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Ja 272.

Sonntag, 26. Novemhrr l»zz.

Wul-aer Leitung

Druck der Fuldaer 2'etiendruckerei i« Fulda

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bei kleinen Siin.ertt wurden, wie Herr Dr. vier».

W R i.;B- berichtet, in ganz kurzer

ist bereits die Bildung einer Aktiengesellschaft in Aus­sicht genommen.

* tnieljuchtsszene im Tunnel. In einem Tunnel der Linie Karlsruhe Bretten spielte sich eine Eifersuch'slragikomödie ab. Ein in einem Abteil zweiter Klasse sitzendes Ehepaar geriet in Streit, in dessen Verlauf die Frau einen Revolver zog und ans den Mann schoß. Durch den Schuß wurde aber nicht der Mann, sondern ein am Streit völlig unbeteiligter Maschinenmipek or aus Karlsruhe am Oberschenkel schwer verwundet. Die schießwülig» Madame wurde verhaftet.

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zu werden, übersende ich Ihnen in der Anlage den Ab­schied. In mehrjähriger Arbeit haben Sie die Geschäfte der Reichspostoerwaltung geleitet und bei allen Stürmen der Nachkriegszeit sich erfolgreich bemüht, die Leistungen dieses Verwaltungszweiges zu steigern und auszubauen. Als Mitglied der Reichsregierung haben Sie an der Führung der allgemeinen Polllik mit Ihrer Erfahrung und Ihrem warmen Derstündnis für die Nöte unserer Zeit regen Anteil genommen. Ich sage Ihnen für Ihre Mitarbeit aufrichtigen Dank und bitte Sie, meiner herz­lichen Wünsche für die Zukunft versichert zu sein. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ähr sehr ergebener gez. Ebert.

Die Abteilung München des Neichspostmi- ministeriums schreibt:

Hochverehrter Herr Minister! Mit aufrichtigem Be- dauern hat die Abteilung München des Reichspostmini- steriums von Euer Hochwohlgeboren Entschluß, aus dem Amte zu scheiden, erfahren. Im Namen der Mitglieder der Abteilung München beehre ich mich. Ihnen aus die- fern Anlaß die verehruugsoollsten Äbschicdsgrüße zu übermitteln. Das die Abteilung München in erster Linie berührende wichtige Ereignis der Ueberleitung der ehe­maligen bayerischen Post und Telegraphenoerwaltung ist in die Zeit Ihrer Amtstätigkeit gefallen. Das gesamte Personal ist sich dessen wohl bewußt, daß es vor allem Euer Hochwohlgeboren Verdienst gewesen ist, wenn sich die Ueberleitung verhältnismäßig rasch und reibungslos vollzogen hat und wenn ferner der Abteilung München die Bewegungsfreiheit zugestanden und gewahrt worden ist, deren sie im Hinblick auf die eigene Ent­wicklung des bayerischen Post- und Telegraphenwesens und der besonderen Verkehrsbedürfnisie Bayern nicht entbehren kann. Dieses Verdienst hat Ihr Herr Amts­nachfolger, unser bisheriger» verehrter Herr Abteilungs­chef, schon früher wiederholl rühmend anerkannt. Ich möchte aber nicht verfehlen, mit den Abschiedsgrüßen nochmals den Dank des gesamten Personals des Ver­waltungsbereichs der Abteilung München dafür zu ver­binden. Indem ich Euer Hochwohlgeboren auch in Ihren künftigen Wirkungskreisen eine segensreiche und ersprieß­liche Tätigkeit wünsche, verbleibe ich mit der Versicherung einer ausgezeichneten Hochachtung Euer Hochwohlgebo­ren ergebenster gez. Haueladen, Geheimer Rat.

Bus dem Nachbargebiet.

----- Kassel. DasKasseler lageKatt" schreibt: Zur Zeit befindet sich eine französische Kom­mission in Kassel, um 1700 aus dem Friedhof des ehemaligen Gefangenenlagers in Niederzwehren be­stattete Leichen französischer Kriegsgefangener nach Frankreich zu überführen. Die Kommission hat den größten Teil der für die Ausgrabungsarbeiten erfor­derlichen Kräfte aus Frankreich mitgebracht. Diese be. ziehen eine tägliche Löhnung von 30 Francs (etwa 12 000 Mark), während die deutschen Arbeiter nur 15002000 Mark täglich erhalten. Das Riesenein- kormen gestattet mm den Franzosen, m Kasel ebenso ausgutreten, wie man es aus dem besetzten Gebiet zur Genüge kennt. Sie bevölkern die Tanzdielen, Bars und Weinlokale und haben durch ihr maßloses Auf­treten verschiedentlich schon Zusammenstöße mit deut­schen Gästen horvorgerufen. Leider gibt es auch in Kassel genügend Frauenspersonen, die den Fremden ihre Gunst erweisen und ihnen bchLKch sind, sich in Kassel zu amüsieren. Dadurch werden die Fremden in dem Glauben bestärkt, es gehe der deutschen Bevölke­rung noch sehr gut Man begegne den Fremden höslich und bestimmt, taffe sie im übrigen ober ihre eigenen Wege gehen.

