Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Lkadk Fulda.
Nr. 296.
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VerantwortUa> kür den reöauionellen Teil: Dr. I. Kramer. ~ kür die Anzeigen: I. Parze > > er-Fulda. n RotaUonsdruck u. Verlaa der Fuldaer Mdlenbratferet ht Fulda. Sernfrredier Nr. ö. Postickeck - Kon'o 4051 Frankfurt a. M.
Sonntag, 24. Dezember 1922.
Bezugspreis: MonatUL 200 Mk. Zustellgebühr extra- = Abgeholt in der KeichSstsstklle 200 2RL
Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 18 int; ausw. 25 M. Neklrmezeile (Ierfhretfe> nach Calone'maß 75 Mark.
49. Zahrg.
Christus und die Politik.
Eine Weihnacht-betrachtung von Hch. Krone-Berlin
Wenn Christus heute noch unter uns in Leibrsge--" statt wandrite, könnte er dann nicht auch von unserer Wett fegen, was er einst vom Oelberg Jerusalem zu- ri«f: O daß Du es doch erkenntest, und zwar in dreien Deinen Tagen, was Dir zum Heile dient!
Bier lange Jahre floß Blut; Gier nach Geld und T esch, nach Herrschaft und Macht preßte es aus Men- schenteibsrn; heute noch fließen die Tränen derjenigen, die nicht oergeflsn können. Durch einen Vertrag, unter dem der eine Teil, erschöpft und zusammonlaebrochm. von harter Siegerfaust zur Unterschrift gezwumgan, seinen Namen schte, glaub!« man der Weit den Frieden zurückgeban zu können, die schwere Krankheit zu heilen. — Wohl hörte das Morden auf; Loch noch immer sickern Tropfen Blutes aus dm nur fchwachbenarbten Wunden der Menschheit, und jeden Augenblick leben wir in Furcht und Sorge, sie könnten wieder aufbrechen. Dom Orient her dringt Ariegsgeschrei und jäh erschrocken horchte die Welt auf, als in Griechenlands und Polens Hauptort Revoiverkugeln die Lust durchschnitten und in den europäischen Großstädten widerhallten.
Denn tiefer sitzt der WeltkranLhÄt Herd, als die politischen Wunderdoktoren Europas glauben mochten; Wunden heilt kein Arzt, intern er sie verdeckt und ungesehen macht; er muß die Krank heits keime erkennen und diese beseitiyen.
Die Menschheit und auch unser Volk ist an der Seele krank. Und wenn das deutsche Volk nicht seelisch gesundet und erstarkt, dann ist alle Kunst der polü.schm Aerzte umsonst.
Ms Christus vor mmmchr bald 2000 Jahren in KnechtsHestalt sein himmlisches Vaterhaus mit der Menschheit Heim vertauschte, setzte sein Reformwerk nicht damit ein, daß er durch politische Gesetzrsarbeit die in Klassen und durch Kampf gerissene Menschheit zu einen suchte; nicht Klassen um Völker wallte er neu gestalten, sondern die Menschen, dis Menschen und durch sie die Menschheit.
Das sollte auch uns der Weg fein. Ws unsere Anstrengungen, unsere zerschlagene Gasellschaftsordmmg nsu zu bauen, bleiben nur Versuche ohne Erfolg, wenn wir nicht unsere Arbeit auf den E i nzel m ers ch e n richten, wenn wir nicht selbst in uns die seelische Grundlage für das neue, bessere Zusammenleben legen. Wie wir selbst sind, ein jeder von uns, so ist die Welt. Wir gäre« noch immer unseren Mitmenschen die Schuld und leben her Hoffnung, daß von draußen, von anixaren das Heil kommt. Ein jeder trage in sich das hohe Bewußtsein, daß von seinem Tun und Lassen die Gestaltung des Weltbildes aibhängt, er sei dabei aber auch demutsvoll durchdrungen, daß seine Kräfte un- zplänglich sind, daß ein Stärkerer als er, in des,en Hände die Allmacht ruht, ihm zu Hilfe eilen muß mit ferner Kraft und seinem Rat, damit das Angesicht der Erde neu werde.
