FuldaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sfaöf Fulda.
fit. 282.
tieranitoortlia iür Den ceoautonellen lei;: Dr I. Kramer. - für btt Anzeigen: I. Tarjeiier«fuiba. z Rotationsdruck u. Verlag der Sufbner AcUenDruckerei in Fulda ^emtrred»er Nr. W Toff'dietf • Ronfo 4051 Frankfurt a. M.
Sreitßa, S. Dezember 1922.
Bezugspreis: 'JWonatii* 200 Mk. ZufieNgebühr extra
- Abaedolt in der GeichSstsst.lle 200 Mk. ::
Anzeigen: Kleinzeile nach Eotene> IS Mk.. ausw. 25 Mk. Rekiornezeiie (Terthreite'' nach Colone maß 75 ^ark.
49. Zahrg.
El» neuer ReparMusoorschlag IMlands.
Prophezeiungen über die Londoner Konferenz.
Die Diu ' sind im Fluß. Der Dezember wird ein Schicksal-.nonat für Deutschland. Es kommt viel darauf cn, ob Deutschland in geschlossener Einigkeit den verschiedenartigen Anschlägen seiner Gegner gegenüber stehen wird. Auf der Konferenz der Ministerpräsidenten der deutschen Länder hat erfreulicherweise volles Einverständnis darüber geherrscht, daß die Note an die Reparationskommission vom 13. November die Grundlage für die zu befolgende Politik bilden soll, und daß seitens der Reichsregierung nichts unterlassen werden dürfe, um in der Durchführung der Note zu einem positiven Ergebnis zu gelangen. In der Frage des Rheinlands s und der besetzten Gebiete stimmten die Vertreter der Länder den in den Reden des Reichskanzlers vom 25. November und 3. Dezember abgegebenen Erklärungen einmütig zu. Einen breiten Raum der Beratungen nahmen noch die Er- nähvungsfragen ein. Weitere Besprechungen werden folgen. Schon jetzt zeigen sich praktische Ergebnisse der Besprechung, die von einschneidender Bedeutung sein können.
Sin deutsches Angebot.
Die „Dost. Zig." teilt mit, daß innerhalb des Reichskabinetts ein Plan beraten worden sei, der darauf hinauslause, mit den Alliierten zu einer umfassenden Regelung über die gesamten Reparalionsver- pftichtungen Deutsch! rnds zu gelangen. Mit hewor- ragenden Vertretern der deutsche Wirtschaft sei noch dem Blatt Fühlung genommen worden, um die Mitwirkung der Industrie bei dem neuen Reparationsplan zu gewinnen. T'e Verhandlungen über den Plan seien noch nicht abgeschlossen. Sein Hauptgedanke sei, auf dem Wege der Verhandlungen mit den Alliierten zu einer Begrenzung und Neufestsetzung der Roparationsverpflichtungen Deutschlands zu gelangen und ferner, wie es in der Mitteilung einer Korrespondenz heißt, sofort ein: internationale An- <eihe aufzunehmen, von der ein Teil Frankreich SlMite kommen soll, während mit dem anderen Teil die Stabilisierung der Mark angestrebt werben soll.
Während die „Boss. Zig." es noch als unentschieden 'bezeichnet, ob der neue Vorschlag der deutschen Regie- mwg den Alliierten vor der Londoner oder erst vor der Brüsseler Konferenz übermittelt werden wird, mel- det die „Deutsche Allg. Ztg.", daß nach Verlaut barun- S°n aus parlamentarischen Kreisen die deutsche Regierung noch vor Montag, d. h. vor dem Bsginn der Londoner Beratungen, mit dem positiven Vorschlag »n die Reparctioukommission herantreten werde. Die „Voss. Ztg." hält es für wahrscheinlich, daß der Reichskanzler in der für Samstag anberaumten Sitzung des Auswärtigen Ausschusses ausführlichere Erklärungen über den Reparationsplan abgeben werde. Laut dm UBerl. Lokalanzeiger" sind zu Freitag die Parteiführer zum Reichskanzler geboten worden. Die französischen Zühnesorderungen.
Der bayerische Ministerpräsident von Knilling ist Mittwoch von Brrljn nach München zurückge- reist. lieber das Ergebnis der Berliner Bechand- lungen betreffend die Antwortnote der deutschen Re- «ierung auf die Sühncsorterung der Entente für die
Jm Eis rn eer.
