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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

50. Zahrg.

Donnerst^, IL Zanuar 1923

Flr. 7

,®ott, Frau Bürgermeisterin, es kommt ja

schon!

stets reichlich versehen sein, aber der wimmel mag wissen,

wehr-

der Ar­ber

nete die sofortige Zusammenfassung aller an Wirtschaft beteiligten Faktoren zur praktischen beit als die zunächst dringendste Aufgabe Reichsregierung.

mit An- Es

uns

„Stau Meier".

Roman von G. o. Stokmans.

) ar ding nicht die Absicht habe, der vom Senat angenomMensn Resolution betreffend die Zurückziehung der amerikanischen Truppen im Rheinlands zu entsprechen, da er glaube, daß daraus für die Vereinigten Staaten neue Komplikatio­nen in der Rvparationsfrage entstehen roütfoen.

Also heute vormittag war fie wieder dabei, zu schreiben, aber einschließen konnte sie sich beim besten Willen nicht, denn chr Stubenschlüssel war weg. Noch nie habe ich sie so ärgerlich gesehen. Sie wollte auch gleich einen an­dern machen lasten, aber die Kathrine redete ihr das aus und meinte, die Kinder hätten ihn gewiß nur ver- schleppt. Wenn die aus der Schule kämen, würden sie ihn schon wieder finden. Natürlich Halle ich ihn abge­zogen und versteckt. Wie ich nun durch das Schiüstel- lvch geguckt nud mich vergewistert habe, daß sie im offe­nen Fenster bei der Arbeit saß — sie ist so sehr für die frische Luft —, sagte ich der Lieselotte, sie solle mal so tun, als wenn sie mit Gepolter die Treppe hinunter­fiele, und ganz mörderstch schreien. Ich wußte, das würde ziehen. Die Meier kam denn auch gleich her­beigestürzt, um zu sehen, was es gäbe, und die Lotte, das schlaue Ding, die wohl ungefähr merkte, worauf es ankam, hielt sie unten eine Weile fest, indem sie immer­fort jammerte, aber keine ihrer Fragen beantwortete. Diesen Augenblick benutzte ich nun, schlich in der Meier ihr Zimmer und sah mir den Schreibtisch genauer an." „Hatten Sie denn gar keine Ängst, Lene?" „Nicht die Spur, Frau Rechtsanwalt. Ich wußte sie beschäftigt, und für den Notfall hatte ich schon eine Aus­rede bereit, aber gottlob, es ging alles gut."

„Und was fanden Sie da?"

„Nicht viel, scheinbar, aber doch gerade genug. Den angefangenen Brief hatte sie nämlich doch noch schnell über die Seite gebracht, aber in der Eile, und bei dem offenen Fenster war der eine Bogen unbemerkt heraus- geflogen, und der lag nun ganz gemütlich in einer Ecke und brauchte bloß aufgehoben zu werden."

„Wenn Frau Meier das Fehlen des Briefes nur nicht bemerkt," sagte mein Miete.

„Bewahre; zum Weiterschreiben ist sie #aum noch ge­kommen, und jetzt fährt sie mit Herrn Doktor stunden-

„Man muß nicht zu viel verlangen," sagte sie stillem Triumph und überlegenem Lachen, „für den fang genügt hleses offene Geständnis vollkommen, bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen und gibt einen wertvollen Anhalt für weitere Forschungen."

aus welcher unlauteren Quelle es fließt. Weshalb kommt sie gerade zu uns nach Grotenburg! Hier ist doch kein geeignetes Feld für politische Umtriebe, und Reichtümer sucht sie bei uns auch vergebens."

Mein Miete hatte auch ein leichtes Gruseln zu über­winden bei all den Vorstellungen, welche ihre lebhafte Phantasie nun heraufbeschwor, aber fie unterdrückte es mit ungewohnter Heldenhafllgkeit und meinte kühl, mit Achselzucken: „Wer weiß, wie das alles zufammenhängt und welche geheimnisvollen Zwecke die Meier verfolgt. Wir werden es schon mit der Zell ergründen, aber nur dann, wenn sie nicht ahnt, wie viel wir schon wissen. Ganz sicher muß sie sich fühlen, ganz überzeugt davon sein, daß wir in ihr nur eine einfache Hausdame sehen. Dann schlummert vielleicht nach und nach ihre Wach­samkeit ein, und wir fangen sie bequem in ihren eigene? Schlingen."

„So soll Max vcm dem Brief nichts erfahren?"