Auch darin sei uns Christi soziales Wirken Richter, tum unseres politischen Handelns, daß die tiefste Kraft, die Menschen .zusammenbindet und zusammerchält, nicht die Gewalt ist, auch nicht das Gebot, sondern die Liebe. Trügen wir Christi Gesetz der Gottes- und Menschenliebe in unserer Brust und lebten wir es, dann würden die bitteren und harten sozialen Kämpfe einem freiwilligen Gewähren, das Ich dem Du und Ihr weichen. Was unsere Parlamente heute cm sogial- polittschen Gesetzen beschließen und was die staatliche Gewalt im Interesse des G-samtwohles gebietet, das ist nur ein schlechter Ersatz mangelnder Liebe. Hätten wir Liebe, wären sie nicht nötig. Nur weil die Völker und Völkergruppen meinten, für sie gelte das Gebot der Nächstenliebe nicht, konnte es zum Kriege komren. Jrtteimationale Schiodegsricht« und der Völkerbund
Meier".
Roman von G. v. Stokman».
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«So, mein Mann, geschämt hast du dich? So sehr hat diese Schlange dich gleich umgarnt, so sehr deinen Blick geblendet. Rach fünf Minuten schon hast du dich in sie verliebt, du, ein verständiger alter Mensch, und an. gesichts dieser Tatsache soll ich noch was auf die Emp. fefsiung des Professors geben, eines wohlkonservierten Dmggsellen, der sie, wie sie selbst sagt, zu später Abendstunde besucht und jahrelang nichts von ihr gehört hat'/ Nein, so dumm bin ich nicht; du bist ein Mann, Max ist ein Mann, Mäander ist ein Mann! Euch allen im. paniert sie und gefällt sie natürlich, Euch kann sie vor- reden, was sie will, ober verlange von ihr das Zeugnis einer älteren, erfahrenen Frau, und sie hat sicher keins aufzuweisen. — Sie ist eine ganz gefährliche Person, kokett und intrigant vom Scheitel bis $ur Zeh !"
„3m Gegenteil , sagte er, dadurch noch Del ins Feuer gießend, „Frau Meiers Wesen zeigt keine Spur von Berechnung. Sie ist ungewöhnlich offen, einfach und natürlich."
„Offen!" Mein Miete stieß es zornig hervor und riß an ihren Handschuhen, die für die kurzen, fleischigen Hönde viel zu eng waren. „Maske ist die unschuldvolle Miene, weiter gar nichts. Da sieht man wieder einmal di- sogenannte Ueberlegenheit des starken Geschlechts. Euer Verstand ist kurz wie eure Haare, und taugt eben nur für euren gelehrten Kram. Gegen Weiberlist seid ihr machtlos wie unmündige Kinder!"
Er lächelte mitleidig.
„Wir sehen eben keine Gefahren, wo keine sind mein Miete, während tm dir gleich einen ganzen Roman zurechtdenkst und harmlose Leute grundlos verdächtigst. 3n einigen Wochen oder Monaten wirst du selbst ein- sehen, daß du Frau Meier bitteres Unrecht tust Uebri« gens: es ist halb sechs, um fünf Uhr bist du eingeladen.'
„3a, ja," meinte fie „ich weiß es, und ich gehe auch : schon, aber meine Meinung behalte ich darum doch, und j die Zett wird mir recht geben. Nicht nur ihre Bergan- 1
erttstanidvn umb werden heute als notwendig empftm- den, well der Weltkrieg selbst den Siegerstaaten allzusehr ins eigene Fleisch geschnitten hat — also aus Eigennutz; sie haben jedoch erst dann ihr tiefstes und auch höchstes Fundament, wenn sie sich auf der Achtung von dem anderen Teile gründen, wenn f« letzten ErHes unnötig meriden, wvll die Liebe die groß« mtevncttionale Macht ist.
