Fuld aerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.
Nr. 268.
LerantworiUch für den ceoauionelien Teil: Dr. I. Kramer. - für die Anzeigen: I. ParzeNer-Fuida. r Rorationsdnrck u. Verlag der ftulbaer Actiendrnckerei in Fulda, ^enriprecber Nr. P Pofttlbeck-Konio 4051 Frankfurt a M.
Dienstag, November 1922.
Bezugspreis: Monatli» 150 IRL Zustellgebühr extra- 2 Abgedolt in der Geschäftsstelle 155 ZKt. :: Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 15 2RL; ausro. 20 Ulf. Nekiomezetie (Terbreitet nach Eotone'maß 60 'Nark.
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49. Zahrg.
„Lille Wege versperrt".
Hoch keine Lösung der Recsierungskrisis.
Geheimrat Dr. Cuno, der vom Reichspräsidenten mit der Bllmng eines Kabinetts braustrazt worden rvar, Hai am Samstag abend den Auftrag als un- «ausführbar an den Reichspräsidenten zurückge- $ei>en. Der Reichspräsident hat dann m>ch einmai auf die Parteien eingemirft, die Reglerungcbiidang doch gu ermöglichen. Es wurde bis in die Nacht oschan- dett. Reichspräsident Ebert hatte nach einem Empfang der Parteiführer eine Besprechung mit Herrn Cuno, in der dieser sich bereit erklärte, seine Bemühungen «auf der Grundlage fortzusetzen, daß er von den Parteien völlig freie Hand in der Auswahl seiner Mitarbeiter erhalte und mit einem so gebadeten Ka- Vinett dann ein Vertrauensvotum vom Reichstage verlange. Zur WeitsrfühMng dieses Wersches fehlte noch eine wichtige Voraussetzung, die Zustimmung der SoziaiLemokratie. (£3 hatten in der Konferenz beim Reichspräsidenten zwar die Parteien der Arbeitsgemsinschast Herrn Cum in einem gewissen Sinne Vollmacht gegeben, die S o z i a ld emokra- ten aber hatten erklärt, daß sie schwerlich in der Lage feien, einer Regierung Cuno das Vertrauen in Aussicht zu stellen, die aus diese Art zustcmLekomme.
Der soziaLdemokratische Fraktions- v o r st and» der dann am Sonntag, wenn auch nicht vollMlig zur Beratung der Lage zusammentrat, ent« Beteiligung an einer solchen Äomtotwton. Die Sozialdemokraten weisen barairf hm, daß die schwere Verantwortung, die sie angesichts der kritischen Lag? in diesem Winter als größte Partei des Rmchstds und als Vertreter der großen Masse der Arbetterschast zu tragen hätten, es ihnen nicht er- ßaube, ohne irgend welche Garantien für chren sachlichen und persönlichen Einfluß auf die fünf- »W- Reg»MMgspolM sich zur Unterstützung eines Ka- verpflichten. Die Usbcrnahme einer solchen Verpflichtung und Damit die Beteiligung an der Re- Qterang könne für sie mtr dann in Betracht kommen, wenn sie sie im Sinne einer Zusammenfassung der Kräfte auch bei chren Anhängern mit Aussicht auf .Erfolg vertreten Törmten. Dies sei aber unmöglich wenn sie keine Gewähr dafür hätten, in der neuen Regierung auch die Wirkungsmöglichkeiten zu erhalten, die chrer Stärke irrib ihrer Verantwortung gegenüber einem sehr großen Teil der Bevölkerung entsprächen.
Von Dem ablehnenden Beschluß der So- MDemokraten wurde Herr Ebert unterrichtet. Welche Folgerungen Herr Cuno daraus ziehen wird, steht noch dahin. Die Lage ist also im Augenblick so verworren, daß sich eigentlich überhaupt kein Stexwg PU irgend einer vernünftigen Lösung zeigt.
Eine Kennzeichnung der LaZe.
