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Fulda erZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Nr. 298.

Verantwortlich Tür den reDanionellen Teil: Dr. I. Kramer. - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fu.da. u Rotationsdruck u. Berlaa der Fuldaer Actiendnickerei in Fulda. Semioredjer Nr. 9. Post check - Konto 4051 Frankfurt a. M.

Zreitag, 29. Dezember 1922.

Bezugspreis: Monatlich 200 M. Zustellgebühr extra- n Abqeholt in der Geschäftsstelle 200 Mk. :: Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 18 Mk., ausw. 25 Mk. Reklamezeile (Tefl breite) nach Colone'maß 75 Mark.

49. Zahrg.

SGOs MMm der Mer Koifereiiz.

DieVerfehlung" Deutschlands.

Eine britische Finanzkommission reist nach Amerika.

Wie hier schon gestern ge-nstdet wurde, hat d^R e- »arationskommission förmlich festgestellt und ;mn Beschluß echoben, daß Deutschland die BestÄlmt- xen rzrenikreichs an Holzlieferungen während Jes Jahres 1922 nicht in ihrer Gesamtheit ruspeführt habe. Die Reparatümstommissicm M mit Stimmemnehrheit (der britische Delegierte jt«nrwte dagegen) entschieden, daß diese Nichtausfüh- mng eine Verfehlung an den Verpflichtungen Deutschlands im Sinne des § 17 Annex 2 d-arftellt. ÄÄsprechsnd dem Wortlaut des Z 17 hat die Revara- l:onskommWrm das festgestMe Verfehlen den inter- Mserten Regierungen noti-fiziert. Das ,.mmioue- nKint volsntaire" im Sinne des 8 17 der Anlave 2 in Eeil 8 des Versailler Vertrages ist von der Repara- sionskonrmission ausgesprochen worden, weil Deutsch- icmd mit der Lieferung des am 31. März von Frank­sch mfl Zustimmung der Reparationskommission an- ;eforderten Hohes im Rückstand geblieben ist Frank­reich hatte damals 55 000 Kubikmeter geschnittenes yaiz mit Lieferfrist bis 30. September und 200 000 ikivbikmeter Telegraphenstangen mit Lieferfrist bis zum $0. November bestM. Davon waren bis zum 15. Dezember selie-fert worden 35 000 Kubikmeter Schnitt- )olz und 65 000 Kubikmeter Tclegraphenstanpen. Don Frankreich in Verzug gesetzt, hat die deutsche Regierung in den VerhAiSlungen, die Anfang Dezember in Paris Mischen der Reparar ionskommi s sion und deutschen SachverstSntzigen stattgestmden haben, sich bereit' er- lart, den Rest bis zum 31. März nachzutiefern. Frank- cech ist darauf nicht emMgangen, sondern hat die Mparationskommission mit der Angelegenheit befaßt und dsn Antrag gestellt, die vorsätzliche Nicht­erfüllung durch Doutschland formell festzustellen. Das ist nun geschehen.

Die rm Anschluß an das Moratorium mit der Re- parationstommission von Deutschland getroffenen Der- eintcriingcn über bis Sachlieferungen enthal­ten ausdrücklich eine Klausel, wonach Deutschland, wenn es mit den von ihm angefordertsn Lieferungen infolge von Obstruktion oder von Verstößen gegen die getrof- ienen Abmachungen im Mckstande bleibt, die nickst gelieferten Mengen am 31. Dezember in bar zu bezahlen hat. Die Reparationsikvmmission hat be­reit- in diesem Sinne entschieden, und die .deutsche Regierung wird die an der französischen Bestellung fehlenden 155 000 Kubikmeter Holz in bar zu ersetzen haben.

Das ist aber keineswegs die einzige und sicher nicht die schlimmste Konsequenz des Beschlusses der Ropara- tionskvmmission. Einmal gibt die FÄststsltumg einer rorsätzlichkn Nichterfüllung nach französischer Auffas­sung der Entente automatisch ein Recht zu neuen Straf­end Zwangsmaßnahmen gegen Deutschstand. Darüber hinaus aber und das ist der Hauptzweck des fran­zösischen Manövers gewesen bietet der Beschluß Herrn P o i n c a r e die seit langem gesuchte Handhabe, nm seine für den 17. Januar geplanten Zwangs- maßnahmen geren Deutschland mit einem Schein von Recht ins Werk setzen zu können.

