus dem neutralen Ausland bereits anwesend sind. Der Raum ist überfüllt. Schon vor 8 Uhr halten sich zahlre'chs Zuschauer cincc- suwden, von denen e'n großer Teil keinen Einlaß mehr sand, kurz nach 8 Uhr marschierte eine Abteilung
französischer Jnsanleristen.
mit ansgepslanztem Seitengewehr vor dem Juskizge- bäude auf. Die Mannschaften wurden in dem Gebäude verteilt.
Der Gerichtshof.
wtb 2fi a i n 3, 24. Jen. 10'/- Uhr. Der Gerichtshof Hal zum Vorsitzenden den Oberstleutnant Drpenguy. Ferner gehören ihm an ein Major vom 510. Tank- Regiment, ein Kapitän vom 81. Arlilierie-Regiment und ein Leutnant vom 30. Trainbalaillon. Vertreter der Anklage ist Mililärstaatsanwalt Ladin. Die
Verteidigung
liegt in den Händen der Rechtsanwälte Dr. G r i m m- Efsen, Dr. Reumann -Mainz und Secleru- Ranry.
Die Angeklagten.
Kurz nach 9 Uhr erscheint der Gerichtshof im Saale. Der Vorsitzende eröffnet die Sihnng und w a r n t v o r jeder Kundgebung, die zur stforligm Räumung bes Saales führen würde. Die Demonstranten würden außerdem verhaftet werden. Schweigen herrscht im Saal, als die Angeklagten unter militärischer Bedeckung erscheinen. Erhobenen Hauptes nehmen sie aus der Anklagebank Platz und mit fester Stimme geben sie Antwort aus die Fragen nach ihren versönlichen Verhältnissen.
Der Antrag auf Unzuständigkeit.
Nachdem die von der Verteidigung geladenen Sengen, Direktor Dr. Hkgener vom Essener Steinkohlenbergbau und Direktor Lübgen vom Sohlen-Syndikal den Saal verlasien haben, plaidierl Rechtsanwalt Dr. Grimm aus Unzuständigkeit des Gerichts aus den bekannten formel-juristischen Gründen. Demgegenüber ist der Staatsanwalt der Ansicht, daß das Kriegsgericht zuständig ist. Ex zieht den Versailler Vertrag an, insbesondere den Teil über dir absichtlichen Verfehlungen Deutschlands und meint, daß dadurch inter- nctionales Recht geschaffen sei, zu dessen Durchführung Me Okkupationsmächte Vollzugsmaßnahmen ergreifen könnten. Jnfolgedefsen sei nicht die deutsche, sondern
Regierungen der Okkupationsmächte legitime Macht im Ruhrgebiet. Der Gerichtshof zog sich daraufhin zur Beratung zurück.
Zuständigkeilsfrage In 8 Minuten gelöst.
Rach einer Beratung von genau 8 Minuten Dauer erscheint der Gerichtshof wieder. Er erklärt sich für zuständig. (Es folgt daraus das verhör der einzelnen Angeklagten, zunächst dasjenige von Fritz Thyssen.
Die Verhandlung dauert fort.
8ritz Thyssen,
der als der Wortführer der angeklagten deutschen Männer gelten kann, die ihrem Datertande de Treue halten, ist der im Jahre 1873 geborene älteste Sohn August Thyssens, des Begründers der In- dustriefirma gleichen Namens. Er hat die Verantwortung und die Last, die der mehr als achtzigjährige Vater nicht mehr tragen konnte, in großem Umfange auf sich genommen. Fritz Thyssen ist die Seele eines Riesenunternehmens, das heute 65 000 Arbeiter beschäftigt. Eine spröde, fast schüchterne Natur, schreckt er vor der Oeffentlichkeit, vor der Geselligkeit, vor der Repräsentation eher zurück, als daß sie ihn locken. Er lebt nur seiner Arbeit und seiner Familie, bei deren Gründung er weder nach Rang, noch nach Vermögen fragte. Diesen Mann drängte die Notwendigkeit plötzlich an sichtbarste Stelle, die er zuvor fast ängstlich gemieden hatte, und gerade von ihm erwarten alle, die ihn kennen, das Vorbild an moralischem Mut. Wenn Fritz Thyssen sich nach reichlicher Erwägung zu etwas entschließt, so ist sein Wille von antiker Unerschütterlichkeit.
