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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sfaöf Fulda.

Dienstag, 28. November 1922

Ur. 273

Leranrworlliw für Den ceDautonellen Teil: Dr. I. Kramer. - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fuida. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckeeei in Fulda. Sto-nipretber Nr. 9. Postcheck-Konto 4051 Frankfurt a. M.

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49. Zahrg.

Die Bedrohung Deutschlandr.

Nachdem Deutschland nun einigermaßen sein« in­neren KrisenzustänDe Meder überwunden hat, ist es höchste Zeit, mit aller Aufmerksamkeit au f die äußeren Gefahren zu achten, die allem An­scheine nach wachsen und wachsen. Drohende Worte sind gerade in der letzten Zeit wieder zahlreich gefallen. Aus England weht kühler Wind. SB o n ar L aw, der neue Ministerpräsident, ist Deutschland sicherlich nicht günstiger gesonnen als der zurückgetretene Aoyd George. Mussolini, der Gewalthaber Italiens, hat sich kürzlich in einer Weise gegen Deutsch­land ausgedrückt, die einem Wruzzen-Räuberhaupt- mann alle Ehre machen würde. Er sprach von der Hand an der Gurgel Deutschlands. Der dritte im Bunde ist Poincare, der chauvinistische Fran­zose, der immer wieder zum Ausdruck bringt, daß fein Sinnen und Trachten auf Deutschlands Vernich­tung gerichtet ist. Er hat es sich setzt zur Aufgabe ge­macht, den Burgfrieden in seinem eigenen Lande herzustellen, um für Gewaltanwendung ge­gen Deutschland freie Hand zu haben.

Mit welchen Wsichten sich Poincare trägt, ging aus Zner Rede hervor, mit der er am Sonntag abermals eines jener Kriegerdenkmäler eingsweiht hat, die Frankreichs Boden jetzt zu vielen Hunderten bedecken. Er sagte dabei, vor Ende des Jahres würden sich Frankreich und seine Alliierten vordieernste- st en auswärtigen Probleme gestellt sehen und wichtige Entscheidungen zu treffen haben, von denen größtenteils die Zukunft Frankreichs abhänge. Er persönlich fei von der Größe der zu lösenden Schwierigkeiten zu überzeugt, um nicht die Streitigkei­ten zu begraben, die die Handlungsfreiheit Frankreichs beeiinträchtigen könnten. Er fordere deshalb alle guten Bürger auf, sich um die Regierung der Republik eng zusammenzuschließen, damit diese in den Stand gesetzt weche, Frankreich endlich die Früchte des Sieges und die Wohlfahrt des Friedens zu gewähr- Leisten.

Poincares Ansprache muß in Deutschland wie ein Warnungssignal wirken. Gleichzeitig aber auch als eine Mahnung. Was für das durch angel« sächsische Hilfe im Weükriege siegreiche französische Bolk gilt, gilt mitt weit größerer Wucht für das deutsche Völk. Einig und geschlossen müssen wir der Bedrohung unserer Existenz als Volk und Staat entgegentreten. Nationaler Lebenswille muß alle Teile des Volkes zusammensch-weißen. End­lich muß einmal politische Einsicht den Hader über- winden, der zwischen den deutschen Berufsständen sein unheilvolles Vergfftuingswerk treibt. Wenn Deutsch­land erst zerbrochen fft, aufgelöst in ohnmächtige Teile, dann fft es zu spät, um klug zu werden. Dann werden mir und unsere Kinder und Kindeokinder es büßen müssen, daß der Gedanke der Volkssolidarität im Jahre 1922 nicht begriffen worden ist. Möge es ein gutes Omen sein, daß in der Samstagsitzung des Reichstages der Reichskanzler Dr. Cuno von H e r g t bis Breidfcheid für fein Programm Billigung gefunden hat. Alles was deutsch ist und deutsch fühlt, Erzeuger und Verbraucher, Industrieller und Arbeiter, Bürger und Bauer, muß jetzt das Trennende zurück­stellen: es geht um die Zukunft aller, es geht um

I rn Gisrnee r.

Roman von Clark Russell.

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Vorsichtig löste ich das Bündel los und wickelte die Umhüllung ab. Es waren Fetzen von Kleidungsstücken, derber blauer Stoff, halb verwittert. Dann kamen zwei flache Steine. Und zwischen den Steinen, wieder in steifgefrorenen Stoff gehüllt, lag eine Brieftasche au» schwärzlichem Leder, das förmlich abbröckelte unter mei­nen tastenden Fingern. In der Tasche war ein kleines Paketchen, aus dem gleichen blauen Stoff. Ich öffnete es sorgfältig und hielt drei Blätter Papier in der Hand, eng mit Bleistift beschrieben Sie waren offenbar aus einem Notizbuch gerissen worden.

