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FuldaerZeilung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

» Nr. 276.

üerontworuüt »ür d»i leoouioneUen leü: Dr. I. Kramer. - für bk Anzeigen: I. Varze>'er-Fu!da. n SHotationsbrutf u Verlas bet SuRioer »dfenbratferef ht Fulda ~ert»rIgtbfr Vr. u 'Port'decf .^on*o 4051 ^ranffurf o M.

Zreitao, l. Dezember 1922.

Bezugspreis: Monaiii» 150 Mi. Zustellgebühr extta. z Abaeboll in der Geichättssblle 155 Bit:

Anzeigen: Klelnzeiie nach§o'one> 15 Bit; ausw. 10 Bit "ftNomenlit (Tenhreite> nach Colone mast 69 n'art.

49. Zahrg.

durch die strengeren Bestimmungen des B. ®. B. t auch dem schuldigen Teil mH dem Rechte betraut, auf Generals Rollet auf einen Mangel an gutem Wil< «twh X 5V A M A f 1t I t ft M ** i t »Vt fiel« f/t I z4-xt 4«t. . (►ilfbMlSimn 111 ** />trt f HtP ffw Hlh Hl 1 ftffl I f ZI V» Ra! M f auS GaRa IA 5YT} fi

und demRevolution s"zentrum. Er sucht ZU'

len bei Deutschland stoße. Die französische Militär-

der Stelle.

Kus dem besetzten Gebiet.

fpd Zweifaches Todesurkeil. Das französische Kriegs, gericht in Wiesbaden verurteilte die beiden marokka­nischen Soldaten, die im Oktober d. I. eine zwi­lchen Frankfurt und Sossenheim belegens Wirtschaft mehrere Stunden unter Feuer hielten und dabei einen unbeteiligten Deutschen töteten, zum Tode. Der Wirt hatte den beiden Soldaten dir Verabfolgung von Vier verweigert.

merken zu dieser Art des Angriffs gegen das Zentrum. Zunächst: um überhaupt das Staatswesen aufrecht er­halten, Politik machen, Gesetze durchbringen zu kön­nen, bedarf es einer Regierung. Zunächst muh das politische Haus stehen, ehe man an den Ausbau durch Gesetze und Gesetzesreformen gehen kann. In der außenpolitisch schwierigen Situation vor IM Jah­ren, als das Kabinett Wirth die Rerieruna antrat, aber war es die Sozialdemokratie, die neben Zentrum und Demokratie das wankende Haus stützte. Die Infam- menarbeif, die oberste S'aatsnotwendigkeiten forderten, änderte aber in keiner Weise etwas an der Stellung­nahme des Zentrums in den Fragen der Ehefcheidimgs- erleichterung. Eindeutiger und nachdrücklicher kann man den Standpunkt des Zentrums wirklich nicht mn- schre'ben, als der Rcichenrinister a. D. Dr. Bell in der Reichstagssitzung vom 24. Februar 1922 es tat:

Meine Partei und meine Fraktion legen entscheiden­den Wert darauf, ihre Stellungnahme zu den angekün­digten Vorlagen oder Anträgen betreffend die Eheschei- dungsgründe mit aller Klarheit und Deutlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Wir halten von unserem religiösen und sittlichen Standpunkte unerschütterlich fest an der Ueberzeuqung, daß die Ehe unauflöslich ist und wir werden deswegen allen Vorlagen und allen Anträ­gen, die auf eine Erweiterung der Ehescheidungsgründe hinauszielen, entschiedenen Widerstand ent­gegensetzen."

