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uld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis nnd die 5ladt Fulda.

50. Zahrg

Dienstag, 9. Januar 1923

ihres Datei

müsse sie ffich aus dem Stopf schlagen und vor allem lernen, den Mund zu halten.

Thea Petersen dachte nicht daran, sich dem Wunsche

fir. 5

geriet,, früh zu verbittern.

Frau Meier sand dies sehr vedauerlich. Diese spröde, leidenschaftliche Natur zog sie an, und auch das schmale, dunkle Gesicht mit dem scharfen Schnitt gefiel ih^ Es konnte noch einmal sehr schön werden und trug unverkennbar einen Zug von Genialität, der den andern ganz abging.

Sie war auch bei den Vettern und Kusinen durchaus nicht beliebt. Die tyrannischen Launen des Vaters und die zarte Gesmrdheit der Mutter hatten Thea und ihren Bruder Hans den Verwandten nach und nach sehr ent­fremdet und obgleich sie alle in berfelben kleinen Stadt

" ' "rs zu fügen. Sie empfand nur ihre Ohnmacht wie ein zehrendes Fieber, und dachte Tag und Nacht

darüber nach,wie sie sich selbst helfen und befreien könnte.

In dieser, Stimmung lernte sie auf dem Hamburger Ausflug Frau Meier kennen, von der sie schon viel ge­hört hatte, zugleich stieg der Gedanke in ihr auf, die Weitgereiste, Dielerfahrene um ihren Rat zu bitten. Ohne ihre eigenen Wünsche deutlich zu erwähnen, er­kundigte sie sich nach allem, was sie wissen wollte, und ärgerte sich nicht wenig daß ihr Thede Mathesius, ihre Unterhaltung so. oft unterbrach. Sie gab schließlich, eine besiere Gelegenheit erhoffend, die Sache auf und gesellte sich zu Tante Abelone, die von dem Doktor geführt wurde und aus dem Staunen und Entzücken gar nicht herauskam. Alles erschien ihr neu und intcresiant, und das Bewußtsein, heute die Hauptperson des kleinen Kreises zu sein, machte sie'besonders glücklich und stolz.

Das Dergnügungsprogramm war auch sehr reichhal­tig. Man b^ann mit der Besichtigung des neuen Alto- naer Gew^erbemuleums, ging von da in die Hamburg-r Kunsthalle, besuchte das herrliche Rathaus und das Sah ferdenkme? und frühstückte vorher im Rathauskever, dann wurde eine Rundfahrt auf der Alster gemacht, die Fülle der herrlichen Dinge betrachtet, welche die glänzenden Schaufenster des Iungfsrnstiegs und des neuen Walls boten, und schließlich bei Pfordts eingekehrt, um nach der Speisekarte das Mittagesten einzunehmen. Der Doktor ließ unten den einen Fenstertiich mit gelben Tazetten ausschmücken, die er vor Sem Restaurant auf der Straße gekauft hatte, und bestellte Sekt. Tante Abelone, angetan mit ihrem besten schwarzseidenen Kleide und sehr würdig aussehend, nahm den Ehrenplatz ein, und als der lautlos herangleitende Kellner die blinkende Schüssel mit der köstlich duftenden Suppe brachte, überkam alle ein fröhliches Behagen, welches sich mit jeder Viertelstunde steigerte. Man ohne Hast mit einer gewissen Andacht, ließ den kühlen Schaum­wein durch die Kehle rinnen, und schwatzte und lachte

Die Lage im Ruhrgebiet.

»una aus Bochum hielt am Ruhrgebiet der alle Bergarbei«

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Leramwonli» iüi den teOauionellen Teil: 2r. 3- St tarnet.

Rotatimiskm u Verla«?"« Fulda« Actiendruckerei in Fulda. ^"Mck-Konto 4051 Frankfurt a. M.

Vie Rückkehr Bergmanns.

Dieqdeutsche Regierung hatte bekanntlich Staats- I sekretär Dr. Bergmann nach Paris geschickt, um bte I letzten deutschen Vorschläge zu erläutern. Zu einer derartigen Verhandlung ist eS durch den schnellen Abbruch der Konferenz nicht mehr gekommen. I Dr. Bergmann ist wieder nach Berlin zuruckge- kommen. In einer Besprechung machte er dem Reichskanzler Mitteilungen über die Eindrücke, die er in Paris von dem Verlauf der dortigen Ver­handlungen gewonnen hat. LautVorwärts wird das Jieichskabinett auf Grund der von Bergmann überbrachten Informationen am Montag zu­sammentreten und zur außenpolitischen Lage Stellung nehmen.

