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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Elnzelverkaiifsprels 20 Mark,

Nr. 13.

tietaniroonitd) im Den leoaidoneUen leu: Dr. I. Kramer. - füt die Anzeigen: I. ParzeHer-Fuloo. :: Rorarionsdrur! u. Verlag der Fuldaer Attiendruckerei in Fulda ^ermnrecber 9it. 9. Posttcbeck-Kon'o 4051 Frankfurt a. M.

Donnerstag, 18. Januar 1923.

Bezugspreis: Monatlich 375 Mt. Zustellgebühr extra, r Abgeholt in der Gejchäftsst«lle 390 Btt. -

Anzeigen: Kleinzeile nach Tolane« 24 2I1L; ausro. 30 Hit. Reklamezei>e derthreitf) nach Colone mag 90 ularf.

50. Zahrg.

Gewalt am Werk.

Der französische Imperialismus ist in das Stadium schrankenloser Auswirkung ge­treten Durch stoisches Ertragen schwerster mate­rieller und seelischer Belastung muß Deutschland versuchen, diesem französischen Wahn Gelegenheit zu geben, sich tot zu laufen. Das ist der einzige Rettunqsstern, der dem deutschen Volke noch leuch­tet Die Hoffnung auf Hilfe von auswärts dürfte allmählich auch bei den Gläubigsten geschwunden sein Zurzeit prasseln die Gewaltakte der Fran­zosen in ununterbrochener Folge auf uns nieder.

Die Reparationskommiffion

mar in Paris versammelt. Der englische Vertreter Bradbury war wegen Erkrankung nicht erschienen, hatte aber einen Vertreter geschickt. Dieser be- telligte sich an der Abstimmung nicht. Die anderen Wtglieder aber stellten wegen der Einstellung der Kohlen- und der Vieh-Lieferungen

zwei neuevorsätzliche Ver­fehlungen"

Deutschlands fest. Nach den Mitteilungen der Blätter sollte die Reparationskommission ursprüng­lich auch mit der Nichtlieferung der von Frankreich angeforderten Pflastersteine sowie der Verzögerung der Verhandlungen über die deutsche Mitwirkung an den Kanal- und Eisenbahnprojekten Le Troc- guers befaßt werden. Poincare scheint es aber vorgezogen zu haben, sich einige Vorwände für neue Sanktionen in Reserve zu halten. Dagegen hat er sofort auf Grund des obigen Spruches

neue Sanktionen

in Bereitschaft. Ein Telegramm meldet:

wtb Paris, 17. Ian. (Id.) Die havasagenkm berichtet über die nächsten Maßnahmen: Infolge b:r gestern seskgestelltenVerfehlungen" Deulsch'auds bei den Kohlenlieferungen hätten sich die französische und belgische Regierung entschlossen, sofort auf Konto der Alliierten

die Sohlen st euer«

im besetzten Getüet und im Ruhrgebiet zu erheben. Italien werde sich diesen Maßnahmen anschließen. Weitere Sanktionen seien der Gegenstand von Bera­tungen zwischen den brd alliierten Regierungen ge­wesen und zwar infolge der zwei w-itereu von der Zleparationskommission feskgeskellten Verfehlungen in den Vieh- und Hoizlieferungen, nämlich die

Kontrolle der Dominialwälder.

Diese werde vorbereitet und ferner die

Errichtung einer Zolllnie am Rheinland und Ruhrgebiet geprüft.

des Münsterlandvs sind irMtärksch besetzt. Englische Blätter deuten, wohl aus tendenziösen Absicht:n heraus, cm, daß der Vormarsch noch bis Berlin gehen könne. DMhtenswerttr sind die

Gewaltakte gezen -le Zechen^ esitzer, zu denen sich die bislang vergeblichen Versuche der Franzosen, die Ruhrkohl« in die Hand zu bekom­men, jetzt auswachsen. Frankreich will die Ruhr­kohle und Ruhrkoks, der zur Verarbeitung der lothringischen Eisensteine benötigt wird, unter allen Umständen erraffen. Wie hier schon angekünüigt wurde, fand am Dienstag inDüsfeldorfeine Konferenz statt, zu der der Leiter der franzö- ischen Ingenieur-Kommission, Koste, Zechenbesitzer und Bergarbeiter befohlen hatte. Mit Drohungen unb Versprechungen suchten die Franzosen die deutschen Teilnehmer zu ködern. U m s o n st! Mach ergebnisloser Verhandlung wurde den einzelnen Firmenvertretern ein Befehl in französischer Spra­che überreicht, der in Uebersetzung lautet:

Der Generalinspektor der interalliierten Kontroll- komnnssion befiehlt auf Grund der Vollmachten, die ihm durch Befehl vom 11. Januar 1923 vom Rommen- danten der Rheinarmee, General D e g o u t t e, er­teilt sind, Herrn . . ., den verantwortlichen Vertreter der Gesellschaft . . . von morgen, dem 17. Januar 1923 früh an, alle Aufträge auf Kohlen» und Koks- lieferungen wieder auszuführen, die für die Entente bestimmt sind (Reparationskohlenlieferungen), und zwar derart, daß sie in d e r Menge und in d e r Qualität aus- geführt werden, wie während der ersten acht Tage im Januar. Diese Mengen sind zu e r h ö h e n, bis ein neuer Befehl erteilt wird, um 20 Prozent, um die seitdem eingetretenen Rückstände zu decken. Die Lieferungen an die Entente sind in vollem Umfange auszuführen, bevor irgendwelche Sendungen ins unbesetzte Deutschland erfolgen. Dieser Befehl erstreckt sich auf die Sendungen auf dem Eisenbahn- wie auch auf die auf dem Wasserwege."

Gegen die Folgen für das unbesetzte Gebiet, die sich aus diesem Befehl ergeben können, sind von Berlin aus Maßnahmen eingeleitet. In Berlin z. V. sind die Steinkohlenbestände bei den Kohlen­händlern beschlagnahmt worden.

Heber die UohlenreqAifition

besagt noch eine Meldung folgendes:

wtb Paris, 17. Jan. (Tel.) Wie Hcwr« be- richtet, haben gestern 6 der Zrchenbesitzer in dem Be­zirk von Essen die Requifltionsorder erhalten. Wei­tere Requisitionsbeschle sollten gestern noch cchgehen, sodaß seht

sämtliche Grubenbesitzer

im Besitz der Requifltionsorder sein werden. Die Grubenbesitzer werden einzeln für die Ausführung ihrer Verpflichtungen haftbar gemacht. Es wird ihnen

mik einem Militärgericht gedroht im Falle, daß sie flch dem Befehl nicht unterwerfe», der diesmal nicht von den Zivitbehörden, sondern von den französischen Militärbehörden ausgegangen ist.

ksge das unter keinen Umständen am Syndikat selbst, sondern lediglich an feindlichen Eingriffen. Falls nicht französisch-d.lLische GogenaiVrdmmgen getroffen werden sollten, sei für eine glatte Wicklung des Ab- satzes Sorge getragen.

Ungebetene Gäste,

Rach einer Blättermeldung aus Essen wollte am Dienstag eine Kommission von französischen Offizieren die ZecheSälzer-Nenick" im Norden von Essen besichtigen. Der Betriebsrat der Zeche erklärte, daß die Arbeiter sofort die Arbeit niederlegen würden. Sie wollten

nicht unter fremden Bajonetten arbeiten. Die französischen Offiziere verließen darauf die Zeche.

Rach einer Meldung desBerliner Tageblatts aus Bochum traf dort der Oberkommandierende der französischen Rheinarmee, General Degourte, ein. Er hatte eine Besprechung mit den anwesenden französischen Generälen.

Die Drangsalierung der prefle.

Nach einer Meldung desBerliner Tageblatts" aus Kehl ist das Blatt dort auf Befehl der franzö­sischen Besatzungsbehörde verboten worden. Der Voss. Ztg." zufolge ist derMainzer Anzeiger" von der französischen Militärbehörde beschlagnahmt worden und sein Erscheinen auf drei Tage ver­boten worden. Gründe wurden nicht angegeben. Die AM im MWWikm.

