Fuldaer Zeitung
Druck des Fuldaer Actiendruckerei i« Fulda
M 281.
Donnerstag, 14. Dezember 1922.
Die Katholische lMffisa in Afrika.
Als die katholische Kirche vor 80 Jahren das afrikanische Festland planmäßig in den Bereich ihrer Wirksamkeit einzuziehen begann, fanden sich nur in den von mropäischen Mächten, namentlich von Portugal, besetzten Küstenstreifen Katholiken vor, die insgesamt die Zahl 100 000 nicht erreichten. Außerdem zählte der Nordosten einige Millionen Schismatiker und der Süden einige Tausend Protestanten. Sonst huldigte di« Bevölkerung der riesigen unbekannten Ländermasse dem niedersten Götzendienste, und der Islam sandte von Norden her seine Sklavenhändler dis tief in das Herz des Negerlandes.
Und heute nach 80 Jahren? Der gesamte (Erbteil steht dem Europäer offen und hat sich dem Verkehr erschlossen. lieberen beobachten wir das Schauspiel machtvollen Emporstrebens. Der Eingeborene will die Gesittung der Weißen sich zu eigen.machen. Das Bewußl- ,'em von seinem Erstlingsrecht am Boden Astikas erwacht. Leider haben die Jünger Mohammeds unter den neuen Verhältnissen als friedliche Kaufleute noch mehr Gelegenheit zur Verbreitung ihres Glaubens, der den Schwarzen Hebung und Befreiung zu versprechen scheint. Auch die Protestanten durften 1914 schon aus 1204 530 Getaufte Hinweisen.
Mehr aber als alle andern hat die katholische Kirche in der wahren Hebung des Negers gearbeitet. Auch in der Zahl ihrer Kinder überragt sie die protestantischen Gemeinschaften. Schon der machtvolle Ausbau der kirch- lichen Verwaltung deutete auf reges Leben. Wie die Zeitschrift „Die katholischen Missionen" m ihrem De- zemberheft nachweist, unterstehen der Propagandakongre- gation 94 Gebiete: 3 Bistümer, 57 Vikariate. 31 Prä- fetteren und 3 Missionen. Außerhalb ihres Dermal- tungsbereichs stehen noch weitere 17 Sprengel. Bon diesen letzten sind indes acht Erzbistümer und Bistümer Nordafrikas, die fast nur europäische Christen umfassen, nicht zu den M:ssionsgebieten zu rechnete Afrika mit feinen Inseln besitzt daher insgesamt 103 Missionsspren- BeL Hier wirkten an der Erhaltung und Mehrung des Staubens ein Stab von 2283 weißen und 248 einheimi- lchen Priestern, 1030 weißen und einheimischen Brüdern taib 4937 europäischen und einheimischen Schwestern. Don den eingeborenen Priestern gehören indes nur 47 "^christlichen Gebieten an; die übrigen sind unierte Kop. ten und Abessinier oder entstammen den schon fest län- 8^er Zeit christlichen östlichen Eilanden Mauritius, ^nlon und Seuchellen. r den 103 Missionsgebieten
Handelsbilanz Ueberfremdung und valutaelend.
Nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts sicht der deutschen Einfuhr im Monat Oktober mit 55,5 Millionen Doppelzentnern eine Ausfuhr von nur 15,4 Millionen Doppelzentnern gegenüber. Der Wert der Einfuhr beläuft sich auf 531,7 Mill. Gold- marf, Mar der Ausfuhr auf Grund der Dekarationen oatf nur 283,9 Mill. G.Dnart. Das bedeutet im Vergleich Mn- imnat September eine Mehr einstchr von 7,2 M.ll. Doppelzentnern bezw. 109,9 MM. Gold- mark, wüchrsno die Ausfuhr um 0,5 Mill. DoppÄ- jentner bezev. 1 Mllion Goldmark zurück gegangen ist. Die Passiö.iüt unserer Handelsbilanz ist damit von 131 Millionen Goldmart im September auf über 240 Millionen ©dimiarf im Oktober angsroachsen.
