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Fuld a er Z eitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sfaöt Fulda.

Nr. 9.

tieranttoonitO) tüi üei, .roauumeUen Teil: Dr. I. Kramer, mr die Anzeigen: I. P ar ze > >e r-Fulüa. 2 Rmanonrdruck n. Derlap der nulbaer tlrtienbrrnferei in Fulda *ernim etter Nr. «. Posttlbeck-Komo 4051 Franklmt o. M.

Samstag, 13. Zanuar 1923.

öezugspreis. 'ilronatiirb 375 Ml. Zustellgebühr extra- ~ älbqeboll in der Gelchäftsfblle 390 21tu s

Anzeigen: Kleinzeile nach Emone« 24 Alk., ausw. 39 Ulk- Net!omezel>e (leit breite) nach Colone maß 90 Mark.

50. Zahrg.

Bischöfliche Kundgebung.

Gegen den Einmarsch unfern unerbittlichen Feinde in das wehrlose Ruhrg biek. der eine Verletzung des Völkerrechtes und der Menschlichkeit und einen Bruch des ohnedies schon grausamen sogenannien Friedens- Vertrages von Versailles brdeuÄ, erhebe ich. der Bischof von Fulda, im Hamen der ganjen Diözese W und feierlich Protest.

Mr die nehmen herzlichen anteil an dem immer trauriger werdenden Geschick unseres teuren valer- landes und den Leiden unserer vergewaltigten Brüder.

Fürwahr, die wehklagen des Propheten über das in Trümmern liegende Jerusalem hallen wider iy unseren Herzen.

In unserer Trübsal werden wir unablässig unsere Hönde zu Gott, unserem einzigen freuen Bundesgenos­sen. in innigem Gebete emporhebeu, daß er die Tage der Trübsal a6tor$e und uns allen Geduld und Be­sonnenheit verleihe.

Zum Ausdruck unserer Trauer verordne ich. daß am Sonntag, den 14. Januar, mittags 12 Ahr, in En Kirchen der Diözese ein h alb stündiges Geläute in drei Absätzen stattsindet.

Fulda, den 12. Januar 1923.

t Joseph Damian, Bischof von Fulda.

©egen Den WIMen Mlr-UO.

Der Reichspräsident und die Reichs- regierung erlaffen folgenden Ausruf:

An das deutsche Volk.'

Em neuer Gewalt st reich ist auf Deutschland yerniedergegangen. Mit wohlberechneter Wucht trifft der Schlag der französischen Faust den unbeschüte, t 8 e • benspunkt der deutschen Wirtschaft, längst vorhergesehen und doch unerwartet.

Dorhergesehen: denn die fpläne und Wünsche der Pariser Machtpolitik sind ohne Scheu auf Gassen und Märkten erörtert worden.

Unerwartet: denn immer blieb die Hoffnung, daß die wirtschaftliche Vernunft des französischen Volkes die politische Begehrlichkeit seiner Machthaber zügeln würde.

Hat wirklich der Glaube geherrscht, daß den franzö-' Nschen Nöten durch Zerstörung des deutschen Arbeitszen- trums abzuhelfen wäre, so muß die schwerste Enttäu­schung folgen. Gegen den Rat der Fachmänner aller Welt will Frankreich die Probe machen. Daß es bei hem Versuch scheitern muß, ist unsere Ueberzeugung.

Doch uns fehlt die Macht, diese Tat der Verblendung, Sie sich gegen Deutschland wie gegen die gesamte Wirt­schaft richtet, aus eigenen Kräften zu verhindern. Was geschehen kannte, um das Unheil abzuwehren, haben wir rersucht. Das hereingebrochene Unheil zu lindern und zu beenden, wird unser Denken und Trachten sein. Da- bei letten uns die Würde und das Recht der Nation, mit der wir uns eins fühlen auch in der Straft des guten Gewissens.

„§rau Meier".

Roman von G. v Stokmans.

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Diesen Mann führte ein Zufall mit Frau Meier zu­sammen. Er war ganz betreten von ihrer eleganten Erscheinung und vornehmen Haltung, und angenehm überrascht, in Grotenburg endlich einmal eine Dayie zu finden, die ihn in ihrer anmutigen Sicherheit an dir reizenden Offiziersdamen erinnerte, denen er in seiner Jugend mit so viel Eifer und Erfolg gehuldigt hatte.

