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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 269.

Verantwortlich für den cedaoionellen Teil: Dr. I. Kramer. - M die Anzeigen: I. Parzeiler-Fuida. r Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, fternirreditr Rr. 9. Postscheck - Konto 4051 Frankfurt a. M.

Mittwoch, 22. November 1922.

Bezugspreis: Monatlich 150 M. Zustellgebühr extra- u Abgeholt in der Geschäftsstelle 155 Mk. s

Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 15 Mk., ausw- 20 INk. Reklamezeile (Zerf breitet nach Colone'mah 60 Mark.

49. Zahrg.

W SeftlWWi 8m.

Not bricht bekanntlich Eisen. Die Not, in der Deutschland sich befindet, ist sehr groß. Deshalb hat es auch gar keinen Zweck, die unendlich viel­fachen Bedenken aufzuführen, die gegen den neuesten Versuch des Herrn Dr. Cuno sprechen, nun doch eine Art Regierung zu bilden. Die S o z i a l- demokraten haben es weiterhin abge­lehnt, dem vom Reichspräsidenten abermals mit der Kabinettsbildung beauftragten Herrn Cuno freie Hand zu geben und mitzuwirken. Dr. Cuno will sich jetzt mit der Unterstützung der bürgerlichen Mittelparteien begnügen. Sein Kabinett soll weder ein parlamentarisches, noch ein Fachleuteministe­rium sein; aus diesem Grunde bezeichnet man es als „Geschäftsministerium". Das ist etwas, was man nur in der völligen Unerreichbarkeit alles anderen akzeptiert. Es ist ganz wenig mehr als — nichts. Und vielleicht hilft es doch über einen der kritischsten Zeitpunkte hinweg, die jemals in der Nachkriegszeit bestanden haben.

In Ausführung des neuerlichen Auftrages des Reichspräsidenten zur Bildung eines GefMftsmim- sterinms hat Geheimrat Dr. Cuno wegen der Zu­sammensetzung der neuen Regierung am Montag den ganzen Tag über verhandelt. Di« Blätter veröffent­lichen bereits vermutliche

Maisterlisteu.

kn denen folgende Namen -genannt werden: Reichskanz­ler: Dr. Cuno, Aeußeres: der deutsche Botschafter in London Dr. Sthamer, Inneres: der volksparteNche Abgeordnete * *». Kardvrff, Oberpräsident Schwandsr oder Scholz, Finanzen: Dr. Hermes, Reichswehr: Dr. Geßler, Arbeit: Dr. Brauns, Justiz: Dr. Heinze, der gleichzeitig Vizekanzler sein soll, der geschäftsführende Borsitzende i>es Reichsverbandes der deutschen Industrie Dr. Sorge, der frühere Schatzmimstsr v. Raumer,, oder der Direktor der Deutschen Werke Henrich. Einige' Blätter sprechen von einer beabsichtigten Zusammen­legung des Reichslchatzministeriums mit dem Rvichs- wirtsch astsministerium; Ernährung: der Führer der Bayerischen Volkspartei Dr. Heim oder Kommerzien­rat Rabethke, Post: Leiter der bayerischen Abteilung des Reichspostmimstermms Staatssekretär Stinge, Eisenbahnen: Gröner. Das Wiederausbauministerium soll angeblich der wirtschaftspolitisHen Abtsllmrg des Auswärtigen Amts angegliedert werden. Als mut­maßlicher Chef der Reichskanzlei wird der frühere bayerische Handetsminister Dr. Hamm genannt

Die Stellung der einzelnen Parteien zu einem der­artig oder ähnlich zusammengesetzten Kabinett finden sich in den Blättern bisher nur wenig Andeutungen.

