Cinzelverraufspreiö 20 Mark
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Sladl Fulda.
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Anzeigen: KieinzrNe nach ^o one> 24 Ltk., ausro. 33 Mk. flefiomuetu dennrettfi nach Colone matz 93
Somstag, 20. Januar 4923.
Nr. 15
btronirooriiid) iüi der, .rüouioneUen len : Dr. 3. Kramer. 2 für die Anzeigen: 3. Par ze n er-Fuiüa. :: Rotationsdruck u. Verlag der irulbaer Actiendruckerei in Fulda rernwiechei 'Hx. u. Post »eck-Kon'o 4051 Frankfurt a. M.
50. Zahrg.
Per wirtschasirkrieg imiiAen Deutschland und Frankreich ist im Gang, ^eder 3ug des Gegners wird durch einen Gegen- pariert. Wo die Chance des Sieges liegt, läßt sich heute schwer sagen. Das wirtschaftliche Kampf« Lm ist noch schwerer zu übersehen als das miltta- risch-, seine Kampfmittel sind wesentlich kompli« vierter Jedenfalls hat man den Eindruck, daß auf deutscher Seite zielbewußt und opferfreudig den französischen Anschlägen entgegengetreten wird.
Der Kampf um die Kohle.
Die Frangosen sind dazu üdrrgrgangen, Kchlen, die sie auf andere Werfe infolge der Haltung der ■ Zechcntesitzer nicht erlangen können, mit G-waü zu nehmen. Dir hLten zunächst Kohlenkahne in Ruhrort und Duisburg beschlagnahmt, dann haben sie chre Maßnahmen auch auf Kohlenzüge auege. dehnt. Die ersten Ellgriff« in Len Kvh.enversand auf der Effenbchn erfclgt.-n aus den Stattonen Langendreer, Herne und Marten (im Bochumer und Dortmunder Revier). Bei der Station Langendreer wurden zwei Kohlenzüg« mit etwa 120 W-a§rn Kohlen und 5kokr, die sür die Lermawerke und Mansfeld bestürmt waren, von den Franzosen angelMm und beschlagnahmt-, ein in Marten ungehaltener Zug ist trotz der Bemühungen der Franzosen noch burci;ge= laufen. Die Cisortechn erhielt den Befehl, die angr- haltenen Züge wie.er -wvstuärts zu leiten und zwar nach dem SoiMMÄlbahnhofr W e d d a u bei Duieiburg; hier sollen dann die Züge nach Koks und Kohlen, tatmngen getrennt und nach M e tz geleitet werden. Die be,chlaMchcr.ten Züge wurden mit militärischer Gewalt fostyehallen. Die Franzosen stellten für die drei Züge neue Dsglritpapiere aus. Bisher ließ sich noch nicht genau feststellen, ob di« Zurücklritunrg der Züge nach Weddau tatsächlich erfolgt ist.
lieber die gemeldete Beschlagnahme von Schiffsraum auf dem Rhein wrd der „Frkf. Ztg.“ berichtet, Laß vierzchn Schleppkühne, die Ruhrkohle für SudLeutschond xemten ha.len> auf Lei Reede von Duisburg von den Franzosen für beschlagnahmt erklärt worden finO und Weisung erhallen hrden, bis M a n tu heim zu gehen, wo sie eine weitere Weisung bekommen würden. Auf dem Rhein-Herne-Kanal wurde ter gesamte Schiffsverkehr über di« Schleuse 7 hinaus, die zwischen Hrme und Recklinghausen liegt, verhindert und rur der Pendelverkehr zwischen Schleuse 1, Ruhrort-Hafen unü Schleuse 7 gestattet. Das bedeutet praktisch die Verhinderung aller KohlentraMe-potte aus dem neu besetzten in das unbesetzt« Gebiet.
Vie -Ätschen Übwehr- Maßnahmen.
Wie Der „Lokalan;.* hört, hat der Präsident des EisenbahndirektionSbezirkS Esien das Verlangen der französischen Belatzunasbehörden auf Ableitung von Koblenzügen abgelehnt. Len Beamten und Arbeitern Der NeichSeisendabnen ist, den Bestimmungen des Rechskohleniommiffirs entsprechend, verboten woroen, Kohle für Frankreich und Belgien zu befördern oder bei Der Umlei- tung deulicher Kohlenzüge nach diesen Ländern mitzuwirken.
Eine Verhaftung.
