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Jls. 9.

eam#««». 13. 3«n«ar 1923.

- Fuldaer Zeitung

Druck der Fuldaer Nxtieudruckerei in Fulde

IeM-r»ffNe BIMMkMlm.

Don besonderer Seite wird uns geschrieben:

Bor einigen Tagen berichtete der „Ost-Expreß" über 'eine Unterredung, die der gegenwärtig in Moskau weitende Berliner Handelsvertreter Sowjet- Nußlands. Professor Stommoniokaw, einem Korrespon­denten der Moskauer „Iswestija" gewährt hat, Dom- montafow bezeichnete Deutschland als aus dem dosten Wege dazu, trotz seiner schwierigen Lage in» trotz der Misere seiner Finanzen der wichtigste Faktor in den Wirtschaftsbeziehungen Rußlands mit der Außenwelt zu werden.

Beweise für diese Behauptung sind die zahlreichen Abmachungen, die zwischen deutschen privaten Firmen und den russischen maßgebenden Stellen getroffen wurden, sind weiter die zahlreichen russischen Infor- mations- und Einkaussdüros, di« m Deutschland ein­gerichtet morden sind. Beweis ist ferner der deutsch­russische Handelsvertrag, dessen Durchberatung sich gegenwärtig im entscheidenden Stadium bchndet. Wir werden weiter unten näher auf Einzelheiten eingehen und uns zunächst einmal die Frage rortegen: Sind die Verhältnisse in Rußland wieder so weit gekräftigt, daß Anerbietungen und schließlich auch Abschlüsse mit russischen Harchelsstellen uns Vertrauen und Mut zu weiterem Ausbau eir^lößen können.

Die Regierung Wrrch-Rachenau hat den ©tauften an die Juümft Rußlands besessen, als sie den Ser» trag von Rapallo absOoß und ihn auf die Sowset-Ukraine au-dchnte. Auch die Remerung Cuno virü noch weniger als in den ersten Wochen ihrer Amtstätigkeit die Wichtigkeit guter wirtschaftlicher Be­ziehungen zu Rußland außer Acht lassen dürfen, wenn sie sich nicht bet Gefahr aussetzen will, daß andere ihr den Rang ablaufen. Die deutsche Zentrumspartei f)at Interesse an dem wirtschaftlichen Wiederaufbau der ganzen Welt. Aber sie erinnert sich vor allem der Bedeutung, die die russische Einfuhr an Rohmateria­lien, namentlich an Getreide und anderen Ledens» Mitteln, für Deutschland gehabt hat und hält deshalb die Pflege der bereits vorhandenen und die Anbahnung neuer wirtschaftlicher Beziehungen zu Rußland für eine der wichtigsten Ausgaben gegenwärtiger auslän­discher Handelspolitik.

Rußland ist nicht mehr das Land des doktrinären vernagelten Kommunismus. Die Zeit ruinöser Experimente ist vorübergegangen. Seit Jahr und Tag bemüht men sich ernsthaft, Produktions­and Arbeitsmethoden den nun einmal auf dieser Welt ftstchenden Verhältnissen anzupassen. Man ist dabei, die Wirtschaft weiter zu entstaatlichen und die pri­vate Initiative immer mehr zu erweitern. Das Finanz- und Währungswesen wurde radikal uimge» ändert. Man gründete eine Staatsbank und eröffnete weitere Banken in den verschiedensten Städten des Reiches. Die Staatsbank gab ausreichend gedeckte Banknoten heraus, eine Gold Prämienanleihe wurde aufgelegt, eine besondere Sparsamkeits- und Steuer­politik wurde betrieben und schließlich erreichte man es auch durch diese und ähnliche Maßnähmen, daß von den Staatsau-Haben nur noch 50 Proz. gegen 90 Proz. im Januar 1922 durch Notenemissionen gedeckt wer­den mußten. Infolgedessen hat die Zunahme der Emissionstätigkeit, die im Monat Dezember noch 450 000 Milliarden Rubel betragen hat, ein wesentlich langsameres Tempo angenommen. Durch praktische

Durckchrechrng des formell zwar noch bestehenden An­kaufsmonopols des Staates für Devisen und Gold­münzen ist ein regelrechter Börsenverkehr entstanden, der demnächst auch gesetzlich sanktioniert werden dürfte.