Die Reichsregierung beschäftigte sich, ebenso wie in den letzten Tagen, auch gestern in einer Kabi- nettssitzung mit der augenblicklichen Lage. Das Berliner Tageblatt" schreibt, daß sich die Reichs­regierung auch bei einem eventuellen weiteren Vorgehen der Franzosen vor ihrer bisherigen festen

Haltung nicht abbringen lassen und insbesondere unter dem Druck Frankreichs und Belgiens nicht mit diesen Staaten verhandeln werde.

Die interalliierten Schulden.

Der Aufschub der englisch-amerikanischen Schulden- Verhandlungen wird auf Me i nungSver s chieden- heilen zwischen den beiderseitigen. Vertretern zurückaeführt. Die Meinungsverschiedenheiten sollen chaupstächuch die Höhe des Zinssatzes betreffen.

Die Memelsrage.

Di« Dotschafterkonferenz wird sich mit der Me­melsrage befassen, ^ferner wird sie über die B.rteibug der alten österreichifch-umtgvr'schen Schuld beraten. Hierzu sollen auch österroichisch-ungarischs Vertreter gchört werden.

Der beim Einmarsch der Litauer durch Kopfschutz verwundete Direktor der Memeler Handelsbank ist gestorben.

Es ist zu verstehen, wenn angesichts solcher Mel­dungen die Mitteilung auftaucht, daß auch der deutsche Botschafter in R o m zum Zeichen des Protestes gegen die italienische Mitwirkung an den französisch-belgischen Maßnahmen abberufen werden soll. Vorläufig wird aber eine solche Maßnahme in Abrede gestellt.

Indessen geht die Bargewaltigung des Ruhrgebiets chren Gang und der Griff noch der Ruhrkohle wird von Poincares Handlangern konsequent weitergefühtt. Das gange Industriegebiet, jetzt auch Dortmund emfchließend und hinauf bis Coesfeld an der Grenze

(Eine Erklärung des ltolensynöikats.

Das rheirrisch-wesMsichs Kohlrnsynbikot veröffent- Acht eine Erklärung, in der die Gründ« einer Drr- beMng nach Hamburg eingeh«-«, ba.geügt tonten und in der zum Schluß hervorgchoben wirb, daß der Geschäftsbetrieb in Hamburg bereit, vollkommen wieder ausgenommen worden ist. Die Be» fürchung, daß der geschäftlich- Apparat des Kohlen- syndikats zerschtouen sei, sei unbsgründrt. Wenn Stö- limgen in der Kohtenoersorgung «ntrettn sollten, so

Deutsches Reich.

* Berlin, 17. Ian. Der deutsche Botschafter kn Moskau, Gras Brockdorff-Rantzau, ist zur Berichterstattung in Berlin eittgetroffen. Auch der deutsche Gesandte in Warschau, Ulrich Rauscher, ist angcEormen.

* Die neuen SelreidesLsabeprelsr. Die Reichs- yetrell-esdell« Hot mit Wirkung vom 15. Janu« ab be Ah-alepevife für die Zckxh Rozzrn ans 197 000 Mark, für de Torr« Weizen auf 212 000 Mark her-

aufgesetzt. Dementsprechend beträgt der Preis für den Doppelzentner Roggenmehl 27 030 Mark und für dm Doppelzentner Weizenmehl 29 000 Mark.

* Gras Lerchenfeld gchl nach Amerika. Wie die Korrespondenz Hoffmann erfährt, wird ter frühere bayerische Ministerpräsident G.af Lerchenfeld sich am 1. Februar nach Nord amerika einschiffen, um dott auf Einladung des Wohltätigkeitskomilees, dessen Vorsitzender Konsrtt Semtnler ist, in einer Reih: von Stätten Vorträge über die Lage in D.u schiand zu halten.

* Deutsch-spanisches HantelscL-kommen. Zwischen der deutschen und panischen Regiernng ist ein bis 28. Februar 1923 gültiges provisorisches Han- -clsabkommen abgeschlossen worden.

Deutscher Reichstag.

Kleinere Vorlagen.

In der Sitzung am Dienstag wurde der Ausliefe rungsvertrag mit der Tschecho-Slowakei in allen drei Lesungen genehmigt. Das Gesetz zur Dereiusachung der Allgemeinverbindlichkeitserklärung von T a ri f v e r t r ä- g e n wurde in dritter Beratung debattelos angenom­men, ebenso eine Novelle zum W e i n g e s e tz, b e sich auf den Gebrauch französischer und portugiesischer Her- kunftsnamen bezieht.

