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uldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Lkadl Fulda.

Nr. 289.

betantwortiia »tu bei .roauioneUen leit: Dr I. Kramer. - 5üi dü Anzerpen' I. V a r x e»• e r • fruiba “ Botaripnebrud u. ’Perlao der ^ulbaer ?!cfienhrutferet in ftuliia

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Samstcr?, ‘6. Dezember 1922.

Bezugspreis: 'Dionatlid’ 200 Mi. Zustellgebühr extra. " Adaebo!» tn der Kelchästssblle 200 Mi. '•

Anzeigen: Äle eile nachl!o»onk> 18 Mk.. arrsw. 25 M. “»»•innif n > (TerhrfHe) tiatb (Snlone mak, 75 1l;arr.

49. Zahrg.

Bonar £a

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und poincare reden.

Sie wollen aber nichts Abschließendes sagen.

Anerkenntnis des deutschen Unvermögens.

Nach dem Abbruch der Londoner und angesichts der bevorstehenden Pariser Konferenz haben die Ententestaatsmänner jetzt die Aufgabe, ihren Par­lamenten gegenüber Rechenschaft abzulegen. Der englische Staatsmann Bonar Law hat sich dieser Aufgabe bereits erledigt, Poincare wird es am Freitag tun. Ueber die Rede des englischen Pre­mierministers berichtet uns ein Privattelegramm:

wtb London, 15. Dez. (Tel.) Die wichtige De­

Rückzug blasen, so darf es keineswegs so au-yelert w.rdcn, als ob Herr Po-incare damit auf seine Ab- sittten gegen da- Rheinland und das Ruhrgebiet ver­zichtet habe. Nichts weniger als das. Dis Taktik in Paris wird vielleicht geändert, das strategische Ziel der Beraubung DeutschiaiLs bleibt das gleiche.

batte über die Reparationen wurde im Unterhaus von Simon eröffnet, der 3 von Asquith, Ramfay Macdoaald und Lloyd George gebilligte Fragen an dic Regierung gerichtet hakte, die Donar Law vor­her voraelea! worden waren. Donar Law ant­wortete sofort. Er betonte, daß, während man in London glaube, daß

die furchtbare Inflation und Markenkwertung in Deutschland vorsätzlich hcrbeigeführt worden sei, er selbst diese Ansicht nicht teile. Der britische Standpunkt sei der, das; England nicht in frühere Fehler falle oder feindlich gegen Deutschland denke, sondern das Problem ein­fach auf folgende Weise bekrachle: Welches ist

die beste Methode, um einen Betrag aus Deutschland her- auszuöckommen, den es bezahlen soll. Es bestünden Meinungsverschiedenheiten über die Höhe der Reparationssumme. England werde nicht gleichgültig bei einer französischen Sonder- akkion zusehen können, die wahrscheinlich bewirken wurde, daß keine Reperakionszahst'ngen geleistet, sondern, da sie Zahlungen Deutschlands schon schwie­rig oder vielleicht ganz unmöglich machen werde. Donar Law fuhr fort: Alle Informationen be­sagen, daß Deutschland einem völligen

Zusammenbruch sehr nahe

wenn j man- eine Reise tut...

Elememeau wird saust.

„Petit Parisien" bericht^, daß (Hementeau sich vor je ner Rückreise aus Amerika gegen die Ruhr­besetzung au:-gesproch:n hat. Clorenc.au erk.ärte, die b.ste Sicherung sirr Frankreich wäre die Ausrecht- erhallung des Bündnisses mit England und ein Bün> nis mit Amerika. Frankreich dürfe in befer Stunde keine politischen Fehler mehr be­gehen, wenn es seine bisherigen Freu.Le nicht rer- lieren wolle.

Herr Clemenceau scheint aus seiner wenig ruhm­reichen Amerrkafahrt doch einige Lehren gezogen zu haben.

Kleine Änsrage.

