50. Zahrg
Somstan, 6* Januar 1923
Nr. 4
Deutsches Reich
als
181
»Es
„$rau Meier".
Roman von G. v Stokman».
Da» stieß dem Fatz den Boden aus. Mein Miet» wurde ganz blaß vor Zorn.
„So," sagte fit, „dann will ich nur wieder gehen unb dich von meiner ungebildeten Gesellschaft befreien. Aber ich sage dir, der Tag wird kommen, wo dir die Augen aufgehen werden über diese feine und kluge Frau Meier. Dann wirst du mich um Verzeihung bitten und einfehen, daß deine Schwester wieder einmal recht gehabt hat, und die Männer Narren sind, wenn es sich um gewisse Singe handelt."
Ohne Abschied zu nehmen, rauschte sie aus dem Zim, mer, und der Doktor versuchte nicht, sie zurückzuhallen, aber wenige Tage später geschah etwas, das selbst ihm zu denken gab und den Worten seiner Schwester eine neue tiefere Bedeutung verlieh.
Tante Abelone beging ihren 70. Geburtstag unb hatte es sich in den Kopf gesetzt, ihn auf eine ganz sonderbare Art und Weise zu feiern. Sie war seit vielen Jahren nicht in Hamburg gewesen, hatte aber in ihrer Jugend dort schöne Tage verlebt, und wollte nun noch einmal hin, um alle Neuerungen und Wandlungen zu be. sehen, alte Erinnerungen auffrischen und in Wilkens Keller — dem jetzigen Restaurant von Pfordte — ein guter Mittagessen einzunehmen. Sie war rüstig und ge« sund, hatte seit Jahren für diese Gelegenheit gespart, und freute sich wie ein Kind auf die Tagestour, die für sie, die sonst so still und einfach lebte, ein hochwichtiges Ereignis war.
Allein konnte sie aber nicht fahren, das war ihrer Taubheit wegen ausgefchlosien, und sie genoß ein Vergnügen auch nur, wenn sie es mit anderen teilen konnte. So lud sie denn von jeder der ihr verwandten Familien ein Mitglied ein und wollte sie alle freihalten: lebe Mathefius, Frauken Groth, Thea Petersen und Lisbeth Hansemann. Aber der Doktor, der wohl wußte, daß sie von dem Kostenpunkt keine richtige Vorstellung hatte, erbot sich freiwillig, die Gesellschaft zu begleiten und die Hälfte der Ausgaben auf sich zu nehmen. Es geschah selten, daß er sich einmal für einen Tag freimachen konnte, aber diesmal gelang es, und eine kleine Erholung tat ihm, der jo angestrengt arbeitete, auch dringend not. (Fortfetzung folgt.)
hatten." _
Mein Miete hörte fchweigend zu — ein seltener Fall. Sie mußte sich die Sache erst bedenken und innerlich zurechtlegen. Thedes Unfall, seine Ankunft und fein Empfang hatten sie in letzter Zeit so in Anspruch genommen, daß sie das Haus ihres Bruders während einiger Tage nicht betreten hatte, und Lene war auch nicht gekommen, da sie gerade in Hamburg bei ihrer Schwester weilte. So war mein Miete in keiner Weise an Frau Meier erinnert worden und hatte sie ihrem Sohne gegenüber bisher nur flüchtig erwähnt. Don ihrem Mißtrauen gegen sie schwieg sie absichtlich auch setzt. Sie wollte feinem Urteil nicht vorgreifen und einmal sehen, wie Frau Meiers Wesen und Erscheinung aus ihn wirken würden. Thede hatte für sein Alter einen scharfen Blick. Wenn etwas Ausländisches an ihr war, würde er dies unter allen Umständen herausfinden und feine spöttischen Bemerkungen darüber machen. Senn war es noch immer Zeit, ihn zu warnen und in ihre eigenen Wahrnehmungen einzuweihen. So hatte sie gegen ihres Gatten Progamm nichts einzuwenden und entschloß sich sogar.. die Herren zu begleiten. Zudem war an diesem Tage gerade Konnys Geburtstag und die ganze Familie im großen Wohnzimmer versammelt. Ein paar fremde Kinder hatte man auch eingeladen und spielte mit großem Eifer ein Gesellschaftsspiel.