Miß Otway und ich starrten uns an.

Hallo! Hallo!" schrie ich plötzlich aus Leibeskräften, einem Impuls folgend.

Donnernd brach sich der Schall meiner Stimme an den Felsenwanden und tönte in vielfältigem Echo wie- der. Aber keine menschliche Stimme antwortete . . . Mein Jmvuls war lächerlich gewesen.

Das Kreuz muß viele Jahre alt sein," sagte ich, ein wenig beschämt.Wollen wir nicht lieber zurükkehren, Miß Otway, und unseren Fund auf dem Schiffe in aller Ruhe untersuchen?"

Nein lesen Sie doch. Oder, bitte, geben Sie mir die Papiere."

Ich reichte ihr die Notizblätter hinüber, und wir setzten uns auf einen Felsen, dicht an der Felswand, an der das Kreuz befestigt gewesen war. Ringsum ragten drohend die Kliffe. Die Mulde mit ihrem Wirrwarr von Geröll und Eis sah unbeschreiblich nackt und kalt aus wie verkörperte Einsamkeit. Es war bitter kalt. Wir 1 hüllten uns fester in unsere Pelze. Da stieg oben über den Felsen die Sonne empor, und ihre matten Strah­len drangen zu uns.

Miß Otway legte die Papiere auf ihren Schoß und sah träumerisch vor sich hin.

So ist einmal in dieser furchtbaren Wildnis ein Mensch gewesen," flüsterte sie. .Ein Mensch, wie Sie I

wie

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aus

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und ich, Selby; ein armer Mensch, der alle Qualen der Einsamkeit und der Verzweiflung ausgestanden haben muß. Können Sie sich das vorstellen, Selby? Hier, wo wir sitzen, muß schon ein anderer Mensch gesessen

sein ... Er muß gebetet haben und gehofft haben wir. Er muß verzweifelt sein, Selby!"

Sie richtete sich auf und las:

Geschrieben von Kapitän Edward Clarke Southseaon-Thames, Walfischfänger Good Hope, 15. Juni 1839."

Dor zweiundzwanzig Jahren!" rief ich erschüttert aus. Der Mann ist längst tot."

Ich fürchte, er hat viel leiden muffen," flüsterte Miß Otway.

Sie las weiter:

Gott fei meiner Seele gnädig! Dies ist der Mmiat Juni des Jahres 1839. Die Good Hope hat am 27. Mai in einem Sturm 120 Seemeilen südlich von den Orkneys ihren Mast verloren. Wir sind fünfzehn Tage lang hilf­los getrieben und in das Eismeer der .Krönunasinfeln verschlagen worden. In der Nacht des 13. Juni 1839 stießen wir gegen einen Eisberg, und das Schiff sank. Ich weiß nicht, was aus den anderen geworden, ist. Sie sind wohl alle tot. Ich erwachte am Morgen und fand mich auf einer Klippe hoch über dem Meer. Ich bin fast erfroren. Ich habe nichts zu eien als nur wenig« Schiffszwiebacke, die in meiner Tasche steckten."

Wir sahen uns an, und Miß Otway brach in Tränen aus. Sie konnte nicht mehr oorlefen Wir beugten uns zusammen über die Papierstückchen und lasen zusammen. Die Schrift, von einer Hand geschrieben, die fast er- starrt war np Kälte, sah ungelmkig aus wie die großen ungeschickten Buchstaben eines Kindes . . .

15. Juni. Ich habe sehr lange geschlafen. Ich bin schwach und müde, aber gar nicht hungrig. Ich he'^e noch ein Stück Zwieback. Ich weiß nicht, ob heute der 15. Juni ist. Ich habe sehr lange geschlafen. Ich habe Weib und Kind in Scuthsea und das ist sehr schwer. Heute fand ich einen Felsenspalt. Ich ging hindurch und fand einen Platz zwischen den Kippen. 3n der Felswand ist eine große Höhle. Es ist wärmer dort."