Er traf sie bei einem Spaziergang weit draußen Ätf der Chaussee. Sie ging mit Liselotte, die ein großer Liebling von ihm war und in ihrer kindlichen Unbe­fangenheit die Bekanntschaft sofort vermittelte, dann ober mit des Majors Seidenspitz herumtollte und die beiden sich selbst Überließ. Ohne zu wissen. ro:e es ge­schah, tarnen die beiden in eine lebhafte Unierha'ting hinein, die de Dries so interessant erschien, daß er Frau Weier bat, st- nach bet Stadt zurückgeleiten zu dürfen.

Es war dies um so auffallender, als der Major bis- per das Dasein von Doktor Hansemcmns Hausdame völlig unbeachtet gelosten hatte, obgleich ste ihm schon wiederhott gerühmt worden war. — Eine Person, die einen so wenig eigenartigen Namen führte und in einem fremden Ha"se sich ihr Brot verdiente, war, so meinte er, seiner Beachtung nicht wert; mit dem Augenblick aber, wo er sie fab, schwand dieses törichte Vorurteil .gänzlich dahin, und keine Prinzessin hätte von ihm mit mehr Hochachtung behandelt werden können, als diese Frau Meier, die es so vortrefflich verstand, ihre Stellung zu wahren.

Zwei Tage später saßen sie nebeneinander in einem Konzert, unterhielten sich über die Leistungen der Künst­ler und stellten fest, daß sie den gleiche G schmack, die nämliche muiikali che Auffastung hatten. Der Major er­zählte, daß er ein eifriger Cellvspieler sei. und Frau Weier lud ihn ein, sich an einem der nächsten A'-ende 'm Doktorhause emzufn. en. um mit ihr $u indizieren 'je konnte dies um so eher, als Doktor Honjemann »ereits den Wunsch ausgesprochen hatte, ihr Spiel einmal

Alle Herzen erfüllt die ungeheure Ditterkeit dieser Stunde, wo über weitere Teile unseres Satertan» des,das Schicksal hereinbricht, die Leiden der Fremd­herr s ch a f t ertrugen zu müssen. Vermehrte Not für unser sorgenbedrängtes Volk muß der Einbruch in die Hauptstätten unserer Arbeit im Gefolge haben. Umso dringender aber ergeht der Ruf an alle Volksgenossen: Erschwert nicht das Los der am härtesten betroffenen Landsleute. Erfüllet aufrechten Willens und klaren Kopfes die Forderung des Tages: Keine Handlung bars geschehen, die unsere gerechte Sache schädigt. Schwerste Schuld am eigenen Volk würde auf sich laben, wer sich hinreißen ließe, durch eine unüberlegte Tat dem Gegner in die Hand zu arbeiten. Don

eiserner Selbstbeherrschung

jedes Einzelnen hängen Wohl und Wehe der Gesamt­heit ab. Jetzt mehr als je, leuchte uns das Beispiel der Würde und der moralischen Kraft voran, das die Rheinlande in Jahren des Leidens gegeben haben

Den treuen rheinisch-westfälischen Brü­dern gilt heute vor allem anderen unser Gruß. Ihr werdet die eichenfeste Fähigkeit bewahren, die euer altes Erbteil ist, und ungebrochen werdet ihr diesen Wetter- braus überdauern, ihr, die kein Sturm der Weltgeschichte jemals entwurzelt hat!

Ihr seid die Zeugen, wie Frieden und Recht von neuem gebrochen werden. Mit euch erheben wir

Protest vor der Welt

gegen den Bruch des Vertrages, gegen den schwereren Bruch des sittlichen Rechtes unseres Volkes auf Leben, Bestand und Selbstbestimmung.

Eine schwere Zeit hebt an, wohl schwerer noch als die Jahre, die ihr feit dem Krieg durchlebt. Wie lange die Prüfung dauern wird, vermag niemand zu sagen. Nur das wissen wir, daß die Not gesteigert und verlängert wird, wenn Volk und Staat ihr nicht in un­trennbarer Einheit begegnen. Aber das auch wisien und hoffen wir, daß

festes Zusammen stehen des ganzen Volkes

sie kürzen wird. Dazu wollen wir uns die Hände rei­chen und die Herzen stark machen.