Frau Meier war die Seele de» Ganzen. Mit ihren leichten, anmutigen Bewegungen huschte sie von e'nem zum andern, ließ die Kinder immer wieder von neuem aufjubeln, und sah mit den geröteten Wangen und strahlenden Äugen so bildhübsch und jugendlich aus, daß man sie für eine ooch Lisbeths älteren Freundinnen halten tonnte.
Bradbrrry von der Anberaumung der nächsten Sitzung; der Rcpmti 'iensrommission unterrichtet worden ist, hat
er dem Vorsitzenden dec Reparationskommifsion, DartHou, mitgeteilt, daß er an den Sitzungen der Kommission nicht teilnehmen wird.
Dar isolierte Frankreich.
wtb Paris, 5. Jan. (Priv.-Tel.) Die nächste Sitzung der Reparationskommifsion ist nach dem „Petit Parisien" einberufen worden, um die „beabfichkigten Verschlungen" Deutschlands in den Kohlenlieferungen sestzustellen. Die Erklärungen Bradburys, an diesen Beratungen nicht teilnehmrn zu wollen, wird von dem halbamtlichen Blatt als der
Ausgangspunkt der Enthaltungs- Politik
bezeichnet, durch die die britische Delegation die Rolle eines Beobachters übernehme, ähnlich derjenigen, die die amerikanische Delegation gespielt habe. Aber das Reglement der Reparationskom- mifftcn sehe vor, daß eine Enlhalkungrpolitik dieser Art genüge, um die getroffenen Alehrheitsenkschei- dungen durchzusühren, daß die Kommission ihre erste Entscheidung durch eine zweite Entscheidung bestätige. Unter diesen Umständen werde die 23 er-
Thede Mathestus war aufs angenehmste überrascht. Er wandte keinen Blick von der schlanken, eleganten Gestalt und sagte voll ehriicher Begeisterung: „Donner- weiter, Mama, so eine Hausdame lasse ich mir gefallen. Die ist ja erster Klasse, in jeder Beziehung. So eine Er- scheinung haben wir in Grotenburg überhaupt noch nicht gehabt."
Gleich darauf kam Frau Meier schnell auf die Gruppe zu, streckte der Bürgermeisterin mit der unbewußten Sicherheit einer Dame von Welt die Hand entgegen und fagte, ein wenig atemlos vom Spiele: „Verzeihen Sie nur, daß ich Sie nicht gleich begrüßte, aber die Kinder waren so eifrig; ich durfte den Gang der Handlung nicht unterbrechen. Wollen wir mm ins Nebenzimmer gehen?" und sie rief nach Lisbeth.
Mein Miete fetzte ihre hoheitsvolle Miene auf. „Ich bin nicht für diese lärmenden Spiele," fagte sie, „ich finde, die Kinder verwildern dabei, unb die Großen, die daran teilnehmen, vergessen auch leicht, war sich für ihr Alter ziemt. Wir kamen, um meinen Bruder zu treffen. Uebrigens, Frau Meier, dies ist mein Sohn. Er hat den Arm gebrochen und soll ihn hier ausheilen." —
Die Hausdame begrüßte nun auch den jungen Mann, unb biefer verneigte sich tiefer vor ihr, als feine Mutter gut unb notwendig fand. Um das Gleichgewicht wieder herzustellen, wandte sie sich daher in auffälliger Weise an ihre Richte Lisbeth, spielte die überzärtliche Tante und sagte mit Betonung und mitleidsvoll: „Ihr armen Kinder, ich muß doch einmal wieder sehen, wa, ihr macht. Habt ihr euch an all die unbequemen Nsierungen denn schon ein bißchen gewöhnt?"