Dann kommt die Novelle zum Pressenot. g e s e tz zur ersten Beratung. Danach soll die Holz- verkaufsabgabe zugunsten der Rückvergütung für die Presse mit Wirkung vom 1. Januar d. I. vonA aus VA Prozent erhöht werden. Der Demokrat Külz bean­tragte Erhöhung auf 2 Prozent. Dieser Antrag wird fast einstimmig angenommen. Mit dieser Aende- rung wurde das ganze Gesetz in zweiter unb dritter Lesung verabschiedet. Mittwoch: Anfragen, kleiner» Dorlagen.___________________

3a Mi liwaMi SffliÄiN'ffl.

De Gesetzentwürfe über ter neue Städte- und LandgLM«ndeordnnna sind vom Preußischen Staats- rat nunmehr endlich durchbrraten und mit sei en Ab- äichernngsvorschtägen tem Preußischen Land­tag zugegangsn. Die Preußische Sia-Ärrm crung hat einen Teil ter WätttecMM-vors H'.äge des Staats­rats angenommen. Mit ter Verabschiedung der Vor­lagen soll sich nun ter Landtag beschäftigen. Es heißt, daß nun bereits

im Mai dieses Jahres in Preußen die neuen Kommunal w-cchlen stüttfinden sollen. Zu ihrer Bo.tareituny hat di: Kormuncrl- polit'ische Vereinigung der deutschen Zentrumspartei (Zentralstelle in Köln, Ursulagartensttaße 19) folgende Leitsätze ausgearbcftet, die von allen örtlichen Pariei- iusiangen sorgfältig beobachtet wsvden müssen:

I.

Der Schulung ter Parkirniigsivter auch aus kommtmatpolttischrm Gebiete ist in Stadt und Land ständig die größte Aufmerksamkeit zu schenken. Diese Sch/tuug:arbeit darf nicht auf tee Wahlzeiten beschränkt bleiben.

II.

1. Die Zentrum spartei teteiftgt sich in allen Gcmoinden, Kreisen und Städten offiziell an den Wah­len zu den Setbstverwa'dungskörperschaften.

2. Die GsMuteparlMnente müssen nach poli­tischen Gesichtspunkten zusammengesetzt werden. Domeittsprechewd lohnt die Zentrumspartei grundsätz­lich tee Zusammrusetzung der GAnrintepoulam:rrte nach bc>rttfcstänbischen Gesicht-punkten ab; vor allem sind auch Stande.listen als Verstoß gegen das Zentrumsprogramm grundsätzlich zu ver­werfen.

Diose grunksätzkche Auiftasftmg schkicßt ernte ver­nünftige Rücksichtnahme auf bi e wichtig­sten Stände tat ter Aufstellung der Kan.Datrn-

$rau Meier".

Roman von 0. v. Stokman«.

26 f ------------

Doch ach, eine ungeahnte, niederschmetternde Nach­richt erwartete ihn dott. Onkel Max war verreist und wurde erst in .acht Tagen zurückerwartet. Frau Meier, die er im Studierzimmer beim Ordnen medizinischer Fachblätter fand, teilte ihm diese Tatsache lächelnd mit und war ganz erstaunt, ihn, den allzeit Heiteren, mit einem Male unsicher und verstört zu sehen. Bleich und fassungslos sank er auf einen Stuhl, und der Seufzer, der über seine Lippen kam, klang wie ein Stöhnen.

Das Mitleid der liebenswürdigen Hausdame war so­gleich erregtWas ist Ihnen, Herr Mathesius?" fragte sie sanftTrifft die Nachricht gar so hart?"

-Ja", sagte er und sprang unruhig wieder auf,ich wollte, mußte memen Onkel heute sprechen in einer dringenden, für mich hochwichtigen Angelegenheit, und nun versagt auch er, nun ist auch die letzte Hoffnung da­hin."

Brauchen Sie seinen ärztlichen Rat so notwendig?"

Er lächette bitter.Wenn es nur das wäre, würde ich einfach zu feinem Merreter gehen, aber so ich bin wirklich in einet verzweifelten Lage." «

Vielleicht kann ich Ihnen helfen."