des deutschen Vaterlandes SchicksÄ. Männer her, die diese Wahrheit überall verkünden, in den Volksver­tretungen, in der Presse selbst an dm Stammtischen. Freilich, es ist bequemer, einzelnen Berufsständen nach dem Munde zu reden. Aber war es jemals ange­nehm, vaterländische Pflicht zu erfüllen? Wer sei­nem Pflichtgefühl folgt, der darf diepolitische Drecklinie" ebensowenig scheuen, wie der deutsche Soldat den feindlichen Feuerbereich scheuen durfte, wollte er nicht alsDrückeberger" gelten. Persönliche Opfer müssen gering geachtet worden im Augenblick höchster Not: nur wenn alle Volksgenossen überzeugt werden, daß allein ftahlharte Einigkeit uns aus der gierigen Kralle zäher Feinde retten kann, darf die heilige Hoffnung auf Deutschlands bessere Zukunft als Staat und Volk in uns weiter leben.

SnA MM M Sni »MöMtrai.

Nur Völkische und Kommunisten dagegen.

Die Gründe für den Rückkrill des Reichsernährungs­ministers.

In der Reichstagssitzimg am Samstag kam, nachdem der Abg. L e d e b o u r, der bekanntlich die Verschmelzung der Unabhängigen mit den Mchr- hsitssozialisten nicht mitgemacht hat, dem neuen Kabinett das Mißtrauen ausgesprochen hatte,

die Sachs Dr. Müller-Bonn

zur Erledigung. Reichskanzler Dr. Cuno ergriff das Wort. Er brachte zur Kenntnis, daß Dr. Mül­ler aus eigenem Entschluß zurückgetreten sei. Dr. Müller hat an den Reichspräsidenten ein Schreiben gerichtet, das auf die Untersuchung Bezug nahm, welche noch in der Nacht auf Samstag über seine Betätigung in der Nheinlandbewegung durch den Reichsjustism'mister angestellt worden war und das Ergebnis gezeiugt hatte, daß der Vo r w u r f des Landesverrats, den Dr. Breitscheid gegen ihn erhoben hatte, durchaus unberech­tigt war. Er begründete feinen Rücktritt mit dem Hinweis, daß dis kommende Regierungsarbeit nicht durch Parteileidenschaften gehemmt werden dürfe und daß er, da er mm einmal im Brennpunkt parteipolitischer Angriffe stehe, es für nötig halte zurückzutreten. Er habe sich nicht selbst zur Re­gierung gedrängt, sondern fei gebeten worden, in das Kabinett einzutreten; er habe diesem Ersuchen willfahren, in 'dem Bewußffein, daß heute jeder Mann die Pflicht habe, alle seine Kräfte dem Wohle des Ganzen zur Verfügung zu stellen. Damit fand die von den Sozialdemokraten aufgewirbelte parla« mentariscbe Sensation:Ein Sonderbündler als Reichsernährungsminister" int Sinne der Sozial­demokratie einen schnellen Abschluß.

Eins sei hier nur noch festgestellt: Don den Geg­nern Dr. Müller^ im Reichstag ist verschiedentlich die Frage aufgeworfen worden, w e r ihn eigentlich dem Reichskanzler Dr. Cuno als Reichsemährimgs- miniftcr in Vorschlag gebracht habe. An dieser Stelle muß gesagt werden, daß das Z e n tr um an der Ernenn'.mg Dr. Müllers vollkommen unbeteiligt ist. Dem Kabinett Dr. Cuno in feiner Gesamtheit, wie auch seinen einzelnen Mit- cfliedern gegenüber, ist, wie schon mehrfach betont, das Zentrum in keiner Weise verpflichtet. Es fft wegen per Zusammenfetzung des Kabinetts nicht im geringsten um feine Meinung gefragt worden. Ihm fällt daher auch für den bösen Auftakt der Amtstätigkeit der neuen Regierung nicht die ge­ringste Verantwortung $u.

An die Erledigung des Falles Dr. Müller schloß sich die

Fortsetzung dar Aussprache.

Der Führer der Deutschen Dolksparier, Dr. Sfrefe- mann, behandelte in seiner Rede bie Frage der

Reparation mit dem deutlichen Bemühen, die So- I zialdemokraten zur Mitarbeit zu gewinnen. In­teressant war auch, daß er tadelnde K ritik an den Männern der Wirtschaft übte, die immer alles besser wissen wollen, jetzt aber wieder dem Ruf in die Politik nicht gefolgt und vorsichtig derD r e ck l i n i e der Politik" fern geblieben sind.