„Nein," meinte Fiete, „vorläufig nicht. Sie schreibt ja selbst, daß sie nichts so sehr fürchtet, als seine Güte und Unbefangenheit. Mag er also noch eine Weile im Dunkeln tappen und sie in ihrer Sicherheit bestärken; im rechten Augenblicke werde ich ihm schon die Binde von den Augen reißen und ihn vor ernsterem Unheil bewahren."

Frau Groth nickte. „Vielleicht geht sie nur daraus aus, ihn zu heiraten, hat das unruhige, gefahrvolle Leben satt und sucht einen Mann, der mit seinem ehr­lichen Namen ihre geheimnisvolle Vergangenheit deckt."

„Möglich, aber doch nur so nebenbei. Die Aufgabe, die sie hier zu erfüllen hat, ist jedenfalls ganz anderer Art, und für sie sehr viel wichtiger, als alle persön­lichen Angelegenheiten."

„Und wir sollen keinen warnen, keinem von dem Brief erzählen?"

„Nein, denn sobÄd andere davon erfahren, spricht sich die Sache herum und sie ergreift die Flucht. Das ist ja gerade eine ihrer schlauen Vorsichtsmaßregeln, dotz sie sich nicht gebunden hat, sondern jeden Augen- blick wieder verschwinden kann. Es genügt, daß wir drei nun wißen, woran mir sindl"

(Fortsetzung folgt.)

Die Lage in Essen.

wtb C f fe n, 10. Jan. (Tel.) 9.30 norm. Ein Vor­marsch in das unbesetzte Gebiet ist bis jetzt an keiner Stelle erfolgt. Die in Mühlh:im Speldorf ousgeladcnen Truppen sind in der Richtung Diisfeldorf ausgeladen worden.

Nach einer Meldung, die schon früher emgegangen mar, lautet der Befehl an die französischen Truppen auf Besetzung von Mühlheim a. d. Ruhr und Essen mit Umgebung. Für die Besetzung von G e l se n - kirchen und Bochum liegt ein Evetstualbffehl vor, dessen Ausführung erst als ein weiteres Druckmittel gegenüber dem deutschen Reiche gedacht ist. Bei dem Heranrücken der Franzosen wird ein großer Teil der Schutzpolizei aus Essen zurückgezogen worden.

Dr. Luther wieder in Essen.

Wie das ,Berl. Tageblatt' hört, wird Reichser­nährungsminister Dr. Luther angesichts des schweren Bedrohung, der die Stadt Essen ausgesetzt ist, einen längeren Urlaub antreten und fein früheres Amt als Oberbürgermeister der Stadt Esten vorübergehend wieder übernehmen.

Die Krupp-Werke.

Laut »Deutscher Allgemeiner Zeitung' erklärte die Verwaltung der Friedrich Krupp-A. G. in Essen auf eine Anfrage, daß sie versuchen wird, den unge­störten Fortgang der Arbeiten in ihren Werken aufrecht zu erhalten, weil von ihrer Arbeit allein in Esten 54000 Menschen ihr Brot haben.

Verlegung des Sohlensyndikales.

Nach einer Meldung der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" beschloß eine in Essen abgehaltene Mit­gliederversammlung des Rheinisch « Westfälischen Kohlensyndikats einstimmig, unter Zustimmung der Arbeitervertreten, den Sitz des Syndikats von Essen nach Hamm zu verlegen.

Wie das Blatt dazu bemerkt, lehnt das Syndikat durch diesen Beschluß es ab, die ihm von Poineare zugedachte Sklavenarbeit zu unterzeichnen und den Feinden, die den Versailler Vertrag durchbrochen haben, ein Kohlenverteilungsinstrument von der organisatorischen Bedeutung, wie es das rheinisch- westfälische Kohlenshndikat darjtellt, in die Hand zu geben. Durch die Verlegung des Syndikats wird die Produktivität des Kohlenpfandes stark geschmälert, denn Poineare muß an die Stelle des Kohlensyndikats eine eigene Organisation setzen, ohne die langjährige Erfahrung und das deutsche Organisationstalent hierfür zu haben.