In Stadt und Land laßt uns den nächsten Sonn» tag unter all dem äußeren Druck der inneren Er­hebung widmen und überall durch alle deutschen (Baue in Haus und Hütte unseres Vaterlandes gedenken, seines Leides und feines Rechtes!

Berlin, den 11. Januar 1923.

Der Reichspräsident: Ebert.

Die Reichsregierung: Dr. Cuno, Reichskanzler, Dr. Geßler, Reichsminister, Dr. Hermes, Reichsminister, Gröner, Reichsminister, Dr. Brauns, Reichsminister, Dr. Heinze, Reichsminister, Dr. v. Rosenberg, Reichs­minister, Oeser, Reichsminister, Dr. Becker, Reichs­minister, Stingl, Reichsminister, Albert, Reichsminister, Dr. Luther, Reichsminister.

Protestkundgebungen.

Die bürgerlichen Parteien des Reichstags fordern die Berliner Bevölkerung zu einer

öffentlichen Kundgebung

gegen dis Besetzung des Ruhrgebiets auf, die am nächsten Sonntag um 12 Uhr im Luftgarten statt- finden soll. Redner sämtlicher bürgerlichen Par­teien werden Ansprachen halten.

Der Vorstand der deutschen

demokratischen Partei

erläßt einen Aufruf „Handeln und ertragen", in dem es heißt: Die französischen Machthaber, von Ruhmsucht verblendet und durch Raubgier ange-

mit Streichinstrumenten zusammen zu hören, und schon am andern Mittag machte der Major de Dries seinen Besuch.

Er überbrachte ihr selbst die Noten, die sie vorher durchsetzen sollte, und nun folgte eine Reihe von must- kcllischen Abenden, die ebenso genußreich für die Aus­übenden wie für Zuhörer waren.

> Der Major lernte Frau Meier immer mehr schätzen und bewundern, erhielt durch sie eine Fülle von An­regungen, und wünschte schließlich auch, sie in seinem eigenen Heim begrüßen zu können.

Er besaß einen sehr schönen Flügel, welchen Frau Meier beiwtzen sollte, und da seine Tochter gewohnt mar, die Hausfrau zu spielen, so durfte er unbedenklich die Bitte aussprechen, das kleine Hauskonzert abwech- selnd in seiner Villa und bei Hansemanns stattfinden zu lassen.

Auch Hilde de Dries schloß sich an die interessante Hausdame mehr und mehr an, gab sich ihr gegenüber zuvorkommend und liebenswürdig, und schien die spät erwachte Vorliebe ihres Vaters für das Hansemann- sche Haus vollkommen zu teilen. In Wahrheit pflegte sie den Verkehr aber aus ganz anderen Gründen, und wäh- rend sie scheinbar nur die gehorsame, wohlerzogene Toch- ter war, verfolgte sie ihre eigenen Zwecke mit Kalt­blütigkeit und großem Geschick.

Hilde war etwas älter als Lisbeth Hansemann und eine Schulfreundin von deren Kusine Thea Petersen, der Tochter des Weinhändlers. Die beiden waren früher unzertrennlich gewesen, nach Hildes Rückkehr aus der Pension aber nicht mehr jufammengetemmen, obgleich Frau Klaudine oft in rührender Weise für das mutter­lose Kind gesorgt hotte und Hans Petersen ihr getreuer Kamerad und jugendlicher Verehrer gewesen war. Der Major fand, daß die Familie Pftersen auf die Tauer fein passender Umgang für seine Toch'er sei, und Hilde hatte sich dieser Entscheidung schweigend gefügt, ohne mit einem Wort für ihre Freunde einzutreten.

