Fuldaer Heilung
0.$^ Druck der Fuldaer AeUendruckerei i« Fuld^
1921 1916/20
1922
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Neues aus granklurt a. M.
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Britisch Indien Japan
23er. Staaten Winte rweizen 147
Sommer weizen 73
Nus Geisa und Umgebung.
)( Oechsen. Auf Schacht He ili gen müh le wird zur Zeit das Kesselhaus abmontiert. Dabei kam ein 21 jähriger Arbeiter mit der Starke stromleilung in Berührung und erlitt den Tod.
Deutschland Spanien Frankreich England und Wales Ungarn Polen
Italien
Rumänien Tschecho-Slowakei Kanada
fpd. 503000 Mark Belohnung. In der Raubmord- fache Sauerwein hat die amerikanische Be- satzungsbehörde die auSgesetzte Belohnung um 300 OuO Mk. erhöht.
spd. Lebensmüde. An der Obermainbrücke wollten am Donnerstag zwei Mädchen den Tod im Main suchen Während das eine in den Strom sprang und ertrank, lief das andere wieder davon.
fpd. Gelatzte Lürklingenmarber. Auf frischer Tat ertappte man die Ärbeiter Hermann Schmidt und Jakob Kippel, als sie Türklinnen und Messingschilder von ein«, zelnen Häusern abzuschrauben versuchten. Bis jetzt hat das Duett eine ganze Anzahl derartiger Diebstähle eingestanden. ♦
fpd. Vie Frankfurter Winterhilfe. Der FinanzauS. schuh des Bei eins „Frankfurter Winterhilfe- hat bi! jetzt 18 Millionen Mark zur Linderung der schlimmsten Not unter der Bevölkerung bewilligt. Zwei hiesige Kohlenhandlungen stellten dem Verein für die Armen zusammen fünfhundert Zentner Kohlen zur Verfügung.
fpd. var alte Lied. Vor dem Carltonhotel sprang ein junger Mann auf eine m voller Fahrt dahinrollende Straßenbahn. Er stürzte ab, geriet vor die Räder und wurde lebensgefährlich verletzt.
Don allen (Setreibearten spielt bekanntlich der Weizen die wichtigste Rolle im Welthandel. Die Welt, getreibeernte zeigte in den letzten Jahren folgendes. Bild; es ernteten in Millionen Doppelzentnern:
L SmIWlieMliklleillkkriite 6er M.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß die alljährlichen Schwankungen der Getreideernten der verschiedrnm Länder, so weit sie durch Einflüsse des Klimas und Wetters h?rvorgerufen werden, sich ziemlich ausgleichen. Leidet in einem Jahr ein Land unter tm. günstigen Witterungsverhältnissen, so ist dafür ein anderes durch besonders gatte Witterung bevorzugt. Der Wechsel in der Größe der Grtreideerträge der Well wird daher lediglich durch die Veränderungen in der Anbaufläche hervor gerufen: fett Jahrzehnten wächst die Anbaufläche. Auch die Intensität des Anbaues wird fortysfttzt. Im allgemeinen ist die diesjährige Getreideernte in Europa ungünstig gewesen. Demgegenüber weist Amerika eine gute Ernte auf. Außerdem ist auch wieder eine Erweiterung des Getreidebaus in Amerika, nämlich in K a n a d a, eingetreten.
M 26t.
Sonntag, 12. Novlinb-r 1922.
men von feinem Bündnis mit Oesterreich zu lösen; Intrigen, die gegen Oesterreich in Galizien gesponnen wurden; Intrigen, um sich der ......*
vermischter.
* Das Ende einer Aarlofselrcise. Ein Bürger von Schifferstadt kaufte in einem Pfalzdörfchen einen Wa-
i Jahres» durch rbnrtt 22 38 58 17 10 ?
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Land vielleicht zu einem ebenso wichtigen Roggenproduzenten wie stüchland, Deutschland und Polen machen wird.
