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Fuld a e r Z ertung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

Mittwoch, 6. Dezember >922.

Nr. 280.

Verantwortlich für den reOauionellen Teil: Dr. I. Kramer, s wr die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. u Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Actiendruckerel in Fulda, ^erotnredier Rr. 9. Post'ckeck-Konto 4051 Frankimt a. M.

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Rekiamezei'e Cleit breitet nach Colone'maß <5 ..iictr.f-n

Widerhall zu vernehmen, der wie das Anschlägen eines schlaffen Toppsegels an den Mastbaum klang.

Hört ihr uns?" fragte eine Stimme aus dem Nebel.

Wir werden angerufen", schrie ich, atemlos vor Spannung.

Schiff ahoi!" klang es jetzt wieder in heiseren, dün­nen, aber deutlich vernehmbaren Lauten zu uns herüber.

Antworten Sie, Bland!" rief der Kapitän dem Steuermann zu.Sie haben bessere Lungen als ich."

Halloh!" brüllte Bland in langgezogenen Tönen.

Welches Schiff?" fragte die heisere Stimme aus dem Nebel.

Brigg Albatros von Buenos Aires. Wer dort Die Helen Mac Gregor von Hüll, zwanzig Monate unterwegs. Was ist denn los, daß ihr Kanonenschüsse ab­feuert?"

Alles in Ordnung hier", schrie der Steuermann.Ist Eis in der Nähe?"

Das wollten wir auch fragen", echote die heisere Stimme.Seit Tagesanbruch liegen mir im Nebel."

Es war ein eigentümliches Gefühl, der aus dem Ne- bei klingenden Menschenstimme zu lauschen, ohne den Sprecher ober sein Schiff sehen 'zu können. Lange konnte die seltsame Unterhaltung nicht fortgesetzt werden. Schon die nächste Frage war nicht mehr zu verstehen. Dann hörten wir überhaupt nichts mehr.

Bald trieb die scharfe Kälte mich in die Kajüte zurück. Etwa nach einer halben Stunde spürte ich, wie die Brigg sich auf die Seite legte, ohne sich wieder emporzurichten, und schloß daraus, daß ein frischer, fegelfüllender Wind aufgesprungen fein müsse. Das geschäftige Hin und Her über meinem Kopfe und das stärkere Rauschen des am Bug aufschäumenden Wassers bestätigten meine Ver­mutung. Als ich an Deck kam, fand ich den Albatros dicht bei dem Winde unter den schon am Morgen gesetzten Segeln, einem gerefften Großmarssegel und der Fock; in einiger Entfernung von uns bemerkte ich einen großen, schwarz angeftridjenen Dreimaster, der seine Toppsegel backgebraßt hatte, als ob er auf uns warten wolle.

Das Meer bot in diesem Augenblicke ein großartiges Bild. Eine steife Brise peitschte die Wogen zu Schaum, zerriß die wallenden Nebel und trieb sie in dichten

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etwas über

mittel, das Getrei

fizit der Poft 120 Milliarden

* Neue Gehaltsforderungen. Die Spitzenorga« nisationen der Beamten beschlossen, Dienstag vor­mittag eine Kommission in das Reichs­finanzministerium zu schicken, die die Regie­rung eriudjen soll, mit den Organisationen über eine Erhöhung der Beamten- und Staatsar- beitereinkommen zu verhandeln.

* Der neue Präsident des Staatsgerichtshofs. Anstelle des am 1. Januar 1923 zurücktretenden Senatspräsidenten Dr. Hagen ist nunmehr end­gültig Senatspräsident Dr. Schmidt zum Präsi­denten des Siaatsgerichtsbofs ernannt worden.