„O ja," war die muntere, in bester Saune gegebene Antwort, „wir befinden uns alle sehr wohl dabei, nur Lene tut immer, als wenn ihr Gott weiß weiches Unrecht geschähe."
„Sie wird wohl ihre Gründe haben," war die kühle Entgegnung. Unb wie steht's mit Liselotte, dem süßen Ding?"
„Viel besser als früher! Sie ist gar nicht mehr so eigensinnig, unb ihr berühmter Jndianergeheul verstummt mehr unb mehr."
früher/ „
hälterin hat bereits Wunder gewirkt, unb ba sie auch herrlich Klavier spiell, wirft du dich gewiß gut unter-
b.t gbbruch nach englischem U.teil eine Kataftroplje.
Die Auffassung eines wichtigen Teiles her eng- fischen Oeffentlichkeit spiegelt folgende Meldung
‘ wtb London, 5. 3 an. (Priv.-Tel.) Die „Westminster Gazette" bezeichnet das Schellern der Pariser Konferenz als
eine Katastrophe.
Vier Jahre der Erfahrungen zeigten uns, daß die Erzwingung des Verfailler Vertrages In allen feinen Bestimmungen
Bankerott und Anarchie
für einen großen Teil Europas bedeute, wenn Frankreich fetzt beschließe, mit Sanktionen vorzu- gehen, jo fei
die Haltung Englands
klar. England könne an keinem Schrille teilneh- men, der nach feiner Ansicht für Europa verhängnisvoll fein werde. England werde angesichts der Maßnahmen, dis es nicht billige, Zuschauer blsißen, und das Abkommen über die Befreiung der Alliierten von ihren Schulden werde in den Ofen wandern. Allcr Wahrscheinlichkeit nach werde
England ein Opfer
der Maßnahmen fein, die Frankreich vielleicht treffen werde. Dem englischen handel werde ein rascher Schlag verfehl werden mit feinen furchtbaren Folgen für die aussichtslose Defeitigung der englischen Arbeitslosigkeit.
Kabinetlskrife in Belgien.
D:r belgische Ministerpräsidnt T h e u n l r hat so- fort nach der Veondiguing der Konferenz in einem an den König gerichteten TÄsgram.u seine D.m.ssion c m aercichi, der aunschliMich innerpolitische Ursachen zu Enmde liegen.
Eine beachtenswerte Ablehnung.
Dradbury will nicht zur Repko-Sitzung kommen.
wtb Parts, 5. Ian. (privÄtel.). Die „Daily 2Hoi!“ veröffentlicht folgende Nachricht: Sobald Wlrfon
* Ein Sparkomm.ffKr bei der Reichsxostverwal- tung. Um die von teer Reichspost- und Telegen« phenverwaltiung beabsichtigten Sparmaßnahmen einheitlich in sämtlichen Oderpostdirektionen durchzuführen, hat, wie He P. P. N. erfahren, der Reichspostnnnister dcn Ministerialrat im Reichs» poftministerium Sauter zum besonderen Kom- missiar ernannt. Di« Aufgaben des Postsparkom- missars werden Hand in Hand mit dem Reichssparkommissar Dr. Saemisch durchgesührt.
ist jetzt viel gemütlicher bei Onkel Max, fügte er erklärend binzu. „Die neue Haus-
Solanye der Beitrag von Versailles noch gilt, hat Deutschland nicht mit einzelnen Mächen, sondern mit der Reparationskommission
yi tun. Erst inuß die Reparationrkommissten das Moratorium abgelchnt hüben, muh Dsu.schänd den am 15. Januar fäikgsn Betrag nicht gezahlt haben, muß eine vorsätzliche Derschung sestgrstM urid eine Erni« gimg der Alliierten über die zu ergreisendsn Maßnahmen erzictt fein, erst dann sind
Sanktionen
vertragsmäßig Mässig. Sogenannte ©enftionan, die ohne Elchcheidung der RcparationLkommission oder von ein« einzelnen Macht ergriffen werden, si.Ä
vertragswidrig
und in völkerrechtlichem Sinne feindliche HandlmHen. Führt Frankreich also auf eigene Faust einen Uebrrfall aus Deutschland aus, dann machte es, wie sämtliche Blätter betonen, den Vertrag von Versa.lies zu einem Fetzen Papier und ferner wird es vertra^brüchig auch seinen Verbündeten gegenüber, denen damit die Pflicht zufällt, Deutschland in der Rechtesphäre, di- ihm der Vertrag gdaften hat, zu schützen.