GmMe MM in Mn.

Reichskanzler a. D. Dr. Wirth spricht. Die Reichstreue der Rheinländer.

In einer öffentlichen Versammlung, die aus Anlaß des rheinischen Zentrumstages in Köln ftatt- fand, sprach Drt Wirth über die politische Lage. Der Zudrang zu der Versammlung war unge­heuer. Dr. Wirth trat für ein f e ft e 5 3 ft f am- menhalten derjenigen Deutschen ein, die sich den gesunden Menschenverstand be­wahrt haben und extreme Ziele ablehnen, weil sie zum Chaos führen. Oft wurde er von langdauern­dem stürmischem Beifall unterbrochen. Folgende Entschließung wurde als Willenskundgebung des Zentrums als der stärksten politischen Partei des Rheinlandes einstimmig angenommen:

Wir Rheinländer erheben mit tiefer Empörung Ein­spruch gegen die von Paris uns zugedachte neueste Der- gewaltigung. Diese Politik dient nicht der Reparation und führt nicht zum Wiederaufbau, sondern schafft nur neue

Zerrüttung und Zerstörung.

Sie bahnt nicht den Weg zum Völkerfrieden, den die ganze Menschheit ersehnt und sät nur neuen Haß, tiefen, glühenden Haß, der früher oder später

zu unheilvoller Ernte reifen muß. Und das alles geschieht nicht etwa aus dem Zwange wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus, sondern um poliftscher Ziele willen, die wohl verschleiert, aber nicht verborgen werden können. Wir kennen diese Ziele; alle Welt kennt sie. Sie bedeuten das Schlimmste, was einem wehrlosen Volk ausgezwungen werden kann.

I Aber diese Ziele werden niemals Wirklichkeit. Keine Macht der Welt

I ist stark genug, das Band, das das Rheinland mtt dem I Reiche verknüpft, zu zerreißen. In ernster, schwerer Stunde erneuern wir das heilige Gelöbnis der

Treue zu Volk und Vaterland.

Wir kennen die Pflicht, die in diesen Stunden dem I Zentrum als der stärksten Partei in den westlichen Grenz- I marken des Reiches obliegt. Wir werden sie erfüllen

Darum wollte sie auch nicht heiraten, sondern einen^ Beruf ergreifen, der ihr Leben ausfüllte und ihr Ge­legenheit gab, ihre Kraft zu verwerten. Was sie aber ; auch in Erwägung ziehen mochte, zu allem gehörte eine i jahrelange ernste Vorbereitung, wid zu ein« solchen | versagte der Vater ihr hartnäckig die Mittel. Er meinte, ein junges Frauenzimmer gehöre ins Haus, an die Seite der Mutter, und wenn sie sich nützlich machen wolle, finde sie immer Gelegenheit dazu. Bei bescheidenen An­sprüchen werde sie auch nach seinem Tode nicht Mangel i leiden, aber die neumodischen, selbstherrlichen Ideen

in treuer Gemeinschaft mit allen, die gewillt sind, ihre Schuldigkeit für Heimat und Vaterland zu tun.

Rheinläüderl Schließt die Reihen!

Fort mit dem Kleinmut und der Verzagtheit! Mag die Gewalt kurzlebige Triumphe feiern, unser gutes Recht ist stärker als sie, wenn nur der Wille, der es trägt und schirmt, nicht schwach wird. Stark wie die delüsche Eiche soll unser deutscher Wille fern: Reich und Rheinland

auf ewig ungeteilt!

Diese gewaltige Willenskundgebung kann in den bangen Stunden dieser Tage dem ganzen deutschen Volke zum Tröste und zur Stärkung gereichen. Deutsche! Schließt die Reihen! Rur Opfermut und eiserne Disziplin können unsere nationale Freiheit wiedergewinnen.

Urteile aus -er Schweiz.

