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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

Nr. 3.

Ker antwortlich tüt Den reooutoneUen Leit: Dr. I. Kramer. - für bis Anzeigen: I. Parze l >er-Fuioa. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Aktien druckerei in Fulda, 'ernttnedier Nr. H. Postscheck-Kon« o 4051 Frankfurt a. M.

Freitag, 5. Zanuar 1923.

Bezugspreis: Monatlich Z75 Mt. Zustellgebühr extra. ~ Abgeholt in der Geschäftsstelle 390 Alt. ::

Anzeigen: Kleinzeile nach Eo'one« 24 Mk., ausw. ZO Alk. R e k t a m e z«e t > e (Terfbreite) nach Colone maß 90 Mark.

50. Zahrg.

Das Lnde der pariser Konferenz.

Der englische und der franrösische Standpunkt sind unvereinbar, vor der Abreise der englischen Delegation.

Der französische sowohl Äs der englische Plan, die der Konferenz in Paris als Vechandlungs- grundlage gedient haben, sind umfangreiche Schrift­stücke, die sehr ins Einzelne gehende Beftimmurvgen über die Rrparatwusrsgeluug enthalten. Der Raum gestattet es uns nickst, diese Vorschläge in ihrem ganzen Umfang hier oorzuführen, zumal die Entwicklung der Verhandlung ein sehr schnelles Tempo angenommen u. nach den folgenden Drahtmelbumgen zu urteilen, bereits zmn Abbruch der Verhandlungen geführt Hal. Der italienische Plan, derselbe, der schon von Mufolim in London vertreten worden war, scheint als Koinpromiß- vorschlag keinen Erfolg gehabt zu haben. Festgestellt sei mir, daß man bezüglich des englischen Planes in Berlin der Meinung gewesen ist, er zeige das unver­kennbare Bestreben, bei den Ansprüchen an Deutsch­land in den Grenzen des wirtschaftlich Mög­lichen zu bleiben und beiden Seiten sowohl Deutsch­land wie seinen Gläubigern gerecht zu werden. Das englische Memorandum schätzt den Eegenwartswert der von Deutschland zu leistenden Zahlungen auf 30 Mil­liarden Mark: auch das sei eine erschreckend hohe Summe. Aber der englische Vorschlag biete doch rach Ansicht deutscher politischer Kreise eine geeignete Der- handluugsbasis. Dagegen liegt das Schwergewicht der französischen Vorschläge in dem Abschnitt, der von den berüchtigtenPfändern" handelt. Ein ganzes System von Beschlagnahmen, Requisitionen, Zöllen und Stcuererhrbungen wird da vorgeschlagen und an der Spitze steht der Plan, die g a n z e R u h r- kohlenerzeugung unter französische Kontrolle zu bringen. Was Frankreich vorschlägt, verdient alles andere, als den Namen eines Reparationsplanes, es ist ein Z e r st ö r u n g s p l a n, nichts anderes.

Die Franzosen haben aber diesen ihren Plan auf­recht erhallen und Bouar Law will, das ist die Situation in dem Augenblick, in dem diese Zeilen ge­schrieben werden (die Situation kann sich möglicher­weise schnell im Laufe des Tages noch ändern), nach England zurückkehren. Frankreich hofft, dann un­gestört auf eigene Faust handeln zu können. Es lie­fen uns folgende Meldungen vor:

Vie entscheidende Sitzung.

wtb Paris, 4. 3an. (Tel.) lieber die gestrige Nachmittagssihung der Konferenz berichket havas noch folgende Einzelheiten: Nach der Rede Poin- dfces, die der scharfen Kritik an dem englischen Vorschlag gewidmet war, erklärte der belgische Minister Theunis, das englische Memorandum habe

die Belgier

ebenso enttäuscht wie die Franzose«. Es beweise, daß ein unüberbrückbarer Abgrund den britischen und französisch-belgischen Standpunkt in der Reparakionsfrage trenne. Theunis fügt hinzu, er bedauere, daß unter diesen Amständen Belgien

aichk die Rolle des Vermittlers zwischen den beiden großen Staaken spielen könne, wie es bei früheren Konferenzen gewesen sei. hier­auf begann der italienische Delegierte Marquis della Torekta

den italienischen Standpunkt zu entwickeln. Er ersuchte schließlich die Konferenz, zu gestatten, sein Erpose auf morgen zu verschieben.

