ßerantroortlid) für den ceüauionellen Teil: Dr. I. Kramer.
Sonntag, 19. November 1922.
Nr. 267
^emmrether '"'ft. 0.
der
der
mit
Deutscher Reichstag
Die Jnserakensteuer.
Die französische Kammer hat sich nach Poincares Rede mit Rücksicht auf die Konferenz von Lausanne für längere Zeit vertagt.
reichende konservative Mehrheit verfügen. Ob dies« aber im Hinblick aus die einflußreiche Chamberlain. Gruppe immer und in allen Lagen geschlossen bleihsr wird, muß erst abgewartet werden.
Einen großartigen Abschluß erhielten die Festlich-
, l...ch einen eucharistischen
Was den festlichen Veranstaltungen aber erst Hin- Kongreß in Rio de Janeiro. Es war der erste tergrunü und tieferen Gehalt verlieh, waren die re- in seiner Art, und er hat an Glanz, Teilnehmerzahl
m 2'“ °i und Begeisterung alles bisher DaaswÄone. für kiesige
Der Cürkensultan flieht. Er ist zu Schiff nach Malta.
Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, hat sich Sultan mit seinem Sohn Mehamed Ertogru) an
Bezugspreis: Monatlicb 150 Mk. Zustellgebühr extra, n Abgeholt in der Geschäitsstelle 155 Mk. “ Anzeigen: Kleinzeile nach Cownei 15 Ulf.; ausw. 20 Mk. Nek'amezei'e (Tert breite! nach Calone'maß 60 Mark.
AMllMiMN ms WMMW.
Das unruhige Braunschweig.
Nach einer Meldung des „Bert. Lok.-Anz." aus Braunschweig ist es dort Freitag nachmittag vor dem Ministerium und vor der Markthalle zu T e u e- rungsdemonstrationen gekommen. In den Betrieben soll am Samstag die Arbeiterschaft zu einer allgemeinen Teuerungskundgebung aufgefordert werden.
In Berlin-Charlottenburg wurde, dem gleichen Blatt zufolge, ein B t u s e n g e sch ä ft ausgeplündert, weil der Geschäftsinhaber die preiswert ausgestellten Waren als bereits verkauft bezeichnete und für andere Waren wesentlich höhere Preise forderte.
der pEisHen Mächte an
Jahrhundertfeier Brasiuens war ein Beweis dafür
Elches Ansehen das Land genießt. Freilich, die Ent-
^Aurrg von 1822 bis 1922 ist eine gewaltige, und
Volk von 30 Millionen Seelen, das ein so reich
^^etes Gebiet, von der Größe Europas, sein eigen lergruno miv wq«te« vseyuu waten ote re« ^nt' ist groß und reich genug, um auch Großmächte ligiösen Veranstaltungen. Trotz Trsmsung von
Anstalt».
Ein llllimalum an China. Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Peking verlautet, daß die Vereinigten Staaten, England, Frankreich und Italien der chinesischen Regierung ein Ultimatum übergeben haben, in dem sie die Freilassung von 10 von chinesischen Banditen festgehaltenen Ausländern innerhalb einer Woche verlangen. Werde dem Ultimatum nicht stattgegeben, so würden die Mächte China öffentlich als eine von Räubern beherrschte unverantworlliche Nation brandmarken.
* Eine MIWrsteuer kn Ungarn. In der ungarischen Nationalversammlung wurde ein Gesetzentwurf eingebracht, der bestimmt, daß, nachdem durch den Trianoner Friedensvertrag die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft worden ist, jeder männliche ungarische Staatsbürger vom 20 bis zum 30. Le- bensjahre eine Militär st euer zu zahlen hat.
Deutsches Reich.
* Rücktritt des Vorsitzenden des Skaalsgerichls- hofs. Der Vorsitzende des Staatsgerichtshofes zum Schutzs der Republik, Senatspräsident Dr. H a g e n, ist von seinem Amte zurückgetreten. Die Ursache des Rücktrittes soll in dem Wunsche des Senatspräsidenten, der von Haus aus Zivilrichter ist, liegen, wieder die Leitung des Z i v i l s e n a t s beim Reichsgericht zu übernehmen. Ueber die Nachfolge Hagens ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen.