Das sind gewiß Fernsichten und unser irdisches Auge sicht dies Ziel nicht. An dam Hochfest göttlicher Liebe sollt« aber einmal die kleinliche, di« ängstliche und eigennützige Alltagspolitik schweigen unÜ die verant- worMchen Politiker aller Völker und mtt ihnen die gesamte Menschht.it täten gut daran, ihren Seelen wenigstens an diesem Ta Ze einmal den Höhenflug aus der Stickluft dieser Erde Al gönnen empor zu den ewigen Plänen des all weisen und allgüügen Gattes, an ihnen sollten sie ihre kleinen politischen Sorgen und Pläne messen und dann gestärkt und geläutert als neue Menschen wieder in das politische Getriebe herab- steigen . Dm Lichte der ewigen Liebe würden all unsere Interessen, unsere persönlichen und ständischen, so gering erscheinen; in ein Nichts müßten die wirklichen und einaetÄdeten BÄange der Docker versinken und alle wänden niiebersmkcn und der Liebe Gottes ein gemeinsames „Mea culpa" entgegenstammeln. Das Inncaverden gemeinsamer Schuld wird die Sehnsucht und den Willen vertiefen, daß jeder als dem anderen verpflichtet handelt. Dann erst ist Friedel
Da, wenn wir guten Willens wären! ..«
Christus und die Politik! Politik kst nicht die Kmist, Menschenmasfen zu beherrschen, sie einem Ziele entgegenzuführen, auch nicht ein System von Kunst- griffen, um seine Interesien und die seines Standes durchzusetzen; sie ist nicht ein Scmdergebiet mit eigener nur ihm mnewvhnMdsr Gesetzmäßigkeit. Mit unseren Fehlern und Schwächen, mtt unserem Wollen und Können gestalten wir unser Leben, in der Familie, im Beruf, im Dorfe, der ©ia5t, im Volke, im Völker- leben. Nicht mit dem Wahlzettel machen wir Politik, ein jeder von uns lobt die Politik. Heber unserem Leben muß als Richtschnur des Handelns Christi VorbD schieben. Sein Gebot verpflichtet uns in allem, überall und auch in der Politik.
An uns liegt es. Uff er eigenes Zusammenleben mit unseren Mitmenschen ist das öffentliche Leben. In unserer Hand liegt nur die Wahl zwischen Haß und Lichen, zwischen Krieg und Frieden.
Friede wird erst dann, wenn wir guten Willens sind.
Deutscher Reich.
* Revision im Harden-Prozetz. Gegen das Urteil im Harden-Prozeß, das die beiden Täler Grenz und Weichardt wegen Körperverletzung, Weichardt unter Anerkennung mildernder Umstände, zu Gefängnisstrafen verurteilt, ist Revision eingelegt worden. Ter Fall wird zunächst das Reichsgericht und, wenn dieses zur Aufhebung des Urteils gelangt, nochmals das Schwurgericht beschäftigen.
* Gute Anfrage und eine Auskunft. Auf eine deutschnationale Anfrage hat der preußische Unterrichtsminister Boelctz geantwortet, daß eine Schulfeier zu Ehren des fünfundsiebzigsten Geburtstags Hindenburgs nicht veranlaßt ist, zumal solche Schulfeiern auch für Moltke und Bismarck nicht angeardnei worden sind. _ * Aus dem Herrschbezirk der Sozialisten. In der Stadtratssitzung in Gera wurde mit 25 Stimmen der Kommunisten und Sozialisten gegen 24 Stimmen der Bürgerlichen beschlossen, das bronzene Denkmal Kaiser Wilhelms I. abzubrechen und die Bronzeteile zu verkaufen.
genheit ist dunkel, auch die Motive, die sie hergeführt haben, sind besonderer Art. 3ch werde sie ergründen und aufdecken. Lene teilt meinen Argwohn, und Beharrlichkeit führt zum Ziel. Adieu, Mann!"
„Adieu,- sagte er erleichtert, froh, die Unterhaltung beendet zu sehen. Dernnüftigen Vorstellungen war seine Frau doch nicht zugänglich, und mit Sorgen dachte er daran, daß jede Verteidigung der neuen Hausdame, jede Würdigung ihrer Leistungen die törichte Eifersucht seiner Frau nur noch steigern würde.
5. Kapttel.
Lisbeth Hansemann saß im Wohnzimmer am Klavier und spielte mit viel Behagen und wenig Verständnis ein Ehopinsches Bravourstück. An bestimmten Stellen machte sie Fehler, die sich stets wiederholten, und der Anschlag war — besonders bei den Fiorituren — durch- aus nicht rein. Da trat Frau Meier, die auf der Diele beschäftigt gewesen war, zu ihr und sagte freundlich: „Wie lange haben Sie denn Unterricht gehabt, liebe Lisbeth?"
Die junge Dame, die sich für eine vorzügliche Piani- tin hielt und nicht gestört sein wollte, zog die Stirne kraus.
„O, sieden Jahre ungefähr. 3n der Pension war sehr gute Gelegenheit dazu."