* lieber den neuen ErnShrungsminister Luiher schreibt dieVolkszeitung" in Essen, -wo Luther bis jetzt Oberbürgermeister war:

Wenn heute Oberbürgermeister Dr. Luther dem an ihn ergangenen Rufe Folge leistet, so geschieht es wahr­haftig nicht zur Befriedigung eines etwaigen Ehrgeizes, sondern in dem sicheren Bewußtsein, sich einem Unter­nehmen zu widmen, dessen Entwicklung ganz unbe­rechenbar ist. Die Geschäftsgewandtheit des Herrn Dr. Luther ist unbestritten, eine durchgreifende Hand besitzt er, die Kenntnis von der Ernährungslage im In-

M SMfimfrtontot Bor W. Die Täter bekennen sich unumwunden zu dem Mordplaue.

Haupt möglich ist. Infolgedessen sind die meisten Haushaltungen nicht in der Lage, der schweren wirtschaftlichen Belastung einer Brotpreiserhöhung durch geminderten Konsum entgegenzutreten. Des­halb müssen es äußerst schwerwiegend» und unaus- weichbare Gründe gewesen sein, die die Regie­rung zur Erhöhung der von der Reichsgetreids- stelle bezahlten bezw. geforderten Getreidepreise veranlaßt haben.

Es dürfte eine allen bekannte Tatsache sein, daß unter den tausendfachen Nöten des unter dem Druck des Versailler Vertrages feuf-

Ehrhardts Protest.

Wie aus Leipzig aem»ldet wird, hat der tn München verhaftete Kapitän Ehrhardt gegen den Haft- befehl, auf Grund dessen er festgenommen worden ist, Beschwerde eingelegt, über die derStaatsgerrchts- hof -um Schutzs der Republik voraussichtlich am Mittwoch die Entscheidung treffen wird. Das Untersuchungsmaterial gegen Ehrhardt umfaßt eine große Anzahl verschiedener Delikte.

Ausland..

* Das angebliche deutsch-russische Miluiirab kommen. Im englischen Unterhaus erklärte -^anar Law, daß er keinerlei Kenntnis von einem Militär- abkommen zwischen Deutschland und sowjetrußland l)Qb* Freilassung der griechischen Generäle. Die Generäle Busmanis, Pallis, Exdektylos und Valet- tos sind wieder in Freiheit gesetzt worden.

dustriebezirk bringt er mit m das neue Amt, seine Auf- . gäbe wirb es sein, Mittel und Wege zu su-^n.nb,^ fer notvollen Zeit währenb des furchtbaren Wmters die Lebenshaltung bes Volkes einigermaßen ertrag ch zu aestokken fierr Dr. Luther tritt politisch unb e= [ a ft e t in die Regierung Cuno ein: offiziell gehört er keiner Partei an, jedoch dürfte feine Herzensneigung nach der Seite der Deutschen Dvlkspartei gehen. Bestimmtes darüber zu sagen, ist aber schwer. _,

* Dcc sächsische Schulerlaß. Wie, dieLachftzche BolkszÄtimg" erfährt, hat das Reichsmrnlste- rium des Innern der sächsischen ReUcrung mit" geteilt, daß ihre Verordnung beMglich des Schutira- suches an staatlich nicht anerkannten Feiertagen m it der Reichsverfassung in Widerspruch steht. Da trotz dem Verbot ein nacht geringer Teil der Elternschaft im ganzen Freistaate an dm letzten kirchlichen Feiertagen ihre Kinder vom Schulbesuch MückFÄhaltern hat, dürfte eine Erklärung der sächsischen Regräruna roohl mit Recht zu erwarten sem, w« sie sich" angHchts der Auffassung des Reichsmmistrrmrns die Regelung dieser Frage denkt.

aber erst im -----

Spritze Habs er von einem Ungarn erhalten, den er tn Budapest kennen gelernt habe. Dieser habe erklärt, mit diesem Instrument in Budapst schon manchen Ju­den beseitigt zu haben. Als Grund für die Tat gab der Angeklagte an, Schetdemann habe als sogen, kaiserlicher Staatssekretär den Kaiser verraten und als Oberbürgermeister in Wilhelmshöhe seine Möbel ge­stohlen. Auf die Frage, wer ihm das Amt gegeben habe, als Richter aufzutreten, antwortete der Angeklagte: Gott!" (Gr. Bewegung.)

