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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladk Fulda.

49. Zahrg.,

Sreltog, 22. Dezember 1922

Nr. 294

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Antwort.

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schon." Gotte?

Allerdings," war die Seit wann denn?" Seit einigen Jahren War war denn Ihr Kaufmann."

flehen [offen, die demVorwärts" zufolge ater nach Weihnachten stattfinderi wird.

Mein Miete hielt sich auch nicht lange in der Vor­rede auf, sondern tat sehr bald die Frage:

Sie sind Witwe, Frau Meier?"

Zrau Meier".

Roman von T. v Stokmans.

einer abhängigen Stellung befand, und machte Anspruch auf volle Gleichberechtigung.

So stellte sie denn, nach der ersten Begrüßung, ein Verhör mit ihr an, bei dem sie sich in der Rolle eines Untersuchungsrichters gefiel und Frau Meier in die un­angenehme Lage versetzte, immer nur antworten zu müssen.

Dem Bürgermeister war dies unbeschreiblich peinlich, und wenn er bei den Damen blieb, so geschah es in dem ritterlichen Wunsche, die Taktlosigkeiten seiner Gattin abzuschwächen; aber er sah bald ein, daß Frau Meier seiner Hilfe gar nicht bedurfte. Sie war ihrer Gegnerin vollkommen gewachsen und verstand es meisterlich, mit Geschick und feiner Ironie die indiskrete Neugier der Frau Bürgermeisterin zurückzuweiscn. Der Ton, in dem diese zu ihr sprach, war an sich schon eine Beleidigunx und hätte manche andere um ihre Selbstbeherrschung ge> bracht; aber die Fremde ignorierte ihn gänzlich und lieft sich in ihrer ruhigen Sicherheit auch keinen Augenblick stören.

Ir.SMgM mBBkM DerBonWt.

3n seiner letzten Reichstagsrebe Ende voriaer Woche der Führer der Bayerischen Bolkspartei Dr. Georg Heim äußerst scharfe Worte gegen den Bund der Land, wirte gebraucht. Er sprach über GetreibsumtaZe und Zwangswirtschaft und meinte:

,,v\ct) fafie, es iuir» ici e Regieruna geben, die den Mut bat, hier alles dem freien Spiel der Kräfte au

Nicht Krämer? Womit handelte er denn?"

Mit allerlei Rohprodukten."

Auf eigene Rechnung?"

Ja."

Dann spekulierte er wohl auch?"

Es ließ sich das nicht immer vermeiden.

Und verlor dabei sein Geld?"

Das habe ich nicht gesagt, aber bei jedem Sai^-ann wechseln Gewinn und Verlust."

Nun, mir scheint, die Sache liegt auf der fianb un­erklärt Ihre Lage. Wo lebten Sie denn mit ihm?,

(Fortsetzung folgt.»

am nächsten Tage wiederholen werde.

4. Kapitel.

Nach dem Esten fragte Frau Meier den Doktor, ob Besuche machen solle oder nicht.

Gesellige Beziehungen im allgemeinen will ich vor-

durch meine ärztliche Tätigkeit so in Anspruch genom­men, daß ich nicht in der Lage bin, Familienbeziehungen zu pflegen, aber meine Frau hielt sehr darauf, und na­türlich müsten sie auch von Ihnen und den Kindern ge­bührend berücksichtigt werden. Wie gesagt: Meine älteste Schwester kann ihnen darin die besten Direktiven geben. Sie bildet gewissermaßen den Mittelpunkt für die Familie und kennt die Verhältnisse entschieden am besten."

Damit war die Sache erledigt, und Frau Meier ging am Nachmittag zu Bürgermeisters. Wieder war sie sehr einfach gekleidet, aber sie hatte diesmal den dichten Scheier fortgelasten, unter dem breitrandigen flut leuch, tete ihr feines, blasses Gesicht in bestrickender Anmut.

Als Frau Meier sich bei Mathesius melden ließ, emp­fing sie der Bürgermeister und bat sie, einen Augenblick zu verweilen. Seine Frau sollte einer Einladung folgen und war noch bei der Toilette. Sie würde bald er­scheinen.

So saßen die beiden sich zuerst allein gegenüber In dem sogenanntenbesten" Zimmer, auf dessen moderne, aber geschmacklose Ausstattung mein Miete sehr stolz war, und während sie die ersten üblichen Redensarten wechsel, ten, betrachteten sie sich heimlich mit prüfenden Blicken. Das Resultat war durchaus befriedigend. Sie fühlten sofort eine lebhafte Sympathie füreinander, und die Un­terhaltung nahm bald einen ungezwungenen Charak­ter an.