Roman von Clark Russell.
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„Können wir herankommen, Eliffe?"
"■b.a3 weiß ich noch nicht. Mit unseren Booten viel- letcht.
Er gab mir bas Fernrohr zurück, das ich sofort wie- . "ft- Auge sühne. Doch schob sich in diesem Moment
• er® in Gesichtsfeld und versperrte mir den blick in bas Innere der Bucht.
Erst nach einer vollen Stunde vorsichtigen Kreuzens bekamen rotr das Wrack wieder zu Gesicht. Jetzt konnte ich durch das Glas sogar Einzetheiten unterscheiden. Wie ein riesengroßer Schatten lag es auf einem eisbedeckten . Feisenvorsprung, mindestens dreißig Fuß über dem Meere. Ich sah das Bugspriet und den Stumpf des tlockmastes. Hinter dem Wrack ragten die Felsen jäh ’n ie Hohe. ~ Eine erdbebenartige Verschiebung der Eis- massen mußte die Lady Emma nach der Sttandung auf diesen Abhang hmausgeschoben haben, wo sie jetzt bei klarem Wetter meilenweit sichtbar war.
Ich zitterte vor Aufregung. Die Mannschaft des Albatros hatte sich am Bug zusammengedrängt und lauschte, an der Reeling liegend, den eifrigen Erklärungen Bcd- hns, der em über das andere Mal auf das Wrack deutete. Barsh rief der Steuermann den Leuten zu, sich an ihre
SU scheren, worauf sie sch'eunigst auseinander- stoben; bald aber machte die allgemeine Spannung und Erregung, die das Aufiauchen des Wracks hervorgerufen hotte, ,ich von neuem geltend, und wie in einem Bienenschwarm summte es von Meinungen und Vermutunaen Durcheinander.
Immer wieder starrte ich durch bas Fernrohr Wir waren nun etwa eine halbe Meile von dem Wrack entfernt, und ich konnte genau erkennen, daß ein großer Teil oer Steuerbordoerschanzung auf der Lady Emma fehlte Sie lag fast gerade auf ebenem Kiel und der Schiffsrumps war mit einem durchsichtigen Eispanzer überzogen. Unter chrem Heck türmten sich riesige Eismassen auf.
Mix brennenden Augen sah ich hin. Aber ich konnte W bas geringste Anzeichen entdecken, daß Menschen an
[ Vorfälle in Ingolstadt und Passau will eine Korrespondenz wissen, daß anstelle der bayerischen Regierung die Reichsregierung die in der Ententenoie verlangten moralischen Genugtuungen geben werde. Bezüglich der dm beiden Städten auferlegten finanziellen Bußen wr.de die deutsche Antwortnote Vorschlägen, die Entscheidung eines internationalen Schiedsgerichts anzurufen. Wie die Blätter nntteär.i, wird die diesbezügliche Note vovcmssichtkich am Freitag übergeben werben.
Line Prognose für London.
Wir erhalten folgendes Privattelegramm:
wtb London, 7. Dez. (Tel.) Der Pariser Berichterstatter der „Times" schreibt: Das Ergebnis der bevorstehenden Londoner Zusammenkunft sei zweifelhaft. Es sei zu befürchten, daß Poincare sich wieder zu übermäßiger Zurückhaltung verleiten lassen werde und daß er, wie bei seinen früheren Besuchen in London, den von ihm für gefährlich angesehenen Weg einer endgültigen Stellungnahme zu den Problemen vermeiden wolle. Der Berichterstalter gibt die französischen Vor- schlüge wie folgt an:
1. Kein Moratorium für Deutschland ohne die Auslieferung von Pfändern, nämlich der Bergwerke und Wälder an die Alliierten.
2. Herabsetzung der deutschen Entschädigungslast nur parallel mit der Herabsetzung der französischen und alliierten Schulden.
3. Revision der den Alliierten zugewiesenen Prozentsätze an bett deutschen Zahlungen.
4. Ein klarer vorsätzlicher Versuch Deutschlands ober eine Absicht Deutschlands, nicht zu zahlen, muffe bestraft werden durch die Anwendung von Sanktionen, wie z. B. die örtliche und zeitliche Ausdehnung der alliierten Besetzung, die Errichtung einer Zollschranke um bas Ruhrgebiet herum unb bie allgemeine wirtschaftliche ober administrative Organisation der Rheinlande.
v!e Ueberwachung Deutschlands.
