Sonntag, 19. November 1922.
Fuldaer Heilung
Druck der Fuldaer Nettendruckerei i« Fulda
'st", werden sie sich auch untereinander lieben und miteinander Gemeinschaftsarbeit leisten, aus der als tost, bare Frucht für alle die gemeinsame Wohlfahrt er» wachst. Ob dieser Friedensaufruf Ses Papstes nicht auch für manche andere Länder patzt? Müssen nicht be- sonderk die Katholiken aller Länder bei dieser Mah. nung des obersten Hüten der Kirche Einkehr halten und sich fragen, ob sie im politischen Leben sich von den Grundsätzen der christlichen Gerechtigkeit und Siele leiten liegen und ob sie als Bürger ihres Staates und zugleich als Christen wie Brüder zusammengearbeitet haben? Wie zeitgemäß wiederholt der hl. Vater das Wort des hl. Stephanus: „Männer ihr seid Brüder, waruzi tut ihr einander Unrecht?"
aus Gberheffen und den hessischen Remtern.
# Ziegenhain. Ein Bürger aus Lenderscheid, der schon im hohen Alter stand, wurde seit 14 Tagen vermißt; tagei-mges Suchen der Ortsbewohner blieb er« gebmslos. Em Polizeihund nahm die Spur auf und fand den 70jährigen im Walde tot auf.
# Treysa. Der von hier stammende Adam Kreu- ter. in Chicago, der zur Wiederherstellung der hiesigen Kirchenvrgel vor einiger Zeit 20 000 M. gesandt hatte, stiftete für das zu errichtende Kriegerdenkmal 6411 Mark.
# Treysa. Bei Reptich stieß man bei Erbohrun- gen auf eine Erzader, die 60 Prozent Eisen ent- halten soll. _______________
Staatssekretär Schulz dankte namens der Reichsregierung für das der wissenschaftlichen Not entgegen« gebrachte Interesse und versprach namens der Regierung, nach verschiedener Rührung hin die staatlichen Zuschüsse zu erhöhen, zmn Teil völlig neue Bewilligungen in den Haushalt des Reiches sinzu setzen, u. a. auch für die schwer notleidende Kunst. Selten einmal ist in den Reichstagsoechandlungen, die sich an die Erkiämngsn des Staatsvertreters anschloffen, das Einheitliche in der Auffassung bei allen Parteien hervor- getreten, daß in der Tat für die deutsche Wissenschaft energische Hilfeleistung geschehen müsse. So ist es bei der außerordentlichen Zerklüftung unseres Partek- wesens und den inneren Spannungen zu begrüßen, wenn die seltene Stunde sich einfindet, in der man auf allen Seiten große Schicksalsfragen des deutschen Volkes einmütig versteht und Mhikfe zu schaffen bemüht ist. ) ijri
Stoen die rote Ko lRdiMm in Men.
Die Zen trumsfrakt ion des Reichstages hat folgende Interpellation eingebracht:
„Das sächsische Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts hat durch Verordnuna vom 12. Äug. ds. Js. bestimmt, daß an staatlich nicht anerkannten Feiertagen Lehrern und Schülern künftig in keinem Falle mehr Umerrrchtsbefreiung zum Zwecke der Teilnahme an religiösen Feiertags-Handlungen erteilt werden dürfe.
Eine weitere Verordnung vom 24. August verbietet jede Art religiöser Beeinflussung außerhalb des Religionsunterrichtes und beschränkt die Zuläffigkeit von Andachten, Gebeten und Kirchenliedern auf die Religions- stunden.
Diese Maßnahmen widersprechen den Artikeln 135, 149 und 174 der Reichsoerfassung. Sie verletzen die dort gewährleistete Glaubens- und Gewissensfreiheit, die Freiheit der Religionsübung Und das Recht der Bekenntnisschule, die in Sachsen Regelschule ist. Sie haben daher west über die Grenzen des Freistaats Sachsen hinaus Befremden und Entrüstung heroorgerufen.