Wenn das alte Kabinett Dr. W i r th auf die Sühne­note der Bolschoster'o.üere.r; en: Antwort geg:ben hätte, wie sie die Regieru ng Dr. Cuno tatsächlich ge­geben hat, so hätte es im D.äitcrmaL der Rechtsoppo- sition ein Rauschen von elementarer Wucht gegeben und die dm.schvöikisch: Jugend wäre in einen neuen Wirbel der Aufregung hineingchetzl worden.

Wie kommt es, daß Dr. Cuno den Beschien der Bo scha ter-Konferenz und des Herrn Präfiterttsn Poincare. die im höchsten Grade die nationale Würde des deüs.ten Volkes berühren, Nachkommen kann, ohne daß das deutsche Volk einen solchen Prorest über sich ergehen lassen muß, wie non ihn bei den Ant­worten Dr. Wirths mir automatischer Selbstverständ­lichkeit gewohnt war? Wir fragen die natiomrlist'lchen Wächter der deutschen Burg, woran liegt das???

ist. 3d, bedauere, das sagen zu müssen, aber ich glaube, es ist wahr. Das Tragische dabei ist, daß es zweifellos keine Besserung für Deutschland geben kann, ehe es

die Mark stabilisiert

hak. Doch nach den Erfahrungen der ganzen Welk wird gerade die Sfabilifiernng der Mark den

Zusammenbruch in dec Industrie herbei führen, den wir selbst erlebt haben. Er könne nichts Abschließendes über das Ruhrgebiet ober irgend einen andern Gegenstand sagen, der bei der Pariser Konferenz behandelt werden könnke, weil das Unterhaus erkennen würde, daß auch Poincare in feiner Kammerrede am Freitag keine bestimmte Aeußerung über feine Meinung Hinsicht­lich der Genugtuung abgeben werde.

Angesichts dieser Stimmung, die sich im englischen Parlament den Ruhrbesetzungspiänen Poincare- so durchaus ungünstig erweist, hm man in Deu.schlanü anscheinend schon wieder zu viel Hoffnungen gefaßt. In Frankreich zeigt sich freilich eine gewisse Skepsis gegen Poincares Taktik, die in London ohne Erfolg geblieben ist. Aber die Kritik kommt von denen, die befürchten, Poincare habe schon jetzt und zu frühzeitig die Pläne auf das Ruhrgebiet aufgsgebm. Wenn Herr Poincare selbst und die ihm nahestehenden Kreise in der Frage der Ruhrbejetzung mit Rücksicht auf Eng­land und Amerika seit Beginn dieser Woche zum

Msier".

Roman von G. v Stokmans.

s; -----------

»Wie man’s nehmen will, Johannes. Wenn sie tau» send Mark verlangte, wie das in solchen Fällen zuweilen vorkommen soll, wäre es freilich schlimm für Max, aber ein kleines Taschengeld könnte er seiner Hausdame immer­hin geben. Dadurch würde ihre abhängige Stellung viel mehr betont, und man könnte mehr von ihr verlangen.' aber sie besitzt gewiß eine gehörige Dosis Bcitelstolz und will uns mit ihrem Bericht von vornherein imponieren."

Er schüttelte unwillig den Kopf.

„Mir scheint, mein Miete, du bist jetzt schon ungerecht gegen d-e arme Frau. Weil Mex sie kurzweg ohne dein Wissen engagierte, hast du ein starkes Vorurteil geren fte und traust ihr von vornherein nichts Gutes za. Hättest du selbst sie ausgesucht, würde sie eher Gnade finden vor deinen Augen."

Sie zuckte die Achseln.

„Vielleicht, vielleicht auch nicht Jedenfalls halte ich mich vorher genau über sie orientiert. Nun kann Max sehen, wie er mit seiner Frau Meier zurcchlkcmmt, und wenn er üble Erfahrungen macht — ich wasche meine Hände in Unschuld."

Zehn Tage später erhielt Doktor Hansemann ein Tele­gramm, worin Frau Meier ihre Ankun't für den nächsten Tag m Aussicht stellte. Es war in Berlin ausgcgeben, und bestärkte wem Miete in der Annahme, daß die neue Hausdame aus dem modernen Babel komme und dort vorwiegend gelebt habe.

