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uldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

Nr. 259.

Verantwortlich für Öen ceOnatonsUen Teil: Dr. 3. Kramer.

2 für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulöa. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, fternlpredier Nr. 9. Postsckeck - Konto 4051 Frankfurt a. M.

Freitag, tO. November 1922.

Bezugspreis: Monatlich 150 217”. zugestelb frei ins Haus. ~ Abgeholt in der Geschäftsstelle 145 ZRL •: Anzeigen: Kleinzeile noch Colonel 10 21«.; ausro. 12 2!if. Rekiomezeile (Textbreite! nach Colonelmaß 36 War?.

49. Zahrg.

Vor allen Dingen aber übersehen Re. die heute mit glänzenden Augen nach Italien blicken, daß das Faf- zrstenrmternshmien durchaus noch ein Experiment dar- stellt, vo-n dem man nicht weiß, wie tmb ob es zum

Das Suchen nach Rettung

Gutachten und neue Vorschläge.

Das deutsche Volk auf schwieriger Geduldsprobe.

®sn ganzen Tag über hielten wir bei leidlich klarem Wetter scharfen Ausguck und sichteten mehrere Eisberge, doch keine Cour von der Lady Emma. Bei Beginn' der Dunkelheit refften wir alle Leinwand bis auf zwei Toppsegel, und langsam schob sich der Planier durch I die stark, aber gleichmäßig von Westen her rollende I Dünung.

I Ich vermutete, daß der Kapitän der Lady Emma eine I Signallaterne an seinen Fockmaststumpf hängen werde, doch vergeblich durchforschten meine Augen die dunkle Wasseroberfläche nach einem glimmenden Lichtfünkchen. Während der langsam verrinnenden einsamen Stunden | der Wache hatte meine Einbildungskraft Muße genug, I sich die verzweifelte Lage der drei auf dem Wrack Zu- I rückgebliebenen auszumalen.

। Auch unser Schiff mußte sich setzt in tiefer Finsternis seinen Weg durch die Wasserwüste bahnen. Allein über meinem Haupte wußte ich noch das luftige Gefüge aus Masten und Raaen, aus Tauen und Segeln in guter Ordnung, und in das matte Schneelicht mischte sich der trauliche Schein der Decklaternen, leuchtete der Schimmer der Kompasscheibe.

3ene Aermsten aber trieben in ihrem zerstörten Wrack wie in einem schwimmenden Sarge . .. .

Sei Tagesanbruch bewölkte sich der Himmel, und als ich nach ein paar Stunden Schlafes durch das Deckfenster spähte, verschleierte dichtes Flockengewirbel jede Fernsicht. Weiß wie ein Schneemann betrat gleich darauf der Ka­pitän die Kajüte:

»Keine Spur von der Lady Emma und keine Aus- sicht, das Wrack zu finden, so lange das Wetter sich nicht aufklärt."

»Wir werden hier noch lange kreuzen müssen, wenn Sie die Absicht, das Schiff zu suchen, nicht bald aufge­ben,' erwiderte ich.

„2as kann ich nicht verantworten," versetzte Mr. Parry ernst. „Und wenn es mich auch eine ganze Woche toften sollte, so will ich doch nichts unversucht lassen, um die drei Unglücklichen dem Verderben zu entreißen."

Ms ich an Deck kam, empfing mich ein Hagel körni­gen Schnees, den der eisige Wind mir ins Gesicht peitschte. Kamerad Newman stand, in selbes Oelr^--

des Fahrzeug abzuwarten, um sich von ihm ins Schlepp­tau nehmen zu lassen.

Der Mannschaft jedoch schien diese Rettungsaussicht zu unsicher. Sie benutzte die erste Gelegenheit, das Sana» boot auzurüsten, um unserem in der Ferne gesichteten Segel nachzueilen. Der Kapitän, feine Frau und eine junge, vornehme Dame, die als Passagier die Reise mit­machte, waren an Bord zurückgeblieben, doch nicht durch die Schilld der Leute, denn diese hatten den SchifsZ- suhrer und feine Angehörigen mehrfach vergeblich chch , gefordert, sich ihnen anzuschließen.