Die HÄtung der beiden Flügelparteien,

der Deutschnationalen und der Sozial­demokraten, bei Präsentierung des Kabinetts im Reichstag ist noch unbestimmt. Der .^vorwärts" schreibt, daß die sozialdemokratische Fraktion am Don­nerstag vor dem Zusammentritt des Plenums des Reichstages ihr« Beschlüsse fassen werde. Di« „Deutsche Tagesztg." macht die Stellungnahme der Deutsch- nationalen davon abhängig, ob der neue Reichskanzler feinen Weg mit Energie geht und in seiner Regie­rungstätigkeit die nationalen Notwendigkeiten des deut­schen Volkes nicht außer acht läßt. Das „Berl. Ta- gebl." spricht von einer einseitigen politischen Richtung des Kabinetts und sagt, alle politisch und wirtschaft- Lch ausschlaggebenden Ministerien wären nach der ver­mutlichen Ministerliste in den Händen der Deutschen Vvlkspartei. Die demokratische Partei werde dies tus hie Dauer kaum ertragen können. Me die Blät-

ter mitteilen, w-ird Cuno »ormrspchtlich am Donners­tag im Reichstag die neue Regierung vorstellen und seine programmalische Erklärung abgeben.

Vie Stabilisierung der MarL.

In Uebereinstimmung mit dem allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbund, der Afa und dem d euts chen Beamt en b und hat die sozialdemo­kratische Neichstagsfraküon einen Beschluß gefaßt, in dem die Stabilisierung deu Mark als die dring­lichste und erste Aufgabe der deutschen Politik be­zeichnet wird, um die jetzige Notlage zu beben. Jede Verlängerung der gesetzlichen achtstündigen Arbeitszeit wird mit aller Entschiedenheit abgelehnt. Ueberstunden sollen nur durch kollekiive Verein­barungen mit den zuständigen Gewerkschaften er­folgen.

Bekämpfung der Aapitalflucht.

Laut „Lokalanz." ist im Reichsfinanzministerium und im Reichswirtschaftsministerium ein Gesetzent­wurf zur Bekämpfung der Kapitalflucht ausgear­beitet worden, der dem Reichstag soeben zuge­gangen ist. Er macht jede Transaktion, die der Kapitalausfuhr dient, von der vorherigen Genehmigung des Finanzamtes ab­hängig. Von dieser Genehmigungspflicht sind nur Unternehmen befreit, denen die zuständige Handels­kammer bescheinigt, daß ihr Gewerbebetrieb regel­mäßige Zahlungen nach dem Auslande notwendig macht. Außerdem soll die verschleierte Kapital­flucht durch Waren transporte verhütet werden.

Deutscher Reichstag.

Für Donnerstag eine Regierungserklärung cmgefeht.

Bel mäßig besetztem Hause wird der Entwurf einer Geschäftsordnung für den Reichstag weiterbera- ten, ohne daß etwas Wichtiges zur Sprache kommt. Bei einer Abstimmung darüber, oft bei Interpellationen die Zahl der Antragsteller von 50 auf 30 herabgesetzt wer­den soll, ergibt eine Auszählung die Beschluß­unfäh i g k s i t des Hauses.

Nächste Sitzung Donnerstag nachmittag 5 Uhr. Erster Gegenstand: Entgegennahme einer Regiemngser- klärung. Außerdem Fortsetzung der Eeschäftsordnungs- debatte. *

. Die Zahl der Reichslagsmikaliedec.

Infolge der Wahlen in Oberschlesien geht die Zahl her Reichstagsmitglieder von bisher 469 auf 459 zurück. Diese verteilen sich auf die einzelnen F r a k t i o n en wie folgt: Bereinigte Sozialdemo­kratie 173, Zentrum 68, Deutschnationale Vp. 67, Deutsche Vp. 66, Deutsch-Demokratische Partei 39, Bayrische Vp. 20, Kommunisten 15, Bayrischer Bauernbund 4, Deutschvölkische Gruppe 3, Deutsch- Hannoversche Landespartei 2, zu keiner Partei ge­hörig 2 (Ledebour und Wagmann), zusammen 459.

Deutsches Reich.