Thea verzieh ihr diesen feigen Treubruch, wie sie es nannte, nie, während Hans stets tausend Entschuld! un- gen für Hilde hatte und ihr Verhalten ganz begreiflich und durch den kindlichen Gehorsam durchaus gerechtfertigt sand. * t

spornt, haben widerrechtlich deutsches Gebiet besetzt. Dieses Ziel ist klar: Was 1913 mit dem zaristischen Rußland vereinbart, was nach Kriegsausbruch aus- drücklich festgelegt, was 1919 in Versailles uner­müdlich sestgelegt, was 1922 durch den Dariacschen Bericht hinterlistig empfohlen wurde: die politische und wirtschaftliche

Vernichtung Deutschlands, das will Frankreich jetzt durch einen Gewaltstreich erreichen. Das linke Rheinufer soll politisch und wirtschaftlich von Deutschland losgerissen, das Ruhr­gebiet unter den Einfluß der französischen Schwer- industrie gebracht werden. Jetzt muß das deutsche Volk zeigen, daß es sein Recht auf Existenz und Freiheit zu verteidigen weiß.

In einem von dem Vorstand der sozialdemokratischen Partei veröffentlichten Protest an die Arbeiterklasse wird gesagt:

Der französische Imperialismus ist mit belgi­schen Hilfstruppen in das Ruhrgebiet eingebrochen. Die Erweiterung des besetzten Gebietes ist unver­einbar mit dem Versailler Vertrag. Sie zeigt, daß vier Jahre nach dem Kriegsende der französische Imperialismus noch mit den

Mitteln des Krieges

arbeitet, sie zeigt, daß trotz Völkerbund noch keine Befriedigung Europas erreicht ist. Die Erweite­rung des besetzten Gebietes erfordert eine Ver­mehrung der Ententetrupven. Sie hat zur Folge, daß dem militaristischen Moloch Goldmilliarde über Goldmilliarde geopfert wird, während der Aufbau der verwüsteten Gebiete, der mit diesen Milliarden erfolgen könnte, sträflich vernachlässigt wird. Unser Protest gegen die Gewaltmethoden des französi­schen Militarismus wird in der Welt draußen um so eher Widerhall finden, wenn die deutsche Bevöl­kerung besonnen und fest für das Selbstbest'm- mungsrecht des deutschen Volkes eintritt. — Ein Aufruf ähnlichen Inhaltes ist auch von den freien Gewerkschaften veröffentlicht worden.

Auch der Beirat und Vorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes legt in einer Entschließung Protest ein gegen den rechtswidrigen Einmarsch französischer und belgischer Truppen in deutsches Gebiet und hebt eine Erklärung der Eisenbahner aus dem bisher und neubesetzten Gebiet hervor, daß keine Maßnahme fremder Machthaber sie in ihrer Treue zum Deutschtum und zur deutschen Republik wankend machen kann.

Der Aufruf der Sentrumspartd.

Die deutsche Zentrumspartei erließ folgvndsn Auf- mf:

Parteifreunde! Unter unerhörtem Bruch des Ver­sailler Dertrageö erfolgte die Besetzung des Ruhrgebie­tes durch Franzofen und Belg er. Berechtigte Ent- rüftuing bemächtigte sich des deutschen Volkes. Wir erheben m allm Gauen unseres geliebten Vaterlandes flammenden Protest gegen diese neue Vergewaltigung eines wehrlosen Volkes! Vereinigen wir uns am Sonntag, den 14. Januar, zu gewaltigen öffent­lichen Kundgebungen, wenn möglich mit an­deren Parteien! Um ein geschloßenes Vorgehen zu sichem, möge von Fahnen und sonstigen Abzeichen ab- gesehen werden. Einmütig und wuchtig soll der Wider- sprach des deutschen Volkes gegen diese neue Verge­waltigung der ganzen Welt ku.abgegeben we.den.

Berlin, den 11. Januar 1923.

Die Zentrumspartei Deutschlands

In Auftrags: Marx.

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3m Grunde feines Herzens war er schon froh, daß sie wieder in Grotenburg war, und obgleich seine jchüch- terne Neigung zu dem zarten, schlanken, lichtblonden Geschöpf lange keine Nahrung erhielt, verschwand sie doch nicht aus feinem Herzen, sondern wuchs bei der ersten günstigen Gelegenheit zu einer Flamme empor, welche fein ganzes Wesen durchglühke und kühne Hoss- nungen und Wünsche in ihm aufsteigen ließ.

Es geschah dies einige Wochen vor Frau Meiers An- kunft bei einer Dilettantenvorstellung.