* Neubesetzung der Münchener Nuntiatur. Der Papst hat Msgr. V a s a l l o zum Nuntius in München anstelle des bisherigen Nuntius Msgr. Pacelli ernannt. Die Leitung der Berliner Nuntiatur verbleibt in den Händen Pacellis.
Brief aus Brafilien.
Aus Porto Alegre wird uns geschrieben:
Seit der Jahrhundertfeier der Unabhängigkeit Ar- YAUmisM im Jahre 1910 hat Südamerika wohl keine Mche Feste gesehen wie die Feierlichkeiten der Los- Portugal, die sich den ganzen ^orrsetzien. Der eigentliche Lubi- 1- September. An diesem Tage Pedro ö£Cnh-?rtId> portugiesische Kronprinz Se bPr uä^bte-^t:onQfe Begeisterung an die gedrängt hatte, dend^^rt^ Königreich Brasilien das zün- ^Wort. "Eher den Tod als Beicht a-f die
Für die Feierlichkeiten waren die Vertreter der ±Sn ^serfarnilie der Ton Kdws mch
a 3f a be ivsr Hauptperfönlichkeit, n ' war Tochter dL Kaisers Don
cc.,^war schon über ein halbes Jahr vor De-
M? eT'itort5 9&bm der PAnzoematzl, merkwürdigerweise auf dM Schiff' brasiiiarriickcn Kai Mieder nach der
ÄS?,üt Ä
Staat und Kirche herrscht augenblicklich doch das herz- lichste Einverständnis zwischen den Vertretern beider Gewalten. So kam es, daß von Rom eine feierliche SorÄWgesanLschast, unter Führung von Monsignore Cherubim, bei den diplomatischen Vertretungen die Hauptrolle spielte und im ganzen Lande kirchliche Feiern das Fest begleiteten.
Begreiflicherweise juchten auch die andern reli- gwsen Genvllenschasten sich durch Patriotismus aus- Snen, und so hatten selbst die Methodisten von rerika und die Juden ihre patriotischen Ver- Mstaltungen. Kein Mißton störte die allgemeine Freude. Bei der patriotischen, nationalen Stimmung zeigte es sich, daß der Brasilianer einen ganz anderen Begriff von Nation hat, als man ihn wohl in Europa haben kann. Das Fest der nationalen llnabhängig- fcit ist das Geburtssest der brasi.anis.hen Nation. Doch wer macht diese Nation aus? Das sind die im Lande geborenen Abkömmlinge der Portugiesen, Spanier, Italiener, Deu.schen, namentlich aber die an Zahl viel stärkeren Negrrsprößlinge, Mulatten, Indianer and andere Mischlinge. Alle diese sind Bürger und Kinder Brasiliens! Und so wurde dar Gedächtnis der Unabhängigkeit auch ein Fest der VAkerver- brüderung im Rahmen des Landes.
Unter den volkstümlichen Veranstaltungen der Zentenarfeier in Porto Alegre fand deshalb das michr- tägiM Sportfest des deutschen Turnerbundes ungeheuchelten Beifall, wobei an 8000
Antrages angenommen. ..
Es folgte sodann die Beratung über die Novelle »um Gewerbe- und Kaufmannsger t chtsge- ietz, durch welche die Auständigteitsgrenze der Geldentwertung entsprechend erhöht werden soll Nach kurzer Debatte wird das Gesetz in allen drei Lesungen angmom- men. Die Gehaltsgrenze für die Zuständigkert cst oamit auf 840 000 Mark erhöht worden.
Sodann wird die Beratung über die neue Geschäftsordnung fortgesetzt.
Nach längerer unwesentlicher Debatte wird die Wei- terberatung auf Samstag vertagt.