Man wird sich entsinnen, daß der wesentlichste Eingriff in dos kapitalistische Wirtschaftsleben darin standen hatte, daß man die Privatindustrie und den Handel verstaatlichte, die Versorgung der Be­triebe mit Rohstoffen von Staats wegen besorgte, die Arbeiter und Angestellten mit Natmalien entlohnte und anderes mehr. Seit Jahresfrist ist man von dieser „bürokratischen Methode" abgegangen und stellt sich auf „kaufmännische Kalkulation" um. Anstelle bet Behörden traten oute rne Trusts und Betriebsverwaltungen, die, unter sich durch Handels­und Einbaufssyndikate verbunden, jetzt schon den größten Teil der Staatsindustrie und des Transport­wesens umfassen. Auch der private Binnenhandel hat beträchtlich an Ausdehnung gewonnen und umfaßt schon 30 bis 35 Proz. des Umsatzes der Staatsinduftrie. Das ursprim ich streng durchgLführte Außenhandels­monopol des Staates wurde lockerer, Ke obengenann­ten Trusts und Betriebsverwaltungen erhielten in steigendem Maße dis Erlaubnis zu selbständigen AußenhandÄsoperalilmen und schließlich wurden auch Privatpersonen mit derartigen Lizenzen begabt. Dieses Lizenzsystem, verbunden mit der Schaffung von Ex­portgesellschaften, an denen lMÄäNdisches Kapital be­teiligt ist, reranschmüicht am basten, wie sehr in Ruß­land bte Entwicklung von utopischen Zuständen zu geordneten Verhältnissen fortschreitet.

Eine weitere Konsequenz der neuen russischen Außenhandelsorganisationen ist die Einrichtung von Ein- und Ausftchrzentralen und kaufmännischen In­formationsbüros im Auslände. So eröffnete der Gummiimst eine Vertretung in Riga, die Haupt-Tee- Derwallung in London, die Hauptverwaltung für Elek­trizität in Berlin, die ZenttachandÄs-Abteilung des Obersten Dolkswirtschaftsrats in Berlin, Lon­don und Reval, das Jndustriebüro des Süd-Ostens in Berlin und Konstantinopel, das sibirische Jn­dustriebüro in Berlin, London und Schanghai, der ukrainische Dolkswirtschaftsrat in Deutschland und auf dem Balkan. Der Petersburger Waldtrust richtet dem­nächst ebenfalls ein Büro in Deutschland em, bei einer ganzen Reihe weiterer Unternehmungen sicht die Ent­scheidung noch aus. Aus den angeführten Beispielen ist schon ersichtlich, welche Rolle Deutschland in diesen Dingen zu spielen berufen.

Interessieren dürste auch die Meldung, daß Ruß­land die Schrecknisse des Hungerjahres zu überwinden beginnt und die Regierung infolgedessen der staatlichen GetreidehanÄels-AÜiengesellfchaft, dem „Chlebprodukt", die Genehmigung erteilt habe, vor­läufig 25 Millionen Pub Getreide dem Auslandsmarkt zuzuführen. 3n den Ländern, die früher vorzugsweise Getreide gezogen Hoden, würden demnächst eigene Kontore des Chlebprodukt eingerichtet werben. ___

Wie verhält sich nun die deutsche Wirtschaft zu diesen AnreMngen, die aus Rußland zu uns herüber­kommen? Wie noch erinnerlich sein dürste, war die erste große Firma, die mit der russischen Regierung einen fogenannten Konzsssionsvertrag abschloß, die Firma Friedrich Krupp in Essen. Inzwischen sind eine ganze Reihe von anderen Firmen diesem Beispiel gofolA. Der Otto Wolf-Konzern bildete mit Rußland zusammen die Deutsch-russische Handelsgesellschaft, die

jetzt auch eine Niederlassung in Petersburg eröffnet hat. Die ebenfalls gemischte Deutsch-russische Trans­portgesellschaft „DenÄra" hat im verflossenen Jahre etwa die Hälfte des gesamten russischen Exports «r- mitidi. Auch die chemische Industrie ist dabei, in Rußland festen Fuß zu fassen. Ferner sollen gemischte Handelsgesellschaften für einzelne Spezialbranchen der RohMsausfuhr geschaffen werden, z. B. für Butter, (Ser, Federn, Gelügei, Därme, Dorsten, Wollumpen, L-üerabfälle, Knochen, Fischschuppen ufw. Auch eine Anzahl von landwirtschaftlichen und industriellen Kon­zessionen werden voraussichtlich demnächst bestätigt werden.