Nach Beendigung der Vernehmung des Angeklagten Oehischläger gab Kriminalkommissar Gropen gieße r- Kassel eine eingehende Darstellung der Verfolgung und der Verhaftung der Täter. Die Angeklagten hätten zu­nächst hartnäckig geleugnet. Schließlich habe Hustert ge­standen, worauf Oehlfchläger die Tat zugegeben habe. Oberbürgermeister Scheidemann gibt als Zeuge eine Darstellung des Verlaufes des Attentats. Die

MöMWeWW-WUZl

Verschiebung der Brüsseler Konferenz?

Von unterrichteter englischer Teste verlautet, daß der genaue Zeitpunkt des Beginns der Londoner Vorkonferenz der alliierten Premierminister noch nicht feststehe, und daß es für Donar Law unmöglich sei, die Konferenz vor dem 16. Dezember an einem andern Orte als in London akyuhalten. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß eine Einigung zwischen den vier Alliierten in der Reparationsfrage vor der Brüsseler Konferenz von Wesentlicher Bedeutung sei. In London glaubt man jedoch, daß man für den Fall, daß die Brüsseler Konferenz nicht mchr in diesem Jahre stattfinden könne, eine sehrkurzbefristete geit©eilige Vereinbarung bezüglich der nächsten deutschen Reparationszahlungen befürworten werde.

Das englische Kabinett wird in dieser Woche das Reparationsproblem einer eingehenden Prüfung unter­ziehen. Der Meinungsaustausch zwischen Frankreich und Belgien soll dazu geführt haben, daß die bel­gische Regierung insofern von der französischen Regierung abgerückt ist, als sie sich nicht mit den sronzösischen Vorschlägen in bezug auf Deutschland einverstanden erklären konnte. In Londoner politi­schen Kreisen erwartet man noch vor Eröffnung der Mmisterikonserenz eine sehr heikle Lage. Man nimmt an, daß die Londoner Erörterungen zu einem Versuch, traue Wege in der Reparationsfrage einzuschlagen, führen werden.

Bonar Law hat erklärt, daß er keinerlei In­formationen bezüglich eines französischen Planes über die Besetzung des Ruhrgebietes habe.

Ein Empfang beim Reichskanzler.

Nach einer Meldung aus Berlin wird Reichskanz­ler Dr. Enno Dienstag abend die Führer der Reichs­tagsfraktionen und andere hervorragende politische Persönlichkeiten zu einem parlamentarischen Abend empfangen.

Die deulschualionale Ansicht.

Die P artei Vertretung der Deutsch- Nationalen Volkspartei nahm am Montag in Berlin eine Entschließung an, in der die Reichs­regierung auf gefordert wird, in Einigkeit mit der bayerischen Regierung die Forderungen der Botschafter- koniferenz tüegen der Vorgänge in Passau und Ingol­stadt mit unbeugsamer Entschlossenheit zurückzu- w^isen.

Vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig begann der Prozeß gegen dir Vorüber des Anschlages auf Scheibe­mann, ben 22jährigen Kaufmann ^ranz H u st e r t aus Elberfeld unb den 29jährigen Landwirt Oehlfchläger aus Althammer wogen versuchten Mordes unb unbefug­ten Waffenbesitzes. Es finb 23 Zeugen unb zwei Sach- oerftänbigc geladen. Oberbürgermeister Scyeibomann Hk persönlich anwesend. . , . . . .