~ Der Präsident deS Düsselkorfer Landesfinanzamkes, Finanzrat Dr. Schlutrus, wurde von der französischen BesatzungSb Hörde verhaftet, nachdem er aufgetordeit wo,den war, die finanziellen Unterlagen der Obeifinanzkasse den französiichen Sachverständig e n vo, zulegen. SchlutiuS wurde unter Bewachung lm Automobil fortgesühn; wohm er gebracht worden rst, ist noch unbetannr.
In Altenes>en wurde ein Schupobeamter von Der Be atzunnSbehärve tieriafte', weil er einem
„Stau Meier".
Roman von ®. v Stolmam.
28 '--
Frau Groth fächelte sich mit einem Zeitungsblatt Küh- lung zu.
»Gott, mein Miete," sagte sie gereizt, „er ist brav unb ehrenwert, aber im ganzen doch ein unfeiner, ungebildeter Mensch, und viel zu derb für meine zart- besackete Ellen. Schon feine laute Stimme macht |te nernös, aber freilich, du denkst nur immer an die gute -Versorgung und hast kein D'.rständnis für die Bebürf- nrsie und Forderungen einer feinen, vornehmen Natur.“ rr."UnäJ>U' lrein 8itte, schadest ihr nur durch deine roibenmga^eniie6e'” rocr bie schnelle und scharfe Er-
.Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen »erren, meinte Ellen kühl, zm Mutter gewandt. „Tante Miete gönnt mir nicht be ne Liebe, Mama, wenn aber *e“rcr ^-bebe bie tümrr.ft n S.reiche macht unb bis über die Ohren m Schulden steckt, bann ist sie selbst so Ichwach bis zur Willenlrsigk,.t, und tut alles, um ihn trteber wetß zu wafch«n.-
^Die intime Unterhaltung drohte in ein ernstes Zer- wurfnts auszuarten, die Stimmen wurden immer schür- 7' b,c Gemüter immer erregtet, da erschien als mitt, tommene Ab ettung Cent tn der Türe, und alle atmeten erleichtert auf.
sie aus besonderem Anlaß kam, lag auf der ben sZbpf7tDQrT95D ^CJanMf bas Bieres - der bei- oen Schwestern sich von den eigenen Angeleaenhutm ab «nö denen der F.au Meier zu. Während Lm- stch estien Augenblick verschnaufe - sie war z, sch ei ^( 7 ' be?e‘en sie, ob Ellen den Bericht mitenb rm in- ihr tur^' Unb frmen lchliesülich dahin überein, bard man '2ü5 C merlär °"Ue, welche Entdeckungen m j J weiteres^,?- 5 ' £ie ronr nun aud) begierig, ®efenheit3V°r<n' °btr ß;nf |tf,L'n »u,rJ‘ bard> -dre Ar.
-'fas ”errcirrt ru fein und hell mit ihrer n8 über Thede» langen und schnell wiederh.llen
französischen Offizier nicht gegrüßt hatte. Bis zu den ipäten Abendstunden war bei Beamte noch nicht wieder in Fretyett ge,etzt worden.
„Zm Gefühl des Sieges."
Der französische Obertelegierte General DMMgnc hat an den RezierunHspräsid.nten von 2>üheütorf fotgentes Schreiben gerichtet:
„Ich habe die E.,re Ihnen mitzuteiilen, daß heute nachmittag im Lantessinanzamt bei Herrn Dr. Schlutrus eine Durchsuchung eingelötet woidon ist. Infolge dieser Durchsuchung werden gBgrn diesen Beamten folgende Maßregeln ergriffen werden: 1) Wegen Gehorsamsverweigerung gegen die Befehle der MMärbchörde; 2) wegen äußer- st er Unverschämtheit, die er im Verlaufe von Unterhandlungen itreb DerhaMungm, die er mit ver- scheten-n französischen Bsarten, wcklche in offiz.eller Mission zu ihm tarnen, bewiesen hat."
Dr. Schluti-us hat offenbar dem Vertreter der „grrrante nation“ echt deutsche Wahrheit gesagt. Ak §atüi8 8er »Mito AoWM.