Die Mannschaft im Boot hatte unsere Bar? bald aus den Augen verloren gehabt, machte dann vergebliche Versuche, das Wrack wieder zu gewinnen, und trieb zwei Tage und zwei Nächte auf dem Meere umher Am dritten Morgen erreichte sie uns — noch eine Nacht im offenen Boot hätte zweifellos niemand mehr lebend überstanden.

„Wo mag das Wrack sich jetzt wohl befinden?" fragte Kapitän Parry. °

Ich überlegte einen Augenblick, zog die Windrichtung und die Segelgeschwindigkeit des Bootes in Betracht Und meinte dann nach kurzer Berechnung:

„Etwa 150 Meilen nach West-Süd-West."

„Ich schätze die Entfernung noch größer," erwiderte Mr. Parry.

„Sie mögen recht haben, Kapitän."

Wie's auch fei, es ist unsere Pflicht, das Schiff zu üchen. Drei Menschen sind an Bord, zwei davon grauen. Die eine soll sogar die Tochter eines englischen Baronets fein."

Wir änderten unseren Kurs und gingen auf die Suche nach der Lady Emma. Die Haupffchwierigkeit dabei lag in der außerordentlich kurzen Tagedauer so- wie in dem Umstande, daß es sich nicht um ein Nollschisf unter Segel, sondern um ein niedriges, entmaftetes Wrack handelte, das unseren Bücken bei Nacht ober in der Dämmerung leicht entgehen konnte. Unser Unternehmen war dennoch keineswegs aussichtslos. Das Wrack wies' wie die Leute der Lady Emma bestätigten, noch kein Leck auf und war überdies mit Lebensmitteln und Feuerung reichlich versehen, so daß die drei Zmückgebliebenen ihr Leben noch lange Seit fristen konnten.

Eine Binsenwahrheit, die man jeden Tag an allen Ecken, namentlich beim Ans ammentreffen mit Leuten, die Stammtische besuchen, bestätigt findet, ist es, daß das deutsche Volk in feiner Mehrheit Politik nur m it de m Gefühl zu treiben versucht. Man übersieht voll­ständig die realen Tatsachen, die unser Handeln mit Gewalt bestimmen und empfindet allein nein gefühls- knaßig die Schwierigkeiten unserer gegenwärtigen Lage. Mau erinnert sich wehmütigen Herzens der Zeit, wo das Brot noch 50 Pfennig kostete und der Zentner Briketts 90 Pfennig, legt mit tiefer Verbitterung heute für die gleichen Bedarfsartikel 100 und 435 Mark auf den Tisch und vergißt tetei vollkommen, was alles dazwischen liegt. Ein verlorener Krieg und ein Friedensdiktat, dessen Auswirkungen all unser Geschehen zwangsläufig, mit rücksichtsloser Bru­talität bestimmt hat. Kein Mensch, keine Regie­rung und keine Stacttsform, wie sie auch immer heißen mögen, hätten daran etwas zu ändern vermocht.

Daß auf solche, durch die Rot mürbe gemachten Ge­müter und auf solche rein gefühlsmäßige Einstellung SU dem Weltgeschehen die Vorgänge in Italien, wo der Faszismus plötzlich zur Herrschaft gelangt ist, nicht ahne Eindruck bleiben formen, ist verständlich, und man hört denn auch vielfach heute im Vclk dahin ar­gumentieren, daß wir das, was die Italiener können, und was die Türken vor ihnen gekonnt haben, ebenso gut nachmachen könnten und sollten. - Das Ro­mantische der ganzen Bewegung, schwarze Hem-den, schwarzer Fez, flatternde Fahnen und jubelndes Volk üben einen solchen Einfluß aus, daß die gewaltigen Un^rschieide, die zwischen uns und Italien bestehen, auch nicht in die geringste Rücksicht gezogen werden. Swht man von der Türkei ab, die nur mit dem Wohl­wollen und zum Teil der Hilfe Frankreichs den Ver­wog von Sevres zerstören konnte, so sind zunächst schon d:e Unterschiede, die unsere außenpolitische Lage von der Italiens trennen, doch in die Augen springend. Italien ist im Bunde der Entente siegreich aus dem Weltkrieg hrroorgegarigen, hat seine Grenzen erweitern und seiner Wirtschaft gewaltige Kriegsemschädigungen Mähren können. Wir dagegen haben den Krieg ver­loren, mußten große, und gerabe die wirtschaftlich wich- ügsten OebKte abgeben und sind mit der Last der Kriegsenffchädioungen und Reparationen fast erdrückt worden. Außerdem hemmt und reglementiert der Ver­trag von Versailles jede Regung unseres staatlichen Lebens. Wollten wir in Deutschland eine derartige gewaltsame Umstellung unserer Verhältnisse vornehmen, so wäre die erste Folge terEinmarschderFran- 3 o s e n in das Ruhrrevier und der Zerfall der derck- jchen Reichseinheit.