So bietet der Vorgang am Vorabend der Pariser Konferenz ein höchst unerfreuliches Ereignis für Deutschland. Es zeigt die zielbewußte Arbeit der französischen Regierung, Deutschlands Hoffnungen auf Erleichterungen feiner Loge ganz und gar zu zerschlagen.

Re Stimmig in London

Der englische Vertreter in der Reparations­kommission hat der Feststellung der deutschenVer­

fehlung" gegenüber weitgehende Zurückhaltung geübt und nicht dafür gestimmt. Die Auffassung Englands, die für den weiteren Verlauf der poli­tischen Ereignisse von großer Bedeutung ist, kommt in folgender Meldung zum Ausdruck:

wtb London, 28. Dezember. (Id.) Die heute erfolgte Abreise der britischen Ji- nanzkommisslon nach den Vereinig­ten Staaten und die Verzugserklärung Deutschlands durch die Reparatioaskommission werden von der Presse als Mei Ereignisse bezeich­net, die wahrscheinlich einen wichtigen Einfluß auf die bevorstehende Premierminister-Konferenz haben werden. Auf die Frage, welche seine Haltung gegenüber dem amerikanischen Vorschlag sei, eine lulernaklonale Kommission.

zur Prüfung der Lage Deutschlands zu ernennen und die Rqiaralionsforderungen im Lichte der deut­schen Untersuchung neu seskzusetzen, erklärte

Schahkanzler Baldwin

Pressevertretern, eia neuer Vorschlag sei ofiiziest noch nicht gemacht worden: aber wenn er gemacht werde, während er in Washington sei, werde er sich warm dafür interessieren. Er hoffe zu einer dauernden Regelung bezüglich der Bedingungen der britischen Schuld

in den Vereinigten Staaten zu gdangen. Wenn er Erfolg habe, hoffe er, daß

Amerika

zu dner wichtigeren Mission geneigt sein werde, die Bonar Caro bald zu unternehmen gedenke.

wtb London, 28. Dez. (Tel.) Der britische Ddegierke' der Reparalionskommission, Brad- bury, ist in London eingetroffen, um der briti­schen Regierung über den Beschluß der Repara- tionskonferenz Bericht zu erstatten.

Belgien gegen ein Moratorium.

2m Senat in Brüssel erklärte der MmGer des Aenßeren 2 a s p a r im Hinblick auf die Anfang Jan. in Paris skrttfinbsnüe Konferenz: Es ist unmög- l i ch, Deutschland ein einfaches Moratorium zu gewäh­ren. Die belgische RMerung wird dem nicht zustim­men. Hinsichtlich der

Garantien

möge der Senat dem Ministerpräsidenten und mir Ver­trauen enlNegenbringen. Kein Leiter einer affilierten Regierung hätte sich über diesen Punkt genau cruslas- sen wollen. Ich würde gegen die Pflichten meines Amtes verstoßen, wsmr ich nicht ebenso Stillschweigen beobachtete. Wir messen dem größten Wert bei, daß b'e Mahncchmen, die in Paris getroffen werde», auf­grund eines Abkommens zwischen allen Gläubigern beschloffen werden. Die Pariser Kon­ferenz erscheint in einer günstigen Atmosphäre. Ich hoffe, daß es uns gelingen wird, auf ihr eine Regelung zu treffen, welche die Interessen der amtierten Nationen und die Lage aller Gläubiger DeutschlanDs sicherstem.

wtb Brüssel, 28. Dez. (Tel.) DerSoir teilt mit, daß die belgischen Minister Theunis und Jasper am 1. Januar nach Paris $ot Teilnahme an der Konferenz abrdsen werden.

l vor dem Scheitern

der Gnent-lronserenz?

wtb London, 28. Dez. (Tel.). Nach einer 2t;u- lermddung aus Lausanne besteht die ernste Ge­fahr, daß die Konferenz scheitert, wenn die Türken weiter bei ihrer augenblicklichen Methode beharren. Die Häupter der interalliierten Missionen werden rotchl scheiniich in einigen Tagen den Türken ihre Be­schlüße oorlegen und diese werden dann der ent­scheidenden Irage gegenüber stehen, sie ent­weder endgültig anzunehmen oder abzulehnen. Es fei klar, daß der augenblickliche Zustand nicht langer sorl- dauern könne.