Verhaftungen und Ausweisungen.
Wie die Blätter melden, setzen d'e Franzosen tmb Belgier die rechtswidrigen Verhaftungen im Rheinland und im Ruhrgebiet fort. So wurde in Speyer auch der Stellvertreter des ausgewiesenen Regierungspräsidenten der bayerischen P f-a l z, Regierungsdirektor Mattheurs, verhaftet. Ferner wurde der Leiter des Finanzamtes in Zell an der Mosel, Regierungsrat Dr. Neuerburg, von der französischen Militärbehörde festgenommen und nach Kreuznach geschleppt. Der Reichskommissar für die besetzten Rheinlande hat der Reich/regierung einen Protest der Reichsregierung gegen die Verhaftung und die Ausweisung von Beamten und deren Familien überreicht.
Die Einschnürung des Ruhrbeckenr.
Nach einer Meldung des „Berl. Tagebl." aus Essen bereitet man dort offenbar
die Z o llin i e
vor, die um das gesamte Ruhrgebiet gezogen werden soll. Es finden größere Umgruppierungen der Truppen statt. Die Truppen werden aus den Städten gezogen. In Dortmund hat der Abttans- port der Truppen bereits begonnen. Das Militär soll offenbar dazu dienen, die Grenze des Ruhrgebiets
in ihrem ganzen Umfang
zu besetzen, um so die Durchführung der Zollinie anMbahnen.
„Stau Meier".
Roman von G. v Etokmans.
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Frau Meier sah weder erschreckt noch sorgenvoll aus; nur etwas nachdenklich war sie geworden unter Fraukes Worten, und als jene geendet, fragte sie: „Sie glauben also an eine Att von heimlicher Verschwörung?'
Das junge Mädchen nickte, und die andere fuhr fort: „Dann will ich — nun fagen wir — etwas vorsichtiger sein — schon Ihnen zu Gefallen, damit Sie sich nicht um mich zu sorgen brauchen. 3m übrigen bin ich nicht ohne Wehr und Waffen.'
„Tas gaube ich wohl."'
»Dor allem lassen Sie mich Ihnen aber danken für -ihre Teilnahme und 3hr Vertrauen, Sie liebes, kleines Geschöpf. Im Grunde wissen Sie nicht mehr von mir, mie alle andern, und sind doch überzeugt, daß mir mit jebem Verdacht ein Unrecht geschieht. Wie kommt denn das?'
®or?k«en $0& tt)Te hübschen Augen zu ihr auf.
" . - sagte sie befangen, „dergleichen kann man mq)t erklären und begründen, man fühlt es eben — aber
mufi nun nach Hause, sonst wirb es zu spät.'
„Ernst kann Sie begleiten.'
„Ja, und nicht wahr. Sie sagen keinem Menschen etwas von dieser Unterredung?"
Frau Meier lächelte seltsam. „Seien Sie ganz ruhig,' sagte sie, „ich verrate meine Freunde nicht, aber ich Der- geffe es auch nicht, wenn man mir einen Dienst erweist, mag er nun notwendig sein oder nicht.'