Sie selbst war nie dort gewesen und hatte darum von den Geheiminssen und Gefahren der Großst di gatn übertriebene Vorstellungen, r- Ihre P .a itqfie jp ,»g Ire ihr überhaupt leicht allerlei S hre ttichk.iten vor, m.ldje sie ängstigten, und während sie in prakt sch n Dingen absolut fuichta s war, und ihren eigenen Siandpun t un5 ■ Vorteil mit rücksichtsloser Energie verteil igte, föhnte ein »kspensti cher Schatten sie in die Flucht jagen und eine abergläubische Vorstellung ihr den Herzschlag hemmen

— Jeden Abend, wenn sie zu Bett ging, leuchtete sie Miter das Bett und hinter die Schränke, und wenn ihr Mann verreist war, verbarrikadierte sie ihr Schlafzimmer wie eine Festung. Auch las sie mit Vorliebe Kriminal­romane, die sie mit angenehmem Grulesn erfüllten, und witterte überall Unheil und Verbrechen.

So sah sie auch der unbekannten Hausdame ihres Bruders mit lebhaftem Mißtrauen entgegen und fühlte sich vor vornherein verpflichtet, sie offen und heimlich zu überwachen. Das einzige, was sie mit ihrem Kommen versöhnte, war die Aussicht, Merlei Jnteresiantes be­obachten und kombinieren zu können und dadurch ihr rmgesttlltes Eensationsbedürfnis für einige Zett zu be­friedigen. Ja, in ihrem innersten Herzen wünschte sie beinahe, daß Frau Meter eine gefährlich- und intrigante Person sein und den Frieden der Fam lie in irgend einer Weise bedrohen möge. Dann bekam sie, bte Frau Bür- germe.sterin, etwas zu tun, ihr Bruder würde für hm unbegreifliches, selbständiges, übereiltes Handeln bestraft, und -ihr Scharfblick, auf den sie stolz war, hatte wieder einmal Gelegenheit, Triumphe zu feiern.

Inzwischen befand man sich auch im Doktorhause in nicht geringer Aufregung. Die alte Lene besonders schaute gar grimmig darein. Sie war ein Mittelding zwi ch n einem Dienstboten und einer Dertrauev.sperson, h.t e sämtliche Kinder aufgezogen und herrschte seit dem Tode der Hausfrau mit unbeschränkter Machtvollkommenheit. Der Doktor, der Szenen haßte und jedem häus ichen Kon. flikt grundsätzlich aus dem Wege ging, hatte ihr schließlich mehr überlassen, als anfangs geplant war, und die Kin­der hingen an ihr, weil sie ihnen in allem den Wi'en tat Daraus war ollmä' lich ein Zustand erwach en, der unmöglich andauern Surfte, und so hatte der Doktor sich endlich entschlossen, Wandel zu schaffen und eine Haus­dame zu engagieren.

Lene war c=-n diesem Entschluß rechtz-ttig unterrichtet witd:n. aber sie gleißte einfach gar nicht daran. Erst als d.e dr. hende Gefahr Namen und Gestalt gewann und sie angewiesen wurde, alles für Frau Meers Ankunft vorzuberei en, begriff sie die Tragweite der geplanten "'-isrung und fe*>te sich energisch dagegen zur Wehr. —

Aus Sem besetzten Ge ift.

= Smaeiv wieder an der Arbeit. Das „Terl. Tagebl." weiß von einem neuen Vorstoß des Landesverräters S m e e t s im Rheinland zu berichten. In einem in taufenden von Exemplaren verbreiteten Flugblatt werden Kongresse von rheinischen Ureinwohnern ' angekündigt, ute sich mit folgenden Forderungen beschäftigen werden: Schaffung einer rheinischen Vertretung in der inter­alliierten Rheinlandskommisiion, Abfchub der preußff-hen Beamten, Einrichtung einer freien neutralen Republik inyemland. x