Abg. Dr. Leicht (Bayer. Vpt.) bedauert, daß in dieser Stunde der Not die Sozialdemokratie sich nicht dem Bei­spiel der bürgerlichen Parteien angeschlossen habe, um dem neuen Kabinett keine Schwierigkeiten zu machen. In dieser ernsten Zeit müsse dringend vor Terror und Gewalttaten gewarnt werden. , (Zurufe bei den Soz.). Hittler (von den Nationalsozialisten) schüttle ich genau so ab wie alle anderen, die Gewalttaten pro­pagieren. Wir begrüßen es, daß der Reichskanzler sich für die Schonung der Eigenart der Länder und gegen die schrankenlose Durchführung des Einheitsstaates aus­gesprochen hat. (Beifall bei der Bayer. Volkspartei.)

Von den Kommunisten ist folgendes Miß­trauensvotum eingegangen: Die Erklärung der Reichsregierung enffpricht nicht den Anschauungen des Reichstages. Insbesondere mißbilligt der Reichstag die auf Grund der Note vom 13. November 1922 angekün­digte Durchbrechung des A cb t st u n d e n t a g e s, die in Aussicht gestellte Massenentlassung behördlicher Angestell­ter und Arbeiter, die Beseitigung der Getreideumlage und die danach angekündigte neue Brotpreissteigerung und außerdem, daß die Regierung durch Sicherung der kapitalistischen Substanz den Wiederbeschaffungs- preis und als Grundlage für die Preisbildung die unbeschränkteste Wucherfreiheit herzustellen bereit ist.

Abg. v. Graefe (deutschvölkisch) hält die jetzige Grup­pierung der Parteien für veraltet und überlebt. In zwei Lager könne man die Abgeordneten aller Parteien teilen. Die eine Richtung, der prominente Mitglieder der Par­teien von den Sozialisten bis zu den Deutsch­nationalen angehören, sehe die Lösung der v i'!ti=- sehen Zeitfragen durch die kapitalistische Internationale. Dieser Richtung stehe entgegen feie völkisch- idealistische Bewegung. Das jetzige Kabinett zeige seine Schwäche darin, bao es sich nicht klar bekenne als Vertretung eines neuen Kurses gegen den jüdischen Marrismus. Wenn der Reichskanzler die alte Wirth- Politik fortfiihren werde und wenn er so tiefe Sehnsucht nach dem Wiedereintritt der Sozialdemokraten äußere, so kann er auf die Unterstützung der Partei des Redners nicht rechnen.

Nachdem nochmals der sozialdemokratische Sprecher Müller-Franken sich geäußert hatte, wird ein Antrag Petersen auf Schluß der Debatte gegen die Kommunisten angenommen.

Nach erregter Geschästsordnungsdebatte wird bas kommunistische Mißtrauensvotum gegen die Stimmen der Kommunisten und Unabhängigen abgelehnt.

Annahme des Biöigungsanfragee.

Der demokratische Billicpmgsantrag wird gegen die Kommunisten, einige Unabhängige und DeutfchvölkisÄe angenommen. Das Haus bricht in schallende Heiterkeit aus, als die drei Völ­kischen mit den Kommunisten sich erheben.

Nach debattoloser Annahme der Novelle zum Branntweinmonynvl v e r t a g k sich um 3 Uhr das Haus auf acht Ta g e, nämlich bis zum 4. Dez.

preußischer Landtag.

Des Brotvsrforgrmg sehr schwierig.

Der Landtag beendete am Samstag die Aussprache über yie Interpellation betr. Terrorakte und RecktSputsch und debattierte dann über mehrere Anträge betr. Arbeitsfürforge, Lebensmittel- belrbaff unn und Rentn erfür sorge.

Der Lanswirtschaftsminiiter Dr. wendorff führte dazu^aus, daß die Vorarbeiten für Maßnahmen für Den ,s?all des Eintritts Viner umfan reichen Arbeite- losiikert getroffen sind. Die Berwenduni künstlicher Düngemittel in der Landwirtschaft ist erfreulich gewachsen. Verhandlungen über die Ermäßigung der Fracht für ~!.in 'emittcl sind im Gange. Wir haben neuerdings beim Reichsrat beantragt, für die Bezahlung der beiden lehren Drittel des Umlancpetrcibe5 die Lieferung von 'Ltrckstoffdünäer tu yeitatten. Der heimischen Er. zeu ung muß möglichst fchleuniist Stlckuoffdünger zu- geführt werden. Das wird in Gestalt von Cbile-Salpeter nur noch in beschränktem Matze möglich sein. Die

16. Juni. Ich mache aus meinem Messer ein Kreuz. Vielleicht wird es einmal gefunden. Ich befestige es vor der Höhle. Ich bin sehr schwach,"

