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Line mvelterreglerüirz in Sachsen?

Nus Dresden wird gemeldet, daß zur­zeit die Verhandlun.;en zwischen Lozialtsten und Kommunisten über die 9^ tcrunge- bilöurtg im Lande Sachsen gescheitert seien. Em endgültiger Abbruch der Verhandlungen ist damit aber ollem An­scheine nach nicht gegeben, lieber die bemerkenswerten Vorgänge schreibt man uns aus Sachsen:

Der Lantesparte'tag der kommunistischen Pariei in Sachsen, auf dessen Haltung es -n der Frage der Re- gienmgeHiiduNg weseMfch ankommt, hat am 2-?. und 2d. November in Dresden getagt. -Das Ergebnis der Lermurg war ein« einstimmig angenommene Nesc» hiiioii zur politrfHrn Lage, in der es $mnt Schlüsse w*-

„Der Landesparteitag ruft das sächsische Proletariat auf, sich einmütig hinter die Beschlüsse des Reichsbetriebsrätekongresses $u {teilen und einen unerschütterlichen, geschlossenen Abwehrblock gegen die Offensive des Kapitals zu bilden. Die säch­sischen Kommunisten schlagen den sozialdemokratischen Arbeitern Sachsens, die gegen die Koalitionspouttk In offener und verschleierter Form und gegen das Hunger­programm der Reparationsnote kämpfen wollen, die so­fortige Bildung der Einheitsfront hn Kampfe für die Bewaffnung der Arbeiter, gegen die Teuerung, für unbedingte Aufrechterhaltung des Acht­stundentages vor. Rur die Einheitlichkeit und Geschlos­senheit des proletarischen Handelns verbürgt den Sieg der arbeitenden Klasse."

Wenn sich der Parteitag der jächsischM Kom­munisten m dieser aubdiückllchen Form die Beschlüsse des ReichsbetriebL-rätskongresses zu eigen macht, so dürften bamit die Hchsnungen der Sozialdemokraten auf eine Koalition er.it den Kommunisten auf ver­fassungsmäßigem Boden zerschlagen sein. Es finden zurzeit noch Btztzha-blungen zwischen sächsischen Komnrmusten und SSMistm statt, deren Er-Mfis aber cchn« Zweifel ein negattces sein wird. Eine so- ziatemo-lratische Bün-derhs.lsregirnmg würde, das steht jetzt fest, die Unterstützung der Kommumstm nicht firden. Da die Sozialtemokrrsten mit tea D.u.sch- oemokoaten allein ebenfalls keine Mehchritsregreruny zustanten bringen könnten, sitzen sie also in schwerer Bedrängnis. Sie müssen sich überlegen, ob sie nicht eine Koalitiong auch mit der Deutschen Dolkspartei versuchen sollen. Für diesen Füll würde natürlich die komwLmisttsche Agitation gegen die Sozialdemokratie mit doppelter Wucht «insetzen. Die Kommunist en machen sich einen Hauptspaß daraus, die Sozial­demokraten in Sachsen in Verlogenheit zu setzen, und dabei im Trüben zu fischen.

Gemäß den Moskauer Weisungen ist es das Ziel der sächsischen Kommunisten, mit den foz'Mst'.schen Arbeitern eine Arbeilerregierung zu etablieren. Die­sem Zwecke dient auch die oben zitierte Resolution, weiche di« sozialdemokratischen Arbeiter von ihren Mhrern abspenstig, machen will. Die Kommunisten wissen, was ein Arbeiterrogiment in Sachsen für die Entwicklung des kommun st scheu Gedankens in Doussch- iand bedeuten könnte. Darum ist für sie die sächsische Regiermogssraxe in hohem Grade «ine Machtprobe. Der „Vorwärts" -hat dieser Tage geschrieben: „Mit dem kommmristschrn Schlachtgebrüll nach der „Arbei- terregierung" ist nichts getan. Auf welchem Wege soll tarn di.se Arbriterresirrung zustande kommen? Aus parlMnentMischom? Dazu fchlt die M-ch check. Oder aus außenpor.a re.üarschem? Dazu fchlt die Macht. Mehrheit ist noch nicht Macht, aber sie ist die einzig solide Grundlage der Macht."

