Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZenung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Nr. 271.

LeranworlliL für ben ceöanionellen Seil: Dr. I. Kramer. - für die 2ln<etetn: I. ParzeUer-Fulda. % Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Stemipredier Nr. 9. PoMckeck-Konto 4051 Frankfurt a. M.

Samstag, 25. November 1922.

Bezugspreis: Monatlich 150 Bit Zustellgebühr extra. - Abgedolt in der Geschäftsstelle 155 Bit "

Äuzeigeu: Kleinzeile nachColone« 15 Bit; ousw. 20 INk. Rekiomezel'e (Tertbrettel nach (Tolone'mafi 60 ^ark.

49. Zahrg.

8«'

vor der Regierungserklärung

Das neue Kabinett verzichtet auf ein positives Vertrauensvotum.

[ schung nicht aus. Es ist Dr. Tuns so wenig _ langen, wie den vielfachen Bemühungen seines

Vorgängers Dr. Wirth, erste Führer der deutschen Wirtschaft unter die Last des Reichsministervmts zu nehmen. Die Herren verlassen nicht so ohne weiteres ihre sichere und nahrhafte Position. An und für sich könnte man ihnen das auch nicht übel nehmen, wenn man nicht das Gefühl Hütte, daß das bekannte laute deklamatorische Geschrei nach Fachmini st ern letzten Endes gerade von den Leuten herrührt, die selbst einen Ministerposten aus Furcht vor der Verantwortung und aus Man­gel an Opfermut trotz wiederholter Angebote immer aus schlafen. Man durfte bisher zu ihrer Ent­schuldigung annehmen, daß der Umstand, daß der Reichskanzler selbst nicht dem deutschen Wirtschafts­leben entstammte, die hervorragenden Männer unserer Wirtschaft verhinderte, sich für den Beitritt zum Reichskabmett freizumachen. Jetzt aber hat der Generaldirektor der f)apag die gleiche Erfah­rung machen müssen. Rach den ersten ähnlichen Erfahrungen bei der $ Übung des Kabinetts Feh- renbach, dem ebenfalls die Deutsche Dolkspartei mehr noch als dem jetzvgen Kabinett verpflichtet war, rief seinerzeit dieKöln. Ztg." unwillig aus: Man höre nun aber endlich auf mit dem Geschrei nach Fachministern!" Heute sind wir der Auf­fassung, daß der Ruf nach Fachministern aus dem deutschen Wirtschaftsleben, aus Industrie, Handel und Schiffahrt vor allem ü-tzt erst recht erhoben werden muß. Heran an die Regierungs­front mit den allein selig machenden Wirtschafts­koryphäen! Das müßte jetzt der unaufhörliche Ruf des deutschen Volkes werden, jetzt, wo allmählich auch den weitesten Kreisen die Augen darüber auf- gehen, von wem sie bislang mit jenem Ruf an der Nase herumgsführt worden sind.

Eine lange Amtstätigkeit prophezeit heute nie­mand dem neuen Kabinett. Es ist zurzeit noch völlig unübersichtlich, wie breit die Front sein wird, welche die Regierungserklärung billigen wird. Es kommt auf das Geschick Dr. Ennos bei seinem ersten parlamentarischen Auftreten an und auf die Art und Weise, wie er die Regierungserklärung auf die letzte Note an di« Reparationskommission stützt, wie weit es ihm gelingen wird, auch die Sozial­demokratie davon zu überzeugen, daß sie dem neuen Kabinett die Hilfe bei der Geburt nicht ver­weigern könne. Die Mehrzahl der Mitglieder des Kabinetts sind ausgesprochene Parteianhänger. Und doch ist das Kabinett kein Kabinett der Par­teien, es ist auch kein Kabinett der Arbeitsgemein­schaft. Bei der Zentrumsfraktion hat jedenfalls der Rangier wegen der Zusammensetzung des Ministeriums keine Unterstützung nach­gesucht und sie hat ihm auch keines ihrer Mitglieder oder Mitglieder der Zentrumspartei für das Ka­binett borgeschlagen. Es besteht darum keiner- l e i Verpflichtung für das Zentrum der neuen Re­gierung gegenüber, es besteht aber auch auf Seiten der Zentrumspartei kein Vorurteil gegen­über dieser Regierung. Im Gegenteil ist die Frak­tion der-Auffassung, daß das Kabinett die ihm auf« erlegte Arbeit in Angriff nehmen und durchführen soll, es wird, da fein Programm sich auf die Note an die Reparationskommission stützen wird, auf die willige Mitarbeit der Fraktion rechnen können.