Ueber die Roggenernte unterrichten folgende Zahl««
Sie UMM uni die 6e«M Mim.
Von Amtsgerichtsrat a. D. S t a ß, Vorsitzender der Landsmannschaft „Rheinland" in Fulda.
Wie im Leben des Einzelnen, so sind oft auch im Leben der Völker schwere Prüfungen und Schicksals- schläge notwendig, um die Erkenntnis und die Bedeutung geistiger wie seelischer Zusammenhänge wieder zum vollen Bewußtsein zu bringen und sie zum Ausgangspunkt des zukünftigen Verhaltens zu machen. Das gilt in vielfacher Beziehung gegenwärtig für die Stellung des ganzen deutschen Volkes zu dsni Rheinlanden.
Vor und unmittelbar nach dem Kriege 1870-71 gab es große Forderungen, in denen sich das .Streben nach politischer Einheit kristallisierte. Deutsches Reich und Schutz des Rheinlandes vor der Wiederholung französt. scher Eroberungsgelüste, Kaiserkrone und deuischer Rhein — das beherrschte damals das Denken und die politische Grundstimmung des deutschen Volkes. Die dauernd fort» schreitende Entwicklung des Verkehrs, der dadurch bewirkte starke wirtschaftliche Aufschwung und die dabei erforderlich straffe Durchführung einer vervollkommneten Verwaltungsorganisation schufen, indem sie zu einer Versachlichung der Menschen führten, eine andere Generation, welche die idealistische Stimmung der vorher- gehenden Zeit nicht mehr aufzuweifen hatte. Die idealen» seelischen Stimmungen für den Rhein waren verklungen.
Hinzukommt, daß wir Deutsche nicht alle des näm- lichen Menschenschlages sind. Die Rheinländer sind dank der klimatischen und landschaftlichen Verhältnisse ihres Landes ein glücklicher, heiterer Volksschlag. Die Bewohner der großen Ebene — zwischen Westfalen und der russischen Grenze —, der die besonders gearteten landschaftlichen Reize, die Sonne des Rheins und Süddeutschlands fehlen, neigen dagegen zur nüchternen und sachlichen Einschätzung der Menschen und der Welt. Sie hatten nicht immer das volle, innige Verständnis für das vibrierende Leben, für die tausendjährige sagenumwobene Geschichte sowie die weithin befruchtende Kultur des Rheins sowie deren grundlegend gewesene und noch wirksame Bedeutung für die Entwicklung und Mehrung des deutschen Nationalbewußtseins. Am Rhein war man sich dieser Bedeutung mehr bewußt geblieben. Die große Tradition des Reichsgedankens lebt hier immer fort. Nirgendwo anders wurden die Feste, die die Einheit des Reiches symbolisierten, glänzender und mit größerer Anteilnahme gefeiert.
klage beruht hauptsächlich, aber nicht ausschlech-ich darauf, daß sie wußten, was nun mit reichlicher Klarheit erwiesen ist, daß Rußland den Krieg wollte, und daß sie nichts taten, um Rußlands Absicht zu vereiteln, sondern daß sie es vielmehr durch fortwährende und unbedingte PJ.Ca
chen ermutigten, mit einem Eifer, der in Botschafter- Unterhaltungen, Berichten und in der umsarsgrerchen chauvinistischen Literatur zutage trat, mit der die französische Oeffentlichkeit fest 1912 gespeist wurde, sie fesselten ihr Land unlöslich an Rußlands Balkanpolitik. Sie gaben den Männern, die diese Potttik leiteten, einen Blankoscheck. Der Wille des kaiserlichen Rußland, die Ausemanderreißuny Oesterreichs und die Auflösung der Türkei herbeizuführen, wodurch Rußland zur Herrschaft über Konstantinopel und die Meerengen gebracht werden sollte, bedeutete unoermew- lich den Krieg. Keine Menschenkraft konnte den Krieg vermeiden, wenn Menschenkrast außerhalb Rußlands nicht bemüht war, diesem Willen Halt zu gebieten.