Das Präsidium des Vorstandes und ter Harn?'ausschuß des Reichsverbantes der deutschen Qroixftrie te° schaftigte sich mit dem französischen Einfall in das Ruhrceblek. Es wurte einstimmig die Wferdumg eines Tetegramms an Fritz Thyssen, Müchnim cn der Ruhr, beschlossen, das in Dankbarkeit und Stolz des mannhaften Auftretens der Vertreter ter Industrie im Ruhrgebiet gedenkt, zum einigen Durchholien mahnt und erklärt, in ter Erkenntnis der Gefährdung ter Existenz des gesamtem deutschen Volkes wolle die Industrie alles tun, dcemit die Opfer, die zunächst Las LrLustriereoier zu dringen hat, nicht vergeblich gebracht werden.
Em Vorschuß sür da? neubesetzte Gebiet.
Wie auS Essen gemeldet wird, hat das Reich für das besetzte Ruhrgebiet einen Vorschuß von einer Milliarde Mark zur Verfügung gestellt, aus dem Entschädigungen für infolge der Besetzung erlittene Personen- und Sachbeschädigungen bezahlt werden sollen.
Vie Franzosen und die Zechenbesitzer.
Für Donnerstag nachmittags waren die Zechen- oertreter wieder zu einer Sitzung zum französischen General Simon nach Düsseldorf geladen. Nur ein Vertreter der Zechen des Ruhrreviers begab sich nach Düsseldorf und erklärte, daß er und die übrigen Zechenvertreter auf dem bereits früher eingenommenen Standpunkt verharren würden.
Wie W. T. B. erfährt, haben sämtliche fünf Herren des Zechenoerbandes, und zwar die Herren Generaldirektor Kesten, Bergaffesior Olfe, Generaldirektor Spindler, Generaldirektor Zengelmann und Generaldirektor Wüstenhöfer sich freiwillig bei der Division eingefunden, wo sie als Einleitung eines gegen sie beabsichtigten kriegsgerichtlichen Verfahrens zu Protokoll über ihre Weigerung, Reparationskohle zu liefern, vernommen wurden. Sämtliche Herren hielten ihre Weigerung unter Berufung auf das ihnen vorn Reichskohlenkommissariat erteilte Verbot aufrecht. Den Herren wurde zum Schluß eröffnet, daß von ihrer Verhaftung vorläufig abgesehen werde, daß sie sich aber jederzeit zur Verfügung des Kriegsgerichts zu halten haben.
Der Zwischenfall in Bochum.
Der framösffche Oberst Hoiller, der für ten blufgen AmisHstrfÄl in Bochum verantwortlich ist, wurde von feinem Post n abberufen. An de Steile ter bisherigen Besatzung Lochums tritt ein a-teres französisches Regrer.ertt. Die Reichsregerung hot wogen der Ermordu.rg tes Arbeiters in Bochum Besuch noch zurück. Sie wußte, was ihren Sohn betraf, hing bie Frau Bürgermeister nicht gern an die große Glocke, unb fo bewegte sie sich nur in allgemeinen Ausdrücken und sagte erregt: „Ich hätte die ganze Nacht nicht schlafen können, wenn ich bie Damen nicht noch getroffen hätte, denn was zu boll is, is zu dcll! So ein Geheimnis drückt einem beinahe das Herz ab, und das Haus, in dem man wohnt, kommt einem vor wie eine Räuberhöhle. Wir haben |a feit Wochen gewußt, daß es mit der feinen Frau Meier nicht ganz richtig ist, aber die Damen meinten immer, si- werbe nur andern in die Hände arbeiten und sich nicht vergreifen an dem fremden Gut, und nun, fa nun,“ — sie brach vor Erregung in lautes Schluchzen aas — „nun hat sie den Doktor ganz gewiß schon um Hunderte und Tausende bestohlen.“
Erschreckt sprangen alle von ihren Sitzen auf. —
„Aber, Lene, um Gottes willen, das kann ja nicht fein.“
„Unmöglich, Sie muffen sich irren.“
„Ich traute ihr ja manches zu, aber das terf) nicht.“
So schwirrten bie Stimmen laut durche nander, unb Lene schneuzte sich umständlich, um ihrer Tränen H rr zu werden. Aber sie biteb bei ihrer ungeh uerlichen Behauptung und sagte schlie'lich: „Lasten Sie mich nur ruhig erzählen, wie alles mar, bann werden Sie gleichfalls einsehen, daß ich recht habe. Also: es kam heute verschiedenes zusammen, was mich ärgerte (dabei dachte sie an Thede) — und es fiel mit auf, daß die Meier sich so viel in Herrn Doktors Stube zu schossen machte. Schon gestern abend, al, er kaum abgerefft war. kramte sie an den Schränken unb Regalen herum, und heute nachmittag saß sie an dem großen Tisch, der mitten I in dem Zimmer steht, hatte einen ganzen Pack Rech- j nunzen vor sich liegen unb sah sie au'merksam durch, dabei machte sie Rotzen auf ein Blatt Papier. Al- ich nun hereinkam und vor sie hintrat, um etwa) zu fronen, schob sie wie zusüln ein Z.itu o, l. tt über die Papiere, aber ich sah gleich, daß es Absicht war, und nahm mir vor, sie später in ihrem eig neu Zimmer zu beobachten, denn das alles zuseimmen kam mir höchst verdächtig vor. Sie war auch zerstreut unb nachdenk-
einen ossizieLen Protest an die französische Regierung gerichtet.