Verhältnisse gespwchen, überboten. An 25 Erzbischöfe, Bischöfe und Acbte, 400 Priester und eine unzählige Menge nahmen an den Festen teil. Am zweiten Tag« Ede aus einem freien Platz GsnMlkkommunwn für Kinder gehauen, worair etwa 13000 Knaben und Mädchen sich beteiligten. Ein Stab hervorragender Laien hielten herrliche Reden über die Stellung unä den Einfluß des heiligsten Altarssakramentes im Leben Mch Beruf des einzelnen Menschen, in Familie und Staat. Die Krone bildete am 5. Tag, dem 1. Okt., eine gewaltige Prozession an der herrlichen Meeres- mtcht enüang und durch die schönsten Straßen von Rio. Das Allerheiligste wurde auf etinerm Triumph» «nagen gefchren, umringt von Bischöfen und Prie- stern. Die Menge des Volkes, die der Prozession folgte, wird aus 150 000 Menschen geschätzt. Ata das Allerheiügste, vor dem der Erzbischof von Sao Paulo in Anbetung kniete, durch die Straßen zog, ging ein wahrer Viumenregen aus den Fenstern nieder. „Das war unser eucharistischer Kongreß," sagte ein Festredner. Und er hat Recht. Es war das rührende, begeisterte Glaubensbekenntnis der Volksseele. Das brasilianische Volk will katholisch sein; nur durch seins politische Verfassung ist ihm die ganze Betätigung des Glaubens versagt. Die staatlichen Schulen sind „gott- frei", werden wohl die Freiheitaschwärmer von der Schule Karl Marx sagen. Eigentümlich mußte es ent religiöses Herz berühren, als am 8. September di« Schulkinder der Fchne huldigten, eigentümlich, als das Heer den Cid der Treue schwur, ohne auch nur mit einem Worte Gottes zu gedenken. Und bei all den wettlich amtlichen Feiern keine Silbe von Gott! Arres Volk' Doch die Zett des Unglaubens ist auch in Bra- i fitien abgelausen.
Bord des englischen Dampfers Malaya geflüchtet, der sofort nach Malta abgegangen ist. Der Sultan erklärte, er danke nicht ab» sondern gehe nute fort wegen einer ihm unmittelbar bedrohenden Gefahr.
Reuter meldet aus Konstantinopel über die Flucht des Sultans, der Sultan habe General Harringttin am Mittwoch abend geschrieben,daß er seinLeben in Gefahr erachteundum britischen Schutz bitten müsse. Der Sultan ging, ohne daß sich ein Zwischenfall ereignete und ohne daß irgend jemand die Fluchr überhaupt bemerkte, an Bord des „Malaya". Hier wurde der Sultan vom Vizeadmiral Brock empfangen. Henderson bewillkommnete ihn im Namen des Königs. Der Sultan versicherte, daß er sich unter dem Schutze Großbritanniens sicher fühle und sagte nachdrücklich, daß er nicht abdanke, sondern sich nur aus der Gefahr begebe, die ihn unmittelbar bedrohe. Die „Malaya" ging sofort nach Malta ab, wo Anweisungen bezüglich des Aufenthalisortes für deu Sultan eintreffen werden.
Entente und Angora.
Nach einer Havasmeldung aus Konstantinopel dauert der Auszug der englischen Kolonie aus Smyrna an. Die Ausländer würden trotz der Zusicherungen der kemalistischen Behörden immer noch schikaniert. In Konstantinopel hätten sich die Beziehungen zwischen den Oberkommissaren und Rffat Pascha gebessert. In Bezug auf die Polizei und die Gendarmerie sei eine Verständigung erzielt worden, indessen seien gewisse Fragen, namentlich die Regelung, die an die Stelle her Prohibitivtarife treten soll, noch immer in der Schwebe.
Die Wahlen in England.
Sie konservative Mehrheit. - Die starke Arbeiterpmrei.
Die Konservativen werden, wie letzt Mffteht, über eine unbestrittene Mehrheit verfügen. Bon 605 Sitzen haben sie schon nach den bisherigen Ergebnissen 343 c.-bert. In dieser Zahl finö außer den Mandaten des Chamberlain-Flügels auch die 13 der Ulsterunionisten eu-begriffen. Rein zahlenmäßig betrachtet, haben sie ihren früheren Besitzstand nicht voll behauptet; denn in dem früheren Unterhaus hatten sie ahne die Ulster Unionisten und die 8 unabhängigen Unionisten schon 346 Sitze inne. Eine ausgesprochene Niederlage hat der Liberalismus erlitten. Der eigentliche tieiiötragenbe ist die Partei Lloyd Georges, die National- oder Koalitionsüberalen, die noch nicht die Hälfte chrer früheren Mandatszahl gerettet haben. Demgegenüber ist die Gruppe der Asquich-Liberalen um etwa 25 Mandate verstärkt aus der Wah-schlacht hervorgegangen. Die liberale Partei als Ganzes ist fast um ein Drittel ihres früheren Be- standea geschwächt worden.