lieber die
politische Seite
des SHektemr der Konferenz schreiben die Diät ter, daß der armexiomstische Geist der französischen Politik, der die ReparationsfraZe vom läge der Redaktion des Versailler Vertrages an durch alle Stadien der Der- handlunoen hindurch nur als Voomanr» zur Durchsetzung der Rhein- und Ruhrgliederung auf Umwegen benutzt hatte, die Konferenz gesprengt Hai. Das „Verl. Tageblatt" schreibt: Der französisch: Mitesterrat hat die englischen Vorschläge, weil sie die Möglichkeit einer allmählichen Defotermg Deutschlands. aus der Knecht, schäft zu' bieten schieren, abgctehm, um jener Annexionspolitik freie Bahn zu schassen.
Die „Norddeutsche Myemtene Zeitung" sagt: Die französische Reg^rung beweist von neuem, daß es ihr nicht auf eine Erledigung der Reparationsfrage, sondern auf die machtpolitische
Befriedigung imperialistischer Gelüste amkonrmt. Ein furchtbares Verbrechen an Europa bereitet sich so vor. Das deutsch: Volk wird in Stolz und in Rutz« zur Regierung stehen. Schwere Su..den liegen vor uns. Sie sollen ein starkes Geschlecht finden.
Auch das „Berliner, Tageblatt" b^eichnÄ als die Parole ter Stunde die Zurückstellung aller inneren Fehden, die völlige
nationale Geschlossenheit,
die Entschlossenheit, ungerechten Forderungen die Stirn zu bieten und die Folgen heroisch zu tragen.
Der „Verl. LokÄanzei^", der den Gedanken an einen Krieg roegen der Wehrlosigkeit Deutschlands als Tslchäuslerll!M bezeichnet, sagt: Verzagen ' nimmer! Auch dieser Wahnsinn wird sich aucrasonl So trübe die Zukunft vor uns sicht, tsur wenn Dealschiaud selbst sich ausgibt, ist es verloren!
Kurland.
* Ter kraule Levin. Professor Klemperer, de^ schon fiüher Lenin behandelt hak. ist, tose .Rußpreß, meldet, dringend nach Moskau gerufen wor' den. Der Zustand L nins hat sich in den letzten Tagen bedeutend verschlimmert. Er konnte nicht einmal am Rätekonareß teilnehmen. Tie Aerzte haben Lenin bat vollständige Fernhalten von jede wedem Staatsgechäft angeordnet.
lOduton^Uen T.cii • tör. 3- R t ü in 8 r. «oiationsKudm ^ld7er Vrtienbrarferei m Fulda
^emtrxediet Nr. «• Powckeck-Komo 40al Franklmt a. M.
Während sie noch sprachen, kam der Doktor und begrüßte die Verwandten in seiner kurzen, zerstreuten Art. Dann wünschte die Jugend zu tanzen, und Frau Meier spielte einen Walzer. Er blickte bewundernd nach ihr hin.
„Ja mein Miete," sagte er, „die fann’s, die hat Feen- Hände. Was sie anfaßt, gelingt. Mit der haben wir einen guten Griff getan."
„Du hast ein harmloses Gemüt, Max, und bist leicht zu befriedigen. Fällt dir an dieser Frau Meier denn gar nichts auf?"
„Nein", entgegnete er erstaunt, „was soll mir denn auffallen?" . -
„Ihr eigentümlich verschlossenes Wesen."