Da rauschte wie eine Theaterprinzesiin mein Miete herein, ganz unechte Hoheit und falsche Herablassung. Sie wollte Frau Meier gleich von Anfang an imponieren, und ärgerte sich über ihres Gatten verbindliches Wesen. So angeregt und heiter sah er niemals aus, wenn er sich mit ihr allein unterhielt, und als sie mit scharfem Blick die vornehme und reizvolle Erscheinung der Besucherin musterte, schoß zwiefache Eifersucht wie eine Stichflamme in ihrem Herzen empor.

Lene hatte nicht zu viel gesagt. Diese Frau war wirklich gefährlich hübsch, und wie sicher sie auftrat, wie tadellos sie sich benahm. Diese mußte gleich beizeiten ccböria aeduckt werden, sonst vergaß sie, daß sie sich in

i 1 erlassen. Wir wollen aber auch einmal die konden- ziöse Lüge im Kampfe der Parteien ouS der Welt schaffen. Da wird in unerhörter Weise pesündtztt, und gerade von der äußersten Rechten. Ter Bund der Landwirte t.etbt bei uns in Bayern ein agitatorisch.S Spiel, das so unerhört ist, wie man es sich gemeiner und unerhörter ni»t vorstellen kann."

Der MmS der Lcmdwirte hit dm Zorn Dr. Heims heroufbeschworen, weit er über seine Abweser.hrt bei der GetreibeuMlage-Abftimmung im Reichstag am 1. Soli lügnerische Nachrichten in die Weil gesetzt hcrth,. Dr. Heim fuhr fort:Meine Herren (nach rechts), wenn Sie so weiter machen, so vergiften Sie in gtei- cher Weise den Bauernbund, wie ordere Stände schon vergiftet find. Ich möchte Ihnen sagen: Weisen Sie dtrse unerhörte gxnoine Agitation zurück, fo.rst werden wir Ihnen ze gen, daß wir auch mit DhnM die Schwer, ter kreuzen können."

Man kann sich denken, daß der Neichstandbund über diese Kennzeichnung feiner Tätigkeit durch einen von ihm bisher sehr geschätzten Dauernführer sehr mr- oÖ3 gMvrden ist. Die Leutsck)e Tagrszeitu. g ist sehr verwundert und bedauert, daß Dr. Heim sich durch per. förtliche Verärgerung hat ba$u hinreißen lassen, die em- heitiiche Vertretung der landwirtschaftlichen Interessen zu stören. Ja, Dr. Heim kann sehr deutlich worden!

Em Protest.

Nach einem Drahibericht deSVorwärts" aus München hat der Münchener Stadtrat auf Antrag der Sozialdemokraten einstimmig Protest gegen die beabsichligte Erhöhung des Umlagepteises für Betreibe erhoben. Der bayrische Städteiag wird aufgefordert, bei der Reichsregierung und beim Reichstag Einspruch zu erheben, da die geplante Preiserhöhung die Finanzen der G meinben, bte soziale Fürsorge und die Lebens­haltung der gesamten Bevölkerung gefährde.

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Frau Meier schien von alledem nichts zu bemerken. Sie füllte die Kirjchsuppe, in der appetitliche Klößchen schwammen, auf, gab auch Liselotte ihr Teil und stellte den Teller auf ihren Platz. Es war des Kindes Lieb­lingssuppe und sie liebäugelte auch damit, aber sie konnte sich nicht entschlteßen, ihrer Feindin den Willen zu tun, und sie blieb hartnäckig stehen.

Ws die Suppenteller entfernt wurden, durfte auch Liselottes Teller nicht stehen bleiben.

Die Kleine war ganz starr. Sie drückte die Stirn gegen die Swhllehne, leckte mit der Zunge daran herum und blickte zu Boden. Die andern aßen nun gebratenes Fleisch mit Kartoffeln und Gemüse. Frau Meier füllte ihr eine kleine Portion auf den Teller, zerschnitt das Fleisch und sagte freundlich:Willst du nicht essen, Liselotte?"

Die Kleine schüttelte so energisch den Kopf, daß die blonden Locken flogen.

Frau Meier wartete einen Augenblick und tagte bann.Gut, so will ich es essen, damit es nicht um- kommt," und verspeiste alles mit großer Seelenruhe.