Das bischöfliche Ordinariat in Bautzen hat gegen das oerfaflungswidrige Vorgehen des sächsischen Kultusministers pflichtmäßig Einspruch erhoben. Diese in der „Sächsischen Volksztg." (Rr. 231 vom 29. Okt. d. I.) veröffentlichte bischöfliche Kundgebung hat das Ministerium damit beantwortet, daß es die Einleitung eines Strafverfahrens gegen das Ordinariat ankündigte. („Staatsanzeiger für den Freistaat Sachsen" Nr. 262 vom 8. Nov. 1922).
Hat die Reichsregierung- zu diesen Vorkommniffen Stellung genommen?
Welche Schritte gedenkt sie zu unternehmen, um der Reichsoerfassung und der von ihr feierlich gewährleisteten G e w i s s e n f r e i h e i t im Freistaat Sachsen Achtung zu verschaffen und die bekenntnistreue Bevölkerung vor Vergewaltigung zu schützen?"
* Uebetßll Ausbeutung! Eine Mailänder Firma hat diesen Sartmer einige taufend Reklame- Postkarten nach dem Ausland verschickt, aber nicht von Italien aus, sondern der Portoersparnis wegen, Heulen vernahm, als ob taufend Lokomottven zu gleicher Zeit ihren Dampf ausströmen ließen: ein beträchtlicher Test der gewaltigen Eismaffen hatte sich losgelöst und war in die hoch emporgeschleuderte Flut gestürzt.
Oft noch hörten wir diesen Ton zu uns in die Kajüte hinabdringen, als wst dort mit einander in Harren und Bangen die endlosen Stunden der Polarnacht durchwach.
I ten. Gegen vier Uhr morgens merkte ich an den plötzlich I ruhig und regelmäßig werdenden Bewegungen des Wracks, daß sich etwas verändert haben mußte
Rafch eilte ich an Deck, wo mich pechschwarze, nur festen von unbestimmtem und unstetem Flimmern unterbrochene Dunkelheit umfing. Wie Grabeshauch wehte es mich von allen Seiten an, hoch über mir heulte der Sturm, als bliese er über Berggipfel, an deren Fuß ich stände. Ich begriff sofort, daß wir in eine Bucht geraten waren und im nächsten Augenblick scheitern oder stranden mußten. Aber Furcht und Warten hatten mich schon so mürbe gemacht, daß mich die Entdeckung beinahe gleichgültig ließ. Nur das eine empfand ich deutlich, daß mein Platz jetzt an der Seite meiner unglücklichen Gefährtin war, mit der ich die letzten Minuten testen wollte, wenn ich ihr auch keine Hilfe bringen konnte.
„Hat der Wind sich gelegt? Wo sind wir?" rief sie mir entgegen, sobÄd ich den Fuß auf die Kajütentreppe setzte.
„Wir müssen in eine Bucht geraten und von Eis- massen eingeschloffen sein", antwortete ich und wie zur Bestättgung meiner Worte erbebte in diesem Augenblick der Schiffskörper unter einem heftigen Stoß, dem nach wenigen Sekunden ein zweiter folgte. Ich hörte das Knirschen des splitternden Kieles und fühste, wie eine unsichtbare Gewalt das Wrack emporhob, bis es sich seitwärts neigte und schließlich auf der Steuerbordwand liegen blieb, sodaß die Kajütenlampe fast parallel mst dem oberen Deck hing. - i
Miß Otway fiel. Glücklicherweise hatte ich einen festen Stützpunkt gewonnen, fing die Stürzende auf und brachte sie in einem an den Deckplanken festgefchraubteu Lehnstuhl unter.
Zahllose Sturzseen ergossen sich über bas zitternde und zuckende Wrack; bei jedem erneuten Wogenjchwall hörte ich wieder das Knirschen und Krachen und spürte^
Roman von Clark Russell.
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1,2)08 ist fürchterlich!" schrie fie.
„Ja. Das Schiff wird umhergeschleudert wie ein leeres Faß. Aber noch leben wir."
„Helfen Sie mir doch, mich aufzurichten!"
Als ich neben ihr kniete und sie stützte, sah sie mich mnge an, als ob sie die innersten Gedanken meines Gehirns lesen wollte
„Sie sind ein tapferer Mann, Mr. Selby! Aber jetzt sehe ich auch bet Ihnen die Verzweiflung. Wir müssen reIben™ $ß-n!! nur bas Ende schnell kommt. Und — ~enb" öeIbl)' '4 möchte Ihnen danken - für Ihre Tapferkeit — für . .
beume'miA* st? mir ihre zitternde Hand hin. Ich Meine fie mein Gesicht nicht sehen sollte.