„Der beste Unterricht nüßt aber nichts, wenn man nicht genügend und in der rechten Weise übt. 3ch bin nun schon eine Woche hier und höre Sie heute zum erstenmal."
Lisbeth zuckt« die Achseln.
„3ch übe gar nicht mehr, ich spiele nur. — Papa hat eine wahr« Leidenschaft für Musik — Wenn er am Abend nicht beschäftigt ist, muß ich ihm immer etwas Vorspielen."
„Um so eifriger müssen Sie sein. Dies Stück ist auch viel zu schwer für Sie. Ein einfacheres würde Ihnen besser gelingen." j
Lisbeth war an diesem Morgen gerade wieder von ! Lene aufgestachelt worden, sich von der Frau Meier nichts gefallen zu lassen. „Du bist die Aelteste und ein erwachsenes Mädchen," hatte die Alte gesagt, „und die Hausdame, mag sie noch so fein und vornehm tun, ihr
Der neue deutsche Vorschlag.
Die Vorbereitungen eines deutschen Reparationsprogramms.
Fertigstellung erst nach Weihnachten.
Bei der Besprechung der Reichsregierung mitden Parteiführern wurden die Vertreter der Demokraten, des Zentrums und der Deutschen Volkspartei vom Reichsfinanzminister Dr. Hermes empfangen, die anderen Parlamentarier vom Reichsminister des Aeußern von Rosenberg. Di« Reichsminister machten Mitteilungen über ihre weiteren Pläne in der Repara- tionsfrage. Im Anschluß daran fand eine Kabinettssitzung statt, die sich aber nicht mit dem Reparationsproblem beschäftigte.
„Lokal-Anzeiger"' und „Vorwärts" wollen wissen, daß die deutschen Vorschläge erst nach den Weihnachtsfeiertagen fertig g e st e l l t werden können. Allerdings sei man laut dem „Lokal-Anzeiger" im Laufe des Freitags einen guten Schritt vorwärts gekommen, sodaß sich bereits ein bestimmter Plan erkennen lasse. Der „Vorwärts" will wissen, daß hauptsächlich Differenzen darüber beständen, welche Summe angeboten werden solle, und welche Garantien sonst zu leisten seien.
Eine unerfüvbare Forderung.
Französische Wünsche aus deutsche» Stickstoffdünger.
wtb Paris, 23. Dez. (Tel.). Eine französische Kommission hak in Berlin über die Lieferung von Slickslossdüngemilleln für die französische Landwirtschaft für das Jahr 1923 ver handelt. Der Berliner Ver-chlerstatter des „Echo de Paris" meldet, die stanzösische Delegation habe ihm vor der Abreise milgeleilk. die deutsche Regierung habe erklärt, es sei ihr u n m ö gl i ch, aus das Reparaliotis- konio auch nur geringe Meng:» Stickstofs-Vmigemittel zu liefern. Das Verlangen der französischen Delegation habe sich oufdenl 0. TeilderdeutschenEr. zeugung erstreckt. 1
KmMM SIMM M Mmlsrim.
. ntb Paris, 23. Dez. (Tel.). Die „Ere Rowfle“ schreibt: Die französische Regierung habe sich nunmehr für eine „ u..
vermittelnde Lösung
In der Reparalionsfrage entschieden. Hierbei sei nicht mehr von einem Moratorium, sondern von einer Folge von kurzfristige« Zahlungsstun- düngen die Rede. Bis zu jedem dieser Termine müsse Deutschland gewisse Verpflichtungen erfüllen. Jede Verfehlung werde automatisch
Sanktionen
nach sich ziehen. Die Härle dieser Strafbestimmungen werde progressiv gestaltet. Das Statt nennt diese Formet „räsonnabel".
Räsonabel ist kein deutsches Wort. Man kann es auch reicht übersetze». Dann wörtlich übersetzt und aus das Stammwort zurückgfführt, das rabfon, zu deutsch, die Vernunft ist, wäiür es nicht stimmen. Von Vernunft hat dieser Plan kurzer Stmtdungen keine Spur an sich. Er wurde einer langsamen HinrichttriP gleichkommen.
deines Vaters Brot. Also laß dich nicht unterkriegen, Kind; weder mit List noch mit Gewalt. Du bist schon auf dem besten Wege dazu."