Frau Meier".

Roman von ®. o. Stof man s.

17! ------------ '

Ws Lene nach drei Tagen aus Hamburg zurückkehrte, fand sie die Wirtschaft in bester Ordnung, und die Hausdame nichts weniger als verzweifelt por. Im Gegenteil, sie schien sich nun schon ganz heimisch zu fühlen und hatte die Zeit des Alleinseins benutzt, um verschiedene Neuerungen einzuführen, die bisher aus Rücksicht für Lene unterblieben waren.

Die Kinder erzählten strahlend von den schönen Ge­richten, die sie inzwischen bekommen hatten, und auch der Doktor schien sie nickst vermißt zu haben. Er meinte, sie hätte gern noch länger fortbleiben können, und rühmte dankbar Frau Meiers Tüchtigkeit und Liebens­würdigkeit, welche nie eine Lücke fühlbar werden sieh.

So war denn auch dieser Versuch, die verhaßte Nebenbuhlerin im Hausregiment zu beschämen und zu schädigen, mißglückt und einem Schlage ins Wafler ver­gleichbar, aber die unerwartete Niederlage verschärfte nur Lenes eifersüchtigen Groll. Mochte Frau Meier die andern blenden und betören, sie selbst mißtraute ihr nach wie vor, und ihr Bestteben war darauf gerichtet, ihr die Larve vom Gesicht zu reißen.

Die Well sollte erkennen, daß diese Frau Meier, die sich so geschickt ins warme Nest gesetzt hatte, und natür­lich in den Haushalt heiraten wollte, gar keine richtize Frau Meier sei, und der Doktor mußte einsehen, wie gefährlich es wäre, eine wildfremde Person ins Haus zu nehmen. Dann würde sie, die Lene, wieder unum­schränkte Alleinherrscherin in der Wirtschaft sein, und die Kinder brauchten nicht mehr zu fürchten, durch strenge Erziehungsmaßregeln behelligt zu werden.

8. Kapitel.

Es war ein herrsicher Frühlingstag. Eben noch hatte es gestürmt und geregnet, aber nun schien die Sonne vom Himmel herunter, das junge Grün streckte sich sehnsuchtsvoll dem warmen Lichts entgegen, und Thede Mathesius ging als moderner Adonis über den Markt.

da ihm technische Einzelheiten fehlten. Als letzter sprach

Sonar Law.

Er erklärte, er sei nicht bereit, seinerseits die Ein­wendungen Poincares zu widerlegen, das werde er morgen tun, jedoch wolle er sofort einige Fragen aufklären. So habe er beispielsweise den Teil seines Planes zurückgezogen, der den Rest der bel- gischen Priorität betreffe, aber er habe die Gesamt­heit seiner Dispositionen, insbesondere aber seinen widerstand gegen jede Pfaudnahme aufrecht erhalten.

Der Berichterstatter erklärt dann, der allgemeine Eindruck bleibe heute derselbe wie gestern. Die

Meinungsverschiedenheiten

zwischen beiden Thesen seien grundlegend und scheinen ein Abkommen unwahrscheinlich zu machen. Jedoch fei es nicht unmöglich, daß Italien einen Som- promitz einbringen werde, was aus der Talfache zu schließen sei, daß Marquis della Torelia gestern noch keine Stellung genommen habe, »m mit dem italieni­schen Dolschasler zu konferieren. Es sei aber un­wahrscheinlich, daß ein Kompromiß über die widerspruchsvollen Pläne Zustandekommen kann. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde morgen die Entscheidung getroffen. Bei der Uneinlgtdl über die Mittel, Deutschland zur Zahlung zu bringen, werde Frank­reich gezwungen sein, allein i a yaudeln. Man könne jedoch annehmen, daß dieser augenblicklich ge­sonderte Vorgehen keine Gespanntheit der Beziehungen zwischen den Ländern zur Folge haben werde, selbst wenn die britische Regierung sich offiziell dagegen aus­sprechen werde.