Ein Ausruf des Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident hat an die Bevölkerung des von der neuen Besetzung bedrohten Gebietes folgenden Aufruf gerichtet, der durch öffentlichen Anschlag verbreitet wurde:

„Mitbürger! Gestützt auf militärische Gewalt schickt sich fremde Willkür an, erneut das Selbstbe. stimmungsrecht des deutschen Volkes zu verletzen; abermals erfolgt ein Einbruch unserer Gegner in deutsches Land. Die Politik der Gewalt, die seit dem Friedensschluß die Verträge verletzt und die Menschenrechte mit Füßen tritt, bedroht bas Kerngebiet der deutschen Wirtschaft, die Hauptquelle unserer Arbeit, das Brot der deutschen Industrie und der gesamten Arbeiterschaft. Die Ausführung des Frie­densvertrages wird so zur obsoluten Unmöglichkeit. Zu. gleich werden die Lebensbedingungen des schwerleiden­den deutschen Volkes noch weiterhin zerrüttet.

Der Vertrag von Versailles sollte den Völkern den ersehnten Frieden bringen. Was hier geschieht, ist aber eine Fortsetzung des Unrechtes und der Gewalt; es ist Vertragsbruch, angetan einem entwaff-

Serantroortiitt für Den ceoauioneUen Tel,: Dr. I. Kramer, u für die Anzeigen: 3- ParzeI! er-Fu'.oa. :. Rotationsdruck u. Veriao der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda, ^ernwretber Nr. u. Postscheck-Konto 4051 Frankfurt a. M.

3it „NrWm" in Der Mienttmo.

Die Reparationskommission hat, nachdem sie die deutschen Vertreter der Form halber angehört hatte, gegen die Stimme des Engländers Brad- bury eine deutsche Versehlung bei den deutschen Kohlenlieferungen für 1922 auf Grund des § 17 Annex 2 Abschnitt 8 festgestellt.

Line Kundgebung des deutschen Unternehmertums.

Die Spitzenverbände des gesamten deutschen Unternehmertums sprachen beim Reichs­kanzler vor und gaben in Anwesenheit des Reichswirtschc-ftsmimsters namens der Verbände die Versicherung ab, daß sie bei der Abwehr der dem Deutschen Reiche drohenden Vergewaltigung den Reichskanzler und die deutsche Reichsregierung einmütig mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln und Kräften unterstützen werden. Die Abwehr verlange die Einheitsfront des gesamten deutschen Volkes. Von der Zuversicht getragen, daß in diesem Willen alle Volksschichten sich unter­schiedslos zusammenfinden, würden die W i r t - schafts stände alle Opfer bringen, welche die Not des Vaterlandes erheische. Der Reichskanzler dankte für diese einmütige Erklärung und begeich-

Die unerträglichen Lasten

der Rhernlandbesatzung.

Die Rheinlandbesatzung beträgt zur Zett 140 000 Köpfe, ist also rund doppelt >o groß, wie die Gesamtstärke der vor dem Kriege im Rheinland befind- lichen deutschen Garnisonen (70 000 Köpfe).

Die „Rh einlandkommifsion" soll vertrage, gemäß aus 4 Mitgliedern bestehen, umfaßt aber tat» ächlich rund 1300 Köpfe.

Die Gesamtausgaben für die Rheinland­besatzung und die Rheinlandkommiffion können bis Ende 1922 auf 4% Milliarden Goldmark beziffert werden. Deutschland muß also allein an Bejatzungskosten für die ersten 4 Jahre der Rheinlandbesetzung eine Summe auf­bringen, welche die ganze Kriegsentschädigung, die Frank, reich nach 1870/71 an Deutschland zu zahlen hatte, schon etzt weit übertrifft.

Die Reparationskommission allein erfor- bett im Jahr einen Aufwand von 36 Milliarden Papier­mark, d. h. genau die Hälfte desjenigen Betrages, den Deutschland für die Besoldung sämtlicher Reichsbeamten, mit Ausnahme der Eisenbahn- und Postbeamten, nach dem Stande von Ende November 1922 jährlich auf, wendet.

Die Kontrollkommissionen verursachten tm Oktober 1922, ohne die Heimatgehälter, einen Betrag von 300 Millionen Mark monatlich oder, auf das Jahr umgerechnet, 3,6 Milliarden Mark. Eine Summe also, die etwa gleich groß ist wie der Gesamtbetrag, der im Reichshaushalt für die Gewährung von Kriegsbe- schädigtenrenten an rund 1,6 Millionen erwerbs­beschränkte deutsche Kriegsbeschädigte im Rechnungsjahr 1922 vorgesehen ist.