Aber auch inn e r poli ti f ch sind unsere Ver- hältniffe von denen Italiens grundverschieden. In Italien konnte der Faszismus nur seinen Sieg erringen weil die Arbeiterschaft durch Spaltung sich selbst geschwächt hat. Die Sozialisten haben"sich, nach ihrem letzten Kongreß in Rom, in Revisionisten, „Maximalisten" und Kommunisten geteilt. In Deutsch­land dagegen Hot sich ein großer Teil der Arbeiterschaft durch den Zusammenschluß der beiden sozialdemokrati­schen Parteien wieder zusarqmengeMden und hat so an Stärke erheblich zuMnomimn. Danebenher aber besteht noch eine Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Parteien, die durchaus gewillt und bereit ist, mit den Sozialisten gemeinsam an den Aufgaben des Staates und Volkes zu arbeiten.

die Verhältnisse Italiens (das Budget hat ein Defizit von fast 7 Milliarden Lire und die Lire HÄ nur noch einen Wert von 23 Eentesimi) irgendwie zu bessern. Mussolini, der Führer der Faszisten, hat selbst schon feine Anhänger gewärni vor einem fälschen Optimis­mus, der geradezu als Bolksbetvug grbrandmarkt wer­den mü'v

Also, wie gesagt, die Probe aufs Exempsl muß erst abgewartet werden. Wir aber halben diese Pro­ben längst hinter uns und wissen, daß sie uns nur immer tiefer ins Elend gestürzt haben. Wer nach dieser Richtung hin etwa noch Zweissl haben sollte, braucht sich ja nur der vechängn-isoollen Wir­kungen zu erinnern, die ter Kapp-Putsch unseli­gen Angedenkens aus nufere ganzen politischen rmd wirtschaftlichen Verhältnisse ausaeübt HÄ. Wir kön­nen uns heule keine Experimente mehr erlauben; für UNS M es nur eins, mit allen Kräften in geschloffener Einigkeit ruhig und stetig für das WM unseres Vater­landes zufammeuzuarbeiton. Eslegenilich der Verlänge­rung seiner Amtszeit hat der Reichspräsident Ebert die Worte gesprochen: „Was uns auch focht trennen mag, im klaren Bewußtsein unserer Pflichten gegen die NÄion müssen wir alle uns in Einigkeit da zusammenfinden, wo es sich handelt um bie Grund­fragen des Lebens und der Zukunft unseres Volkes und ucheres Vaterlandes."

Jetzt handelt es sich tatsächlich um dis Grundfra-en unseres Lebens und unserer Zukunft, die nur durch stetige, ruhige und geschlossene Zusam­menarbeit aller Kreise des deutschen Volkes zum Heile unseres Vaterlandes g.löst wer­den können.

Die neuen deutschen vorschlSze.

Das Reichskabinett hat Mittwoch nachmittag die neue Note an die Reparationskommission mit den von der Kommission erbetenen präzisen Vor­schlägen fertig gestellt. Die Note wurde noch abends überreicht. Der Inhalt der neuen deutschen Vor­schläge ist wesentlich beeinflußt durch die Gut­achten der internationalen Finanz­sachverständigen. Unter der Voraus­setzung, daß die Grundauffasiung der Finanz­sachverständigen bei der Reparationskommission Anerkennung findet, verpflichtet sich, nach der Mit­teilung einer sozialdemokratischen Korrespondenz, die Reichsregierung in der neuen Note zu durch- greifenden Maßnahmen zur Verringerung der schwebenden Schuld und zum Ausgleich des Bud­gets. ' Die

Mitwirkung der Reichskxmk an einem zur Stützung der. Mark gebildeten inter­nationalen Konsortium werde in Aussicht gestellt. D,e Reparationskommisiion wird sich am Donners­tag vormittag mit der deutschen Antwort beschäf- ttgen. Am Nachmittag wird eine gemeinsame ' tz u n g der Vertreter der deutschen Regierung und der Mitglieder der Reparattonskommission

stattfinden. Wie die Blätter schreiben, werden Eni- I scheidungen der Kommission, wie vorgesehen war, I in Berlin nicht fallen. Die Kommission wird am I Freitag ihre

Rückreise nach Paris

I antreten, von wo sie die deutsche Note beantworten | wird.