Zum Schluß gab es Apfelsinen in Fülle. Der Doktor hielt Obst zum Gedeihen der Kinder für durchaus not- wendig, und sie konnten bei Tisch so viel essen, wie sie wollten.

Frau Meier schälte und zerteilte eine Orange, ent­fernte die Kerne sorgfältig, streute Zucker über die Frucht und legte einen kleinen Kuchen daneben. Ter Teller kam wieder auf den Platz der eigensinnigen Kleinen.

Da" will ich haben!" sagte sie laut rind trotzig

Das sollst du auch haben," war die Erwiderung. .Du brauchst dich nur aus den Stuhl zu setzen und den Löstet in die Heid zu nehmen."

Liselotte zuckte sofort zurück.

.Wie schade," sagte Frau Meier,da haben wir nun all die Kerne hinausgeworfen, und nun wissen sie nicht, wo sie bleiben iollen, die armen Dinger. Wir müfien i

Bezugspreis: Monatti» 200 M. Zustellgebühr extra- r. Abgebolt in der Geschäftsstille 200 ZHL s

Anzeigen: Kleinzelle nach Towne« 18 Ml., ausw. 25 Mk. 'Itetiamexei-ie (Ierthre<te> nach Colone maß 75 'ar .

Deutsche; Reich.

* ReickSminister a. T>. Köster Gesandter in Riga. Nach den Blättern ioll Reichsminister a. D. Kösier als deutscher Gesandter in Riga in Aussicht ge­nommen sein. Dr. Köster hat dem Kabinett Wirth ali Reichsminisier des Innern angehört und ist im Kabinen Müller biS zu dessen Rücktritt Reichsminister gewesen.

* Erhöhung der ErwerbSkofcnunterstühung Laut Vorwärts" hat das Reichsarbeiisministerium vor- geschlagen, die bestehenden Sätze der Eiwerbslosen» untersiützung um ungefähr 100 Mark pro Tag zu erhöhen.

* Personalverminderungen bei der Reichspost? Der ,Lokalo.nz/berichtet, daß im Reichepostministerium eine Bespr-chung mit den Personalreferenten sämt­licher Oberpostdirektionen statigefunden hat, in der die Richtlinien für einen einheitlichen Abbau deS Personals in allen Bezirken von dec Reichs- postveiwallung ausgegeben worden sind.

Ausland.

* Hugo Sfintv# ist in Budapest erngetrofstn. Er besichtigte die Lipakichen metallurgischen Werke, sährt die er Ta?e nach Belgrad und wieder nach Budapest zuiück und wird auf der Rückreise längere Zeil in Budapest verbringen, um die Verhandlungen mit der ungarischen Schwerindustrie zum Abschluß zu bringen.

* Ter nette Staatspräsident von Polen. Die polnische Nationalveriammlung trat zu einer Sitzung zusammen, um den Nachfotaer für den verstorbenen Staatsp'äsidenien Narutowtez zu wählen. Gewählt wurde der Kesamtkanditat bei beutnigten Linkspar­teien bet Abaeorbneie StaniS-ans Wojciechowski (Wuos-Partei) mit 298 gegen 227 Stimmen, die auf den Kandidaten der Rechten, den Professor Kasimir Mmowski, den Präsidenten der Akademie der Wissen- schoflen in Krakau, entfielen.

Ein Unlersllchlrngr-gllrfchlrtz für die Reparationsfrage.

Vorbereitungen für Paris.

tb Paris, 21. Dcj. (Tel.) Der Londoner Ve- drfrterftatter desPetit parisi:n" roilt erfahren haben, daß man im englischen Schatzamt immer noch nöl den Vorarbeiten für die Konferenz am 2. Januar beschäftigt ist, an denen Dradbury und an­dere Sachverständige leilnehmen werden. Jn Lon­don erwarte man übrigens auch, daß bei Beginn der Konferenz in Paris

ein neuer Vorschlag der deutschen Regierung

unlerbreftet werde, der als Grundlage für die Verhand­lungen dienen könne. Jn gut unlerrichlelen Kreisen glaubt man nicht, daß

die französische Regierung

ihre Pläne vor der Konferenz veröffentlichen werde. Der gut unterrichtete Berichterstatter derIhnes* schreibt, es würde der amerikanischen Regierung nicht unwillkommen sein, wenn Frankreich vorschlagen werde (oder zu verstehen gäbe, daß Amerika mit Aussicht auf Erfolg Vorschläge), daß

eine internationale Körperschaft

gewählt würde, die die Summen untersuche und ftft- sttze, die Deutschland zahlen könne und müsse. An den Beratungen dieser Körperschaft würde vorausflchttkch Amerika leilnehmen. Rach der Ansicht desTimes* Berichterstatters würde die Regierung Harding die Be­dingung stellen, daß diese Unterfudjung sich streng aus die