Als Sensation des 15. November wird der starke Erfolg ber Arbeiterpartei bezeichnet, die in nahezu oerdoppeUer Stärke in das neue Parlament einziehen wird. Der Wahlsieg der Labour partg wird deshalb vierfach mit Uebrrraschung aufgsnommsn, weil die Partei bei den letzten Gomeinderatswcchlen empfind- tiche Einbußen erlitten hat.
Rein äußerlich gesehen, wird das Kabinett Bonar Law im neuen Unterhause über eine aus-
z tür die Anzeigen: I. Parze«ler-Futoa. - Rotationsdruck u. Verlaa der Fuldaer Actiendrnckerei in Fulda. Poittckeck-Konto 4051 Frankfurt a. M.
Sui, mögen wohl an 8000 Schulkinder durch die Straßen Wogen sein, alle in Gala und mit Fähnchen in der Hand, die Mittelschüler in ihrer malerischen Uniform, die Mädchen in weißen Kleidern, mit Bän- i:," «-
dern in den goldgrünen Nationalsarben. Niemals dem Sportplätze erschienen.
1 hat Brasilien etwas so Großartiges gaschen. i , t5u^nv großartigen Abschl -
• , - ketten Ende September durch
Cuno aus der Suche.
Geheimrat Cuno wurde am Freitag nach seiner Rückkehr von Hamburg zunächst vom Reichspräsidenten Ebert empfangen. Unmittelbar darauf hat er die Verhandlungen über die Neubildung des Kabinetts wieder ausgenommen und zwar zunächst mit den Führern der Zentrumspartei. Daß er das Zentrum zuerst zu sich gebeten hat, erklärt sich, wie die „Voss. Ztg." schreibt, daraus, daß hier die wichttgsten Widerstände zu überwinden seien. Ueberhaupt lauten die Berichte der Samstagblätter über die KabinettbiDung nicht mehr so optimistisch, da die alten Gegensätze zwischen, den einzelnen Fraktionen immer noch vorhanden seien: Ablehnung der großen Koalition durch die Sozialdemokratie, Ablehnung einer inoffiziellen Unterstützung eines nicht aus der großen Koalition gebll- deten Kabinetts durch die Deutsche Volkspartei und Beharren des Zentrums auf der von der Arbeitsgemeinschaft aufgestellten Forderung nach der großen Koalition. Geheimrat Cuno, der nach Aeußerungen zu einem Vertreter des „Lokal-Anz." sehr opttmisttsch zu sein scheine, will laut „Tagebl." diesen Schwierigkeiten dadurch begegnen, daß er sich bei der Bildung des Kabinetts streng an den von der Weimarer Verfassung gewiesenen Weg halten werde, daß er nämlich im Einvernehmen mit dem Reichspräsidenten die ihm geeignet erscheinenden Männer auswählt und dem Reichstag präsentiert, ohne vorher die Fraktionen um ihre Zustimmung zu ersuchen.
Der „Vorwärts" betont, daß von Seiten der Sozialdemokratie nichts geschehen werde, was eine Belastung der Kabinettsbildung durch unausführbare Bedingungen bedeute. Die Sozialdemokratie habe Verständnis dafür, daß Deutschland heute innere Wirren, die aus einer ratlosen Krise enffpringe, nicht vertrage. Die „Deutsche Allg. Ztg." weist gleichfalls auf die große Gefahr einer Verzögerung der Krise hin und schreibt, unsere Parlamentarier sollten einmal die Scheuklappen der Partei ablegen. Es handele sich in dieser ernsten Stunde nicht darum, die Wünsche der Parteien zu befriedigen, sondern darum, schnell einen Mann, der drinnen und draußen Vertrauen genießt, ans Ruder zu bringen, andernfalls werde bald der Hunger und die Entente das Ruder des Schiffes ergreifen. #
Das Zentrum hat die Ansicht, die das Stinnes- blatt ausspricht, schon seit langem vertreten. Es wäre bester gewesen, eine Kabinettskrise nicht erst herbeizuführen. Dann brauchte man jetzt nicht gut zuzureden, an ihrer schnellen Beseitigung mitzuwirken. Abgewiesen muß von vornherein die Ansicht werben, die Schwierigkeiten der Entwirrung lägen vor allem beim Zentrum, weil dieses in kindlicher Verärgerung sich auf Wirth versteife. Man wird im Lande gut tun, die Darstellungen, die darüber aus Berlin kommen, mit größter Kühle und Vorsicht aufzunehmen. Unsere Wähler wissen, daß das Zentrum sich niemals gedrängt hat, die ersten und undankbarsten Stellen im Reiche zu besetzen, daß es aber noch niet weniger je sich geweigert hat, seine Mitwirkung da zu leihen, wo sie im