Daran ist nicht zu drehen unb zu b uieln, D:r Standpunkt des Zentrums ist einheitlich und klar. Kann das der deulsHnatiönale Angreifer für seine Partei in Anspruch nehmen? Wenn er päpstlicher sein will als der Papst, so findet er damit bei großen Teilen sein-r Partei wenig Gegenliebe. Der deutschnationa'e Abg. Warmuth gibt das Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe preis, wenn er in feiner Reichstagsrede vom 23. Februar d. I. den § 568 des BGB. dahin ergänzt sehen will, daß manvon besonderen Gründen Abstand nimmt, eine allgemeine Zerrüttung zuläßt ... und

In meiner Ungeduld setzte ich meinen Fuß in die Kettenluke und schwang mich über die niedrige Schanz- kleidung an Bord. An Deck herrschte ein unbeschreib­liches Durcheinander von Booten, Pumpen, Fässern und allerlei Geräten zum Walfischfang; mittschiffs bemerkte ich eine Vorrichtung zum Trankochen, und der widerliche Fettgeruch, den all diese Gegenstände ausströmten, legte sich mir beklemmend auf die Brust. Dazu waren die Deckplonken so schmierig und sch'üpfrig, daß ich Mühe hatte, mich auf den Beinen zu halten.

Ctwn zwanzig Matrosen lungerten in allen mög­lichen Stellungen untätig an Deck umher, rauchten ihre Pfeifen und spannen ihr Garn. Schon ein Blick zeigte mir, daß wohl selten ein Schiff eine bunter zusammen- gewürfelte Mannschaft besessen haben mochte als die Seekönigin. Alle Rassen und Nationalitäten schienen sich an Bord dieses Walfischfängsrs ein Stelldichein ge­geben zu haben, und ebenso vielfarbig wie die Haut war auch die phant^stifckge Kleidung dieser abenteuerlichen Gesellen mit ihren Binsenhüten, ihren grellroten Hemden und blauen Dungaree-Beinkleidern.

Tie Leute nahmen nicht die geringste Notiz von mir. eo schritt ich aufs Geratewohl dem Achterdeck zu, wo t>en ltus einer Luke neben dem Steuerrade eine lange. 1

Warum diese Winkelzüge vcm einer Seite, der wir per­sönlich ein überzeugtes Eintreten für die Umuflöslich- kost der Ehe nicht al sprechen wellen, dir aber wohl in der Kampfeeroeise als in der Sache selbst den Standpunkt der deu.schnotionalen Partei vertritt? Un­sere Meinung ist: Der Schutz der Ehe vor allen Aus- iösung: beflrebungrn ist lebenswichtig für unser Volk und läßt nut ein klares Für oder Wider zu. Unwürdig und verhängnisvoll ist es, diesen gefahrdrohenden Boden zum Schauplatz einet Parteipo'emik zu machen, die aus sehr durchsichtigen GrürÄ'-n geführt wird und es nicht vermag, die schwebM>n schwierigem Fragen zu betrachten, in dem groß r;n Zusartmechrng der Schick­salsfrage nach dem Fortbestand und der inneren Ge- fimduitg unseres Volkes.

Schcid'.mg zu klagen." Dem entsprechend äußerte sich unlän.st auch die Deutsche Tageszeitung" zu diesom Thema.

Noch einmal die Frage: Warum em solcher An­griff gegen das Zen.rnm, dessen Sa.itpntkt in den Eherech'fragen klar und unanse iztbcrr ist und sich völlig deckt mit den kürzlich veröffentlichten Mahn- warten des k a t h o l i s che n E p i s k o p a t es?

einen mehrtägigen Aufenthalt in Buenos Aires rechnen I mußte, so versprach Kapitän Haskins, mir zur Erian- gung eines geeigneten Fahrzeuges behilflich zu fein und mir mit feiner Erfahrung und seinen Verbindungen zur I Seite zu stehen.

I Dm 13. Dezember liefen wir in den Hafen von | Buenos Aires ein. Gleich am folgenden Morgen begann ich meine Nachforschungen, konnte jedoch weder durch Anfragen bei den Behörden noch durch Aufrufe in den I Zeitungen etwas hr Erfahrung bringen die Lady Emma und ihr Geschick waren hier völlig unbekannt.