Dieser Zustand muß ganz kla r fest gestellt werden. Wen« das Kabinett seine Aufgaben zum Wohle des Volkes und Vaterlandes erfüllt, wird die Zentrumsfraktion das gern anerkennen, wenn es aber der Schwierigkeiten nicht Herr werden sollte, über diese Frage gibt es heute noch kein begründetes Urteil dann wird sich die Zentrums-

Die Reichsregierung hat in einer Sitzung am Donnerstag nachmittag nach längerer Beratung der vom Reichskanzler vorgelegten Regierungserklä. rung zugestimmt. Unmittelbar nach (Eröffnung der RorchstagssitziMg am Freitag wird Reichskanzler Cuno die Regierungserklärung abgeben. Es ist beab­sichtigt, daraus eine zweistündige Pause ein­treten zu lassen, während der die Fraktionen über, ihre Stellungnahme zm Regierungserklärung beraten sol­len. Roch der Pause wird die

politische Aussprache

durch den Redner der Sozialdemokratie eröffnet wer­den. Man hofft, daß die politische Aue spräche noch am Samstag zu Ende geführt werden kann, woraus dann eine achttägige Pause der Seratongen des Reichstages der neuen Regierung Gelegenheit geben toll, sich in ihre Geschäfte einzuarbeiten.

In Erkenntnis ihrer schwierigen Sage wird die neue Regierung, wie derVorwärts" wissen wM, auf ein positives Vertrauensvotum verzichten; sie will sich mit einer '

Billigungsformel

begnügen, die das WortVertrauen" nicht enthaft und auch der Sozialdemokratie eine Zustimmung ermög­lichen soll. Diese Formel soll in einer Parteiführer- besprechung Freitag vormittag gesucht werden.

In einer mehrstündigen Sitzung am Donnerstag nachmittag beschäftigte sich

die sozialdemokratische Fraktion mit der Zusammensetzung des neuen Kabinetts, die Äl- gemeine Mißstimmung hervoryerufon hat. Es fft dem gleichen Blatt zufolge sicher, daß die FvcWcm nicht daran denkt, einer positiven Sertrauemi&formd zu- zustrmmen. Nach demBerl. TagM." ist rn den Kres. fen der bürgerlichen Parteien der Mtte beabsichtig, einen Antrag einsUbningen, der die Erklärung der Re­gierung billigt.

Wie derBott. Lokülanz." hört, ist es noch zweissl- hast, ob ein Nachfolger für den mit Dr. Wirch zurück- getretmen bisherigen Pressechef Müller ernannt wer- den wird. Vorläufig habe der Direktor der Neichs- kmzlei Dr. Hamm die Geschäfte übernommen. 3m Gegensatz dazu nennt der .Porwätts" als zukünftigen Reichspressechef den bisherigen Pressechef im Reichs- emöhrungs- und Rsichsfinanzministermm Cgg- bring.

Zentrum und Kabinett Cuno.

Aus dem Streife der Parteifreunde, der der Ent­wicklung der poetischen Lage in den letzten Tagen be= tonders nahe gestanden hat, wird uns geschrieben:

Generaldirektor Cuno, der neue Reichskanzler, hat mit feinen Bemühungen um die Kabinetts- bildung gezeigt, daß er nicht ein Mann ist, der nach ersten fehlgeschlagenen Versuchen die Flinte ins Korn wirft. Er hat eine gewisse Ausdauer an den Tag gelegt, und sieht nunmehr seine Bemühungen erfolgreich. Daß es ein dauerhafter Erfolg fein wird, das wird allerdings allenthalben sehr bezweifelt. Aber sein Kabinett ist fertig. Es sollte ein Kabinett der Köpfe, ein Kabinett der Arbeit werden, womit man ausdrücken wollte, daß weniger das Parlament, als die persönliche Tüch­tigkeit bei der Kabinettsbildung zu ihrem Recht kommen sollten. Doch wenn man daraufhin die neue Mnisterliste nachprüst, so bleibt die Enttäu»

Inr

Roman von Clark Russell.