Abreife-Borberestnngen.

wtb p a r i s, 4. 3an. (Tel.). Nach demMalin" wird in englischen Kreisen erklärt, daß die heutige Rachmiklagssitzung der interalikerlen Premierminister

rein formaler Art

fein werde. Die englische Delegation soll bereits Vor­kehrungen getroffen haben, um heute abend nach London abzureisen.

Die neueste tage.

wtb Conbon, 4. Jan. (Tel.)Daily Mail" berichtet, daß Bonar Law gestern sich wei­gerte, den französischen Reparationsplan in Betracht zu ziehey, und daß Poincarees ab- lehnte, die britischen Vorschläge zu erörtern. So sei es wahrscheinliche daß die Pariser Konferenz heute nachmittag

ohne ein Abkommen

ZU erzielen, auseinander gehen werde. Frankreich werde damit seinen Plan, nach dem 15. Januar

allein gegen Deutschland

zu handeln, vervollständigen. Man erwarte, daß die britische Delegation heute abend aus Paris nach London abfahren werde und daß gleich nach dieser

Es war der einzige Sohn des Herrn Bürgermeisters und mein Mietes Wonne und Stolz, zugleich aber auch ein Gegenstand ihrer steten heimlichen Sorge. Die Na­tur hatte ihn mit einem bestechenden Aeußern und ver­schiedenen Talenten ausgestmtet, aber fein Charakter ließ allerlei zu wünschen übrig, und er brauchte immer mehr Geld, als fein Dater ihm bewilligen konnte.

Schon als Kind hatte er gefährliche Anlagen gezeigt. Der Bürgermeister war ihnen mit ruhiger Strenge ent­gegengetreten, aber fein Einfluß hatte sich nicht stark genug erwiesen, um die unheilvolle Schwäche feiner Frau zu paralysieren. Sie liebte ihren Thede abgöttisch, und was er auch tun, mochte, sie wußte seine Fehler und Irrungen zu beschönigen und zu bemänteln. Wie sie ihm früher Schokolade und Zigarren heimsich zugesteckt hatte, so gab sie ihm jetzt, was sie von ihrem Kleider- und Wirtschaftsgeld ersparen konnte, und grollte der Dater wegen Thedes Leichtsinn, so nahm sie unter allen Umständen des Sohnes Partei.

Als kluger und gewandter Mensch wußte dieser sich den Derhältnisien leicht anzupasten, eine große, natür­liche Liebenswürdigkeit kam ihm dabei zu Hilfe, und auch feine Borgefetzten verstand er für sich zu gewinnen, so daß er als Beamter alle Aussicht hatte, schnell vorwärts zu kommen. Er war in Hamburg an einer großen Bank angestellt und kam jeden Sonntag nach Graten- bürg, aber einen längeren Urlaub bekam er nur selten, und die Ferien, die er nun unerwartet genoß, hatte er einem Unfall zu verdanken, bei dem fein rechter Arm stark verletzt worden war. Er trug ihn in der Binde und sollte ihn wochenlang schonen, und da er auf der Bank doch nicht arbeiten konnte, war er nach Hause ge­kommen, um sich von feiner Mutter pflegen zu lasten. Mein Miete war auch glücklich, ihn da zu haben, aber feine Verletzung erschreckte sie zuerst und fein elegantes Zivil, seine sorglose Art, mit dem Selbe umtzugehen, erfüllte sie mit Kummer und trüben Ahnungen. Sie dachte an die Gefahren, die ihm drohten,Tag und Nacht, und feine Gegenwart erfüllte sie fo ganz, daß selbst das Interesse an Frau Meier für einige Zeit in den Hintergrund trat.

Thede hingegen erschien wie die verkörperte Sorg­losigkeit. Elastisch, mit lose übergehängtem Mantel und

Rückkehr eine Sabinettssihung einberufea werde, um die vollkommen

neue europäische politische Lage, die jetzt entstanden sei, zu erwägen.