Stage der Reparations-Summe

beschränke. Die Teiinehmerschast der amerikanischen Sachverständigen dürfe keinesfalls dahin ausgelegt werden, daß sich die Vereinigten Staaten zu irgend einer politischen oder finanziellen Aktion verpflichten.

Jm RelchsKabinett

hat am Mittwoch nachmittag die erste Besprechung des Reichskanzlers mit den Vertretern des Reichst erbondes der deutschen Industrie über das Repaca.'wnspcobKim stattgefurtben. Die nächste Aussprache der Rcichsrrgie- rung mit den Parteiführern ist auf kommender' Frei­tag festgesetzt worden. Auch an den Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbimd, den christlichen domschen Eewerkschaftsbund, den Gewerkschaftsring, den Allge­meinen freien Angestetltenburid, den deutschen Beamien- dund und den Allgemeinen deutschen B amtenbund h.'t der Reichskanzler Einladungen zu einer Aussprache er-

läufig nicht anknüpfen," sagte sie,aber, nie ich höre, besitzen Sie viele Verwandte im Orte, und die Damen, die Ihnen nahestehen, erwarten vielleicht, baß ich mich ihnen oorstelle."

Ja," sagte er,Sie haben recht, meine Schwester Mathesius rechnet jedenfalls auf Ihr Kommen, und mit ihr können &» alles weitere beiorechen. Ich selbst werbe

I« EkMniNMWkl on Hie MMk.

Die Gelreideumlaze.

Die Reichsregierung hat gemäß § 50 des Gewerbe- Umlagengesetzes beschloßen, den Preis des drit­ten Sechstels der ®etrei:eumtoge auf 165 000 M für Roggen mit entsprechenden Abstufungen für die anderen Grtreibcarten sestzusetzen. Gleichzeitig ist be- schiossen worden, eine Vortage oiuzubringen, wonach der Termin für die (Einbringung des UmLagegelreides vom 15. April auf den 15. März zurückrerlegt wird. Die vollkommen veränderten Geidvechältnisse, die feit dem. Erlaß des Gesetzes über den Verkehr mit Brot­getreide sich vollzogen haben, machen eine wesenlliche Erhöhung des Umlage «tveidepreises notweribig. Die Erhöhung entspricht nicht nur der BÄArtt, sondern auch ter Not Wendigkeit, um die Fortführung der landwirtschaftlichen Erzeugung, namentlich der um­fangreichen Frühjahrsbestellung, zu ermöclichen.

Die neuen Preise machen s ibstverftändtich eine E r« Höhung des Abgabenpreises der Reichs- g e t r e i d cft e l l e erforderlich, jedoch wird sich der neue Gllredepre.s nur insoweit im BrogetreDe aus- wirken, ais durch ihn eine Erhöhung auf etwa Einzwei- drittcl des bisherigen durchschnittlichen Brolprnses be­dingt wird. Die Regelung des Brotpreifes, die infolge der Regelung des Abgabepreises der Reichsgetreide- telle eintreten wird und von den Kommunal verbänden eftzufetzen ist, tritt am 16. Januar 1923 in Er- cheinung.

