so Zahrg
Dienstag, 16. Januar >923.
Nr. II
Die
Kommunisten
eine
Demonstration
Po ncares weitere p!äne.
wtb Paris, 15. Ian. (Tel.) Poincare hat gestern mit dem Minister für öffentliche Arbeiten und dem Ainanzminister über die Maßnahmen verhandelt, die im Ruhrgebiet in Ausführung begriffen find.
Die der «Petit Parisien" mitteilt, werden die Franzosen den Bezirk von Bochum besetzen und j von Mittwoch ab werden die AAiierken in den neu- besetzten Gebieten
die Kohlen st euer erheben. Von den neubefehken Gebieten sollen die mehr industriell als bergbaulichen Bezirke von Dort- ; mund, Witten und Barmen ausgeschlossen | bleiben. Das jetzt neu zu besetzende Gebiet wird j von dem Leiter der französischen Ingenieur-Köm- i Mission Caste «die rote Zone" genannt, das bereits ■ besetzte Gebiet dagegen die «grüne"; die rote Zone i prvduziert nach dem »Paris Parisien" 54 Millionen Tonnen Kohle, die grüne Zone 26 Millionen Tonnen und das linke Rheinufer 6 Millionen Tonnen. Die Alliierten würden also nach vollendeter Besetzung
86 Millionen Tonnen Sohlen erhallen. Das würde im weitsten Maße genügen, ; um die Reparationskommission mit ihren 19 Mil- 1 Honen Tonnen Kohleubedürfnislen für die Alliierten und die Bedürfnisse des Ruhrgebieles zu befriedigen. Die Beschlagnahme der Kohleaskeuer sei notwendig, um die Zechenvesiher für die Lieferungen an die Alliierten zu enlfchädigrn. Durch | eine Ordonnanz des französischen vberkommandie- I renden der Rheinlande werden die Machlbeftignisse dem Herrn Cosle nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch auf dem linken Rheinufer übertragen. Andere Maßnahmen könnten gleichfalls unvermeidbar sein, wenn beispielsweise
die Reichsbank
das Ruhrgebiet nicht mehr mit den nötigen Geldern | versehen würde.
Feind im Land!
lieber die Zustände im neubesetzten Gebiet unterrichtet folgendes Telegramm:
wtb Essen, 15. Ian. (Tel.) Durch Verordnung des Generals Degoukte vom 11. Januar war i unter anderem angeordnet, daß sämtliche
Waffen und Munition, die sich im Besitz der Zivilbevölkerung befänden, den \ Gemeindebehörden zu übergeben seien. Letztere ! hätten hierüber ein Verzeichnis den Besatzungsbehörden zu liefern. Auch Pulver- und Spreng- m i k t e l l a g e r jeder Art und Menge feien gleichfalls durch die Gemeindebehörden der Befahungs- behörde zur Kenntnis zu bringen. Diese Verordnung wurde durch den Befehl der 47. Devision dahin
verschärft,
-atz die betreffenden Verzeichnisse bis zum 16. Januar, abends 5 Uhr. einzureichen sind und enthalten müßten: Genaue Bezeichnung des Ortes, wo die Lager sich befinden, der Rame der Behörden, die für das Lager verantwortlich sind und die Bezeichnung des Lagerinhalles. Die Verzeichnisse seien in verständlicher französischer Sprache anzuserligen.
Aus dem genannten neu besetzten Gebiet werden Truppenbewegungen
und Reuaukunsk von Truppen gemeldet. Die Truppen requierieren überall
von den Bauern Stroh,
Vas infolge der schlechten Ernte schon sowieso mangelt. Obwohl nirgends Zwischenfälle vorgekommen find, wird die Bevölkerung durch die Maßnahmen -och stark erbittert. In dem neu besetzten
Buer
wurden, wie französischerseits der deutschen Polizei milaeteilt wurde, französische Truppenquarliere mit Steinen beworfen, fodaß den Truppen für den Wiederholungsfall bereits der
Gebrauch der Waffen anempfohlen worden fei. Außerdem verlangk der französische Befehlshaber die Bestrafung des Poli- zeidirekkors von Buer.
vle praktischen folgen für Deutschland.
