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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadl Fulda.

fir. 260.

tierantiDortlict) für feen leaauioncUen Teil: Dr. I. Kramer. - für die Anzeigen: I. Parzeiler-Fulda. ~ Notatimisdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. ~emfrre*er Nr. 9. fßoftWrf ■ Konto 4051 Frankfurt a. M.

Samstag, 11. November 1922.

Bezugspreis: Monatlich 150 Mk. Zustellgebühr extra. :: Abgeholt in der Geschäftsstelle 146 Alt. ::

Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 10 Mk., ausw. 12 2Nk. Neklamezei'e (Tert breitet nach Colone'maß 36 Mark.

49. Zahrg.

Kritische Tage.

Es ist kennzeichnend für die heutige Sage, wenn das Blatt Stegerwalds, „Der Deutsche" schreibt, die Reichsregierung solle nicht überschsn, daß sich allmäh­lich in der Masse der Bevölkerung eine Stimmung breit mache, die der des imseligen Sommers von 1918 unheimlich AMich sehe. Auch wer weniger schwarz sicht, kann sich über den ungeheuren Ernst der gegen- iwärtigen Lage keinen Illusionen hingeben.

Der Wortlaut der verschiedenen Noten, die während Ler letzten Berliner Verhandlungen zwischen Reichs- regierung u. Reparaticm-kaMmission ausgelauscht wor­den sind, ist inzwischen zur Veröffentlichung gelangt. Auch diese Noten hinterlassen den schmerzlichen Eindruck, daß eine schnelle Wendung zum Besseren unwahr­scheinlich ist und daß jeder großzügigen Lösung der Probleme sich noch gewaltige Hindernisse entgegen- türmen, die das deutsche Volk noch lange in Not und Sorge halten werkten. Jede Hoffnung braucht aber deshalb noch lange nicht begraben zu werden. Nach einer Information des „Berliner Lokalanzeigers" wird die Reparationskommission be­reits am Montag sich mit den deutschen Vorschlägen be- fassen. Das Blatt nimmt an, daß bereits Mitte der nächsten Woche die

Entscheidung in Paris fallen werde. Der „Vorwärts" will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die deutschen Vorschläge auf die maßgebenden Mitglieder der Reparationskom­mission einen nicht ungünstigen Eindruck ge­macht hätten. Wenn auch vereinzelt noch konkretere Pläne gewünscht worden wären: alles in allem könne man sagen, daß der Aufenthalt der Kommission in Ber­lin zum Mindesten die

Möglichkeit einer Verständigung gezeigt habe.

Die trotz solcher Urteile sorgenvolle Betrachtung der Lage findet ebne Verstärkung durch die

lnnerpolitischen Probleme,

-re sich jetzt erneut in den Vordergrund schieben. Ver- lrner Blätter deuten an, daß solche innerpolitische Fra­gen nach der lllbreise der ReparationsEommission nicht weiter hinausgeschoben werden könnten. Nach dem „Lokalaiizeiger" wird in politischen Kreäsen jetzt oft die Frage erörtert, ob eine

Erweiterung der Regierung

Mich rechts im Augenblick denkbar sei. Auch die Ar- beitsgemeinschaft der Mitte, die die Verhandlungen mit der NeParationskommrssion besprach, erörterte die MSg- Wett einer Regierungsumbildung. Eine sozialdemo­kratische ParlamMtskorrespondenz will sogar wissen, oaß man sich dahin verständigt habe, in der am Diens- teg beginnenden großen politischen Reichstagsdebatte übereinstimmend eine Erweiterung der Re- titenmg zu fordern.

Wie schwierig diese Erörterungen aber sein wer­den, erkennt man schon, wenn man im „Vorwärts" einen Leitartikel liest, der sich mit einer

Rede des Herrn Stinnes

befaßt, die der Großindustrielle im Anschluß des Reichswirtfchaftsrates gehalten habe.

Stinnes soll sich, wie das Blatt schreibt, in den heftigsten Ausdrücken

gegen die Roke der Reichsregierung

«u die Reparationskommission und gegen die Gut­achten der ausländischen Finanzsachverständigen gewandt und die Ersetzung des Achtstundentages durch eine zehnstündige Arbeitszeit ge­fordert haben. Der „Vorwärts" glaubt aus den Ausführungen Stinnes dm Schluß ziehen zu dürfen, fen, daß er als Wortführer der Schwerindustrie unter keinen Umständen eine Stabi-

Im Eismeer-.