""sh nicht verloren. Wir dürfen nicht in uns ist' kämpfen solange noch Atem
“"5 Zeucht sieht es anders aus bei Tages- «"bru-h- Kop hoch, Miß Otway!"
Sie schüttelte den Kopf.
’&SS!* °n Deck gehen," sagte ich.
gx q CTr Maitftumpf fest und starrte in die
Nacht hm<m^ Langsam, ganz langsam wurde es Heller. Da das war das Ende! An der Schiffsseite tauchte b^penstisch weiße Maffe auf — und als em Windstoß das wirbelnde Schneegestöber auf Auqen- fchrte serriS, fo& Id; am Bug, am Heck, gack ber ‘an. ^ren Seite die gleichen Todesboten. Unser Schiff war von Eisbergen umgeben, eingeklammert in ihre tödliche Umarmung.
Miß Otway war mir gefolgt. Schweigend, in ftrnn- «her Verzweiflung, stand fie neben mir. Ihr Antlitz war vie zu Stein erstarrt — sie wußte jetzt, daß wir rei- «ngslos verloren waren.
Wir konnten nur das Ende erwarten. Ich nahm sie mn Arm und führte sie in die Kajüte zurück. Mechanisch «Sann ich Kaffe» zu kochen,
Die Not der deutschen wissenschast als Not deutscher Kultur.
Von Dr. H. T e i p e l - Berlin.
Das Leitmotiv der inneren deutschen PoMk ist zurzeit i»s Thema von der deutschen Not. Es kehrt in unzähligen Variationen immer wieder. Es äußert sich in der Kreditnot, in der Wohnungsnot, in der Not der Tausenden, die als Kleinrentner und Sozialversicherte mühselig und beladen sind, in dem Kamps ums wirtschaftliche Dasein, aber auch in der Notlage der deutschen Wissenschaft. Die Zeiten sind vorüber, in denen man in den Hochschulen mir das feierlich Stolze und unzugängliche sah, mehr denn je erfahren wir in den Tagen eines wirtschaftlichen Niederganges, daß Industrie und Wirtschaft mit der deutschen Wissenschast als der Grundlage unserer Kultur unzertrennlich verknüpft sind. Man weiß, daß das HÄ-ersche Verfahren in der Gewinnung des Stickstoffes wissenschaftliche Denkarbeit einersoits betreutet, andererseits der Landwirtschaft unermeßliche neue Möglichkeiten bietet und noch bieten wird, um sie von der Valuta des Auslandes weniger abhängig zu sinachen. Andererseits wird unsere Industrie, um Ersatz für das abgetretene Erz und um eine mö^ichst große Ausnutzung der karg vorhandenen Kohle zu gewinnen, dm Kohlenforschungsiinsttluten und den anderen wissenschaftlichen Versuchsanstalten ihr größtes Interesse bezeigen müssen.