Besprechungen in Berlin.

Wie mehrere Blätter melden, beschäftigte sich das Neichskabinett Mittwoch nachmittag im An­schluß an die Beratung laufender Angelegenheiten mit den Reparationsplänen der Alliierten, die von Dr. Bergmann nach Berlin übermittelt worden find. Bestimmte Beschlüffe seien noch nicht gefaßt worden, jedoch sei, demB. T." zufolge, in allen Punkten, die -zur Erörterung kamen, volle Einmütig­keit sämtlicher Regierungsmitglieder festgestellt worden. Die Besprechungen sollen fortgesetzt werden.

Die Kommunisten

gegen den Dersailler Vertrag.

Jnkernationale Kundgebungen.

Nach einer Mitteilung derRoten Fahne" treten am 6. Januar Vertreter der Zentralen der kam- munistischen Parteien F r a n k r e ich s. Eng- l a n d s, B e l g i e n s, H o l l a n d s, der T s ch e cho- Slowakei und Deutschlands zusamnwn, um über Maßnahmen zu beraten, die gegen den Frieden von Versailles und gegen die bisherige Reparationspolitik, insbesondere gegen die Pfänderpolitik Poincares und gegen die Bedrohung des Ruhrgebiets getrosten werden sollen. Gleichzeitig fallen in verschiedenen Landern internationale Massenkundgebungen statt- finden.

Der Rhelnland-paKt.

lieber das, was von der Regierung Dr. Cuno über Amerika den Franzosen als Sicherung gegen eine Kriegsgefahr vorgeschlagen und von den.Fran­zosen abgelehnt worden ist, zeigen die Meldungen eine gewisse Unbestimmtheit. In der amtlichen Fassung der Reichskanzlerrede ist nur zum Aus­druck gebracht, daß Deutschland eine Derein^rung Deutschlands mit allen am Rhein interessierten Großmächten angeboten habe, wonach aus dreißig Jahre jeder der beteiligten Staaten stch verpflichten sollte, gegen keinen der anderen beteiligten Staaten Krieg zu führen ohne Ermächtigung durch Volks­abstimmung. Wie weit der Vorschlag eines solchen Gottesfriedens positiv gefaßt und in Einzelheiten festgelegt war, ist deshalb nicht ganz klar, weil der deutsche Botschafter in Amerika den Staatssekretär Hughes zwar hat wissen lassen, daß Deutschland zu einem Gottesfrieden bereit ist, ohne jedoch die deutschen Absichten näher zu präzisieren oder gar schriftlich zu fixieren. Erst nach der Uebermittlung des deutschen Reparationsplanes an Poincare wollte man die Absichten zum Gottesfrieden schrift­lich niederlegen.

Der deutsche Außenminister Dr. o. Rosen­berg hat sich einer Ausfrage gegenüber zu der französischen Ablehnung u. a. dahin geäußert:Für die Reichsregierung, die die fünfzehnjährige De- setzung der Rheinlande ablösen wollte, kam es dar­auf an, Frankreich für ein mehrfaches der vor­gesehenen Besetzungsfrist Sicherheit und B e - ruhigung zu verschaffen. Für eine Re­vanchepolitik, die Poincare wiederum als fesfftehendes Faktum einstellt, fehlen in Deuffchland alle materiellen und bei der weit überwiegenden Mehrheit des deuffchen Volkes auch de seelischen

keck aufgesetztem Hut, schritt er einher, rauchte eine Zi­garette nach der andern, spiegelte feine brünette Schön­heit in jedem Schaufenster und ließ feine Blicke umher­wandern auf der Suche nach kleinen Abenteuern. Das Ewig-Weibliche hatte lfür ihn einen unwiderstehlichen Reiz, und er fühlte sich davon angezogen, wie die Motte vom Licht.