Deutschland, das einer ßranzösisch-rusfischen Kombination gegenüberstand, mußte gezwungenermaßen danach trachten, Oesterreichs Auflösung zu verhindern. Niemand bestreitet das oder hat es jemals bestritten. Wenn die Regierenden Frankreichs, die Poincares „et hoc gerate mime", den Frieden gewollt hätten, dann hätten sie dem russischen Plan ihr Beto etttgegengesetzt. Sie hatten die Macht dazu. Ohm frvrtzösisches Gold hätte der Plan nicht ausyeführt werden können. Ohne die Gewißheit der französischen militärischen Unterstützung wäre der Plan eine Schimäre gewesen. Rußlands Planwar ein reiner Angrifssplan. Rußland war weder durch Oesterreich, noch durch Deutschland, noch durch irgend eine andere Macht, sondern nur durch seine eigene widerliche innere Mißwirtschaft bedroht. Die Regiererchen Frankreichs ober entschieden sich dahin, den Plan im Lnteresie ihrer eigenen Fehde mit Deutschland zu unterstützen. Als sie das taten, verrieten sie ihr eigenes Volk und die Zivilisation, und infolge der Täuschung, die unsere eigenen (die englischen) Regierenden an unserem Volke begingen, haben, uns die Regierenden Frankreichs in den Krieg hineingeriffen. „Eines Tages," so erzählt Herr Paul C a m b o n, der französische" Botschafter in Großbritannien und der fähigste diplomatische Auslandsvertreter Frankreichs, „während der Friedenskonferenz . . . zeigte Herr Lloyd ©eorge lachend tritt dem Finger auf mich und sagte zu Mantoux: Das ist der Mann, der England in den Krieg hineingezogen hat." Ein todsicher Scherz, in der Tat! Doch Cambon, der seine Netze mit beträchtlichem Geschick spann, wäre ohnmächtig gewesen, wenn das britische Volk die Tatsachen gekannt hätte.
schen Ueberfall auf die afrikanische Türkei (Tripolis); zunehmende Bcherrschung der französischen auswär- tigen Politik und der französischen Finanzen — das Gesetz über die dreijährige Dienst- pflicht (von dem die belgischen Diplomaten in Paris meldeten, daß es mwermeidtich zum Kriege führen Dürde), die französisch-russische Marinekonvention usw.; erfolgreiche Bemühungen, die britische Diplomatie immer tiefer in das Intrigennetz hineinzuziehen (bei feinem Besuche in Paris im April 1914 wurde Lord Evey veranlaßt, darin einzuwilligen, daß die franzö- sifch-russische Marinekonvontion durch eine ähnliche Konvention zwischen England und Rußland gekrönt wurde).
Dann, als der Augenblick näher kam und Iswolski rnd die russischen mMörischen Führer glaubten, sie feiert bereit, wird die Maske völlig entfernt; me russischen Zeitungen sind voll von Prahlereien; Sas Organ des Kriegsmimsters kündigt Rußlands Bereitschaft an; das, was faktisch eine Mobilmachung der ungeheuren Strettfräfte Rußlands ist, beginnt Hefts hn Frühjahr 1914 ratter dem Mantel von Probeversuchm, während der Duma und der Presie Schweigepflicht auferiegt wird; em geheimer Kriegsrat wird in Petersburg aba-hglten, um die Inangriffnahme der „historischen Aufgabe" Rußlands, Konstantinopel ®nb die Meerengen zu nehmen, zu erwägen, welche „unmöglich ist außer durch einen europäischen Krieg"; iie Ermordung des österreichischen Thronfolgers durch serbische Mitglieder der Gesellschaft der Schwarzen stand, die von der russischen Balkandiptomatie Unterstützung erhielt.