Donnerstag vormittag werden die Partei- | fü hrer vom Reichskanzler über den In­halt der deutschen Note unterrichtet werden. In dieser Sitzung der Parteiführer soll, laut „Vor­wärts", auch über die Einberufung des Reichstages Beschluß gefaßt werden.

Der Inhalt des Gutachtens,

I auf das, wie oben gesagt, die deutsche Note Bezug nimmt, und das von Brand, Easiel, Senfs und Keynes unterzeichnet ist, besagt in wesentlichem

I folgendes:

I Die Gutachter sind vollkommen überzeugt von der I dringenden Notwendigkeit, die

Mark unverzüglich zu stabilisieren. Unter Voraussetzung gewisier Zugeständnisse seitens der Gläubiger sei die Stabilisierung möglich. In erster Linie müsse sie aber von Deutschlands eigenen I Bemühungen ausgehen.

Auf die Frage, ob die Stabilisierung unter den gegen» I märtigen Umständen möglich ist, wird mit

Nein beantwortet.

1. aus inneren Gründen, vornehmlich megert der Finanzpolitik des Deutschen Reiches in der Kriegs- und Nachkriegszeit,

2. aus äußeren Gründen, insbesondere wegen der Lasten aus dem Versailler Vertrag. Solange nicht Deutschland für einige Zeit von den Zahlungen aus dem Versailler Vertrag entlastet wird, würde jeder Ver­such zur Stabilffierung der Mark scheitern und nur zur nutzlosen Vergeudung der letzten Reserven Deutschlands führen. Es wird sowohl für Sach- als für Barleistungen ein mindestens zweijähriger Aufschub erforderlich fein.

Die endgültige Regelung des Reporationsproblems wäre sobald wie möglich zu treffen. Die

Unterstützung durch ein internatio­nales Konsortium

würde von der größten Wirkung auf die Stim­mung des Publikums fein.

Der Erfolg der Stabilisierung hänge vom Gleichge­wicht des Staatshaushalts ab. A e u ß e r st e Spar­samkeit und äußerste Strenge in der Eintrei­bung der Steuern sind von entscheidender Be­deutung. Die Beschaffung des Kapitals für öffentliche Arbeiten darf nicht aus den laufenden Einnahmen er­folgen, sondern muß durch innere fundierte An­leihen gedeckt werden.

Den Zustand der

Handelsbilanz

halten die Gutachter nicht für ein entfckieidendes Hin­dernis der Stabilisierung. Zur Wiederherstellung der deutschen Handelsbilanz wäre die Wiederherstellung der Gleichberechtigung für Deutfchland im internationalen Handel in bezug auf das Recht, Zölle von der Luxus» einfuhr zu erstreben imb für die Ausfuhr die Meistbe­günstigung zu fordern. Die Stabilisierung wäre zu einem niedrigen Werte der Mark zu versuchen, wobei dieser Wert erheblich höher sein kann als der augenblick­liche. Im Augenblick dürste ein

Kurs von 3000 bis 3500 Mark für den Dollar als Grundlage der Stabilisierung richtig sein. Aus dem derartigen Kurs wird aber eine erheb­liche Steigerung des Notenumlaufs nach und nach in dem Maße nötig fein, wie das Gefchäftsleben des Landes zu n^mafen Verhältnissen zurückkehrt. Nach vollkommener Durchführung der Stabilisierung muß eine neue Werteinheit in Höhe eines Vielfachen der stabili­sierten Papiermark im Interesse der Verkehrserleichte­rung emgefiihrt werden. 1

. für die Stabilisierung

der Mark fuhren die Gutachter fcTaenbes an-

Segen d-e Zustimmung zum Aufschub aller Zahtun» gen aus bem Versailler Vertrag für die Dauer von zwei