'PS Eingelegte Berufung. Geaen das Urteil des franzostscken flirte Sgericbts geaen den Re ierun 8- aflqicr S)r. Pran g e und Kriminalkommiffar Stein wurde Berufung eingelegt. Zu der Verurteilung Dr Pranges erfahrt eine Korrespondenz noch folgendes- „Zu feinen Berichten sei Dr. Pranke amtttch ver^ pflichtet gewesen, da es seine Aufgabe gewesen sei, um Wohnungsgelegenheiten für die Besatzun-Sbe- borgen zu beschaffen, rechtzeitig feine Behörde über Truppenbcwegun en in Kenntnis au sehen"

Jpb- Den vrrietziing-n erlern. Der Beamte der Reich-vermck enc-verwultung Ludwigshafen, Thcodor chtmann, der von dem französischen Ser eanten und R tment-schneider Mouls durch einen Schuß in den Unterleib schwer verletzt wurde, ist im Krankenhaus seinen Verlctzun en erlegen. Auch durch die Cor feinem Xo&e erfol te protokollarische Vernehmung ist einwand­frei fest gestellt worden daß Attmann amtlich in der Äohnun i des französischen Ser eanten zu tun hatt-, uno daß für dcn Ehemann Mouls nicht der neringste Grund zur Eifersucht.vorlao.

Das Urteil im hardeu-prozetz.

Bcrnrteilung wegen Bcih'l e nir Kö Petverletzung

Im Prozeß Harden lautete der Wabrspruch der Ge­schworenen für beide Angeklagte auf Beihilfe zur Körperverletzung. Dem Angeklagten Weickardt wurden mildernde Umstände zugebilligt, dem Angeklagten Grenz dagegen nicht.

Das Urteil lautete bei dem Angeklagten Grenz wegen Beihilfe zur Körperverletzunn auf vier Jahre neun Monate Gefängnis, gegen W e i ch a r d t wegen Beihilfe zur Körperverletzung unter Z -billigung mil­dernder Umstände auf zwei Jahre neun Monate Gefäng­nis. Beiden Angeklagten wurden zwei Monate Unter­suchungshaft angerechnet. Die Anaeklagt-n erklärten, sich bei dem Urteil beruhigen zu wollen.

Deutscher Reichstag.

"fie Einkommensteuer für 192'2 ««*) 1923

In seiner Donnerstagssitzung beschäftigte sich der Reichstag im wcsenüichen mit der Novelle zum E i n ko m m e n st e u e r g e s e tz, bei dem sich eine grö­ßere Debatte parteipolemischen Charakters entwicke te. Es wurden die Sätze für die Einkommensteuer für das Jahr 1923 festgesetzt, wie sie in der Ta­belle zu ersehen sind:

für die erste Million des steuerbaren Einommens 10 Prozent,

für die nächste Million 15 Prozent, für die nächste Million 20 Prozent, für die nächste Million 25 Prozent, für die nächsten zwei Millionen 30 Proz.,

für die nächsten zwei Millionen 35 Proz.,

für die nächsten zwei Millionen 40 Proz.,

für die nächsten zwei Millionen 45 Proz.,

für die nächsten drei Millionen 50 Proz.,

für die nächsten drei Millionen 55 Proz.,

und für weitere Beträte 60 Prozent.

Die berechnete Einkommensteuer ermäßigt sich um je 2400 Mark für den Steuerpflichtigen und feine Frau bei einem Einkommen bis zu einer Million und um 12 000 Mark für jedes minderjährige Kind bei einem Einkommen bis zu 2 Millionen Mark. t<ür Mann und Frau werden jetzt 200 Mark monatlich, für jedes minderjährige Kind 1000 Mark monatlich vom steuerbaren Einkommen gekürzt. Die zulässigen A b- züge für Werbungskosten usw. betragen 1000 Mark monatlich. Der Rest des Gesetzes wird nach dem Kompromißantrag der Regierungsparteien, dem alle bürgerlichen Parteien zustimmen, angenommen.

Die Grenze für die Besteuerung mit 10 Prozent wird demgemäß für 1922 auf 400 0Ö(> Mark statt der vom Ausschuß geforderten 300 000 Mark heraufgesetzt.