Der wohltätige und zugleich patriotische Zweck, welcher diese Aufführung ins Leben rief, veranlaßte den Major, seine abgeschlossene Zurückhaltung ausnahmsweise einmal aufzugeben und seiner Tochter die Mitwirkung bei dein Iheaterspiel zu gestatten, obgleich man sich bei der Be­setzung der Herrenrollen nicht auf feinen Umgangstreis beschränken konnte. Es gab zu wenig junge Leute in Grotenburg, die spielen konnten und wollten, und so wurde auch der Sohn des Weinhändlers herangezogen, der fein dramatisches Geschick schon bei anderen Gele­genheiten betätigt hatte.

Hans Petersen war, wie seine Schwester Thea, sehr brünett und gut gewachsen, hatte aber sonst nicht die ge­ringste Aehnlichteit mit ihr. Er gab sich wortkarg und bescheiden, hatte schöne, sanfte, melancholische Augen und erinnerte in seinem ganzen Wesen mehr an die zarte, feinfühlige Mutter als an Theas schroffe und spröde Art.

Während aber Frau Klaudine niedergedrückt war durch Kummer und Leid, besaß er noch der Jugend un­gebrochene Frische und Kraft, und die Leidenschaftlich­keit, die bei seinem Vater so leicht in brutalen Zorn ousartete, lag gebändigt und beherrscht auch in seiner Natur.

Als er nun wieder öfter mit Hilde de Vries zufam- mentraf und erkannte, zu welcher bezaubernden jungen Dame sich diese entwickelt hatte, als gemeinsame Erinne­rungen sie einander schnell näher brachten und die gnadenlose Zwischenzeit wie in einen lichten Abgrund versank, war es um seine Ruhe und seinen Frieden geschehen. Die Proben, die ihn immer auf Stunden mit ihr zusammenfühften und auch zu dem heimlichen Spiel hinter den Kulissen reichlich Gelegenheit boten, '

Sir Stamofen an Oer W.

Die Besetzung Essens.

liebet das Vorrücken der französischen und belg. scheu Truppm im Ruhrgebiet berichtet der „Vorwärts", daß, wer den Aufmarsch g scheu hat, der bis mittags gegen Effen in zwei Richtungen über Mülheim und Oberhausen mit aT.er militärische Kraft erfolgt ist, der Auffassung sein muß, daß das ganze Unter- mhmen einen rein militärischen Charakter trägt. Wirtschaftliche Maßnahmen braucht man nicht mit schwerer Artillerie, unzähligen Kolonnen, fÄd- morscymäßiger Infanterie und Tanks zu ergreifen. Der „Vorwärts" spricht von mind.stens neun Divisionen, die an den sogenannten „Wirtschaftlichen Maßnahmen* beteiligt sind.

Dr. Lulhn: und der General.

Ueber das Auftreten des an der Spitze der Bo- fatzungstruppen in Essen eingezogenen französischen ©enirats berichten die Blätter: Er erschien vor dem Rathaus und schickte den Hausmeister zum Obe.bürger- meister Dr. Luther mit dem Bef.hi, der Ob.rbürger- rneister möge herunterkommen und ihn aus den Stufen des Rathauses empfangen. Dr. Luther ließ dem General sagen, daß er in seinem Amtszimmer zu sprechen sei. Rach emgem Warten bequemte sich der General dazu, den Oberbürgerrneifter in dessen Amtszimmer aufzusuchen.

Gelsenkirchen bedroht!

Da Tankgcfchwvdec in der Richtung auf Gesten- kirchen konzentriert werden, rechnen die Blätter damit, daß Gelsenkirchen noch Freitag besetzt we.den wird. Auch die Dstetzung von Velbert scheint unmittelbar bevorzustehen. In Oberhausen, Ster trabe, Horst und Gladbeck sind die Fra.zosen bereits eingerückt.

Jit der französischen Kammer.

Vertrauensvotum für Volncare.