In dieser Nacht schrieb sie noch einen langen Brief, | öffnete, als alles schlief, lautlos die Haustür und trug bas Schreiben selbst nach dem nah^elegenen Postgebäude. Hier warf sie es in den äußern Briefkasten, der früh, vor Abgang des ersten Zuges, geleert wurde, und kehrte dann beruhigt In ihr Zimmer zurück. Nun konnte |ie ben nächsten Ereignissen ohne Zonen entgegenschen. j
Der Major war am nächsten Morgen sehr schlechter Lgune. Frau Meiers kühle Sicherheit hatte ihn im Augenblick verblüfft, ihre Gegenwart den alten Zauber ouf ihn ausgeübt, aber nun, da er wieder allein war, tarn ihm die tiefernste Ueberzeugung, daß sie doch die fische Radlerin gewesen sei, und damit auch die Gewiß, feit, daß sie vorzüglich Komödie spiele und wirklich
etwas zu verbergen habe. Der Gedanke, um sie zu werben, der ttotz aller Gegengründe immer wieder in ihm aufgetaucht war, versiüchtete sich angesichts dieser verdächtigen und beunruh'aenden Tatsache, und das Erlebnis auf der Landstraße, das in seinen Augen Frau Meiers Bild nun stark verdunkelte, warf feinen Schatten auch rückwärts auf ihre Dergan"enheit. Wie dem Doktor, wurde auch ihm mit einem Mole klar, daß er von ihrer Vergangenheit gar nichts wußte, und gewiße warnende Andeutun"en der Frau Mathesius, denen er bisher keine Beachtung geschenkt hatte, gewannen nun für ihn an Bedeutung und Wichtigkeit. Er beschloß, einmal genauer hinzuhorchen, was eigentlich damit gemeint fei, und beruh sich zu diesem Zweck am Nachmittag zu der Familie Groth.
Hier kehrte er zuweilen zu einem Plauderstündchen in der Dämmerung ein. Der Rechtsanwalt war dann meistens in dem Bureau, aber die Damen begrüßten ihn immer mit großer Wörme, und ihre heim'iche Bewunderung schmeichelte seiner GiMfeit. Ellen, die er hatte auf- wachten sehen, war so in seinen Augen auch nur eine kleine Bürgerliche, aber sie hieß doch Baronin Kudensee, war die Witwe eines Offiz'ers, und betonte die famerab- stattlichen Beziehungen, die zwisch-n ihm und ihrem Manne geherrscht hatten, imm-r m't Dorli-cke. Außer- dem erfuhren die beiden Damen durch Tante Miete alles, was in der Stadt vorging, und was brfe über Frau Meier wußte, wußten sie höchstwahrscheinlich auch.
Seine Cfrroartun-'en wurden diesmal aber weit übertroffen. Kaum hatte er in geschickter W-ise das Gespräch auf Ne interessante Hausdame gebracht, ihre musttoliscke Künstlettchatt und elegante Erscheinung gerühmt und dabei einfließen lasten, daß er ihrem Eharak- ter nicht mehr so ganz treue, als a>-ck sch-n eine Flut von überraschenden und erschreckenden Mittei'ungen über ihn h»reinbrc(fj und er alles erfuhr, was Lene in den taten Wochen heraussv'oniert hatte. Ellen, di- nach ihrer Rückkehr von Kiel fest-estellt hatte, daß der M-sor seit W-chen nicht mehr in ihrem H-us- erfh'e-en war, und diese Tatsache nickt ohne Grund Fryu Müe-s Ersck-inen zu- schrieb, gewährte es eine besondere Genugtuung, die Fremde, die ihre eigene Ersch'inung so sehr in den Schatten stellte, auf einen niedrigen S'an^puntt herab- zudrücken un" muh in fein- S-ele ben hä-sticken D'rd-chl zu säen. — Wohl wehrte sich lein ritterliches Gefühl ba-
Voraussichtlich wird es, wenn die Franzosen die Truppen mit der Eisenbahn abtransportieren woll en, zu einem
Allgemeinen Eisenbahner st reik komimen. Bereits zeigte der Verkehr auf mehreren Streuten infolge Streiks des Personals auf den Bahnhöfen von Duisburg-Meiderich, Ruhrort und Obe chaufen große Unregelmäßigkeiten. Ein Versuch der Franzosen, den Eisenbahnverkehr mit französischen Beamten und Soldaten durchzuführen, ist aussichtslos, da das Verkehrsgelände in seiner feinen Verästelung zu umfangreich ist, als daß es von ein paar hereingeschneiten Technikern und Beamten bewiältigt werden könnte.