I Mutlos und niedergeschlagen faß ich am vierten Tage stach meiner Ankunft am Fenster meines Hotelzimmers und starrte trübselig auf das rege südliche Straßen­getriebe, als nach raschem Anklopfen Kapitän Hoskins bei mir eintrat. Ein Blick in sein Gesicht zeigte mir, daß chn etwas Wichtiges hergeführt haben muffe. In feiner

! geraden, ohne Umschweife auf das Ziel losgehenden Art begann -r auch sofort:

Ich habe eine Spur, Mr. Moore. Lofl-n Sie meine Hand los Sie zerbrechen mir ja die Knochen!"

Rasch rasch!" bat ich.

.-Die Seekönigin, ein Wa.fischfänger, der schon mor­gen segelt er hat hier nur eine kleine Havarie aus- gebessert wurde auf der letzten Expedition durch widrige Winde weit nach Süden verschlagen und si htete dabei auf einer Eisklippe ein gestrandetes Wrack."

Ich stützte wich schwer auf die Lehne meines Stuhles und atmete tief und mühsam. Kaum vermochte ich zu fosien, was Kapitän Hoskins mir alles über die See­königin und ihren Führer erzählte.

Der Kapitän des Walfischfängers ist ein Drhinal." sagte Hoskins,ein wortkarger, zugeknöpfter Quäker aber eine biedere Haut. Ich hin schon einmal vor mehre- ren Jahren in Kapstadt mit ihm zusammeng-troffen und suchte ihn sofort auf als ich von seinem Hiersein .rfuhr. Ich hoffte nämlich, von ihm etwas über die Zustände da unten, wo Robben und Eisbü:en sich Gitte- nacht sagen,, zu erfahren und habe mich ja auch nicht getäuscht S'e werden gut tun, sich gleich fertig zu machen, Mr. Moore, ich bringe Sie bis an den Hafen und zeige Ihnen das Schiff: begleiten kann ich Sie leider nicht, ich muß sofort wieder an Bord."

gleich einen Widerspruch offen zu legen zwischen Worten und Taten des heutigen Zentrums. Doch ist es ihm nicht möglich zu rütteln an der einhelli­gen entschlossenen Erklärung des Zentrums vom 16. Oktober 1922:Das Zentrum wird sich mit aller Entschiedenheit einer Erleichterung der Ehescheidung und der rechtlichen Gleichstellung der unehelichen mit der ehelichen Mutterschaft widersetzen, ebenso lehnt es jede Abschwächung der Gesetzes­strafen gegen sittliche Vergehen ab." Aus geradem Wege ist eine Verdächtigung der Anschauungen des Zentrums in den Fragen des Eherechts nicht an­gängig, man versucht es darum auf sehr gesuchten Umwegen. Angriffspunkt ist wieder die bisherige Koalitionspolitik des Zentrums. Reichskanzler Dr. Wirth, der Vertrauensmann des Zentrums, habe m dem Reichsjufti -Minister Radbruch einen eigen­artigenbefenfer Matrimonii" eingesetzt, von dem bekannterweise nur eine Verschlechterung des Ehe­

organisation sei also eine wesentliche Voraussetzung der französischen Sicherheit. Kriegsminister Ma» ginot erklärte, man müsse die erforderlichen Opfer für das Heer bringen, um genügend stark zu sein, die Sicherheit und den Frieden zu gewähr­leisten.

Protestkundgebungen des Rheinlands.

Wie aus Köln gemeldet wird, geht durch die Rheinlande wegen der in Paris angekündigten Po­litik der produktiven Pfänder eine starke Erregung, die ihren Niederschlag in einer Reihe von Entschlie­ßungen findet. In einer Resolution der christlichen Gewerkschaften heißt es: Die Zeit ist vorbei, in der über das nationale Geschick eines Volkes von den Machtpolitikern allein ent­schieden wird. Ohne den Willen des arbeitenden Volkes am Rhein gibt es keine Lösung aller der Fragen, die wieder aufgeworfen sind.