Noch niemals hat die Wiffenschast so ernste nationale und volkswrrstchaMche Aufgaben zu erfüllen gehabt, wie unter der Last der Reparationen und im Zeichen unseres Währimgselends. Allerdinigs ist es das Tragische an dieser verantwortnngsvollen Klage der deutschen Wissenschaft, daß ihre Stellung ganz außerordentlich beschwert ist. Unendlich viel ist bereits durch die Entbehrungen der Nachkriegszeit, durch die sinkende Valuta, durch die Verelendung der Gsrstes- arbeiter in Trümmer gelegt. Es ist das Verdienst des Zentrums, in seiner am Mittwoch vom Reichs- tagsabg. Professor Dr. Schreiber begründeten Jnter- pellatton, dar gelegt zu haben, daß kaum eine Krisis des deutschen Wirtschaftslebens sitzt so ernst und schwer ist, wie die geistige Krisis unserer deutschen Wissenschaftskultur. Anschaulich und mit ergreifender Eindringlichkeit, mit zahlreichen Ziffern und Zahlen, mit vielen Einzelhimveisen und doch wieder in großen verbindenden Linien wußte der Redner zu zeigen, daß tatsächlich dsi Grundlagen unserer Wissenschafts, kultur erschüttert sind, daß große Wissenschaftliche Forschungsarbeiten an den geldlich vernachlässigten deutschen Laboratorien und Forschungswerkstätten kaum noch gehalten werden können und in das geldkräftige und valutastarke Ausland abwandem. Es sieht in unseren Forschungsanstalten derartig traurig •rus, daß der bekannte Geheimrat von Waffermann (Wassermannsche Blutproben) neulich öffentlich klagte: „Seit Wochen bin ich nicht imstande, die nötigen Ver- fuchstiere für mein Institut für experimentelle The- rapie zu schaffen." Wo man stüher in Experimenten nnt Hilfe des Jenenser Glases arbeitete, muß man sich jcht mit gewöhnlichem Fensterglas behelfen, obwohl dabei die Zuverlässigkeit der Ergebnisse bittet leidet. Kaum erschwinglich ist die wissenschaftliche Auslands» Itieratur. Ein großes englisches Werk über Augen- krankhetten, das unentbehrlich ist, kostet sitzt 80 000 M «in Kilo Quecksilber ist von 200 M mrf 25 000 «* gestiegen. Ein Gramm Platin, das vor einem Jahre 100 M kostete, auf etwa 30 000 M.
Schlimm sieht es auch um den wissenschaftlichen Nachwuchs aus. PrioÄdozenten sind in tren tferien als Erdarbeiter tätig, um sich und ihre Mnder zu ernähren, ihnen fehlt das Existenzminimum Die Wissenschast müßte gerade jetzt Brucken zum Aus- tanirbauen, um dort moralische Eroberungen zu machen ober aus Grund unserer Valutaentwicklung sind wir gezwungen, den Gedankenaustausch mit dem wissen- fchafllichen Ausland aus ein unerträgliches Maß ein- 0a^ESnfen’. Wohin man sieht, überall Anzeichen wissenschaftlicher Verarmung und Verelendung, in der Tat werden die Grundlagen deutscher Mur er- Echütterr.
„ . Prof. Schreiber forderte unter der Aufmerffäm- keit und dem Beifall des Hauses energische Hstsi von der Reichsregierung, vor allem für dsi Notgemein- fchaft der deutschen Wiffenschast, ferner eine Schürfung f des öffentlichen Bewußtseins in Deutschland. Die Handarbeiter müssen verstehen, daß sie mit den Geistesarbeitern eine Schicksals gemein- I schäft bilden, sie müffen die Leistungen der Geistes^ orveiter Mer bewerten als bisher. Wenn dsi Hoch- sthusi in ihren Leistungen sinkt, sinkt auch der Stand der Mittelschulen und der Volksschulen.
aus dem Nachbargebiet.
(spd) Offenbach. Bei einem Einbruch in ein Fabrik lager wurden in einer der letzten Nächte Brieftaschen, Aktenmappen und einige kleine Musterkoffer im Gesamtwerte von 600000 Mark gestohlen. Aus einer anderen Lederwarenfabrik stahlen Einbrecher Diele Driestäschchen, Autolackraschen und Handtäschchen im Werte von mehr als einer halben Million Mark.
(spd) fiönigffein. Bis sitzt haben sich um dsi hsisige Bürgermeisterstelle 117 Bewerber gemeldet.
(fpd) Höchst a. TR. Aum DirektordesGym- nasiurns und der Oberrealschule wurde der sozialdemokratische Studienrat Dr. Deiters aus Berlin vom Magistrat gewählt. Das Kuratorium und die Lehrerschaft hatten sich gegen diesen Herrn ausgesprochen. Gegen dsi Wahl wird Einspruch erhoben.
Katholische wett.