Tie Abänderungen zum Gesetz gegen die K a p i t aj= flucht werden in zweiter und dritter Lesung angenom­men. Der Entwurf einer Reichehaush-ltsordnunq wird fobann in zweiter Lesung nach ben Beschlüssen des Ausschusses angenommen, ebenso bie Etats-, Rechnungs­hof-, Reichsschuld- und allgemeine Finanzverwaltung.

Freitag: Anfragen, kleine Vorlagen, weitere Nach- tragsetats.

DeMKes Nerck.

* Reichsmirlfchaflsrak und Arbeitszeit. Im Reichswirtfchaftsrat wurden die G.setz- entroärfe über die Arbeitszeit wsiterberatrn. Fast zu jedem einzelnen Paragraphen [eigen Abcmderungs- a träge vor, welch: eine Aussprache hervorriefen. Zu Paragraph 1, der besagt, daß das Gesetz für dic ge­werblichen Arbeiter Geltung haben soll, beantragte die Abteilung 1, E nfügung der Lehrlinge und Gleichstel­lung der in produktiven Genossenschaften gleich: Arb.nt verrichtenden Gnmssen. Der Antrag wurde angenom­men. Damit war di« Fassung des sozialpolitischen Ausschusses abMlchnt. Trotz des heftigen Wider­standes der Ar'eitn hmer in dieser Frag: wurde dem Antrag der Arbeitgeber auf N r cht ei n be r e ch - nung de r Arbeitsbere itsch c^ft im de Ar- bettsznt mit 102 gegen 103 Stimmen zugestimmt. Dir Mchrbeschästirirrng der L hrlinge würd' mit 103 ne-»en 97 St.Minen ebenfalls beschossen. Damit sich die gru.Legenden Paragraphen im Sinne der Arbeit­geber beschloßen.

Als echte Holsteinerin hegte Lene eine tief eingewur- jelte Abneigung gegen alles Fremde, hielt es von vorn- l-erein für minderwertig und sprach von den Bewohnern der Mark und der östlichen Provinzen mit einer ge­wissen Geringschätzung. „Preußen und Polacken" nannte ste diese Menschen insgesamt, und sah in ersteren durch­aus nicht bie Befreier ihrer engeren Heimat, sondern Petzen und Eindringlinge, die sich unnötig breit mach­ten und im Grunde nichts zu beißen und zu brechen hatten. — Sie fand sie in einer gewissen Entfernung schon schlimm genug, und nun sollte gar so eine groß­schnauzige Berlinerin, eine ganz fremd» Person, in ihr eigenes Haus kommen (sie identifizierte sich völlig mit der Familie), ihr vor die Nase gesetzt werden und ihr am Ende gar befehlen. Nein, das konnte nicht an-zehen. TI: beiden Mädchen, die dummen Deems, mochte sie kommandieren, so viel sie wollte, und die Kinder allen­falls auch, sie hingegen, die alte Lene, wollte ihre Stel­lung behaupten und der feinen Dame ihrerseits auf die Finger sehen. Wer es dann am längsten aushielt, würde sich ja zeigen. — Den Kindern gegenüber gefiel sie sich in der dankbaren Rolle einer Märtyrerin, und al« das Telegramm kam, welches Frau Meiers Ankunft meldete, brach sie in einen Strem von Klagen aus. Die älteste Tochter, bie erst 17 Sagte alt wäre, war ihre besondere Bertraute, und zu ihr sagte sie: „Nun denk bloß, mein Vis&etf), morgen kommt sie schon, die Polackin, und dabei ist das Haus in diesem Jahre noch nicht grundreine ge­mocht. Im Eßzimmer muß ich schnell reine Gardinen aufstecken, .und die Kathrine heut noch die Diele scheuern, sie meint 'onst, wir wüßten nicht, was sich gehört. Wenn der Herr Doktor mir nur eher Btechnd gesagt hatte, man möchte sich reinweg zerreißen wegen der fremden Person, und hat von der ganzen Sache nur Aerger und Verdruß."