Die go.gen dieser Entwicklung für unsere wirt- fchoMche, poetische rmb slnanzielle ßaye sind klar. Da wir die Mehreinfuhr in Golpmiarkwahnmg nicht bezahlen können, da die MögttchkÄt zur Bezahlung eines größeren Teiles der Einfuhr in angcfa.rmelten Dorifen g.e.chfatts sehr unwahrscheinlich ist, wird eine weitere Ueberfremdung der dru-schen Mobilien und Immobilen eintreten oder schon eingetreten sein. In der Tat sind in den letzten Waagen an den dsrttfchen Effektenbörsen erhttsiche Auelandskäufe getätigt worden. De Beteiligung ausländischen Kapitals an deutschen Ünlernehmen nimmt gleichfalls ju. Der Grun^stücksmarkt ist mit LlufträgM auViändischer Käufer geradezu überlastet.
Neben dieser Zunahme des Ausverkaufs muß die Parallelität der Handelsbilanz und der Markwährung beachtet werden: 3n dem Maße und an* nähernd in dem gleichen Tempo des Anwachsens der Passivität der Handelsbilanz sinkt auch der Kurs der Mark. Verfolgt man die Kurve der Wechselkurse seit Brgmn dieses Jchres, so sicht man, daß sie mit der Kurve des Speziaihandels (Gesamteinfuhr und
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Kampf gegen die Schundliteratur.
Für Ende Oktober und Anfang November war eine Schundkainpfwoche angesetzt worden, deren Träger in der Hauptsache die deutschen Jugendver- bänüe sind. Wie nötig ein derartiger Kampf ist, geht u. a. daraus hervor, daß schätzungsweise in Deutschland 3 Mlliarden Schundhefte im Umlauf sind. Es liegt in der Hand des deutschen Volkes selbst, ob es sich in dieser Zeit größter wirtschaftlicher und seelischer Not diese Papiervergeudung für Schundliteratur noch gefallen lassen will. Es ist sehr zu begrüßen, daß gerade die Jugend in Erkenntnis der ihren Freunden drohenden seelischen und körperlichen Gefahr den Kampf gegen den Schund in die Hand genommen hat. Mr bitten unsere Zentrumsfugend, besonders dort, wo sie sich zu Mnühorstbunde zusammengefchlossen hat, diesen Kampf auch weiterhin mit allen Kräften zu unterstützen. Wo sich keine Gelegenheit tiefet, in Gemeinschaft mit Jugend- oder Erwachsenen-Derbände gegen den Schund vorzugehen, mögen sie selbst die Initiative hierzu ergreifen.
Zwecks einheitlicher Leitung des Schundkampfes find von der Hauptstelle zur Bekämpfung der Schundliteratur, Berlin W. 8, Unter den Linden 4, Richtlinien für den örtlichen Schundkamyf heraus- gegeden worden, Auskunft über Anträgen wird an dieser Stelle gern gewährt. Zum Preise von 4 M. ist vom Groß-Berliner Ausschuß zur Bekämpfung der Schundliteratur im Jugendamt Berlin C 2, Neue Friedrichstraße 8, eine „Reichsbundliste" herausgegeben worden, desgleichen dort auch eine Liste billiger guter Bücher.
An verschiedenen Orten ist als letztes Mittel gegen die Sckmndliteratur die Verruferklärung angewandt worden, das heißt die Aufforderung an die Oeffentlichkeit in Geschäften, die Schundliteratur führen, nicht mehr zu kaufen. Dieser Verruf als letztes Mittel kann sich auf eine Reihe gerichllicher und ministerieller Entscheidungen berufen. Näheres darüber im Ratgeber für Jugendvereinigungen, Jahrgang 16, Heft 9—10, herausgegebsn vom Ausschuß der Deutschen Jugendverbände, Berlin W 50, Augsburgerstraße 61.