Zu der Preiserhöhung für die Getreideumlage teilt das Ministerium für Ernährung und Landwrrfchast Wit: Die Regierung erwartet, daß der Landwirt aus dieser sehr erheblichen Steigerung gegenüber den bis­herigen Preisfestsetzungen erkennt, daß die Regie­rung entschlossen ist, ihm di« wirtschaft­liche Grundlage zu e'ner vollen Anspannung fei­ner Kräfte auch für die kommende Ernt« zu gewäh­ren. Die Regierung geht von der Erwartung aus, daß die Verbraucher, deren eiger.ftus Interesse dir Ablieferung des Umlagegetreides und die Vorbe­reitung zur nächstjährigen Emte ist, der Notwen­digkeit der Preisfestsetzung Verständnis ent­gegenbringen werden, die die Landwirtschaft allge­mein in die Lage versetzt, ihre volkswirtschaftlichen Aufgaben zu erfüllen. Die Regierung hat auch Schritte unternommen, um den Druck der für Mitte Januar zu erwartenden Brotpreiserhöhung unter Berücksichtigung der gesamten obwaltenden Geld­verhältnisse tunlichst zu erleichtern. Der neue Abgabepreis der Reichsgetreidestelle kann aber noch nicht angegeben werden, da dabei mancherlei noch unbekannte Umstände mitsprechen. Es ist selbst­verständlich, daß die Gestaltung der Bezüge im Wirtschaftsleben im Rahmen der allgemeinen Be­dingungen den durch die Brotpreiserhöhvng ge- schaffen en Verhältnissen Rechnung trägt, worüber seitens der Reichsregieruung in geeigneter Form mit Vertretern des Wirtschaftslebens bereits Füh­lung genommen ist. Weiter sollen neben den Maß­nahmen für Beamte und sonstige öffentliche Be­dienstete auch Vorkehrungen getroffen werden, um den Sozialrentnern und anderen aus sozia­len Gründen zu Betreuenden im Rahmen des dann bestehenden Geldwertes die Wirkungen der Ge- treidrpreiserhöhung zu erleichtern, die im wohlver­standenen Göfamtinterefse unseres Dolles n i ch t z u umgehen war.

Lin Nachspiel zu Passau und Ingolstadt?

wtb Paris, 21. Dez. (Tel.) Rach einer tzavas- meföung überreichte die Botschafterkonferenz dem deutschen Botschafter Dr. Maler ais Antwort auf die letzten deutschen Mitteilungen über die Vorfälle in Passau und Jngolffabf einen Brief, in dem die Konferenz festsiellt, daß die deutschen Ausführungen übet die Vorkommnisse den Berichten der inter­alliierten Sonkrollkommisfion widersprechen.

gut MnUuooto MknWWilen-Mlrl

Tie demfch-völkiscte Freiheitspartei.

Am Sonntag t|"l, rote schon kurz gemeldet wurde, im Reichstag in einer Versammlung beutich-völkischer Verbände die deutsch völkische Fretheitspartei pegi ündet worden. Die Partei steht unter der Leitung der ReichstagSabaeordneten v. Graefe und Wulle, Bewetreten sind ihr außer dem Obersten Xylander an bekannten politischen Persönlichkeiten u. a. Graf R venilow, Theodor Fritsch, Tr. Arthur Dinier, Slaotverordneier Wiegersbaus, Tr. Buttmann» München, Nieber-Brcslau und Tr. Bolck-Lüneburg. Tie G-ündung wird in deut chnattonalen Blattern, auch in der Teutschen Zeitung, sehr bedauert, weil man darin eine Ab plittetung von der deutsch- völkischen Einheitsfront glaubt erkennen zu müssen. Man hat auf dem Görlitzer Darlettag bekanntlich versucht, den bereits nach der Ratnenau-Ermordung entstandenen Riß zu ubextleiiiern, aber der Ausschluß verschiedene» Abgeordneter aus den pailamentätlichen Fraktionen hatte bereits bte Bilbung einer völkischen Arbeitsgemeinschaft zur Folge und damit war der Anfang der radikalen Trennung geschaffen.

Hinzu kommt, daß heute die beuiich-vollischen Kreise gute Gründe haben, anzunehmen, daß bte Teutschnattonalen Gelüste haben, rn bie parlarnen- tarische Regierung kinzutreten, um bamit ihre letzte politische Bergangenhett zu verleugnen. Die Deutschvölkischen aber wollen von Parlamentarismus grunb ätzlich nichts wissen. Auch Hat ihr Pro­gramm einen Ire entlieh tieferen sozialpolitischen Ein­schlag, als bas ber Demschnattoitalen. Wenn Brüber sich trennen, geraten sie gewöhnlich in einen leiden­schaftlichen Haß gegeneinander. Tas befülchten auch bereits die beuischnattonaien Blätter.

Wir wollen mit Aufmerkiamkeit abwarten, wie' sich die deuisch-völkijche Fieiheiispartei enlwtckeln wird und den parteipolitischen Ausetnanderietzungen unter den entzweiten Brüdern, die bestimmt tommen werden, mit Gelassenheit zuschauen.

Beamt ndienfteiickommen in pr utzen.