Lisbeth, eine niedliche Blondine mit viel Sommer­lprossen und wenig eigenen Gedanken, war ganz auf den »leichen Ton gestimmt.

„Ja", stufzte sie, „nun ist unsere gute Zeit wohl vor- bei. Die neue Hausdame wird gewiß vieles ändern wollen und an uns herum erziehen, aber wir lasten uns nichts gefallen, nicht wahr. Lene? Wir halten fest zu­sammen und graulen sie wieder zum Haus hinaus."

I SIMM unö LMeMmMMMk. | Der vor einigen Wockon veröffentlichte Entwurf eines G fetzes zur Aenderung des Land:sstniergefetzes : vom 33. März 1020 ist in der klaren und richtigen ; Einsicht begründet, daß einmal das ständig: Sinken d» Markiertes den Firsanzbsdarf der Länder und ®t* meinten nicht minder in die Höhe trc.^t, — wie den des Reiches, und daß zum anderen dic Abdeckung der sehr erheb!chrn Fehlbeträge der Voranschläge und der Jahresrechminaen nach gebendem Siecht nicht möglich ersche'nt. Die R.ichrregicrung befand sich m einer höchst schwierigen Situation. Die Erlrügnifle des SteuerbrÄgets vorn Anfang dieses Jahres trarett dazu bestimmt, den Reparctionsverpf.ichiungen nach Mög­lichkeit nachzukommen, und dae> Gleichgewicht im eige­nen HaushAt d:s Reiches sicherzustellen. Danedui gatt es fsdoch nicht bloß im Hinblick auf verfassungs­mäßige Bestimmungen, sondern vor allm Dingen im wvchlv.nstMdenen Interest« des Reiches selbst, die Lan­der und Gemeinden, die Wurzeln, aus denen das Reich feine Kraft schöpft, lebensfähig zu erhalten. Diesen Bemühungen sollte der neue Entwurf dienen. Am Grundgechemkcn und am Aufbau des alten Land:s- steurrgetetzes hielt man fest, aber man bemühte sich, durch Erhöhung der im Lande:st.nergefetz vorge­sehenen Anträge der Länder und Gemeinden, durch Beseitigung gewisser UngeceHtigkciten und Härten, ein Verfchren, wie es z. B. bei der Um atzst euerbrrech.ru ng bei Unternchmunyen mit zah'relchen Filialen usw. rorlrg, den Wünschen der Geneindeii entgegenzu- kommen. ■

Die am 13. Dezember im Reichstag versammeltei Bürgermeister und Vertreter großer, mittlerer und kte'.nrrer Gemeinten und GsmÄndeverbände mußtet trotzdem erklären, daß der Regierungsentuv-urf das Uelel nicht an der Quelle zu erfassen vermöge. So bezifferte z. B. der Ob: bürgeimrifler von Eilm'nirg den Vorteil, den der Regierungsendwurf seiner Stadt mit 18000 Einwohnern br'nge, m t etwa 960 000 Mark. - Bci einem Defint von 40 Mill onen sei das g'wrß kein nennenswerter Fortschritt. Für wesentlich bester und einträglicher wurden die Aerrdermrgsvor- schäge gchatten, die der finanzpoiitifche Ausschuß des Rsichiwirlschgstsrates zum RegieenngsentMrrf gemacht hatte. Es dürfte deshalb zweckmäßig fein, das Wich­tigste di.ifer Vorschläge mit den Wünschen der Städte- Vertreter zi-sammenMsaf en und dem Reichstag vor­zulegen. Dis Landessteuergesetz hatte es den Län­dern übtela'sen, StMrrn vorn Grund vermögen und vom Gewerbebetrieb zu erheben und die Ertrage-steuM den Gemeinden und Geineindeverbän- den ga-rz oder teilweise zu überlassen. Der Relchs- wirtschoftsrat hält cs für unbedingt notwendig, eins Höchstbelastungsgrenze einzuMren, urL> die Ertragssteucrn in ein angemessenes Vechätt.ns zur Höhe der anderen Grme'-ndesinncchmen zu bringen, um eine Ueberlastung der Gr.verb treibenden auszuschlie- ßen. Wetter schlägt der Reichswirtschaftsrat vor, zu den vaichsgesetzlichrn Getränke st euern für Ge- meindezwecke Zusckstäge durch das Reich in Höhe non 50 Prozent bec, Reichssteurr zu erheben. Dee tm Re- gl.mungsentwurf vorgesehene Rezclung, d e eine von den Gemeinden zu erhebende Schantverzohrsteurr bis 10 oder 20 Prozent und daneben noch eine Getränke- steuer mit ebenfalls im einzelnen f.stgesetzten Prozent­iahen ins Auce faßt, würde danlt Wegfallm. Die Stellt auf das Halten von Vieh, die der Reglerungs- Mwuvf im § 13c nennt, ist nach der Meimmg des R. W. .R. zu streichen, da eine solche Steurr nur die Fteischprerfe erhöhen würde. Ein Novum gegen-