Ausfuhr) annähernd parallel läuft. Der Dollar stcnck» im Januar d. 3. auf 191,81, im Februar auf 207,82, im März auf 284,19, im April auf 291,00, im Mm auf 290,11 im Juni auf 317,44. 3m gl-uhen Zeitraum betrug der AusfrchrübersHuß im Januar und Februar nur 1,749 bezw. 2,481 Milliarden, wchretrd der Einfuhrüberschuß, der im März d. I. neuerdin^ begann, von 1,685 Milliarden ito März auf 5,-j17 Milliarden im April, 5,335 Milliarden im Mai und 4,039 Milliarden im Juni gestiegen ist. Die Entwicklung in den Monaten Schi, August und Septemoer weist ähnliche Vergleichsziffern auf. Im DtonÄ Oktober ging mit einem Einfuhrüberschuß von 240 MM. GoDmark ein durchfchniü-sicher DÄtarstand von 3181 Hand in Hand.
Aus alledem wird klar, daß — abgesehen von den übrigen Mitteln zur Stabilisierung der Mark, deren Anwendung (wie z. B. die Milderung der Reparationen , oder die Gewährung einer Golda M ühe) Nicht in u n- ; feiern freien Ermessen liegt — nur eine stark e V e r- minderung der Einfuhr das demsche Dalu.a- elend verringern tonn. Die Sperrrnaß nchrsn gegen die Cmftthr Überflüssiger Rohstoffe oder Fab.it ate, rns- oesondere die Einfuhrverbote auf Luxus- nahrungsmittÄ müssen desha.b im Interesse des Delke- ganzen gerragen werden, so sehr auch emzckne Gewerbe und HandAszweige unter so.chM Maßnahr»en feie en.
Daneben sind alle Waßnahmen in der Richtung der Leistungssteigerung zu begrüßen. Technische Moosonisterunig, das Ausprsten der tu-teneSiten ArbeitsDerfchren, die ZchammLirieMMg von Betrieben anstelle der unvationellen Zersplitterung, die Stofcegung ' dauernd mWir.schaftlich arbeitender st.iernchmsn, spielen hierbsi eine entscheid e-che Rolle. Auch Sie Fr-ge der sachgemäßen AüWmdumg oes Ach stundeiÄages ist aus ber" sachlichs.« E. örtere.g in diesem ZchaMnren- hange nicht auszuschalten.
Es wird in der Hauptfachs die Aufgabe der SM- verwaltiungskörper der Läiilfchiftr-gMpxen und -Bezirke fein, hier Klarheit und Rat zu schaffen. Das Gefühl der Derantwormng unserer Wir.schchtrMcer irr.og in dem Maße wachsen, in dem sie sich als die Träger und Steuer nicht nur der Wrschvlft, sondern auch des Staates empfinden müssen.
Die Elsässer als gmwild.
Sius Sira'ßburg wird uns unter dem 7. Dez. 1922 goschri<ben:
Wir verstehen es setzt, weshalb die elsaß-lothrtngi- schen Sldgevr neten sib di' ganzen Ich ne hindurch rrlt ihrer Kritik möglichst zurückgehalten haben. Die Vor- würfe aus den datz man sich ntujii ge
traue, die immer größer werdende Mißstimmung ofjtn in der französischen Kammer zur Sprache zu bringen, haben die AbyM-dwuten veranlaßt, die diesmalige Beratung des LandesbudgÄs zu einer allgemeinen Aussprache zu benutzen. Es hat sich dabei gezeigt, daß die Widerspruchs und Gegensätze weit schärfer sind, als man e- wetehen mö f'te. Auch innn-halb der Gruppe der Abgeordneten ist eine Einheitlichkeit durch- aus nte/t zu tiauateu. „A-ffrunzostn" uno echte Hei. matpolitiker stehen sich gegenüber. Die Unvereinbarkeit ihrer Ansichten ist in der KommsrdebaÄe deutlich geworden.
