uld a er Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreisend die Sladl Aulda.
50. Zahrg.
Mittwoch, 3. Zanuar 1923;
Nr. 1
Mark
Die beiden
marie Hausemann waren tief unglücklich, und Fritz,
der
wo er
I
ich etwas über Man kann sich
machen können. Die
wieder
zu einem festen Wertmeffer und das Budget ins Gleichgewicht bringen
die letzte Kraft für die Freiheit aufgebracht werden und jeder muffe Opfer und Arbeit
mutzte jeden da zu treffen, war.
Die Lage im Ruhrbergbau.
wtb Bochum, 2. 3cm. (Tel.) Die Konferenz der Bergarbeiter tes Ruhrgebieles beschloß otn Sonntag das lleberarbeitsabkommrn für den Ruhrbergwerkbau, das vom 15. V^z. bis 15. Januar nutzer Kraft gesetzt worden war. zum 28. Februar zu kündigen, da die Ernähruiigslage der Berg arbeiler immer übler geworden fest
die Familie wissen will, frage ich die. unbedingt auf sie verlassen."'
7. Kapitel.
niedlichen Backfische Grete und Anne-
Ewst und Erich, die beiden Zwillingsprimaner, gaben ihr keinen Anlaß zur Klage. Sie ließen sich nicht von Lene beeinflusien, sondern folgten ihren eigenen Eingebungen und überbeten sich Frau Meier gegenüber im zartesten Sitter- ur? Minnedienst. Erich besonders, der vor ihrer Ankunft so frank und fw den Wunsch ausgesprochen hatte, sie möchte unterteil verunglückt sein, konnte sich nicht genug tun in kleinen Diensten und Aufmerksamketten, und jeUen verging ein Ta», wo er
Tertianer, ging auch mit einem zehrenden Schmerze im männlichen Siefen einher. —
Frau Meiers pädagogische Maßnahmen zeichneten sich nämlich dadurch aus, daß sie wenig Worte machte, sie
nicht ein Buch, eine Blume oder eine kleine Näscherei brachte. Sie legte zwar lebhaft Protest ein gegen diese Verwendung des schmalen Taschengeldes, aber anderseits freute sie sich der jugendlichen Begeistemngsfähig. keit und duldete sie ihrer erzieherischen Wirkung wegen.
Die Backfische hingegen wurden nicht nur von Lene, sondern auch von den Freundinnen in der Schule auf- gehetzt und geneckt, und waren in der ersten Zejj noch ungezogener als vorher. — Grete hatte die liebliche Gewohnheit, Gesichter zu schneiden und jedem die Zunge herauszustrecken, der ihr Mißfallen oder ihren Widerspruch erregte, und Annemarie war eine Naschkatze ersten Ranges, dabei aber sehr viel verschlagener als die ältere Schwester. Fehlte etwas, so wußte sie mit großer Geschicklichkeit den Verdacht auf die beiden Kleinen ober die Dienstboten zu lenken und mit dem unschuldigsten Gesicht von der Welt ihre Ahnungslosigkeit zu beteuern.
Frau Meier hatte sie dabei ein paarmal scharf und warnend angesehen und ihre Zweifel durchblicken lassen, aber Annemarie beirrte das wenig. Sie heuchelte und naschte fröhlich weiter, und sie ergänzte diese leiblichen Genüsie durch verbotene geistige, indem sie a"5 ihres Vaters Bibliothek belletristische und medizinische Werke nahm und heimlich darin las. Frau Meier hatte auch das bemerkt und verbot es ihr ganz energisch, aber ohne jeden Erfolg. Annemarie bereicherte nach wie vor ihre Kenntnisse an dieser höchst unpassenden verderblichen Lektüre, unb triumphierte in dem Gebanken, baß die strenge Hausdame von ihr doch überlistet werde.
Da erreichte Annemarie eines Tages ganz unerwartet die Nemesis. 2m Begriff, sich zur Feier eines Geburtstages festlich anzukleiden, überfiel sie ein heftiges UnwokLfein. Sie bekam die schrecklichsten Cholera- zustände und mußte schließlich zu Bett gebracht werden. Ihr Vater war nicht zu Hause, unb Lene in der Waschküche, aber Frau Meier bemühte sich eifrig unb liebevoll um sie und schien sich, im Verein mit der Patientin, en Kopf zu zerbrechen, was die Veranlassung zu dem -läßlichen Unwohlsein sein könnte. Endlich machte sie ein ganz erschrecktes Gesicht und sagte ängstlich: „Kind, xt hast doch ni' etwa von dem Ongwersaft genascht, der ganz hinten obersten Fach des Büffets ft.'fjt?"