®in Nsleimtechseft
In der Frage der von brr Botschasterkcmferenz tn der Note vom 14. April 1922 über die interalliierten Luftfahrt- und Kcmtrolltenmissionen oorgeschlagene.i Ersetzung der Mittlär-Kontrollkommission durch ein nach dem Muster des Luftfahrt--Garantie-Komitees ge- gebftdstes MWär-Gavanlle-Komiise hat zwischen den ad eierten Mächten und der deutschen Regierung ein Notenwechsel stattgesunden, der jetzt veröffentlicht wird. Aus diesem Notenwechsel ist besonders hervorz'heben, daß eine der an de deutsche Regierung gerichteten Noten den V o r w u r f enthält, daß die dsusche Re- gierung in der Ausführung der mMär'schsn B stim- munyen des Versailler Vertrages nicht weiter gehen wolle. Aus den Zwischenfällen in Stettin und Passau am 17. September und 24. Oktober gehe hervor, daß der den örtlichen Organen der Konlrollkom- Mission geleistete Widerstand, anstatt aufzuhören, ein Gepräge von unerträglichen Ernst angenommen habe. Die interalHwrte militärische Kontvoirkom-nMn müsse daher in Tätigkeit bleiben, bis die in der Kollektivnot« vom 29. Septdr. festgesetzten Bedingungen völlig erfüllt worden seien. Die benÄhe Regierung hat darauf geantwortet, daß die Aufiof-
der alliierten Regierungen nicht zutreffe. "Da b:e Prüfung der Erled gung der fünf Punkte der Ko'lek- Dord waren. Nichts bewegte sich: keine Flagge war ge- hißt, kein Rauch war zu sehen. Auch der Kapitän konnte keine Spur von Leben auf dem Wrack finden.
Er schüttelte den Kopf.
„Ich kann nichts sehen," sagte er. „Wir muffen her- ausbekommen, ob lebendige Menschen dort sind."
„Tun Sie, was Sie für richtig halten, Eliffe," preßte ich mit zusammengebissenen Zähnen heraus.
Der Kapitän winkte dem Steuermann unb zwei Mann, die eine Anzahl Platzpatronen herbeischafftsn. Das Laden der Kanone übertrug Eliffe dem Steuermann, da das Schiff seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. In der Palmerbai wimmelte es von Treibeis, und in kurzen Zwischenräumen erinnerte vom Vorder- kastell her ein warnendes: „Cis voraus an Backbord!" an die beständig drohende Gefahr.
Das Geschütz wurde abgefeuert unb weckte in ben Cis- unb Felfenwänben ein vielstimmiges Echo. Dann bröhnte ein zweiter Schuß durch die Lust unb gleich barauf ein dritter.
Ich ließ das Wrack keine Sekunde aus den Augen. Da — als der dritte Schuß aufblitzte, sah ich vom Deck der Lady Emma ein dünnes, rasch zerflatterndes Rauch- Wölkchen auffteigen.
Mir mar, als preßte mir eine unsichtbare Hand bie Kehle zusammen. . .
„Rauch auf bem Wrack!" schrie ein Matrose.
Ich muß weiß wie Kalk gewesen fein, als ich auf ben Kap'tän zuging unb ihm das Fernrohr reichte.
„Es ist noch Leben drüben," stammelte ich.
„Hurra!" schrie der kleine Kapitän und schnitt tn seiner Aufregung eine fürchterliche Grimasse, das Fern- rohr im Triumph schwenkend.
Jetzt konnte man den Rauch schon mit bloßen Augen erkennen. Die dünnen dunklen Rauchwölkchen zeichneten sich scharf gegen den weißen Eishinter gründ ab. Jetzt sah ich auch die Gestalt eines Mannes, der rasch auf ben Focknmststumpf zueilte. In wenigen Sefunben stieg an bem verstümmelten Mast eine Flagge empor unb flatterte lustig im Winde, eine englische Flagge, umgekehrt, als Zeichen der Not.