Der ständige Ausschuß des preußischen Landtages Sin der Sitzung vom 19. Dezember einstimmig seine timmung zu einer Verordnung d:s Staatsmim- ftermms, wonach wie im Reiche auch m Preußen der Aurgieichszufchlag für die erste Hälft« des Monats Dezottber auf 174 v. H. für die 2. Halste des Monats Dezember und bie nachfolgende Zeit auf 232 v. H. fest­gesetzt werden soll«. Bon rerschiedrnen Fraktionen im Namen des Zentrums sprachen die Abgg. Blank und Gottwald wurde Klage geführt, daß bie erhöhte Auszahlung für bie Pensionäre unb Hinterbliebenen trotz früherer Teschiüsie des ständigen Ausschusses immer noch sehr verspätet ausgezahlt wur­den. Das Finanztninrster.um versprach Vereinfachung des Derfichr:ins und teilte mit, daß die Regierungs­präsidenten bereits angewiesen seien, sür die neuen Bezüge wenigstens Vorschüsse zu leisten. Schwieriger seien bie Fälle, wo andere Behörden, wie Proomziab und Grmrindebshörbsn, mitbeteiligt seien.

Abg. Goltwoiid beklagt, daß die Auszahlung dsr Lehrergshälter doch noch sehr zu wünschen übrig safte; Abg. Mrmk betörte dasfetbe in bezug ans bte Pfarrer» gehüller, auch hier müssen sofort Vorschüsse gezahlt wer­den. Ferner wurde von Zentrum die Ausdeh­nung der Frauenzulage auf Witwen in beson­ders schwierigen Lagen verlangt. Das Finanzmini­sterium a.twortete, daß biesb.zügtiche Verhandtungen mit dem Reiche leider noch zu keinem Resultate geführt hätten. Ferner wurde mi'geteilt, baß die Bezieher des Gnadenquartals vom 1. Mai d. "5. ab ebenfalls an den erhöhten Ausgteichszahiungcn teilnehmen. Auch war der Ausschuß der Ansicht, daß die Beamten im Dor- bereitcmgsÄenste baldigst a.i der Aufbesserung beteiligt sein sollten.

Der gesamte Iahresbedarf für die preuß fchen Be­amten (ohne die Lehrers stellt sich noch den angenotn» menen Beschlüssen auf 221,97 Milliarden.

ihnen schnell ein anderes Haus bauen, mit einer kleinen Türe, durch welche immer eins nach dem andern hinein, marschieren kann. Wie soll das Haus sein, weiß ober gelb?"

Gelb! schrie Liselotte aufgeregt, die in diesem Augen­blick ihren Groll vergaß.

Ihre Feindin zerschnitt nun die Apfelsinenschalen kunstgerecht, nahm ein paar Zahnstocher zu Hilfe, und machte ein Häuschen daraus mit Fenstern unb Türen. Es wurde so allerliebst, daß Liselotte sich zwischen die Stühle drängte, um so bester sehen zu können, und schließ, lieft, ganz hingenommen von dem interestanten Vorgang, auf den Stuhl hinausstieg und sich on dem Ordnen der Kerne, die Frau Meier kleine roetße Schäfchen nannte, eifrig beteiligte. Dabei war ihr die zurechtgemachte Apfelsine mit dem Kuchen so nahe und duftete ihr so lieblich 'in die Nase, daß sie nicht widerstehen konnte und ein bißchen davon. Dabei warf sie einen scheiten, prüfenden Blick auf die Hausdame, aber die war so sehr mit ihrem Apfelsinenhaus beschäftigt, daß sie auf Lise­lotte gar nicht mehr acht zu geben schien, und so saß diese schließlich ganz gemütttch neben ihr und verzehrte alles /mit größtem Appetit. Daß sie vorher so wenig gegessen hatte, schadete nichts, das ließ sich lttcht nach­holen. Die Hauptsache war, Frau Meter hatte über den kleinen Eigensinn gesiegt, und Liselottes Entzücken über die improvisierte Spielerei war so groß, daß sie schließ­lich in hellen Jubel ausbrach und eifrig fragte, ob sie

tietantroortlto für den ceoauionellen Teil: Dr. I. Kramer. ~ für die Anzeigen: I. ParzeNer-Fulda. - Rotationsdruck u. Verlaa der Fuldaer Acttendruckerei in Fuwa ^emtnredier Nr. 9 Pofttckeck-Kan'o 4051 Frankfurt a M.