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FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

49. Zahrg

fir. 254

Deutscher Reich

der

oer-

Wert von mehreren hundert Millionen 'Di a r I habe und von Deutschland nach Holland übergeführt werden soll. Falls um die Ausfuhrge­nehmigung nicht nachte uchi woiden >ei, wird gefraat, ob die Reicksiegierung Auskunft über den Verbleib des Schmuckstückes eneden könne und welche straf­rechtlichen Maßnahmen die Regierung zu ergreifen gedenke, wenn dieses W-> tobjekt o'meAusfuhrerlaubnte über die Grenze des Reiches gebracht würde?

„Fkf. ytg." das Mitglied des Reichs: Rudolf Hilferding, der frühere

Gegen die Uapitalflucht.

Der Reichsrat, der in Berlin versammel War, stimmte in seiner Sitzung vom 2. November einem TesetzenÄvurf zu, der eine DerLängerung des Gesetzes gegen die Kapitaiflucht bis zum 31. Dez. 1914 vorsieht. In der Erkenntnis, daß die bis­herigen Maßnahmen gegen die Kapitalflucht, die auf die Besserung der deutschen Währrmgsverhältmfse hin- zielen, in ihrer Wirksamkeit bei weitem nicht ausrei­chen, hat sich em Au: bau der bestehenden Vorschriften! und eine Ver's'chärfu'ng der Strafbeft im« mungen als notwendig erwiesen.

Rach den bisher geltenden Dorschrifien müsse« sämtliche Dorgänge, durch die bewegliches Kapitel in das AuslorÄ gelangt, zur Kenntnis der Steuer- bchörde gebracht werden. Der neue Gesetzentwurf sieht demgegenüber die vor hörige Genehmigung des Finanzamtes für die Ausfuhr von Kapital vor. Nach Z 1 des Entwurfes dürfen Banken Aufträge, wie sie im § 2, Ws. 1 des Gesetzes gegen die Kapital­flucht näher bezeichnet sind, nur ausführen, wenn die von dem Auftraggeber «inzureichsnde Erklärung mit einem Gmehmigungsvevrcrk des für den Auftrag­geber zuständigen Finanzamtes versehen ist. Ausge»

Beiugepreis: Monaiiich 150 INk. waeftetP frei Ins Haus, x Abaeboti in der Geschästsstklle 145 Mk. s Ävzeiaen: Kleinzeiie nach Co>one> 10 Mk., ausm. 12 Ulf. NekinmrzeO» (TettbrrHfl nach Talone'mab 36 Mark.

SisgerWffWW Her t< Sontoati».

Niederlage der Arbeiter.

Am 1. November haben in ganz England und Wales die Gemeinderatswahlen stattge­funden, deren Ergebnis angesichts der unmittelbar bevorstehenden Neuwahlen von besonderem Inter­esse ist. Die bisherigen Wahlergebnisse zeigen eine sehr schwere Niederlage der Arbeiter­kandidaten und einen Erfolg der Konferva- tioen. Es wird besonders betont, daß die Industrie­städte im Norden gegen die Arbeiterkandidaten ge­stimmt hätten. Der „Times" zufolge haben nach den bisher bekannt gewordenen Ergebnissen der Wahlen in der Provinz die Konservativen 101 Sitze gewonnen und 12 verloren, die Liberalen 33 gewonnen und 11 verloren, die Arbeiter 5 ge­wonnen und 168 verloren, die Unabhängigen 37 gewonnen und 19 verloren.

Cm vrmtgeschenk W Helms II,

Tie sozialdemokratische Reichstagsfraklwn hat eine Anfrage im Reickstag eingebiami, in der die Regierung genagt wird, ob die zuständigen Steden die Genehmigung zu der Ausfuhr dcS Diadems erteilt haben, das ter ehemalige Koster als Brout- gecheuk nach bisher unwidersprochenen Nachrichten in Berlin habe anfertigen lasien und dos einen

übriggeblieben ist, zu unterminieren,, zu zerstören! Ja, wenn jemand Grund hätte, Ernst Werner Techow LiebeSaaben zu senden, so wären es wir Ausländer, denn seitdem Techow und Kumpanen lenen einzigen Mann ermordet Haden, leben wir hier halti teuer als zuvor! Wir hatten also Grund, Techow unseie Dankbarkeit zu bezeugen, wenn uns Deutschland dem wir unsere Kultur verdanken, nicht zu lieb und teuer wäre, als daß wir mit Zynismus , arg ehen kann» len, wie es von Unreifen in Balkanisatron, ulend un# Untergang hineingestoßen wird!"

Diese Sammlung für den Rachenau-Mörder Techow gehört unter die besorgniserregenden Krank- heitserschemMgen unseres Volkstums, die immer wie­der zum Ausbruch kommen und nmnenÄich in des Großstädten üppig wuchern.

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Berantwottlta tür öen ceoauioneQen Teil: 2)r. 3. Sramer. | *7tfl')') I u

- für die Anzeigen: I. P"ze' er-Fu.da. I SaW.SfßÜ, 4« I»SVLMve^ VÖLL» 1 L

Rotationsdruck u. Verlag der ftuldaer Aetfendrmkere in Fulda I I

^ern>me»er Nr. 0. Vostickeck-Kowo 40ol Frankfurt a M. | 1 —

„ES ist für uns ausländische Studenten unsä-lrch traurig, zu seh n, wie viele unfe er deutschen Kommili­tonen, an deren ehrlichem Patriotismus nicht aezweifelt werden kann, die ihr Leben gerne für ihr Vaterland hergeben wurden, wie im Wahnsinn daran atbeiten, I das, was vom stolzen Gebäude des alten Reiches noch

Die Lage in Italien.

