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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Aulda.

Nr. 8.

Veranuvoniich tut ven «oauioneUen Teil: Dr. I. Krame r. z tür die Anzeigen: I. Parzelier-Fuioo.

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda, ^ermpcecher Rr. ti. Posticbeck-Konio 4051 Frankfurt a. M.

Freitag» 12. Januar ;923.

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50. Zahrg

Die Stanzofen inffen.

Die Ausbeutung der Unternehmung durch §ran2ofen und Belgier.

Deutsche Gegenwirkung.

wtb Essen, 11. Ian. (Tel.) Französische fitroal- terle und Infanterie mit Panzerwagen überschritten heute früh gegen 6 Uhr die Grenze des besehen Ge- bietcs in Kettwig und ziehen ki zwei getrennten Kolonnen gegen Esse« heran. Von Mülheim sind feine Truppen im Anmarsch.

Ausführung ihres Auftrags erforderlich en Trup­pen (1) einrücken.

Reichsminister Dr. v. Rosenberg erklärte, daß die Reichsregierung sich ihre Antwort Vorbehalte, daß er indessen schon jetzt gegen d:e angekündigte Aktion Protest erhebe, Welt sie einen Bruch der Berrräge und oeS Völkerrechts bedeute.

sen Kampf mitzukampfen, den Krieg zu Boden zu wer. fcn, einen unblutigen Sieg zu erfechten und ein neues Europa zu schaffen, in dem das Recht gilt.

DieR o t e Fahne" vrrölfen.licht einen Auf­ruf an die Vorstände der sozialdemokratischen Partei, des All-g. Deutschen Guverlf Haftsbundes, unter der UsberschristGeschlossene Kampfsrout", worin es heißt: Wir schlagen vor, sofort eine das ganze Reich um- fassende Generalstrei fatticn einzuleiten nit Lorn Ziel: Abwehr der Besetzung dos Ruhrgebiets, Apptll an dis Arbeiterschaft der Errtenteländer, Ab- Wälzung der WieÄergu'rnachungslasten auf die Be­sitzenden, Rücktritt der Cunoregierunz, Bildung einer Arbeiterregierun>g, Auflösung des Reichstages.

Der diplomatische Prslest.

Wtb Essen, 11. Jan. (Ict) Die Spitzen der französischen Truppen sind heute morgen um 10 Ahr in Essen eingeitofiett « _

,e 2 zu Teil 8 des Vertrags von ssifche Regierung bei(Hoffen, eine

§§ 17 und 18 der Anlc Versailles hat die franu _ .....

aus Ingenieuren bestehende und mit den erforderlichen Vollmachten zur Beaufsichtigung der Tätigkeit des Koh­lensyndikats versehene Kontrollkommission ins Ruhrgebiet zu entsenden, um durch die durch ihren Vor­sitzenden an das Syndikat ober an die deutschen Ver­kehrsbehörden erlassenen Befehle die strikte A n w e m düng der von der Reparationskommission festgesetzten Programme sicherzustellen und alle für die Be° zahlung der Reparationen erforderlichen Maßregeln zu ergreifen. Die Vollmachten dieser Mission werden durch die beiliegenden Urkunden bestimmt. Die deutsche Re- gierung wird gebeten, dieselben den beteiligten Behör­den zur Kenntnis zu bringen und sie mit den erfotbet. sichen Weisungen zur genauen Befolgung der darin ent­haltenen Vorschriften zu versehen. Die italienische Regierung hat gleichfalls beschlossen, die italie- Nischen Ingenieure an dieser Mission teclnehmen zu lassen. Oie französische Regierung legt Wert darauf, zu erklären, daß sie gegenwärtig nicht daran denkt, zu eiifcr sm ilit ä r is ch e n Operation oder zu einer Besetzung politischer Art zu schreiten. Sie entsendet einfach ins Ruhrgebiet eine Mis­sion von Ingenieuren und Beamten, deren Zweck deut­lich umschrieben ist. Sie muß dafür sorgen, daß Deutsch, land die im Vertrag von Versailles enthaltenen Der- pflichtungen achtet. Sie läßt ins Ruhrgebiet mir die mm Schutze der Mission und zur Sicherstellung der