Regieru gsentwurf ist der Vorschlag des R. W. R., die Veranlagung und Erhebung der Grunderwerbsteuer durch die Gemeinden oor- nchmen zu lassen und diesen dafür ein Entgelt in Höhe von 4 Prozent Les Reichssteueraufkommens zu ge­währen. Eine der wichtigsten Anregungen des R. W. R. .st wohl b?e, den Anteil der Gemeinden an der Umsatzsteuer von 20 rcsp. 25 Prozent auf 33^ Proz. zu erhöhen. Die Besoldungszuschüss« des

„Ja, mien lütt Beern, ba fall rooQ so sien", war die Antwort, benn in unbewachten Momenten sprach Lene plattdeutsch, und bie Kinber bedienten sich der Volks­sprache zuweilen auch.

In diesem Augenblick erschien Frttz, der einen pracht­vollen Apfel aß, und sagte undeutlich mit vollem Munde,- „Wann kommt benn eigentlich bie fremde Madame?"

„Nachmittag um halb vier", meinte Lisbeth, „und patz !na! auf, Fritz, bann wirb bir ber Obstkorb auch wieder hoher gehängtt Jetzt sind die Aepfel schon knapp, und doch hast du noch alle Taschen voll Gravensteiner."

Lene zwinkerte ihm lustig mit ben Augen zu. —

„Da laß mich nur für sorgen, mein Junge. Deine Aepfel sollst btt noch wie vor haben. — Die Schlüssel zu den Vorräten befgafte ich; wegen so einer fremden Per­lon sollt ihr nicht Not leiben. — Ja, wenn diele Frau Meier, bie nu partuh hier wirtschaften fall, noch eine Verwandte von euch wäre ober eine Freundin von der seligen Ftau, ba ließ ich es mir gefallen, aber so eine, die selbst nichts hat und nur unterkriechen will, vor der bin ich nicht bange. Die kann mir, mit Respekt zu sagen, den Buckel raufkriechen."

Der Familienrat rotttbe in ber Küche gehalten, roo Lene beschäftigt war, und nun kamen noch Grete und Annemarie dazu, bie beiben Backfische, mit ben frischen, kecken Gesichtern und den langen Zöpfen. Sie drängten sich eifersüchtig durch die halb offene Türe und täte» allerlei neugierige Fragen.

„Wie alt ist fte denn eigentlich?" meinte die eine, ohne einen Namen zu nennen, in ber richtigen Voraus­setzung, bah man sie boch verstehe.

„Neununddreißigbreiviertel", war die sehr prompt» Erwiberung.

„Gott, Lisbeth", woher weißt du das so genau?"

„Nun, der Professor hat doch geschrieben, sie sei noch nicht vierzig, und ba meint Tonte Miete, da i- wäre sie stcher dichte bei, sonst hätte sie ihr Alter auf M..te dreißig angegeben." ,

Fritz lachte laut auf, und Annemarie fragte des Ser» gleichs wegen: „Wie alt bist du beim eigentlich. Lene?"

(Fortsetzung folgt.)