Interesse der Gesamtheit notwendig war, kurz, daß es das Vaterland über die Partei stellt. Es wäre sicherlich bequem und könnte sogar bei einer mehr gefühlsmäßig urteilenden Schicht feiner Anhänger im ersten Augenblick sehr populär sein, wenn das Zentrum entschlossen wäre, jetzt „die Brocken hinzuwerfen". Das wird aber das Zentrum nicht machen. Wenn die Fraktion einmütig zu der Enffcheidung kam, daß für sie keine Verpflichtung vorliegt, bei der Entwirrung der Lage die Führung zu übernehmen, so ist das etwas ganz anderes, das sich mis der Lage selbst logisch ergibt. Dr. Wirth hatte, indem er die große Koalition forderte, genau bas getan, was bas Zentrum auf Grund feiner ganzen Politik im Interesse des Gefamtverbcmdes verlangen mußte. An dieser Forderung mußte es materiell festhallen, und es darf daher verlangen, daß zu- nächst einmal d t e j e n i ge n, bie diesen Weg bisher
Die Reichstagssitzung am Freitag begann zweiten Beratung des Antrags auf Ermäßigung ber 3nferatenUeuer. Der Ausschuß hatte einstimmig beschlossen, daß für 'die erste Million der vi-rtel- jähr-ichen Jnserateneinnahme die Steuer auf /- Pro;., für die zweite Million auf 1 Proz., für die dritte Million auf VA Prozent und für die darüber hinausgehenden Einnahmen auf 2 Prozent ermäßigt werden sollen. Die Berichterstattung über die Ausichugverhandtung führte der deutschnationale Abg. Druhn, der sich fm den Antrag des Ausschusses einseyte. Der Kommunist Koenen woll.e das ganze Umsatzsteuergesetz beseitigt haben, fand dabei aber nicht einmal die Zustimmung des Sozlaldemokrat^n Krahmonn. der höchstens in Aussicht stellte, daß die So- I ziaüemokraten demnächst einen Antrag auf Bestellung der Konsumgenossenschaften von der Umsatzsteuer elnbringen würden. Der Ausschußantrag wurde in Zweiter und i dritter Beratung unter Ablehnung des komnmmsnm,.:i
FüldaerZeitung
Amflicker Anzeiger für den kreis und die Sfadf Fulda.
.verrammelten, sich über ihre Pflichten klar werden ober nach einem Ausweg aus ber durch sie, nicht durch das Zentrum, geschaffenen Sackgasse suchen. ________________
vor der VriiMer Uonserenz.
Poincares Programm für dta Reparations- Verhandlungen.
In der französischen Kammer hielt am Freitag Ministerpräsident Poinccrre die angeküMgte Rede über die äußere Politik der Regierung, in der er u. a. auch auf die Reparationssrage zu sprechen kam und sagte, der Bankierausschuß gäbe die Frage einer iniernalio- natan Anleihe für Deutschland günstig beurteilt, aber mit einer Herabsetzung der deutschen Schuld, d. h. zum Schaden der Reparationen. Es sei die Pflicht Frankreichs sewefea, sich dem zu widersetzen. In Bezug auf den
Sturz der Mark
erklärte Poincare, daß dieser aus deutsche Manöver zmückzuführen sei und daß die Lage rasch verbessert werden könne. Deutschland habe immer noch nicht auf seinen Beherrschungsplan von vor dem Kriege verzichtet und alles getan, um die Weltmärkte wieder zu erobern. Cs habe den deutschen Staat systematisch ruiniert mrd seine Bürger bereichert. Poincare erklärte, daß Frankreich kein Vertrauen zu Deutschland haben könne, das niemals den aufrichtigen Wunsch gehabt, seine Repärcttionsschuld zu begleichen. Zweifelns könne Deutschland augenblicklich weder in Pap.er- mark noch mit dem Goldvorrat der Reichsbank bezahlen, aber es könne ein vernünftiges
Programm von Sachleistungen
ousführen und sich Geld leihen, wie es Frankreich 1871 getan habe. Wer man werbe nichts von Deutschland erzwingen, wenn man sich aufs Bitten be° Käufe. Die Stunde sei gekommen, in der sich die Herten angesichts der deutschen Verschlungen einig fein müßten über die anzuwendenden Mittel. Solange nicht die von der Reparatiorrskom.nission verlangte Kontrolle existiere, wisse man nicht, woran man sich zu halten habe. Deutschland könne einen äußeren Kredit erzielen, wenn es seine Finanzen reformiere. Es könne auch mrt Materialien und durch WiederaufbMarbeiten im eigentlichen Sinne bezahlen.