Während bisher der französische Vormarsch auf Essen immer noch als Ankündigung, als Drohung zu bewerten war, ist er jetzt, wie aus obigen Mel- düngen hervorgeht, Tatsache. Welche Folgen dieser Entschluß Poincares haben wird, läßt sich in seiner gesamten Tragweite nicht erkennen. Das wird aber jeder Deutsche fühlen: schwere und opfer­volle Tage und Wochen stehen uns bevor. Die fol­genden Meldungen in ihrer Mannigfaltigkeit zeigen, welches Chaos über die europäische Welt und vor allem über Deutschland hereinbrechen kann, wenn nicht die Besonnenheit die Oberhand behält. Die Franzosen, in erster Linie Poincare, haben schwere Gefahren für die friedliche Weiterentwicklung der Dinge heraufbeschworen. Alle heimlichen und offe­nen Spekulanten auf chaotische Zustände wittern Morgenluft. Möge die göttliche Vorsehung, auf die allein wir unser Vertrauen setzen, die schwere Zeit der Prüfung abkürzen und nicht alle Sterne der Hoffnung im Dunkel verschwinden lasten.

Die Rnkündigungsnole.

Der fr an zösiiche Botschafter und der bel­gische Geschäftsträger Übergaben dem Reichs- minifter des Auswärtigen gleichlautende Notizen, deren Inhalt in folgendem wiedergegeben ist:

Auf Grund der von der Reparationskommission fest- gestellten von Deutschland begangenen Nichterfüllung in der Ausführung der Programme der Reparationskom- miffion hinsichtlich der Lieferung von f) o! j und Koh- len an Frankreich und gemäß den Bestimmungen von

Stau Meier".

Roman von G. o. Stokmans.

22; -------------- . *

Lene schnaubte sich mit trompetenartigem Geräusch imb schüttelte den Kopf. .Frau Bürgermeister!" sagte sie langsam,das kann doch nicht angehen. Wenn die fogenannte Frau Meier eine Taschendiebin ist und in aller Gemütlichkeit immer einen nach dem andern aus- raubt, was bann? Da müssen wir bei der Polizei doch die Anzeige erstatten."'

Mein Miete lachte laut auf.Nein, Lene," sagte sie,vor dergleichen brauchen Sie nicht bange zu fein; mit Kleinigkeiten gibt sich diese Dame nicht ab. Wenn so eine Feine die Hand ausstrecken soll nach stemdem Gut, bann müssen es schon Hunderte und Tausende fein, und auch dann wird sie wahrscheinlich das Geld nicht selbst nehmen, sondern nur dafür sorgen, daß an­dere es bequem nehmen können."

Na, denn man zu!" war Lenes kurze und barsche Antwort, und sie erhob sich geräuschvoll, um zu gehen, aber die Hausfrau hielt sie noch einen Augenblick zurück.

Ich will diesen Teil des Briefes lieber sogleich ab­schreiben," sagte sie,dann bin ich sicher, daß kein Wort von dem interessanten Inhalt verloren geht, und habe für alle Fälle ein Beweisstück in der Hand, das über­zeugend und niederschmetternd wirkt."

So geschah es denn auch, und wenige Miimten später eilte Lene nach Hause, um das wichtige Schriftstück an geeigneter Stelle wieder niederzulegen.

Mein Miete aber schritt, als sie allein war, noch lange aufgeregt im Zimmer auf und ab und überlegte, ob sie ihren geliebten Thede nun ins Vertrauen ziehen sollte oder nicht. In einer Art konnte er ihr bei ihren Nach­forschungen von großem Nutzen fein, Frau Meier be­obachten und ihr genauen Bericht erstatten, anderseits lag in feiner, jugendlichen Lebhaftigkeit, feiner Begeiste­rung füi die reizende Frau eine große Gefahr. Die war so offenbar sehr gerissen, klug und bedach!, und brachte bei häufigem Zusammensein vielleicht auch Thede

Zu den der detrtschen Regierung übergebenen fran- zösischen und belgischen Noten schreibt derLokal­anzeiger": Frankreich nimmt für die ins Ruhr­gebiet zu sendende Kontrollkommifsion die vollen staat­lichen Hochsstsrechrr in dem neu zu besetzenden Gebiet in Anspruch. Le.er Bswoh..er des besetzten Gebietes ist den Besehen dieser ferMichen Kontrollorganen au-geliefert, als kamen sie von ferner gefetz.ichen, fei­ner angestammten, feiner felbstgawählten Obrigtat. Die Frechheit dieser 3umuto§en kann die deutsche Reichs reg tcrung nur rott einer ganz unzweibeuügm Geste der Verachtung zurückweisen. Sie kann sich dabei unbedingt darauf verlassen, daß das ganze deut­sche Bock entschlossen hinter ihr sicht.