Die Wiederaufrichtung der alten Koalition hält der ,Povwärts" für unimöglich, weil sie von den bisherigen Koalitionsparteien, mit besonderer Schärfe vom Zentrum, abgelehnt wird, ^luch die große Koalition sei unmöglich, tveil die Sozialdemokratie Dean Versuch, sie gewaltsam auf diesen neuen Boden zu zerren, widerstehe. Eine Regierung der Arbeitsgemeinschaft habe im Reichstag keine Mehrheit. So schienen in diesem HugeiMick alle gangbaren Wege v^rspyxtt.
Morgan in Berlin,
Das „Berliner Tageblatt' schreibt: Pierpont Morgan, der in Paris u. «. Besprechungen mit Poincarö hatte, trifft in diesen Tagen in Berlin ein. Seine Reist sei amtlich nicht cmgekündigt. Das Blatt begrüßt es, daß Morgan sich an Ort und Stelle ein Bild von der Lage Deutschlands machen
I m Eismeer-.
Roman von Clark Russell.
28) __________
Wir müssen den Morgen abwarten und hercmsbe- Eommen, wie unsere Lage eigentlich ist. Vorläufig sind mir hier bester ausgehoben als draußen zwischen den Eisbergen, wo wir jeden Augenblick fürchten mußten, an einem der Riesen in Stücke zu zerschellen"
Diesmal war mein Trost aufrichtig gemeint, dem) in der geschützten Sttlle unseres Aufenthaltsortes überkam mich ein Gefühl des Friedens und der Ruhe. Das Wrack lag regungslos, nur ab. und zu, wenn eine hoch- gehende Branbungswoge es erreichte, durchlief ein leises Zfttern feine Planken. Die Lampe war glücklicherweise nicht rmsgegangen, sondern brannte ruhig und gleichmäßig weiter. Nur das Ofenfeuer war erloschen. Da dar scharfe Winkel, unter dem die Lady Emma sich zur Seite geneigt hatte, mir nur auf Händen und Füßen umherzickriechen erlaubte, so wagte ich auch kein neues ^euer anzuzünden,. ans Furcht, durch eine ungeschickte Bewegung womöglich das ganze Schiff in Biand zu fegen. Ich schleppte alle Kisten und Decken aus der Kaiute zusammen, um Miß Otway einzuhüllen. Vorher flogte rch der vor Frost Zitternden einen Schluck Wein em.
Endlich brach durch die beinahe senkrecht über uns liegenden Kajütenfenster ein matter, bläulicher Schimmer, erlaubte, mich an Deck umzusehen.. Ich fand meine Vermutungen zum größten Teil bestätigt.
Das Wrack war auf dem eisüberzogenen Vorsprung einer Felswand gestrandet, deren zerklüftete Masse etwa vierzig bis, fünfzig Fuß emporftieg und von anderen, noch höheren Felsenpartien überragt zu sein schien. Zu meinen Füßen starrten mir zahllose Eiskttvpen entgegen, hinter denen der Ozean donnerst. Doch konnte ich mir ein kleines Stück der offenen See überblicken, denn ein mächtiger, mit dem Lande zusammenhängender Eisberg schloß nach vorn die schmale Bucht ab, in der wir lagen.
Vorder- imb Achterdeck waren von den wütenden Sturzseen vollkowmen kahl, gefegt. Steuerrad, Kompaß, *
vill, warnt aber vor besonderen Hoffnungen, da es iich Vermutlich nur um persönliche Informationen handeln toirb.
Drohung Der Entente?
Während die deutsche Srrrrenpofitit nicht in der Lage ist, eine vechand-ungsfähige Regierung an die Spitze zu stellen, drohen unsere außenpolitischen Gegner in der schärfsten Form. Wir erholten folgendes Telegramm:
wtb Paris, 20. Roo. (2d.) Vie „Chicago Tribüne" schreibt: Der englische Delegierte in der Repsrationskommission Bradbury hat von dem englischen Kabinett die Anweisung erhalten, die französischen Re- pMÄionsanfprüchr gegen Deutschland auf das denkbar weitgehendste zu.unterstützen. Am vergangenen Samstag habe Lord Curzon Poincare erklärt, die engkffche Regierung schicke sich an, Frankreich bei der Erzwingung von Zahlungen bei den Deutschen zu unterstützen. Das Blatt fuhrt diese Abmachung auf einen Ausg eich zwischen Orient- und Reparakionspolitik zurück.