Ein einfacher Soldat der Rheinlandbesatzung erhielt nach dem Stande vom Oktober 1922 allein an „Deutschlandzulagen" neben seiner Heimatlöhmmg und neben freier Unterkunft monatlich einen Betrag von rund 140 000 Mk., das ist mehr als das damalige ge- fatnte Monatsgehalt eines deurjchen Generals ober Staatssekretärs und annähernd ebensoviel wie das Okto­bergehalt eines deutschen Reichsministers.

Ein englischer Generalpräsident einer der interalliierten Kommissionen bezieht einschl. seines Hei- matgehalts den Betrag von 78 607 000 Mk., wozu noch die sehr erheblichen Kosten für die Unterkunft kommen. Ein einfacher englischer Söldat erhält, ohne die Untere kunftkosten, jährlich 5 022 000 Mk. in bar.

Der deutsche Reichskanzler bezieht nach dem Stande vom Dezember 1922, ohne die Aufwandsentschä- bigung, ein Diensteinkommen von 2 230 000 Mk. also noch nicht 5 v. H. des gesamten Diensteinkommens, das ein englischer .Generalpräsident in Deutschland bezieht.

Ein deutscher Reichsmini st er bezieht alles in allem einschließlich seiner Aufwandsentschädigung ein Nettodiensteinkommen, das noch nicht drei Fünftel des Diensteinkommens eines einfachen englischen Soldaten ober Schreibers der Kontrollkommission erreicht.

„Allerdings," meinte Frau Groth, „und am meisten gibt mir der Passus zu denken: „Ich handle ja nicht au- eigenem Willen, sondern auf höheren Befehl." Wer weiß, wer noch hinter ihr steht, ob eine machtvollere Persönlichkeit ober eine noch machtvollere geheime ®e- meinschaft. Unter der Maske einer fünften, sittsamen Hausdame kann sich mancherlei verbergen: eine Hoch­staplerin, eine Spionin, eine Nihilistin sogar".

Mein Miete nickte.

„Wir leben in einer schlimmen Zeit. Nächtliche Ein­brüche und zertrümmerte Fensterscheiben sind jetzt nicht mehr Mode. Heutzutage da schleichen Menschen sich bet hellichtem Tage ins Haus. Sie sind vielseitig gebildet und gut gekleidet, nehmen eine ehrbare Miene an und haben feine Manieren. So bringen sie langsam ein, und in den Schoß der Familie, und wirken im Stillen, bis der richtige Moment gekommen ist, und das Der- bctben über die armen Opfer hereinbricht."

„Ja, ja," meinte Lene weisheitsvoll, „in den Zeitun- gen stehen immer solche Schauergeschichten. Wernf Kas­sen geplündert, Juwelen gestohlen, ober Papiere gefälscht werden, immer sind es ganz feine Leute unter falschem Namen, bie die Gelegenheit auskundschaften und ihren Helfershelfern in '-Berlin, Hamburg oder Paris in dt- Hände arbeiten. Weibliche Spione sollen ja ganz beson- bres beliebt fein, well sie so schlau und geschickt sind, und unsere Frau Meier versteht es auch, den Leuten Brei um ben Mund zu schmieren."

Frau Groth, bie sonst gar nicht ängstlich war, wurde bie Sache ganz unheimlich.

„O Gott," sagte sie, „bann steht diese Person viel­leicht seit Jahren im Dienst einer Verbrechergesellschaft. Daher auch die Gewandtheit, ihre ungewöhnlichen Sprach­kenntnisse und die weiten Reisen, von denen sie nur mit Vorsicht spricht, — sowie ihr großartiger Verzicht aü'

Beamtenfragen.

— Der Urlaub der Staaksbediensielen. Sm Reichs minifterium des Innern fanden Besprechungen mit den Gewerkschaften über die Frage der Urlaubsser- kürzung statt, die für alle Dienstgrade und Dienst- alter 3 Tage umfassen und bereits in diesem Jahre ein­treten soll. Der Minister begründete die Maßnahme mit der großen finanziellen Ersparnis für das Reich und die Arbeitserleichterung, die durch die beabsichtigte Kür­zung eintreten würde. Die Gewerkschaftsvertreter er­hoben gegen bie Urlaudskürzung Einspruch, da bei der schlechten Ernähungslage eher eine Urlaubsverlän­gerung notwendig sei. Die endgültige Entscheidung in dieser Frage wirb ber Reichsminister des Innern treffen.

Bezugspreis: Monatlich 375 ZUL Zustellgebühr extra- z Abgeholt in ber Geschäftsstelle 390 Ult. s

Anzeigen: Kleinzelle nach Colonel 24 Ult.; ausw. 30 lut Reklamezetle (Tepvrettel nach Ealone'mah 60 iuar-.