Lin Schritt der Gewerkschaften.

Anläßlich der Besprechung der Regierung mit den Gewerkschaften, die am Freitag stattfinden soll, haben die Gewerkschaften lautVorwärts"

fünf Fragen

gestellt, die u. a. Auskunft verlangen, inwieweit bei der kommenden Brotpreiserhöhung ein Lohn­ausgleich auch in der Prioattndustvie geschaffen werden soll, 2. wird gefragt, inwieweit die Regie­rung dafür gesorgt habe, daß die innerwirtschaft­lichen Maßnahmen in den Kreisen der Wirtschaft feinen Widerstand finden und inwieweit die Re­gierung bereit sei, Sachverständige aus den Reihen der Gewerkschaften zu hören. Weiter wird Auf­klärung verlangt, ob die Regierung bereit sei, die Ungerechtigkeiten des Rsichseinkommenfteuer- gesetzes auszugleichen. Zum Schluß wird gefordert der Erlaß von Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungsnot und des Wuchers.

tot Denkschrift zur Einkommensteuer.

Die Vorstände des Allgemeinen deutschen Gewerk- schastsbundes und des Allgemeinen freien Angestellten- bundes, also der sozialdemokratischen Organisationen, Haden nach einer KorrespondenAmeldung dem Reichs­kanzler eine Denkschrift zur Einkommensteuer unter­breitet, in der die Regierung aufgeforbert wird, eine Erhöhung der Werbekosten und der foaijti- gen Steuerbeträge für Lohn- und Gchaltsempsänger herbeizuführen. Die Gewerkschaften begründen d'.e Dömgllchket! einer grundlegenden Reform im Entzieh- ungsverfahren der Einkommensteuer in der Richtung, daß auch bei den oeran lag ungs pflichtigen Kreisen der Tag der Steuerzahlung und damit der tatsächliche Geldwert maßgebend fein müsse für die Höhe des zu entrichtendsn Geldbetrages.

Deutsches Reich.

* Die Sciegsbefchuldigken. DieD. Allg. Ztg." teilt mit: 880 deutsche Namen standen auf der be­rüchtigten Auslieferungsliste. Nach ein- gehender Untersuchung und eidlicher Vernehmung einer großen Anzahl von Zeugen hat sich bei 9 3 Verfahren der Auslieferungsliste die völlige Unschuld der Angeklagten herausgestellt, sodaß die Verfahren gegen sie eingestellt werden mußten. Unter diesen besindon sich Namen wie Unioersitätsprofessor Goetz, General v. Gollwitz, Mackensen u. a.

* Entlassungen bei der Eisenbahn. Eine Wolff- meldung besagt: Die durch ebne große Indiskretion in die Presse gelangte Mitteilung über einen Abbau von 25000 Beamten u. Arbeiter ist in den Einzel­heiten noch keineswegs feft gefegt, doch ent­spricht ein derartiger Abbau den Absichten des Reich?verkehrsministrrs. Selbstverständlich sollen von dem Abbau nicht diejenigen Teile des llwiermhmens

$rau lüdet.

Roman von G v. St a km ans.

12] -----------

Tante Melone fuhr fort:Er wollte seine Toch­ter einer so ungewissen Existenz nicht aussetzen, und Klaudine, die sehr streng erzogen worden war, fügte sich seinem Willen ohne Widerspruch. Ttmm aber nahm kick) die Sach« sehr zu Herzen. Er ließ sich hier in Groienburg nicht mehr sehen und ging in die weite Well, um sein Heil ziu versuchen."

Er grollte also."