Die freien Gewerkschaften haben eine Entschlie­ßung ähnlichen Inhalts gefaßt. DieKöln. Zig." veröffentlicht eine Reihe weiterer Kundgebungen aus den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung und betont,daß dasganzeRheinland heute erneut der Welt zurufe, daß es deutsch ist und deutsch bleiben wolle".

Das Reparationsproblem.

Poincarä will nach London.

HavaS teilt mit: Da Bonor Sara dwch Vermitt­lung des französischen Bonchaflers in London Poin- caiä. habe wissen lassen, daß es ihm infolge der parlamentarischen Shbetten unmöglich wäre, vor dem 15. Dezember nach Paris zu kommen, bat PoincaiS ihm mitgeteilt, daß er geneigt wäre, sich kommende Woche nach London zu begeben, um mit dem englischen Premierminister über die Fragen im Zusammenhang mit der Brüsseler Finanzkon­ferenz zu sprechen.

Vorbereitungen für Brüssel.

Bonar Law selbst hat im englischen Unter ans mitgeteilt, daß keine endgültigen Verkehrungen bezüglich der Abhaltung einer internationalen Kon­ferenz in Brüssel getroffen worden seien.

(Eine neue Rede des Reichskanzlers?

Reichskanzler Dr. Cuno hat eine Einladung desVereinsBerlinerPrsssezu einem am nächsten Sonntag stattfindenden Empfang ange­nommen. Bei der Festsitzung im Plenarsitzungs­saal wird der Reichskanzler das Wort ergreifen.

Die aufgeschobene Reise deutscher Industrieller.

Wie dasB. T." erfährt, ist die geplante Reise deutscher Industrieller indaszerstörtefran- zösische Gebiet bis auf weiteres aufge­schoben worden.

Das gefährdete Rheinland.

Die Franzosen fürchten ohne Rheinland für ihre Sicherheit.

Die französische Kammer ist im weiteren Der- taufe der Budgetberatungen zur Diskussion des Heeresbudgets übergegangen. Im Ver­laufe der Beratungen erklärte der Berichterstatter des Heeresausschuffes, Fabry, die Hoffnungen, die er bei der Beratung des Heeresgesetzes hinsichtlich der Sicherheit Frankreichs ausgesprochen habe, hät­ten sich nicht verwirklicht. Frankreichs Si­cherheit beruhe auf der Besetzung der R h e i n l a n d e, auf der Abrüstung Deutschlands und auf dem Völkerbund. Reichskanzler Cuno ver- lange aber, daß Frankreich sobald wie möglich die Rheinlande verlasse, während die Kommission des

Gegensätze in Lausanne,

Die Türken rufen nach den Russen.

In dem letzten Konferenzbericht heißt es, daß die Frage der vor den Meerengen liegenden In ein Tenedos, Jmbcos und Lemnos angeschnifen wurde, aber nicht gelö st werden konnte, weil die Türken sie erst bei Besprechung der Meerengenfragen tn Anwesenheit der russischen Delegation behandeln wollten. Die Türken fordern die türkische Souveränität über biete Inseln.

Der ausgepfiffene Clemenceau.

Wie dieDeutsche Allgemeine Zeitung" aus Newyork Hieltet, wurde Clemenceau während seiner Rede im Auditorium zu Chicago von den Zu­hörern auserpfiffen und lächerliw gemacht.