Roman von Clark Russell.

20] :

Wir suhlten, daß wir in fünf Minuten erstarrte Lei­chen fein mußten, wenn wir noch länger im Wasser blieben. Mit der Kraft der Todesangst gelang es uns in kurzer Zeit, das Boot wieder aufzurichten. Durch eine unvorsichtige Bewegung aber schlug einer meiner Gefährten dabei mit dem Kopf hart gegen den Boets- kiel und versank lautlos in die Tiefe; wir beiden anderen schwangen uns mit letzter Kraft in das Boot, wo wir erschöpft niedersanken.

Bald aber zwang uns der Selbsterhaltungsttieb, das Immer wieder m das Boot hereinschlagende Wasser aus- zuschopfen. Glücklicherweise fand ich einen großen kupfer­nen Schöpfeimer, der an einem Taljereep festgebunben war, mein Kamerad half fleißig mit seinem Südwester, und so hielten wir uns notdüsttig über Wasser. Ver­gebens aber strengten wir unsere Augen an, um eine Spur des Planier zu entdecken. Das dichte Schneege­stöber verhinderte leben Ausblick, und nur, wenn ein gelegentlicher Windstoß den tollen Wirbel ein wenig Wete, sahen wir von fern den Wimpel der Boje flat­tern, m deren Nahe wir das Schiff vermuteten

Nachdem wir eine Welle mit der Kraft und Aus­dauer der Verzweiflung gearbeitet hatten, ließ mein Gefähtte ermattet seinen Suo wester sinken und sagte-

„Wenn man uns nicht bald zu Hilfe kommt, Sslbn, dann ist's aus mit mir." '

„Mensch, nimm Dich zusammen! Wir müssens 's Boot flott hallen!" 11

Endlich gelang es uns nach verzweifelten Bemühun­gen, bis auf einen unbedeutenden Rest alles Wasser aus | dem Boot zu schöpfen. Mehrere Stunden waren Der. ! strichen, und ich begann die Hoffnung auf Rettung auf- ' zugeben. Mein Kamerad stöhnte und jammerte fort­während.

Auch meine Leiden waren unbeschreiblich. Ich roGr bis auf die Haut durchnäßt und meine steif gefrorenen

lisierung der Mark wolle und schreibt: „Die politische Situation ist jetzt klar. Mit Stinnes gibt es

keine gemeinsame Arbeit, sondern nur s ch ä r f st e r K a m p f gegen ihn. Das gilt nicht nur für Sünnes, sondern für alle, die ihm politisch hörig sind.

Damit wird der großen Koalition, die doch allein für Deutschland Rettung verspricht, kein günstiges Vorzeichen gestellt.

Die kommende Rrichstagssitzung.

Der Reichstag beginnt die große politische Debatte, die sich mir der Stabilisierung oerMark und mit den Verhandlungen mit der Reperations­kommis jion beschäftigen wird, durch eine Er- klärun g der Reichsregierung am Dienstag nachmittag um 1 Uhr. Äm Montag findet bereits eine Plenarsitzung um 3 Uhr nachmittags statt, in der kleineGesetze beraten werden. Am Montag abend werden die Fraktionen zu den großen polittschen und finanziellen Fragen Stellung nehmen. Der Aus­wärtige Ausschuß wird sich hiermit bereits am Freilag vormi tag beschäftigen.

MlMiiiiWit unö WenIMmM

In der Sitzung der Reparationskommission über die deutschen Kohlenlieferungen gab Geh. Ober­medizinalrat Dr. K r e h n e vom preußischen Wohl­fahrtsministerium Erklärungen über die ernste Be­drohung der deutschen Volksgesundheit durch die wachsende Kohlennot ab. Die Sterblichkeit, die neuerdings wieder ansteige, sei in der Hauptsache auf eine bedenkliche Vermehrung der Erkrankungen und Todesfälle an Erkältungen zurück,zusiih- ren. Es sei erforderlich, namentlich den unbemit­telten Volksschichten im kommenden Winter mehr Kohlen zu liefern, da sie nicht mehr in der Lage seien, den notwendigen Bedarf an Fett dem Kör­per zuzuführen und deshalb Erkältungen in be­sonderem Maße ausgesetzt seien. Unter diesen Um­ständen würde eine Mehrlieferung von Kohlen an die Entente unabsehbar gesundheitliche Gefahren mit sich bringen.