3n der Tat fand Lisbeth im Grunde ihres Herzens Frau Meier sehr nett und das häusliche Leben mit ihr viel anregender und angenehmer, als je vorher. Man konnte von ihr viel lernen, auch in praktischen Dingen, und unter normalen Derhältniflen hätte Lisbeth wahr- scheinlich für Frau Meier geschwärmt, nun aber glaubte sie, ihrer Würde etwas zu vergeben, wenn fie die Be« mertung, die einen Tadel einschloß, ohne weiteres hinnahm, und so sagte sie keck: „Mein Spiel hat bisher immer gefallen, und wer selbst spielt, ist auch gar nichl in der Lage, es zu beurteilen."
„Sehr richtig," meinte Frau Meier, „man muß über den Dingen stehen, um sie im rechten Lichte zu sehen. Soll Ich 3hnen einmal zeigen, wie dies« Mazurka gespielt werden muß? 3ch bin zwar augenblicklich etwas aus der Hebung, aber ich denke, cs wird schon gehen."
Lisbeth war aufgesprungen und hatte sie ganz betroffen angesehen, nun wurde st« sanft beiseite geschoben, die Hausdame nahm aus dem Klanierstuhl Platz, und dann? — 3a, war es denn möglich? War dies noch dasselbe Stück? Sie starrte auf die Noten und wandte mechanisch die Matter um, aber dabei sah sie doch, wie di« schlanken, weißen Hände mit beispielloser Leich, tigfeit und Straft über die Tasten glitten und Tön« heroorlockten, die niemand in dem höchst mittelmäßigen Snftrument vermutet«.
Das meisterhaft« Spiel hatte auch die Zwillinge an« gelockt, die heute einen freien Tag hatten. Sie standen, atemlos lauschend, an der Tur, und als ihr Vater nach Haus« kam, konnten sie nicht genug davon erzählen, welche Ueberrafd/ung sie gehabt hätten, so daß der Dok« tor Frau Meier bat, auch ihm zuweilen einen musikali. schen Genuß zu bereiten.
Sie sagte ahn« Zögern zu und erbot sich, Lisbeth täglich eine Musikstunde zu geben, aber das junge Mädchen wollte davon nichts wissen. Sie schämte sich ihrer min» berroertigen Leistung, ihrer kindischen Heberhebung, und diese Scham verwandelte sich in Trotz und Eifersucht. Mit bitterem Lächeln erklärte sie, sobald Frau Meier im
Die Unart des persönlichen Kampfes.
Ein antisemitisches Radaublättchen, die „Schlesische Volksstimme", brachte verschiedenlich sensationell aufgemachte Nachrichten über eine Verlobung Dr. Wirths mit einer schwerreichen Jüdin. Die Nachricht wurde natürlich von einer gewissen Presse mit Behagen wießer- gegeben. Auf eine Anfrage hat Dr. Wirth die Nachricht als frei erfunden bezeichnet. Mit Humor hat er hinzugefügt: Er sei freilich noch Junggeselle und so könne es ihm schon passieren, daß er sich einmal verlobe. Falls er den Schritt tue, hoffe er damit auch den Beifall seiner politischen Freunde zu finden.
Türken und Russen als ßrennde.
Lei der U Überreichung des Beiaubtgutt gefchveiben; hielt der neuemannk türkische Gesandte in Moskau, Macht ar Dey, eine Ansprache, worin er darauf hin. wies, daß ungeachtet der Versuche ausländischer Mächte, «ine gegenseitige Annäherung zwischen dem russischen und türkischen Volke zu verhindern, beide Völker einander gefunden und verstehen geleimt hältM. So h be sich d i e russ i s ch°tirrki. fche Freundschaft entwickelt, die durch den Mos- toller Vertrag von 1921 ihre Weihe erhalten habe. Der Gesandte vevsicherte, er werde alles daran setzen, die enge Freundschaft zwischen den beiden Völkern weiter zu ft st: gen.
In feiner Antwort gedachte dar Präsident des All- rusfrschM ZentraloÄIzwgrnueschufles, Kalinin, der Lausanner Konferenz, die der beste Beweis für de Schwier ^tollen des der Türkei bevofft.henden Kampfes fri, bei dem nur die Sowjetrepubliken der Türkei zur Seite stünden.
Ausland.
* Lilanen de jure anerTannf. Wie das „B. T." er. föhn, hat die Botschaftevkonfsrenz den litcwrschen Staat de jure anerkannt.