Deutsches Reich.

* Das Reich in Bayern. Der neue Vertreler der deulschen Reichsregieiung in München, v. Hantel, ist in München eingenoffen und besuchle den bayer. Ministerpräsidenten Knilling.

* Reform der Zivilprozeßordnung. Im Reichs- justizmtnlsterium Hat e.ine Kommission zur Ausar- beitung einer neuen Zivilprozeßordnung zusammen. Tie Kommission wird zunächst etwa eine Woche zu­sammenbleiben.

In Kreifen des Weißen Hauses erklärt mau, daß Präsidtnt H

Treppe heruntergefallen/

Die Büraermeistcrin machte eine Bewegung ber Ab- Gehalt und Reisespesen. Mit Geld wird sie wahrscheinlich

Richt cu> Bitternis sieht sich Belgien zu dem Ein­schreiten gc'wungm, um zu erlangen, was ihm ge- kchuldit wild. Wir hofften, daß Deutschland sich moralisch erneuerte. Diese Hoffnung verwirklichte sich nickst Wenn wir heute ins Ruhrgebiet einbringen ro geschieht es, weil dort immer eine Kriegsge­fahr besteht, die die Welt bedroht (U'gcheuerüche Heuchelei! ') iuw we>- dort der Mittelpunkt des Wider­standes oegeu unferc gerechten Forderungen sich, be­findet. Jedesmal, wenn wir gegen Deutschland han» belien, erhie itn wir etwas. Wir sind fest entschlossen, das zu erlangen, xoct uns zusteht, wenn möglich, auf friedlichem Wexe, wenn nötig, durch Gewalt. Es ist »elbstverständftch, daß wir die erstere Lösung vor- zichen Wir rechnen immer noch auf den Beistand der britischen Regierung, um den Frieden von Versailles zur Durchführung zu brin­gen, einen Frieden, der uns das Recht gibt, zu han­deln, sobald Deutschtand gegen die Verpflichtungen verstößt. Wir töroroem nicht warten, bis ärgere ein­schreiten, um nicht genötigt zu werden, bann bei ihnen um Almosen zu bitten.

Die amerikanischen Rhein-Truppen.

neten, wehrlosen Volke. Deutschland war bereit, zu leisten, soweit feine Kraft reicht. Trotzdem wird es nun überfallen. Diesen Gewaltakt klagen wir vor Europa und der ganzen Welt an; laut erheben wir unsere Stimme, daß hier eine fremde Macht das heilige Recht des deuifchen Volkes am eigenen Boden und fein Recht zum Leben vergewaltigt.

Nun sollt Ihr für das ganze deutsche Vaterland das harte Los der Fremdherrschaft erteibenl Harrt aus in butoenber Treue, bleibt fest, bleibt ruhig und bleibt besonnen! Tretet im Gefühle unseres guten Rechts in ernster Würde ben fremben Gewalthabern entgegen, bis ber Morgen tagt, ber dem Recht feinen Platz unb Euch bie Freiheit gibt. Wir aber geloben Euch treue Hilfe; unsere rastlose Sorge wird sein, nichts ungeschehen zu lassen, um bie Dauer der Fremdherr­schaft abzukürzen, Eure Not zu lindern und ben Weg zum wahren Frieden zu finden. An deutschem Gemeinsinn und an opferfreudiger Vaterlandsliebe wer­den die fremden Machtpläne zerschellen! Haltet alle Zeit hoch die deutsche Einheit und unser gutes Recht!

Reichspräsident: Ebert. — Reichskanzler: Euno."

Das Heerlager in Düsseldorf.

wtb Essen, 10. Ian. (Tel.) Düsseldorf gleicht einem großen Heerlager. Eine Reihe von Schulen und Büro- häuser wurden beschlagnahmt und mit Truppen belegt. Dauernd treffen neue Truppenkörper aller Waffen­gattungen ein. Die Sraftwagenbesiher, denen ein Requisitionsbefehl zugegangen ist, müssen den • Dfagen mit gefülltem Oelbehülter zur früheren Kaserne der 39er, der jetzigen Rapoleonskaserne, bringen. 3m Aalte einer Richlvorsührung des Kraftwagens wird der Besitzer vor ein Mititürgericht gestellt und fein wagen kann in Beschlag genommen werden, während der Requisilionszeik bis zu weiteren Befehlen dürfen keine Kraftwagen ohne vom Befatzungskommandanten unter, zeichneten Eelesifchein den Brückenkopf Düsseldorf ver­lassen. Störungen im Eisenbahnverkehr waren bis gestern abend noch nicht zu verzeichnen.