Annemarie schüttelte energisch den Kops, unb Frau Meier schien aufzuatmen.
Deutsche; Reich.
* Beim Reujahrsempfang, der in Berlin durch den Reichspräsidenten stattsand, sprach der apostolische Nuntius, Monsignore Pacelli, als Doyen des diplomatischen Korps. Der Reichspräsident gab in seiner Erwiderung der Hoffnung Ausdruck, daß die erhabenen Gedanken der Weihnachtskundgebung des Papstes dazu beitragen mögen, 'das Zusammenleben der Völker immer friedlicher und harmonischer zu gestalten. — Den Neujahrsempfang in Paris hat der französische Präsident dazu benutzt, Deutschland als böswilligen Schuldner zu brandmarken. __________
Am Nachmittag des 2. Januar soll die Pariser Konferenz, der weittragende Bedeutung für die Geschicke Oeuischlands zchallen kann, zusammentreten. Donar Law weilt schon seit Silvester in Paris und hat mit Curzon und den Mitgliedern der britischen Delegation den Reparativnsplan erörtert, den er der interalliierten Konferenz vvrzulegen gedenkt. Für Dienstag vormittag war eine Sitzung des französischen Mimstrr- rates in Aussicht genommen. Um 2 Uhr nachmittags sollte die interalliierte Konferenz unter denn Vorsitze Poincares beginnen.
Am VorabeM» der Konferenz hat der deutsche Reichskanzler Gelegenheit genommen, den deutschen Standpunkt Mr internationalen Lage deutlich zu kerm- zcichnrn.
Uanzlerrede in Hamburg.
Reichskanzler Dr. Cuno hielt am 31. Dezember in der Hamburger Börse vor der Versammlung des Ehrbaren Kaufmanns" eine große politische Rede, in der er
wichtige Erklärungen
über die deutschen Reparationsvorschläge abgab.
Der Reichskanzler erklärte, daß er hn Geiste eines ehrbaren Kaufmanns die Verhandlungen des Reiches zu führen gedenke, um dadurch dem Reich und Volk unb zugleich ber Anbahnung eines wahren Friebens ber Völker zu dienen. Der Friede könne nur erreicht wer- den, wenn alle Völker sich entschlossen auf den Boden ber Wirklichkeit stellten, was vor allem auch für das Reparationsproblem gelte. Die ridjtig verstandene
Leistungsfähigkeit Deutschlands ergebe sich aus den finanziellen unb wirtschaftlichen Faktoren unb die Lösung bes Problems könne nur in einem wohlabgestimmten Zusammenklang finanzieller Leistungsfähigkeit unb wirtschaftlichen Vermögens bestehen. Eine Uebertreibung ber beutschen Verpflichtungen werbe nur zur Vernichtung unb Zertrümmerung, nie aber zu einer Steigerung der Leistungen führen. Das Gutachten bes internationalen Anleihekomitees in Paris über bie beutfche Leistungsfähigkeit fei bas Weifeste unb Mutigste, was bisher über bie Reparationsftage ' gefegt wurde unb sollte die Magna Charta für alle künftigen Erörterungen bilden.
Dieser Appell könne aber nur Erfolg haben, wenn die Londoner Schuldsumme
auf ein erträgliches Maß herabgesetzt unb Europa vom Damoklesschwert ber Zwangs- unb Gewaltmaßnahmen befreit wirb. Die Note der Reichsrcgierung vom 14. November fei dazu bestimmt, ber enbgüttigen Regelung ber Reparationsfrage die Wege zu ebnen. Der Versailler Vertrag habe eine tiefgehenbe Zerrüttung unserer Wirtschaft gebracht unb uns, was noch schlimmer sei, von ber wirtschaftspolitischen Gleichberechtigung ber Hanbelsvölker ausgeschlossen. Trotzalledem seien Leistungen an bie Gegenseite ausgeführt worben, wie sie größer ein Volk in ber neueren Geschichte nie getragen habe. Deutschland sei entschlossen, eine feste erste Summe auf sich zu nehmen und diese Summe durch Vermittelung eines internationalen Finanzkom'ortiums aiifgubringen unb mache sich anheischig, weitere An- leiben aufzulegen, wenn das Konsortium es für möglich halte. Dazu müffe aber bie Wirtschaft auf festen, wenn auch steinigen Weg geführt werben, bamit wir die
„Es wäre auch zu schrecklich gewesen", sagte sie bann „Ich wollte nämlich ben Rest des Saftes anberweitsi rerroenben unb habe da etwas hineingetan, bas in ganj kleinen Dofen heilsam ist, — in großen aber —"
„Doch nicht etwa Gift!" schrie bie Kranke erregt da- zwischen.