In diesem Augenblick feuerte der Steuermann den vierten Schuß. |
livnvt« rom 29. Septbr. längere Zeit in Anspruch nehme, W sich die deutsche Regierung lediglich die Anwort darauf Vorbehalten^______________
Chinesische Räuber in Tsingtau.
wtb London, 7. Dez. (Tel.) Eine Newyorker Meldung aus Tientsin besagt, chinesische Räuberbanden hatten den Hafen von Tsingtau besetzt, der gestern China zurückgegeben werden sollte. Die Bevölkerung habe sich geflüchtet. Japanische Torpedojäger seien unterwegs, um die dortigen Japaner zu schützen. t
Deutscher strichst ag.
35 000 Schwerkriegsbeschädigte in Deutschland.
Die sozialdemokratische Teuerungsinterpel- lation wird fristgemäß beantwortet werden.
Das Haus erledigte am Mittwoch mehrere kleinere Nachtragsetats und überwies die Novelle zum Gesetz über die Beschäftigung Schwerkriegsbeschädigter bem sozialpolitischen Ausschuß. Hierbei teilte der Arbeitsminister mit, daß gegenwärtig rund 35 000 Schwerkriegsbeschädigte in Deutschland vorhanden feien, wovon 17 000 arbeitslos seien. Die Beschäftigung der Schwerbeschädigten habe im allgemeinen nicht zu Schwierigkeiten geführt. 22 000 freie Arbeitsstellen könnten nur deshalb nicht besetzt werden, weil die nötigen Wohnungen nicht zu beschaffen seien.
Die Novelle zum Reichswahlgesetz. die eine Verkleinerung der Wahlkreise bringt, wirb bebatielos einem Ausschuß überwiesen.
Donnerstag: Kleinere Vorlagen unb Nachtragsetat.
Ein Nachspiel zum Rathenau-Nord.
In den Tagen nach dem Rathenaumord war in Neustadt in der Pfalz die Villa des Fabrikanten tz e l f f e r i ch, des Bruders des deutschnationalen Führers, von Kommunisten durchsucht worden, weil man letzteren darin vermutete. Es kam zu Ausschreitungen und Plünderungen. Jetzt fand in Zweibrücken gegen die Täter der Schwurgerichtsprozeß wegen Landfriedensbruches statt, lieber den Ausgang wird uns berichtet:
wtb Zweibrücken, 7. Dez. (Tel.) In dem Prozeß gegen bie wegen ßanbesfriebensbrudj in Neustadt an der Harbt angeklagten Kommunisten würbe heute vormittags %6 Uhr, nachdem bie Verhandlungen bie ganze Nacht durch gedauert hatten, das Urteil verkündet. Zwei von den neun Angeklagten wurden der Anklage gemäß für schuldig erklärt unb zu einem Jahr, resp. sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen sieben Angeklagten wurden freigefprochen. Die beiden Schuldigen wurden sofort in Haft genommen.
Deutscher Keich.
* Berlin, 7. Dez. Wie -tm mehreren Seiten gemeldet wird, ist Geheimrat R ü m e l i n, der zu Zeit die Balkan-Abteilung im Auswärtigen Amt leitet, zum Gesandten in Sofia auserfehen. — Wie die „Zeit" erfährt, hat ©trefemann als Vorsitzender den Ausschuß für ausswärtige Angelegenheiten des Reichstages auf Samstag, 9. Dezember, einberufen.
* Das Urteil im Scheidrmann Prozeh. Im Leip- ziger Prozeß wurden die Angeklagten wegen gemeinsamen Mordversuchs, Oelschläger auch wegen uner- laubten Waffentragens, wie folgt verurtsllt: Oel- s ch l S g e r 10 Jahre und 1 Monat Zuchthaus, Hustert 10 Jahre Zuchthaus. Bei den Angeklagten wurden dis bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dnuer ron 10 Jahren aberkannt und ihnen die Kosten des Verfahrens auserlegt.
„Halt!" schrie der Kapitän. „Man hat uns drüben gesehen! Hiß' die Flagge unb hol sie dreimal auf unb nieber."
Blitzschnell sauste bie Flagge an bet Gaffel empor. Der Mann auf bem Wrack mußte sie unfehlbar bemerken.
Jetzt sah ich auf bem Wrack eine zweite Person unb mir war, als sollte mir das Herz zerspringen. Sie stand auf bem Quarterdeck. Die Schanzverkleidung deckte sie so, daß ich nicht erkennen konnte, ob es ein Mann ober eine Frau war.
Eliffe sah durch bas Fernrohr. Plötzlich schrie er begeistert:
„Bei Gott, Mr. Moore, es ist eine Frau!"