So bemerkte er sogleich einen Trupp Junger Mäd­chen, die aus einer Schneiderstube kamen und zum Mit- tagsttsch gingen. Er änderte sofort die Richtung, trat ihnen in den Weg und ließ sie einzeln an sich vorüber» gehen. Das machte den jungen Dingern offenbar Spatz. Sie stießen sich an und kicherten, und eine, die beson­ders keck war und ihn seit seiner Schrckzeit kannte, sagte laut:Sieh, der schöne THHe ist Invalide und hat nichts zu tun. Da müssen wir uns wohl in acht nehmen!"

Tag, Thede!" rief ihm gleich darauf sehr vergnügt ein hübsches Dienstmädchen zu, das ttotz des scharfen Ost- windes im steif gestärkten rosa Kattunkleid einherkam und das schmale, weiße Häubchen kokett auf dem ge­kräuselten Blondhaar trug, und als er in einen Laden trat, in dem eine niedliche Frau die Kunden bediente, wurde ihm eine sehr warme Begrüßung zuteil.

Ja, Thede Mathesius war in allen Schichten der heimischen Bevölkerung bekannt und beliebt, und in be­zug auf Frauengunst durchaus nicht wählerisch. Er freute sich ihrer wo er sie fand, aber sein Herz blieb meistens ganz unberührt davon. Das reizvolle Hangen und Bangen überschritt nie ein gewisses, sehr bequemes Maß» und wenn er je einmal an einer Stelle eine Ab­lehnung erfuhr, sand er bald Trost und Ersatz an einer andern.

Seine pekuniären Verlegenheiten hingegen bedräng­ten ihn mehr und mehr. Seinem Vater wagte er sich nicht zu offenbaren, denn der alte Herr hatte merk­würdig strenge Ansichten, und was feine Mutter ihm geben konnte, war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. So mußte er immer neue Anleihen machen, um die alten Gläubiger zu befriedigen, und wunderte sich mitunter selbst, daß die Leute ihm noch etwas borgten. Lange konnte es aber so nicht weitergehen, dann kam der Zusammenbruch und mit ihm der gerechte Zorn seines Vaters, das Ende seiner hoffnungsreichen Karriere. Die

Voraussetzungen, wenn Frankreich sie nicht selbst schafft. Eine Verfassungsänderung würde bei An­nahme unseres Vorschlages nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deuffchland notwendig geworden sein, aber wenn es sich darum handelte, den Frie­den sicherzustellen, hätten sich die gesetzgebenden Faktoren in Deuffchland sicherlich dem Anträge auf eine solche Verfassungsänderung nicht widersetzt. Deuffchland hat nicht das geringste dagegen einzu- wenden, daß England oder die Vereinigten Staa­ten den vorgeschlagenen Pakt durch besondere Zu­sagen an Frankreich ergänzen oder garantieren. Aus diesem Gedankengange heraus sollte ja Eng­land Partner und Amerika Treuhänder der Der- einbarung sein."

deutscher Reich.

* Berlin, 4. Januar. Der Reichsarbeit s Minister, der leit Weihnachten an der Gripp erkrankt ist, muß auf Grund ärztlicher Anoidnun« noch für einige Zeit das Bett hüten. Wie wir hören, ist die nächste S tzung des Reichstages vor-, läufig für den 16. Januar in Aussicht genommen.. Ein früherer Termin kann nur in Frage kommen,^ wenn unvorhergesehene außenpolitische Umstände e§: notwendig machen. Die deutsche Regierung hab beschlossen, die am 30. August eingeführten Zu­schläge zu den Au sfuhrab gab en säyen wieder aufzuheben, da die Gestehungskosten der Waren in­zwischen den Weltmarktpreis vielfach erreicht und teilweise sogar überschritten haben.

Die Bezüge der Staatsbeamten. Am 19. Ja­nuar werden im Reichsarbeitsministerium Verhand­lungen über die Regelung der Staatsbeamtenbezüge für Dezember und Januar stattfinden.

Die deutschvölkische Freiheitspartei. Die Ab geordneten von Gräfe, Henning und Wull« haben dem Büro des Reichstages angezeigt, daß sie der neugegründeten deutschvölkischen Freiheits­partei beigetreten sind und deshalb den Namen ihrer völkischen Gruppe entsprechend abgeänderi haben.