Vie internationale Stimmung.

Italiens Auffassung

ist nach einer offiziösen Erklärung mit der französi­schen zwar verwandt, aber nicht iüentisä), weshalb Italien sich denn auch nicht bedingungslos an das Vorgehen der anderen gebureben sichle. Die offi­ziöse „Tribuna" erklärt in gleichem Zusammenhang, die Pariser Presse irre, wenn sie den Anschluß Italiens an die französische Aktion erwarte. Mussolini sei viel­mehr nach wie vor für produktive Pfänder, beffpiels- roeife eine Kontrolle der Bergwerke, aber gegen die Militär-Expedition, da diese schließlich doch nutzlos, ja sogar schädlich sei. Freilich habe Jtanen nach dem Scheuern orr ■norefereiig Frankreich nicht hindern können, zu marschieren.

Eine Einwirkung des Vatikans?

Die fafziftifche Agentur Italia" meldet, der vati­kanische Kardinal-Staatssekretär habe dem französischen Botschafter beim Heiligen Stuhl eine diplomatische Ermahnung über­reicht, Frankreich möge gegenüber Deutschland in der Wiedergiutmachun gsfrage mehr Geduld und Mäßigung zeigen.

Das belgische Gewalt-Rezept.

Eine Rede des Außenministers.

In der Kammer in Brüssel erklärte der AuHen- Min.ster Jaspar u. a.:

Wenn unsere großen Nachbarn uneinig sind, so ist Deutschland daran schuld, das sich weigert, bas gegen die Zivilisation begangene Verbrechen wieder gul-unrnch-en (Offenbar hat der Minister die belgischen Gesandrschaftsberichte, die die Kriegsschuld der En­tente beweisen, immer noch nicht gelesen D. R.) lang über Land. Bis siHrück^t, Hube ich bas Blatt langst wieder hingelegt," erroiberte Lene.

„Sie haben es doch mit?“

„Na, natürlich!“

Es war wirklich nur bas Bruchstück eines Briefes, das Lene sorgsam aus einem großen Umschläge hercms- holte, aber bie beiben Damen erkannten sofort Frau Meiers elegante, langgezogene Schrift unb streckten gleichzeitig bie Hand danach aus. In ihrem Eifer dachten sie gar nicht an die Heiligkeit des Briefgeheimnifses, Ion- bern nur an bie Befriedigung ihrer brennenden Neugier, und mein Miete, die in dem Kampf Siegerin blieb, las laut, in höchster Spannung unb Erregung:

„----indessen. Not kennt kein Gebot, unb

Hebung macht ben Meister. Das bestätigt sich auch in meinem Fall. Ich gewöhne mich mehr unb mehr an bie gewagte unb gefährliche Situation, die auch ihre komischen und amüsanten Seiten hat, lasse mich ruhig Frau Meier nennen, und spiele, wie ich glaube, mein« Rolle nicht schlecht, — aber ich muß doch ungemein vor­sichtig fein, und zittere oft vor ber Möglichkeit, mich zu verraten. Dem gütigen Hausherrn gegenüber erschein! mir diese Möglichkeit entschieden am größten. Er ist arglos, wie ein Kind, und zartfühlend, wie ein echter, rrrnehm denkender Edelmann, aber gerade darum wird cs mir schwer, ihn fortgesetzt zu betrügen, die Vergan­genheit mit schützenden Schleiern zu verhüllen und jedes Wort, bas ich mit ihm rede, auf die Goldwaze zu le­gen. Lch habe dann Anwandlungen von Reue unb Scham, aber ich handle ja nicht aus eigenem Willen, sondern auf höheren Befehl, und dieses Bewußtsein gibt mir in gefährlichen Augenblicken den nötigen Halt, die volle Geistesgegenwart. Ich habe auch schon manchen schönen Erfolg zu verzeichnen, unb hoffe, nach und nach alles in Erfahrung zu bringen, was----" Mein

Miete stockte.

„Ist das alles?" fragte Fr cm Groth sehr enttäuscht.

„Ja," meinte Lene, „weiter Ist sie mit ihrem Brief nicht gekommen."

„Dann wünschte ich, Liselotte wäre etwas später bie