Frankreichs Aimektionspolitik.

Reue Anschläge auf das Ruhrgebiet.

Im französischen Senat begründete Senator Hubert eine Interpellation über die Durch­führung einer planvollen Repara­tionspolitik im Ruhrgebiet. Er sagte, der Friede Europas hänge vor allem von dem Frieden zwischen Deutschland und Frankreich ab. So sehr man ihn auch wünsche, könne ihn Frank­reich doch nicht mit seiner Ehre und seiner Pro­sperität bezahlen. Erst dann könne man Konzes­sionen machen, wenn die Sicherheit Frank- re ich s gewährleistet sei und wenn man Frankreich bezahlt habe, was man ihm schulde. Solange dies nicht geschehe, könne man weder auf Garantien noch auf Reparationen verzichten. Hinsichtlich der Garantien sei zu bemerken, daß Frankreichs am Rhein stehe, hinsichtlich der Reparationen, daß es ein wirkungsvolles Pfand habe, das Ruhrgebiet. Er glaube nicht, daß man sich wegen einer zu raschen Eoiekulierung des linken Rheinufers von franzö­sischen Soldaten ängstigen müsse, denn Deutschland sei noch nicht bereit, zu zahlen. Die „Wacht am R h e i n" sei augenblicklich eine strategische und moralische Notwendigkeit für Frankreich. Die Garantien,' die der Völker­bund geben könne, seien Zukunftsmusik, denn augenblicklich erkenne man nur ein Deutsch­land der Revanche und ein Mysterium: Rußland. Er billige die Rheinbesetzung und einen Druck auf die großen Industrie Magnaten Deutschlands. Diese müsse man zwingen, nicht wieder persönliche Politik zu treiben. Frank-

Kleider trachten bei jeder Bewegung wie splitterndes Glas. Die Innenflächen des Bootes und die Ruder­bank, auf der ich faß, waren mit einer zolldicken Eis­kruste überzogen und spiegelglatt. Trotz unserer hoff­nungslosen Lage aber fühlte ich noch bedeutend mehr Lebensmut und Widerstandskrast in mir als mein un­glücklicher Leidensgenosse, der plötzlich, als eine Welle das Boot hoch emporhob, vorniiberfank, tief auffeufzte und erstarrt liegen blieb.

Ich konnte ihm nicht helfen. Womit hätte ich seinen regungslosen Körper erwärmen können! So mußte ich, selbst ein mit dem Tode Ringender, den einzigen Ge­fährten in dieser fürchterlichen Einsamkeit vor meinen Augen sterben sehen. Neben seiner starren Leiche wartete ich auf den Tod.

Zehntes Kapitel.

Das Wrack.

Im dichten Schneegestöber trieb das Boot dahin. Von Minute zu Minute wurde die furchtbare Kälte un­erträglicher — mir war, als erstarre mir das Mark in den Knochen. Ich zog den Oelrock meines unglücklichen toten Kameraden an, um wenigstens etwas mehr Schutz zu haben. Dann schöpfte ich mit unendlicher Mühe — meine Glieder waren fast bewegungsunfähig — stunden­lang das immer neu eindringende Wasser aus dem Boot

Es schneite ununterbrochen bis zum Abend. Erst mit Anbruch der Dunkelheit klärte das Wetter sich ein wenig auf, so daß ich auf einige Entfernung hin die See überblicken konnte. Aber so angestrengt ich auch spähte und in die Finsternis starrte, es war weit und breit keine Spur von dem Schiffe zu entdecken. In Verzweiflung warf ich mich endlich wieder auf die Ruderbank hin, dumpf vor mich hinbrütend . . .