Der Reichspräsident hat an den Obcr- bürgermeifkr in Bochum folgendes Telegramm gerichtet: „Goneal.tätige WÄWr französischer Truppen Hut Leben und Mut wehrloser Bü ger DH er S.adt gekcstÄ. 3n tiefet Eiurüstung über die unmenschliche Tat bitte ich Se, den Opfern meine herzliche Teil nähme auszusprechcu, rm^desondere Herrn Lokomotiv- sichrer Dirve, mein aufrichtiges Beileid zum Tote feine» ermatteten hsffnurngsvaLen Sohnes zu übermitteln!. Reichspräsident Ebert.“
Dan Oberbürgermeistsr vom Bochum ist namens des Magftrats an ten fra..zösifchs.i Militiukomman- dantsn ter Stete ein Schre.ben gerichtet worden, in wÄchem um Untersuchung der Erschie- ß u n g bezw. Verletzung von Bochumer Bürgern durch französische Selbsten gebeten und di« Bff'atzungsbehörde für den entsta.Lsnen Schaden an Leib und Leden verantwortlich gemocht wird.
Ein französischer versuch.
Deutsche Anweisungen an die Landessinanzamter.
Der französische Oberkornmissar in der Rheinprovinz hat vorn Ausfuhramt in Ems unter Androhung von Strafe verlangt, daß dieses den Landesfinanzämtern in Köln, Düsseldorf, Kassel, Würzburg und Darmstadt die Mitteilung zugehcn lasse, wonach Reparationslieferungen von Kohle und Koks eines Ausfuhrscheines der Emser Ausfuhrstelle nicht bedürfen. Das Emser Ausfuhramt hat daraufhin den betreffenden Landesfinanz- ämtern in Erinnerung gerufen, daß das Ausfuhramt in Ems für die Erteilung von Aus- und Einfuhrbewilligungen für Kohle und Koks nicht zuständig ist.
Das Verlangen des französischen Oberkommis- fars stellt natürlich einen Versuch dar. Kohle und Koks für Frankreich und Belgien nach wie vor ungehindert durch die deutschen Zollstellen durchzubringen. Die deutsche Regierung macht die betreffenden Finanzämter und sämtliche in Frage kommenden Zollstellen darauf aufmerksam, daß Reparationslieferungen an Kohle, Koks und Briketts an Frankreich und Belgien verboten sind und daß Kohle, Koks und Briketts — ausgenommen die Reparationsleistungen an Italien — die Grenze nur mit dem Ausfuhrscheine der Ausfuhr st eile d«s Reichskommis- sars für Koh^enverteilung passieren dürfen. _________________ ._________
Die £a:e in Memel.
Kein Abzug der Litauer.
Au8 Memel 'wird gemefbet, daß dort zwei englische und ein französischer Kreuzer einaetroffen feien. Englische Soldaten seien gelautet worden und ständen an der Präfektur Pollen. Die Umaebung der Präfekt r und der Ka erne, in der sich die französischen Truppen befinden, werde gewissermaßen al3 neutrales Gebiet anaesehm. Tie Meldun en einiget Blätter über einen R ü ck^ >fg der Litauer sind unbegründet. Der in 'Diemel eingetroffene englische Admiral hat mit den Sitauei n verhandelt, liebet das Ergebnis ist noch nichts bekannt.
Kusiand.