311 ____________

Wieder wurde ich durch einen fürchterlichen Stotz an die Wand geworfen. Taumelnd, hin und her geschleu- beit, fand ich die Kabinentüre, nur um von einem neuen Stotz die Kajüte entlang geworfen zu werden. 3d) rollte gegen Möbelstücke, richtete mich mühsam auf, stol­perte, siel. Endlich gäang es mir, an der schrägen Wand entlang kriechend in den Winkel beim Ofen zu gelangen.

Mr. Selby f0 kommen Sie dock!" rief Miß Otrvay wieder.

Sofort," antwortete ich.Ich muß Licht machen."

Irgendwo beim Ofen mutzte Feuerzeug liegen 3ch tastete und tastete, und fuchte und suchte, und fand enä* sich das Feuerzeug. Als der Lichtschein aufblitzte, zündete ich eine Kerze an, die glücklicherweise dicht beim Ofen stand

,,2ch komme!" rief ich.

Eie «stoße hatten aufgehört, und es gelang mir, die Kajütenlampe zu erreichen, die von der Mitte der Decke schwang, und sie anzuzünden. Dann kroch ich, die Kerze in der Hand, hinüber zu Miß Otwags Kabine und stieß die Türe aus. eie stand, in eine Decke gehüllt, zitternd da und hielt sich krampfhaft am Pfosten der Koje fest.

Ich habe Licht gemacht, Miß Otway," sagte ich. Kommen Sie m die Kajüte."

»Was ift- das? stöhnte sie.Sind wir in Gefahr?

Ich weist es selbst nicht," gab ich zur Anwort.

Ich ritz Kiffen und Decken aus der Koje, half Miß Otway zu dem Winkel beim Ofen und machte ihr aus den Kiffen und Decken einen1 Sitz zurecht.

Es scheint, als ob es jetzt aufgehört hat," fugte sie tuid versuchte tapfer zu lächeln.

In diesem Augenblick erbebte das Wrack, wie von !Rer Riesensauft geschüttelt, und furchtbare Stötze war. st« uns beide zu Loden. Fürchterliches Getöse umgab ttns. ein Krachen, ein Knattern^ em Bersten, als feien

alle Elemente in Mrfruhy. Das schallende Krachen mußte, das erkannte ich sofort, von berstenden Eis» masfen herrühren, von Eisbergen, die der Sturm gegen« einander schleuderte. Das dumpfe Getöse aber, das wie Donnergrollen klang, war mir unerklärlich. Wir wur­den gerüttelt und geschüttelt und hin und her geworfen, Der Lärm war so entsetzlich, daß wir schreien mutzten, um uns gegenseitig zu verstehen

Das Wrack wird von den Klippen geschleudert wer­ben!" schrie Miß Otway.

Das haste ich für unmöglich," schrie ich zurück.

5n diesem Augenblicke schleuderte uns ein Stoß, ent- setzlicher als alle vorhergegangenen, nach der entgegen- gesetzten Seite der Kajüte. Miß Otway schrie gellend auf. Der Ofen stürzte mit einem gewaltigen Krach zusammen Sessel und Tische und Vorräte rollten polternd über den Kajütenboden es war ein Wunder, daß in dem Wirrwarr weder Miß Otway noch ich verletzt wurden. Immer gewaltiger wurde das Getöse, immer furcht- barer das Rollen der Schiffer. SDlinutenlang wurden wir von Kajütenwand zu Kajütenwand geschleudert, völ­lig hllflos.

Da ein Stoß, begleitet von einem donnerähnli­chen, krachenden Getöse, als fei ein Derg zusammenge« stürzt, und mit einemmal war es vollkommen ruhig. Diese Ruhe war fast noch fürchterlicher, als das bis- beuge Tosen, Krachen und Grollen. Halb betäubt starrte ich um mich und sah nicht weit von mir Miß Otway liegen. Sie richtet» sich auf, als ich sie rief, und sagte zitternd:

Ist es vorbei?"

Und mit ememmal schrie sie auf.

Das Schiff hat sich aufgerichtet, Mr. Selby," stieß ' sie hervor.Sehen Sie nur ich kann stehen der j Boden ist nicht mehr schräg mein Gott, war kann es nur gewesen sein, Mr. Selby?"