Daraus antwortete die „Rote Fahne" in Nr. 525 ganz offen und unverblümt: „Das gerade ist es, was wir Kommunisten b.tonen u.ch fordern, nicht nur Mehrheit. f entern proletarisch» Macht, außerparia- meniavische Macht als Voraussetzung für die Sch's- fung einer Arbeiterregieruag auch in Sachsen." Und dann heißt es wriier:

„Die kapitalistische Regierung im Reiche, das Knil- ling-Kabine.t in Orgefchbayern, die Unternehmeroffensive gegen Achtstundentag und Streikrecht, die täglich ärgere Auswucherung und die uns bedrohende faszistifche Kon- terrevolution haben eine Situation geschaffen, die jede einzelne proletarische Partei mit der schwersten Verant­wortung belastet. In Sachsen ist die Möglichkeit ge­geben, durch die von proletarischen Organen gestützte Ar- beiterregierung zum ersten Gegenschlag aurzu- holen. Morgen schon können, wenn die sozialdemokra­tische Partei will, in Thüringen, Braunschweig, Anhalt, Hamburg und Lübeck, wo überall so­zialdemokratisch - kommunistische Mehrheiten bestehen, kraftvolle Arbeiterregierungen mit weiteren harten Schlä­gen gegen die bürgerliche Herrschaft folgen.

Das ganze Mitteldeutschland, einschließlich Provinz Sachsen, ist reif für die Aufrichtung der Arbeiterregierung. Die Arbeiterschaft ist in diesen weiten Bezirken stark genug, als herrschende Klasse aufzutreten. Sozialdemokratische Partei- und Ge­werkschaftsführer haben das bisher verhindert. In Sachfen haben sie heute zu zeigen, ob sie noch fähig sind, «l diese proletarische Kampffront einzufchwenken."

Die Machtg-elüst» und Aspirationen der Kommu­nisten haben durch den vierten imterrotiorchn Welt­kongreß, der dieser Tage in Moskau skattsanb, uu- zweifeihuft neue Nahrung gefußten. Sie halten es für eine unweigerliche Forderung der sozialistisch und kommunistisch denkenden Arbeiterschaft, sich gegenüber der erstarkenden national-sozialistischen B-weyung, b:sanders in Bayern, ei::« Machtposition zu verschaffen. Unter solchen Umstänten ist di« Ver- iegenheft der Sozialdemokralen natürlich dovvelt drückend. Man darf auf da- Ergebnis b efer Aus- emantersetzungen in Sachsen gespannt sein. Di« Vor­gänge bedürfen der schärfsten Aufmerksurlkeit des ganzen deutschen Volkes.

Deutsches Reich.

* Berlin, 30. Nov. 1922. Die für heute onre- setz> Sitzung des auswärttgen AuS chusjeS des Reichstags fällt aus. — Der Kaufmann Schulze aus Berlin, der seinerzeit Angaben über ein ge­plantes A tlentar gegen den "Reichskanzler W"th machte, wurde aus der Saft entlass n, da die Er­mittelungen ergaben, daß die Angaben nicht der Wahrheit ent prechen und dre Äeußerunzen Schal,es auf prahlerischer Groß precheret beruhten. — Der Giiinvsleuerausschuß des Landtages nahm den Eni- Wurf zum Grundsteuergesetz in dritter Semna mit einigen Abänderungen an. Da regen stim mien die Deutschnarionalen und der größere Teil dcs Zentrums.