Clemenceau, der trotz seiner 82 Jahre eine Pro­pagandareise nach Amerika angetreten hat, wurde Wegen seinen chauvinistischen Ausführungen schon in New-Jork nicht sonderlich freundlich empfangen. Seine dortigen Aeußerungen fanden selbst in dem amerikanischen Parlament in Washington bemerkens­werten Widerspiuch. Jetzt ist er nach obiger Mel- düng in Chicago, wo bekannilich zahlreiche Deutsch- Amerikaner wohnen, nut allen äußeren Zeichen der Ablehnung bedacht worden. Der Verleumoungsfeld-- z.ug. gegen Deusichlond scheint demnach dem alten Hasser, demTiger", wie seine französiichm Lands« leuie ihn nennen, nicht so gut von statten zu gehen, wie er wohl gehofft hatte. Die Amerikaner sind nüchterne Leute, die von französischer Romantik auf die Dauer nichts wissen wollen.

Der Mann glotzte mich stumpfsinnig an, rührte sich aber nicht von der Stelle.

hagere Gestalt auftauchte, in der ich nach Hoskin's De- I fchreibung den Kapitän erkannte. Er trug einen alten, bis zum Halse zugeknöpften Gehrock, und ein breitkrarn- Rger Schlapphut hing tief in sein knochiges, glattrasierte,

I Gesicht. Gleichgültig blickte er mir entgegen.

I . Ich trat auf ihn zu und fragte, ob er her Kapitän I dieser Bark sei. Auf seine mürrische Bejahung setzte ich ihm den Zweck meines Besuches mit fliegenden Wov ten auseinander.

I »Ich möchte Sie um eine Auskunft bitten, die für mich von höchster Bedeutung ist", begann ich.Soeben ffilte mir der Kapitän des Carnbrian mit, Sie hätten südlich von Kap Horn auf einer Eisklippe ein gestran­detes Wrack gesichtet. In diesem Wrack vermute ich die Ueberreste der Lady Emma, die im vergangenen Juni durch einen Orkan entmastet und dann von der Mann­schaft verlassen wurde. Nur drei Personen blieben an Bord zurück, der Kapitän, seine Frau und eine junge Dame meine Braut. Ich bin aus London hierher gekommen, um etwas über ihr Schicksal zu ermitteln. Würden Sie die Güte haben, mir alles mitzuteilen. was Ihnen von der Lage und Beschaffenheit des Wracks noch erinnettich ist?"

Der Kap tän hatte mich, während ich sprach, unver­wandt angesehen, aber mit keinem Wort und keiner Bewegung unterbrochen. Als ich nun schwieg und vor innerer Erregung zitternd vor ihm stand, sagte er in freundlicherem Tone:

Folge mir in die Kajüte, Freund, dort sollst Du alles erfahren, was ich selber weiß."

Mit diesen Worten fühtte er mich eine enge Treppe hinunter in eine kleine verräuchette Kabine, die durch das blinde, schmutzige Oberlicht nur so schwach erhellt wurde daß sie trotz des sonnigen Tages in trübem Halb­dunkel dalog Mitten in der Kajüte stand ein plumper, viereckiger Tisch, beffen Platte mit zahllosen Rissen und Kerben bedeckt war, als ob schon Generationen von Wal. fischfangern darauf ihren Kautabak geschnitten hätten. Auch die Übrige Einrichtung der Kabine wies Spuren starken Gebrauchs auf; das einzige Glänzende in dem düsteren Raume waren die sorgfältig geschliffenen blitz, blanken Spitzen einer stattlichen Harpunenkolonne, die rings um den Stamm des Besanmastes ausgestellt und befestigt w

Es war ungefähr vier Uhr nachmittags, als wir unseren Gang antraten. Blendender Sonnenschein gli- ;crte auf den Fluten des La Plata, und in der grellen Beleuchtung sah die Seekönigin, ein kleines Schiff von etwa 400 Tonnen, mit ihren trüben Kaiütenfenstern und ihrem scheckigen, abgeblätterten Oelfarbenansttich ver- nachlässigt genug aus. Rasch verabschiedete ich mich von Kapitän Hoskins und sprang in das Boot eines farbigen Fährmannes, der nach wenigen Ruderschlägen neben dem Walfischfänger beidrehte. Forschend blickte ich cm bet Schiffswand empor und sah gerade in ein über di- Reeling gebeugtes, kupferfarbiges Gesicht mit fchworzen Battstoppolii.