In meiner Betäubung (mein Kopf schmerzte ich mußte in dem Wirrwarr von hin und her geschleu- derten Möbelstücken v-^letzi worden fein) hatte ich nicht darauf geachtet, daß feit dem letzten entsetzlichen Stotz der KaMenboden wasereckt war ...

fraktion von solchem Mißerfolg nicht mit» betroffen fühlen. Die Zentrumspartei ist unter dem neuen Kabinett keine Regie­rungspartei. Für das Maß der Unterstützung» die das Kabinett seitens der Zentrumsfraktion finden wird, ist ausschlaggebend, wie schon gesagt, daß das Kabinett die politischen Pfad« lveiter- rvandelt, welche die Fraktion bisher eingeschlagen hat und deren Richtung in der Note an die Repa­rationskommission, die von den Parteien von Stre- semann bis Breitscheid anerkannt sind, festgelegt ist. Die Persönlichkeiten des Kabinetts kommen dabei erst in zweiter Linie in Frage.

Sine Stimme aus Zraickreich.

Der PariserTemps" schreibt zur endgültigen Bildung des Kabinetts Cuno, man wolle in der inneren deutschen Politik nicht Partei, ergreifen, man müsse aber feststellen, daß das Kabinett Cuno den Alliierten gewisse Besorgnisse einzu­flößen vermag.Es sei eine Minderheitsregie­rung, während Deutschland, um seine finanzielle Lage wiederherzustellen, gerade der Einigung aller seiner Kräfte bedürfe. Es sei eine Rechtsregierung, während uns für die Ruhe in Europa und zum Wohle des deutschen Dolles gerade die Befestigung der deutschen Republik unerläßlich erscheint. Daher warten wir ungeduldig darauf, daß der neue Kanz­ler sich über seine Politik in der Reparationsfrag« ausspricht. Es ist gesagt worden, er würde sich darauf beschränken, für die letzte Note des Kabinetts Wirth die Verantwortung zu übernehmen. Wir möchten nicht glauben, daß er diesen Fehler macht. Was der letzten Note des Kabinetts Wirth jeden praktischen Wert nahm, war der Umstand, daß sie, anstatt Zahlungen zu versprechen, sich mit der Forderung von Darlehen begnügte. Cuno hat ein Kabinett gebildet mit derjenigen Pattei, die das eigentliche deutsche Kapital verttttt. Don ihm erwarten wir zu hören, wie und wann er dieses Kapital flüffig zu machen gedenkt, um die Reparationsschuld zu bezahlen. Wenn ein Mini­sterium unter dem Vorsitze Cunos, des Direktors der Hamburg-Amettka-Lmi«, steht, und wenn in ihm in der Person Beckers, ein notorischer Dertre- ter der größten Industrieinteressen ist, so kann die­ses Ministetturn sich nicht in unbestimmten Formen bewegen. Wenn es SBertrauen einflößen will, muß es bestimmte Angebote beibringen." Die fran­zösischen Industriellen hoffen also, durch das Ka­binett Cuno zu deutschem Gelbe zu kommen?

Dorbeteihmgen für Brüssel.

In Parts hat zwischen Poinccrre und den belgi­schen Staatsmännern Theunis und Jasper ein« Unterredung stattgefunden. Belgischerseits wird ver- sichert, dos Ergebnis der Zusammenkunft sei sehr befriedigend. Pottcare werde eine Kaufe» renz der Ministerpräsidenten von Frankreich, Großbritannien, Italien und Belgien veranlasiM, um gemeinsam das Programm für di« Brüsieler Konferenz festzulogen, das hauptsächlich die Vorschläge Deutschi an ds und die Siqui» dation der interalliierten Schulden umfassen werde. Angesichts der demnächst stattfir.den- den Vorberatungen fei es zweifelhaft geworden, ob die belgischen Minister sich zu der Beradimy mit der hriti- schon Regierung nach London begeben wordm.

Deutscher Reichstag.

Die Geschäftsordnung.

Der Reichstag brachte die zweite Lesung seines GeschaftsoronunoS-Entwurfes auch am Donnerstag nicht zu Ende. Ts er, oben sich Unstimmigkeiten, sodaß die spätere Vornahme erner dritten Lesung nicht mehr zu umgehen ist.