$6üioe Mkitssml Her MtorMtr.
Laut „Voss. Ztg." ist der preußische Minister des Innern
S e v e r i n g
in diesen Tagen im Ruhrgebiet gewesen, um eine völlige Einheitsfront der gesamten Arbeiterschaft mit der Regierung und die Gewißheit festzustellen, daß die Haltung der Arbeiter fest bleiben wird unter der Bedingung, daß ihre Lohnzah'ung und die Lebensmittelzufuhr geregelt wird. Hinsichtlich
der Lohnzahlungen
konnten beruhigende Versicherungen abgegeben werden. Auch die Brotversorgung ist gesichert, ebenso die Belieferung mit Kartoffeln. Die Landwirtschaft, der aus dem Reiche Futtermittel und Stroh zur Verfügung gestellt werden sollen, wird fütr die nötige Milchzufuhr nach den Städten Sorge tragen.
Nach einer weiteren Mitteilung des Blattes hat sich Reichsverkehrsminister
Grüner nach Hamm
begeben, um mit dem dortigen Eisenbahnpräsiden- ten wichtige verkehrstechnische Fragen zu besprechen. Der Bersand von Kohle nach dem Süden, Osten und Norden Deutschlands geht anhaltend gut von statten.
Der Reichskanzler und die Zpitzen- organifalionen.
Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers fand eine Besprechung mit den Spitzeno ganisalionen der Gewerkschaften statt, in der volle Einigkeit über die zu ergreifenden Maßnahmen gegen die rechts- widrige französisch-belgische Gewaliakiion festgestellt werden konnte.- Tie Anlegungen der Gewerkschaften werden seitens der zuständigen Restarts verfolgt werden. Die einmütige '21: ffafsung ging dahin, daß in der erfolgreich begonnenen Abwehr deS unternommenen Einbruchs mit allen zweckdienlichen Mitteln fortgefahren werden müsse.
vernntteluiMversuche.
Rur möglich unter Ausschluß militärischen Druckes.
Zu den Meldungen über Vermittlungsversuche in der Frage der Mchrbesetzimg wird von zuständiger Seite mitge'eilt, daß Mr in Betracht tommenften europäischen Stellen ran der Auffa-sung der duschen Regierung unterrichtet sind. Deutschland sek jederzeit zu Verha. dlurgen über ernte vernünftige Derein<uug der Rrparabirmsfrag- bereit, Verhandlungen, die unter militärischem'Druck ständen, könnten södoch niemals zu wirtschaftlich gefunben und an-
gegen, und fein gesunder Verstaub schreckte vor so weitgehenden Folgerungen zurück, aber fein Erlebnis mit Frau Meier und dem Automobil erschien ihm nun in einem ganz neuen, verhängnisvollen Licht, und er konnte sich nicht enthalten, es ihnen unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitzuteilen.
Sie lmstchten atemlos, voll Scheu und doch mit tief- innerster Befriedigung. Für sie war dies Abenteuer nur ein Glied mehr an der feinen Kette, die Frau Meier heimlich schmiedete, und kaum war de Dries voll schwerer, quälender Gedanken heimgekchrt, so eilte Frau Groth zu ihrer Schwester, der Bürgermeisterin, irm ihr hoch- erregt und mit der üblichen Uebertreibung mitzuteilen, was sie von dem Major erfahren habe.
An Hilde de Dries ging die Aufregung und Verstimmung ihres Vaters fast fpttrlos vorüber. Sie bemerkte sie wohl, beachtete sie aber nicht. Ihre eigenen Ange- legenheiten beschäftigten sie zu sehr, und sie zerbrach sich den Kopf, wie sie nach Wunsch zu sichten und zu fördern wären.