= (Ein $rieben$ruf Pius XI. an die «ischSke Italiens Wahrend dre Städte Italiens von den Schwarzhemden der ,taszisten besetzt sind und in mehr als einem Orte Bürgerblut geflossen ist, während das Land des „Vit. terio Veneto", wie er auf den Siegesmarken heißt,' von neuen politiscben Wirren heimgesucht und nach käst vierjährigem Bürgerkrieg vor neue innerpolitische Ver. Wicklungen fich gestellt sieht, ist eine andere Macht für em anderes Ziel tätig. Unablässig arbeitet die Groß, macht des Papsttums für den Frieden der Staa. rLe,tlJ1Jl6 ®ecIen- Getreu diesem zeitgemäßen Apo. stolat der Gegenwart, das Benedikt XV. so mutig aus- peübt hat, erläßt unser jetziger hl. Vater PiuS XI. zum zweiten Male einen Friedensappell an die Bischöfe yta- liens, der am 28. Oktober unterzeichnet ist. Der Papst beklaat es, daß das Land immer noch nicht zur Ruhe gekommen sei und sieht in den politischen Wirren eine immer größere Gefahr für das materielle, sittliche und religiöse Wohl der Bürger. Deshalb richtet er noch, mals, wie schon vor einigen Monaten „ein Wort der Liebe und deS Friedens an alle Bürger Italiens", in- dem er als Friedensmotiv auf die nationale und religiöse Brüderschaft hinweist: „Im Namen jener Bruderschaft, welche alle in der Liebe zu diesem so reich von Gott gesegneten Lande vereinigt, im Namen besonders jener vornehmen, weil übernatürlichen Bruderschaft, welche die Söhne Italiens in der Religion unseres Herrn Jesu Christi zu einer Familie verbindet, richten wir an alle mit St. Stephanus die laute Frage: „Viel, frates estis!“ Männer, ihr seid Brüder! Warum tut >hr einander Unrecht?" Nach diesem eindrucksvollen Appell an die Nation wendet sich der hl. Vater an die Bischöfe des Landes und fordert sie auf, ihren Eifer für die Beruhigung der Gemüter und Parteien zu verdoppeln. Sie sollen vor allem ihre Gläubigen ermahnen, daß diese ihre persönlichen Wünsche und Ab- sichten dem großen Allgemeinwohl unterordnen und sich von den Grundsätzen der christlichen Ordnung und christlichen Brüderlichkeit beseelen und leiten lassen. Denn nur in der gemeinsamen Nachfolge und Liebe Christi, welche nach den Worten Pauli „unser Friede"
Sie folgte meinen Bewegungen mit teilnahmslosen Micken. Plötzlich fragte fie ganz ruhig:
»Wir müssen an den Eisbergen zerschellen?" „5a."
„Sft es besser, hier unten zu bleiben oder an Deck zu gehen?" ।
»Das ist gleichgültig."
„Wenn das Ende kommt, möchte ich ertrinken. Lieber I schnell sterben, als auf das Eis geschleudert werden und erfrieren. Das würde lange dauern. Ich — ich fürchte mich, leiden zu müssen. Vor dem Tod hab' ich keine -Angst. Nur schnell — nur schnell . . ."
„Noch ist das Eis etwa eine Meile entfernt", sagte I ich. „Bitte, trinken Sie doch den heißen Kaffee."
Sie führte die Tasse an die Lippen.
„Wird das Wrack beim Scheitern augenblicklich zer- schmettert?" fragte sie.
„Darüber läßt sich nichts sagen. Cs kann auf einem Eisberg stranden und uns immer noch ein Obdach fein, bis der Berg nordwärts treibt und der Rauch unseres Feuers von vorüberfahrenden Schiffen bemerkt wird."
Miß Otway gab keine Antwort. Ich ging wieder an Deck. Nichts fyatte sich verändert, nm die riesige Eis- I mässe, die uns zur Seite gewesen war, lag nun gerade voraus. Und auf Steuerbord war nur eine kleine Eis- infel, sechzig Fuß hoch etwa, dem Schiff ganz nahe, die ich vorhin noch nicht gesehen hatte. Weiter draußen zählte ich Dutzende von zackigen, drohend aufgetürmten I Eiskoloffen.
Je weiter der Tag vorschritt, desto deutlicher enthüllte j sich meinen Stagen die furchtbare Gefahr, in der wir I schwebten. Immer gigantischer wurden die vielgestaltigen Umrisse der Eisberge, die uns oft so nahe kamen, daß ich den weißen Gischt der Brandung an ihrem Fuß sehen I konnte.