* Volkszählung in Rußland. Die Srnvjetvsgievumg hat für den Februar 1923 gleichzeitig mit der Registrierung der steuerpflichtigen J.Mtutianem, eine allgemeine Volkszählung für das Gefcmtt>geüiet der Sowjetrepublik cmgeordnst.
Lohnkampf im Bergbau.
Aus Bochum wird gedrahtet, daß die Orts- gruppe Bergbau des Reichsverbandes der deutschen Industrie den vier Bergarbeiterverbänden auf ihren Antrag, Verhandlungen zur Neufestsetzung der Löhne einzuleiten, erwidert hat, die BergwerkSunternehmSr wünschten nicht vor dem 10. Januar 1923 zu verhandeln. Gegenüber einem scharfen Einspruch deS Vereins Deutscher Stahl- und Eisenindustrieller gegen eine Weitere Lohn - und Kohlen- preiSerhöhung beim Reichsarbeitsminister betonen die vier Bergarbeiterverbände auch dem ReichSwirtschaflsminifter gegenüber, daß sie infolge der fortschreilenden Teuerung aus Lohnverhandlungen noch vor Ablauf des Dezember nicht verzichien können.
Äus -em besetzten Gebiet.
= «Eine Spende für dar Rheinland Die Stadtver- orbnetenoeriammlunfl von Königsberg i. Pr. hat 100000 Mark als Spende füc das besetzte Rheinland bewilligt.
Gewerkschaftliches.
--- Stärkung der deutschen veam'enbunder. Du Gewerkschaft der technischen (£ t f e n b a t) n b e» amten, bie 20000 Eisenbahnbeamte aller Dienst rad« umsatzt, bat sich dem deutschen Beamtenbund angeschlossen.
Hcms« sei, rühre fie keine Taste mehr an, ihr Vater bekäme mm ja Besseres zu hören, unb sie wolle sich vor her Hausdame nicht blamieren.
Der Doktor war sehr unangenehm berührt durch diese Schroffheit unb sprach sich gegen Frau Meier be*. bauernd darüber aus, aber sie beruhigte ihn mtt wenigen* Worten. ;
„Die Lust, selbst zu spielen, wird bei Lisbeth bald wieder kommen," sagte sie, „und wenn sie mich täglich hört, lernt sie, auch ohne es zu wollen. Das Gehör bildet sich, unb bie eigenen Leistungen werben an ben meinen gemessen. — Wenn junge Leute trotzig und empfinblich finb, muß man ihnen Zeit lassen, sich auf sich selbst zu besinnen. Sie kommen bann ganz von selbst roiebet; ins Gleichgewicht."
So würbe beim fortan {eben Abend musiziert, und der Doktor machte sich immer häufiger für die Familie frei. Auch andere Zuhörer fanden sich zuweilen ein, unb ehrliche Begeisterung lohnte Frau Meiers herrliches Spiel. Es war, als mürbe sie sich erst nach unb nach ihrer ganzen Kraft bewußt, als öffne sich für ihr Emp. finben ein Ventil, aus bem alles hervorströme, bas sie sonst zurückbrängen mußte. Technische Schwierigkeiten gab es für sie kaum, unb sie beherrschte bas Snftrument so vollkommen, baß ihre Leistung wie ber natürliche, mühelose Ausdruck eines.großen Talentes erschien.
Der Doktor bankte ihr oft mtt leuchtenben Augen unb warmem Händedruck. Sein ganzes Wesen war gehoben und verklärt, wenn er lauschte, unb eines Abenbs, als er befonbers gut gelaunt war, sagte er lächelnd: „Sie finb «ine Künstlerin von (Bottes Gnabcn, Frau Meier, uni schleichen sich in bem bescheibenen Gewanbe einer Hausdame bei uns ein. Das ist ein großartiger Betrug und er muß bestraft werben."
Bei bem Worte „Betrug" würbe Frau Meier plötzlich ganz rot unb senkte ben Blick'ganz schuldbewußt. Es sah aus, als habe sie wirklich etwas begangen, als habe sie bie Vertrauensstellung, bie man ihr gegeben, in irgendeiner Weise mißbraucht, unb schäme sich besten, aber niemanb bemerkte ben Vorgang, und Frau Meier faßte ich auch sehr bald wieder.
(Sortierung folgt,’