fpd. Biebrich. In einem Steinbruch der Firma Dyckerhoff & Widmann fanden zwei Arbeiter durchDerschüttung den Tod. Ein dritter Arbeiter erlitt erhebliche Beinverletzungen.

Schulin Kaplan, Fulda

Zieherserwen 13 LelStenM Telefon Nr. 166.

MW um den Hrglüerg des Standesamts Mil.

Sterbefälle vom 17.24. November 1922.

17. Nov. Arbeiter Franz Joseph Bun, 47 Ihr. 11 Mt. 13 To/ 18. Schretncrmeisters - Witwe Berta Elisabeth Hunold, geb. Hohmann, 72 Ihr. 4 Mt 16 Tg. 20. In­valide Magnus Jordan, 67 Ihr. 4 Alt. 18 Tg. 19. Mau- rer Wllwer Heinrich Menael, 56 Ihr. 9 Mt. 28 Tg. 21. Maurer Amiust Schlitzer, Oberdimbacb, 28 Ihr. 10 Mt. 17 Tg. 20. Geori Ruß 2 Ihr. 7 Mt 18 Tg. 22. Knecht Witwer Martin Schlitzer 67 Ihr. 9 Mt 11 Tg. 23. Berthold Heinrich Untheim, 1 Mt. 5 Tg. 23. Privotin Mathilde Kempf, 72 Ihr. 2 Bit. 22 Tg. 23. Hubertus Joseph Andreas Wahl, 8 Mt. 11 Tg.

Anerkennung für Giesbetts.

Das Schreiben, das der Reichspräsident an den Rolchsposüninistsr Giesberts anläßlich des Aus- cheidens aus dem Reichsdienst gerichtet hat, lautet:

Sehr geehrter Herr Reichsminister! Auf Ihren Än- trag, von dem Amte des Reichspostministers entbunden

Markte.

Hulda, 25. Nov. Auf dem heutigen Schweine- markt waren 185 Ferkel aufgetrieben, für die 12000, ;5000 und 18 000 Mark bezahlt wurden. Läufer fehlten, j Der Handel war gedrückt.

X Marburg, 23. Nov. Heute wurde hier der letzte diesjährige Schweinemarkt abgehalten. Bei einer Zufuhr von rund 650 meist in den Händen von Händlern befindlichen Ferkeln und Lämern entwickelte sich ein flotte? Geschäft. Für 46 Wochen alte Tiere wurden durchschmtllich 812000 Mk., für 1012 Wochen alt« größere Ware 14-15 000 M. und für Läufer 2025000 Mk. bad Stück bezahlt. Einlegschweine wurden kaum eingcladen. In einigen Ortschaften der Umgebung ist wieder die Maul» und Klauenseuche festgestelU worden.

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Gottesdienstordnung.

Katholischer Gottesdienst.

S onntag,26 Nov. Dom. (Diözes an-MonaitS. kollekte.)/a6, 6,'/,7u.7 hl. M., 6Generalkom. d.chrtstl. Mütterverein?, 8 Pfarramt u. -Pr., V»10 Kaihedralamt u. Pr., */Jl Ehr, V«12 hl. M u. Pr., V.2 Michaels. Bruderschaft, 2 Ehr.,/<3 Mütteiverein, 4 Pr. u. A., 7 A. i. d. Marienkapelle. Montag 5 Rosenkranz m. Segen. Stadtpsarrkirche. (Kollekte für die Stadtpfarrkirche.i 5-/, Kom., 5V« hl. M., 6V« hl. M. u. Kom. f. d. Mütterverein» 8 erster Schulgd mit Pr., 9*/i Pfarramt m. Pred., 11 zweiter Schulgd. m. Pr., 9V« Ehr. f. d. Jüngl. i. d. Severikircke, IV* Chr. f. d. Jungfr., 2Vs Bruderschaft vom hl. Erzengel Michael, 3V< A. f. d. Mütterverein. Pfarrkirche zum heiligen Geist. e/«7 hl. Kom., 7 Frühm.» 8 Pr., Amt m. Kom., V-5 Ehr., 5 A. Sodalität. V,10. Severikirche. Sonntags und werktags */*7 hl. M. MichaelSkirche. Nachm. 2 Jesu-Maria-Joseph-Bruderschaft: Pr. u. A. Herz-Jesu-Heim. 8 Hochamt m. Pr., nachm. 2 A. (Mitt­woch abends 8 A.) Frauenberg. (Ablaßtag für die Terziaren.) 5, 6, SV, u. 7 hl. M., 8 hl. M. m. Pr., 9 Hochamt m. Pr., nachm. 2 feiert. Vesper nt. fairem, Segen.