Roman von Clark Russell. -

. Da meine Pflicht mich an Deck festhielt, hc.te ich seinen Beruht erst später, als ber Kapitän mich auffuchte ""b. Ewem bekümmerten Ausdruck auf seinem ebrü^n Seemanns,^ „zählte:

»Bch furchte, drei von den armen Teufeln sind nicht Ä?' r. SeL °ierte hat eben bas Bewußtsein

4inn»reL®Ott weiß, was aus ihm werben L K -b ® r Schemen total erfroren, unb wenn man ßcbem C "u^ieht, werben die Zehen wohl mit-

„Wer ist ber Unglückliche»"

L N 3O9en' Cin d-Mt."

«"gewandt' baTfinTlXXb7ebkX^' etwas^MMzin stuü^rk un^funS FT auch als Schiffsdoktor. f 8*erte bet un3 nebenbei

Windstoß überfallen worden war, der "da- nahe zum Kentern gebracht hätte. Um ~ J bet'' wieder in die Höhe zu bringen, hatte man den Grostmall gekappt, der aber auch die anderen Masten über S n6, so daß nur ein zwölf Fuß hoher Sttmrpf des mastes stehen blieb. Ein mit großer Müde

Notmast wurde von einer Bö über Bord gefegt

Der Kapitän der Lady Emma hatte sich, nach Äusf<m- der Leute, der schwierigen Sachlage nicht recht gewachst Steigt. Einige Wochen vor dem Sturm war er bu-'ch gespenstische Erscheinung eines Doppelgängers an £?tb erschreckt worden; seit der Zeit lastete eine Hefe f"?bergeschragenheit auf ihm, die feine sonstige Kalt- .Mngkeit unb Umsicht in den Stunden der Gefahr be- mträchjigte. Um feinen unversehrten Schiffspart zu "en, bestand er eigensinnig herauf, ein vorüberseaeln-

Jahren sollte die deutsche Regierung der ReparÄions» kommission

folgende Garant: een geben:

a) In Berlin ist als besonderer Toll innerhalb der Organisation der Reichsbank eine unabhängige Währung-st eile zu schaffen, der die Reichsbant einen angemessenen Teil ihrer Goldreserve zur Verfügung zn stellen hätte.

■ b) Solange ein Teil dieses Geldes noch frei ist, hat die Währungsstelle Papiermark bei Angebot zu einem festzufetzenden Kurse zu kaufen.

c.) Der Gesamtbetrag der schwebenden Schuld darf nicht über eine bestimmte Ziffer hinaus auswachsen.

An diesen Grundsätzen darf ohne Genehmigung der Reparationskommission nichts geändert werden. Rach Genehmigung vorstehender Vorschläge durch die Repara- tionskommifsion wäre ein internationales Finanzkonsor­tium zur Mitarbeit bei der sinanzicllen Stützungsaktion einziüaden.

Außer dem erwähnten Hauptgutachien sind noch drei weitere Gutachten der Fi­nanzsachverständigen dem' Reichskanzler überreicht worden, die im wesentlichen überein» stimmen.

Aus der französischen Kammer.

Sn einer vielbeachteten Rede hat der französische Stinnes, Herr L o u ch e u r, die Politik Poin» cares in der Reparations frage scharf kritisiert. Er har eine MÄterung der Repcwationsforderungen empfohlen, falls im Rheinland eine A u t on o - mie aufgerichtet werde. Poincare hat diese G.irgen- hcit benutzt, die von seinen Vorgängern gegebene Er- kläruny zu erneuern, daß Frankreich die Laufzei­ten für die Bosttznnasfr-ist der Rheinlande noch nicht als begonnen betrachte, daß es das RhÄnufer nicht eher räumen werde, als bis D.uffch- ta$b sich aller seiner Verpflichtnngsn aus dem Frie- ter.six.-r trag entledigt habe.

Lvuchsnr güt nach dieser seiner Kammerrcte, die ans ter Linken und Rechten Beifall fand, Äs Kandidat bei einem etwaigen Freiwerden des Ministerpräsidenten- Posten.__________________

Kornmumsten-hetze.