* Nuntius Pacelli und das bayerische Konkor­dat. Wie ter „Regensb. Anz." mitteilt, wird Nun­tius Pacelli den Winter über noch in Mün­chen bleiben und voraussichtlich erst Anfang März München verlassen, um dann seinen dauernden Wohnsitz in Berlin zu nehmen. Diese Zeit dürfte nach der „Augsb. Postztg." wohl ausreichen, um die abschließenden Verhandlungen über das Konkordat zu einem glücklichen Ente zu führen. Es sei ebenso wichtig als begrüßenswert, daß die Konkordatsverhandlungen vorn Nuntius Pacelli beendet werden, von dem sie auch mit gro­bem Geschick eingeleitet worden sind.

preußischer Lanotag.

Deamlenbesoldung. — Drohende Ivdenprogcome.

In der Sitzung am Mittwoch nahm der Landtag zu- nächst einen Gesetzentwurf wegen der Aenderung des Beamten-Dtensteinkommengesetzes in allen drei Lesungen an. Es soll dadurch ermöglicht werden, den Beamten die erhöhten Bezüge schon zum L De- zember ausz'""hlen.

Der Seutr/ nate Koehler interpellierte dann die Negierung w ’r Einwanderung von Ost. j u d e n. Es ; sich dabei namentlich um ein Ber­liner Problem, .i saft der ganze Schwarm falle über Berlin her. Redner Wägt als Stichtag für die Aus­weisung en den Revolutionstag vor. Der Innenminister Severlag erklärte, soweit deutsche und preußische Jnteresien eine Anschnürung der Grenze er­forderlich machen, soweit es mit allgemeinen mensHichen Grundsätzen vereinbart ist, werde er eine Verschär­fung des früheren Erlasses eintreten lassen. Wir Müs. sen aber auch auf das Ausland Rücksicht nehmen. Wahrscheinlich würden in einigen Jahren Millionen deutscher Arbeiter aus wandern müssen. Wohin? Sollen wir uns durch Härten der Fremden­polizei das Odium des Barbarismus Anziehen? Der Minister kritisiert die böse a n t, s e m i t i sck e Saat, die Herr Kunze in Oberschlesien ausgesät hat und die in Pogromen auszuarten drohe.

In der Aussprache wurde namentlich gegen die De- vorzugung von AuÄändern bei der Zuweisung von Wohnungen gesprochen.

Das Haus vertagt sich auf Donnerstag: kleinere Vor­lagen. ___________

Gewerkschaftler.

— Gewerkschaftliche Spaltung »er postbeamtkuschast. Der Bezirk-Verein Berlin des Reichsverbande» deutscher Post, und Telegraphenbeamten hat bei seiner Bezirks, tagunp Die Gründung einer allgemeinen deutschen Postgewerkschaft beschlossen, die dem f r e i g e w e r k- kchaftlichen allgemeinen deutschen Beamtenbund bei» tritt. Durch diese Neugründung ist eine Spaltung der Postbeamtenschaft ein «treten, die allem Anschein nach in anderen Städten fortgesetzt wird.

wirtschaftliche UampfbeDegungen.

— Der Streift in Mamiheim Eine in den Betrieben der Badiichen Anitln. und Sodafabrik vorgenommene Abstimmung Der Arbeiter hat eine Mehrheit für Den Streik ergeben. Di" Arbeiter sind darauf in den Streik getreten, eS handelt sich um 21 400 Arbeiter. Die Fa-> brrkleitung hat hierauf die E u tl assun g sämtlicher Arbeiter ausgesprochen.

Mttelstandrsragen.