Ja, das tat er wohl. Jedenfalls hörten wir lange Zeit nichts mehr von ihm. Dann, nach sieben Jah­ren, kam plötzlich ein Brief aus Amerika, worin er seine Lage auseinandersetzte und nochmals um Klaudine warb. Seine Verhältnisse hatten sich inzwischen sehr gebessert, er besaß eine hübsche Farm in Florida, und verdiente durch einen cmsgedehnten Holzhandel viel Geld. Nun hätte der alte Hansemann die Heirat wohl zugegeben, trotz der nahen Verwandtschaft, aber dazu war es jetzt leider zu spät. Klaudine hatte zwar immer noch in Liebe und Treue an ihren Detter Timm gedacht, aber schließlich, da er so lange schwieg, auf das Drängen der Familie hin den Weinhändler Petersen am Markt geheiratet. Das mußten sie nun dem armen Jungen schreiben, und damit war die Sache wieder zu Ende. Briefe und Familienanzeigen, die ihm später hingeschickt wurden, kamen als unbestellbar zurück und schließlich gewöhnte man sich daran, ihn als verschollen und ver­loren zu betrachten."

Frau Meier lächelte.Jetzt scheint aber die Erinne­rung an Onkel Timm sehr lebendig 3U fcjn/<

Kein Wunder," meinte Tante Melone,wenn die Menschen nur einen Schimmer von dem goldenen Kalb zu sehen bekommen, fangen sie gleich an zu tanzen. Bor ein paar Iah. en tauchte Timm plötzlich wieder auf. Das heißt, ein Schulfreund von ihm traf ihn in Poris, er­kannte ihn und erzählte ihm allerlei von uns. Das hat wohl feine Liebe zur Heimat wieder aufgeweckt. Jeden- ! falls schrieb er daraufhin seinem Vater, dem Doktor, einen *

langen Brief, der sein gänzliches Verstummen erklärte. Die Vernichtung seiner liebsten Hoffnungen hatte ihn damals so hart getroffen, daß er über die Ver­gangenheit einen Strich gemacht und den Entschluß ge­faßt hatte, niemals nach Deutschland zurückzukehren. Nun waren aber die Wunden von damals glücklich ver- narbt, der Groll war verflogen, und er sehnte sich danach, uns alle vor seinem Tode noch einmal zu sehen. Seine Gesundheit, so schrieb er, laste viel zu wünschen übrig, und obgleich er erst in der Mitte der Fünfzig stehe, dürfe er auf ein langes Leben kaum noch hoffen.

Er sei aber durch seine Unternehmungen ein reicher Mann geworden und wolle im Andenken an seine so glückliche Kindheit die ©rotenburger Verwandtschaft in feinem Testament bedenken."

Hatte er denn keine Kinder?"

Nein, nur eine Frau, die verfügte bereits über ein eigenes großes Vermögen."

Wie wurde es denn mit dem Testament?"

Ja, damit hat es eine eigene Bewandtnis. Cs sollte nämlich von Timm erst hier an Ort und Stelle während eines Besuches bei den Verwandten gemacht werden, mit besonderer Berücksichtigung der bestehenden Berhältnisse und unter Maßnahme der Würdigkeit und Bedürfttgkeit jedes einzelnen. Das waren feine eige­nen niedergeschriebenen Worte. Mein Miete hat den Brief noch aufbewahrt, und Sie können sich gar nicht denken, welchen Sturm er in der Familie entfachte. Jeder einzelne glaubte, die erste Anwartschaft auf Timms Hilfe und das in Aussicht gestellte Erbe zu haben. Jeder wollte ihn von feiner Siebe und Anhänglichkeit über­zeugen. Er wurde mit Briefen und Einladungen über- häuft, und man rechnete mit feinen Millionen, als wenn man sie bereits in der Tasche hätte."

Frau Meier hatte aufmerksam zugehört.

Nun, und bann?" fragte sie voll ehrlicher Span- nung.

Ja dann", erwiderte Tante Abelone,kam der Rückschlag die große, unerwartete Täuschung: statt : des reichen Setters eine karge Todesanzeige und später l auf unsere Erkundigungen hin die niederschmetternde : Nachricht, daß Timm Tommählen ohne Testament ge- ;

storben fei und fein ganzer Besitz laut Ehevertrag seiner Gattin unverkürzt zufalle."

Ließ denn die alte Dame selbst nichts von sich hören?" >

Nein. Wie sollte sie, eine Französin ober Ameri­kanerin, auch Interesse haben an einer Familie, die sie gar nicht kennt, von der fie vielleicht gar nichts wußte. Ja, wenn es noch Geschwister ihres Mannes gewesen wären, aber Vettern und Basen haben keinen Anspruch auf ihre verwandtschaftlichen Gefühle, und wer weiß, ob ihr Mann sie überhaupt in seine Pläne je ein- geweiht hat." >

Das ist doch anzunehmrn. Jedenfalls konnte die Familie eine Annäherung versuchen."