„Nun, Gift nicht gerade, aber immerhin doch etwas, das unter Umständen gefährlich werden kann."
Annemarie brach in heiße Tränen aus.
„D Gott!" schrie sie, „nun muß ich wohl sterben! 2d) habe bie ganze Kruke ausgeleert, auch nicht ein Tropf, chen ist barin geblieben."
Die Hausdame sah ganz bestürzt aus.
„Wirklich? Aber Kind, bu sagtest doch eben —'
„Es ist alles, alles nicht wahr, was ich sagte", mtm. werte bie Kranke. „Liebe, gute Frau Meier, helfen Sie mir boch, schicken Sie zu dem andern Arzt, wenn Papa nicht da ist. 2ch kann nicht sterben, ich will nicht sterben. Ich will leben, und bann auch ganz, ganz vernünftig sein, nur helfen Sie mir, retten Sie mich!"
Frau Meier legte ihr noch einen zweiten Wärmstein ins Bett unb schien zu überlegen.
„So viel ich weiß, ist Doktor Bräuer jetzt auch nicht zu Hause", sagte sie, „aber bein Vater hat ein medizinisches Werk (unb sie nannte ben Titel), ba steht sowohl bieses Präparat darin, wie bie Gegenmittel. Ich will schnell hinunterlaufen und es holen."
Sie stand auf, um zu gehen, aber Annemarie hiell sie krampfhaft am Kleide fest.
„Es ist nicht dort", schluchzte sie, „es ist hier, in meinem Bett, ich habe es heute morgen versteckt", unb mit großer Anstrengung zog sie einen dicken Band unter ihrer Matratze hervor.
Als sie eine Stunde später friedlich schlief, kam der Doktor nach Hause. Er selbst hatte der Frau Meier auf ihre Bitten unb eingehenben Vorstellungen hin sowohl bas sogenannte Gift wie bas Gegenmittel gegeben, aber er wäre nie imftanbe gewesen, es bei seinen Sinbern in Anwenbung zu bringen, unb hoffte immer noch, Annemarie würbe ben Ingwer unberührt lassen. Sogar im Hause wollte er nicht gern sein, wenn bie Kata- sttophe wirklich eintrat, unb so war er diesmal ganz besonders lange fern geblieben.
tP*u ttwaßag ihn lächelnd (Forts, folgt)
Regierung nehme diese schwere Verantwortung auf sich, weil am Ende dieses Weges bie Freiheit des beulschen Volkes stehe. Deshalb müsse
M beuget MWg Ober bss Winland.
Frankreich lehnte ab.
Der Reichskanzler über die Pariser Konferenz.
schalt feiten unb brofjte nie, aber sie hanbelte, unb am empfindlichsten
nach dem Maße seiner Kraft bringen. Die 2 n b ust r t e unb die Bankwelt seien entschlossen, bie Regierung bei ber Durchführung ihrer Vorschläge zu unterstützen. Dadurch komme bie Reichsregierung in bie Sage, einem internationalen Konsortium jede vernünftige Sicherheil einzuräumen. . 1
Die beste Bürgschaft
zur Einlösung ber Unterschrift liege in ber Stärke bes Staates unb in ber Kraft ber Wirtschaft. Ein wirklicher Erfolg ber Bemühungen ber Regierung sei aber mir möglich, wenn jetzt eine i 1
endgültige Siegelung
bes Reparationsproblems erfolgt, ohne Nebenlasten unb Nebenleifkmgen. Deutschland müsse die wirtschaftliche Freiheit und Gleichberechtigung wiedergegeben werben. Die Besatzung am Rhein müsse abgebaut werben, Düsseldorf, Duisburg Nnb Ruhrort müßten geräumt werben unb die endgültige Lösung müße bie Absage fern an jede Politik ber Sanktionen unb Retorsionen.