— Elnzelhandelslagung in Limburg. Die Interessen- gemeinschast des Einzelhandels Hessen-Nassau (Sitz Wetz­lar-Frankfurt a. M.) berief am 26. November ihre zahl­reichen Mitglieder nach Limburg, um angesichts der immer mehr steigenden Wirtschaftsnot zu den wichtigsten Abwehrmaßnahmen Stellung zu nehmen. Einige hun­dert Personen waren dem Ruse gefolgt; auch zahlreiche staatliche und städtische Behörden waren erschienen. Nach Begrüßung durch den Berbandsvorsttzenden Gg. B a h r- Wetzlar gab der Referent der Tagung Generalsekretär R. Baum- Frankfurt a. M. in einer umfassenden Uebersicht ein Bild von der allgemeinen wirtschaftlichen Wirrnis, die in den letzten Wochen zu schweren Aus- schreitungen und Plünderungen im Hessen-Nassauischen Bezirk insbesondere in Herborn und Dillenburg geführt habe. Der Einzelhändler stehe in vielen Fällen der Flut der aus ihn eindringenden Steuer- und Kalku. lationsgesetze hilflos gegenüber. In der Frage der An- setzung des Wiederbeschaffungspreises lägen widersprechende Gerichtsurteile vor, doch obsiege lang­sam der Grundsatz, daß keinem Kaufmann zugemutet wer­den könne, seine Waren unterhalb des Wiedereinkaufs­preises abzugeben. Durch die Verkleinerung der Be­triebskapitalien wachse auch die Kreditnot und der Waren- wechsel trete wieder vielfach in Erscheinung. Bezeich­nend sei, daß die verkehrte Preispolitik auch die Konsum­vereine langsam zu Grunde gerichtet habe. Nur in einer strafferen Kartellierung des Einzelhandels und in einer Zusammenfassung zur Berufsgenossenschaft könne ein Lichtblick für die Zukunft liegen. In der Diskussion wurde über die Ueberteuerung des Verkehrswesens und den ungenügenden Schutz des Tumultschadengesetzes leb­haft geklagt. Auch wurden Vorschläge zur Besserung des Gewerbesteuergesetzes durch Verordnung einer Frei- summe laut. Die Tarifgehälter der Arbeiter und An­gestellten wurden befürwortet, wenn auch dem Einzel­handel in entsprechender Weise das Recht der Kalku- lationranpassunä an die Teusrungsoerhältnisse gewähr- leistet werde. Die Versammlung, die aus 30 Städten des Bezirkes besucht war, gab ein ansehnliches Bild von der erstarkenden Solidarität des Kleinhandels.

5chu!e und Volksbildung.

— Das Institut für wissenschaftliche Pädagogik beging am Montag in Münster die Feier des Beginnes feiner Lehrtätigkeit, wozu neben den Vertretern der Behörden und Lehrerschaft auch der Hochw. Herr Bischof Dr. Jo­hannes Poggenburg und Weihbischof Scheifes als Ehrengäste erschienen waren. In der Eröffnungs­rede wies Frl. Oberlehrerin Schmitz- Berlin als Ver- treterin des kathol. Lehrervereins und des Vereines kath. Lehrerinnen darauf hin, wie der Gedanke des Institutes zunächst in westfälischen Lehrerkreisen auskam, im übrigen kathol. Deutschland lebhaft begrüßt und gefördert und nun seine Verwirklichung gefunden hat. Nachdem Bischof Poggenburg für die Bekenntnisschule gesprochen hatte und tem jungen Unternehmen namens des deutschen Episkopates Glück gewünscht hatte, sprachen die Vertreter der einzelnen Körperschaften, Darunter Oberregierungsrat Dr. Peters im Auftrag des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Unter den tingelaufenen Glück­wünschen befanden sich auch solche vom Reichspräsidenten Ebert und sämtlichen deutschen Bischöfen. Die Festrede des Pros. Dr. Eggersdorf-Passau handelte übet „Weltanschauung und Erziehungswisienschaft". Das Schlußwort der eindrucksvollen Feier sprach der Vor­sitzende des Kath. Lehrerverbandes, Schulrat Rhein- l ä n d e r.'

«acholische Welt.