DasBerliner Tageblatt" Mont: Man wird mit aufrichtiger Bewunderung feststellen, daß in diesen Noten die Sprache der Diplomatie durch eine neue Formel bereichert worden ist: die militäri­sche Besetzung in friedlicher Absicht! Cs ist charakteristisch, daß die französische Regierung es offenbar nicht wogt, die von ihr angMnd.gten mili­tärischen Sanktionen als solche cmszuspreche.i und sich hinter dem Vorwand versteckt, es hanLie sich um d.e Sicherung der irr Las Ruhrgebiet zu enilserrde.chen 3t> gen'.eure gegen Gewaltakte. Mit demselben Recht formte die französische Regierung zum Schutze 2"- französischen Kommission in Berlin die Reich-haapi- stadt durch ein Armeekorps besetzen lassen. Auch in England und Amerika wivd diese

widerwärtige Heuchelei

schwer die beabsichtigte Wirkung erzielen. Der Wider- stand, den das deutsche Volk diesem wähnst nn^cn Be­ginnen entgegDsetzt, wird ein einmütiger sein.

lieber den letzten Absatz der Note fugt dieV o f s. Zeitung, daß er an kauffchmartiger Dehnbarke t nichts zu wünschen übrig lasse. Donvänbe, um weitere Sanktionen verlangen zu können, die sich auf weitere Teile te» RühvgMets erstrecken, werden danach so billig zu finten sein, wie die Brombeeren. Druffch- land und die Minze Welt müsse sich klar darüber sein; trag Ziel der Aktion, die von Poincare em feitet war. Len ist, ist der Besitz des Ruhrgebietes.

DerV o r w ä r t s schreibt: Mit Infanterie, Artillerie, Kavallerie, Geschützen, Maschinengewehren, Tanks und FlUMSUWeschwadern dringt Frankreich in das Ruhrgebiet ein. Dies ist jedoch, so werden wir be­lehrt, eine v o llkom.m en friedliche Maß. nähme. Die Heuchelei Hit drei Grcde: Im ersten erzielt sie g-swisse Erfolge, im zweiten wirkt sie lächer­lich, im driLen schlägt sie in wirklichen Stumpfsinn um. Dieser dritte Grad ist ch'er erreicht. Der französische Ei n rnar sch ist ein Gewal istrei ch. Das sest- züstellen, ist heule Pflicht eines jeden Friedsnssteun- Les, eines jeden Politikers, ter die Verständigung rr.it einem Frankreich erstrebt, das sich vorn Psinoarismus befreit hat. Es hattdclt sich heute darum, ob des uirj»:roufjmete Recht im Kampfe gegen die gepan­zerte Gewalt sich bchauplen tarnt. Alle Friedens­flau nde, alle Sozialisten'und Arbeiter der Welt, haupt­sächlich aber diejenigen Frankreichs, sind berufen, die-

dazu, willig und ahnungslos ihren Zwecken zu dienen, statt sich heimlich von ihm ausforschcn zu lass.n. Da war es schon besser, sie, die Frau Bürgermeisterin, behielt ihre Erfahrungen vorläufig für sich. Auf die Jugend und die Männer war kein Verlaß, wenn es sich um Geheimnisse und interessante Frauen handelte, imb außerbern war es ihr eine Genugtuung, in dieser Ange­legenheit mit Lene allein vorzugehen, um alle andern zum Schluß mit einer vollendeten Tatsache zu über­raschen.