17. Juni. Ich lebe noch; aber letzter Tag. Habe mich in Arm gebissen und Blut getrunken. Mary grü­ßen. Sin müde. Ich will schlafen. Gott fei"

Das waren die Zeilen, die wir in dem verwitterten Notizbuch fanden:

Miß Otway saß da, zusammengesunken auf dem Felsblock und meinte zum Herzzerbrechen. Ich wagt« nicht, sie zu trösten. Ich saß und wartete und sah scheu zu den riesigen Eismaffen in der Felsenwand hinüber. Dort war die Höhle Diese Eismaffen verschkoffen den Unglücklichen, der hier elend umgekommen war. Hinter dem Eis mußte seine Leiche, mußten seine Gebeine lie­gen. ,. .

In namenlosem Enffetzen sprang ich auf und hieb mit dem Beil gegen das Eis in der Felsenwand. Mit aller Kraft, die in mir war; so wuchtig wie ich nur konnte. Aber das uralte Eis war hart rote Stein. Nur winzige Stückchen splitterten ab. Ich hieb und hieb--

Miß Otway war aufgestanden und zu mir getreten.

Lassen Sie den Mann im Eis ruhen, Selby!" sagte sie leise, aber mit ruhiger Stimme.Er ist einsam und in Verzweiflung gestorben. Lassen Sie ihn ruhen!"

Sie stand lanae da und betrachtete die düstere Felsen­wand, die Cismassen. Dann sah sie mich an, aus klaren Augen.

Sie werden mich mcht schwach finden, Mr. Selby, was mich kommen möge. Ich will stark sein, weil ich nicht feige fein will. Dieser Mann aber, dieser arme Mann, der verhungerte und erfror dieser unglückliche Monn, lieber Mr. Selby, zeigt uns unser Schicksal. Wir sterben im Eis, so wie er starb--"

Mit festen Schritten ging sie zu der Spaltenöffnung, die zum Wrack führte---

Dritter Teil.

Sechzehntes Kapitel.

Mr. Moore erzählt roeiker.

Am Morgen des 2. Oktober 1860 saß ich in meinem , Zimmer in Bondstreet beim Frühstück und blätterte in »

Brotversorgung stellt sich im kommenden Winke sehr schwierig. Die Umlageablieferung ist tm Reiche gegenüber dem Vorjahr erheblich zurückge- gangen. Die Landwirtschaft mutz alle? aufbieten, um zu liefern. Wegen der sofortigen Bezahlung schweben Verhandlungen, in denen ich mit allein Nachdruck füg die berechtigten Wünsche der Lanowirtschaft eintreten werde. Die Milchmenge ist zurückgegangen, weil bie Zahl der Milchkühe zurückgegangen ist. Erne Zwang 3- dewirtschaftung besteht nicht mehr. Bei de» Preisbildung find die Zusammenhänge zwischen Milch» und Futterpreis nicht zu übersetzen. Einen erträglicheren Milchpreis strebt meine Verwaltung an und bat, den Regierungspräsidenten Anweisung gegeben, zwischen Erzeugern und Verbrauchern ein Zusammenarbeiten in dieser Richtung zu fördern.

Die Weiterberatung wurde auf Montag vertagt.

Deutscher Reich.

* 3m Haushallsousschuß des Reichstages erklärte die Rogiermrg bei der Beratung der neuen Erhöhungen der Beamtenbezüge, daß die Heraufsetzung des. TeuenMiFzzuschlages um 71 auf 120 Prozent ange­messen erscheine. Auch die Erhöhung des Frauenzu- fchioges attf 2000 Mark monatlich fei erforderlich ge­worden. Der Ausschuß ermächtigte die Regierung zur schleunigen Auszahlung der erhöhten Bezüge und nahm schließlich eine Resolution an, wonach die gesetzlichen Beihilfen für die Kriegsteilnehmer von 1864, 1866 und 1870-71 angemessen erhöht werden sollen.

* Die oberschlesischen Rroudoie. Nach dem amt- lichen Ergebnis der Wahlen in der Provinz Oberfch.e- sien bleibt die Vrrtrilnng der Sitz: für den Reichstag die gleiche, wie sie in den erstell Meldungen angegeben wurde (3 Zentrumsmandate). Die Anzahl und D:r- tcilung der Sitze «n Landtag weifen jedoch nach der vorläufigen amtlichen Ausrechnung erhebliche Aen- beruitgen gegenüber den zuerst mttgeteiften Zahlen auf. Es werden 15 Sitze vergeben, statt, wie zuerst gemel­det wurde, 8 Sitze. Das Zentrum erhält im Land, tag rächt 5, sondern 6 Mandate.