Die Zentrale der K. P. D. fordert in ter Roten Fahne von der V. E. P. D. und den Gewerkschaften, unverzüglich den Kampf um die AulsttzchtMÄttirw tes Achtstundentages und die Durch<fetzmi«^M2fiMiSlUMß der Ermordung Rathenaus von allem drei SUtetfcr« Parteien gemeinsam mit dem Allgemeinen deutschen Gewertschaftsbund unterschriebenen Forderungen zu be- gdmen. Gleichzeitig wird an die B. S. P. D. und Eswerkschastsbmsd die Aufforderung gerichtet, gegen. über der Fa szist e ng e fahr unverzüglich die Be­waffnung der Arbeiter durc^uiführrn.

Ministerpräsident v. KnMng.

Sn ter Sitzung tes bayerischen Landtages Wurde Dr. v. Knilling zum Mimsterpräsidsntsn gewählt. Abgegeben wurden 143 Stimmzettel, davon waren 54 MiLeschrieten, 86 lauteren auf von Knilling, 1 auf Dr. Heim, 1 auf Dr. Steinbrecher und 1 ans Hitzler. Dr. v. Knilling erklärte sich zur Uebernahme des Amtes teveit unter Zurückstellung der bei ihn bestehenten Bedenken aügememer imd persönlicher Art. Eoin Sie- Msrungsproxramm wird er in der Donnerstag-Sitzung des Landtages darlegen, in der auch das neue Mini, ftermm vorgestellt werten wird.

Faszistifche Gewalttätigkeiten in Dozen.

einer Meldung des ,Berl. Lokalanzeigers, hnn wurden die deuljchen Geschäftsleute

unter Trohungen gezwungen, die ila!iem,che Trikowee zu hissen. Auch am Standbild

unb hohe, schwere Seernannssti-fel gekleidet, hinter dem Besanmast, bef,-n ausgefpannte Segel ihn ein wenm gegen das Unwetter schützten. Ich selbst trug niemals Ue^eug, sondern war heute ebenso gekleidet wie stets bei strenger Kälte, nämlich in einen Anzug von dickem Seernannstuch, eine Pelzkappe mit Ohrenklappen, dicke Fausthandschuhe und einen wollenen Schal.

Das Schiff lief unter zwei Toppsegeln und Groß- Stengen-stagfegeln mit einer Geschwindigkeit von etwa fünf Knoten. Als ich rneinp Blicke über bas Takelwerk gleiten ließ, sah ich plötzlich, wie ein Matrose, der in den Wanten her-unterkletterte, das Tau verfehlte, nach dem er griff, unb rücklings in die See stürzte.

„Mann über Bord!" schrie ich aus Leibeskräften.

Der Mann am Steuer drehte rasch bei. Ich schleu­derte dem mit den Wellen Ringenden eine Rettungsboje 3u, aus der sich, sobald sie bas Wasser berührte, ein roter Stab mit einem gleichfarbigen Wimpel heraus» fchob, der bei Tageslicht einem Schwimmer ober einem Soot als weithin sichtbarer Rettungspunkt dienen sollte.

Unterdessen hatte der zweite Steuermann alle Man» an Deck beordert. Rasch wurde ein Boot zu Wasser ge­führt; ich sprang mit drei anderen Leuten hinein, und mit Aufbietung aller Kräfte ruderten wir dem roten Witnpel nach. Unser Boot war fest und solide gebaut, wrizte aber so wild auf den hochgehenden Wellen, daß die Leute kaum die Ruder gebrauchen konnten.

Der über Bord Gefallene war nicht mehr zu fehen, und ich zweifelte keinen Augenblick daran, daß die schwe­ren, dicken Tuchkleiber unb bie hohen Stiesel, bie er trug, ihn längst in bie Tiefe gezogen haben mußten. Doch war es unsere Pflicht, die Wasserfläche gründlich abznsuchen.

Der UnMckstaz sollte noch mehr Opfer fordern. Wir waren ganz nahe bei der schwimmenden Boje, als eine pfeifende Schneebö uns in einen blendenden Flockenwir­bel hüllte unb eine gewaltige See unser Doot zmn Ken­tern brachte. Nach entsetzlichen Sekunben, die mir wie Stunden vorkamen, sand ich mich mit zwei meiner Kameraden krampfhaft an das gekenterte Boot geklam- mert. Der dritte Matrose war verschwunden