Nur m offener Aussprache von Mann zu Mann könne eine Lösung bes Reparcttionsproblems gefunben werben. Deswegen habe bie Regierung bie Alliierten ersucht, einem Vertreter der Reichsregierung Gelegenhett zu geben, unsere Vorschläge ber Pariser Konferenz schriftlich vorzulegen unb. sie münblich zu erläutern. Für bie Pfänderpolitik
könne kein Raum sein. Wer trotzbem Pfänder heischt, habe nicht wirtschaftliche, sondern politische Ziele im Auge. 2ebe politische Pfänberpolitik bedeute den Tob aller wirtschaftlichen Separationen. Der Reichs- kamzler kam bann aus bie jüngste Rebe bes amerikanischen Staatssekretärs Hughes zu sprechen unb sagte, baß bie Gebankengänge bes amerikanischen Staatsmanns sich nahe mit unserer Auffasiung berühren unb aufrichtigste unb ernsthafte Beachtung verdienten. Die Besorgnis Frankreichs vor kriegerischen Absichten Deutschlands sei irrig. Um diese Befürchtung zu zerstreuen, habe die Regierung Frankreich vorgeschlagen,
die Rheinlande
für ein Menschenalter von einer am Rhein nicht interessierten Macht verwalten zu lassen. Dieses Anerbieten fei aber von Frankreich abgelehnt worben.
Nachdem der Kanzler noch die Werhnachts- «nzyklika des Papstes erwähnt hatte, schloß er mit dem Hinweis, daß wir uns d-urch nichts davon abbringen lassen werden, weiter in Einigkeit und Recht um die Freiheit des Volkes und Vaterlandes zu rin gen.
Die Rede wurde mit starkem Beifall ausgenommen.
Das Scho.
Za der Hamburger Rüde des Reichskanzlers Dr. Cuno schreibt das „Verl. Tagebl." u. a.: Aus den ruhigen, fachtichen und nüchternen politischen unb wirtschaftlichen Erwägungen des Vortrages klingt es immer wieder heraus wie ein feierliches Bekenntnis vor der gegnerischen Seite und vor aller Welt zum Geiste der absoluten Ehrlichkeit und
zum Geiste des Friedens.
Es ift der Geist des „Ehrbaren Kaufmanns", den der Kanzler als die stärkste Brücke ter Verständigung, nicht mir mit ben Vereinigten Staaten, sondern mit der ganzen Erde als Richtschnur aufmmmt, es ift ferner die Anbahnung eines wahren Friedens, jur die er Wollen und Kraft einsetzt. Zur Mahnung des deutschen Garantieangebotes bezücKch des Rheingcbietes fojjt das Matt, diese Ablehnung dmch Frank-
fee heißt, ist für sie nichts mehr gut genug. Sie soll auch durchaus noch eine glänzende Partie machen. Darum wirb sie so prächtig aufgezäumt unb m ber Welt spazieren geführt; beim Fiete weiß trotz aller ihrer Renornage ganz genau: hier in Grotenburg heiratet die eitle, untüchtige kleine Person kein Mensch."
Frau Meier nahm ein Fädchen von ihrem Kleid und betrachtete es zerstreut; bann sagte sie plötzlich: „Die Familie scheint ja in sehr guten Verhältnissen zu leben, Frau Groth sprach mir von ben großen Summen, bie ihr Mann verdient und ihr für ihre Reise zur Disposition stellt."
Die alte Dame lachte.
„Gott ja, er hat eine ganz gute Praxis", meinte sie, „aber wenn Fiete Groth etwas sagt, muh man immer die Hälfte davon glauben. Sie übertreibt nach jeder Richtung hin, und erst wenn das Zuviel und Zuwenig gegeneinander abgewogen wird, bekommt man mit ber Zeit ein richtiges Bild. Frauken hingegen ist eine fanatische Anhängerin ber Wahrheit. Sie hat ihre Mutter baburcf) schon oft in Verlegenheit gebracht, unb wenn
fonto Verwendung finden, wenn Deutschland feine auf Grund des Moratoriums beschränkten Ber- pslichtungen in Geldzahlungen oder Sachlieferun- gen nicht erfülle, das finanzielle Reformprogramm nicht ausführe, das man von ihm verlangen werde und der Entsendung eines Garantieaus- schuffes nach Berlin nicht zuftimmen werde, dem Vollmacht über die Kontrolle der deutschen Finan- zen erteilt werden solle. Deutschland müsse einen Stabilisierungsplan für die Mark unterbreiten, zu dessen Durchführung die Diskontierung von Schatz- wechseln durch die Reichsbank eingestellt werden müsse. Ferner müsse eine innere, von den deutschen Industriellen garantierte Anleche aufgelegt werden.