Diel wichtiger aber ist es, daß auch die geschickteste Leitung nickst imstande war, der Debatte die Spitzen Ä-zubieMN. Die Elsaß-Lothringer mußten erfahren, daß ihren Wünschen und Forderungen eine geschlossene innerfranzösische Front gegenüb-erstcht. Der KorHRft ist offen zum Ausbruch gekommen: Man hat dem als Hruiptred-mr für das Elsaß vorgeschickten totij. Wgeordpeten Michel Walter in offener Kammersitzung Mfaroti das Wort t. taenenaeftflfeuöert: „Sie stob ein Boche, ein sale boche!" Man begrefft die Entrüstung m Elsoß-Lothringen, das diese Beleidizung als dem gangen Laube zuge^ug-r ernpsinost. „v>s gcchrt im elsäßlschsn Volke", schreibt der „Elsässer", dos führende unterölfäßifche katholische Blatt, „wir warnen! E- hcck im November 1913 hier zu Lande eine Volksbewegung wie ein rasendes Feuer um sich gegriffen (Fall Zobern). Ganz Deutschland wurde für tie See» walttmg verantwortlich gemacht. Im Enidsffekt war es ein elementarer Protest gegen die Zugehörigkeit zu Deutschland . . . . das Steinchen, das auf schneeiger Felswand im Rollen ist, kann zur verheerenden Lawine werden." „Sind die Elsässer eigentlich Freiwild?"
wohnen 2310 000 Kathtiiken. Rund zwei Millionen gehören einheimischen Rassen an.
Die aussichtsreichsten Missionsfelder sind Uganda in Dritisch-Ostafrika mit 189204, Madagaskar mit tun!) 300 000, Belgifch-Kongo mit 348 658 Getauften, dazu die Länder um den Bufen von Guinea und Mariannhill in Natal. In tiefen Gebieten darf man auf den lieber- tritt ganzer Völkerschaften hoffen. Daß aber die Errungenschaften keineswegs nur äußere sind, zeigt das Leben Ungezählter, die sich aus den Niederungen de» Lasters zur Höhe christlichen Tugendlebens emporschwan- gen; zeigt Basutoland mit seinem katholischen Oberhäuptlinge, das treue Jaundevolk und sein Atangan«, zeigt Uganda mit seinen 22 seligen Blutzeugen.
i — Aus der Geschichte des Lebkuchens. Honig- oder Lebkuchen ist ein beliebtes Gdbäck, das in [einen Haupt- b^tonbte'Ien aus Mehl und Honig besteht, denen je nach Art Kräuter und Grwürze zugefetzt sind. Schon von alters har nimmt drr Lebkuchen unter dm als Ge- nußmiüel bienenden Backwerken eine hervorragende Stellung ein. Richt nur die Grieche!, urb Römer, fon- Üem auch dte germanischen Völker verstanden es, mit Hilfe des Honigs ^bereitete süße Brote zu backen. Ur« spriinnlich war bei den Germanen der Honigkuchen ein Opferreichen, der in Ccheibensorm, um das Bld der Sonn» oMidsuten, oder in der Form des dem Sonnen- gölte geweihten Ebers zur Zeit ter Wintersonnenwende gebacken wurde. Sogar gewürzt hat man den Kuchen schon in der damaligen Zeit, freilich mir mir dem be- scheidenen Arrissarnen. Erst viel später, in drr Zeit der Kreuzzüge, lernte man die duftigen Kräuter des Morgerckandes, die kostbaren Gewürze kennen, die Nägelein, den Muskat, den Kardamon und die Zimt- rinde. Den HnrplhanLÄ mit dteferi Gewürzen, die über Venedig bezogen wurden, ftihrte Mrichrrg, und hier kamen dann auch die berühmten Nürnberger Lebkuchen cruff. Mit Zuhilfenchms von Gewürzen und anderen Beimischungen entstanden auch in anderen Städten besonidere Honigkuckenatten, von denen jede ihren besonderen Geschmack und ihre eigene Form hat: Die Baseler Leckerli, die Thorner Katharinchen, dte Aachener Printen mti> m jüngster Zeit dte im Luxem- toirarr S-rste hergrsfellten Ardenner Kräuter-Printen, dte sich durch einen eigenartigen, anregenden Geschmack cmszeichuen. All- haben ten Vorzug, daß sie sich monatelang ausbrwahren lasten, kos.