Wem, auch die „Chicago Tribuns" nicht die zu° verlässigste Nachrichtenauelle ist, so bedeutet doch diese Meldung eine überaus ernste Mahnung an die deutschen Parteien, schnellstens eine Lösung der Regierungskrise herbeisuiführen» Dos Vaterland ist in Gefahr!
Berlin gegen poincare.
Eine offiziöse Entgegnung auf Poincares Sammerrede.
Das offiziöse deutsche Telegraphenbüro schreibt zur Rede des französischen Ministerpräsidenten Poincare in der Kammersitzung am 17. November u. a. folgendes:
„Poincare stellt in der Rede unter anderem Behauptungen auf über die „skandalöse Prosperität" der deutschen Großindustrie, die Wiedereroberung der Weltmärkte durch Deutschland, .ungeheure Käufe in den Vereinigten Staaten, die systematische Erhöhung der Beamtenzahl und der Beamteng e» Halter ohne Ausgleich durch Steuern usw.
Die Zahl der Beamten und Angestellten nach Krlegsschluh hat zur Hauptsache infolge der Durchführung des Friedensvertrages zugenommen, haben doch zum Beispiel dessen Beftimmungen über das Aus- gleichsverfahren die Schaffung eines Ausgleichsamtes mit 5000 Beamten und Angestellten notwendig gemacht oder die Viehablieferungskommission mit einem Personal von 1000 Beamten und Angestellten. Es darf ferner nicht außer acht ge- lasten werden, baß ganz automatisch durch die Ve r r e i ch- lichung der Eisenbahnen und den Ausbau der Reichssteuerverwaltung eine große Zahl früherer Landesbeamte Reichsbeamte geworden ist. Dst Zahl der Beamten und Angestellten ist in der letzten Zeit erheblich verringert worden und wird in der nächsten Zett noch weiter verringert werden. Dem Garantiekomitee sind bei feiner letzten Anwesenheit in Berlin im Juli 1922 darüber eingehende mündliche und schriftliche Darlegungen gemacht worden. Es ist dabei auch insbesondere der Nachweis gefühtt worden, daß die Beamtengehälter trotz ihrer dauernden Erhöhung in Papiermark, gemessen an ihrem Goldwert und ihrer Kaufkraft, ständig zurück gegangen sind. Was die Zahlung dör Steuern betrifft, so genügt es wohl, auf die Tatsache des seit 1920 durchgeführten 10 prezent i g e n Lohn- und Gehaltsabzuges bei allen Festbesoldeten und der Arbeiterschaft, sowie darauf hinzuweisen, daß jeder Steuerpflichtige Vorschüsse auf Grund seiner vorjährigen Veranlagung zahlen muß.
Poincare verweist ferner auf die deutsche Schien- derkonkurrenz auf dem Weltmarkt und be- hauptet, Deutschland habe den Weltmarkt wieder erobert Die deutsche Regierung hat durch die Ausfuhrpreiskontrolle versucht, die Ausfuhrpreise den Weltmarktpreisen cmzugleichen, doch haben diese Bemühungen in»
Kombüse — alle» war über Bord gegangen, nur der Oberbau der Kajüte stand noch. Schweigend blickte ich in der trosüosen Wüstenei umher und fühlte meinen kaum erwachten Lebensmut wieder schwinden.
Waren wir auch augenbliMch unmittelbarer Gefahr entrückt, so machten doch die Eis- und Festenmauern unseres Gefängnisses ein Entrinnen unmöglich. Selbst wenn ein Walfifchsänger sich bis aus eine halbe Melle der Insel näherte, verbarg uns der Eisberg den Blicken der Retter. Bis die nagenden Fluten diese kristallene Mauer zerbröckelt und fortgefpült haben würden, konnten Monate vergehen. . .