Zum Abbruch der Pariser Koniferen; schreibt die Neue Berner Zeitung": ,

Die Orient- und die Rhemfrag- waren von Frank­reich verkoppelt.worden. Frankreich kalkulierte, datz England die Orientinteressen wichtiger als die am Rhein sind und daß es nicht genug Macht für die Lösung bei­der Probleme zugleich besitzt. England muß so den Franzosen am Rhein freie Hand lassen, aber es billigte das französische Vorgehen nicht und wird sicherlich später auf die Rheinsrage zurückkommen. Das

estglisch-sranzösische Bündnis ist gebrochen, mögen auch offizieÄe Schönfärbereien es anders hinstcllvn. Die neue Kräfteverteilung und Mächtegruppierung in Europa beginnt, und der Traum

I einer friedlichen Entwicklung scheint zerstört zu sein.

Der BernerBund" schreibt: Obwohl bie Entente formell noch nicht ausgelöst ist, besteht sie tatsächlich nur n>p ch aus dem Papier.

Dadurch sind endlich klare Verhältnisse geschaffen wor­den. England hat seine Uoberzeugung, die übrigens auch die der Neutralen ist, nicht unter das französische Diktat gebeugt.

Montag einigte. Der deutsche Vertreter wird also am Monntag nachmittag 3 Uhr gehört Nach einer Havasmitteilung hatte die deutsche Re­gierung den 10. Januar vorgeschlagen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 8. Ian. Die durch das Ausscheiden des Generals o. F'e l d m a n n freigewordene Stelle eines Chefs der Heeresverwaltung ist mmmehr durch einen Erlaß des Reichswehrministers mit der Stellung des Chefs der Heeresleitung vereinigt worden und dem General v. S e e ck t übertragen worden, nach­dem sich im vergangenen Jahre eine Trennung der bei. den Stellen als nicht praktisch erwiesen hatte.

* Die Forderungen der Spitzen-Organisationen. SamStag nadbmittag.traten die Spitzenorganisationen der Beamten- und Arbeitergewerkschaften in Berlin zusammen, um sich über die Gehalts- und Lohnforderungen, die der Regierung in der kommenden Woche unterbreitet werden sollen, schlüssig zu werden. Am Montag soll im Reichsfinanzministerium über die Arbeiter löhne, Dienstag über die Beamtengehälter verhandelt werden.

wohnten, sahen Petersens die anderen Familien außer- ordentlich selten. Thea glaubte auch immer eine gewiße Herablassung in ihren Mienen zu lesen, welche dem Umstand galt, daß ihr Vater in der Weinstube selbst be­diente und ihren Bruder zuweilen zwang, dasselbe zu tun. Der junge Mensch war schon 24 Jahre alt, aber dem Vater gegenüber durste er nach immer keinen Wil­len haben, und da er später das gutgehende Geschäft übernehmen sollte, war ihm mich jed« andere Benis verschlossen. Er trug das alles mit ruhigem Gleichmut und fügte sich dem Eisernen Muß. Aber wenn Peter­sen Frau Klaudine angriff, sich von ihr wie von einer Sklavin bedienen ließ, in Gegenwart ihrer Kinder sie mit ihremsauberen, wortbrüchigen Verehrer" Tim Tommählen verhöhnte, dann stieg auch ihm das Blut zu Kopf. Die Entrüstung lieh ihm Worte, die er sonst nie zu sprechen gewagt hätte, und es kam zu Auftritten zwischen Vater und Sohn, die Thea mit Jubel, Frau Klaudine aber mit lähmendem Entsetzen erfüllten. Sie schadeten ihrer Gesundheit mehr als irgendeine Kränkung, die der rohe, rücksichtslose Gatte ihr sonst zuzufügen vermochte, und ihre Nerven konnten sich tagelang nicht davon erholen. Sie selbst versuchte immer zu vermitteln und zn beschwichtigen, aber ihre sanfte Stimme verhallte ungehört, und die Gegensätze stießen immer härter und unerbittlicher aufeinander. Das Ehrfurchtsgefühl orr- satte dem Ta#er gegenüber bei den Kindern gänzlich. und Thea neigte der Ansicht zu, daß sich in jedem Mann ein Tyrann verberge und die Ehe eine unerträgliche Fessel fei.