Fünfzehntes Kapitel.

ver Blann im Gis.

Sm Morgengrauen standen wir beide auf dem Deck des Wracks, das jetzt in feiner natürlichen Lage fest und sicher in dem Älippenoorfprung lag.

Wir konnten uns kaum fassen vor Freude. Dar Deck, auf dem ist gestern noch nur vorsichtig kriechen buffte, fo lebensgefährlich war es in seiner Abschüssigkeit, war nun vollkommen eben, eine fo ebene Fläche, doh Miß Otway fröhlich wie ein Kind die Planken entlang laufen konnte.

«Es kommt mir vor, als sei ein Wunder geschehen," rief sie.

Es ist auch beinahe ein Wunder," antwortete ich.

Mir ist es unerklärlich," sagte sie, aus großen Augen die Klippen anftarrenb, die an der Schisssseite empor­ragten. Sie schritt hinüber zur Reeling der anderen Schifssseite und schrie auf.

Mr. Selby! Kommen Sie!"

Ich rannte zu ihr und sah staunend, daß die Els- flippe, auf die uns die Sturmbranbung vor kurzem hin- aufgeschoben hatte, gespalten und ins Meer gestürzt sein mußte. Ein Teil von ihr war vrffchwunden . . .

Wir können vom Meer aus gesehen werden," jubelte Mih Otway.

Und wir haben ebenen Boden unter unseren Füßen," sagte ich.

Wir können uns wenigstens rühren."

Und am schönsten ist es für Sie, Miß Otroan. Sie sind nun nicht mehr eine (Befangene tu der dumpfen Kajüte, sondern können sich frei bewegen!"

Und Ihnen Helsen," lächelte sie.Vor der Kälte habe ich keine Angst!"

Sie deutete aus den Pelzmantel und dir Pelzkapuze, in die sie eingehüllt war. Nein, vor der Kälte brauchen wir uns nicht zu fürchten. Die Garderobe des armen Kapitäns der Lady Emma war für einen Seemann außerordenillch vollständig gewesen (ich trug seinen Pelz­mantel auf dem Leib) und Miß Ollvays Vater Halle

I Die Forderungen der Türken.

Die Verhandlungen in Lausanne.

lieber die von den türkischen Delegierten in der erften Kommission in Lausanne vorgettagenen Forderungen erfährt man:

Die Türken fordern: 1. Wiederherstellung der Grenze von 1913; 2. Einschluß des Bahnhofs von Adttanopel-Karafan in diese Grenze; 3. Enttnili- tattsierung der Zone zu beiden Seiten der Maritza unter voller Wahrung der türkischen Souveränität, lieber die technischen Einzelheiten sollen besondere Kommissionen entscheiden. 4. Bulgarischer Ver­kehrszugang längs der Maritza, über den auch eine besondere Kommission bestimmen wird; 5. Ab­stimmung in West-Thrazien.

Deutsches Reich.

* Berlin, 24. Nov. Eine Konferenz der Reichswehrkommandeure fand unter Dor- sitz des Reichswchrmimstors in Berlin statt, wobei über die Lose in den einzelnen Wehrkreiskommandos bet­raten wurde. Der Reichset at für 1 9 23 wird in diesen Tagen fertig-gefteilt und dorn Reichskabmett überleben werden. In Berlin ist der von kvm- nmnistischer ©eite veranstaltete Reichsbetriebs- rate-Kongreß eröffnet worden.

* Das braunichweigische Staatsministerium hat auf gründ des Artikels 20 der Landesverfassung den 'Landtagspräsidenten um die sofortige Ein­berufung der Landesversammlung ersucht. DaS Eriuchen geht auf die Lebensmiltelun- ruhen in Braunschweig zurück.

Kurland.

VrukschermusWeisungen aus Polen. LautBett. Tagebl." bleiben die Deutschcnausweisu-igvn aus Palen an der Tagesordnung. Eine deutsche Lehrerin, die im Kreise Graudenz angestellt war, wirrte mit nur 7 stündiger Frist lmsgewiesen. Desgleichen er- hielt ihre Schwester einen Ausavttsnwgsbsfchl mit der Drohung, wenn sie nicht binnen zwei Tagen über der (Beenge wäre, wurde sie verhaftet werden. Als Grund wurdeWiedervergeltung für einen aus Deutschland ausgowiesenen Arbeiter" angegeben.