Unter dem Dorsitz von Rerchswirtsf<xftsnr.n:fter
Decker fand eine Aussprache mit den Spitz n- °r Ron ijationen der Irchustrie des Handels, des YmDw-rks, der Genossenschaften u^d ter Gewerks l>af- «n statt, welche die durch die Besetzung des
Deutsches Reich.
• Fr solzlose Aufforderung. Nach der ,Kreuz, zeitung« bat der Vorstand deS Landesverbandes Mecklenburg-Schwerin der Deutschnationaien Bolkspartei beschlossen, den Abg. v. Graese- Goidebee, der zur „Deutschvmkischen Frethettspariet übergetreten ist, zu ersuchen, sein Mand at nieder- j«legen. Graese erklärte jedoch, daß er diesem Ersuchen nicht entsprechen werde.
hatten fünf Versammlungen emberufen, in denen ihre Reichstagsabgeordneten sprachen. Dte Redner, erklärten, daß der Feind nicht im Ruhrrevier stehe, sondern daß das französische und das deutsche Kapital als Feind der Arbeiterschaft bekämpft wer- den müßten. Rach der Versammlung zogen die Teilnehmer nach dem Andreasplatze, wo eine Kund- gbung unter freiem Himmel stattfand. Auf dem
ege'dorthin kam es verschiedentlich zu Zwischenfällen.
So betätigten sich die Mitglieder eines Zuges am Kottbuser Damm als Fassadenkletterer. Sie holten von den Ballonen verschiedene schwarz-weitz- roie Fahnen herunter, die dann auf dem Andreasplatze verbannt wurden. . .
WasAiie Kundgebung auf dem Konigsplatz betrifft, stuyeben alle Blätter die Ruhe, Ordnung und Selbstdisziplin der Massen hervor. Nur am Pots- damer Platz sei von rechtsradikalen Heißspornen vor den Hotels der Ententekontrollkommissionen
aus dem besetzten Gebiet.
'= Vie Zrauen her Amerikaner. Nach einer Mel. bum bet .Chicago Tribüne- auS Washington sollen bte grauen bet amerikaniscken Coivaten in Koblenz, von denen die meisten auS Deutschland flammen, gleickzeiti i mit den Truppen auf dem Dampfer „eatnt. Mrhiel" nach den Vereint ten Staaten befördert werden. Tas K-iepssekretariat füge jedoch binzu. datz ihrer späteten Reise nach Amerika keine Schwierigkeiten
Ruhrreviers verschärfte wirtsihostlffche Rot'age und die ewa zur Abhilfe oder Linderung zu treffen« den Maßnahmen zum ©e-ynftxZ) halte.
Der Reichswtr.schaftsmm ster betonte in der Eröffnungsansprache, daß üa? glSwaltsame Vorgehen der Franzosen und Belgier leider den
■beraniwortltd; tüi den noautonellen leu: Dt. I. Kramer. - • für bte Anzeigen: Q. t‘or $e H e i-ßuioa. :: Rorarlonsdnikl u. Verlag der Fuldaer lldfenbrurferei in Fulda ^ermni eitier *Pt. W. Poft^ckeck - Konio,4051 Franlluri a. M
Be tuaspte i#; UÄonatii» 375 ZKt. ^ufteUflebüyi ..-a- - AbgehoU In bet Getchalisst« lle 390 ZIU. :•
Anzeigen: Kleinzeile nach ftaone« 24 Aik. ausw. 33 M. ’.X e f । a m e i e i । f (Tepdreitei nach Colone maz 90 uara
Auslaut.
* Der französische Staatsmann Al-xander Ribol «st im Altor von 82 Jahren gestorben. HA zahlreichen Kabinetten angehört und hat selbst mahrsach an her Sp'tze der Regierung gestanden. In ferne erste Mimsterp.äst entschaft in den Monaten Samror bis März 1893 fallen die ersten Verhand-ungen zwlchen Frankreich und Rußland, die später zum Abschluß des Bündnisses führten. Während des Krieges gehörte Ribot Äs Finanzmimster dem Kabinett Livia n i und den beiden Min steren B r i a n d an. Nach dsm Sturz Brianüs im Jahre 1917 h ldeie Ribot das neue Ministerium, mußte aber bereits im September wieder demissionieren. Bon Ribot, der u. a. auch Mitglied der Akademie war, stammt das bekannte Wort: „Deutschland wird bezahlen".