Nach, einer Meldun

Sonntag im ganzen R,-o_ ~

terverband Versammlungen ab, die den von oen Vertretern der Arbeitnehmer bei den Berliner Ver- Handlungen über die Lohnfrage eingenommenen Standpunkt billigten und unter Hinweis auf die zunehmende Teuerung eine ausreichende Lohner­höhung ab 15. Dezember 1922 forberten. Die Versammlungen erhoben ferner entschiedenen P rote ft ge'gen die von Frankreich geplante Be­setzung des Ruhrgebieis.

vom Ministerrat bestätigte Plan zur Durchführung gebracht würde.

Po ineare

habe beschlossen, am Donnerstag in der Kammer I zu sprechen. An diesem Tage werde er wohl in I der Lage sein, den Abgeordneten Mitteilung von I den bereits ins Werk gesetzten Maßnahmen zu I machen. Fernei^erklärt das Blatt nach feinem Be- I vichterstatter über Truppenbewegungen, daß das I 14 9. und 6 2. Feldartillerieregiment in Epinal bald aufgefordert werden würden. Die I beiden Regimenter sollen bis Mittwoch am I Rhein fein.

Hus England

tragen keine entscheidende Meldungen vor. Der eng» I tische Arbeiterführer Ramsay Macdonald fpraq) I in einer viel beachteten Rede gegen die französische I Auffassung des Reparcritonsproölems. Reuter berichtet, I »Donar Law Habs befchlosien, den britischen K<tt»inetts- I rat nicht einzuberufen. Ms nicht weitere Entwick­lungen in der internationalen Lage eintreten. Der Premierminister warte ab, um die genaue Art der um abhängigen Äon kennen zu lernen, die Frankreich im Ruhrgebiet ösabsichtige. Wem, die Haltung stst- stehe, werde die britische Regierung eins endgültige Erklärung Über die britische Politik abgeben. Die bri­tische Mißbilligung des Einmarsches ins Ruhrachiet und die Entwertung des Franken müßten ein Zögern bei Frankreich Hervorrufen. Die Schwierigkeit, die zähe westfälische Bevölkerung zu zwingen, sei ein weiterer ] Faktor, der erwogen werden müßte.

Die Zurückhaltung Amerikas.

Aie Möglichkeit eines Eintritts Amerikas in das europäische Reparationsproblem ist verringert wor­den durch den Senatsbeschluß über die

I Zurückziehung der amerikanischen Truppen vom Rhein. Die amtliche Stellung wird bezeichnet

I als diejenige eines wohlwollenden Zu­schauers in Freundschaft mit allen an der Krisis beteiligten Parteien. Die amerikanischen guten I Dienste und seine wirtschaftlichen Kräfte würden I jederzeit zur Verfügung stehen, wenn der Weg für I eine amerikanische Hilfe frei sei.

Die Rolle der ReparationskonrmWon.

Durch den Ausgang der Pariser Konferenz ist I bekanntlich die Reparationskommission stark in Mitleidenschaft gezogen. Der englische Delegierte, Vradbury, hat aber vorläufig noch an einer Sitzung | teilgenommen. Die Konferenz hat sich mit der deutschen Kohlenlieferung befaßt und Verhand­lungen über das deutsche Moratoriumsge- such für die Jahre 1923 und 1924 vom 13. Nov.

I in Aussicht genommen.

Hauptsächlich aber wurde beschlossen, am Mon- I tag einen

Vertreter Deutschlands

| über die Kohlenlieferungsfrage zu hören. Die I deutsche Regierung habe nämlich wissen lassen, I einen ihrer Vertreter vor der Beschlußfassung I durch die Kommission zu hören. Darthou bezeich­

nete in der Sitzung die deutsche Forderung für | überflüssig, da die deutschen Bemerkungen zu den I Verfehlungen in der Kohlenlieferungsfrage schon I bei dem letzten Berliner Aufenthalt den Kommis- I sionsmitgliedern mitgeteilt worden feien. Brad- | bury habe jedoch darauf bestanden, daß die Deut- I scheu gehört werden. Barthou schlug dann vor, I daß die betreffende Sitzung sobald wie möglich I stattfinden solle, worauf sich die Kommission auf I« nm in in in H ii nii" in <

Rus dem besetzten Gebiet.