Miß Otway faß — wie ich sie verlosten hatte — zusammengekauert neben dem kalten Ofen rmd fragte mich zähneklappernd, was ich ausgekundschaftet hätte.
Ich sagte ihr, wie es mit uns stand.
Regungslos und geisterbleich starrte sie mich an, als könne sie das Gehörte nicht fasten. Dann sagte sie mit müder, gebrochener Stimme:
„Wenn ich Sie recht verstehe, sind wir gefangen! Dir müssen in dieser entsetzlichen Lage ausharren, bis — fa bis wann?" unterbrach sie sich mit jäh ausbrechender Verzweiflung. „Bis wir in diesem verlassenen Winkel elend umkommen."
„Oho!" sagte ich. „Wenn keine neue Bö uns von diesem Felsen auf die Eisklippen schleudert, so verspreche ich Ihnen, uns ein, ja auch mehrere Jahre lang am Leben zu erholten, soweit es sich um Nahrung und Heizung handelt. Ick) habe die Schiffspapiere gelesen und kenne unsere Vorräte. Sie reichen noch jahrelang aus, und inzwischen kann imb wird uns Hilfe werden."
„Können wir uns denn nicht selber helfen?" rief Miß Otway., „Wie sollen wir es hier auch nur eine Woche aushallen, wenn wir uns nicht einmal frei bewegen können."
„Dagegen läßt sich Abhllfe schaffen! Mut, Miß Otway, noch leben und atmen wir ja. Denken Sie doch daran, was wir schon alles durchgemacht haben, und wie schlimm es uns hätte ergehen können, wenn dieses fchü- tzende Obdach, das uns jetzt vor. dem tödstchen Froste bewahrt, zerstört worden wäre!"
.Sie meinen, wir lind auf einer Insel gestrandet?"
folge der außerordentlich raschen Entwertung der Mark in der letzten Zeit keinen vollen Erfolg haben können. Und was die „Eroberung" des Weltmarkts anlangt, fo beträgt die deutsche Ausfuhr heute knapp ein Drittel der Vorkriegsausfuhr.
Es ist zwar richtig, daß die Arbeitslosigkeit in Deutschland verhältnismäßig gering ist. Der Hauptgrund dafür liegt darin, daß Deutschland jetzt viele Waren, die es früher im Ausland gekauft hat, und die es bei normalen Geschästsverhältnissen auch vorteilhafter aus dem Auslande beziehen würde, jetzt im eigenen Lande erzeugen muß, weil die geringe Kaufkraft der Mark den Bezug aus dem Auslande ausschließt. Es kommt ferner in Betracht, daß von Deutschland wichtige Gebiete industrieller und land- wirtschaftlicher Ueberschußproduktion abgetrennt worden sind mit dem Ergebnis, daß die- fer Ausfall durch vermehrte Arbeit im übrigen Deutschland gedeckt werden muß. Trotzdem nimmt die Arbeitslosigkeit in Deutschland in letzter Zeit z u, insbesondere aus dem Grunde, well die deutsche Industrie Rohstoffe und Arbeitskräfte nicht mehr bezahlen kann, well dis industriellen Betriebsmittel infolge der starken Entwertung der Mark zur Finanzierung der Betriebe nicht mehr ausreichen und trotz Vorliegens ge- nügenber Aufträge zu Betriebseinschrünkungen geschritten werden muß.
Und die „skandalöse Prosperität" der beut« scheu Industrie? Zur Widerlegung braucht nur bar« auf hingewiesen zu werden, baß im August 1922 ber burchfchnittliche Kurswert ber an der Berliner Börse gehandelten Aktien in Papiermarkt 837 Milliarden betrug, der Goldmarkwert dagegen nur 3,25 Milliarden. Die Durchschnittsbioidende belief sich auf 20,38 Prozent in Papiermark und 1,85 Prozent in Goldmark. Demgegenüber rechnete man vor dem Kriege mit einer Durch- schnittsdividenbe von 6 Prozent in Goldmark. Im übrigen scheint auch Poincare nicht so sehr von dem ungeheuren Wette ber deutschen Industrie überzeugt zu fein, lehnt er doch in feiner Rebe eine Beteiligung Frankreichs an ber deutschen Snbuftrie ab, da sie nur sehr geringe Summen einbringen werde.