Wenn man in Betracht zieht, daß der Rapallo­vortrag auf d e an Rohprodukten so unendlich reiche Ukraine ausgedehnt ist, so wird man im Hinblick auf den Wederaufdau der deutschen Wirtschaft es nur begrüßen können, wenn auch mit diesem Lande sich ähnliche Verträge wirtschaftlicher Beziehungen anbah­nen sollten. Die Anfänge dazu sind bereits gemacht und führen hoffentlich zu ühMchen hoffnungsvollen Ergebnissen wie die deutschen Abmachungen mit Rußland. . : r

flas dem Rachbargebiet.

(fpd) Groß-Gerau. Der Ehrenbürger der Stadt, Jakov Antbes in Rewyork, sandte der Stadtverwal­tung 70 Faß Schmalz, die dieser Tage zur Verteilung unter die bedürftige Bevölkerung kamen.

(fpd) Aus dem Westerwald. Auf der Bahn­station Ründeroth geriet ein Polizeibeamter mit zwei Einbrechern in ein Handgemenge. Als der eine Einbrecher schießen wollte, kam ihm der Be­amte zuvor und streckte ihn durch einen Schuß tot zu Boden. Der andere Verbrecher konnte indessen die Flucht ergreifen und verschwand in den nahen Wägern.

(fpd) Dolsshagen. Die Stadt erzielte aus ihrer ersten dieswinterlichen Versteigerung von Nutzholz aus den Gemeindewaldungen einen Erlös von 165 Millionen Mark. Sie kann dadurch die Kosten für die neuerbaute Wasserleitung und die elektrische Lichtanlage decken und behält zudem einen erklecklichen Ueberschuß.

— Eisenach. AuS der Sicherungsanlage der Strecke Eisenach—Marksuhl wurden 6 Kilogramm Quecksilber gestohlen. Die Eisenbahndirektion Erfurt hat auf Ermittelung bet Täter und Herbei» ichaffung des Diebesgutes eine hohe Belohnung ausgesetzt. ________

aus Geisa und Umgebung.

— Geisa. Da? Finanzamt Vacha schreibt uns: Wer umsatzsteuerpflichtig ist, hat innerhalb beS Mo» nats Januar 1923 bei dem zuständigen Finanzamt für das Katendervierteffahr Oktober bis Dezember 1922 die vereinnahmten umsatzsteuerpfllchtigen Entgelte in einer Gesamtsumme als Voranmeldung anzugeben und den sich hieraus ergebenden Steuerbetrag (2 v. H. der der» emnahmten Entgelte) als Vorauszahlung abzuführen. Die Vorauszahlung kann mittels Zahlkarte bewirkt werden. Zahlreiche Steuerpflichtigen sind ihrer Vor- auSzahlungspflicht für die ersten drei Kalenderviertel, fahre 1922 (Januar bis September 1922) bisher nicht oder nicht genügend nachgekommen. Uebersteigt die für die Umsätze 1922 veranlagte Steuer den Gesamtbetrag

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keine Stimme. Was wollen nun die Litauen? Daß ter Einbruch cm feindseliger Akt g>sgm Deutsch- land bedeutet, ist nicht anzunehmen, ba DuLfchlaud im Versailler Vertrage auf das Mcmcllanb vollständig verzichten mußte. Zwei Möglichkeiten gibt es für die Erklärung des litauischen Vorgehens, die vor allen an­deren erachtenswert erscheinen. Einmal ist es denkbar. Laß Litauen das lange Hinauszögem ter Entscheidung der Dolschafterkonsere-nz für eine gelinde Aufforde­rung hält, vollendete Tatsachen zu schaffen. Daß Litauen sogar frcmzösischerseits geschlitztes Territorium angraft, läßt den Verdacht berechtigt erscheinen, daß die Botschafterkonferenz selbst nicht ganz unschuldig an dem Vorgehen Litauens ist. Die zweite Möglichkeit Mrscheim uns wahrscheinlicher. Wir ataübm, daß Frankreich speziell die Absicht verfolgt, d..s Memelgebiet den Polen zuzuschanzen. Da Polen nicht unmittelbar an Memelland grenzt, hat iron im französischen Senat sowohl wie rn der Kammer zwei Wege erörtert, die zum Ziele führen können. Die erste Methode wäre die, den Anschluß an Litauen durchgu- drücken, wobei man von der Ansicht ausgeht, daß der litauische Staat nach dem Verlust Wilnas auf die Dauer nicht lebensfähig fei, und deshalb fpäier doch eine Beute Polens werden würde. Bei der zwe ien Möglichkeit, dem französischen Protektorat, ging man

er.nii.niiiuy uen xmrcituui e>eea a3rtefe5 genehmigt y-n, den der Oberbürgerneffter an das ftazff.sHr Ober­kommando gerichtet hat. Es wird darin ausgesührt, daß