fpd. verschärfte Paßkontrolle. Di- Paßkontrolle ist seit einigen Tagen wesentlich verschärft worden. Jetzt werden in den Zügen zwischen Mainz und Bingen so­gar Ausweise durch rnftfahrende Soldaten einer Nach­prüfung unterlegen. Auch auf den Bahnhöfen und in den Wartensälen ist die Kontrolle schärfer aeworden. Im Mainzer Hauptbahnhof wurden dieser Tage nicht weniger als 52 Personen auS dem unbesetzten Gebiet ohne Personalausweis betroffen und wurden erst gegen Er. legung einer Bürgschaft von 5002000 Mark frei ge­lassen. In dem darauf stattfindenden GerichtSiermin wurden die erschienenen Personen zu je 50 Mark ver­urteilt. Die Bürgschaftsgelder der nicht anwesenden Leute wurde für verfallen erklärt und der GerichtSkaffe | zugeführt.

in jenem gedämpften Ton, ipelcher in einem öffentlichen Lokal geboten ist.

Frau Meier saß so, daß sie über die Länge des Tisches hinweg auf die Straße blicken konnte, und da ber Doktor auch die feinen Vatragegardinen zurückgezo­gen hatte, konnte, sie alles verfolgen, was draußen verging.

Mit einem Male zuckte sie zusammen, und sie wurde um eine Schattierung bleicher als sonst. Ein offen« Wagen mit zwei älteren, sehr vornehm aussehenden Her- I ren bog um die Ecke und hielt vor dem Restaurant. Die beiden Herren fliegen aus, sprachen ein paar Worte mit dem Portier und traten in das Haus. Wenige I Minuten spät« erschienen sie, von einem Kellner ge­leitet, in ben Restaurationsräumen, und da vorn alles besetzt war, nahmen sie im zweiten Zimmer, unweit der Grotenburger Gesellschaft, Platz.

Kaum hatten sie sich jedoch ein wenig umgesehen h sprang einer der Herren wie in freudiger Ueberrafchung wieder auf und eilte auf Frau Meier zu, um sie zu begrüßen. Diese aber blickte ihn so starr, mit so eisig ablehnendem Befremden an, daß er stutzig wurde, sich verwirrt an die Stirn griff und m't einem' halblaut gemurmeltenVerzeihung, ich irre mich mahl," wird« zurückzog.

Damit schien die Sache erledigt zu sein, aber nach einer Welle bemerkte Doktor Haussmann ya*- feinem höchsten Erstaunen, daß Frau Meier in einem Augen­blick, in dem sie sich m beobachtet.glaubte, zu dem frem­den Herrn hinübersah, befangen lächelte und wie in stummer Abbitte gegen ihn bas Glas trfjob. Dann legte sie, Vergebung heischend, den Finger sekundenlang auf den Mund, und erst, als von drüben eine bejahende Kopfneigung als Antwort kam, fchien sie beruhigt zu fein und beobachtete die Herren nicht mehr. Dem Dok- tor siel es ober auf, daß sie gleich darauf von dem Theat« zu reden begann, das man nach dem Esten .besuchen wollte, und zwar mit etwas erhobener Stimme, ft daß man bei einige; Aufmerksamkeit am Nebentisch I jedes Wort verstehen konnte.

sFortjetzung folgt,)

JerMmrsch gegen Mi

Mrd es ernst?

Heber die beiden Feiertage hin hat sich isie Situation 6tc sich nach dem Abbruch der Pariser Konferenz ergab, nicht sonderlich geändert. Es sind seit dem Abbruch keine wesentlichen Tatsachen zu verzmchnen, um so mehr Mutmaßunyen und Gerüchte. Diese zralen zumeist auf die Absicht des franz o s ischen I V o rin ar sches ins Ruhr gebiet. DerTen^s veröffenllichte dazu folgende, offenbar inspizierte Mtt-- teiiung: Es sind zahlreiche Nachrichten über die Maß­nahmen verbreitet worden, die die französische Regie- I rung gegen Deutschland zu treffen gedenkt und über | den Zeitpunkt, in dem dies geschehen wurde. Der Tsmps" glaubt, daß alle Angaben hierüber ein­fache Vermutungen darsteilen. Die Regierung habe ihre Absichten den Verbündeten bekamttyogeben, aber es liege kein Anlaß vor, weitere öffentliche Mit­teilungen zu machen oder fremde Meldungen zu de- ! montieren. Die französische Regierung werde sich be­stimmt ihre Entschlußsreiheit hinsichtlich ihres Programms und des Zeitpunktes seiner Durchführung umMjailte«.