Ich nahm das Glas wieder. Meine Hände zitterten so, daß Ich es mehrere Male ansetzen mußte, ehe ich es ruhig genug halten konnte. Ich konnte noch immer nicht sehen, ob bie zweite Gestalt wirklich eine Frau war. Und wenn — war es Mrs. Burke oder--drei
Personen mußten auf dem Wrack fein. Wo war die dritte?
Mit verzweifelter Anstrengung drückte ich mein Auge an das Fernrohr, als ob ich es hineinpressen wollte. Vergeblich! Ich sah immer nur zwei Gestalten Jetzt standen sie nebeneinander, auf die Reeling gelehnt unb schauten zu uns herüber . . .
Ehe wir in bie Palmerbai einbogen, hatte Kapitän Eliffe verschiebene Segel einholen lasten, denn es wehte eine frische Brise: nur bie beiben Marssegel standen, bie Fock hing aufgeholt in den Geirauen unb Sorbin« gen, sobaß bie Brigg sich nur mit mäßiger Fahrt ihren Weg durch bas Treibeis bahnte, das vor dem scharfen Bug knirschend unb krachend zur Seite wich. Glücklicherweise bedeckte bas Eis, bas uns von weitem wie eine kompakte Maste vorgekommen war, die Wasseroberfläche nur in zerstreuten Schollen. Auch die Gruppen der Eisberge zeigten beim Näherkommen breite Lücken, durch bie wir unser Schiff steuern konnten. Warm unb hell schien bie Sonne auf die dunkelblaue See, als mir lang» am vorwärts segelten.
Jetzt wurde das Großmarssegel backgebraßt unb bas Schiff an den Wind gelegt. Eliffe ließ bie Kanone noch einmal abfeuern unb die Flagge senken. Es war zwölf
i FmMUz MMMr die WinlOnta.
Sulfur- und Dohlsahrtspolitik Frankreichs.
Frankreich hat mit seinem neuesten Zug in sein« Rheiniandpolttik vor allen, die es noch nicht wissen sollten, den Beweis erbracht, daß seine Reparations- unb Rheinlanbpolittk in einem ursächlichen Zu- sammenchaug stehen und daß jene nur dazu gedient hat und dient, um in dieser politisch« Ziele zu erreichen. In einem solchen Augenblicke dürste er von Wert sein, einiges über französische Kultur- und Wolstsahrlspolilll im Rheirtzcmde mitzuteilen.
Di« Propaganda durch Druckschriften, Theater, Konzerte, Kinos, Kunstausstellungen usw. setzte bereits in der ersten Zeit der Besetzung ein. Das, was man einen Erfolg auf diesem Gebiete nennen tonnte, ist dieser Arbeit verjagt geblieben: jedoch läßt sich französische Propaganda durch anfänglichen Mißerfolg so leicht nicht sinfchüchtern; es werden französische Les«, [tuten eingerichtet, am Mittelrhein und auch anderwärts z. B. in der Eifel wurden Aushängekästen mit Flugblättern, Büchern imt> Zeitschriften angebracht. Bücher und Zeitschriften können entziehen werden.' Das „Nachrichtenblatt" des französischen Pressedienstes, in Koblenz wird cm alle Personen, bie irgendwelchen Einfluß haben, z. B. an fast alle Lehrer, regelmäßig versandt. Dieses Blatt hängt z. B. auch vor den Büros der Kreisdelegierten, die ja bekanntlich meistens in der» preußischen Landratsämtern untergebracht sind.
Weiterhin werden allenthalben französische Sprachkurse eingerichtet, die m den ersten Stunden völlig neutral erscheinen, bie aber bald schon durchblicken las- sen, welche Ziele darft verfolgt werden. Auf dem Hunsrück und anderwärts werden N ä h f ch u l e n ein. gerichtet. Den Schulkiteern werden Bons ausgestellt, für bte sie sich Schokolade kaufen können. In den letzten Wochen ist vor allen DingLn zur Schuld- frage, deren Behandlung bekanntlich der deutschen! Bevölkerung von selten der Rhoiniandkommission verboten ist, eine Broschüre in größter Auflage b-is in die Dörfer hrneingeivorfsn worden mit dem Titel: Sie1 Verantwortung am Weltkriege: die Broschüre enthielt die Reden Bivianis, Poincare und anderer sronzösii. scher Politiker, die üi der französischen Kammer zib! dieser Frage das Wort genommen haben.