Weiterhin erklärte Poincare, die französische Regierung habe mit Rücksicht auf die Belgier und um die Lösung in Brüste! zu erleichtern, hinsichtlich der Reparationen von Zwangsmaßnahmen abgesehen. In ber ganzen Welt wirb man bies als indirektes Eingeständnis dafür aufzufasten haben, daß die Sanktions- und Rstorfionspolittk nidjt geeignet ist, die Reparottons« lefftungen zu fördern, sondern sie zu beeinträchtigen, eine Bestätigung übrigens für den stets von der deutschen Regierung sowie auch vom einsichtigen Ausland vertte- tenen Standpunkt!
Schließlich behauptet der französische Ministerpräsident, Deutschland habe niemals den aufrichttgen Wunsch gehabt, seine Reparattonsschuld zu begleichen. Demgegenüber kann nur immer wieder auf die feststehende Tatsache hingewiesen werden, daß Deutschland bisher auf Grund des Friedensvettrages an einmaligen und fortlaufenden Leistungen bereits mindestens 41 Milliarden* Goldmark gezahlt hat.
Wenn man die wirklichker tsfremden Ausführungen des französischen Ministerpräsidenten liest, die durch obige deutsche offiziöse Verlautbarung recht wirkungsvoll widerlegt werden, so fragt man sich unwillkürlich, ob die französische Politik noch lange mit ihren alten Phrasen im eigenen Lande Erfolg haben kann. Im ernstnehmenüen Ausland machen die Behauptungen Poincares jedenfalls keinen Eindruck mehr. Das geht ja aus den Gutachten der Berliner Bankierkonferenz hervor.
Deutscher Reichstag.
Eine kurze Sitzung. 1
In ber Sitzung am Samstag, die um 12 Uhr begann und bereits um halb 2 Uhr zu Ende war, wurde zunächst ein Antrag, der die Gewerbeordnung dahin ändern will, daß bei der Veranstaltung von Messen Ber« maltungsbeiträge von den Meßteilnehmern erhoben wer« den können, angenommen.
Ein Antrag ber großen Parteien auf Aenderung bes Branntweinmonopols geht ohne Debatte an ben Ausschuß.
„Höchstwahrscheinlich."
--Ist denn nirgends ein Hasen oder ein bewohnter Ort in der Nähe, den wir erreichen könnten?"
_ 2ch tappte vorsichtig in die Sabine des Kapitäns, rimdete eine Handlaterne an tmb holte eine Karte des Südorkneygebietes.
„Sehen Sie", sagte ich, auf zwei neben einander liegende Inseln deutend, „hier haben mir die Krömings« infel und hier Laurie-Island; ich weiß nicht genau, auf welcher von beiden wir gestrandet sind. Vermuttich auf der größeren, denn hier ist ja auch der Berg, den wir Äs bläulichen Schatten schon von wellem sahen."
Mit gespannter Aufmerksamkeit beugte das junge Mädchen sich über die Karte und rief:
„Wieviel englische Namen hier stehen! Kap Dundas, Despair Rock, Sadle Island — man sollte meinen, daß eine Insel, die so gründlich erforscht und so aiusfühttich benannt worden ist, doch auch bewohnt sein müßte."
„Wir wollen's hoffen", gab ich zurück.
„Ließe sich denn gar nichts tun? Es sind doch wohl schon oft genug Schiffbrüchige in ähnlicher Lage gewesen wie wir und glücklich gerettet worden; wie haben sie es denn angefangen, ihren Rettern ein Lebenszeichen zu geben?"
„Genau so, wie wir es auch machen werden. Durch Flaschenposten und Holzflöße, an deren Mastspitze sie eine Blechbüchse mit einem Schriftstück befestigten, das ihre Lage schilderte.