Eine Weile wollte sie sich jedenfalls noch abwartend verhalten, die Swinge nur langsam und vorsichtig zu­ziehen, und mit heimlicher Spannung die Komödie ver­folgen, welche die falsche Hausdame mit so viel Kühnheit und Geschick im Doktorhause ausführte. Einen gewissen Pflichteifer und große Tüchtigkeit konnte man ihr beim besten Willen nicht absprechcu. Das Hauswesen gedieh und gewann ein ganz anderes Ansehen, die Kinder wur­den immer artiger und liebenswürdiger, und der Doktor selbst schien förmlich aufzuleben. Sein zerstreutes und zerfahrenes Wesen verlor sich mehr und mehr, und er ließ auch seiner äußeren Erscheinung mehr Pflege und Sorgfalt angedeihen. Das erschien seiner Schwester Miete gar nicht so übel im Hinblick auf die reiche Witwe eines Brauereibefitzers, mit der sie ihn später verheiraten wollte. Vorläufig legte die Trauer der betteffenden Dame noch eine gewisse Zurückhaltung auf, aber sie war ihrem Plime nicht abgeneigt, nahm, trotz ihrer robusten Gesundheit, Doktor Hansemanns ärztlichen Rat zuweilen in Anspruch, und sprach mit Vorliebe von den freund­schaftlichen Beziehungen, welche einst zwischen ihrem Elternhause und der Hansemannschen Familie bestanden hatten. An dem Doktor ging das alles spurlos vorüber, und er brauchte vorläufig auch noch gar nicht zu ahnen, welches Glück ihm zugcdachi war, aber in ein paar Monaten, wenn die Meier fort war, kennte man schon energischer austreten und ihm begreiflich machen, daß er nach all den üblen Erfahrungen gut täte, statt einer unbekannten Hausdame eine solide Freu zu nehmen. Ja, Frau Meier konnte unbewußt den Wünschen der beiden Damen in die Hände arbeiten, denn je größer des Doktors Berebruiia und Bewundcung für sie war,

Der drutsche Botschafter M a p e r in Paris ist tele­graphisch angewiesen morden, die Geschäfte an einen Botschaftsrat abzugeben und Paris zu verlassen. C>ne entfprechei.de Weisung hat auch der Gesandte Dr. Lands berg in Brützel erhalten. Diese Maß­nahmen bedeuten einstweilen nicht den Abbruch der dpiiomaiischen Beziehungen, aber sie bedeuten,, daß mir uns in unserem Verhältnis zu Frankreich auf de Führ ng der formalen G.schäfte beschränken müden.

Die Reichrrszte.unz Hai die deutschen Ver­treter im Auslande angewiesen, bi den frem­den Regierungen uicker eingehender Darlegung der Sach- und Rechtslage gegen die Vertrags- und völker- rechttwla.rige ©erottitpoföit Frankreichs und Belgiens Verwahrung einzulegen.

Der Reichstag.

Die nächste Vollsitzung des Reichstags wird am 13. Januar, Nachmittags 2 Uhr, stattfinden.

Konferenz der Ministerpräsidenten.

Nach einer Meldung derDeutschen Allg. Ztg." hat der Reichskanzler die Ministerpräsidenten der Länder zu einer Konferenz nach Berlin auf Frei- t a g nachmittag eingeladen.

3m Auswärtigen Ausschuß

sprach Reichskanzler Dr. Cuno über die politische Lage. Er kündigte an, daß ein Aufruf des Reichs­präsidenten erscheinen werde, der dazu mahne, den nächsten

SonntagzueinemTagderEinkehr und der ernsten Würdigung der Not des Vater­landes zu gestalten. Die Regierung werde nicht ruhen, bis sie den Weg gefunden habe, durch Fest­halten an der bisherigen Aktivität die Lage zu entwirren.

Preußischer Landtag.

Im preußischen Landtag, der am Mittwoch nach der We'chnachtspause wieder zusammentrat, erklärte

Ministerpräsident Braun

angesichts der drohenden Ruhrbesetzung durch die Franzosen u. a.:

Als das Parlament vor Weihnachten ausetnanber« ging, durfte man noch hoffen, baß Vernunft und Mensch- lichtest über Siegerwahn unb Machtgier siegen würde. Diese Hoffnung habe getrogen. Der Mann, der zurzeit die Geschicke des französischen Volkes leite und schon so viel Unheil über Deutschland gebracht habe, scheine nicht ruhen zu wollen, bis ihm die Zerstückelung Deutschlands imb die Vernichtung der deutschen Wirtsck)aft gelungen sei. Der nichtige Vorwand Frankreich geht über die kühnsten Auslegungen des Friedensvertrags hinaus. Das Vorgehen bleibe Vertragsbruch und ein schnö­der Ueberfall auf ein wehrloses Volk. Außerdem sei der Gswaltstrelch sinnlos, denn et werbe die Repa- rationsfähigkeit Deutschlands vernichten und nur Haß unb Erbittsrurmng säen. Er versichert sodann die Be­völkerung seines unb bes Laubes Mitgefühl bei den vielen Unzuträglichkeiten der Besetzung und fordert sie