K. K. Die katholische Scholorganisakion Deutschlands. Die Ausgaben der Schulorganisation sind so oewachsen, daß schon seit längerer Zeit Die bisherigen Düroröume nicht mehr ausreichten, es ist nun gelungen, ein eigenes Heim in Düsseldorf, Wilhelm Tellstr. 16, zu er­werben, das im Andenken an den großen Schulapostel Deutschlands, den seligen Pater Canisius, den Namen „Canisiushaus" erhalten hat und vor einigen Ta­gen bezogen werden konnte. Fertstprech-Nr. lautet 9989. (Postscheckkonto Köln 23 267.) Die beiden, nen der Schul­organisation herausgegebenen Zeitschriften „Eltern- Haus und Schule" und „Schule und Erziehung", können in Anbetracht ter andauernden Papierpreissteigerung nicht mehr zum alten Preise geliefert werden. „Ettern- haus und Schule" wird allen Mrderern der Schi'lorgani- fation zugsstellt. Der Földererbeitrag beträgt 109 Mk Die Zeitschrift , Gbule und Erziehung" muß in Zukunft eigens bestellt werden Sie soll zu einem führenden ka­tholischen Schulorgan ausgebaut werden und zweimonat­lich erschein,n. Der Jahresbeitrag für Kieze Zeitschrift is: auf 200 Mk. festgesetzt worden. Alle Freunde der Schui- crganifahoii werden bereich gebeten, auch im Sabre 1923 treu zu bleiben.

Heimat.

Fulda. 30. November 1922.

Schwester G f-

Ein langes Leben im 1 ..sie ter christlichen Karitas hat sich vollende. Schwester Gisela, die langjährige Oberin des HeiliFseist- Hospitals, ist heute morgen 4 Uhr nach längerem Leiten in ein besseres Jenseits abgerirfen worden. 3m Sommer konnte sie noch, allerdings schon körperlich geschwächt, ater Mit noch voller Geistechrische, unter allgemeiner Veteiligung von Behörden und Bekannten ihr 50jähriges Ordensjubiläum und ihr 25jährtgss Jubiläum als Oberin des HeiliggeisL-Hospi­tals feiern. Nun hat sie ter liebe Gott abgerufm, um ihr den Lohn zu geben für alles, was sie im Dienste ter christlichen Liede getan hot. Nachdem sie einige Lchre an den Anstalten in Materiell irö Orb sowie im Landkrankerhau.se in Fu'da tätig geDesen war, wurde sie Oberin ter Dolkschen Fürsorge- und Er- zichMtgsarsbalt in Erfurt. Don dort wurde sie im Jahre 1898 als Oberin mich Fulda ins Heilig­geist-Hospital berufen. UeteraS hat sie da» Andenken einer überaus eifrigen, energischen und um­sichtigen, ater ebenso mit herzlicher Mutterliebe be­sorgten Schwester hinterlassen. Ihre Ssele wird dem fromnren Gebete aller die sie kannten, besonders aber aller terer empfohlen, denen sie Kraft und Leben ge­widmet hat. _

— Die neuen Postgebühren. Der Verkchrsbeirat der Postverwallvng beitet die neuen Vorlagen über die Postgebühren. Demnach würden ab 1 5. Dez. u. a. solvente Sätze gelten: Postkarten im Orts­verkehr 5 Mark, im Fernverkehr 15 Mark, Briefe im Ortsverkehr bis 20 Gramm 10 Mark, im Fernverkehr b's 20 Gramm 25 Mark, Dntckiachen je nach Gewicht 5—45 Mark, Pakete nach Gewicht bis 20 Kilo in der Nahzone 125 Mk. bis 850 Mark, in der Fernzone 250 bis 1700 Mk. Ter Verkehrsbeirat erklärte sich damit einverstanden, diese Sätze ab 15. Januar weiter zu erhöhen. Dagegen spiach er sich gegen die neuen Fernsprech­gebühren aus und erklärte sich nur damit einver­standen, daß ab 1. Januar die Grund- und Ge- sprächsgebühren anstelle des bisherigen Zuschlags mit einem solchen von 200% berechnet werten. Die Gebührenvorlage gehr nunmehr dem Reichsrat und dem Reichslagsausschutz zu.