Sie?" Er schüttelte mutlos den Kopf.Keine Möglichkett! Sie sind ja selbst haben ja selbst" er stockte.

®lit feinem Instinkt erriet Frau Meier die Wahrheit Handelt es sich um Geld, Herr Mathesius? Wollen Sie Ihren Onkel um ein Darlehn bitten0 Dann wären Sie sowieso vergeblich gekommen. Der Doktor fprach gestern noch mit mit über seine Vermögenslage und meinte, er gönne sich die tune Studienreise kaum, denn er müsse fein Geld ftreng zusammenhalten, um für die nächste Zett gerüstet zu sein. Die Zwillinge beziehen im Herbst , Universität, das Dach des Hauses bedarf dringend emer Ausbesserung, und ein Pferd muß auch wieder angeschafft werden, da der alte Rappe vor wenigen la- ist. Dazu bet große Hausstand, die hohen ersicherungssummeu, die pünktlich gezahlt werden müs-

fne, bte zahllosen Beiträge zu Vereinen wn> mildtätigen Zwecken der arme Mann weiß selbst kaum, wie er allen Anforderungen gerecht werben soll, und hat wirk­lich nichts übrig, um andern zu helfen"

Thede nahm feinen Hut, um sich zu verabschieden. Ra ja", sagte er tonlos,Pech muß der Mensch haben Da kann ich ja wieder gehen."

Frau Meier hiett ihn mit einer schnellen, impulsiven Bewegung zurück.Rein", sagte sie,bleiben Sie noch einen Augenblick und setzen Eie sich zu mir. Handelt e» sich um eine große Summe?"

Er wagte kaum, sie anzublicken.Eine sehr große."

Ist es ein Wechsel?"

Ja, leider."

Wie hoch?"

Dreitausend."

Und außerdem?"

Etne Menge Rechnungen und kleinere Darlehen."

Haben Sie alles zusammengezählt?"

Ja! Außer dem Wech-l sind es noch gegen zwei­tausend Mark."

Also fünftausend Im ganzen. Bi, wann müsirn Sie dar Geld haben?"

Bis nächsten Dienstag, und heute haben wir Frei- toz."

Sie schwieg einen Augenblick und sagte dann ruhig: Das ift- allerdings schlimm, aber weshalb wenden Sie sich nicht an Ihren Batst?"

Weil das vollkommen nutzlo, wäre! Unser kleines Vermögen ift in einer Häuserhypothek angelegt, die vor­läufig unkündbar ist, und was mein Bat« von feinen Einnahmen erübrigen kann, gibt er mir sowieso. Er Hut mich noch für einen Bruder zu sorgen, der erwerbs­unfähig ist. Um meine Schulden zu bezahlen, müßte er also selbst eine Anleihe machen und die Gefälligkeit seiner Freunde in Anspruch nehmen. Da, würde et mir nie verzeihen und selbst sehr schwer en dem Bewußtsein tragen."

Und Ihre Mutter? Weiß sie en Ihre Verlegen­heiten?"

Sie ahnt sie wohl, aber daß die Gefahr fe nahe unb so groß ist, weiß sie ntcht.'

Dann will ich Ihnen Helsen." Sie sagte e$ ohne t die geringste Erregung, als fei e» die einfachste Sache

von der Welt, aber al, er sie nun entzückt und Überrascht mit heißen Danksagungen überschütten wollte, hob sie in schneller Abwehr die Hand und meinte kühl:Hören Sie mich erst ruhig an, Herr Mathesius. Eine arme Hausdame ist keine Kapitalistin und natürlich nicht in der Lage, Geld zu verleihen, ich habe aber gute, sogar sehr gute Freunde in Berlin, uiü) wenn Sie Ihre An­gelegenheiten in meine Hand "gen wollen, kann ich Ihnen die fünftausend Mark bis Dienstag verschasfen allerdings nur unter gewissen Bedingungen."

Mit strahlendem Lächeln sah er ihr in die Augen und küßte ihr die Hand.

Wie lauten sie? Sagen Sie es schnell. Ein neuer Wechsel? Hohe Prozent«? Ratenweise Abzahlung? Ich bin mit allem einverstanden."