Ist der Kapitän an Bord?" rief ich hinauf.

Jawohl," klang es in heiterem Tone zurück.

Ich möchte ihn in einer wichtigen Angelegenheit sprechen."

Siebzehntes Kapitel.

Die Spor In Buenos Aires.

Archibald," sagte eines Morgens mein Vater zu mir, «ls er mich beim Frühstück halb geistesabwesend auf meinen Teller starren sah,das geht so nicht weiter mit Dir, mein Junge. Me marternde Ungewißheit reibt Dich auf. Wäre es nicht das Vernünftigste, wenn Du Dich selbst nach Südamerika begeben und dort an Ori und Stelle Nachforschungen über die Lady Emma an- stellen würdest? Vielleicht kann Eveline noch gerettet werden, und wenn nicht bann' wird die Gewißheit ihres Todes Dir eher Deine Fasiung wiedergeben, als dieses untätige Schwanken zwischen Furcht und Hoff- nunq.

Sie elektrisiert sprang ich auf: der glückliche Gedanke meines Vaters gab mir auf einmal alle meine Spann- barke"'^^' $$ umarmte ihn in überquellender Dank-

Ums Jahr 1860 gab eg schon Damvfschiffverbin- düngen d,e Kapstadt berührten. Nur auf einem Damp­fer wol te ich mich emsch sfen, um möglichst rasch an mein Siel zu kommen mit einem Segelschiff hätte ich ja v'« Monate unterwegs fein können Ich hatte G'Ück: f<h-m am 6. November ging der nächste Uniondamvfer, der Carnbrian, von Southampton ab, mit Buenos Aires als Reiseziel.

Mit schwerem Herzen trat ich die Reise an

Eine größere Anzahl von Passagieren war an Bord I rod) war ich zu sehr mit mir selbst und meinen An­gelegenheiten beschäftigt, um mich viel um fie z,, küm­mern. Nur dem Kapitän trat ich wählend ber Heber- fahrt näher, vertraute ihm den Zweck meiner Reis- an und bat ihn um seinen Rat. Nach seinem Dafürhaltm tat ich am besten, zuerst in Buenos Aires eingehcnSe Nachforschungen anzustellen und falls diese resu'tatso- verlaufen würden, ein Schiff zu chartern, mH dem jch dann den um Kap Horn liegenden Teil des Allant'sch-n vzeans selbst abjuchen konnte. Da der Carnbrian auf

religiösen Gründen, die den einzelnen zu solcher Stellungnahme treiben. Gründe der Vollssittlichkeit und Bolkserziehung maßgebend sind. Die Erfah­rung beweist auch die Wahrheit, daß mehr Men- fchenglück erhalten wird, wenn man bedrohten Ehen durch erzieherisch wirkende Gesetzesschrauben über die Zeit der Krisis hinweghilft, statt sie dem trost­losend Elend zerstörerischer Hemmungslosigkeit aus- zuliefern. selbst auf die Gefahr hin, daß hier und da wertvolle Menschenleben in unmoralischen Ehe- fesseln zugrunde gehen. Religiöse Motive und Gründe des Allgemeinwohls stehen hier gegen die Wünsche nach zügelloser Freiheit des einzelnen.