Der letzte musikalische Abend im Hansemannschen Hause hatte sie nicht befriedigt. Ihr Verehrer Hans Petersen war zwar dagewesen, aber sie hatte nicht ungestört mit ihm reden können. Entweder er stand mit feiner Geige vor dem Notenpult und spielte mit gefummelter Aufmerksamkeit ober er mürbe von den Vettern und Kusinen umringt und dadurch von ihr getrennt. Selbst der Abschied brachte ihr keinen einzigen unbewach. ten Moment, und das reizte und erbitterte sie so, daß sie beschloß, sich selbst zu helfen.
Schlau und energisch, wie sie mar, ergriff sie die nächste GÄegenheit, hie sich ihr bot.
Als Hans Petersen am nächsten Tage im Schalter- raum des Postgebäudes stand, um eilig einige Karten zu schreiben, erschien Hilde, die ihn von der Straße aus gesehen hatte, ebenfalls, grü'te ihn flüchtig und stellte sich mit einem Deneschenformular an der anderen Seite des Dopvelpultes auf.
Strahlend in freudiger Ueberraschung blickte er sie an, und es war bezeichnend, daß nicht sie dabei rot j wurde, sondern er. Natürlich mußten sie in der Unterhaltung sehr vorsichtig sein, denn der Schalterbeamte konnte sie beobachten und belauschen, aber ein naar oer- trauliche Worte ließen sich während be.v Schreibens , schon wechseln, und so flüsterte er: „Welches Glück, 1
nchmbaren Ergermffen führen. Sie könnten nur dann Erfolg versprech:«, wenn auf j.de Sa.ck.ions- und Pfänderpolitik enhgWig verzichtet werde und Deutschland mit der Gegenseite gleichberechtigt und unb. hindert diskutieren könnte.
(Ein Märchen.
Von französischer Seite wird das Gerücht verbreitet, daß in Deutschland wichtige Truppenbewegungen vorgenommen werden. Von zuständiger Seile wird hierzu erklärt, daß alle deutschen Truppen in ihren Garnisouen sind und daß keinerlei Truppenzusammenziehungen irgendwelcher Art staltgesunden haben.
Der gallische Hahn.
„Antworten" auf deutsche Voten.
Dem deutschen G.schüflslrä^er in Paris ist folgende Mitteilung der französischen R«- g i e r u n g übergcbon worden:
Die französische Regierung beftätiat den Empfang deS Aide !Di6moire, worin die deutsche Steuerung s epen die Verhaftung gewisser Personen tm Ruhr- einet protestiert hat. Die französische Regierung weist die s e n P r o t e st zurück und rst entsch.offen, ihm tn feiner Weise Rechnung z u tragen. Die von der Okkupationsbedörde getroffenen Maßnahmen sind vollkommen rechtmäßig. Sie sind die ,rotze der von der deutschen Regierung be,ian enen Verletzen; des Vertrages von Versailles. Die französische Regierung, entschioffen, die Aussöhrunz dieses WertiaieS durchzusetzen, behält s i ch vor, alle anderen Sanktionen anz.wldnen, welche durch die Hattun; der deutschen Regierung, der deutschen Beamten oder deutscher Staatsangehöriger notwendig ;etn sollten."
Die deutsche Noto, di« ten Protest cccen di: Erschießung des Ktttttikenürörlers Kawalski in Langendreer enchieÄ, ist dorn deutschen (S.schäfts- träger in Paris mit b:r Erklärung zurückgegeben worden, die französische Regien.!. sehn: es weg n des Tones der Note ob, sich mit ihr zu befassen. Wahr- haftitz! Die Eir.bckdw-g und U berhebung der durch die Hilfe aller möglichen schwarzen, gelten und sonstigen Völkerstämcr.en zu „Siegern" gLuo.dene., Fran- zcsen überschreitet alle ©rennen.
v*. Natürlich die bösen Deutschen.