Was die geforderte Herabsetzung ber deutschen Schuld betreffe, fo würde die französische Regierung ihre Zustimmung mir erklären können, nachdem sie ihrerseits ben französischen Anteil an den ersten von Deutschland zu zahlenden 50 Milliarden Goldmark erhalten habe. Die Herabsetzung der deutschen Schuld könne sich nur auf Schatzbons der Serie C erstrecken und müsse die Annullierung einer entsprechenden Summe der interalliierten Schulden mit sich bringen. Endlich müsse die Emm-fsum einer internationalen Anleihe beschleunigt werden, um die.Zahlung der deutschen Schuld sicher zu stellen.
Der Lssungsplan Amerikas.
wtb London, 2. Ian. (Tel.) Der Pariser De richlersiafter der „Daily Mail" ist zu der Millrilum ermächtigt, daß die britische Regierung ihre roartm Billigung der dmch Staatssekretär Hughes gemachten Vorschläge. die Reparationsfrage durch eine uninteressierte Gruppe zu lösen, zum Ausdruck gebracht habe. Schatzkanzler Baldwin, der nach Amerika gereist ist, sei bereits ermächtigt worden, bei der Erörterung kbtrselben im Namen der britischen Regierung zu handeln. Bonar Caro würde bereit sein, dir Repa- ratiovsfraM einer Sachverständigen-Konferenz zu überweisen, wenn es sich als unmöglich Herausstellen würde, in Paris eine Vereinbarung zu erzielen. Dem Derichterstatter zufolge wird Großbritannien, falls sich Frankreich zu einer unabhängigen Aktion entschließen feilte, sich ohne formellen Protest abseits stellen.
Verantwortlich iür ben cebauionellen Teil: Dr. 2- Kramer. - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. :: Rotcttionsbruck u. Verlas ber Fuldaer Actienbruckerei in Fulda Semipred;« Nr. 9. Postlcheck-Konto 4051 Frankfurt a. M.
I Bezugspreis: Monatlich 375 Mk. Zustellgebühr extra.
I “ \ Abgeholl in ber Geschäftsstelle 390 2Ht. ::
I Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 24 Mk., ausw. 30 Mk. I e¥?a m e zei > e (Terwreitei nach Cotone maß 90 Mark.
„$rau Msier".
Roman von G. o. Stotmans.
151 -----------
Als Frau Meier zwei Tage später zu Fräulein Abe- lone Vollmer ging unb ihr von den beiben Besuchen und ben dabei gewonnenen Eindrücken erzählte, sagte bie alte Dame: „Sie haben einen scharfen Blick, Liebste. — Klaudine ist wirklich bie beste unb ebelfte von ben Schwestern unb eine Kreuz trägenn ersten Ranges. 2hr Mann behanbelt sie schlecht. Er war immer ein cholerischer, leicht aufbraufenber Mensch, unb ihre Sanftmut, bie keinen Wiberspruch wagt, hat ihn in feinem Hang zur Tyrannei noch 'bestärkt. Auch hat er es ihr nie vergeben, daß ihr Vetter Tim Tommöhlen in ihrem Herzen bie erste Stelle einnahm, unb feit bie bumme Erbschaftsgeschichte passierte, verhöhnte er sie unb den 2ugenbgeliebten unausgesetzt. Die Frau mit ihrer ohnehin stark erschütterten Gesundheit • leibet ein wahres Martyrium. Das Schlimmste aber ist, baß bie erwachsenen Kinder ben unerträglichen Zustanb nun noch verschärfen. Sie können unb wollen es nicht mitansehen, daß ihrer zärtlich geliebten Mutter immer Unrecht geschieht; sie verachten ben Vater unb machen ihm jetzt bei jeher Gelegenheit Opposition. Dafür rächt er sich wieber, inbem er feine Macht unb Autorität fühlen läßt, ihre Freiheit beschränkt unb ihre Neigungen rücksichtslos bekämpft. Die arme Klaudine will immer vermitteln unb ausgleichen, aber es gelingt ihr nicht. Sie war allezeit ein schwaches Reis, bas sich von jeher Hanb beugen ließ, unb bas Glück, bas sie verbleut hätte, ist ihr nicht zuteil geworben. Ihren Schwestern geht es besser, bie sind aus härterem Holz."