Poincare fft der Ueberzeugung, daß keine Maß- nchmen zum Ziele führen, wenn Deutschland nicht
streng/e Mittel
seinen Kredll hebe und seine Finanzen saniere. Die deutsche Währung könne nur saniert werden durch die Devalorisation und dann durch die Stabilisierung. Frankreich könne jedoch nur eine Lösung anirchmen, die seine Stellung ata beherrschenden Gläubiger sichere. Es könne weder aus seine Pfänder verzichten, und wenn ein Moratorium bewilligt werde, so könne das nur zu den Londoner Bedingungen ge. fW”, d. h. durch effektive Pfänder.. Frankreich wurde es vorziehen, seine Schuld in Ruhe einziehen zu können, aber es könne auf keine der frfeötichen Waffen verzichten, die der Vertrag ihm an die Hand gebe. Es werde nicht dulden, daß man ihm diese SB'töf'pen aus der Hand schlage. Die Pfänder, die uiffere Sicherheit garantieren, sind auch J>ie besten Pfänder für unser Guthaben. Wenn es nötig ist, werden wir ihren Be- ttieb selbst in die Hand nehmen und dadurch den Frie- oensrertrag ausführen. Frankreich hat mehr ata ir= eenb jemand für die gemeinsame Sache gelitten und hat es verdient, daß man ihm eine Priorität schuldet. Diese sei ihm aber verweigert worden. Es habe nur einen Anteü erzielt und laufe in der Reparattoriskom- ntif fion ständig Gefahr, in die Minderheit zu geraten. Die Alliierten könnten kein Moratorium be- wMigen ohne Pfänder zu nchren, ohne gewisse Garantien und ohne ernstliche Kontrolle der deutschen Finanzen.
Poincare Meßt, heute wie gestern sei die Sache Frankreichs die der Gerechtigkeir. Wenn Frankreich Ech das Versagen Deuffchtands ruiniert werde, wäre Das eine Heraiwsorderung des guten Rechtes. Es gehe zur Brüsseler Konferenz in der Erwartung, daß Frankreich Gerechtigkeit zuteil werde.
uw s-E Gunst buhlen zu lasten. Am aufrichtigsten Md großartigsten war wohl die Beteiligung der spant- scheu RepiMiken Amerikas. Die Mexikaner brachten .auf chver Fesfflotte gleich zwei große MiffW-müen mit, deren wunderbares SM alles begeisterte. 3n Buenos 2lyrcs zeigten die fvmndschastlichen Feste urid Auszüge eine nre gesehene Pracht und Begeisterung. Einen eigenen Reiz sollten die Feiertage in Rio durch das Eintreffen von Fliegern ans Argentinien und Nordamerika erhalten. Diese hatten aber fein rechtes 'Gluck. Der Flieger Fels von Buenos Ayres kam zwar pünkttich über Porto Alegre nordwärts geflogen, mußte aber kurz vor dem Ziel landen und chne Flugzeug, wie ein gewöhnlicher Sterblicher, in Rio einziehen. Ein eigenartiges Unternehmen war auch die Fahn von einem halben Dutzend Fischerbooten aus Nordstaaten, die im Kampf mit den Stürmen und Wellen des Ozeans mehrere Wochen aushielten, bis sie eine Strecke von mehreren taufend Kilometer zmück- gelegt und die Stadt glücklich erreicht hatten, wo sie amt liebevoller Begeisterung ausgenommen wurden.
Den GlcmzpuE der Veranstaltungen bildete in allen Haupistädien eine Parade und öffentliche militärische Aufzüge der Vereine und Schulen. In Porte Alegre, der Hauptstadt des Staates Rio Gra.de do