— Zum Schutz der .lunkentelegramme. Der Er- sinder 'öer Fernphotographie und der Fernschrrft
stach die „Republique", ein anderes Straßburger Blatt, mil gutem Recht. . v ,
Es kommt den Franzosen offenbar weniger darauf an, ob man in Elsaß-Lothringen zufrieden ist, als darauf, daß man im Ausland glaubt, man ser zufrieden. _ J :,i
Diese Meinung, tote sie ein Straßburger,Blat^ vor einiger Zeit sehr richtig formuliert hat, erfährt eine neue Bestärkung durch die Art, wie man den oben erwähnten Skandal aus der Welt zu schaffen bestrebt ist. Nachdem die Beleidigung ausgesprochen war, hatte die Sitzung am'gehoben werden müssen und am Nachmittag entschuldigte sich der Beleidiger, Abg. Uhry formell.
Was leistet sich aber das „Journal offiM" in feinem amtlichen Kammerbericht? Es leugnet ganz einfach den ganzen Vorfall weg. Eine unverfrorene Zu- mutung an die Elsässer und Lothringer, die feinen Zweifel darüber getosten haben, daß sie die Delrrdigung ihre? Vertreters auf sich bezogen.
Für uns gilt unveränden weiter: „Der Skandal des Elsaß stinkt heute zum Himmel. Er wird vom Auslände trotz aller Künste und Phrasen nicht mehr vowvrgen bleiben." (La Republique).
9u$ Oberhessen und den befsrsHerl Remtern.
ch Marburg. Ein in der Landesheilanstalt zwecks Deobachtma fernes Geisteszustandes unter gebrauter zu l e b e n s l ä n g'l i ch e m Zuchthaus verurtei-ter Sträflmg namens Otto Meier ist entflohen. Der Flüchliing ist 35 Jahre alt, blaß, hat gestutzten Schnur, bart und ist mittlerer Größe. — Zur Pflege deulich- fchwedischer BeziehunKen hat sich hier eine deutsch» schwedische Bereinigung gebildet, die bereits über 100 Mttg'ieder zählt. Dem S üben eiche'nr, wurden bereits einige hunderttausend Mark seitens der Schwe. den zugewiesen. _______________
Vottsvereinswsche in Laffei.
Der Dalksverein für das kath. Deutschland, der in geradezu vorbildlicher Weise für die Bildung des Volkes tätig ist, verschaffte uns den Gewinn einer „Volksoer. e i n s w o ch e", dis vom 3. bis 8. Dez. dauerte. Wohl war unserem Geschäftsführer, Herrn Pastor Thier- gar t, dem wir die Tagung verdanken, anfangs etwas bang ums Herz, ob der neue Wurf bei den nach der Revolution etwas entwöhnten Kasseler Katholiken gelingen würde. Er wurde angenehm enttäuscht, das bewies schon die große öffentliche Versammlung am Sonntag, die den Auftakt bildete. Der große Siadtparksaal war voll besetzt. Herr Millelschuilehrer Börne r-Frank- furt a. M. sprach über: „Sie Schule der Zu - fünft und mir Katholiken". Der Vortrag war eine Glanzleistung und manchem wurden die Augen geöffnet, wie es um unsere Schule steht, wie und warum wir für unsere konfestionelle Schule eintreten. In wür- diger Weise reihte sich der Vortrag von Herrn Emil Ritter an: „Weltkirche und Weltreoo, l u t i o n." Wir wurden auf geistige Höhenpfade geführt, wie es eben Ritter so ausgezeichnet versteht. Es ist schwer zu sagen, welches der nun folgenden 4 Re- ferate das größte Interesse beanspruchte. Man konnte allgemein eine Steigerung beim Redner als auch bei der Aufmerksamkeit der Zuhörer feststellen. Der Saal des Gesellenhauses war allabendlich gefüllt trotz des oft sehr schlechten Wetters.