Jahre und Jahre lang schien mir die Nacht zu । dauern. Nach unbeschreiblichen Dualen sah ich endlich den Morgen dämmern. Meine Glieder waren jeder Bewe­gung unfähig: nur noch mechanisch folgte mein Körper den Schwankungen des Bootes. Ich hatte das Gefühl, als sei ich von Glas und müsse bei jeder rauben Be­rührung zersplittern.

reich habe die Mittel in der Hand, ihre Interessen mit denen ihres Vaterlandes zu verbinden. Hierzu genüge es, d as Industriegebiet durch eine Zollinie in zwei Teile zu teilen. Da­durch übe man einen Druck aus — und — wenn notwendig, könne man auch dadurch zu Einnahmen gelangen.

Deutschland und Rußland.

Beim Empfang des deutschen Botschafters in Mos­kau hat der Präsident des Zenttal-Exekutio-Komitees Kalinin, der in Moskau jene repräsentative Würde bekleidet, die etwa mit der des Reichspräsidenten zu vergleichen ist, von Deutschland als einer befreun­deten Macht gesprochen. Seit Kriegsende ereignete sich damit zum ersten Mal der Fall, daß eine maß­gebende europäische Macht öffentlich feststellen ließ, daß ihr die deutsche Freundschaft wertvoll sei. Der deutsche Botschafter Graf Brockdorff-Rantzau wurde bei seinem Besuche des Kreml zur Uebergabe seines Begkaubi- gungsschreibens auch von einer Ehrenwache em­pfangen. Der Volkskommissar für auswärtige Ange­legenheiten Tschitscherin wohnte dem Empfange des Grafen durch Kalinin bei. Me Moskauer Zeitungen betonen mit Genugtuung, die Tatsache, daß das Reich zum ersten Male in Sowjetrußland durch einen be- vollmächtigten Botschafter vertreten sei, bedeute die völlige Wiederherstellung der seit 1918 unterbrochenen diplomatischen Beziehungen.

Die Lage im Orient.

Aus Konstaninopel wird gemeldet: Mitt­woch abend haben zwischen RifaatPascha und den alliierten Generälen Besprechun­gen stattgefunden. Es soll eine Entspannung eingetreten sein und man hofft, ttotz einiger blu­tigen Zwischenfälle, zu einem befriedigenden Er­gebnis zu gelangen. Die Besprechungen werden

Melaus Sofia gemeldet wird, hat die bul­garische Regierung die Alliierten um Zulassung zu den Lausanner Friedensverhand- lun gen gebeten, nicht nur zu den Verhandlungen bezüglich der Meerengen.

Wahlen in Amerika.

Es bleibt eine republikauifche Mehrheit.

Nach einer Havasmeldung aus Newyork ist die republikanische Mehrheit im Senate nicht be­droht, obwohl die Republikaner 6 Sitze verloren haben. Von 35 zur Wahl stehenden Kandidaten haben die Republikaner 11, die Demokraten 19 er­halten. In fünf weiteren Wahlkreisen sind bis jetzt die Demokraten an der Spitze. Im gegenwär­tigen Senat beträgt die republikanische Mehrheit 24. Unter den Geschlagenen befindet sich der Ur­heber des neuen Zolltarifs, Senator Mac Cum- b e r, ebenso der Urheber des Alkoholverbotes, das Mitglied des Repräsentantenhauses Volstad. Auf diese Weise erlitten die beiden Urheber der­jenigen zwei Maßnahmen, die den Umschwung in der öffentlichen Meinung hervorgerufen haben, das gleiche Schicksal.

Kus dem besetzten Gebiet.

fpd. Französische fiafernenbaulen. Die französische Garnison in Höchst läßt gegenwärtig auf deutsche Ko­sten im Stadtteil Oberfeld Kasernen aufsühren. Der A u s- bau der Straße in das Kafernenqelänb^ erfordert allein 33 Millionen Mark. Für den Kasernenbau sind als erste Rate 150 Millionen Mark ausgeworfen. Nach dem heutigen Geldwert erfordert der ganze Kaser­nenbau etwa 1% Milliarde Mark.

Gespenstisch blickte das Antlitz des Toten zu mir auf. Um feinen Körper gurgelte und spritzte das einleckende Wasser, gefror allmählich zu Eis und spießte die Leiche wie mit kristallenen Nägeln an den Boden des Bootes. Ich konnte den Anblick nicht länger ertragen und ver­suchte, den Toten über Bord zu werfen. Aber meine Arme waren kraftlos und wie gelähmt. So gab ich es denn auf.