Tante Abelone schwieg einen Augenblick, dann meinte sie befangen:

Unter uns gesagt: Mein Miete und Fritz Groth haben es versucht. Jeder auf feine Art, aber ohne den geringsten Erfolg. Die Briefe wurden nie beantwortet, und so mußte man sich bescheiden. Es ist auch ganz gut so, denn wenn die Liebe fehlt, die Sympathie, wird jode Gabe zum demütigen Almosen. Unerfüllte Wünsche hat schließlich ein jeder, und wenn Timm jenen Brief nicht geschrieben hätte, würde kein Mensch an eine solche Erbschaft gedacht haben."

Er hat ihn aber doch geschrieben," meinte Frau Meier und sah nachdenklich in das verschwimmende Abendrot,hat Hoffnungen angeregt, die sich nicht ei- füllten. Freilich, der Tod überraschte ihn wohl, aber die Enttäuschung muhte für die Familie sehr schmerzlich sein, und ich wundere mich nun nicht mehr, wenn man von diesem Onkel Timm mit einer gewissen Erbitte« mg spricht."

6. Kapitel.

Frau Sophie Groth, Doktor Hansemanns jüngste Schwester, war mit ihrer verwitweten Tochter, der Frau o. Kudensee, von ihrer Reise zurückgekehrt. Frau Meier hörte von ihrer Ankunft und ging ein paar Tage später hin, um sich mit ihr bekannt zu machen.

Zwischen den beiden Schwestern war natürlich schon von der Hausdame die Rede gewesen, und mein Miere

betroffen werden, bei denen die nötige Arbeitsintensität er^ieti ist, sondern es sollen die noch vorhandenen un- produktiven Kräfte erfaßt werden. Der Ab- baiu wird sich nicht nur auf Arbeiter, sondern auch auf solche Teile der Beamten erstrecken müssen, di« erst verhältnismäßig kurz« Zeit als Beamte <mge- stellt sind und bei denen noch kern unkündbares Bechältnis vorliegt. Die Einzelheiten werden in der ersten Ianuartagen mit dem Hauptbetriebsrat unfö dem Hauptbeamtenrat erörtert werden.

Soziales.

Die Zahl der unkerstützken Erroerbslosen im Reich ist im November von 24 000 auf 42 000 gestiegen und zwar die der männlichen von 19 000 auf 34 000 nuü die der weiblichen von 5000 auf 8000. Die Zahl der Zuschlagsempfänger hat sich von 27 000 aus 50 00ü erhöht.

Sfir die konseffionelle Schule.

Unterschriftensammlung.

Uto den Willen des katholischen Vollsteiles in der Schulfmge vor aller Welt klar und eindeutig ftstzu- stellen, ist für den Monat Januar eine Unter- schristensammlung in ganz Norddeutsche and beabsichtigt, die alle katholischen. Wcchlbsrechtigten, alle Männer und Frauen über 20 Jahre einheitlich zur Entscheidung für das katholis che Schulideal cufiuft, nachdem im Laufe des Sommers bereits in Süddeutschland eine derartige Abstimmung ein' geradezu übrrwÄdigendes Eircheitsbeckenntnis zur Kon- ftsionsschule ergeben hat. Je einmütiger und macht­voller das Ergebnis auch in Preußen cmsfAlt, um so stärker unsere Position, unser Rückgrat in den nächste schutpolitischen Entscheidungskämpsen! Am urteil samen, granitenen Krastwillen des ganzen katholischen Volles sollen alle Versuche, unsere Schulrechte anzu- tasten, zuschanden werden. Die Unterschristensomm- dmg, die in ollen Provinzen und Gauen eirchMich a m 7. Januar einsetzt und mit dem 21. Jan. abgeschlossen wird, verwirklicht zum erftcrande im deutschen Volkestaat den großen Gedoncken, viele Millionen von Volksgenossen gleichzeitig unib einheitlich in einer der einschneidendsten Zukunstsfragen zur Ent­scheidung auMrufm. Alle positiven Kräfte jedes ein­zelnen katholischen Mmmes, jeder einzelnen katholischen Frau in Stadt und Land, in der geschlossenen kathol. Landschaft wie in der Diaspora draußen gilt es zu einer geistigen Mobilmachung zu sammeln und lebendig zu machen. Es wird viel Opfer, Kraft und Ardoii kosten, aber es geht-- ja ein Wer k, das in seiner folgenschweren Tragweite entscheiLenv eine auf lang hin durchgreifende Regelung beeinflussen uni# gestalten wird, um eine Arbeit, des Schweißes der Edlen wert.'