Preisendes Lebensbedarfs der Bevölkerung eine Tendenz zu weiterem Ste gen geben werbe. Diese Entwicklung werde sich um so fühlbarer machen, ats wir infolge der Erhöhung der Kohlenpreise vor einer weit ren Preiswelle in unserer gesamten G tererzeugurrg ftün en. Es mü'se das Bestreben aller in der Wirtschaft tätigen Kre,se se.n, dafür zu sorgen, daß die Lebensbadi ngungen des Volkes nicht über das durch die unrf werDbaren, von außen kommenden Erengntfsen bod-inyte Maß hi,?aus riet« schlimm«! würden, hierzu erbittet er die Mitarbeit der Spitzenverbände unb chren zur Besonnercheir und Mäßigung mcchnendm Einfluß auf ihr» Mitglieder draußen im Land. Die Resch reg'erunz lege aui? enge ZusammerarbÄt mit allen Wirifch.ftL.ckre.sen gerade jetzt besonderes Gewicht.
In einer mehistündigen A u s s p r a che trugen bte berussständ'gen Vertreter Wünsche unb, Anregungen cor. b'e sich insbesondere erstreckten auf die Wcrren- preisbildung sowie deren Uebemoxhung, die Wirkung der Fracht arifn-höhungm auf die Preise, die Ausländer- unb ’tie Kariellstnge urtb die Mö lichMten zur h bung der Pro.uktion d.-rch Mchrieistung an wichtigen Stellen ober Umschichtung der arbeitenden Br- oölkerung. Daneben würbe auf die Notwerdtglkest h n- gewiesen, auch kleinere Maßnahmen mit psycholo« gisch^r Auswirkung, deisp-elsweise das Vorgehen gegen die Schlemmerei, nicht außer «ht zu lasten ,
Der Reichswinfftaftsministw nahm alle diese Wünsche unb SlnreMngen mit Interesse entgegen und drückte für sie ienrn besonderen Dank aus. Er versprach, daß sie bei den prakfschen Maßnchmen der Reichsregierung würben erwogen werden.
Die Einstellung der deutschen Reparationsleistungen.
Die amtliche Benachrichtigung.
Don einem bedeutsamen Beschluß der deustchen Regierung gibt folgendes Telegramm Nachricht:
wtb Paris, 15. San. (Tel.) Die Morgenblätter berichten, daß am Samstag die deutsche Kriegslastenkommission der Reparationskommission eine Rote überreichte, um ihr mitzuteilen, daß infolge der Besetzung de, Ruhrgebiekes durch französisch-belgische Soldaten die deutsche Regierung nunmehr sämtliche Reparationsleistungen für Frankreich und Belgien einstellen werde.
Das „Echo de Paris" keilt dazu mit, daß Me Reparationskommission in einer heute vormittag stattfindendeu Sitzung über die notwendigen
Maßnahmen diskutieren werden, die ergriffen werden sollen.
Deutscher Reichstag.
Die Samstag-Sitzung des Reichstages trug alle Zeichen des „großen Tages".
Reichslagspräsident Lobe
sprach mit großem Nachdruck. Während sich die Abgeord- neten von ihren Plätzen erheben, rief er den D e u t - schenanderRuhrzu: Haltet euch so, daß eure Kinder dereinst von euch bekennen können: Unsere Väter haben mit Festigkeit, mit Treue, Stolz und Würde aufrecht gestanden, als dieser Schlag gegen sie geführt wurde. Laßt durch keine unwürdige Liebedienerei und Un- Würdigkeit oder durch Unbesonnenheit den Namen un- seres Volks schänden, chattet euch so, daß ihr zwar äußerlich geknechtet, aber innerlich frei, jedermann ins | Auge schauen könnt. Dor der Wett werden roi- diesem
Gewattstreich voll Trauer gegenüberstehen. der Geschichte aber weisen wir darauf hin, daß treich geführt worden ist gegen den Frieden des La..„ j, gegen die Freiheit und das Recht feiner Bewohner, der feinen Stachel in sich trägt — nfcht nur gegen uns, sondern gegen alle, die eine ruhige Fortentwicklung wollen und der verhängnisvolle Folgen haben wird für den allge- meinen Frieden. (Sehr richtig.)