* Aus dem fernen Osten. D«S chlnesi'che Ab- geotdnelenhaus in P kitig hat eine Enticbließimg angenommen, in der erk.ärt wird, Japans 21 For- betunaen aus dem Jahre 1921 feien null unb nichtig. Die Neuerung wirb drmgend aufgefot- bett, die Rückgabe von Talny und Port Ärihur btS zum 26. März zu fiebern.
lich, gab den Kindern einmal rer'eh te Antwortm unb klagte über Kopfschmerzen. L ider konnte ich nun nicht gleich an ihrer Tür Posto fasten, als sie Liefe hinter sich verschloß. Der Schlächter kam nachfragen unb hielt mich auf, aber als ich mich nun glückl ch heraagefchllchen Halle unb aufmerksam in das Zimmer fpä' te. was meinen Sie wohl, was ich sah? — Einen Haufen (Salb’ Wo sie ihn hergenommen Holle, — ob aus ihrer Tasche ober sonst woher, weiß ich nicht, aber er lag da mitten auf Lern Tisch — Gelb, Silber unb Kassenscheine, allez durch, einander unb sie saß davor unb ordnete es schnell unb sorgfältig. Man sah Heich, sie hatte Hebung barm. Ganze Reihe von. Hundertmarksch.'inen unb Zrvanztg- marlstücken breitete sie vor sich aus, überzählte sie ein parmed und sagte dann seufzend im Sechstiespröch: „Schade, es reicht doch noch nicht!“ Dann schob sie alles wieder zusommen, steckte es in eine Koste und verschloß sie in ihrem Koffer, der ja immer noch in ihrem Zimmer steht.“
Die Damen hatten mit gespannter Aufmerksmnkell der Erzählung Lenes zug.-hört, nun sagte Frau Groth „3a, Lene, bas ist allerdings sonderbar.“
Unb mein Miete fügte voll Spott hinzu: „Eine arme Hausdame, bie im Gölte wühlt.'
„Wie sie es sich nur verschafft hat?" meinte Ellen unb empfanb ein angenehmes Griffeln in bem Bewußtsein, mit einer so g.-jährlichen Person freundschaftlich ver- kchrt zu haben, „sie muh doch mit beispielloser Kühnheit vorgegangen sein.“
„Tas stimmt, Frau Baronin, daran fehlt es nicht, aber anderseits hat sie es diesmal auch leicht unb bequem gehabt. Sehen Sie, seitdem sie im Hause ist, sind fortgesetzt Leute gekommen, die ihre Dckterrechnung be- zahlen wollten, und manchmal hat sie das Geld fegir selbst in Empfang genommen unb die R chmmg quittiert. Dielleicht hat sie dann unb wann auch gleich etwa, zurückbeha'len, jedensa'ls wußte sie aber, teß ber Herr Doktor viel bares Geld im Hafise holle u'nh auch, wo er es ausbewahrte. Er ist in solchen Ding n wie ein Kind, unb er kennt kein Mißtrauen unb feint Heimlich, leiten. Gestern ist er nun auf acht Tage nach Sud-
WWMWN MlMMkW.
wtb Paris, 19. Jon. (Tel.) Dir Dlälier teilen mit, daß gcflem nachmittag die Reichsdank in Main; ihre Schalter gffchloffen habe: Das „P.iil Journal* erwartet, daß diese Mazuahm.en auch auf Köln und Duisburg ausgedehnt werde. (Einig: Blätter betonen, daß durch diese Maßnahmen eine besondere Währung für das links- unb rechtsrheinische Rheinland beschleunigt werten kenne.
wtb Mainz, 19. Jan. (IeL) Es bestätigt sich, daß die hiesige Reichsbankskelle ebenso wie diejenigen in Dingen und Wiesbaden von der französischen Militärbehörde besetzt worden ist. Dor den betreffenden Gebäuden stehen französische Posten. Der Zutritt ist untersagt. Die Beamten befinden sich im Gebäude. Es können nur verhältnismäßig geringe Beträge ansgezahit werden. Infolgedessen macht sich Geldmangel fühlbar und übt auf das GefHästsleben einen lähmenden Einfluß aus.
Die Staatsgut en beschlagnahmt.
wtb Paris, 19. Jan. (Tel.) Das „Echo de Paris teilt mit, daß heute 9 Staatsgruben nördlich von Essen beschlagnahmt würden. Die Zechen würden am Ausgang streng überwacht. Die Direktoren und deren Stellvertreter müssen sedm Augenblick über die Geschäftsführung den Delegierten der Alliierten Auskunft geben, die mit diesen an der Derwaltung teilnehmen. Ziemlich große milikärische Slrellkräfte wetten in jedem Falle bie Durchführung des neu einzuführenden Regimes sicher stellen. Durch dieses Dorgehen soll in der Hauptsache die Einführung der Lohlensteuer im ganzen Rheinland sicher ge< stellt werden.