„Unmöglich, sie ist ja die Offenheit selbst."
„Das scheint so, aber sprach sie je von ihrer Vergangenheit? Weißt du etwas von ihren Eltern, ihrer Heimat, ihrem verstorbenen Mann?"
„Sie war viel auf Reisen."
„Ja das ist das einzige, was aus ihr herauszubrin- gen ist, aber alles übrige? Du mußt es zugeben — ein- fach ein Buch mit sieben Siegeln."
Der Doktor sah sehr unbehaglich aus. „Wenn sie über ihre Privatangelegenheiten schweigt, so ist das wohl mehr Zufall als Absicht. Mich stört es nicht. Die Empfehlung Mäanders genügt mir vollkommen."
„Ich bin überzeugt, Frau Meier spielt Komödie," sagte mein Miete.
„Inwiefern?" meinte der Doktor.
„Nun, sie will zum Beispiel einfach und bescheiden er. scheinen, und die verwöhnte Frau schaut an allen Ecken und Enden heraus."
Der Doktor nickte. „Das mag sein, aber ich finde dabei gar nichts Besonderes. Sie hat eben besiere Zeiten gesehen, steht jetzt allein und muß sich einschrän- kcn. Wenn sie sich den Verhältnissen anzupaffen sucht, so ist dies nur ehrenwert und klug, und ich bedauere daß sie hier mit so viel Schwierigkeiten zu kämp'en hat. Sie beklagt sich nie, aber Lene und du und Fiete, ihr seh, aus sie herab. Weshalb eigent! ch? Sie läßt stch ihre Dienste nicht bezahlen, und ist entschieden taktvoller imd gebildeter als ihr."
Bus dem besetzten Gebiet.
— Die Franzosen Im Saargeblek. Der von Frankreich betriebenen wirtschaftlichen Annexionspolitik im Saargebiet ist nach vielen anderen auch die weltbekannt« Firma Dilleroy u. Boch anheimgefallen. Die mit Hochdruck betriebene Einführung der Frankenwährung hat die Martlöhne derart in die Höhe getrieben, daß die Saarindustrie nicht mehr nach Deutschland exportieren kann; sie muß wenigstens versuchen, Absatzgebiete in den westlichen Ländern zu finden. Das gllt auch von bei Firma Villeroy u. Boch. Nunmehr hat diese Firma ein amtliches Sjchr eiben der französischen Regierung (nicht der Saarregierung) erhalten, in
W dm MiH der Wr Kmsmz Der deutsche Rechtsstandpunkt. — Die französische Absicht.
England als Zuschauer.
Der Abbruch der Pariser Konferenz ist nun Tatsache geworden. Eine hochbvdeutsame EmfchZdung für die europäische Welt ist barst gefallen. Während zur Zest Lloyd Georges Konferenzen ber Entente nach anfänglichen Meinungsverschiedenheiten immer mti, einem Umfall der Einander gegenüber den französischen Forderungen enbteen, ist jetzt, nachdem Bonar Low an der Spitze der englischen Regierung stehl, dir Sache zum Sleufjerften gekommen: in wichtigster Frage hat sich England von Frankreich getrennt. Die Auswirkungen dieser Tatsache werden sich erst allmählich übersehen lassen. Zunächst ein kurzer Bericht über die letzten Stunden der Konferenz:
Der verlauf der Schlußsitzung.