Dies werden die lauten Mahn- und Warnrufe des koch. Volkes, die sichtbaren GrunLsätzr der Aktion sein:

»Wir fordern schnellste Verabschiedung des Reichs- fchulgesetzes! Sein RdchsschlLgeseh ohne freie Bahn für die Mkennlnisschule, ohne Anerkennung des Eltern­rechts und Achtung der Geroissensfreiheil! Mr können eine Vorherrschaft der Simultanschule nicht anerkennen. Dir können eine absolute Schulhoheii dem Staate nicht zuerkenrren. Gottes- und Geroffsensrecht bricht Skaats- recht. Elternrecht bricht Schulrecht. Wir verlangen volle GieichbrrechliMNg der Bekenntnisschule mit allen enteren Schularien; Gläubige katholische Lehrer für die katholischen Schulen unserer Linder!

Wenn alle im Januar bei derSchtklccklion" ihr; Pflicht tuen, dann ist der Sieg unser. Bereit sein ist alles!

hatte aus ihrem Argwohn und ihrem Vorurteil kein Hehl gemacht, mit scharfer Zunge gegen die Fremde ge­eifert und Frau Fite vor ihr gewarnt. Die Gattin des Rechtsanwalts ließ sich aber dadurch wenig beein­flussen. Sie war ganz anders geartet wie Mein Miete, feiner, gutmütiger, liebenswürdiger, und hatte nur einen wunden Punkt eine maßlose, fast kindische Eitelkeit. Auf ihr Aeußeres legte sie wenig Gewicht, aber sie hatte den Ehrgeiz, eine bedeutende und geistreiche Frau zu' sein, und wer ihr diesen Ruhm streitig machte oder sich von ihr nicht imponieren ließ, den schob sie sehr bald achtlos zur Sette oder ftrafte ihn mit ihrer aller, höchsten Ungnade.

In der Stadt war sie wegen dieser Schwäche und ihrer großartigen Aufschneiderei bekannt, und bei der vorwitzigen Jugend hieß sie nurMadame Münch. Hausen". Sei es nun, daß sie von einer Kalamität er- zählte, die ihre Familie betroffen hatte, oder von einer freudigen Angelegenheit, immer machte sie sich einer starken Uebertreibung schuldig, und galt es, die eigene geistige Ueberlegenheit festzustellen, dann war ihr kein Ausdruck zu stark, keine Zahl zu hoch. Ohne sich dessen bewußt zu werden, wich sie bei jeder Wiederholung im< mehr mehr von der Wahrheit ab und stellte an die Leichtgläubigkeit und Naivität ihrer Zuhörer die un. geheuerlichsten Anforderungen.

Auf Helene, ihre älteste Tochter, war sie sehr stolz. Diese fchien ganz nach ihr geartet zu fein und verstand es, Überall eine Rolle zu spielen. Sie sonnte sich in dem Glanz ihres altabeftgen Namens und glaubte, ihm allerlei Rücksichten schuldig zu fein; da sie aber das Unglück gehabt hatte, nach kurzer Ehe ihren Mann zu verlieren und über wenig Mittel verfügte, war sie mit ihren beiden Mädchen Gerda und Meta zu ihren Eltern zurückgekehrt und regierte nun eigentlich das ganze Haus. Franken hingegen, die jüngste Schwester, wurde als unscheinbares Aschenbrödel wenig geachtet und sel­ten gezeigt, mußte alle Arbeit tun, welche die Leistungs­fähigkeit des einzigen Mädchens überstieg, erntet# kaum einen Dank dafür.

(Fortsetzung folgt.)