* Bayern und das Reich. Reichsjustizminister Dr. Heinze, der nach München zu einem offi­ziellen Besuch gefahren ist, wird, demVorwärts" zufolge, mit dem bayerischen Juftizminister über die Fragen verhandeln, die das Zusammen­arbeiten der Justizverwaltung Bayerns mit dem Reichsjustizministerium betreffen. Es könne als wahrscheinlich angenommen werden, daß neben den geplanten Reformen auf dem Ge­biete des Rechtswefens auch die Rechtsprechung der Volksgerichte, insbesondere der Fall Fechenbach Gegenstand der Beratungen sein werden.

wirtschaftliche Uampsbewegungen.

Die Lohnverhandlungen im Bergbau. Die Der bände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Kohlen­bergbaus führten am 3. Januar im Reichsarbeitsminifte- rium Zentrallohnverhandlungen für den Monat Januar. Da hierbei eine Einigung nicht erziett werden konnte, setzte das Reichsarbeitsministerimn einen Schlichtungsausschuß ein, der voraussichtlich am 4. Ian. zusammentreten wird.

Der Streik der Berliner Markthallenhöndler. Wie die Berliner Blätter mitteilen, hat sich die Sage in den Berliner Markthallen weiter verschlechtert. Der. stellvertretende Polizeipräsident, Oberregierungsrat Weiß, erklärte, daß er eine Vermittelung zwischen den Strei­kenden und dem Magistrat einzuleiten versuchen werde.

Bank behiett keinen Beamten, der nachweislich Schulden hatte, und bei dem Eintritt in ein anders Haus be­durfte es ebenfalls eines tadellosen Leumundes und gu­ter Zeugnisse. Sein Vater aber würde fein leichtsinniges Vergehen mit Wort und Tat rückhaltlos strafen, dar wußte er, ihm seine Verachtung bei jeder Gelegenhett zeigen, und die Tausende, die er* zur Deckung seiner Schul- den brauchte, nach und nach von feiner Zulage abziehen. Vielleicht durfte er gar nicht mehr zurück nach seinem geliebten Hamburg, das für ihn den lebensfrohen und genußfüchttgen Menschen das reine Paradies war, und eine untergeordnete Laufbahn in einer kleinen Stadt, unter den Augen der Eltern, beendete vielleicht alle feine ehrgeizigen Plane.

Doll Schmerz und Aerger dachte auch Thede an On- trf Tim. Hätte dieser sein Versprechen gehalten und seiner Mutter ein kleines Kapital vermacht, so wäre auch ihm geholfen gewesen, so mußte er sich nach einer andern Hilfe umfehen. i

Bei der gewinnenden Persönllchkeit lag der Gedanke an eine reiche Heirat am nächsten, und in Hamburg fand sich vielleicht auch Gelegenheit dazu, aber erzwingen ließ sich dergleichen nicht, und Thede wollte auch vorläufig nichts davon roiffen. Er liebte feine Freiheit über alles, und die Ehe erschien ihm wie eine Zwangsanstalt, deren strenge Forderungen keine echte Lebensfreude mehr auf- kommen läßt. Sein jugendliches Alter berechtigte ihn gewissermaßen zu dieser Art von Anschauungen, und fein sanguinisches Temperament zeigte ihm die Zukunft im rosigen Licht, ttotz der drohenden Wolken, die sich am Horizont immer wieder zusammenzogen.

Während des Spaziergangs im hellen Sonnenschein wurde ihm besonders leicht und froh zumute, und als er zum Mittagessen nach Hause tarn, zeigte er sich in so guter Laune, so unterhaltend und witzig, daß feine Mut­ter einmal ganz entzückt von ihm war. Sie beobachtete ihn mit leuchtenden Blicken, lauschte feinen Worten mit lächelnder Aufmerksamkeit, und schob ihm heimlich die besten Siffen zu. Auch der Bürgermeister freute sich seines Sohnes, und da er wußte, daß Thede Musik siebte und gern etwas vorhatte, schlug er ihm vor, gegen Abend zu Hansemanns zu gehen und ein paar Stunden dort au bleiben (Forts, folgt.)