Der kulturpolitische Kursus, der völlig in Herrn Ritters Händen lag, brachte erschöpfende Klarheit über folgende Fragen: „Die sozialwirtschast» liche Gegenwartsfrag e im Lichte de» Christentums", „Der nationale Gedanke im neuen Deutschland und wir Kathol!- ken", „Die religiöse Zeitlage und der Katholizismus" und schließlich „Christliche deut, kche Kulturpolitik."
Ein Abend brachte eine Konferenz mit der S ch u 1- organisation für die Geistlichen, Lehrer, Lehrerinnen und Elternbeiräte, in denen das Referat: „Schul- kampf und Schulpflege" behandelt wurde. Auch diese DersamnÄung war sehr stark besucht. Rian konnte allgemein das Gefühl haben, daß die Kasteler Katho- liken, die gut organisiert sind, einem etwaigen Schulkamps getrost entgegensehen können.
Eine Sitzung war für sämtliche Geschäftsführer und Vertrauensleute beftimmt, eine weitere für den Klerus zeigte „Neue Wege in der Dereinsarbeit."
Es waren herrliche Stunden, die wir in der vergangenen Woche dem Volksoerein verdanken, ehrend für den Leiter und ebenso für den Eifer der Kasteler Katholiken, der auch in der sedesmaligen Diskussion zum Aus- druck kam. Alle Stände und Berufe, Damen und Herren,
Edouard Belin hat einen Apparat gebaut, der eS ermöglicht, die Funkentelegramme und sogar die gewöhnlichen Telegramme für einen fremden Beobachter unverständlich zu machen, so daß also das Geheimnis der telegraphischen und sunkentelegraphischen Nebermittlung gewahrt wird. Durch eine sinnreiche Vorrichtung toeiben in den Text in mechanischer und regelmäßiger Weise Sckweigepausen eingestreut, die der Aufnahmestation bekannt sind unb_ beim Entziffern unberücksichtigt gelasten werden, während für einen fremden Beobachter der Text dadurch vollständig zerristen und unlesbar wird. Um aber das Serausfinden der Schweigepaufen durch aufmerksame Beobachtung gleichwohl zu verhindern, werden an- statt der Schweigepaufen andere Zeichen eingeworfen, wodurch die Verwirrung eine vollständige wird, während die Aufnahmestation davon einfach absieht. ES handelt sich somit um einen Geheim schlüssel, besten Sicherheit nach der technisch ziemlich verwickelten Einrichtung ungefähr der alleinigen Kenntnis einer sechsstelligen Zahl verglichen werden kann, wovon die eine oder andere Ziffer augerbem noch fortwährend abgeändeit wurde. Der Erfinder ha! feinem Apparat den langen, aber bezeichnenden Namen „Krypio-Tele- Stereograph" beieelegt, wenn es sich um gewöhnliche Telearaphie handelt, und„Radio-Krhpto-Tele-Slereo- graph", wenn es sich um Funkentelegraphie handelt, kos.