Schließlich wird die letzte Karte ausgespielt, die illgemeine Mobilm achung wird amtlich mgeorimet, die nach den Bestimmungen des französisch- russischen Militärabkommens als gleichbedeutend mit ber Kriegserklärung zu betrachten ist.
Dfe Unterstützung der rusi. Politik durch Frankreich.
Und wie war das Verhaken Frankreichs? Die fegen die Regierenden Frankreichs zu erhebende An-
Dagegen waren die Rheinländer um fo empfinfclidjer gegen Mißgriffe von Beamten, Behörden und der Regierung Preußens, die sie als Verstöße gegen die befon- bere Art ihrer Volksseele einer freimütigen Kritik imter« zogen. Fehler sind gleich von Anfang der Vereinigung der Rheinlande mit Preußen hüben wie drüben gemacht worden. Während in Westfalen Freiherr von Stein erfolgreich bemüht war, Persönlichkeiten in die Zentra - Verwaltung zu bringen, die mit der Eigenart der Bevölkerung und den besonderen Bedingungen des Landes vertraut waren, schlug das gleiche Streben mit Bezug auf das Rheinland fehl — zum Teil durch die Schuw der in Frage kommenden rheinischen Persönlichkeiten, die ihren Wohnsitz nicht gern fernab von ihrer schonen Heimat verlegen n Men oder es vorzogen, m ihrem heimatlichen Wirkungskreis zu bleiben, um vor allem im Verkehrswesen sowie im Handel Großes zu leisten auch für ganz PreUßen. „ ...
Der Mangel eines richtigen Verständnisses zwischen Preußen und dem Rheinland war um so bedauerlicher, als große und wichtige Beziehungen zwilchen den alten Kulturlanden am Rhein und den Kolomsationslandern an der Elbe, Oder und Weichsel bestanden. Rhemische Adelsgefchlechter, Kolonisten und Kaufleute haben in hervorragendem Maße dieses große Kolonisationsland im Osten mitschaffen helfen, auf dessen Boden die Grundlagen des modernen Staates in Deutschland äderst gewachsen sind. Man denke auch an den Einfluß Kölns auf die Hansastädte im Elbegebiet. — Staatliche, nicht nur national-kulturelle Gesinnung ist stets vorhanden gewesen im Charakter des rheinischen Volkes, dem die gröbste Beleidigung angetan wird, wenn ihm vom Auslände her diese Eigenschaft abgesprochen wird, um Hoffnung auf Trennung von Rhein und Reich aufzubauen.
Mögen auch die Rheinländer ihre Eigenart stets aufs eifrigfte betont haben, so ging hiermit doch Hand m Hand ihr treues Bekenntnis zum Reiche und zu Preußen. Von Preußen, dem die Rheinlande vieles gaben, haben sie auch vieles empfangen. Ein unvergleichlicher wirtschaftlicher Ausichwung, der sich segnend über das Rhein- land ausbreitete, setzte ein, nachdem dieses als schimmernder Edelstein in die preußische Krone eingefügt worden war. Höchste kulturelle Werte erblühten ihm aus der Zugehörigkeit zu einem straff organisierten, schöpferisch wirksamen Staatskörper, der infolge der Angliederung der Rheinlande zur Vormacht im Norddeutschen Bund und später im Reiche auswachsen konnte.
Nur das eine ist es, was die Rheinländer mit vollem Rechte wollen: Die starke Betonung gerade ihrer kul- turellen Eigenart innerhalb des Rahmen der deutschen Nation. Denn in ihr liegt ihre große historische und immer wirksam bleibende Mission. Die rheinische Kultur ist nicht gewachsen im Gegensatz zu den übrigen Teilen des Reiches, sie ist gewachsen hn Gegensatz zu den west- lichen Grenznachbarn, und wenn auch den Rheinländern eine große Fähigkeit innewohnt für das Verständnis anderer Kultur, besonders für manches Gute in ihnen, so sind dagegen die Rheinlande gerade in dem Leden des Volkes das Bollwerk für alte und große deutsche Kultur.