Duisburg nicht mehr imstande

fei, die schworen Basatzungslasten zu tragen. Namens der Frauen des Sta.trero rdnetenkollegiums ist ein

Appell an alle Frauen und Mütter

der Kult-urweit gerichtet wo. den, in dem insbesondere die Freigabe des Säuglingsheims gefordert wird.

vre deut.He Regierung zur Ruhrbesetzung.

Die Reichsregierung hat dem französischen Bot­schafter und dem belgischen Geschäftsträger in Ber­lin die Antwort auf die Notifikation der Ruhr- besetzung übermittelt. Nach einer Feststellung der französischen Ankündigungen und Handlungen heißt es:

Die deutsche Regierung muß den Schleier zerreißen, den die französische Regierung mit dieser Darstellung über den wahren Charakter ihres Vorgehens zu werfen sucht. Die deutsche Regierung erklärt, daß die Beschlüsse der Reparationskommission und die angeführ- ten Vertragsbestimmungen keinerlei Rechts-

ganzen Wen

feierlichen Protest.

Sie kann sich gegen diese Gewalt nicht wehren. Sie ist aber nicht gewillt, sich dem Friedensbruch zu fügen oder gar, wie ihr angesonnen wird, bei der Durchführung der französischen Absichten mitzuwirken. Sie weist diele Zumutung zurück. Die Verantwortung für alle ent­stehenden Folgen fällt allein auf die Regierungen, die den Cinmarfch vollzogen haben. Diese Folgen haben sich bereits in einer

weiteren Entwertung der Mark und einer sprunghaften Steigerung aller Preise in Deutschland gezeigt. Die künftigen wirtschaftlichen und politischen Fragen sind unübersehbar.

Solange der vertragswidrige Zustand, geschaffen durch den gewaltsamen Eingriff in das Zentrum der deutschen Wirtschaft, andauert und sein? tatsächlichen Fol­gen nicht beseitigt sind, ist Deutschland

nicht in der Sage,

Leistungen an diejenigen Mächte zu bewirken, die jenen Zustand geschaffen haben.

Dos Schriftstück ist vom Reichskanzler Dr. Cuno gezeichnet.

Tie Versammlung der Ministerpräsidenten.

In einer Versammlung der Sta rts- und Minister­präsidenten der Länder gab Reichskanzler Cuno ein Bild her afiremcinen Lage und ging insbe andere

der bis zum 31. Januar 1923 gezahlten Porauszah. langen um mehr al8 20 v. H., so erhöht sich, von an- deren Nachteilen abgesehen, die Steuer in jedem Fall um 10 v. H. dieses überschießenden Betra es. Di, Steuerpflichtigen können diesen Nachteil vermeiden wenn sie die bisher nicht oder nicht in genügender Höh» bewirkten Vorauszahlungen mit der im Januar fällige/ Vorauszahlung leisten.

Vermischter.

* Schüler von heute. Wie die,B. Zck aus Heideh berg meidet, hat ein 16jähriger Schüler r.amenl Rotfuchs auf seine Eltern unter Anwendung be­laubender Mittel einen Raubüberfall ausgeführt, bet dem ihm ein Mitschüler, der bereits einmal bind) Bombenattentate aus einen Lehrer von sich reden gemacht hatte, behilflich war. Die beiden Missetäter wurden verkostet.

* Einbruch in die ©ruft der Familie Moltke. In die in Kreifau bei Schweidnitz gelegene Gruft der Familie Molllke wurde ein Einbruch verübt. Auch der Sarg des Feldmarschalls wurde gewalt­sam g e ö f f n e t. Da jedoch sämtliche Wertsachen nach dem vor zwei Jahren versuchten Einbruch von der Familie Moltke entfernt waren, fanden die Diebe nickchs vor. .