— Dann gibt e§ Schnee? Die meisten Leute wisten zwar von der Schule her einigermaßen zu erklären, wie der Schnee entsteht, und doch sind die meisten über die dazu nötigen Vorbedingungen schlecht unterrichtet. Im Grunde genommen ist der Schnee, wie jedes Wetter unserer gemüßisten Zone über- baupt, die Folge deS Kampfes, den zwei mächtige Gegner beständig wider r nanber führen. Es sind die Pastatwinde, derje e meldet vom Aequator nach dem Nordpol ftreu , und der Nordwind, der in der entgegengesetzten Richtung nach dem Süden zieht. Ta der erstere über große Meeresbecken hinweg seinen Lauf nimmt, ist er, sobald er zu uns kommt, stark mit F uchtiakeit beladen. Taoegen ist die Luftströmung, die der Noidwind mit sich führt, selbstverständlich kalt und rein,"frei von Feuchtigkert. Treffen nun diese beiden Winde zusammen, so kommt die Feuchtigkeit deS Südwindes als Niederschlag auf die Erde. Im Sommer kennen wir diesen Prozeß schlechtweg als Regen, nicht selten von Gewttteierscheinungen begleitet, während et sich im Wmier alä Schnee bemerkbar macht. Der Schnee
jung und all, waren vertreten, alle beseelte der gleich« Eifer. m /
Leider hindert uns der knappe Raum, auf Ctnzel- heiten näher einzugehen und wenn mir hier nur einen knappen Bericht geben, so soll er nicht zuletzt aneifernd wirken für alle kathol. Gemeinden, daß sie sich den Segen einer solchen „Volksvereinswoche" nicht entgehen lasten sollten. Sie sind Lich'punkte in unserer so schwere» Zeit und tragen reichliche Frucht für die Zukunft. □
vermischter.
* Grotzfencr in einer Kaserne in Trier. Ein Groß- feuer richtete in der Trierer ehemaligm Maxiimin. tofeme, die jetzt von den Franzosen belegt ist, bedeuten- den Schaben an. Der Dachstuhl des umfangreichen Gebäudes, sowie einzelne Stockwerfe wurden erheblich beschädigt. Von den französischen Soldaten verun- glückten bei den Rettung-arbeiten mehrere in schwerer Weife. Die Feuerwehren hatten mit den LöscharbÄten nahezu 10 Stunden zu tun.
* Vom ttarlehen^ucher zum Mörder. Wie auS Berlinchen in der Neumark gemeldet wird, ist in Neuruwen ein Doppelmord verübt worden. Bei dem Besitzer Sydow ertchien ein Verwandter, ein 20 jähriger junger Mann, und verlangte ein Darlehen, was ihm aber abgeschlagen wurde. . Man bewirtete ihn jedoch. 31h aber Sydow den jungen Mann mit seiner Frau allein liefe, erschoß dieier zunächst die Frau und dann den ins Zimmer kommenden Besitzer. Tas Dienstmädchen konnte fliehen. Ter Mörder ist vorläufig entkommen.
* Um ein Bündel Stroh 3 Leichen. In dem Dorfe Puttlern bei Breslau erschofe ein Feldhüter zwei Schweizer und verwundete den Vater des einen. Darauf tötete er sich selbst durch Kopfschuß. Ter Tat war ein Streit um die Entwendung eines Bündels Stroh (!) voraufgegangen.
Neue Bücher.
Senfs—Georgl- Das luftige Vortragsbuch (2. Band), 330 Seiten. Preis vornehm geb. 700A brosch. 600 <M.. Max Hesses Verlag, Berlin W 15. Der über 330 Seiten starke neue Band des bekannten Vortragskünstlers Senff-Georgi enthält etwa 170 Beiträge von 90 Schriftstellern. Vieles ist darunter, was als Zugeständnis an Verfallserscheinungen unserer Tage gelten muß. Bas Publikum der Vortragsabende kommt zum Teil aus bett Schichten der Neureichen, Herr und Frau Raffke finden sich darunter und der Vortragskünstler kommt ihren Be- bürfniffen, die mit Kunst und Poesie wenig zu tun haben, wett entgegen. Es finden sich aber auch höchst wirkungsvolle Stücke in der Anthologie. Namentlich die Beiträge, deren vaterländische Gedanken zu Grunde liegen, sind wertvoll. ‘a‘
Amtliche Mreigen.
Für den Monat Dezemben 1922 gelten entsprechend der Anordnung des Herrn Regierungspräsidenten vom 30.11. 22, folgende Mahllöhne:
• Für Mühlen, die ausschließlich mtt künstlicher Kraft arbeiten je Dz. 1164.— Mk.