Gegen zwei Uhr mittags wurde es schon dunkel. Plötzlich sah ich das fahle Leuchten eines Eisberges hart an unserer Leeseite. Das Wrack aber, Äs fei es ein lebendes Wesen und ahne, was ihm bevorstehe, machte — wahrscheinlich durch das Zurückbranden der Wellen vor der Eiswand — eine Schwenkung und entging der gefährlichen Nachbarschaft. Kaum waren wir einige Schiffslängen entfernt, Äs ich ein langgezogenes, zischendes
vermischtes.
I * Zu schweren Plünderungen ist es auf dem I Viehmarkt in Holzminden gekommen. Da die I Händler für junge Schweine Preise forderten, die I den Kauflustigen zu hoch waren, schritt die Menge I zur Selbsthilfe. Man stürzte sich auf die Händler I und in wenigen Minuten eigneten sich die Plünderer I aste Schweine an, ohne einen Pfennig zu zahlen. — Die Provinz Hannover wird augenblicklich von einer gut organisierten Bande von Gänsedieben heimgesucht, die bisher nicht gefaßt werden konnte. Bisher wurden in 51 Ort schäften weit über lausend Gänse gestohlen.
* Ter Verbrecher auf dem Motorrade. Zwischen den Ortschaften Lüchte und Bad Pyrmont hielt ein Landjäger den wegen Mordes gesuchten Verbrecher Alfred Pauli an, der auf einem Motorrade fuhr. । Pauli stieg bereitwillig ab und machte sich an seinem Motorrade zu schaffen. Plötzlich feuerte er hinter dem Rade weg einen Revolverschuß auf den Landjäger ab, der tiefen sofort tot niederstreckte. Pauli fuhr bann mit seinem Motorrade nach dem Bahnhof Lüchte und verschwand spurlos.
* Ter geraubte Schlotz-Sck ap. Einbrecher statteten dem Schlosse des Grafen v. Eickstädt in Hohenholz im Kreise Pekuhn einen Besuch ab. Obwohl sie überrascht wurden, gelang es ihnen doch, mit den erbeuteten Silbersachen im Werte von fünf Millionen zu entkommen.
* Wo lebt man am billigsten? Hinter schwedischen Gardinen! Der „Pensionspreis" in den preußischen Strafanstalten fft zwar aus täglich 30 «M. erhöht worden, immerhin so billig, wie nirgends!
* Theater-Not. In Lübeck fand eine Konferenz von Theaterleitem aus Lübeck, Kiel, Schwerin, Rostock, Neustrelitz, Wismar, Stettin, Straffund und Bremen am der zur Ersparung von Ausgaben, z. B. durch all großer Orchester, über die Zusammenlegung mehrerer Theater beraten murde.
dsi mit Hilfe der Valuta ermöglicht wurde, vor Wiesbaden aus! So hat ein Deutscher, der in Brasilien lebt, festgestellt.
* Die billigen Seereisen. Billiger als die Fahri mit der Eisenbahn nach Ostpreußen ist die Fahrt auf dem Seewege, bei der auch das umstänLliche und teure polnffche Visum wegfällt. Eine Fahrt mst bet Bahn von Berlin nach Königsberg kostet jetzt in der 3. Klaffe 896 °tl, in 2. Klaffe 1524 JL, auf dem Seeweg aber nur 690 bezw. 916 M. Auf dem See, weg erspart mm bis zu 50 Prozent!
Auszug ms den Wlskern des Standesamts Ma
Sterbefälle vom 10.—17. November 1922.
10. November. Schreinermeister Martin Hohmann 79 I. 1 T. 10. Heizer Fridolin Röder ans Schwarz- bach, 34 I. 10 M. 19 T. 11. Brigitte Papp er t aui Sargenzell, 2 I. 4 M. 28 T. 15. Privatmann Wilhelm Schneider, 81 I. 6 M. 8 T. 15. Witwe Maria Josefa Bornträger, geb. schwarz, 83 I. 7 M. 18 T. 16. Ehe. ftau Hulda Schirmer, geb. Els, 77 I. 18 T. 16. Leopold Rudolf Hahner, 2 I. 3 M. 16 T.
Gottessienstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
S onnta a, 19. Nov. Dom. >/-6, 6, V.7 u. 7 hl. M.> 8 Pfarramt, Umg. u. Pr., VilO Katheoralamt u. Pr.. •/dl Chr, Vd2 hl. M u. Pr., */i2 21., 2 Chr., 4 Sakra» ments-Bruderschaft m. Pr. u. Segen, 7 A. i. d. Marien- kapelle. Montag 5 Rosenkranz in. Segen. — Stadt- Pfarrkirche. lDtözesanmonatskollekte.i 5'/, Korn., 5V« hl. M. u. Korn, der .Dienstmädchen-Kongregation, 6*/t hl. M. u. Korn, der Jungt., 8 erster Schulgd mit Pred., 9Va Pfarramt m. Pred., 11 zweiter Schulgd. m. Pr., 9V« A. f. d. Jüngl.-Sod. i. d. Severikirche, IV, Chr. f. d. Jungst., 2V, Bruderschaft vom hockw. Gut, 4A.f.d.Dlenstmädchen-51ongregation i. d. Severikirche.— Pfarrkirche zum heiligen 'Geist. 8/«7 hl. Korn., 7 Frühm., 8 Pr., Amt m. Som., v,5 Chr., 5 A. — Severikirche. Sonntag (ausnahmsweise) 7: Stiftungsfest d. kathol. Gesellenvereins m. Generalkoch, werktags V17hl. M. — Herz-Fefn-Heim. 8 Hochamt m. Pr., nachrn.2 A. (Mittwoch abends 8 A.) — Frauenberg. (Fest d. hl. Elisabeth.) Ablaßtag für alle Gläubi en. Generalkom. f. d. Terziaren in der 5- u. 8 Uhr-Messe. 5, 6, 6Va u. 7 HI. M., 8 HI. M. m. Pr., 9 Festvr., Levitenamt und sakrament. Segen, nachm. */i3 Festversammlung f. d. Terziaren m. Pr. Generalabsolution f. d. Terziaren.
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wie die hochgehenden Wellen unser Fahrzeug höher und immer höher cwf das schlüpfrige Ci- hinaufschoben. Da- durch aber vermindette sich die Wucht ihres Anpralls, so daß die Lady Emma nach einiger Zett ziemlich trocken lag.
Jetzt wagte ich's, meinen geschützten Winkel zu ver- lassen, und versuchte, auf allen Vieren kriechend, die Kajütensteppe zu erklettern.
„Bleiben Sie, um Gottes willen!" schrie Miß Otway „Die werden sich den Hals brechen!"
Aber mein geübtes Seemannsohr hörte an dem schwächeren Wätschern des ablaufenden Wassers, daß die Sturzseen mst nicht mehr gefährlich werden konnten. Unter unglaublichen Gliederverrenkungen. zahllosen Püffen und Stoßen zog und arbeitete ich mich an der fast wagrecht stehenden Kajütenstiege enllang, bis ich glücklich die zmn Achterdeck führende Tür erreicht hatte, die ich einen Spall breit öffnete. Vorsichtig steckte ich den Kopf hindurch und schaute mich um, konnte aber ebenja wenig wie vorhin erkennen, wo wir waren.
Aus der nachtschwarzen Finsternis, die mich umgab, schloß ich, daß wir in eine enge Felsschlucht geraten sein mußten, und zwar entweder auf einer der Neu-Orkney- oder Südshetandinseln. Hoch über mir donnerte der Sturm, und aus der Tiefe klang das Brausen der all- mähllch zurückbebenden Flut, die uns bis hierher hin- aufgeschoben hatte. Genaueres ließ sich vor Tagesanbruch nicht feststellen.
Ich schloß die Kajütentür und kroch wieder zu Miß Otway zurück, die mich sofort bestürmte:
„Konnten Sie sehen, wo wir sind?"
„Nein. Aber ich vermute, daß wir auf einem eis- überzogenen Felsenabhang der Krömmgsinsel geftranöet mb."
„Wie sieht es an Deck aus?" fragte sie. „Hat die See alles fottgefchwemmt?"
Es war nicht mehr viel zum Fortschwemmen da. Höchstens noch die Kombüse. Der Treppenhoks dev Kajüte hat zum Glück standgehalteii."
„Mr. Selby was fangen wir an! Was soll aus uns werden!" jammerte fie händeringend.
(Fortsetzung folgt)