Am Donnerstag gab Poincare in der französi­schen Kammer, von starkem Beifall begrüßt, eine Erklärung über die Besetzung des Ruhrgebiets ab. Er erklärte,

daß Frankreich jetzt wieder feine volle Handlungs­freiheit zurückgewonnen habe. Der Minister kam auf die Pariser Konferenz zu sprechen und sagte, es sei nicht möglich, zu hoffen, daß Deutschland freiwillig feine Ver­pflichtungen erfüllen werde. Man müsse es also über­wachen und, wenn nötig, zwingen. Deshalb sei die Pfandnahme des Ruhrgebiets erfolgt. Italien und Belgien hätten in gleicher Weife wie Frankreich die Not­wendigkeit produktiver Pfänder anerkannt. Nur

England

habe auf der Pariser Konferenz einen anderen Plan oorgelegt, der Deutschland ohne Garantien Vertrauen schenken wollte. Poincare kritisiert den englischen Plan, durch den, wenn er durchgegangen wäre, der Versailler Vertrag umgestoßen worden wäre. Drei Jahre nach seiner Anerkennung hätte man diesen geheiligten Aki nicht zerreißen dürfen. Poincare übt dann Kritik an dem vorgeschlagenen Bankierausschuß und erklärt bann weiter, daß Frankreich und England loyal miteinander verhandeln könnten, ohne daß die Allianz in Gefahr zu kommen brauche. Poincare geht dann zu den angebliche»

_ Verfehlungen Deutschlands

über, die die Reparationskommission habe konstatieren müssen und sucht zu beweisen, daß Deutschland genügend Kohle, Koks und Holz hätte liefern können. Die wirt­schaftliche Lage Deutschlands sei so, daß es ein Unrecht gewesen fei, die Sachlieferungen auf Reparationskonto zu verweigern. Bezüglich der Lieferung von Stickstoffen muffe festgestellt werden, daß man eine absolute Ab­lehnung erfahren habe. U-berall hätte man Schikanen erfahren. Auch die Schiffe, die Frankreich zu bekommen habe, feien noch nicht alle geliefert worden. Chamber.

wurden für ihn zum Brennpunkt des Daseins, und die Seligkeit, welche ihn bei Hildes Anblick durchdrang, ver­klärte fein Wesen in so hohem Maße, daß sie hätte blind sein müssen, um diese auflodernde Leidenschaft nicht zt» bemerken.

Hilde de Dries war aber nicht blind, sondern etn kokettes Persönchen, mit feinen Instinkten und scharfen Augen, denen nichts entging, was sie selbst betraf, und ihre kühle, ein wenig hochmütige Weise verwandelte sich ihm gegenüber nach und nach in eine zögernde Hin- neigung, ein stummes Erwidern, das Hans Petersen in den siebenten Himmel hob. Alles erschien ihm mit einem Male wie durch ein holdes Wunder verändert, und der Wunsch, in allem Ernst um Hilde zu werben, stieg immer mächtiger in feinem Herzen empor.

In ruhigen Momenten mußte er sich freilich sage,., daß die Sache ziemlich aussichtslos

Der Major begegnete ihm mit einer fast -beleidigen- den Gleichgültigkeit, die allerdings nicht ihm persönlich, sondern mehr seinem Stande galt, und sein Vater wie- berum sprach mit Geringschätzung und scharfem S >ott von dem Major de Vries und feiner schönen Tochter. Er nannte ihn einen eingebildeten Gecken, der an Grö. ßenwahn leide.

Hilde ist ein eitles, herzloses Ding und zu sinnlosen Ansprüchen erzogen. Er würde, das mußte sich Hans sagen, seinem Sohn weder die Zustimmung zur Heirat, noch die Mittel geben, sich selbständig zu machen, und an Thea, die er ins Vertrauen zog, hatte er auch keine Stütze. Sie blieb eigensinnig und steifnackig bei der Ansicht, daß thre Freundschaft mit Hilde zu Ende sei, und war nach der Dilettantenvorstellung , ar nicht zu be­wegen, Hans und Hilde auf Irgendeine Weise zuiain- menzuführen. Die Schulkameradin hatte sie rücksich's- los fallen' laffen, als es ihr paßte, und nun wollte f't keinen Finger rühren, um den beiden die Wege zu ebnen. — Ihrer innersten Ueberzeugung nach konnte djese neue Annäherung für ihren Drüder auch nur schwere Kampfe und bittere Enttäuschung tm Gefolge haben, und sie war nicht roeirbmütig genug, um sich trotzdem seinen augen­blicklichen Wünschen zu fügen.

(gortfebun« folgt)