* Taubstumme als Sachverständige vor Gericht. Anläßlich eines Boxkampfes zwischen dem Neger Basting Siiti und dem Franzosen Carpentter kam es in der französischen Sportswelt zu einem schweren Skandal. Siki, der in dem Kampf den Sieg davon» trug, behauptete später, es sei eigentlich verabredet worden, daß er in der vierten Stunde zu Boden geschlagen werden sollte; im Verlauf des Kampfes sei er sich aber seiner Ueberlegenheit bewußt geworden und habe sich nicht an die Abmachung gehalten. Eine Filmaufnahme des Kampfes zeige auch während der vierten Stunde einen mehrfachen Wort­wechsel zwischen den Beteiligten. Man hat nun Taubstumme herangezogen, die aus den Mundbe­wegungen die geiprochenen Worte herauslesen sollen und nach den Blättermeldungen soll sich eine fast wörtliche Uebereinsttmmung der Aussagen dieser neuartigen Sachverständigen herausgestellt haben, die für die Beteiligten sehr belastend ist.

* Todessturz im Flugzeug. Ein Wasserflugzeug des Luftdienstes Anti Bajaccio ist in der Nähe der Stadt Villa Nova auf Korsika cck^estürzt. Der Führer und drei Insassen sind tot, der Beamte für drahtlose Telegraphie, der während der Fahrt Versuche amftellte, ist schwer verletzt.

Gottesdienstordnuntz.

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 14. Jan. Fulda. Vorm. 9Va Pfarrer Weber, 11 Kindergottesdienst, nachm. 2 Sup. Ruhl. — Bieberstein. Vormittags 9 Pfarrer Reich.

Mittwoch, 17. Jan. Fulda. Abends 8 Bibel, stunde (Gemeindehaus, Kleinkinderschule).

üoangeL landrrkirchl. Gemeinschaft, Zulda, Luttlarflr. N

Sonntag, 14. Jan. Abends 8 Evangelisation. — Dienstag abends 8 Bibelstunde (Pfarrer Weber). — Mittwoch abends 8 Gesangstunde. — Donnerstag abends 8 Jugendbundstunde. — Freitag abend' 8 Bibel- und Gebetstunde. les

—-— ------------------------------ . -bet

infolge des zu erwartenden großen Andranges nicht dort, sondern aufdernKönigsplatzvordem Reichstagsgebäude am 14. Januar, mittags 12 Uhr statt. Im Interesse des ungestörten, einheit­lichen Verlaufes der Kundgebung wurde bindend vereinbart, von der Mitführung von Fah­nen, Abzeichen und Schilden abzusehen. Ein geschlossener Aufmarsch der Parteien und Organi­sationen findet grundsätzlich nicht statt.

Der kurz-Sfreik.

Die gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen in Westdeutschland fordern ihre getarnten Mitglieder auf, als Einspruch gegen die französische Gewalt» Politik am 15. Januar,

vormittags von 11 bis 11 % Ufcr in allen Fabriken, Werkstätten, Läden und Büro-., sowie auf der Straße die Arbeitruhen zu lassem

Auch im Saargebief!

wtb Saarbrücken, 13. 3an. (Tel.) wie im Reich, so ist auch im Saargebief für den 15. mor­dens von 11—11% Uhr als profeiff gegen die Be­setzung des Ruhrnebiefs ein allgei meiner General­streik beschlossen worben, zu dem di' ' polifischen Par­teien des Sfiataebiefs und die Gei oerkfchasten aller Richtungen in schärfsten Worten bi ns Volk aufrufen

„Trau Meier".

Roman von G. v Stokmans.

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So standen die Sachen, als die musikalischen Abende bei Hansemanns begannen und allerlei neue Zuhörer an- lockten. Auch Hans Petersen bat seinen Onkel, regel­mäßig dabei erscheinen zu dürfen, und ba er nicht nur Musikfreund war, sondern auch selbst Violine spielte, erschien diese Bitte durchaus natürlich.