* Die bayerischen Sozialisten in scharfer Oppo­sition. Die Münchener Poft erklärt in einem Leit­artikel „Der Kurs in Bayern und die Sozialdemo­kratie", daß zwischen der Sozialdemokratie und der neuen bayerischen Regierung, insbesondere nach den letzten Reden des Ministerpräsidenten Knil- l i n g und des. Ministers des Innern S ch w e y e r auch von einem noch so eingeschränkten Vertrauens­verhältnis keine Rede mehr fein könne. Die Reden beider im Landtag hätten bewiesen, daß sie die Regierungsgewalt dazu anwenden wollten, die einen Parteien zu fördern und die anderen zu schädigen.

• Ot-

Vierzehntes Kapitel.

Der vulkanische Ausbruch.

„Litte, verzeihen Sie mir, Mr. Selbyl"

„Aber was soll ich Ihnen denn verzeihen, Miß way?"

Nach dem Frühstück verlangte Miß Otway noch ein» an Deck zu gehen. Sorgsam half ich ihr die schief­

sicheren Standpunkt auf den schrägen Deckplanken und hob Miß Otway zu mir hinauf.

Nie werde ich den Ausdruck lähmenden Entsetzens vergessen, den ihr Gesicht trug, als sie die trosttose Ein­öde sah. Der Anblick der zahllosen Eisklippen zu unseren Füßen, der steilen Felswand im Hintergründe und der starren Eiskulisse vor uns überwältigte sie.

„Also das ist's . . . Das ist's!" flüsterte sie mit er­löschender Stimme, dann wandte sie sich zu mir, brachte aber keinen Laut mehr über die Lippen; mit großen angstgeöffneten Augen blickte sie mich an, schwankte und taumelte gegen mich, wo sie sich niedersinkend an meine Kniee klammerte und die Verweistung ihrer Seele sich m einem fürchterlichen Weinkrampf entlud.

Sie richtete sich mühsam auf und streckte mir mit einem wehmütigen Lächeln die Hand hin.

„Wir sind so erbärmlich daran, lieber Mr. Selby, und da mache ich armes, schwaches Ding Ihnen auch noch das Herz schwer mit meinen Torheiten. Ich verspreche Ihnen aber, Mr. Selby, daß ich in Zukunft tapfer sein will. Und bitte, lassen Sie mich Ihnen helfen, wo ich nur helfen kann; denn ich ha e ein Gefühl, als ob ich diese furchtbare Lage nur ertragen könnte, wenn ich schaffen und arbeiten und müde werden darf. Ich bin jetzt stark, Mr. Selby! Sie müssen mir alles sagen und mich in allem helfen lassen. Und nun sagen Sie mir ganz offen: Gibt es eine Hoffnung für uns?"

Aus dem zaghaften jungen Mädchen war in der Spanne einiger Minuten ein starker Mensch geworden, der seinem Schicksal kraftvoll und mutig in die Augen {afj. ...

„So lange wir leben, so lange dürfen wir hoffen," sagte ich, um nur etwas zu sagen.

„Das ist aber ein recht schwacher Trost!" meinte

ton} an Deck zu gehen. Sorgsam half ich ihr die schief- Miß Otway, mit einem flüchtigen Lächeln. „Bitte, Mr. sehende Stiege erklimmen, wählte dann selbst erst einen I Zelby, sprechen Sie so zu mir, als ob ich eia Mann

Roman von Clark Russell.

29] __________

2ch erzählte ihr von dem großen Eisberg, durch dessen Entfernung unser Aufenthaltsort von der See aus sichtbar würde, so daß wir dann Aussicht hätten, von vorüber­fahrenden Walfischfängern bemerkt und gerettet zu werden. „„ .

„Inzwischen will ich uns diesen Raum so wohnlich rote möglid) machen", fuhr ich fort. „Feuerung nd Lebens- mittel find genügend an Bord, so daß wir keinen Mangel zu befürchten brauchen. Ich werde einen ausreichenden Vorrat m die Kajüte schaffen, damit wir ihn jederzeit bei ber $anb haben; auch will ich einmal versuchen, den Sajutenteppid) an Deck auszubreiten, vielleicht trockne: chn der Wmd."