Im Gegensatz zur Denkungsart Westeuropas hat sich historisch die kulturelle Entwicklung des Rheinlandes ent. faltet; befruchtend und fördernd ist sie nach Norden und Osten gegangen. In rein wirtschaftlicher Beziehung — man denke nur an die Bodenschätze des Rheinlands — ist es ähnlich. Mit den Geschicken Preußens und des Reichs sind die der Rheinlande untrennbar verknüpft. Ihre starken Kräfte kann Deutschland nicht entbehren, wenn es geistig und wirtschaftlich gesunden soll.
Das nie völlig verschwundene Verständnis für die kulturelle und nationale Mission der Rheinlande ist in ganz Deutschland, wie viele Kundgebungen und bedeut- same Stimmen der Presie beweisen, Im stärksten Maße wieder lebendig geworden. Immer enger schließt sich die deutsche Leidens- und Volksgemeinschaft zusammen. Wie vor hundert Jahren ist der Rhein wieder das Symbol für Deutschlands Fr iheit und für die Selbständigkeit deutscher Kultur geworden. Ueber die Augen geht ein Leuchten und eine stille Trauer, wenn man von den Rheintälern spricht, vom Niederwald, Koblenz, dem Drachenfels, Bonn, Köln und all den übrigen mit der deutschen Kultur und der deutschen Geschichte untrenn« bar verbundenen Stätten. Denn jeder fühlt: Am Rhein schlägt Deutschlands Herz. Arn Rhein liegt die Hoffnung seiner nationalen Freiheit und Unabhängigkeit.
stützumg für Rußlands Ueberfall zu sichern, gegen Versprechung einer wohlwollenden Haftung gegenüber
Deutschland Polen Tschecho-Slowakei Kanada
Vereinigte Staaten
Auch hier sicht man, daß der Rückgang in Europa
nicht unbeträchtlich ist. Die Waltrosgenernte wird auf 425 Millionen Dz. geschätzt.
Aus dem Nachbargebiet.
)( GerSfeld. Auf dem Heidel st ein werden wahrscheinlich in den Nächten vom 17. und 23. November wissenschaftliche Sprengversuche vorgenommen. Ein KommandoPiouiere, das hier im Quartier liegt, trifft die Vorbereitungen dazu. (In Fulda hat die Anwesenheit dieser Pioniere zn tollen Gerüchten Anlaß gegeben. D. Red.)
fpd. Oberursel. Ein ungenannter Herr übermittelte oer Bürgermeisterei zur Bekämpfung der Winternot bet der minderbemittelten Levöl« lerung den Betrag von 500 000 Mark.
Zar ttriegrschuld-ßrage.
was ein Engländer dazu sagt.
Im Verlage der Frankfurter Sozietät s d r u ck e r e i G. m. b. H. ist dieser Tage eine Broschüre erschienen, die unter dem Ittel „Das Gift, das zerstört" die Uebersetzung der Schrift des en g l i s ch e n Politikers und Schrif- stellers E. D. Morel bringt. Morel, der den englischen Arbeiterparteien nahe steht, bekämpft darin seinen englischen Landsleuten gegenüber die vom Versailler Vertrag aufgestellte Behauptung von der Alleinschuld DeMsch- lands am Kriege. Wir entnehmen der Schrift mit Erlaubnis des Verlags einen bezeichnenden Abschnitt. Die Schrift, bte 128 M zuzüglich ortsüblichen Sortimentszufchlag kostet, bietet dem deutschen Leser wertvollstes Matertal zu einem festbegründeten Urteil tn der bebeui- samen Kriegsschuldfrage.
Die Zwecke des kaiserlichen Rußland.