Der Angeklagte Hustert sagt bei semerDer- nehmimg aus, daß er Oehlfchläger beim schlesischen Grenzschutz kennen lernte. Ende Oktober 1921 kam dieser nach Elberfeld unb Weihnachten sprachen sie darüber, daß einige führende Personen beseitigt werden müßten, doch war von Mordabsichten nicht die Rede. Oehlfchläger kam im April 1922 nach Köln. Dort beschloß man nach Gesprächen über Politik, S ch e i- bemann zu beseitigen. Man verabredete, baß Oehlfchläger bte Tat ausführen sollte unb daß er (per Angeklagte) ihn unb feine Flucht in jeder Weife bocken sollte. Der Angeklagte gab weiter an, baß Oehlfchläger ihm eine Flüssigkeit gab unb sagte, daß deren tödliche Wirksamkeit nur etwa sechs Tage anhalte. Woher die Spritze gekommen sei, wisse er nicht. .

Der Angeklagte Oehischläger sagte aus, er habe feit Ausbruch der Revolution den Plan gefaßt, Scheibe­mann zu erschießen. Die nötigen Mittel habe er - ' Frühjahr 1922 beisammen gehabt. Die

Tettau, baß bte Täter fid) nad) bem Attentat unbe- fugterroeife währenb seiner Abwesenheit tn einer Kasseler Wohnung mehrere Tage ouMhaiten hätten. Jrgenbwelche Beziehungen zu den Attentätern, namentlid) politischer Art, habe er nie gehabt. In wei- chen Beziehungen seine Wirtschafterin zu ben Attentätern geftanben habe, wisse er nicht.

Der Rechtsbeistanb bes Nebenklägers Scheibemann. Dr. Werthauer, beantragt, die W irisch oft e- rin unb bie Personen, bie in Oberschlesien ben Atten­tätern zur Beschäftigung als Forstarbeiter verbo!?-n haben, vorzulaben, bamit btefe bekunden, datz hinter ben Tätern eine Z e n t r a l o r g a n i f a t i o n stehe. Der Borsitzenbe bittet, davon abzusehen, da bte Wahrfcyetw lichkoit dieser Behauptung klar auf der Hond itege fm bie in Frage stehenbe Tat aber nicht tn Betracht komme Der Oberreid)sanwÄt erklärte ebenfalls, baß bte Ladung dieser Zeugen nicht nötig fei, ba ein Verfahren gegen bie Teilnehmer unb Mitwisser des Attntats schwebe.

Täter hätten ihm zweimal eine Flüssigkeit ins Gesicht gespritzt. Nach bem ersten Spritzer habe er auf Zurufe feiner Tochter zwei Revolverschüffe abgegeben, jeboch schon beim zweiten Schuß das Bewußtsein verloren. Fräul. Luise Schetdemann sagt aus, baß Hustert mehrere Male gespritzt habe. Nach der Vernehmung von Sachverständigen, die bekundeten, baß es sich um Blausäure gehanbelt habe unb daß der Anschlag, wenn nicht besonders glückliche Umstände vorhanden ge­wesen wären, sehr leicht den Tod Scheidemanns, zum mindesten aber schweren gesundheitlichen Schaben hätte herbeiführen muffen, betunbete Geheimrat von

Uns wird geschrieben:

In immer unheimlicherem Tempo macht dar Schwungrad der Preisbewegung seine Umdrehun­gen. Kohle, Eisen, Kali, Textil- und Lederwaren, Fleisch, Margarine, kurz alle Bedürfnisse des täg­lichen Lebens verzeichnen einen, man kann fast sagen von Tag zu Tag steigenden, mehr oder mm- der erheblichen Preiszuwachs. Selbst die bis dahin noch relativ niedrigen Wohnungsmieten konnten von der allgemeinen Tendenz der Erhöhung nicht ausgeschlossen werden. Kann es da Wunder neh­men, daß auch die Preise für das wichtigste Lebens­mittel, das Getreide, eine Steigerung habe er­fahren müssen, was ja nichts anderes heißt, als daß das Brot teurer wird. Das ist eine gewiß bittere und tiefbedauerliche Tatsache, da sie den Haushalt der erwerbstätigen Bevölkerung in empfindlicher Welfe belastet. Wenn es auch an sich begreiflich ist, daß gerade die Verteuerung des Brotes besonders peinliche Empfindungen auslöst, läßt sich doch der Verbrauch gerade dieses unumgänglichen Lebens­mittels unter ein gewisses Mindestmaß nicht her- unterdrücken, wenn eine solche Herabsetzung über«

Vie Dardanellen-Aage.