Miß Otway wollte mit mir an Deck gehen. Ich hiev es aber für besser, sie vor dem ttostlosen Anblick, der sie oben erwartete, noch zu bewahren, bis sie ruhiger geworben war. So redete ich ihr zu, noch bis nach dem Frühstück unten zu bleiben, und machte mich auf die Suche nach Trinkwasser, denn ber Rest im Kessel ging auf die Neige.
Das Gefäß mit Süßwassereis, bas uns bis jetzt unfern Wasservorrot geliefert hatte, war über Bord gespült worben, und da meine Kraft nicht ausreichte, die zuge- frorenen Wasserbehälter im Schiffsraum auszubrechen, so mußte ich mir auf andere Weise Rat zu schaffen suchen. Ich bröckelte ein Stückchen von einem Eiszapfen ab und fand es Iü6 und wohlschmeckend. Das war rein SBimbe^
| Dann wird die Aussprache über die neue G e- schäftsordnung des Reichstages fottgefetzt, aber bald abgebrochen. Dafür wird verhandelt, ob am Montag und Dienstag, wo eine Regierungserklärung noch nicht zu erwarten ist, Sitzungen stattfinden sollen. Die Abgeordneten Müller (Soz.) Dr. Rieße CD. 23p.), Koch (Sem.) und Koenen (Komm.) sind für Wetterlagen, während die Abgeordneten Dr. Bell und Schultz-Brom- berg dagegen sprechen. Da der Abg. Schultz-Bromberg die Beschlußunfähigkeit des Hauses anzweifell, wird im Hammelsprung abgestimmt; er ergibt Beschlußunfähigkeit.
Präsident Loebe beraumt die nächste Sitzung auf Montag 5 Uhr nachmittags an. Tagesordnung: Wetter- beratung der Geschäftsordnung.
Die Wl in WW-MMW.
§ür den Reichslao, den preußischen Landtag tmb dey ProvinziaUaMag.
In Oberschlesien sanden am1 Sonntag die Nachwahlen zum Reichstag unb Preußischen Landtag, forme die Wahlen zum Pro-mnziallandtag statt. Diese Wahlen waren bischer in Oberschiesien zurückgestellt worden, well die Entscheidung der Entente über das Land abgewartet werden mußte. Die letzte Wahl, die in Oberschlesien stattgefunden hat, war die Wahl zur NationalveffaminÄung am 19. Januar 1919 gerne । en. Bei der jetzigen Wahl standen sich 8 Parteien gegenüber. Die Oberschlesische Katholische Dolkspartei hatte in letzter Stunde ihre WahloorschLge zurückgezogen.
lieber das Mchlrefuttat wird folgendes bekannt:
wtb Oppeln, 20. Ron. (Tel.) Rach amtliche» Feststellungen ist das Ergebnis der Wahlen in dem deutsch gebliebenen Teil Oberschlesiens folgendes: Wahlberechtigt waren 747 339 Personen, abgegeben wurden 500 707 (1919 : 560 000) Stimmen. Es erhielten die Demokraten 11912 (1919:31 000), Soziald. 73 266, (Rkehcheilssozialislen und Umchhängige 162 000), das Zentrum 199 246, die Dentschnationa'rn 69 398 (31000), die Deutsche Volksparlei 37 259 (0), Deutsch- sozialen 22 291 (0), Kommunisten 36 624 (0), die polnische katholische Vosispartei 50183 Stimmen. — Letztere Partei HÄ sich erst jetzt gebildet. Ihre Wähler dürsten wohl früher zürn großen Teil Zentrum Mwählt haben. Die ZerttruiMspartei zusammen mit der polnischen katholischen Volkspartei hat diesmal 249 429 Stimmen, 1919 erhielt das Zentrum 236 OOP Stimmen.
hessische Semem-Mahlen.