Da Plötzlich — ich fchrie gellend auf. Als eine Welle das Boot hoch emporschleudette, hatte ich, gerade voraus in unbestimmten Umrissen einen dunklen Schatten ge­sehen, der sich regelmäßig hob und senkte. Mit bren­nenden Augen starrte ich hin. Immer bestimmter tauch­ten die plumpen Formen des rätselhaften Gegenstandes aus den Fluten empor, und jetzt erkannte ich mit einem Freudenschrei — der ungefüge Körper, der mir dott langsam und schwerfällig entgegenschwankte, war kein Trugbild, sondern — ein Schiff — ein Wrack . . . das von uns jo lange vergeblich gesuchte Wrack der Lady Emma!

Me Gewißheit durchzuckte mich wie ein elektrischer Schlag und verlieh meinen Gliedern plötzlich Bewegungs­fähigkeit und ungeahnte Kräfte. Was ich vorhin ver­geblich versucht hatte, das gelang mir jetzt mit Leich­tigkeit: ich konnte mit starkem Schwünge den schweren Körper meines toten Gefährten über Bord schleudern und die beiden festgefrorenen Reserveruder unter den Bänken losmachen.

Eine schwere Welle warf mich beinahe über Bord, als ich ausiecht dastand und versuchte, die schweren Ruder einzusetzen: mehrere Male war das Boot nahe am Kel­tern. Endlich gelang es mir, das harte Eis von den Ruderpflöcken wegzustoßen, und mit der Kraft der Ver­zweiflung ruderte ich vorwärts. Immer näher kam ich dem Wrack. Nun war ich in nächster Nähe. Ich riß mir die Oelkieider vom Leibe, um im Notfall schwimmen zu können.

Da — mein Doot prallte mit dumpfem Krach gegen den Bug der Lady Emma an. Blitzschnell schlang ich meine Fangleine um die Ankerkette und irftwang mich mit

Kurland.

* Konrad v. Hohendorfs 70. Geburtstag. Der oberste Führer der österreichisch-ungarischen Truppe« im Weltkriege, Generalfeldmarschall Konrad v. Höhe ndorf, vollendet am 11. November d. I. in voller geistiger und körperlicher Frische sein 70. Lebensjahr. Marschall Konrad wohnt in Innsbruck. Er wird wohl immer als einer der bedeutendsten Feldherrn des Weltkrieges zu gelten haben, wenn ihm auch das Schicksal verwehrt hat, Erfolge seiner strategischen Ideen zu sehen. Nach Erfolgen allein ist aber die Bedeutung eines Mannes nicht zu messen. ____ _______

Einkommensteuer-Reform.

Bis 400 000 Mark 10 Prozent Steuer.

Der Reichsrat nahm die von der Negierung ein- gebrachte Novelle zum Einkommensteuer­gesetz gegen die Stimme Thüringens an. Die Vor­lage enthält u. a. folgende Abänderungen des geltenden Gesetzes für das Jahr 1923:

Tie Grenze des steuerbaren Einkommens, für das nur 10 Piozent zu erheben sind, wird auf das vier­fache erhöht. Die allgemeine Einkommensteuer ermäßigt sich um je 2400 Mark für den Steuer­pflichtigen und dessen Ehefrau, wenn das steuerbare Einkommen nicht mehr als 400000 Mark benagt und um je 4800 Mark für minderjährige Kinder. Außerdem sind besondere Ermäßigungen für Steuer­pflichtige über 60 Jahre vorgesehen, deren Ein­kommen 200 000 Mar! nicht überschreitet. Für 1922 ist in der Regierungsvorlage lediglich der allgemeine Steuertarif etwas ermäßigt worden. Der Betrag, bis zu dem die Steuer nur 10 Prozent beträgt, ist von 100 000 auf 250 000 Mark erhöht worden. Die Abzüge von der allgemeinen Einkommensteuer für 1922* faßen betragen je 340 Mark monatlich für den Ehemann und die Ehefrau und je 610 Mark für jedes Kind.______________

v KniÖing int bayerischen Landtag.