um so größer würde auch später seine Enttäuschung und Enttüsttmg fein, wenn er erfuhr, -welche gefährliche Frau er unter falschem Namen in seinem Hause be­herbergt hatte. Nutzte man seine kleinmütige, nieder­geschlagene Stimmung bann gehörig aus, brachte man ihn gewiß dazu, der reichen Witwe einen Schritt ent­gegen zu tun, unb was bann noch zur Steigerung feiner Gefühle erforderlich war, mürbe der Betreffende dann schon selbst besorgen. Jedenfalls mußte die Angelegen­heit mit Frau Meier mit» einer völligen Uederrumpe- iung unb einer Beweisführung endigen, welche keine Hoffnung unb keinen Zweifel übrig lieh, und der kluge, gelehrte Bruder wieder einmal einsehen, daß mein Miete ihm an Welt- unb Menschenkenntnis weit über­legen war.

Schon jetzt sonnte sie sich im Vorgefühl dieses voll­kommenen Sieges, unb in der folgenden Nacht erschien ihr im Traum ein riesiger Polizist, welcher Frau Meier mit höhni'chem Lächeln ins Gefängnis abführte.

Auch Frau Rechtsanwalt Groth dachte länger, als es sonst ihre Art war, über die geheimnisvollen Andeu­tungen nach, die in Frau Meiers Brief, enthalten wa­ren. Sie hatte ja Schweigen gelobt, nbn sie nahm es damit nicht sehr genau. Ihre Lieblingstochter Ellen er­fuhr früher ober später alles, was sie selbst wußte ober norwussetzte, unb auch in diesem Fall sollte" sie bald zur Mitwisserin werben, aber zurzeit war sie gar nicht zu Hause, fonbern bei Verwandten ihres Mannes in Kiel, unb für fremde Angelegenheiten* interessierte sie sich im allgemeinen überhaupt nicht sehr. Ihre eigene Person staub immer im Mittelpunkt ihres Denkens unb ihres Fühlens, unb zu einer schriftlichen Mitteilung, die zu­dem noch in falsche Hände gelangen konnte, erschien Frau Groth die Gad^e dach nicht reif und wichtig genug. Wenn Ellen zurückkam, wollte sie eingehend n.? ihr darüber sprechen, aber Frauken durfte keinesfalls davon hören. Das Afchcnbrödel hegte ja eine ganz unbegreifliche Schwärmerei für Frau Meier unb würde in ihrer vor­schnellen Art gar imstande sein, sie zu warnen. Dem mußte euf jeden Fall vorgebeugt werben, und so behielt auch Frau Groth das Eeheimms für sich unb wartete mit einer gewißen Befriedigung auf die weiteren Ent-

auf, allen Bedrückungen und Verführungen zum Trotz treu zum Deutschen Reiche zu halten. Er schloß msi einem flammenden Protest gegen die Vergewaltigung des Völkerechts.

Auch Präsident ß einert versichert im Namer» des Landtags der Bevölkerung im neu besetzten Ge. biet die Teilnahme des Landes. Der Landtag unä das Volk werde treu zu den vergewaltigten Prü» dein stehen, wie es sicherlich auch diese, trotz ihre» Not, in ihrer Reichstteue nicht fehlen lassen wer- den. Auf Antrag des Zentrumsabg. Herold ver­tagte sich der Landtag auf den 17. Januar.

folgenschwrer schritt der Amerikaner.

Aus Washington liegt folgende telegra­phische Meldung vor: Präsident H a r d i n g hat die Zurückziehung der amerikanischen Truppen vorn Rhein ungeordnet.

Die Maßnahme Hardings, die vielfach als Protest gegen die Franzosen gedeutet wird, muß bange B e. sürchtungen auslösen. Der friedlichen Lösung des gegenwärtigen schweren Konfliktes und darüber hinaus dem Weltfrieden überhaupt wird damit sicherlich nicht gedient. Der Platz, den die Ameri­kaner verlassen, wird nicht lange leer bleiben, die Franzosen warten schon lange darauf, ihren Ak­tionsradius weiter ausdehnen zu können. Es würde, um das Maß voll zu machen, jetzt nur noch fehlen, daß auch die englische Regierung, wie das schon angedeutet wird, einen ähnlich ver- hängnisvollen Entschluß faßte. Dann wäre das ganze Rheinland dem französischen Eroberer und dem ihm willenlos folgenden Belgien wehrlos preisgegeben.

Neuer Rusmarschplan IHufiolinis.

Der Kontinent gegen England.