Zostphkhei«. (Fest der Anbetung.! V*7 u. V,8 bl Meffen, V,9 feierliches Hochamt mit Predigt. 10, 12, 2 und 4 Betstunden, 6 Schlußandacht.

Vermischtes.

Ein Mchtiungsminislsr ohne Wohnung. Dor Preußische Wohnung-- und Wohlsftchrtsminrstsr H i rt I i e fe r, der vor seiner Berufung zum Minister in Essen wohnte, wird jedenfalls von den Berliner kommunalen Dienststellen in der Zuweisung einer Wohnung nicht bevorzugt. Hirtstufers Funnlie, die 7 Kopse stark ist, wohnt immer noch in Essen. Vom Bcgirkeamt Mitte der Stadt Bersin erhielt der Mini- ster auf ein Schreiben traut 5. August d. 3s. unter dem 31. Oktober folgende Mitteilung:Wir haben noch Prüfung Ihrer Ängeregenhert beschlossen, Sie in die DringlichkeitÄifte für eine Wohnung von einer Stube und Küche einzutragon. Sie ersahren da­durch eine ganz besondere Bevorzugung; dennoch fön. trat Monate vergehen, ehe Sie mit einer Zuweisung rechnen können, da zur Zeit wenig freie Wohnungen gemeldet werden. Erne Tauschwohnung können wir Jhmn nicht zur Verfügung stellen. Das Wohnungs­amt rst entsprechend unterrichtet, von ihm geht Jh.:en weitere Nachricht zu. Vielleicht tröstet sich mancher, der cmf eine Wohnung vergeblich wartet, mit dem Schicksal des Wohnungsministers, der mit seiner 7köpsigen Familie noch Monate auf ein Zimmer mit Küche warten muß.

* Särge aus Gips. Aus Amberg wird gemel-. dst: Ingenieur Graebner, der Leiter 'der FränLifchen Gipsgußwerke, sprach in einem Bortrage urer de Einfüh rung von verhältnismäßig billigen Gipssärgen. Boi Einführung dieser Särge wür- den ungeheure Summen gespart werden können. Es

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gesetzt. Das war kein Zeugnis für vornehme Ge­sinnung und innere Gewissenhaftigkeit. Aber sie sind sich gleich geblieben, und sie werden wohl nie­mals das Antlitz ihrer moralischen Veranlagung ändern. Schon als die Revolution ausbrach, war bängliche Vorsicht ihr Kennzeiä>en, als der Bersail- ler Friedensvertrag unterzeichnet werden mutzte, bebten sie vor Angst, es möchte sich in der National­versammlung keine Mehrheit finden, die den Mut hätte, das Odium der Unterschrift auf sich zu neh­men. Damit sie aber möglich würde, verstanden sie sich sogar zu einer Ehrenerklärung für die unter« zeichnenden Parteien, ohne sich allerdings später irgendwie an das feierlich gegebene Wort zu hal­ten. In gleicher Bedrängnis befanden sie sich nach dem Londoner Ultimatum Anfang Mai vorigen Jahres, und zwar besonders deshalb, weil die von ihnen unterstützte Politik Dr. Simons elendig­lich Schiffbruch erlitten hatte. Jedesmal war es das Zentrum, das in selbstloser Entschlossen­heit den Mut zur Verantwortung und damit auch zur Rettung des deutschen Vaterlandes zeigte, in der schwierigen Situation, die das Londoner Ulti­matum geschaffen hatte, war es Dr. Wirth, der mit einem mutigen Entschlüsse die Leitung der Reichs­politik übernahm. Er war feit der Revolution der erste Reichskanzler, der mit einem festen politischen Programm vor die Volksvertretung trat, mit einem Programm, das er mit kluger Geschicklichkeit durch­führte, und das inzwischen seine völlige Rechtferti­gung gefunden hat. Wiederum mußte man seinen persönlichen Mut und seine staatsmännische Ent­schlossenheit bewundern, als er nach der Entschei­dung über die oberschlesische Frage die Oppositions­parteien beschämte und in freier persönlicher Initiative eine Regierung bildete, die heute nur deshalb nicht mehr besteht, weil es einem Teil seines Kabinetts, weil es den Sozialdemokraten an der nötigen staatspolitischen Einsicht und dem partei­politischen Mut fehlte, um die von Dr. Wirth weiter verfolgte politische Linie einzuhalten. MU der letz­ten Note an die Reparationskommiffion war für den Wiederaufbau Deutschlands eine neue Etappe erreicht, die eine entsprechende neue Formierung der politischen Kräfte verlangte. Es ist s e h r be­bau e r l i ch, daß Dr. Wirth nunmehr von einem wesentlichen Teil seiner bisherigen Gefolgschaft ver­lassen wurde, die Situation, in welche die Sozial­demokratie selbst als Partei dadurch geraten ist, dürfte ihr nach ihren inzwischen gemachten Erfah­rungen sicher nicht allzu vorteilhaft erscheinen.