Für Mühlen, di» nicht ausschließlich mtt künstlerlcher Kraft arbeiten, -e Dz. 1048.— Mk.
Fulda, den 11. Dezember 1922.
Der Landrat. Frhr. o. Eagern.
Seachennachrichken:
Aus gebrochen: Die Maul- und Klauenseuche in dem Gehöft des Landwirts Ignaz schasstocktn Simmers- Haufen Kreis Gersfeid.
Erloschen; Die Maul- uud Klauenseuche in der Ge meinbe Hilders Kreis Gersfeld.
linier Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 28. September ds. Js. Fuldaer Zeitung Sir 233, betreffend die Option der Bewohner der an Dänemark abgetretenen Gebietsteile zu Gunsten Deutschlands, mache ich darauf aufmertjam, daß die Optionsfrist mit dem 51. Dezember 6$. 3$. zu Ende geht.
Fulda, Den 7. Dezember 1922.
Der Landrot. I. D.: Schuster.
JM i, I, !«»>»
Anzeigen -w-
m irr .Fs§aer IertMg' vss ßchsrÄ Er^olz
ist also ein atmosphärischer Niederschlag, der sich bei oewiffem Kältegrad der oberen Luftschichten unter ähnlichen Umständen bildet, wie der Regen. Er besteht aus feinen Eiskristallen, die sich im Herabfallen zu Schneeflocken vereinigen. Diese haben gewöhnlich die Form sechsstrahliger Slerne und bilden für den, der sie aufmerksam betrachtet, wirklich schöne Gebilde der Natur. kos.
— Deuksche Erdbeben. So gswa-lttge Erdbeben, wie es jetzt Chile heimgssucht hat, haben wir in Deutschland zwar nicht zu befürcksten, aber es ist doch ein Irrtum, anzunehmen, daß wir ganz gegen Erdbeben geschützt seien. Wir haben sogar noch 1911 heftige Stoße in Süd- und Mitteldeutschlcmd zu verzeichnen gehabt. Am häufigsten sind allerdings Erdbeben an den Bruchrändern der Gebirge, so an der Westküste Südamerikas,' in Westasien, hem Malcnschen Archipel, in Japan, an der europäischen Mtttelmeerküste ufm. Der oberftückfl. Mittelpunkt eines zentralen Erdbebens ist das Epizentrum. Don den 10 599 als Epizentren bekannten Orten der Erde sind in Deutschland nur 425, und von diesen sind die meisten im Erz- und Fichtelgebirge, nämlich 80, in Württemberg 68, im Odenwald und in Baden je 43, an den Küsten der Nord- und Ostsee 33, im Taunus und im Hunsrück 32, in Westfalen 29, im Elsaß 24, im Harz 18, in Ostbayern 11, in Thüringen 10, am Mittellauf der Mosel, in der Hardt und in Luxemburg 10, in Lothringen und der Pfalz 9, in Schlesien 8 und im Riesengebirge 7. Die Häufigkeit der Erdbeben ist am größten in Württemberg, dann kommen Baden, der Odenwald, Taunus und Hunsrück, Westfalen, Erz- und Fichtelgebirge. Schlesien und das Riesengebirge. Ganz frei von Erdbeben ist die Norddeutsche Tiefebene, in der nur im Jahre 1755, im Anschluß an das fürchterliche Erdbeben von Lisiabon, Bodenschwankmngen bemerkt wurden. Oefter sind Erdbeben im deutschen Alpengetiet, in den Gebirgen am Oberrhein, in der Schwamwaldgegend und den Dogesen. Haupt- zentten für Deutschland aber sind Herzogenrath bei Aachen und Eroßgerau in Hessen, und noch häufiger sind deutsche Erdbeben im sächsisch-böhmischen Hochland, haupffächlich im Vogtland, das der Häufigkeit der Erdbeben nach wohl das unruhige Getiat ganz Mitteleuropas bildet. Die vogtländisch-sächsischen Erdbeben sind daher auch am genauesten bekannt.