ßmzkMW tn der IrmMto Mm.
Das Verfahren gegen den Kommunisten Cachin.
wtb Paris, 19. Jan. (Tel.) Die Kammer hak in der gestrigen Sitzung mit 371 gegen 143 Stimmen die Aushebung der parlamentarischen Immunität des kommunistischen Abgeordneten Cachin angenommen. Die Verhandlung war von einer Heftigkeit, wie mau sie selten in dem französischen Parlament erlebt. Die Sitzung mußte wiederholt unterbrochen werden. Zum Schluß kam es sogar zum Handgemenge.
(Siehe auch „Letzte Nachrichten".)
Deutscher Reich.
* Die Getreide Umlage. In ber Sitzung des Reichsrats wuroe der Ge,etzenuviirs über die Rezeaug des Verkehrs mit (Setteite aus der Ernle 1922 dann abzeändert, daß das Ende der LiefeiungSfrist des Umia egetreides um einen Monat verkürzt, also vom 15. Apnl aus 15. Märi zuruckverlegt rottö.
* Religionsunterricht in Sachsen. Bon den 1580 fachmchen BolkssHulleyrern Haven 5J5 oder kaum 35 Prozent die Ecienurw des Religlon-unrer- llchls abgeleuni. Bon den 720174 Voltsichüleni sind nur 94 915 oder 14 Pio-ern vom Rellgions- unierrichl befielt woiden. Besonders diese letzte Zahl bewert, daß die bekannten ministeriellen Verfügungen sich keme-wegs auf die Gcwissenssrecheit beiufai dürfen.
mniiirrrriii r iiiiibii, il—w r mm 111vmu hii nimm boutschlanb gefahren — ich weiß, sie hat ihm noch fehl zugeredet, die weite Reise zu machen, unb wenn die Katze fort rst, haben die Mllufe frei tanzen. Run holl sie sich einfach van dem Geld, fo viel sie braucht, bringt es über die Seite und bezahlt ihre Schulden damit, Zeit genug hat sie ja dazu“.
„Aber wenn mein Onkel w'.everkommt, was dann?“
„Dann wird er sie am allerwenigsten im Verdacht haben, vielleicht merkt er auch nicht gleich, wie viel ihm fehlt, unb laßt ihr jedenfalls Zeit genug, spurlos zu verschwinden. Mit den Herren versteht sie umzugehen — das muß man ihr lassen. Ob jung, ob alt, — die tanzen alle, wie sie pfeift.“
Frau Groth fchüttelte den Kopf. Trotzdem müßte man meinen Schwager Mathesius von dem Fall in Kenntnis fetzen. Er ist ber oberste Polizeiherr hier am Ort, kann sofort eine Haussuchung anorbnen und Frau Meier festhatten, ehe sie ihren Raub in Sicherheit bringt. Was meinst du, mein Miete — willst du mit Johannes reden?“
Die Frau Bürgermeisterin machte fürs erste nur eint Bewegung der Abwehr. Ihr Gemüt wurde von w.tec- ftreitenben Empfindungen zu lebhaft erregt. Einesleils schwelgte ihr Senfationsbebürsnis in dieser neuen Schauergeschichte unb ihr kleinlicher Sinn füllte eine starke Genugtuung bei bem Gebanken an bie beoor» ftehenbe völlige Nicberlage ber Feindin, anderseits erschien ihr Lenes Ausfassung doch etwas gar zu ungeheuerlich, unb eine innere Stimme warnte sie davor, in dieser Beziehung gleich zu weit zu gehen.
Mein Miete war überhaupt im Grunde eine feige Natur, weiche die Verantwortung für die Folgen ihrer Handlung gern andern zufchob. — Nun, da aus bem aufregenden Spiel Ernst ^rden sollte, war sie diejenige, bie ängstlich zu e. gewissen Mätzigung und Vorsicht riet und eine £■/-. .chung während ber 21 b« - Wesenheit ihrer Bruders do recht bedenklich fand. Sie beschwor bie drei andern, virläufig gegen jedermann zu ; schweigen und von einer förmlichen Anzeige abzufehen.
* (Fortfetzuiw folgt.)