Neu ist die Wohlfahrtspolitik und caritattoe Tätige teil bet im besetzten Gebiet für die französische Propaganda tätigen Kräfte: Den verarmten Rentei n e r n werden Unter st ützungen angeboten; bei der fortschreitenden Verelendung, der unsere BevAkeruna! enttegengcht und bei der Aussicht, daß diese noch viel gröher wird in der allernächsten Zett, kann man sich vorstellen, weicher Versuchung weitestgehende verarmte Volkskreise ausgesetzt such. Die m den einzelnes Kreisstädten sitzenden Kreisdelegierten sowie andere in größeren Orten sitzende Propagandakrast« wenden sich1 an die caritativen Vereine der verschiedensten 2(rt und' der verschiedensten Richtung und bieten ihnen Geld in größeren und kleineren Summen an, zur Unterstützung der Armen.
Miese Mitteilung:! fußen auf durchaus zuverläs-' '-«em. Material. Diese Propaganda und Wcchischrts- polttik ist in allen Teilen des Rheinlandes nicht nur aus der linken Seite, sondern in den Brückenköpfen des rechten Rheinufers festzustellen. Zwar haben wir auch im englisch besetzten Gebiet eine ähnliche Tätigkeit aus cartta.ivem Gebiete, weiterhin ist die Quäkerspersun» an vielen ©teilen bereit, bie Not unserer Bevälöerung, und vor allem die der Jugend, zu lindern; aber wer will bezweifeln, daß die französisch« Propaganda auf diesem Gebiete besondere Ziele verfolgt, die dahin gehen, zunächst einmal zu zeigen, wie „gut" es Franck- reich mit der armen Bevölkerung meint; dann aber auch eine ftawosenfreundliche ©timrrung zu erzeugen, tn der Zeit de? gleichen und geheimen Wahlrechts ja keine schlechte Vomrbeit.
Mit der einen Feststellung wollen wir für heute schien: daß Frankreich mit seiner Wohlfahrtspolitik llhr mittags. Jetzt sah ich deutlich, daß die eine der beiben Personen auf dem Wrack wirklich eine Frau war, aber ihre Eesichtszüge ließen sich auch bet größter Anstrengung noch nicht unterscheiden. Und keine Dritte Person war an Deck der Lady (Emma! Wer war bie Frau?
2lls die Brigg beigedreht hatte, versammelte der Ka- pitän uns zur Beratung. Gefahr für unser Schiff war augenblicklich nicht zu befürchten, denn der nächste größere Eisberg lag backbordachter ungefähr eine halbe Meile entfernt, und die kleineren Blöcke in unserer Nähe waren weder groß noch zahlreich genug, um uns ernstlich zu gefährden.
Nun suchten Eliffe, Steuermann, Bland, Bootsmann, Dobkin und ich mit dem Glas sorgfältig die Küstenlinie ab, aber wir konnten keinen Landungsplatz ausfindig machen. Ueberall starrten uns schamnumbrandete Eisklippen entgegen. Nur über eine einzige Stelle auf bem linken Ufer ber Palmerbai waren wir im Zweifel, da eine vorspringende Felsecke ben dahinter liegenden Meeresteil unseren Blicken verbarg.
„Wir werden ein Boot aussetzen muffen," sagte Ka- pitän (Eliffe, „um herauszufinden, ob dort eine Landung möglich ist."
„Es scheint der einzige geschützte Winkel zu sein," meinte Bland.
-Das Wrack liegt vierzig Fuß hoch über der Bran- buvz," fagte der Bootsmann. „Unten von der Klippe ist ihm nicht beizukommen, selbst wenn wir mit dem Boot dort landen können. Aber über dem Eis, an der Ostfeite der Klippe könnten wir vielleicht zu dem Wrack emporklettern. Von hier aus sieht es ja aus, als hätte das Wasser ganze Stufen hineing-waschen. Ob wir aber mit dem Boot hinkommen? Jedenfalls können wir nichts Bestimmtes fagen, bis wir an Ort und Stelle gewesen sind."
„Dann je schneller, je bester, Bland!" sagte der Kapitän. „Lasten Sie sofort ein Boot — nehmen Sie Vakanz neue — klarmachen. Wir müssen wissen, was wir zu tun haben, ehe es dunkel wird."
(Sortierung folgt.)