Am Sonntag fanden im Freistaat Hessen die Bezirks- und Gemeindewahlen statt. Heber den Wahlausgang in den größeren Städten erhalten wir folgende telephonische Meldungen:
wtb. Gießen, 20. Nov. 1922. (Tel.) Bei der Gemeindewahl erhielten die vereinigten Rechtsparteien 5261 Stimmen, d. s. 20 Sitze, die Demokraten 1277 Stimmen (5 Sitze), die vereinigten Sozialdemokraten 2963 Stimmen (11 Sitze), die Kommunisten 922 (Stimmen (4 Sitze), das Zentrum 621 Stimmen (2 Sitze) Das Zentrum gibt damit den Ausschlag für die Mehrheitsbildung.
wtb Mainz, 20. Nov. (Tel.) Die Doutschnattonalen erhielten hier bei der Gemeindewahl 2457 Stimmen, die deutsche Volkspartei 3675 Stimmen (bei der letzten Gemeindewahl hatte die Bottspartei einschließlich der Seutschnationalen und der Wirtschaft!. Bereinigung 4140 Stimmen erzielt). Die Wirtschafttiche Bereinigung er- hielt 1133 Stimmen. Das Zentrum erhielt 10 618 Sttrnmen (1919: 12912), die Demokraten 3196 (6991), die vereinigten Sozialisten 14 426 (21360) die Kommunisten 1461 (0). Es erhalten demnach die Dsutschnatio- nalen 4 Mandate (bisher 0), Volkspattei 6 (5) Wirtschaftliche Bereinigung 2 (0) Zentrum 17 (18), Demo- traten 6 (v). Vereinigte Sozialisten 23 (28), Komma-
benn all das Eis, das die Bord- emd Felswände überzog, war ja gefrorener Nebel ober Schnee, an Süßwasser konnte es uns hier also nicht mangeln.
Während ich damit beschäfügt war, einen genügenden Vorrat von Eisstücken zu sammeln, Hütte ich plötzlich achter Schiss ein lautes, donnsröhnliches Getöse. Ein starkes Zittern durchlief das Wrack, als sei dicht neben ihm eine Mine gesprungen oder eine Breitseite abgt- feuert worden, doch war in den Eismassen nirgends eine Bewegung zu spüren oder das Geräusch eines Sturzes zu hören. Das brachte mich auf die Vermutung, der große Eisberg, der uns von der Außenwelt abschloß, löse sich allmählich von feiner Felsenheimat, um feinen Kameraden nachzuschwimmen. Vorsichtig beugte ich mich über die Reeling und überlegte, ob wir wohl mit dem Eisberg wieder flott werden ober hier liegen bleiben würden. Da ich aber nichts entdecken konnte, was für die eine ober die anbere Möglichkeit sprach, so gab ich bas lieber« bordstarren bald wieder auf und kehrte mit dem er-; beuteten Eis in die Kajüte zurück.
Unterwegs fiel es mir auf die Seele, wie schrecklich es für eins junge Dame fein müsse, mit einem fremden Mann wochen-, vielleicht monatelang allein auf einem gestrandeten Wrack eingeschlossen zu fein. Tiefftes Mit-, leid überkam mich von neuem, als ich das junge Geschöpf so hilflos auf den Deckplanken kauern und mit großen, traurigen Augen jeder meiner Bewegungen folgen sah. i
„Wie schrecklich wäre es für mich, wenn ich jetzt ganz Mein sein müßte", murmelte sie halb zu sich selbst.
Lächelnd wandte ich mich zu '.hr um und sagte:
„Es freut mich, daß meine Gesellschaft Ihnen will« kommen ist: soviel an mir liegt, soll sich nichts daran ändern, solange wir zusammen find."
Miß Otway warf mir einen dankbaren Blick zuflunb ein mattes Lächeln huschte über ihr blasses Gesicht.
„Ohne Sie wäre ich längst wahnsinnig geworden ober hätte Hand an mich selbst gelegt", flüsterte sie.
„Hotten Sie vorhin bas explosionsähnttche Geräusch?", „Ja, was bedeutete es?"
(Fortsetzung folgte