Ein Attentat in Paris.
Sn Paris hat eite jugendliche Anarchistin am M>n- tcg den G^nerasckretär der Patriolenligo. Pl ate, erschaffen. Sie gtamMie den PÄriotenführer Leon Daudet vor sich zu haben. Natürlich dient der Fall da-u, gegen Deutschland zu 'hetzen, das der Anstiftung zu dem Attentat beÄ/. ldigt wird. Die Anarchistin ;ft verhaftet. Sie heißt Germain Verton. Es handelt sich bei d:m Attentat offenbar um einen persönlichen Racheakt. Die Chauvin sten haben aber sofort die Redaktionen der friedensfivu.etlichm Zeit»'gen „Lenore", „Ere ncurefc" und „chusnwnite" gestürmt und mit Keulm alles kurz und «klein geschlagen. Cs wurden zwölf DerhuftunAsn rorgenommen.
Bayern und die Ruhr-Mion.
Dar bayerische Bolckscharakter rsrgiert besonders kräftig auf dir freche Gafetzesrechöhvung durch die Franzofon. Die bayerische RogörlU.og hch der Reichs- regienrg mckgeteilt, daß sie alles tun werde, um den französischen
Gesandten Dard
und die Mtcl oder ferner Gesandtschaft zu schütz n. A-nx.sichts d-er Crrexuü.g der Bevölkerung über den Einmarsch im Rührtet müsse sie jedoch eine Ver- Wilworttmg für den Schutz des Gesand.en a b l e h n e n.
Fräulein Hllde! Lst Ihnen der gestrige Abend gut bekommen?"
Sie nickte. „Ausgezeichnet; aber aufregend war er gerade nicht.'
„O doch!' meinte er, „ich suchte immer, in Ihre Nähe zu kommen, und es gelang mir nicht. Wann sehen wir uns wieder?"
„Bald, wenn Sie wollen."
..Aber wie — wo? — Ich muß morgen noch Ham- tag.“
„Ich auch!" sagte sie und lachte.
„Jst's möglich?"
„Ja; ich reise zum Zahnarzt."
„Mit dem ersten Zuge?"
„Nein, um 10 Uhr, aber das ist ja gl:id)j . ig. Tref. fen können wir uns doch erst in der Stadt."
„Wenn sich das machen ließe, es wäre zu himrn- "sch."
„Natürlich läßt sich bas machen — man muß es nut ein bißchen schlau anfangen. Können Sie Punkt 13 Uhr in der großen Konditorei am Neuen Wall sein?"
„Ja, das kann ich."
„Dann erwarten Sie mich dort, aber nicht untei^ sondern oben im ersten Stock."
„Und wenn uns dort Bekannte sehen?"
„So trafen wir uns ganz zufällig — aber die Gefahr ist nicht groß, von den Grotenburgern kommt niemand dorthin."
„Weiß Ihr Vater schon, daß Sie morgen nach Hamburg wollen?"
„Nein, aber ich werde heute nachmittag solche Zahnschmerzen bekommen, daß er mir selbst zureden wirb, zu fahren."
Sie lachte übermütig, nickte ihm ein Lebewohl zu unb ging; m ihrem Herzen aber dach'e sie: Daß bet Junge in mich verliebt ist. kann ein Blinber sehen, aber ich muß ihm einmal Gelegenheit geben, seine Ge- fühle in Worte zu kleiden unb zu hören, wie er sich die Sache in Zukunft denkt. Vorläufig ist er für mich nur der Sperling in der Hand, aber die Taube auf dem Dache wird vielleicht niemals erscheinen, unb für alle Fälle ist es gut, mehrere Eisen im Feuer zu haben. Ich will einmal sehen, was sich tun läßt
(Fortsetzung folgt)