Diesmal lockte ihn aber nicht nur die Kunst, sondern ein mächtiger Magnet, denn der Major erschien immer in Gesellschaft seiner Tochter, und die kluge Hilde war es auch gewesen, die ihren Verehrer in geschickter und unauffälliger Weise auf die günstige Gelegenheit auf­merksam gemacht hatte. Während de Dries und Frau Meier dann eifrig musizierten, saßen die beiden, scheinbar «frig lauschend, in irgendeinem dämmerigen Winkes des weiten Gemachs, hielten heimlich Zwiegespräche mir- einander, und sie wechselten manchen verstohlenen Hände­druck, in den Pausen aber begegneten sie sich mit gro­ßer Zurückhaltung und täuschten alle dadurch, nur Frau Meier nicht. Sie sand das Verhalten der beiden un­natürlich und übertrieben, und als Hans Petersen zum zweitenmÄ tarn, fing sie einen Blick auf, den er heim- kich mit Hilde wechselte. Dieser Blick gab ihr zu denken: sie beobachtete die beiden nun öfter und schärfer, und kam sehr bald zu einem Ergebnis, das der Wahrheit an­nähernd entsprach.

Run forderte sie ihn zur Mitwirkung auf. Zu einem Solo war der junge Mann nicht zu bewegen, dazu er­schien seine Geige auch nicht gut genug, aber zusammen mit Klavier und Cello machte sie sich sehr nett, und so wurden nun meistens Trio gespielt, wodurch die Lage der Dinge sich für die beiden Liebenden wiederum verschob

Zum gemeinsamen Zuhören kamen sie ja nur selten, eher anderseits wurde Hans Petersen dem Major unv Frau Meier immer unentbehrlicher, und die Musik zum Zauberschlüssel» welcher ihm die Tür der de Vrns'chen ®iHa öffnete. Der Major hatte allerdings im Stillen

einige Bedenken gehabt und ein gewisses Unbehagen verspürt bei dem Gedanken, daß ein Mitglied der Peter- senschen Familie in seinem Hause wieder ein- und aus- gehe, aber die Musik war sein Steckenpferd, und Frau Meiers Wunsch wurde in diesem Falle für ihn zum Befehl. Er ahnte nicht, daß zwischen den jungen Leuten bereits ein heimliches Einverständnis bestand, und war in Gegenwart der reizenden Frau auch so hingenommen von seinen eigenen Gedanken und Empfindungen, daß er auf die beiden ganz zu achten vergaß.

Um so aufmerksamer und herrschender war die kluge Frau Meter.

Diese Musikabende gaben ihr die beste Gelegenheit zu eingehenden Beobachtungen und förderten ihre heimlichen Zwecke nach jeder Richtung hin. Hans Petersen sichle sie immer mehr an sich heranzuziehen, um schließlich fern Vertrauen zu gewinnen, und Hildes kompliziertes Wesen studierte sie mit besonderer Sorgfalt. Vielleicht sah sie in ihr schon die zukünftige Stieftochter, die sie gut ver­sorgen und beizeiten aus dem Hause haben wollte. Denn die schnelle Steigerung in den Gefühlen des Majors ent­ging ihr nicht. Sie gehörte mit in ihr sorgsam erwoge­nes Programm und beunruhigte sie keinen Augenblick. Ja, sie schien sogar stolz zu sein auf seine immer deut­licher heroortretende Huldigung, denn Ne betonte sie. wenn auch nur in taktvoll anbeutenber Weise, bei jeder Gelegenheit, und schien es gar nicht zu bemerken, daß Doktor Hansemann in der de Vriesschen Villa niemals erschien und auch den musikalischen Abenden in seinem | eigenen Hause immer häufiger fernbiicb. Wohl begrüßte - er seine Gäste in höflicher Weise und lauschte auch dem । Vortrag eine kurze Zeit, aber bann verschwand er, wenn er nicht wirklich abgerufen wurde, unter irgend einem Vorwand in seinem Zimmer und glaubte, sich daboi so gut zu beherrschen, daß nach außen hin nichts sein Un­behagen und seine Verstimmung verriet.

Darin irrte er avcr.

Eines Rachnisttags saßen di: älter-n Hanl-manmchen Kinder allein am Kasfeetisch, vertilgten ungezählte But- tersemmeln und Honigscbmtten, und besprachen dabei i in unbefangenster Weife die häuslichen Angelegenheiten.

„Schrecklich ungemütlich heute," brummte der Erich, denn er fühlte sich noch immer zurückgesetzt, wenn Frau Meier nicht persönlich für ihn sorgte, und Ernst, sein Zwillingsbruder, fügte sinnend hinzu: „Kaum glaub­haft, daß es früher immer so war, oder eigentlich noch viel schlimmer. Wie wir das nur so lange au-halten konnten. Frau Meier hat offenbar unsere Bedürfnisse an Behagen erheblich gesteigert, und wenn sie uns wie­der verlassen sollte, mag ich auch gar nicht mehr hier im Hause sein."