Gegensätze auf der Konferenz in Lausanne.

Die Kommission der Friedenskonferenz befaßte sich mit der Meerengen frage. Der russische Ver- trdcr Tschitscherin verlas eine Erklärung über die grimdsätzliche Haltung Rußlands in dieser Frage. Der türkische Vertreter Ismet Pascha schloß sich seinen Ausführungen vollinhalt­lich an, ebenso der Vertreter Bulgariens. Der rumänische Vertreter sprach sich für die Durchfahrt von Handels- und Kriegeschiffen und die Entmilitarisie- rung der Meerengen aus. Lord Curzon erklärte, es habe den Anschein, als wenn Rußland nicht nur Ge­orgien und die Ukraine, sondem auch die Türkei ver­trete. Tschitscherin verlangte darauf, daß auch die Alliierten ihre Auffassung über die Frage kundgäben. Die Alliierten werden sich darüber schlüssig werden.

Deutscher Reichstag.

Gegen die sächsischen SutturkampfverordnungLN.

Auf der Tagesordnung der Montagsitzung steht zu­nächst die Zentrumsinterpellation über den Erlaß des sächsischen Ministeriums über bte Teilnahme von Lehrern unb Schülern an religiösen Feiertagshanb- lungen. In ber gleichen Angelegenheit haben bie Deutzch- nationalen eine Interpellation eingebracht, bte stcy nur bem Schutz ber religiösen Freiheit außer tn Sachsen auch in Thüringen unb Braunschweig befaßt, »etbe Interpellationen sollen in ber geschäftsorbmmgsmaßigen Frist, wahrscheinlich anfangs nächster Woche beantwortet werden.

Das Haus erledigt bann eine Reihe kleinerer Vor­lagen unb nimmt ben sechsten Nachtrag jum Reichshaus- halt über die Erhöhung ber Beamtengehalter m allen drei Lesungen an. _ , . _ ,,.

Sodann wirb bie Beratung der neuen Geschäfts­ordnung fortgesetzt. Die Paragr. 91 und 92 geben dem Präsidenten die Ermächtigung, Abgeordnete, die die Ordnung gröblich verletzen, aus einer Sitzung a u s z u s ch l i e h e n. Fugt sich der Ausgejchlossene ben Anordnungen des Präsidenten n-cht, so kann ber Aus­schluß auf acht und bei wiederholter Weigerung auf 20 Sitzungstage ausgedehnt werden. Abg. hollem (Korn.) protestiert gegen den Versuch, mit solchen Hou^knecht-- paragraphen die Opposition zu unterdrücken. Aoer seine Partei werde auch in Zukunft sich durch mchts. bindern lassen, in diefer Schwatzbude von Roichtag tn th-er Art für das Proletariat zu kämpfen. Die Ordnungs­bestimmungen des Par. 91 und 92 werben aber tn der Ausfchußfafsung angenommen.

Dienstag: ' 17. Nachtragsetat und Ruhegehalt des Präsidenten. _________'

Deutsches Reich.