— Schutz gegen lästige Ausländer. Nach einer Verfügung des Ministers des Innern sind, wie der amtliche preußische Pressedünst mitteilt, fortan vierteljährlich Nachweis ungen über die in den einzelnen Regierungsbezirken angcordneten und dnrchgeführien Ausweiiungen lästiger Aus­länder aus dem preußischen Staatsgebiet einzu- i eichen. Für de« 1. Julr bis 1. Oktober ist dte Nachweisung umgehend nacht' ügltch vorzulegen. Tabei ist eine zahlenmäßige Uebersicht zu geben, wieviel Angehörige der einzelnen fremden Staaten» von dem im Lru,e des Berichts-Vierteljahres ange« 0'dneien und tatsächlichdurchgeführten Ausweisungen betroffen roeben sind.

— Eine Leihgebühr bei der Landesblbliokhek. Die Direktion' der Lanüesblbliothek teilt uns mit: Die ins Ungemeffene steigenden Bücher- und Duch- bmdeprsise in Verbindung mit den hohen Kosten für Heizung, Beleuchtung, Formulare usw. nötigen die Anstalt, vom 1. Dez ember ab eine Leih­gebühr von 3 M für jedes Werk zu erheben. Was andere Bibliotheken längst eingeführt haben, dazu mußten wir uns jetzt leider auch entschließen. Wir hoffen» daß unsere Benutzer in Würdigung unserer Notlage gern den bescheidenen Zoll von 3 M ent­richten und der Anstalt die Treue bewahren werden. — Diese Mitteilung gibt Kunde davon, daß die Fuldaer Landesbiöllothek unter der schweren Not der Zeit davon abgehen muß, ihre Geistesschätze völlig kostenlos auszuleihen. Damit schwin­det ein alter Brauch, der sicherlich kulturell und soMi eine hohe, mustergültige Bedeutung gehabt hat. Die Freunde der Landestebiiothek aber wer­ten sicherlich das Scherflein gern zahlen. Denn sie wissen, daß sie dadurch mithelfen, den Betrieb der Bibliothek zu erhalten. Für das geistige Leben in der Stadt Fulda ist das von so erheblicher Bedeu­tung, daß keiner, der Anteil an diesem ßeten hat, vor einem materiellen Opfer zurückschrecken wird, das durch hohe geistige Werte vergolten wird.

--- Ablehnung des Schiedsspruchs durch die An- ßeft tl'en. Man berichtet uns: Die für geftem ein« berufene Angestelltenversammlung hat zu dem bereits mitgaeüen Schi.tes Mch, der die Novem- teite’üge ter Angestellten Fuldas regeln sollte, Stel­lung genommen ihn ati[ Grund einer eingchenüen Bs.-arss:rrechnung eines anxefenten älteren FanÄien- tweis als atsoiut unzuivichs.!d ab gelehnt, ganz besonders auch deswegen, weil die Oktobergehältsr den amtzichsn Teuemnyszahlen für Lktoter nur zur Hälfte gerecht geworden waren. Im Versamm- tumgeexrlauf wurte folgende Entschließung angenom­men: „2Xe am 29. November im Tarif aale ver­sammelten techn. und kansm. Angestellten haten mit Entrüstung von dem Schiedsspruch des Schlichtungs- Ausschuß Fuldas Kenüris genommen. Sie erblicken in dem Schi-chefpruch eine Berocnmndung ihres Stan­des einerseits und antevsrse.tZ eine unsoziale EinstÄ- lung des tschllchiungsausschujss», dem sie die Erven» schärst einer wirtschaftlichen und den Zeitverhältnissen er-ffprecheeDen Llfftang urtedingt absprechen müssen. Mit ganz betonterer Entrüstung nahm die Becsammlueg Kenntnis von ter Einstellung des Vorsitzenden des Schlich-ungsaueschulses, ter seiner Meinung in einer Form Ausdruck gab, daß Zweifel an der Lbjek- tivität tesselbsn entstehen müssen. Die Angestellten sprechen diesem Vorsitzeichen daher ihr Mißtrauen aus und lehnen es ab, in Zukunft sich dem Spruch eines Unparteiischen zu umerw-ersrn, ter dem Arbeitgeter- ftande angehört."— Angesichts dieser Entwicklung ter Dinge mochten wir die Hoffnung aussprechen, teß die Meinungsverschietenheüm. die hier zu Tage treten, noch rechtzeitig gebannt werten können und eine Störung tes Wirtschaflstedms vermieden wird.