Der bayerische Landtag trat am Donnerstag zur Entgegennahme von Mitteilungen des Ministerpräsi­denten Dr. v. Knilling über die Zusammensetzung des neuen Kabinetts zusammen. Der neue Ministerpräsident teilte u. a. mit, daß er die bis­herigen Ressortminister in sein Kabinett übernommen habe, nnd daß die Besetzung des Handelsministeriums demnächst erfolgen werde. Widerspruch gegen die Zusammensetzung erfolgte seitens des Landtages nicht. Der Ministerpräsi­dent legte dann in längeren Ausführungen sein Programm dar. Er betonte die Reichstreue Bayerns. Aber Bayern müsse seine übernommenen Rechte verteidigen. Der Ministerpläsident sprach sich ferner für gute Beziehungen zum Vatikan und für weiteren Ausbau der bayerischen Landesver­fassung, für baldige gesetzliche Regelung des Bei- fahrens wegen Volksbegehren und Volksentscheid und für eine Entscheidung über die Forderung nach Schaffung eines Staatspräsidenten aus. Gegen jeden Versuch eines gewaltsamen Umsturzes werde er mit aller Entschiedenheit umerschiedslos sich wenden.

Sozialer.

— Lin Reichzwshlsahrtrgesetz. Im Hauptausschuß des preußischen Landtages wurde von den RegierungS- vertretern mitgeteilt, daß für die Kleinrentner bisher aus Reichs- und preußischen Mitteln 556 Millionen Mark aufgewendet wurden. Es falle ein Reichswohl, fahrtsgesetz eingebracht werden, das für den Unter- stutzungswohnsitz, für die Armenfürsorge und für die Fürsorge für Klein- und Sozialrentner einen einheil» heben gesetzlichen Rahmen schafft.

einem gewaltigen Satz an Deck. Unmittelbar darauf flieg das Wrack mit jähem Ruck wieder aus den Fluten em. per, und ich rollte mit solcher Geschwindigkeit über die glattgefrorenen Deckplanken, daß ich unfehlbar den Hals gebrochen hätte oder auf der anderen Seite des Schiffes durch die Lücken der Reeling wieder ins Wajfer gestürzt wäre, wenn nicht im letzten Augenblick der zersplitterte Maststmnpf mir einen Halt geboten hätte. Aus allen Vieren kroch ich vorsichtig weiter.

Ich war halb wahnsinnig vor Hunger, Durst und Kälte und dachte nur an ein warmes Eckchen, einen Bis­sen Brot und einen heißen Trunk. Kein menschliches Wesen war zu sehen Die Kajütentür war geschlossen und fest eingefroren — sie mußte längere Zeit nicht geöffnet worben sein. Mit meinem Taschenmesser löste und kratzte ich bas Eis aus ben Fugen, öffnete den Eingang und stieg die Treppe hinab, nachdem ich die Tür hinter mir wieder angelehnt hatte.

Nach der ichneibenben Kälte draußen und dem ein­tönigen Rauschen der Wellen an den Bootswänben durch­strömte die verhältnismäßige Wärme und Stllle hier unten mich mit unnennbarem Wohlgefühl. In der Kajüte herrschte unbestimmte Dämmerung, denn auf der Lichtöffnung an der Decke lastete eine dicke Schueeschicht. Ms meine Augen sich an das Dunkel gewöhnt hatten, erkannte ich, daß ich mich in einer kleinen, behaglich ein, gerichteten Wohnkabine befand.

In einem Holzgestell, bas ben Besanmast umschloß, bemerkte ich einige Weinkaraffen. Sofort setzte ich eine an bie Lippen unb löschte meinen Durst in vollen Zü­gen, ohne baß meine ausgebörrte Zunge zu unterschei­den vermochte, was ich eigentlich trank. Dann sah ich mich nach etwas Eßbarem um unb fand nach kurzem Suchen die Speisekammer, die mit Käse, Schiffszwieback, Fleifchkonserven unb Marmeladen reichlich versehen war. Mit Wolfshunger fiel ich über die Vorräte her und unterbrach mich beim Kaue, unb Schlingen nur, um bi# Meile Weinkarasfe zu leeren.

iFortsetzung folgt.)