Wenn ich als deutscher Volksvertreter zu den Franzosen sprechen könnte, so würde ich zu ihnen sagen: Prüfet selbst, ob der Weg, den eure Machthaber einschlugen, euch zu euren Ansprüchen, zum Frieden und zur Ruhe führen kann, oder ob er nicht vielmehr Verbitterung, -aß und Wut wecken mutz, und nicht zuletzt das Unvermögen, die Ansprüche zu erfüllen.
Ihr und wir, eure Nachkommen und die unseren werden die furchtbaren Folgen zu tragen haben, die dieser Rachesaat entsprießen. (Zustimmung.) Deshalb macht das Unrecht rückgängig, das ihr verübt, mit allem I den anderen verübt habt, in den letzten Jahren. (Lebhafter Beifall.)
Na bdem der Präsident noch des Grubenunglücks in I Oberschlesien gedacht hatte, sprach
Reichskanzler Dr. Cuno.
I Nach einer Kritik der von Poincare für seine Haltung Dorgebradjten Gründe erklärte er: Es steht fest, Recht und Vertrag sind durch den Einmarsch der fremden Truppen ins Ruhcebiet gebrochen worden. (Lebhafte Zustimmung der Mehrheit: Zurufe von den Kommunisten: Das hoben sie von Euch gelernt. Lebhafte Pfuirufe: Raus mit den Lumpen!) Die deu fche Regierung erhebt gegen iüe Gewalt, die hier einem wehrlosen Volk angetan wird, vor der ganzen Welt
1 feierlich Protest.
> (Lebhafter Beisaft.) Sie kann sich gegen die Gewalt nicht wehren, ist aber nicht gewillt, sich dem Friedens- i brach zu fügen ober gar, wie ihr jugemutet wird, bei
Während Deutschland von Protesten erfüllt ist, die Kircher g'ocken chre Stimmen erh den, um der gottlosen Tat der Franzosen Widerspruch entgegenzus-etzen, leitet Poincare unbsrrt weitere Zwangsmaßnahmen em. Das deutsche Volk iriug jetzt sein Herz wappnen, denn wicht mit ftamirentem Wort allein sind di« Schrv'eriykoiten, die in großer Anzahl ausstegen, zu meistern. Das, was kommt, wird viel öfters an uns die Forderung stellen: Zähne zusammen» beißen!
9er Griff mH der Riihrffohle.
Ausdehnung der Besetzung. = Poineares Programm. Deutschlands Protest.
blößten Hauptes das Deutschlandlied und „Ein feste Burg ist unser Gott".
In den von den
Sozialdemokraten
am Sonntag veranstalteten zehn stark besuchteq Versammlungen gegen den französischen Rechts- bruch wurde einftinunig eine Entschließung angr» nommen, in der gegen die Ruhrbesetzung scharf protestiert und erklärt wird, die Sozialdemokraten hätten umsomehr das Recht zum Priest, als st» stets für die Wiedergutmachung der Kriegszersto. rangen und die wirtschaftliche Wiederaufrichtung Europas eingetreten seien. Den Arbeitern des R'chrreviers wurden die Sympathien ausgesprochen. internationale Proletariat wurde zum gemeinsamen Kampfe gegen das verübte Unrecht auf gerufen.
der Durchführung der französischen Absichten mitzu- 1 wirken. (Lebhafter Beifall.) . — .