.^!res Gespräches hatte ich, so gut es ging, gerichtet, wobei mir freilich die schiefe , e® äußerlich hinderlich war. Ohne die- mfnnarnr ee f?8mmni3 hätte ich die tiefe Stille und Re- h?r mi$ her, in die selbst das Branden

WnJtfffnnr.™110 b<!.S, kaufen des Sturmes nur gedämpft enH^°^enb empfunden, denn zu ftisch haf. tete das entsetzliche Rollen und Schlingern des steuerlosen Schiffes aus den stunnbewegten Ozeanroellen noch in meiner Erinnerung. Ein Gefühl der Dankbarkeit für trnfere ^r.o.ung aus steter Todesgefahr erfüllte mein Herz, .und leichteren Sinnes blickte ich jetzt in die Zu- ™Lt- , ack hatte bisher allen zerstörenden Ein» flusien getrotzt. Cs war anzunehmen, daß es uns ein zuverlässiges Obdach bieten würde.

Bon der See hatten wir kaum mehr etwas zu be­fürchten; selbst wenn bei großem Sturm die Brandung uns noch erreichte, so konnte sie uns doch nichts weiter anhaben, als uns noch höher aufs Trockene hinaufzu- schieben und den Schiffskörper vielleicht in eine be­quemere Sage zu bringen.

i 3er 3rotnm*m in MWen.

Schwer berannl, doch unerschütterk.

Rach der Vahlschlachl.

Wir haben gestern schon das Ergebnis der Wahlen in dem deutsch gebliebenen Oberschtesien veröffentlicht. Aus der Mitteilung ging bereits hervor, daß im Anbe­tracht der Verhältnisse das Z e n t r u tn sich wieder ein­mal als unerschütter licher Tumr im politischen Kampfe erwiesen hat. All die Miesmacher, die sich sitzt oft zum Schaden des notwendigen Selbstvertrauens hc-rvormagen oder von Gegnern vorgeschickt werden, Haden einen neuen kräftigen Denkzettel erhalten. Die „Germania" schreibt über den Wahlausfall:

Entsprechend dem verschärften Wettbewerb, bei dem diesmal neun Parteien statt früher fünf in die Schranken träten, mußte der Wahlausfall sich wesentlich anders ge­stalten als bisher. Die Absonderung der polnisch- katholischen Wähler vom Zentrum — eine be­dauerliche Folge der großen Nationalitätenabsiimmungs- kämpfe — war für das Zentrum gleichbedeutend mit einem erheblichen Stimmenausfall. Dieser ist jedoch nicht so groß wie vielfach besorgt wurde. Viele polnische Wähler haben trotz aller polnischen Agitation dem Zen­trum weiter ihre Stimme gegeben. Eine heftige An­feindung hat das Zentrum bei diesem Wahlkampf von deutschnationaler Seite erfahren. Die oberschlesischen Konservativen haben geglaubt, diesmal das durch den polnischen Abfall schon geschwächte Zen­trum zum Zusammenbruch bringen zu können. Sie hat­ten als Spitzenkandidaten einen katholischen Geistlichen ausgestellt und führten den Wahlkampf mit einer unbe­kümmerten Rücksichtslosigkeit und mit einer Anmaßung, als feien sie d i e Partei, für die ein nationalgesinnter Ka­tholik unter allen Umständen eintreten müsse Die ebenso würdige wie entschiedene Abwehr durch das Zentrum führte zu gewaltigen Demonstrationen der Wähler für die altbewährte Zentrumspojitik. Der Wahlausfall hat den Beweis erbracht, auf wie festem Grunde der Zen- trumsturm auch heute noch in Oberschlesien steht. Ein von Beuthen aus unternommener Versuch, dem Zentrum mit einer neugegründeten „Oberschlesischen katholischen Bolkspartei" in den Rücken zu fallen, war so kraftlos, daß die Unternehmer, die dabei den Rechtsanwalt Dr. Skowronnek vorgeschoben hatten, schon vor der Wahl ihre Bewerbungsliste zurückzogen. An Gegnern, die das Zenttum unter dem Banner des Katholizismus bekämpf­ten, hat es, wie dieser kurze Ueberblick zeigt, dem Zen­trum bei dieser Wahl also wirklich nicht gefehlt. Rech­net man noch mit dem Ansturm von links, der von drei Heerhaufen — Sozialisten, Kommunisten und Deutschsozialen — unternommen wurde, so erhält man ein Bild von dem gewaltigen Wahlkampfe, den das Zenttmm bei dieser Wahl hat bestehen müssen. Und der Ausgang? Zunächst sind nur 67 Prozent der Absttm- mungsberechtigten an die Wahlurne getreten, 2% Proz. weniger als bei der Wahl im Januar 1919. Dies be­deutet für das Zentrum einen Ausfall von rund 5000 Stimmen. Die Polen haben 50 000 Stimmen auf ihre Liste vereinigt. Das Zentrum hat nicht ganz 37 000 Stimmen weniger als 1919. Günstiger konnte der Wahlousfall kaum fein. Der Stimmengewinn der Deutsch- nationalen in Höhe von 38 000 Stimmen ist sicher nicht auf Kosten der Zentrumspartei erftritten worden. Einen starken Verlust haben die vereinigten Sozialisten, die nicht die Hälfte der Wähler von 1919 hinter sich haben. Ein Teil davon fiel an die Kommunisten, ein anderer dürfte bei den Deutschsozialen zu suchen sein. Die deutsche Volkspartei hat eine für ihr erstmaliges Er­scheinen in Oberschlesien stattliche Wählerzahl aufzuwei- sen; die Demokraten sind dafür bedeutend zurückgegan­gen.

Das Zentrum ist und bleibt für Oberschlesien die herr­schende Partei.

Di« Verteilung der Mandate läßt sich im Augenblick noch nicht bestimmt angeben. Für das Zentrum sind drei Mandate sicher, für die Sozial­demokraten und dir Deutschnationalen je eines. Auf die Polen börftc. kein Mandat fallen, da sie im Reichs­tag bisher keinen Sitz haben und ihre Restst-immen dah^ nach dem Wahlgesetz nicht in Betracht kämmen.

Bei den Landtagswahlen erhielten nach den bisherigen Berechnungen das Zentrum vier S i tz e, Sozialdemokraten, Deutfchnatronale, Valks- partei und Polen je einen Sitz.

wäre. Sagen Sie mir mit dürren Worten, welches un­sere Aussichten sind — ob wir irgend etwas zu unserer Rettung tun können? Ich werde nie wieder schwach sim, Mr. Selby, aber ich will klar sehen. Nun antwor­ten Sie mir, bitte. Wir sind auf unserem Schiff wie in einem Gefängnis?"

»2ch fürchte ja, Miß Otway."

„Das heißt also, daß uns nichts übrig bleibt, als zu warten. Kommen denn jemals Schiffe in diese Ge­wässer?" ।

Unter den Umständen hielt ich es für das allerbeste, if)r die volle Wahrheit zu sagen.