Unversiegelte Werlpakcie bei ter poft. Die Wertgrenze für unrersisgelte Wertpakete wird mit Wirkung vom 1. Dezember von 1000 Mk. auf 10 0 00 Mark erweitert.

— Lehrerbi'dmtg und Aufbsuschrrle. Herr Dom­kapitular Prof. Dc. Thielemann schreibt uns: Zu meinem größten Bsdauern sehr ich mich gezwungen, nie; die Erklärung tes vorehrien Herrn Borsitzenten des Lrhrerrerbandes in dw gestrigen Nummer ateBTals zu antworten. Es hat allgemein einen peinlichen Ein­druck gemocht, daß die einfache Mitteilung — nicht Vorlage — tes Herrn ßanterats an den Kreistag und tes ei:mütige Eintreten tes Kreistages für ten kathol. Charakter ter neuen Ausbauschule die erste Erklärung in Nr. 272 herrorrief. Die gestrige ErkiLrung wieder­holt nur die erste und oe. schärft dr-hrib zum Boteucrn aller, die es gut mit ter katholischen Volksschule und Lriö tttiJiilhimc txu&tiAv b«n flijfen Euch ruck. Dsr Kreis»

Das Heimatblatt des Fuldaer Landes ist und bleibt

die Fuldaer Zeitung.

Sie wird zunett als einzige Tageszeitung in der Stadt Fulda redigiert, gedrudet und herausgegeben. Sie gibt deshalb in allen ihren Teilen ein ungetrübtes Spiegelbild der hei­matlichen Verhältnisse, mit denen sie in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht aufs innigste verwachsen ist Sie hat nicht die Absicht sich em grossstädtisches Mäntelchen umzuhängen, legt aber den grössten Weit darauf,

eine moderne Tageszeitung

tu sein. Deshalb unterhält sie einen schnellen NacL richtendienst, der in knapper Fassung über alle Vor­gänge des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens unterrichtet. Für die heimatlichen Nachrichten verfügt sie im Fuldaer Lande und in den Nachbarkreisen über zahlreiche orts- und sachkundige Mitarbeiter. Der Unterhaltungsteil der Fuldaer Zeitung wird aner­kanntermassen aufs Beste gepflegt. Unsere spannen-; den Romane sind besondere in der Frauenwelt schon' immer sehr beliebt gewesen. Auch der Handelsteil ■ der Fuldaer Zeitung wird so gestaltet, dass er dem Bedürfnis weiter Leserkreise im Rahmen einer Heimat*« zeitung gerecht werden kann. Unsere Beilagen,

„Buchenblätter“ und „Haus, Hof und Garten“,

kommen zeitgemässen Interessengebieten noch besonders entgegen unter weitgehender Berücksichtigung örtlicher; Eigenart Nie hat die Fuldaer Zeitung einen Hehl’ daraus gemacht, dass sie

ein katholisches Blatt

Sein will und ist. Dabei war sie sich aber stets der Rücksichten auf die andersgläubigen Mitbürger bewusst und hat namentlich jede Verletzung der Gefühle des evangelischen Bevölkerungsteiles vermieden. Niemand ’ wird ihr nach weisen können, dass sie bei einer paritä­tischen Veranstaltung, wie x. B. die Volkshochschule es ist, nur katholische Dozenten empfohlen hätte Wenn nun auch die ,Fuldaer Nachrichten1 nur auf die evange­lischen Dozenten der Volkshochschule aufmerksam machen, so denken wir nicht daran, dieses Beispiel uns zum Muster zu nehmen. Uns wird das Wohl der Fuldaer Geeamtbärgersch aft immer höchste* Gesetz sein und jeder, der dieses Ziel mit uns teilt, welche religiöse Ueberxeugung er auch hat, soll in der ,Fuldaer Zeitung' einen Bundesgenossen finden.