Sie schüttelte den Kopf.Nichts von alledem. Ein einfacher Schuldschein genügt, aber Sie bekommen das Geld nicht in die Hand, sondern müssen mir die betref­fenden Adressen und Papiere heute noch vorlegen. Ich werde den Wechsel dann selbst einlösen, die Rechnungen selbst bezahlen."

Sie trauen mir nicht?"

Ich kann es nicht. Ihr Leichtsinn" der Ihnen nicht einmal voll zum Bewußtsein kommt, ist gar zu groß. Sie wollen ein neues Leben anfangen, abef wenn ich Ihnen wirklich helfen soll, muß ich Sie auch vor sich selbst beschützen. Für Sie ist bares Geld immer eine Versuchung. Es wird leicht ausgegeben, und ein Teil der Rechnungen bleibt dann unbezahlt. Seien Sie ein­mal ehttich, hab« ich nicht recht?"

Er neigte in schmerzlicher Selbsterkenntnis stumm das Haupt.

Die Quittierten Rechnungen und der eingelöste Wech­sel gehen natürlich ordnungsgemäß an Sie zurück. Sind Sie damit einverstanden?"

Ja."

«Ich habe aber noch eine andere Bedingung, deren strenge Durchführung mir nicht minder wichtig erscheint", fuhr sie fort, und ein leichtes Rot stieg bei d esen Worten in ihren Wangen empor.Sie dürfen meine Dermitt-

I hing nicht erwähnen, müssen mir auf Ehrenwort Still- lchweigen geloben. Nicht für immer, aber bis zu dem |

1 Auoenblick, wo ich selbst Sie Ihres Versprechens feier- >

sich entbinde. Niemand hier in Srotenburg, Ihre eigene Mutter nicht ausgenommen, darf ahnen, daß ich Ihnen eine so große Summe Geldes verschafft habe, und nur wenn Sie mir das versprechen, kann ich es wagen, Sie aus Ihrer Verlegenheit zu befreien."

Thede Mathesius war von Freude ganz berauscht, und diese Bedingung erschien ihm noch leichter erfüllbar, als die andere, zumal da es ja in feinem eigenen In­teresse lag, zu schweigen. So erging er sich denn gegen Frau Meier in begeisterten Beteuerungen und wurde erst wieder kleinlaut, als sie ruhig sagte:Nun noch eins, lieber Freund, wann und wovon wollen Sie die fünftausend Mark wieder zurückzahlen? Niemand wird Sie drängen, aber einen bestimmten Termin und eine gewisse Ordnung müssen wir doch festsetzen."

Diesen klaren Augen gegenüber, die ihn so forschend ansahen, wußte der schöne Thede buchstäblich nicht, was er antworten sollte, aber dann mit einem Male tarn ihm ein genialer Gedanke, und er fragte zögernd und vorsichtig tastend:Frau Meier, Sie haben gewiß schon von Onkel Tim gehört?"

Allerdings, von ihm und seiner Witwe. 3hre Tante Melone hat mir von den beiden erzählt."

Er sprang auf, um seine Unsicherheit zu verbergen, und sich gleichsam an seinen eigenen G danken berau­schend. meinte er lebhaft:Nun, sehen Sie. gerade um diese Witwe handelt es sich. Sie ist reich und wird mit der Zeit alle meine Verbindlichkeiten einlösen. Sie müsien nur etwas Geduld haben."

Die Hausdame war sehr erstaunt.Mein Himmel", sagte sie,wie ift denn das möglich, daß Sie die Witwe des Onkels Tim kennen? Ich denke, die alte Same ift für Sie noch gar nicht in die Erscheinung getreten und hat jeden Annäherungsversuch abgelehnt Fsäu» (ein Abelone Vollmer meinte sogar, man habe ihre Spur verloren, und die Hoffnung, jemals von ihr zu hören, sei ein für allemal vorbei."

Um Thedes Lippen spielte ein überlegenes Lächeln, Jawohl", sagte er.so denken die andern, die Kurz­sichtigen und Kleinmütigen, aber ich habe heimlich Nach­forschungen auf eigene Hand angestellt und bin für mein« Bemühungen auch belohnt worden."

(Fortjetzuna folgt.)