Die Verantwortung für die entstehenden Folgen fallen allein auf die Regierungen zurück, welche den Einmarsch besohlen haben (Zurufe bet d-n K.-m- munisten: Und auf Cuno! Stürmische Gegenrufe der Mehrheit.) Solange der,vertragswidrige Zustand be- steht, soll keine fjaub im deutschen Volke sich rühren, um ■ diese Maßnahme zu unterstützen., _
ist bitter wenig, was wir der Gewalt äußerlich entgegensetzen können. Was wir ihr innerlich entgegen- setzen können und muffen, ist mehr Es ist der Wille unb Entschluß, in diesen schweren Tagen unerschut.er- lich an der g.nigtg. t be 5 Reiches feftwhalten. Die anderen Völker werden erkennen, daß Friede und Versöhnung nicht gedeihen können, renn hier die Gewalt über das Recht siegt. Ader ich rt^te keinen Appell an die anderen Völker: denn ich weiß, datz mehr als jemals über den Ges dicken der Volker und Nationen harte Jnteressenfragen walten. Unfer gilles Gewissen allein gibt uns Gewehr für eine Mf re Zu tunft Wir fühlen uns als Trager eines Rechts, das nidit stirbt Unrecht, Not und Entbehrung ist heute unfer Geschick; Friede ist unser Ziel, Einigkeit unter Weg! (Stürmischer Beisall und Händeklatschen bet der 37161)11).it.) hürgerlicfjen Parteien
nerlas dann der Abg. Strefemann eine Erklärung, in der es an entscheidender Stelle hieß: Das Borgehen der Regierung findet unsere B 1111 g u n g. Wir w.ssen, daß °n?ir die Folgerungen aus, unfer« Sage ju yeben haben. Ebenso billigen wir aber auch d e von der Re gierung gegen den Völkerrechtsbruch Frankreichs ergriffenen Maßnahmen und wir werden sie bet der Durchführung dieser Politik vertrauensvoll un erstutz-n. Ueber unser d-utfches Voll werden schwere Zellen kom- men Mr werden das Menfchenmogstchste tun, sie zu mildern. Alle Stände, vor allem Besitz ,,nd Arbeit müssen die Opfer auf sich nehmen, die sich aus unserer Lage ergeben.
Die Sozialbemokraken
«eßen durch ihren Sprecher, Abg. Müller-Franken, er« klären, daß sie den Aufruf der Reichsregterung be- grüßen, der zur Besonnenheit, Emhett und selbst- beherrschung auffordert. Aber notwendig fei, daß die Regierung die Führung übernimmt, um bte Einheit »wischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern herbetzuführen. Die Lebensmittelpreise ftetgen unausgesetzt, unb die Arbeitgeber widersetzen sich den notwendigen Lohnaufbesserungen. Etne Notgemetnschafi setzt voraus, daß keine Klasse die Notlage zum Schaden der anderen ausnutzt. (Lärmende Unterbrechung der Kommunisten.) An der Treue und firimri hebe der deustchen Bevölkerung werde die französische Rhetnland- P3’2lbgf'^o.'t ©täfe verliest eine Erklärung der 3 Mann starken D e u t s ch o ii l k i s ch e n F r e i h e i t s p a r t e i, worin erklärt wird, daß Trauerkundgebungen nicht der geeignete Ausdruck der Stunde seien, sondern daß dte Stunde geheiligten Trotz verlange, um den Widerstand zu organisieren nach der Parole: Einer für Alle und Alle für Einen.
Abg. Frölich (Komm.) spricht in längeren Ausführungen dem Bürgertum das Recht zur Entrüstung ab, weil es von jeher selbst für Gewaltpolitik eingetreten fei. Die Erfüllungspolitik habe uns nur ein hungriges Volk und eine wahnsinnig schlemmende Bour-- geoifie hinterlassen. Man müsse protestieren gegen die Franzosen unb gleichzeitig geoen die deutsche Bourgeoisie, besonders gegen die Großindustrie.
Preußischer TRinisterpräsident Braun: Namens des Reichsrats und der verbündeten Länder habe ich hier erneut zu erklären, daß die deutschen Einzelländer geschloffen hinter der Reichsregierung stehen (lebhafter Beifall), in der festen Uebergeugung, daß in einem Augenblick, da deutsches Land von einem militaristischen Ueberfall heimgesucht ist, daß alle im Reich vereinigten Länder und auch das Volk in feiner Gesamtheit fest zusämmenstehen und nach Maßgabe ihrer Kräfte sich dieser Gewalt entgegenftellen. (Lebhafter Beifall)
Zum Schluß wird darüber gestritten, ob auch die zwei Mann starke Partei ßebebour zu Wort kommen soll. Eine Mehrheit entscheidet sich dagegen.
Vertrauensvotum.