Unter Hinweis auf diese Auslassung verzeichnen totr doch als kennzeichnend für die Lage folgende Drcchtmeldungen:

wtb Paris, 8. Jan. (Tel.)Chicago Tribüne" berichtet aus Koblenz über die gestrige Nach­mittagssitzung im französischen Hauptquartier, j man erwarte mit jedem Augenblick den Befehl zuly Vorgehen. Der amerikanische Oberkommandierende, General Allen, habe in Eile in der vergangenen Nacht den Stab zusammen­gerufen. Man nimmt an, daß es sich in der Sitzung um das bevorstehende Vorrücken gehan- belt habe. Die unter General Allen stehenden französischen Truppen feien gestern in ihren Quar­tiere gehalten worden. Ein mit den Amerikanern vereinbartes Fußballspiel sei rückgängig gemacht worden mit der Begründung, die Franzosen wünschten keinen Zusammenstoß mit der Zioilbe- völkerung.

wtb Paris, 8. Jan. (Tel.) Eine Pariser De- Peschen-Agentur hat nachPettt Parisien" des Nachricht verbreitet, daß

40 Bergingenieure

trab Ingenieure der Marine 9.55 morgens vom Pariser Nordbahnhof nach Essen abgerefft seien. In Esten würden sie auf die Hauptbergwerke des Ruhrgebietes verteilt werden, die sie auf Anord­nung von Paris aus zu leiten hätten. Ihre Ab­reffe fei in großer Stille vor sich gegangen. Den Mitgliedern der Abordnung feit der Ort, an den sie sich zu begeben hätten, nicht bekannt gewesen. Sie hätten den Befehl erhalten, sich um 9.30 Uhr reisefertig am Nordbahnhof bereit zu halten. Nach- mittags hätten die Abteilungsleiter eine lange Be­sprechung im Ministerium für öffentliche Arbeiten mit dem Generalinspektor der Bergwerke Ceste ge­habt. Wahrscheinlich werde eine neue Abteilung heute vormittag nach Esten abgehen. Zu dieser Nachricht der Depeschenagentur erklärtPettt Pa- risien", fügendes httrzusügen zu können: die Inge­nieure, die Paris gestern abend verlassen Hütten, würden sich nicht unmittelbar nach Esten begeben, sondern sie würden

in Düsseldorf

Aufenthalt nehmen. Die Regierung würde ihnen dort neue Jnstrukttonen zugehen lassen, wenn der

$rau Meier".

Roman von G. o. Stokmans ,

1 i

er forderte auch Frau Meier auf, mit von der Partie zu sein, aber diese lehnte die Einladung unter dem 1 Dorwand, die Kinder nicht verlosten zu.wollen, ab. Auf feine Frage, ob sie Hamburg schon kenne, gab sie dies au schien ab« eine ausgesprochene Abneigung gegen den Ott zu haben, und es bedurfte dringender Bitten und Vorstellungen von seiner Seite, um sie dem Plan ! aenrlgi Au modert. 1

Schließlich entschloß sie sich doch, mitzumachen, aber eine gewiss- Unruhe, ein leichtes Unbehagen glaubte der Doktor in ihrem Wesen zu bemerken, und da ihn dies schmerzlich und auch peinlich berührte, Kobacht-te er sie schärf« Äs sonst. Vielleicht war ihr Th-des Gesellschaft nicht angenehm. Er wich nicht von ihrer Seite und ftötte sie immer wieder in ihrer Unterhaltung mit j Thea Petersen, die ihr von ihren Bestrebungen er­zählte und allerlei sachliche Fragen an sie richtete.

Das junge Mädchen erinnerte an ihre Mutter, die fauste Frau Klaudine, auch nicht mit einem einziger- Zug. Sie war lebhaft, energisch, laut, fast schroff, voll vielversprechender Anlagen, aber noch unausgeglichen m , ihrem inneren und äußeren Pesen eine Natur,, die zum Kämpfen, aber nicht zum Dulden geboren war, und unter dem Druck der häuslichen Derhöltniste in Gefahr