In der letzten Sitzung der Pariser Konferenz, die am Donnerstag nachmittag 3 Uhr stattfand, gab
Donar Caro
folgende Erklärung ab:
Die Regierung Seiner Majestät ist, nachdem sie die französischen Vorschläge mit der größten Auf. merksamkeit geprüft hat, zu hex klaren Ansicht gekommen, daß diese Vorschläge, weiM^man sie zur Ausführung bringt, nicht nur nicht die Ergebnisse zeitigen werden, die sie erreichen sollen, sondern wahrscheinlich ernste und selbst unheilvolle Folgen für die wirtschaftliche Sage Europas nach sich ziehen werden. Unter diesen Umständen kann sich die britische Regierung diesen Vorschlägen weder anschließen noch eine Verantwortung hierfür überneh. men. Die Regierung Seiner Majestät will aber zu gleicher Zeit der Regierung der französifchen Republik versichern, daß sie es außerordentlich bedauert, daß eine unversöhnt. Meinungsverschiedenheit in einer so ernsten Angelegenheit besteht, daß aber da- durch die freundschaftlichen Gefühle nicht nur der britischen Regierung, sondern, wie sie überzeugt ist, des britischen Volkes gegenüber der französischen Re- gterunc; uzll^ dem französischen Volke unverändert bleiben. ' ■ ■■■- । pointote
tat hierauf di« folgende Erklärung abgeyeben:
Die Regierung der französischen Republik hat ihrer- feits die britischen Vorschläge sehr aufmerksam und sehr streng geprüft. Je mehr sie sie studiert hat, desto mehr muffte sie erkennen, daß sie eine wesentliche Her- absetzung der französischen Forderung en in sich schließen, sowie ein Umfloßen des SBerträges von Versailles und daß es unmöglich fei, eine derartige Lösung anzunehmen. Die Regierung der Republik bedauert lebhaft, daß sie sich über diese ernste Frage mit der britischen Regierung nicht hat einigen können, aber sie dankt der britischen Regierung für ihre freundschaftlichen Gefühle und sie kann ihr die Versicherung geben, daß trotz dieser Verschiedenheit der Ansichten die Gefühle der Regierung der französischen Republik unb französifchen Nation gegenüber England unveränderlich herzlich bleiben werden.
Im Abschluß an diese Reden wurde die Konferenz geschlossen und die Abreise der einzÄnon fremden Delegationen angekündigt.
Der Widerhall in Deutschland.
Die durch den Abbruch der Pariser Konferenz entstandene Rechtslage charakieristeren die führenden deutschen Blätter folgendermaßen:
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Be-uaspreis: MonaUiw 375 Mt. Zustellgebühr extra. - 1 Abgeholt in der Geschäftsstelle 390 Ml. s Anzeigen: Kleinzeile nach Eowne« 24 Dkn ausw. 33 Alk. '«et । a meitiie (lenbrertel nach Colone maß 90 Mark.
fehluagserklärung Deutschlands in der Kohlenlieferung nur eine Frage von Tagen fein. Set „Petit Parisien" glaubt, daß Poincare sich bereits gestern nachmittag mit dem bclZischen 2Hini- fierpräsidenten Theunis (tat aber inzwischen zurückgetreten ist. D. Red.) über die Zwangsmaßnahmen unterhalten werde und daß diese zweifellos auch aus die
militärische Besetzung
wenigstens eines Teiles des Ruhrgebieles sich bezögen
Was tut Amerika.
wtb London, 5. Jan. (Prlvattel.). Rach Blätter- Meldungen aus Washington stellte Präsident harding, nachdem er über die in Paris herrschende Uneinigkeit unterrichtet worden war, seine anderweitigen Besprechungen ein und leitete mit dem Botschafter hmvey und dem Slaarssekretür Hughes Erörterungen wegen baldiger
amerikanischer Aktionen ein.
Vie Maßnahmen der Ueichsregierung.
Das ,Berl. Tageblck meldet, daß die Reichsregie- rung voraussichtlich Freitag vormittag in einer fto- binettrsitzung zu dem Abbruch der Pariser Konferenz Stellung nehmen werde.
Wie mehrere Blätter Mitteilen, ist eine vorzeitige Einberufung des Reichstags
nicht beabsichtigt. Für Anfang der nächsten Woche weide jedoch der auswärtige Ausschuß einberufen werden. Die ,Voss. Zig.' will wissen, daß der Reichskanzler diese Gelegenheit benutzen werde, um Erklärungen abzugeben.