Das deutsche Volk ist seinem großen Führer Dr. Wirth zu inniger Dankbarkeit verpflichtet. Wenn einmal ruhigere Zeiten kommen werden, Zeiten, wo die Parteileidenschaften etwas abebben und um andere Objekte streiten, dann dürfte Dr. Wirths politisches Charakterbild im öffentlichen Urteil nicht mehr so schwankend sein, wie das heute noch der Fall ist, dann wird die Stimmung über seine Fähigkeiten und den Erfolg feiner Arbeit einheit­licher werden. Vielleicht wird dann auch schmerz­liche Reue alle diejenigen erfassen, die bisher in falsch angewandtem Idealismus und in bedauer­licher politischer Unreife, verhetzt von partejpoli- tischen Drahtziehern, glaubten, in Dr. Wirth einen Reichsfeind verfolgen z« müssen. Man dürfte bald auch in diesen Kreisen erkennen, daß mit Dr. Wirth ein offener und ehrlicher, echt deutscher und kerniger Mannescharakter am Ruder des Ru­ches gestanden hat. Ein Mann, der für unsere un­ruhige Zeit das richtige psychologische Empfinden besaß, der ein Politiker großen Formates, der rich­tige Führer in des deutschen Volkes verworrensten Stunden. Weil deuffche Jugend diesen Mann zu wenig kannte, und oft falsche Ohrenbläser hörte, nur deshalb konnte sie ihn schmähen und verfolgen. Er hat die Unbill der Verblendeten um des Reiches und des deutschen Volkes willen ertragen. Wir wünschen, daß seine große Arbeitskraft dem Vater- lande noch lange erhalten bleibt und er bald neue Gelegenheit bekommt, an besonders verantwor­tungsvoller Stelle zum Wohle Deutschlands weiter­zuwirken.

Der Dank der Zenlrmnsfraklioo.

In der Fraktionssitzung des Zentrums, die am Donnerstag - abend statffcmb, widmete der FraStions- vorsitzMide, Abg. Marx, dem aus dem Amte geschie- ienen Reichskanzler Dr. Wirth warme Worte des Dankes und 6er Anerkennung. Er sprach von ihm als einem ganzen deutschen Mann, der offen und frei und ohne Falsch für das eingetreten sei, was er als richtig erkannt habe. Die Zentrumspartei dürfe stolz ->arauf fein, dem deutschen Volke einen solchen Mann SvschMkt zu haben, der dem Lande große Dienste er­wiesen habe.

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Dr. Wirth,

ter während seiner Tätigkeit als Kanzler so viel geschmäht und beschimpft worden ist, hat nach sei­nem Rücktritt aus verschiedenen Lagern über alles Erwarten freundliche Worte gefunden. Auch für uns geziemt es sich, noch einen kurzen Rückblick auf die jetzt vorläufig abgeschlossene Periode Dr. Wirth zu werfen.