< Die herrschenden Elemente des kaiserlichen Rußland haben sott 1909 ständig für einen Boikskrieg gearbeitet, der das erschütterte Zarentum vor der Gesayr einer Revolution retten sollte; einen Krieg zur Auflösung Oesterreichs und zur Erreichung des lang begehrten Ziels, das Konstantinopel und die Meerengen war. Der serbische Nattonaus- mus wurde von Rußland als der Speer benutzt, der in Oesterreichs lebLnswichtige Organe hinemgstrieben wurde, und ein Balkanbunt) unter rusfffcher Leitung sollte zur Zertrümmerung der Türkei dienen. Vorübergehend durch die Ungeduld der Bal- kanftaattn enttäuscht, die in dem vorzeitigen Ausbruch des ersten Valkaickrivges zutage trat („Die Hunde sind aus meiner Koppel entwichen," rief Safonow aus), vorzeitigen, weil Rußland noch nicht bereit war, arbeitete seine Kriegsmaschine von da ab mit fieberhafter Hast, um das Ziel zu erreichen, das nun immer weniger verdeckt wurde: ungeheure Ausgaben für Rüstungen und immer stärkere Drohungen gegen Oesterreich und Deutschland in der halbamtlichen Presse; gleichzeitig emsige Tätigkeit der diplomatischen Maschine Rußlands, mit Iswolski in Paris als dem Haupt, das des Kaif-rrreiches auswärtige Polftik teufte, Und Sasonow, seinen ehemaligen Sekretär, im Auswärtigen Amte; massenhafte SubMerung der fvangösi- schen Presie; Geldzahlungen, Waffenlieferungen und Versicherungen an Serbien: „Für Serbien werden wir alles tun," sage der Zar; Intrigen, um Rumä-
Älgier, Marokko, Tunis ,
Der Rückgang in Europa beträgt in diesem Jahres gegenüber 1921 etwa 18 Prozent. Die Weltweizein-i ernte wird auf 1250 Millionen Dz. angenommen.
Die aus lwn vorstehenden Zahlen ersichtliche Vergrößerung der Kanadischen Weizenproduktion findet — wie gesagt — ihre Begründung in der Ausdehnung der Arwauflächen, die von 6866.000 Hektar im Jahresdurchschnitt 1916-20 auf 9158.000 Hektar hn Jahve 1922 gestiegen sind. Eine verhältnismäßia noch erheblichere Vergrößerung findet man beim Roggenbau in Kanada, dessen Fläche sich im gleichen Zeitraum von 187 000 auf 975 000 Hektar vergrößert hat, eine Vergrößerung, welche die zukünftige Bedeutung des Roagenbcmes in Kanada kennzeichnet, die diese«
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Roman von Clark Russell 21] __________
2lls ich gegessen und getrunken hatte, fühlte ich mich »vnberbar erfrischt und gekräftigt. Nun brauchte ich N^pch trockene Kleider, nach denen ich sofort auf die Suche ging. Die Totenstille um mich her, in die als einziger- Baut das gedämpfte Rauschen der See klang, machte mich ganz sicher 'n der Annahme, daß die drei auf der Lady Gmma Zürückgebli-benen wohl schon von einem vor- überfahrenden «cksiffe gerettet fein mußten. Auch die S: not ■ aaine, tn die ich beim Durchstichen meiner Um« gebuna zunächst geriet, war leer. Einige nautische In- strumente aus dem^ Tische, sowie die beiden Kojen und rT S an hocken hängender männlicher und weib- ltcher Klndungsstucke verrieten mir, daß diese Kabine dem Kapttan ra.d 'einer Frau gehört haben mußte.