Annemarie lachte.

„Na," meinte sie, „noch dem Abiturium verlaßt ihr ja doch das Haus und kommt nur noch zu den Ferien zurück, da wirst du es hier schon aushalten können. Außerdem denkt Frau Meier gar nicht daran, zu gehen. Daß sie so viel zu tun hat, ist ihr gerade recht; sie hat in allem freie Hand, und was Lene sagt, grämt sie nicht."

„Weil sie weiß, daß Papa so viel von ihr hält."

„Ich muß sagen, ich verstehe Papa nicht mehr recht", meinte Ernst zögernd. „Zuerst war er glücklich, Frau Meier hier zu haben, taute förmlich auf und wurde ganz fidel, aber das alles ist anders geworden In letzter Zeit. Er ist wortkarg und ernst, hat keinen rechten Appetit und sieht Frau Meier manchmal so merkwürdig von der Seite an. Ich bin überzeugt, da ist irgend etwas verkehrt."

„Vielleicht hat sie ihn irgendwie beleidigt," warf Lisbeth ein.

„Beleidigt? Unfmn, Deern, die beleidigt keinen Men­schen, und am wenigsten unfern guten Vater "

„Aber einen Grund für feine Verstimmung mutz er doch haben."

„Hat er auch!" meinte Erich gelassen. „Die musi­kalischen Abende sind ihm ein Greuel."

„Er liebt Musik dach leidenschaftlich "

„Tut er auch, besonders wenn Frau Meier für ihn ganz allein spielt; aber der schöne Major mit seinem Cello ist ihm ein Dorn im Auge. Dem möchte er am liebsten das Haus verbieten, und daß Frau Meier nun auch zu ihm in feme Villa geht, das verdrießt ihn ent­schieden am allermeisten!"

„Stimmt", meinte Ernst mit schnnllem Aufblick, „ich habe dergleichen auch schon bemrrktz al »er weshalb eigent­lich? Sie ist doch nie allein bei ihm."

„Rein, natürlich nicht, aber das Hindert den Major nicht, ihr verliebte Blicke zuzuwerfen und seiner Be­wunderung für sie Worte zu leihen — die sie ihrerseits immer mit einem liebenswürdigen 'Lächeln hinnimmt."

Annemarie strich sich erregt das Haar aus der Stirn. „Meint ihr, daß die beiden sich heiraten werden?* „Vielleicht! Sie hat alle denkbc/ren Vorzüge." „Aber sie ist arm und heißt nur Frau Meier." „Das ist allerdings siir einen so eiteln und ehrgeizl- gen Mann ein Hindernis, aber für sie nicht."

Grete lachte spöttisch auf. „Wan ihr denkt! Hilde würde nie erlauben, daß ihr Vater sic zu ihrer Stief­mutter macht."

„Möglich, aber Eltern tun zuwel len etwas ohne die Erlaubnis ihrer Kinder, und diese müssen sich dann mit den Tatsachen abfinben. — 3m üb eigen braucht Frau Meier ihn ja gar nicht zu heiraten, sie kann auch jeden Augenblick als Hausdame zu ihm c,ehen. An uns ist sie nicht gebunden. Daran denkt VSapa wahrscheinlich, wenn er die beiden zusammen sieht. Mir erscheint sie überhaupt wie ein wundervoller fremder Vogel, der sich bei uns niedergelassen hat, jeden Tag aber wieder da- vonfliegen kann, und dann haben wir das Nachsehen - husch - husch!"

„Hat Papa Frau Meier denn noch nicht fest en­gagiert?"

„Nein."

„Dann wollen wir ihn bitten, daß er es recht bald tut. Sie ist ja nun schon sechs W 6hen hier und wird wohl endlich wißen, ob sie bei uns bleiben will oder nicht"

Die Kinder dachten sich diese Reg cilung der Angelegen­heit sehr einfach und leicht und hofften, daß sie zu ihren Gunsten ausfallen werde; aber Doi? tor Hansemann war anderer Meinung und schob die Entscheidung immer wie­der hinaus.

Er befand sich neuerdings in einer üblen Sage.

^ortjetzung folgt,1