* Berlin, 5. Dez. DerReichsanzeiger" veröffent­licht eine Verordnung über die Versicherungsp-ftichl, Virstcherungsberechtigung und Grunbiöhne in der Krankenversicherung. Der Hauptausschuß des Land­tags hat den Antrag Fröhlich (D. Vpt.) wegen des Frankfurter Goethehaufes einstimmig an­genommen und beschlossen, eine jährliche staatliche Bei­hilfe zur Erhaltung dieses Nationaldenkmals zur Ver­fügung zu stellen und das Reich gleichfalls zu einer Beihilfe aufzufordern. Das Reichskabinett stimmte dem Gesetzentwurf zur Wnderung des Gesetzes über die Maßnahmen gegen die wirtschaft­liche Notlage der Presse vom 21. IM zu. Hiernach soll die Abgabe von Holzverkäufen im Walde (§ 2 des Gesetzes) von % Prozent auf 1% Prozent er« höht werden. Der Reichsrat nahm die Erhöhung der Postgebühren znm 15. Dezember an. Der Bericht- erstatt,er der Ausschüsse betonte, daß zurzeit das De-

Eismeer.

Roman von Clark Russell.

Neunzehntes Kapitel.

Mitten im Eis.

-. Margen..des 29. Januar 1861 teilte Kapitän Cliff« mir beim Frühstück mit, daß wir jetzt vermutlich (eine genaue Beobachtung war wegen bes ungünstigen Wettsrq feit zwei Tagen nicht möglich gewesen) 50 0 30 ©üb unb 45 West erreicht hätten. Ich warf einen nörglet» chenben Blick in mein Notizbuch unb rief in jäher lieber, raschung aus:

Großer Gott, Eliffe, wisjon Sie auch, baß wir kaum zwei Meilen von der Stelle entfernt finb, wo bas Wrack der Lady Emma von ber Mannschaft im Stich gelassen wurde?"

Ja", sagte der kleine Mann nach einer Pause unb schob nachdenklich Messer unb Gabel beiseite,bas kann stimmen: wenn ich auch Kurs unb Distanz für bie bei­den letzten Tage nur nach bem Log berechnen konnte, so bin ich doch sicher, daß meine Berechnung innerhalb zehn Seemeilen stimmt."

Es war bitter kalt,, -und habet herrschte ein so dichter Nebel, daß man vom Steuerrad aus nicht ein­mal bis zum Großmast sehen konnte. Die Brigg lag bei­gedreht unter kleinen Segeln. Eine schwere Kap Horn- Dünung spielte mit dem kleinen Fahrzeug, fchteuderte es bald hoch empor auf den Gipfel des nächsten Wellen­berges und ließ es dann wieder in scheinbar hoben* lose Abgründe hinabstürzen.

Die Bewegungen des Schiffskörpers glichen krampf­haften Zuckungen unb erschwerten jebe Beschäftigung. Man konnte nicht einmal ungestört essen, beim Speisen inb Tischgerät kollerten burchei-iander, unb ber Schiffs­junge, zu besten Obliegenheiten auch bas Tifchbecken ge­hörte, war bei dem heftigen Rollen und Schlingern des Schiffes von der Kajütentreppe gefallen unb bebiente uns mit verbundenem Kopfe.

Am Tage vorher hatten wir trotz Nebelschleier unb Schneetreiben mehrere Eisberge gesichtet unb die ganze Nacht hindurch scharf Ausguck gehalten Seit Tages­anbruch jedoch schien das Schiff wie von einer dichten Wattefchicht umgeben, die jeden Ausblick hinderte und jeden Schall dämpfte. Nur dicht am Bug hörte ich, als ich nach dem Frühstück an Deck ging, ein eigentümliches Schnauben und Blasen.

Das ist ein Walfisch," sagte der Kapitän. Mit einem Satze spkcmg Bootsmann Bobkin in bas Fockwant und fid) weit ablehnend, starrte der alte Walfischfänger scharf horchend und mit gespannter Aufmerksamkeit nach ber Richtung bes Schalls. Sehen konnte aber auch er nichts als graue Nebeischwadsn.