Wir hoffen, dass zu Beginn des neuen Monats noch mancher Leser in Fulda und im Fuldaer Lande neu gewonnen wird, damit wir mit frischem Mute Weiterarbeiten können für das gestige Band, das unsem Heimatbezirk um. schlingen soll, für die .Fuldaer Zeitung1,

SW WM te fite Ite!

tag in FMw und der Ausbau einer begonnenen Austenschu-le Hier ist nickst enffcheDend für die Resomr der Lehrerbildung und den Charakter ter Austxwrschulc. Ich bin nicht eingeweicht in die Pläne ter kürffägcn Lchrerbiliteng. Wie immer man dieselbe ater auch zur AÜifbausckMe in Beztehung bringt, so wird damit die vcrciiogLLe Stellungnah re des Lehrervcrtentes nicht gerecht fort igt. Wird die Arrfbauschule lediglich eine neue höhere Schule, ohne jede besondere BsFichung Air Lcchrerblldung, so hätte es meines Erachtens der Lchrerverband bMüßen müssen, wenn ehre solche Schule gerate in 'Fulte errichtet würde. Sockte aber bie Aufbauschuls, wie Herr Lch.vr Loekant fürchtet, tat mesenMchen ter künftigen Ausbildung ter Lehrer die­nen dann hätte er zwar bedausm tonnen, daß lang ychszte Steale ter Lehrerbildung sich nicht verwirk- lichten, die kacholischrn Lehrer Men aber dann erst recht ten Ausbau ter Austenschule mit katholischem Charakter m Fulda begrügen müssen, well die Stan- teeinteressen hinter den höheren allgemeinen Interessen zurückstehen Mssen. Es ist em Zeichen ter gangen LerwvrreohÄt m.serer Tage, daß man eine segensreich wirkende Einrichtung abriß, ehe man wußte, was man <m ihre Stelle setzen wollte und konnte. Der Lehrer- verband mag zur Lehrerbildung Stellimg nehmen. Wir begrüßen es, denn es wird zur Klärung ter Sache dienen. Bor ihm aber hat darüber das katholische Dock und di« Kirche zu sprechen, damit, wenigstens nicht durch ihr« Schuld, die unvergSnykichen Interessen ter ihnen anoertro-uten Kinder Schaden taiüen. Damit ist für mich die Sache erledigt.

— Tie verhängnisvolle Lötlampe. Heute motu, gen Vs7 Ulit wurde in der Jugendherberge im Schlo ;gebäude Feuer feitgefteBt. Wahrscheinlich! war durch das erfolgte Hantieren mit einem Löt» apparat bereits gestern abend ein Balken angebrannt woroen, der dann die Nacht durch weiter geschwelt hat. Ter Brand wurde sofort nach feiner Fest­stellung mit Mmimax.-pparaten gelöscht.

= Der- kothollsche Arbeiterverein der vompfarrek bereht am Eonntap, den 3. Dezember, in einer der rldventszeit angepatzten Werse fein 36. StiftunpS-. fest. In der Frühe um V»7 Uhr findet zusammen^ mit dem Männerapo mlat die Generalkommunion statt. Plätze für die Teilnehmer sind reserviert. DeS Abends um 7 Uhr (Kassenöffnung 6 Uhr) geht im <eaal; der Gieselschen Braueiei das Theaterstück „Der Teu», selSs chiosser" über die Bretter, ein von der „VolkS-j fünft" als eines der vortrefflichsten modernen Stucke be-' zeichnetes Werk. Karten sind bet den Vertrauensleuten des Vereins, sowie an der Abendkasse zu Haden.

X Hers'eld. Trotzdem der Schnee nur kurze Zeit liegen blieb, bat sich am Montag abend doch schon ein Unglückssall beim Rodeln zugetragen. Vier Jungen im Alter von 14 —15 Jahren rodelten noch bis abends 8 Uhr, als der Lenker die Gewalt über den Schlitten verlos ter jo unglücklich zur