Mehreren Blättern zufolge soll sich die i i a l i e n t- sche Regierung enffchloßM haben, eine neuq Lösung der Rrparationsfragr ausf einer rein realisti­schen Grundlage ins Auge zu fassen, da die gegen­wärtige Lage das Zusarmnenroirksn der an einer Lö­sung der dringenden Fragen tntaef {taten Mächte, nämlich Frankreich, Italien, Belgien und auch Deutschland, erfordere. Natürlich würbe Deutschland, wenn es in dirse Kooperation der Kon- tinentatstaaten eintrete, eine gewisse Zahl von Milliar­den leisten, trojür der Zahlungsmodus durch ein gr- meinsames Abkommen festgesetzt werden könnte. Die Zeitungen versichern, daß man im Palazzo Chrgi au diesem Gegenstand eifrig arbeite.

Vie Lage im Osten.

Nach einer Meldung aus Memel sollen zwei litauische Kompanien und etwa fünfzig Zivil­personen die memelländische Grenze bei Plicken überschritten haben. Es ist Protest erhoben worden.

hätten wir . . .

Die Tatsache, daß die Franzosen heute ttotz laug, jähriger diplomaltschsr Gegarbemühungen der Reichs- regierung fcs Ruhrgebiet einrücken, um ihre allen imperewlstischen AnnexionspLäne zu verwirklichen, ver­anlaßt hurte viele Leute zu dem Stoßseufzer: Alles was geschehen ist, war übrrflüfsig. Man hätte gleich vor 3% Jahren töte Unterschrift unter dm Versailler Friedens-Vertrag vertret gern sollen. Wahrscheinlich wären daun die Franzosen hurte schon längst wieder aus Deutschland heraus.

Solche Gedarckengänge sind haute sehr billig Sie sind gerröecu dumm und zeugen obendrein von einem sehr schwachen Gädächtnitz. Es gab im Som­mer 1919 keinen Deutschen, der sich über die Folgen einer DMveigerung der Unterschrift klar war und dennoch die Veearttwortuittz für eine solche Der-

i

hüllungen, welche Lene unb mein Miete ihr verspräche» hatten.

10. Kapitel.

Grotenburg hatte keine Garnison, abet an Kaisers Geburtstag sah man doch immer eine ganze Anzahk älterer Herren in Uniform, welche bem bunten Straßen» bild einen lebhafteren Reiz verliehen und bei bem Fest­esten eine besondere Rolle spiellen. Es waren dies die pensionierten Offiziere, welche sich in die kleine Stadt zurückgezogen hatten unb hier, meist in einem eigenen Hause, ein billiges und beschauliches Dasein führten. Zu diesen gehötte auch der Major de Vries.

Er war Witwer, hatte früh den Abschieb genommen unb lebte nun mit seiner einzigen, noch nicht achtzehn- jährigen Tochter Hilde dicht vor der Stabt in einer Villa, die in einem großen (Barten lag und ihm durch Erbschaft zugefallcn wer. Die Unmöglichkeit, sie preis­wert zu verkaufen, hatte ihn fchießlich veranlaßt, selbst nach Grotenburg zu ziehen, und da die Derhältniste sich nicht änberten, war er geblieben, obgleich seiner Ansicht nach mir Oie Hauptstadt würdig war, ihn und seine Tochter in ihren Mauern zu beherbergen. In Wirklich­keit sühste er sich in Grotenburg sehr wohl, und di« Nähe von Hamburg unb Lübeck tröstete ihn über die Mängel der kleinen Stadt hinweg, aber er gab sich gern den Anschein, als sei sein Aufenthalt nur vorübergehend und die Zukunft berufen, ihn für die öde Gegenwart reich zu eiüschädigen.

Auch an den ©rotenburger Damen hatte er imme. viel auszusetzen. §>ie waren ihm nicht schick und ge­wandt genug, veistcnben sich nicht anzuziehen, und hatten nicht die richtige Würdigung für seine Innern und äußern Vorzüge. Er war, obgleich Ende der Fünfzig, immer noch ein schöner, stattlicher Mann, kleidete sich mit gro­ßer Sorgfalt und begegnete dem weiblichen Geschlecht mit einer vornehmen Ritterlichkeit, der eine Spur von Herablassung beigemischt war. Aus feinen guten Namen legte er großes Gemicht, mehr aber noch auf fein mili­tärisches Ansehen, unb da er beides in feiner Wi kimg aus andere übeifchätzte, hatte fein übertriebenes Sel.ftbe-- wußtsein beinahe etwas Komisches.

(Fortsetzung folgt.)