Aber wir wußten, daß wir mitten im Eis trieben. An Gefahr dachte ich nicht. Tief bewegt blickte ich in den wallenden Dunst. Hier war die Lady Emma ge­trieben. Hier war meine arme Eveline mit Kapitän Burke und feiner Frau auf dem maftenlofen Wrack hilflos zurückgelassen worden, mitten unter den drohen­den Kolossen von Eisbergen . . . Von hier aus war das Wrack nad) ber Krönungsinsel verschlagen worben. --Ich zitterte, wenn ich baran dachte, daß die näch­sten Tage die Entscheidung bringen mußten.

In tiefes Sinnen verloren, stieg ich mechanisch die Kajütentreppe hinab und betrat die behaglich durch­wärmte und erleuchtete Kabine. Aber auch hier wollte meine innere Unruhe nicht weichen, und als ber Steuer­mann zum Mittagessen herunterkam, galt meine erste Frage bem Wetter.

Dick wie Dreck", Herr", antwortete er mit einem seiner Kraftausbrücke.

Gar kein Wind, Vlanb?"

Rein aber in diesen Breiten ist dem Wetter keine fünf Minuten zu trauen."

Glauben Sie, daß Eis in der Nähe ist?"

Der Bootsmann schnüffelt beständig mit bet Nase in der Luft herum unb behauptet, Brandung zu Horen. Wir übrigen merken nichts davon, aber diese Walfisch- fanget hüten ja 's Gras wachfen!"

Damit begann er mit vollen Backen zu tauen. Ich zog meinen dicken Uebertock an und ging wieder an

Deck. Noch immer lastete der Nebel unbeweglich auf her schweigenden Wasserfläche und ich wurde fast rasend bei dem Gedanken, daß wir bei klarem Wetter jetzt schon den steilen Felsgipfel sichten konnten, auf dessen Ab­hang das Wrack lag. Gelblicher Dunst aber, ber an Undurchbringlichkeit dem dicksten Londoner Nebel nicht nachstand, hüllte selbst die allernächste Umgebung in feine mißfarbenen Schleier. Nichts war zu hören als das eintönige Tröpfeln der sofort zu Ciskriftallen gerin­nenden Dunsttropfen, die unser Schiff allniählid; mit einem glitzernden Panzer überzogen. Ab und zu klang von oben her das müde Klatschen des Toppsegels in das monotone Geriesel ober aus ber Tiefe das leise Gurgeln des Wassers.

Ich stand neben dem Kapitän und lauschte angestrengt in das gespenstige Wogen und Wallen hinaus, als id) plötzlich ein eigentümliches Geräusch hörte. Es klang nah und doch fern, als habe sich ein unsichtbares Hindernis zwischen uns und die Schallquelle geschoben.

Eliffe hörte nichts, obwohl er mit unzähligen Gri­massen ben Hals nach der angegebenen Richtung reckte' auch bet Steuermann, ber eben wieher nach oben kam, strengte Ohren unb Augen vergeblich an. Nach einer Pause aber sagte er, auf unser kleines Geschütz beutenb:

Es gibt noch ein anberes Mittel, um bte Nähe von Eisbergen festzustellen. Wenn wir die Kanone hier ab­feuern und ein Eisberg ist in der Nähe, so müssen wir ein Echo hören."

Versuchen wir es;" rief ich.

Der Steuermann ging nach unten und holte Munition. Dann luden ber Kapitän, der vor geschäftiger Erregung die wunderlichsten Gesichter schnitt, und er das Geschütz.

Alles fertig?" fragte ich.

Der Steuermann bejahte und schrie den Matrosen auf bem Notberbeck zu, sie sollten genau aufpassen, ob auf ben Schuß ein Echo folgen mürbe.

Dann tommanbierte ich Feuer.

Eine Flammengarbe färbte ben wallenden Nebel blut­rot unb krachenb dröhnte der Schuß über die See.

Trotz des starken Knalles war mein Gehör doch nicht so betäubt, um von Steuerbord her einen schwachen