* Todesstrafe für Lebensmittelschieber? Die Fraktion der bayerischen Mittelpartei brachte im baye­rischen Landtag einen Antrag ein, der von der Staats- regisrung alsbald geeignete Maßnahmen fordert, um Molkereiprodukte und Fleisch für dis Be- völkerung Bayerns und wichtige andere Teile des Reiches in ausreichender Menge zu erhalten und einer Verminderung ihrer Menge durch Verschiebung ins Ausland mit dm schärfsten Mitteln, einschl. der Einziehung des ganzen Vermögens nud der Verhängung der Todesstrafe ent« gegenzutreten.

* Gegen polnische Verleumdung. Der deutsche Konsul m Genf überreichte beim Völ ke rbundse k- r t a r i a t im Namen der Reichsreyierung eine Note mrt ausflchrlrchen Anlagen, in der im Anschluß an die ffuhere deutsche Note vom 11. September die Note der pvln.schen Regierung über schlechte Behand­lung der polnischen Minderheiten zurück, gowresen und gleichzeitig der Nachweis geführt wird, daß die Porsche Regierung ihre im Abkommen vom 15 Mai 1922 eingvgangenen Verpflickchmgem zum Minderheitenschutz teilweife nicht erfüllt hat.

Husland.

* Internationaler Pasifistenkongretz. Zu dem am 10. Dezember im Haag beginnenden inter­nationalen Kongreß, zu dem das Internationale Gewerkichaftsbüio in Amsterdam alle pazifisti­schen Organisationen der Welt eittqelaOen bat, sind aus Deutschland bisher folgende Pazifisten augemelder: Dr. Quidde, Graf Keßler, von Gertach, Frau Dr. Slöcker. Be andere Bedeutung wird der Vom Berner Friedensbüro ausgehenden Anregung beigemessen, ein permanentes Komitee zu schaffen, in dem neben dem internationalen Gewerk«

der Zeitung, als mein Blick plötzlich auf einen Artikel fiel, der die Ueberschrist trag: 53 ertttft der Lady Emma.

Der Schreck durchzuckte mich rote ein elektrischer Schlag, und meine Hände zitterten so heftig, daß die Buchstaben vor meinen Augen wild durcheinander tanz­ten. Gewaltsam zwang ich mich zur Ruhe und versuchte mir einzureden, es könne sich unmöglich um Kapitän Dmkes Lady Emma handeln, denn es mochte wohl noch zehn oder zwanzig Schiffe desselben Namen» geben. (

Bald hatte ich mich soweit gefaßt, daß ich die Zei- tungsnotiz zu Ende lesen konnte. Sie hatte ungefähr folgenden Wortlaut:

Die Bark Planier sichtete östlich von Kap Horn auf offener See ein mit Menschen gefülltes Boot und nahm dessen halb erstarrte Insaffen an Bord. Es waren die Ueberlebenden der Brigg Lady Emma (Kapitän Burke), die am 2. April von London nach Valparaiso segelte, nach den Berichten der Geretteten jedoch durch schweres Wetter weit nach Südosten verschlagen und auf dem 59. Grad siMchec Breite butu? einen Orkan all ihrer Masten beraubt worden war. Nach einigen vergeblichen Versuchen, einen Notmast zu errichten, hakte die Mann­schaft dos Wrack verlassen, mit Ausnahme des Kapitän», seiner Frau und einer jungen Dame, die als Passagier die Reise mitmachte. Einig» Tage nach der Aufnahme der Schiffbrüchigen starb einer von ihnen, der Schiffs­arzt Owen, infolge der erlittenen Strapazen und fand im Ozean ein Seemannsgrab. Die übrigen Geretteten wurden einem vorübeffegelnden Schiffe übergeben, das sie nach Montevideo brachte; von hier aus wurden sie mit nächster Gelegenheit nach England zurückbefördsrt und find heute in den 3nbia Docks eingelaufen, lieber das Schicksal der drei auf dem Wrack Zurückgebliebenen ist nichts bekannt. Wahrscheinlich sind sie zu Grunde gegangen, ehe der Kapitän des Planier, der mit größ­ter Gefahr für fein eigenes Schiff tagelang zwischen den Eismassen kreuzte, ihnen Hilfe bringen konnte."

Eortsetzung folgt.)