Aus dem Wasche- und Äleidervorrat wählte ick mir nun aus, was ich brauchte. 1 1
■ und warm angezogen, als mich
eine Mwiderstehliche Müdigkeit überftel Ich hätte auf her Stelle umfmten und einschlafen mögen, wenn mein Berftanb nur nuyt gejagt hätte, daß es abiolut not- tpenbtg fei, mich erst von dem Zustande des Schiffes zu überzeugen, ehe ich nur Ruhe gönnte
einem’Einern Wtmer in eint?rn lirt.enucn -Ljtcc? itnb cin?r Fivf» —er» _ füllten Kajüte erwachen, l-eß mit das »Blut
erstarren, und mit energischem Ruck di- lähmende schlaf tninkenheit abschüttelnd, flieg ich wieder
oben genauer umzuiehen. '
Fern auf den Wetten trieb schon das Soot, das mich Rerh-rgetragen; doch nur einen flüchtigen Wick schenkte sch der Stätte meiner kaum überstandenen L-iden und Dualen. Meine ganze Aufmerksamkeit gast jevt der Lady vorsichtig vermied ich die stark beschädigte Steuer, «rbfcüc der Reeling mit ihren klaffenden Spalten und
gähnenden Lücken, durch die ich bei dem geringsten Fehl- tritt wieder in die eisige Flut stürzen konnte und tastete mich an der noch unversehrten Hälfte der Schanzkleidung entlang bis zum Vorderdeck. Auch dies bot ein Bild der Zerstörung und Verwüstung. Die Pumpen waren einge. froren, die Boote fortgerissen und der Großmast und der Besanmast wegrasiert. Nur vom Fockmast stand noch ein zwölf Fuß hoher Stumpf. Aber die Steuervorrichtung schien in Ordnung, und die Kombüse war leidlich gut erhalten. Als Seemann fühlte ich zudem an den elastischen Bewegungen der Lady Emma, daß der Wasserstand im Schiffsraum keine besorgniserregende Höhe erreicht haben könne, und beruhigt durch diese Wahrnehmung setzte ich meinen Nundgang fort.
.Ms ich,jedoch durch die halb offene Kombüsentür einen Blick in den dahinter liegenden Raum warf, fuhr ich erschrocken zurück, denn dort auf dem Fußboden lag, lang ausgestreckt, der Leichnam einer Frau.
Die Tot» war einfach gekleidet und schien etwUierzkg bis fünfundvierzig Jahre alt. Sie hatte ein breites, ge- wönhliches Gesicht und eine starke, behäbige Figur. Höchst wahrscheinlich war sie die Frau des Kapitäns; wo aber war er und wo di» junge Dame, die außerdem noch auf der Lady Emma weilen sollte? Lagen sie auch erfroren in anderen Teilen des Schiffes?
. So fchnell ich konnte, eilte ich zum Vorderkastell und rief hinunter. Doch kein Laut antwortete mir. Rasch stieg ich hinab und sah mich um. Ein paar Hängematten, Korkwesten und andere seemännische Habseligkeiten lagen umher oder schwammen in dein leise plätschernden Master, das in unbedeutender Höhe den Fußboden bedeckte und wahrscheinlich von oben durch die offene Luke in den Schiffsraum gedrungen war; ich schloß daher die Falltür, als ich das Vorderkastell wieder verließ. Nachdem ich nach einen vergeblich forschenden Blick über die See gesandt hatte, suchte ich das Achterdeck und die Kajüte wieder auf, denn der Wind blies eisig und durch- schauerte mich bis ins Mark. Jetzt widerstand ich auch dem immer stärker werdenden Schlafbedürfnis nichi
länger; erschöpft streckte ich mich auf ein gepolstertes Ruhebett und war nach einer Minute fest eingeschlasen.
Ms ich wieder die Augen aufschlug, hatte ich die bestimmte Empfindung, daß ich nicht allein sei. Rasch richtete ich mich auf und blickte gerade in das Gesicht eines jungen Mädchens, dessen Blicke mit einem unbeschreiblichen Ausdruck auf mir ruhten. . i
Ich starrte sie an. ।
„Sind Sie — sind Sie — die junge Same?* stammelte ich. '
Da sank sie auf die Knie nieder und sagte schluchzend: „Gerettet! Ich bin ganz allein hierl Tagelang bin ich schon allein! Wo 'st Ihr Schiff? Wo sind Ihre Kameraden? Bringen Sie mich an Deck und auf Ihr Schiff . .*
Der Ton unbeschreiblicher Todesangst, der in ihrer Stimme zitterte, griff mir ans Herz. Ich hob die noch immer vor mi^Kniende auf und drückte sie auf das Ruhebett neben mir.