„Ein großer Teil der Navigationsinstrmnente ist ver­loren gegangen. Miß Otway, erklärte ich ihr, „und ganz genau kann ich daher unsere Lage nicht bestimmen. Wir sind jedoch auf einer der Inseln der Süd-Orkneys und zwar wahrscheinlich auf der Krönungsinsel. In diese Gegenden kommen dann und wann Walfischfänger. Meine Ansicht ist die folgende. Miß Otway: Wir sind in einer sehr schlimmen Lage, brauchen jedoch nicht voll­kommen zu verzweifeln. Das Schiff liegt, roie Sie ge­sehen haben, hoch über dem Wasser, auf einer Klippe, oder vielmehr in einem ovalen Einschnitt dieser riesigen Felswand förmlich eingebettet. Der Schiffsrumpf kann der Witterung noch viele Jahre lang trotzen. Das alles sagte ich Ihnen, glaube ich, gestern schon. Ich möchte jetzt wiederholen: Das Schiff ist mit Vorräten auf Jahre hinaus versehen und wir werden nicht den geringsten Mangel leiden. Der Kohlenvorrat ist ziemlich groß, und wird uns lange Zeit vor der Kälte schützen. Später können wir alle möglichen Holztelle des Schiffes als Brennmaterial benützen, viele Monate Tang. Ich kann nur sagen, daß es mir als unsere erste Aufgabe er­scheint, uns gesund und tüchtig zu erhalten. Natürlich werde ich Tag und Nacht in irgend einer Form Sig­nale geben; durch Flaggenzeichen von einem möglichst hohen Punkt aus und natürlich auch durch Rauch- und Feuersignale. Diese Signale werden weithin sichtbar fein, zum mindesten die Rauchsignale, und wenn sich wieder ein Eisberg vor unsere Klippe schieben sollte, i dann werden wir in kurzen Zwischenräumen Flaschen­posten ins Meer werfen. Sonst können wir nichts tun, ]

Gemeindewahlen in Baden.

Wie in Hessen, so haben am Sonntag auch tu Vaden di« Gemeindewahlen unter sehr,schwacher Beteiligung sich vollzogen. In Mannheim ergab sich eine Verschiebung nach rechts, sodaß die sozialistische^ Mehrheit gebrochen ist. In Karlsruhe stehen 52 bür­gerlichen Sitzen 31 der Linksparteien gegenüber. In Pforzheim erhielten die Bürgerlichen rund 15 000, die Sozialdemokraten und Kommunisten 10 000 Stimmen. Das Zentrum hat im allgemeinen seinen Besitz- stand behauptet. Die Deutschnational en haben einen geringen Stimmenzuwachs zu verzeich­nen, während die Demokraten Stimmen ein« büßten. _________________

Die Konferenz in Lausanne.

2smel Pascha sagt der Lukens- unangenehme Wahrheiten.

Nach einer Vorbesprechung zwischen Poincare, Curzon und Mussplini hat die Orientfonfe» renz am Montag nachmittag begonnen. Der schweizerische Bundespräsident führte in der Er­öffnungsverhandlung den Vorsitz. Der türkische Vertreter, Ismel Pascha, ergriff nach Lord Curzon das Wort. Er führte u. a. aus, daß der W a f f en- still st a n d, der vor mehr als vier Jahren auf der Basis von dem Vertrauen aufdieWilfon- schen Grundsätze abgeschlossen worden fei, nicht den Feindseligkeiten ein Ende gemacht habe. Die türkische Nation, die ständig den Wohltaten des Friedens beraubt geblieben fei, habe die Unzuläng­lichkeit und Unzweckmäßigkeit ihrer unaufhörlichen Friedensschritte, mit deren Hilfe sie Recht und Ge­rechtigkeit zu erlangen suchte, erkannt. Da ihr keine andere Hoffnung und kein rmberer Weg geblieben sei, habe sie selbst ihre Existenz vertei­digt und sich ihre Unabhängigkeit durch ihre eige­nen moralischen und materiellen Hilfsmittel ge­sichert. — Die Einzelverhandlungen sind nach einem bestimmten Plane am Dienstag ausgenommen worden.

Ausland.

* Vorgehen gegen französische Devrsenspeku - -:r>. Die .Chicago Tribüne^ gibt ein Gerücht wieder, wo­nach mehrere ausländische Bankiers in Paris von den französischen Gerüchten wegen angeblicher u n-i erlaubter Handlungen auf dem Wechsel­markt zur Verantwortung gezogen werden sollend Es werde ihnen der Sturz des Franken vor einigen Tagen zugeschrieben. Der Polizeipräfskt habe mit^cm Finanzminister darüber verhandelt. Es verlaute, daß Verhaftungen bevorständen.