Ein von den Kommunisten eingebrachtes Mißtrauensvotum gegen die Regierung wird gegen die Antragsteller und die Gruppe ßebebour adge- lehnt. Es erfolgt darauf die namentliche Ab- stimmung über die gemeinschaftliche En fchließung der bürgerlichen Fraktionen (mit Ausnahme der Deutsch- völkischen), die inzwischen in Form eines Antrages Marx (Ztr.) und Frakston folgenden Wortlaut erhielt:
„Der Reichstag erhebt gegen den Rechts- und Vertragsbruch der gewaltsamen Besetzung des Ruhrgebiets feierlich Protest. Der Reichstag wird die Regierung bei der Anwendung jeder zur enischloffenen Abwehr dieses Gewaltaktes zweckdienlichen Maßnahme mit allen Kräften unterstützen."
Die Abstimmung hat folgendes Ergebnis: Abgegeben sind 311 Stimmen; der Stimme enthalten haben sich 16 Abgeordnete; mit 3 a haben gestimmt 883, mit Nein 12. Gegen die Cntschfteßung haben sich die Kommunisten ausoefprochen, der Stimme enthalten hoben sich die Deutschvölkischen und einzelne Sozialdemokraten.
Präsident föbe fügt der Bekanntgabe des Abstim- mungsergebniffes b’e Worte hi zu: Der Reichstag hat damit gesprochen. Ich glaube, das deutsche Volk wird dieser Abstimmung zu stimmen. (Lebhafter Beifall.)
Nächste Sitzung Montag 2 Uhr: Verträge mit Oesterreich und der Tschechoslowakei; Nachtragshaushall; kleine Vorlagen.
In Berlin
hat die angekündigte Kundgebung.bei ungeheurer Beteiligung auf dem Königsplatz vor dem Reichsgebäude stattgefunden. Punkt 12 Uhr, als das Traztergeläute von sämtlichen Berliner Kirchen einsetzte, begann die auf der großen Freitrevpe aufgestellte Musikkapelle das „Niederländische Donkoebet", das die Menge entblößten Hauptes ’ , Mang. Sodann hielten an zwölf verschiedenen Stel- ' 1 len des riesigen Platzes par'amentarische Führer i aller bürgerlichen Parteien Ansprachen an die i Menge, die mit dem Vorträgen einer Enlschl^eß'mg j endeten, die stürmische Zustimm'mg fand. Die An- t sprachen dauerten nur etwa 10 Minuten. Im An- . schchß daran sang die nach mehreren chunderttau- i senden zählende Menschenmenge wiederum ent-
veranstaltet worden. Jedoch konnte die Menge durch Polizei zerstreut werden.
An verschiedenen Stellen ist es zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Angehortgeu anderer Parteien gekommen.
In München
wurden die vaterländischen Kundgebungen durch einen offiziellen Trauerakt der bayerischen Regte- rang und des Landtags eingeleitet, wobei Mmi- sterpräfident Dr. von Knilling den Gefühlen der Trauer, aber auch der nationalen Geschlossenheit Ausdruck gab und vor der ganzen Welt laute
Anklage gegen die Franzosen erhob. Anläßlich der Protestversammlung der Mün- chener Bevölkerung vor der Feldherrnhalle erhob Landtagspräsident Königbauer energischen Protest gegen die Vergewaltigung des Ruhrremers. Auch auf der Versammlung der vaterländischen Vereinigung erhoben bie- Redner unter lebhafter Zustimmung gegen das aller Gerechtigkeit hohn- sprechende Vorgehen Frankreichs Protest.
Auch in den anderen größeren deutschen Städten haben am Sonntag ähnliche Kundgebungen als wichtige Proteste gegen den französischen Rechts- bvuch stattgefunden.
Protest aus Moskau.
Der Präsident des Zentralexekutivkomitee, MMin, erlreß einen
Aufruf an alle Völker dor Welt mit einem Protest gegen die Besetzung Effens, w.lä)- das Seibstbestirmungerecht verletze, dte wirt- chttftliche Zorntttmig Europas, verm hre und die Ge- ahr eres neuen Blutverg-eßms in sich berge. Der Ausruf IrÄfiert u. a. scharf den Versailler Frieden.