Anders ist es aber, wo rein politische Ursachen, und zwar Ursachen ausschließlich parteitakti­scher Art, zu Auseinandersetzungen fuhren zwi­schen denen, die im Grunde gleichen Willens sind 'm der Abwehr der Ehescheidungserleichterungen, solchen Geistes ist der von gehässiger Kampflust gegen das Zentrum zeugende ArtikelEherechts- reoolukion" in Nr. 523 derPreußischen Kreuz­zeitung" vom 21. November 1922. Der Artikel­schreiber sucht einen Gegensatz zu konstruieren zwi­schen dem alten Zentrum, das zusammen mit dm konservativen Parteien das laxe Scheidungsrecht des Prsußischm Allgemeinen Landrechts ersetzte

rechts zu erwarten stehe. Der Angriff geht aber völlig in die Luft. Bisher ist ein entsprechender Gesetzentwurf noch nicht vorgelegt roorben. Gegen alle drohenden Möglichkeiten aber war die Gewähr geboten, daß der feftumschriebene Standpunkt des Zentrums im Kabinett und im Parlammt mit Nach­druck und entsprechender Wirkung geltmd gemacht

punkte aus kann es durchaus gleichgültig fein, ob wir in einer Republik oder in einer Monarchie leben. Cs ist daher nicht gleichgültig, ob die Heilig- keit der Ehe gesetzlich geschützt ist oder ob die Ehe .....

zu einem leicht löslichen Vertrag herabgewürdigt I roorben wäre.

wird. Die Frage der Eherechtsresorrn" 'ist darum Inzwischen sich die politisch- Situation oeran- eine staatspolitische Frage von großer Bedeutung ! dert und es ist mit aller Dmllichkeit in Erscheinung ge- und von besonderer Schwierigkeit, weil sie so eng treten, daß bie Zusammenarbeit von Sozialdemokratie mit religiösen Fragen verbunden ist. und Zentrum im Rahmen einer Koalition nur so lange

Es ist darum besonders zu bedauern, daß diese möglich ist, als es die Grundsätze politischer Bermmfi schwerwiegende Frage setzt zu einem Zankapfel I die unverrückbaren GruMagen der Zentrumspolitik des Parteikampfes wirb. Eine tiefe Kluft gestatten. Dazu gehört aber als eine brr wichtigsten tut sich auf zwischen ben Vertretern ber strengen Forderungen der Schutz der Ehe und Familie, christlichen Auffassung von der Unauflöslich- Es bleibt aber noch einiges Grundsätzliche zu be- k e i t der Ehe und den Vorkämpfern für die lei ch- tere Lösbarkeit des Ehebunbes. Schon fliegen Pfeile nicht nur zwischen diesen Lagern, sondern aus den oerschiebensten Richtungen. .Preußische Kreuzzeitung" undVorwärts" wenden sich in diesen Tagen gleichzeitig gegenbenZen- trumsstanbpunkt. DerVorwärts" erhebt die genügsam bekannten Vorwürfe: Ihr wollt bis Forderungen eures starren Dogmas auch benen auf» zwingen, die auf einem andern religiösen Stand­punkt stehen! Er übersieht dabei, baß neben ben

WH! null WWkSslMll.

Unter bem SchlagwortEherechtsreform" sammeln sich heute alle Bestrebungen, bie auf weit­gehende Erleichterungen ber Ehescheidung im Ge­setzwege abzielen. Schon vernimmt man bagegen den WarnnffE h e r e ch t s r e v o l u t i o n". Man muß sich darüber klar sein, daß eine grundlegende Umwälzung unseres Eherechts auf das Leben eines Volkes kaum geringere Einwirkung hat, wenn auch zunächst weniger deutlich sichtbar als eine Staatsumwälzung. Diese verändert den Rahmen, innerhalb dessen das Volksleben sich vollzieht. Eine Eherechtsreform aber verschiebt bie rechtlichen Br- bingungen bes Lebens ber Familie, ber Urzelle des Volksorganismus. Von unten herauf wirkend in langsamer Zersetzung bes Volkskörpers kann sich hier eine Entwicklung anbahnen, bie für das Volks­ganze verhängnisvoller ist als ein Wechsel der Staatssorm. Die Rechtsform ber Ehe ist auch weit mehr mit religiösen Forberungen unb Notwenbig- feiten moralisch verbunden, als die an sich indiffe­rente Staatssorm. Von religiösem Stand-

Roman von Clark Russell.

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