„Hat Frau Groth nicht eine gewiße Aehnftchkeit mit ihr?" fragte Frau Meier.
„Ja," meinte । Zante Melone, „bas Hai sie wohl, mehr wie-die eigene Tochter. Thea ist ein hochbegabte», aber ganz mobernes Mäbchen, währenb Franken nie an sich henkt unb sich für bie Familie aufopfert. Ihr wird jede Last unb jebe Arbeit aufgepackt, unb sie hat bafür weher Dank noch Lohn. Ihre Mutter ist ja ganz ver- »arrt in hie hübsche Ellen, unb feit sie Baronin Stuben«
reich fei nicht üb^rafcheM Frankreich habe nicht die stärkste WaffeVw-wVer Hand geben wollen, die ihm die Verwirklichung seines durch die Iswolsn- Papiere enthüllten letzten Zieles, der Vernichtung der politischen und wirtschaftlichen Kraft Deutschlands, ermöglichen kann, und das ei die eigene Waffe. Frankreich habe durch die Ab- ehMng des deutschen Varschlages vor der ganzen Welt die stärkste moralische Waffe, auf die es sich bei den Pariser Verhandlungen hätte stützen können, aus der Hand gegeben.
In der „Voss. Ztg." heißt es: Die deutsche Reichs- legienmg hat ihr Versprechen gehalten, die aktive Reparationspolitik, die durch die Note vom 14. November eingeleitet worden mar, rückhaltlos und enlfchlußkräflrg vrtzüsetzen. Man tarnt nur hoffen und wünfchen, daß der Geist der deutschen Vorschläge das Mißtrauen auf gegnerischer Seite soweit entkräftet, um eine objektive, achliche und rein wirtschaftliche Erörterung zu ermög- Wchen.
Erich Schwarzer betont im „Tag", daß Frankreich dmch seine Wlchnung des deutschen Garaniieang:bots bewiesen habe, daß es am Rhein für Frankreich nicht Sicherheiten sucht, sondern daß ferne Politik am $R!f)£Ert
auf Raub und Kampf eingestellt ist. Zum Schluß betont der Artikel, daß irgend eine Schicksalsfrage für das Kabrnett Cuno mit der eventuellen Ablehnung der deutschen Vorschläge nicht verbunden sein könne, da die Verantwortung für die Ablehnung auf Frankreich und nicht auf die deutsche Regierung fallen würde.
Bergmann als deutscher Vertreter.
Der deutfche Botschafter Dr. Mayer sprach am 1. Januar in Paris namens der deutschen Regierung am Quai d'Orsay vor, um die französische Regierung offiziell zu ersuchen, dem Dienstag vormittag emtreffenden Staatssekretär a. D. Bergmann Gelegenheit zu geben, den neuen deutschen Reparationsplan der alliierten Konferenz zu unterbreiten und vor ihr mündlich zu erläutern.
was die zranzosen Vorschlägen.
Der diplomatische Mitarbeiter der Havasagen- tur glaubt, daß der am 31. Dezmrber von der interministeriellen Konferenz feftgehaltene französische Standpunkt m der Reparationsfrage aller Wahrscheinlichkeit nach sich nicht sehr von folgenden Grundlinien entfernen wird: Deutschland wird ein beschränktes
Moratorium auf zwei Jahre für seine Geldzahlungen und Sachlieferungen gewährt. Für dieses Entgegenkommen werde von Deutschland eine
Reihe von Pfändern verlangt, nämlich die Ausbeutung der Domanial- sorften im Rahmen des von der Reparationskom- miffion ausgestellten Holzlieferungsprogramms, ferner die Kontrolle über die Verteilung der Ruhrkohle durch eine interalliierte Kommission in Gemeinschaft mit dem Kohlensyndikat, die Erhebung einer Steuer auf die geförderte, deren Ertrag auf 400 bis 500 Millionen Goldmark zu schätzen fei, die Erhebung der Zolleinnahmen auf dem linken Rheinufer, deren Ertrag im letzten Monat der wirtschaftlichen Maßnahme des Jahres 1921 16 Millionen Goldmark brachte, die Errichtung von Zollbüros beim Ausgang des Ruhrgebiets, endlich die Erhebung eines noch festzufetzenden Prozentsatzes von der deutschen Ausfuhr des Rheinlandes und des Ruhrgebiets.
Die auf diese Weise von den Alliierten einge- zogenen Summen würden nur auf Reparations-