* Var englische Parlament ist vom König mit einer Thronrede eröffnet worden. Die Thronrede er» wähnte di« ll'sche Frage und die OrieMkonjerenz in Lausanne.

* lleberfakl auf den König von Bulgarien. Ein Telegramm desBerl. Lokalanz." berichtet, daß König Borri» von Bulgarien bst einem Au:o- mobi'laussiug ohne Begleitung in der NiHe von Sofia von Räubern überfallen wurde. Nachdem die Räuber den König völlig ausgeplündert hatten, verschwanden sie.

preußischer Landtag.

Sachlichkeit oder Parieibttlle?

Der Landtag verhandelte am Donnerstag über eine sozialdemokratische Interpellation, die sich über die Nichtbestätigung von zwölf Berliner Ge- meindeschulrektoren, und eine kommunistische In­terpellation, die sich über die Nichtbestätigung eines kom­munistischen Stadtrats als Direktor einer Realschule be­schwert. Minister Dr. Aoelih erklärte, daß das Provin- zialschulkollegium seine Entscheidung nach sorgfältiger Prüfung unbekümmert um die polstische Parteistellung nach rein sachlichen Gesichtspunkten getroffen habe. Es habe sich dabei ergeben, daß von den zwölf zu Rek­toren gewählten Lehrern einige fachlich durchaus un­zureichend gewesen seien und daß andere nach Lage der Gesetzgebung als Dissidenten nicht zu Leitern von Bekenntnisschulen hätten berufen werden können.

3n der Debatte erklärten sich bis auf die Sozial­demokraten und Kommunisten, die diese Auffassung als cerfaffungsroibrig bezeichneten, sämtliche Parteien mit der Haltung der Regierung einverstanden.

Frestag: Fottsetzung.

in weiser Voraussicht auch an die Kälte gedacht tmb seiner Tochter schwere tsklze mitgegeben.

»Aber es ist mir noch immer unerklärlich, was in dieser Schreckensnacht vorgegangen ist," sagte MißOtway. War es ein Sturm?"

Ein Sturm konnte solche Veränderungen nicht hervor- rufen," antwortete ich.Meiner Ansicht nach muß es «in vulkanischer Ausbruch gewesen sein, der die Insel­gruppen der Süd-Orkneys erschüttett Hai ein Erd­beben. Die Stöße find auf keine andere Weise zu er- klären."

Und ich erzählte ihr von den eigentümlichen Deobach, hingen, die ich am Abend vorher gemacht hatte.

Es war ein Erdbeben, Miß Otway," sagte ich,des­sen Zentrmn wohl ziemlich weit entfernt gewesen fein mag. Die Klippen hier sind jedoch durch die Stöße noch so effchüttett worden, daß das Wrack in Mitleidenschaft gezogen wurde; glücklicherweise so, daß es wieder in aufrechte Sage kam."

Dann sei dieses Erdbeben gesegnet," meinte Miß Otway ernst.

Wir betrachteten die Felsenklippen, die an der Seite des Wracks fast senkrecht in die Höhe stiegen. Schwarze Feksen waren es, völlig glatt, stellenweise mit ewigem Eis überzogen. Dicht an der Schiffsseite war die Fel­senwand rissig, von Eisblöcken unterbrochen. Es schien mir, als habe das Erdbeben an einer Seite, da, wo die Wand an die Bugseite des Wracks stieß, Eisblöcke und Felsen zerschmettert. Riesige Felsstücke und zertrüm­mertes Eis waren am Bug der Lady Emma aufgetürmt, und eine Spalte schien sich tief in die Feifenwand hinein- zuwühlen.

Die Klippen jemals zu ersteigen, «ar sicherlich ein Ding der llnmöglichkeri. Tas hatte ich schon längst ein» gesehen. Sie waren, senkrecht, glatt wie ein Spiegel. So gerne ich mich auf der Höhe der Klippen eine Signal­flagge errichtet hätte daran war nicht zu denken. Aber die neugeriffene Spalte lockte mich. Es war immekhin möglich, daß sie weiter führte.

(Fortjetzung folgt)