* Vornehme Sitten im englischen Parlament. Das neu gewählte Unterhaus ist am Montag zur Wahl des Sprechers zusammengetreten. Whitley wurde einstimmig wiedergewählt. Die konservative Partei nimmt jetzt sämtliche Bänke aus der Re» gierungsseile des Hauses ein, während die Oppo­sitionsseile unter die Arbeiterpartei, die Liberalen und die Nationalliberalen verteilt ist. Der Arbeiter- führer Clynes beglückwünschte Whitley zu seiner Wiederwahl und sagte, die Arbeiterpartei habe eben soviel Achtung vor der Autorität des Parlaments wie irgend eine anderePartei und werde mithelfen, die Autorität und Würde des Sprechers zu unterstützen.

_ * Das chinesische Kabinett ist zurückgetreten. Ter Rücktritt wird auf e in Ultimatum Englands, der Vereinigten Staaten, Frankreichs, Italien und Schwedens zurückgeführt, in dem die Freilassung von Ausländern, die im Innern des Landes durch Banditen festgchalten werden, binnen einer Woche verlangt wurde. — Nach der ,Franks. Ztg/ soll sich in China eine starke bo Ischew istische Propaganda bemerkbar machen.

Äs warten und uns unterdessen das Leben so erträglich geftalten roie nur irgend möglich." \

Miß Orotay tarnen die Tränen in die Augen. „Ich will ja nicht schwach sein", flüsterte sie.

* ♦

Sn der Kajüte sah es fürchterlich aus. Es war un-, möglich, auf dem schiefgeneigten Boden anders vorwärts zu kommen als auf allen Bieren kriechend. Sessel unb' Tische, die ganze Einrichtung der Kajüte, waren in tol­lem Wirrwarr gegen die Wand gepoltert. Der Ofen war glücklicherweise nicht zusammengestürzt, oben er stand so schief, daß es gefährlich schien, ein Feuer anzu- zünden. In der Kajüte herrschte eine solche Kälte, daß: unser Atem sich zu förmlichen Dampfwolken kristallisierte. Meine allererste Aufgabe mußte es fein, unseren Wohn­raum einigermaßen wohnlich zu machen.

Das Wrack wurde in seiner lächerlichen schiefen Lage wie in riesigen Klammern von den Felsen festgehalten. Ich überlegte und überlegte und sah, daß mix nicht, anderes übrig blieb, als in die Kajüte einen neuen Boden einzubauen, damit wir uns wenigstens aufrecht darin bewegen konnten. Bretter ließen sich von anderen Teilen des Schiffes leicht genug losreißen. Aber das mar eine Arbeit, die lange bauern würde. Vorläufig kletterte ich wieder an Deck, um ein paar Tauenden zu suchen. Die wollte ich kreuz und quer durch die Kajüte spannen, als ein vorläufiges Aushilfsmittel, damit wir uns an ihnen halten konnten. Mit unendlicher Mühe gelang es mir, Stücke der noch vorhandenen Hilfsleinen, die in der eisigen Kälte so Hari geworden waren wie Stahl troffen, losMschneiden und nach unten zu schaffen.

Dann plagten Miß Otway und ich uns eine Stunde lang, den kleinen Kajütenofen durch Unterschieben von Holzblöcken in eine wagerechte Lage zu bringen, unb die Ofenrohre entsprechend zurechtzubiegen. Endlich waren wir soweit, daß wir ein Feuer anzünden konnten, ohne befürchten zu müssen, das Wrack in Band zu setzen. Ich taute die steifgefrorenen Seinen auf, und spannte sie kreuz und quer durch die Kajüte, so daß wir wenigstens einen Halt hatten.

Fortsetzung folgt.)