„Wo ist der Kapitän?" fragte ich,
„Ertrunken."
„Wann?"
„Schon vor langer Seit! Dor sieben ober acht Tagen vielleicht. Ich habe jedes Zeitbewußtsein verloren, feit« dem ich hier allein bin. Aber warum gehen mir nicht an Deck? Geht die See fo hoch, daß Ihr Boot das Wrack nicht verlaflen kann?"
„Mein liebes, armes Fräulein", erwiderte ich mit einem vergeblichen Versuch, in dem trüben Licht und unter der dichten Vermummung von Schals und Tüchern ihre Gesichtszüge deutlich zu erkennen, „wenn ich mit Ihnen das Wrack verlassen könnte, ich täte es sofort, aber ich bin ein ebenso hilflos Verschlagener wie Sie. Wir brauchen aber nicht zu verzweifeln. Ich hoffe uns beide zu retten. Das Schiff ist stark und seetüchtig und vermag den Wellen noch lange Seit Widerstand zu leisten. Wer ist die Tote in der Kombüse?"
„Die Frau des Kapitäns."
„Woran ist sie gestorben?"
„Sie wollte ihrem Manne helfen, eine Laterne am ■ jgjpriet zu befestigen. Er glitt habet auf rmh M Über
Bord. Ms ich an Deck kam, um die Beiden zu suchen, fand ich Mrs. Burke mit gebrochenem Dein am Boden liegen. Sie konnte sich nicht rühren, und ich war zu schwach, sie in die Kajüte zu schaffen; es gelang mir nur, sie bis in die Kombüse zu schleppen, damit sie wenigstens nicht unter freiem Himmel liegen blieb. Die ganze Nacht wich ich nicht von ihrer» Seite und rief unaufhörlich ihren Namen, doch sie hörte mich nicht und verschied, ohne daß ich ihr helfen konnte. Ms ich sah, daß sie ousgefitten hatte, kroch ich in die Kajüte und bin seitdem nur dreimal an Deck gewesen, um nach einem Schiff auszuspähen. Doch es schneite ununterbrochen, und ich sah nichts als wirbelnde Flocken. Es war zum Wahnsinnigwerden . ."
In tiefem Mitleid blickte ich sie an Es schien mir ein Wunder, daß dieses zarte junge Weib in der fürchterlichen tagelangen Einsamkeit auf dem treibenden Wrack, in der schneidenden Kälte und der endlosen, nur von kargen Zwielichtstunden unterbrochenen Finsternis der Polarnacht nicht wirklich den Verstand verloren hatte.
„Sie haben wenigstens nicht hungern müssen?" {ragte ich
Sie deutete auf die Speisekammer. „Wenn es Tag wurde, holte ich mir von dort etwas zu essen und z» trinten und nahm auch einen kleinen Vorrat mit in meine Kabine. Aber wo ist Ihr Schiff? Wo sind Ihre Kameraden? Lasten Sie uns doch an Deck gehen, damit ich Ihr Boot und Ihre Leute sehe."
Die Aermste hatte noch nicht verstanden! Ich durste sie nicht mehr länger in Ungewißheit lassen. Rasch erzählte ich ihr meine Leidensgeschichte, von der Aufnahme der Schiffbrüchigen an Bord des Planter bis zu den» Augenblick, als sie mich hier in der Kajüte schlafend saufe Sie lauschte schweigend und schien den Sinn meine» Worte nur langsam zu fasten; als sie aber endlich begriff, daß ich nicht als der rettende Engel gekommen war, für den sie mich gehalten hatte, schlug sie mit markerschütterndem Aufschrei die Hände cors Gesicht und brach in unaufhaltsames Schluchzen aus.
IFortsetzung folgt.)