Mehr als anderthalb Jahre hat Reichskanzler Dr. Wirth das wracke Reichsschiff geführt und es durch Sturm und Not hindurchgefteuert. Mit Er­folg? Durchaus! Es ist völlig verfehlt, wenn noch in diesen Tagen von der Rechtspresse darauf hin­gewiesen wird, daß dieErfüllungspolitik" des ge­wesenen Kanzlers bankerott gemacht habe, daß das deutsche Volk infolge dieser Politik am Rande des Verderbens stehe und daß nun neue Männer aus einer anderen politischen Welt kommen müßten, um zu retten, was noch zu retten sei. Solch« dema­gogischen Redensarten haben weder mit Wahrheit und Gerechtigkeit, noch mit polüischer Vernunft etwas gemein. Auch wenn Poincare heute noch kriegerische Reden hält und mit dem Begriff des Rechts auf Ergreifung produktiver deutscher Pfän­der spielt, er ist, das kann nicht geleugnet werden, heute nicht mehr so sprungbereit zur Gewaltanwen­dung, wie an dem Tage, da er an die Spitze des französischen Kabinetts trat. Auch chm ist inzwi­schen sehr deutlich geworden, daß sich Frankreich durch forsches Auftreten die erträumten Milliarden nicht verschaffen kann. Die Politik Dr. Wirths hat, und darin liegt ihr großes Verdienst, dem französischen Volke die Wahrheit enthüllt, die dessen wahrheitsscheue und fahrlässige Regierung, mag sie nun von Clemenceau, Briand oder Poincare ge­führt sein, ihm bisher nicht zu offenbaren gewagt hat, nämlich die Wahrheit, daß Deutschlcuch eben nicht alles zahlt und zahlen kann, was trüge­rische französische Hoffnungen an deutschen Zah­lungsleistungen erträumt haben. Es war weiter Dr. Wirths nie zu schmälerndes Verdienst, daß es ihm gelang, jene Wahrheit dem früheren Feind­bund offenkundig zu machen unter Erhaltung der deutschen Staatseinheit, welche durch die von der Rechten gestützte Politik des früheren Außenministers Dr. Simons in höchste Gefahr geraten war.

Diese Erhaltung der deutschen Staatseinheit war für Dr. Wirth Voraussetzung und Leitmotiv seiner gesamten Politik. Und wenn er heute nach andert­halbjähriger Amtstätigkeit auf feine Regierungs­tätigkeit zurückblickt, so darf er von sich wohl sagen: Ich habe es nicht verhüten können, daß die neuen Einsichten der Entente und besonders Frankreichs über das deutsche Reparationsproblem ein hohes deutsches Unkosten konto tragen, aber die deutschen Opfer waren nicht unnütz, es ist mit sol­chen Opfern gelungen, die staatliche Einheit Deutsch­lands zu retten und eine positive Basis für die deutsche Außenpolitik zu schaf- fen; sie wird eine gesunde Weiterentwicklung nach Osten und nach Westen ermöglichen. Das deutsch« Volk ist trotz feiner Not und schweren ©orfle wieder ein lebendiger Aktivposten in der Welt und sein Ruf wächst wieder, ein Volk des Friedens und der Kultur zu sein." Jede neue Regierung wird da anfangen müssen, wo Dr. Wirth seine Tätigkeit be­endet hat. Wenn sie erfolgreich sein will, muß sie feine Politik in gleicher Auffassung und mit gleicher Zielrichtung außenpolitisch weiterführen. Nur so kann das deutsche Volk in der Geltung der übrigen Wett weitergewinnen. Es wird eine der vornehm­sten Aufgaben der Reichstagsfraktion der Zen­trumsfraktion fein, auf solche Stetigkeit des Kurses acht zu haben.

Es hat wahrlich Mut dazu gehört, in den letz­ten anderthalb Jahren Steuermann des deutschen Reiches zu werden und zu fein, Mut nach außen und noch vielmehr Mut nach innen, Mut nicht nur g staatsmännischen Auftreten zur Führung des er darniederliegenden Deutschlands überhaupt, ern auch Mut zur persönlichen Verantwortlich- leit gegenüber dem leidenschaftlich bewegten Volke. Deutschland ist wohl nicht arm an Männern, die Talent und Geschick genug besitzen, um die Arbeiten zu verrichten, die mit der politischen Führung des deutschen Volkes verbunden sind, aber wie wenig Männer finden sich heute zu solcher verantwor­tungsschweren Aufgabe bereit. Das Amt des Reichskanzlers wie auch der übrigen Refforts im Kabinett verlangt Mut zu Entsagungen und Opfern, die von vielen, die wohl Vorbildung und Talent zu solchen Geschäften hätten, nicht gerne ge­bracht werden. Um so dankbarer sollte man einem ^Janne wie Dr. Wirch sein, der wirklich nicht auf feinem Reichskanzlersitz auf Rosen gebettet gewesen mar. Aber man hat Dr. Wirch seine Aufgabe nicht leicht gemacht. Ja die Leute, welche in der Ver- den geringsten Mut zur Uebernahme Mt Regierungsverantwortlichkeit bewiesen, haben chm die schwersten Steine in den Weg

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Julius Betiter, Fiiifli

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