Die Anordnungen Mussolinis.

Ministerpräsident Mussolini HÄ mit kräftiger Hand die Widerstände, die sich gegen seine Regienrngsüber-. nähme vereinzelt zeigten, unterdrückt. Ausschreitungen eer eigenen Anhänger hat er nachdrücklich geahndet.

ch patriotisch: Kundgebungen sucht die neue Herr­schaft die Volksseele zu gewinnen. So HÄ der Mim- fterrat auf Veranlassung Mussolinis beschlossen, den Gedenktag der Schlacht bei Vittorio D e n e t c am 4. November mit einer Botschaft an die Nation zu feiern. In Rom wird in An­wesenheit des Königs eine kirchliche Feier stattfinden, nach der sich die ReMviMgsmitglieder zum NationÄ- denkmal begeben und einen Augenblick vor dem Grabe des unbekannten Soldaten knien werden. Don 10 Uhr an werden die Glocken in ganz Italien eine halbe Stunde lang zur Erinnerung an den italienischen Sieg läuten.

Gegen den unter Protest gegen Mussolini Mrück- gerretenen italienischen Botchafter in Paris, Grafen Sforza schlagen die Freunde Mussolinis einen sehr scharfen Ton an. Der nationalistische Abgeordnete Paolucci hat über den Fall des Grafen Sforza eine Anfrage an die Regierung gerichtet, ob es einem Botschafter im Auslande erlaubt fei, öffentlich fein Urteil über die politischen Richtlinien einer neuen Re­gierung abzugeben und ihr Ansehen auf Liese Weise herabzufetzen, sowie welche Maßnahmen gegen den­jenigen getroffen werden, der sich eines solchen Ver­gehens schuldig macht, daß den König und die Re­gierung beleidigt.

Wie die „Agemia Stefan!" ron zuverlässiger Seite erfährt, ist der frühere Botschafter Baron Romano dÄoezzano zum Nachfolger des zurückgetretenen Botschafters in B e r 1 i n Frassati ernannt worden.

Urankhettr-Erscheinungen.

Liebesgaben für Techow.

Ein ausländischer Student an der Technischen Hoch­schule in CharloUenburg macht die „Dost. Ztg." darauf aufmerksam, daß in einer Pavierhaudtwng in der Nähe ter Hochschule folgender Anschlag zu sehen ist: „Hier werden ßtebegnben für den früh-ven Studieren­den der Technischen Hochschule, den Fähnrich z. See a. D. Ernst Berner Techow angcnoTtmen." Der Svendenboaen trägt schon etwa zwami" Unterschrulen mit Dckträgen von hrgufamt etwa 3000 Mark. Dazu schreibt der ausländische Student dem genannten Blatte:

Anleihe. Des weiteren muß die Gesundung der Staatefinanzen auf dem Gebiete der Steuer­erfassung verlangt werden. ES ist sür die Ar- bei'nehmer ebenso unverständlich wie unerträglich, daß ihnen Steuerabzüge vom Einkommen abgezogen werden, während die Steuereinziehung bei den Unternehmern und den besitzenden Klasien jahrelang auf sich warten läßt. Die De- visenordnung bleibt ein Schlag ins Wasser, wenn sie nicht durch praktische Ausgestaltung der Devisen­kontrolle ergänzt würde. Wir erwarten, daß die Beibandlungen zur Erreichung der au Stein- di schon Anleihe zwecks Stabilisierung der Mark erneut nachdrücklich aufgenommen und durchgesührt werden. Tie Gewerkschaften verlangen von der Regierung die Herbeiführung einer klaren Durch- sichtigmachung der Kartelle, Syndikate und Truste, die teilweise durch eine volkswirtschaftlich schädigende Preispolitik den Fortbestand der Teuerung stärken. Die Denkichrift fordert schließlich Sparsamkeit und Vereinfachung in allen öffentlichen Betrieben und Verwaltungen, sowie die Vorlegung eines großzügigen Produktiv nssteige-- rungsplans, der die Befriedigung der lebensnotwen­digen Bedürfnisse des Volkes sichert.

der Hoffnung hin, daß die politischen Nachwirkungen der Rathenau-Ermordung und der Ver­einigung der Sozialdemokratie eine so- zialistsche Mehrheit schaffen werden. Es wird an dem Eifer der bürgerlichen Parteien liegen, die leider sehr zerklüftet sind, u nd bei diesem out'sozialistischen Kulturkampf die Gegenfätzlichkeiien unter­einander mehr als zweckmäßig in den Vordergrund schieLen, ob die sozialistische Hofftrung in Erfüllung gehe, ©eit der Revolution hat die Zahl der sozia­listischen Stimmen in Sachsen immer mehr nachge­lassen, nn roten Thüringen haben unlängst Kreistags­wahlen statt gefunden, die zu Ungunsten der SogM- demokratie ausMen. Im roten Braunschweig hat die Sozialdemokratie bei den letzten Wahlen ebenfalls eine starke Schlappe erlitten. Hoffen wir, daß diese Wahlausgänge symptomatisch sind auch für das Evgeb- nis der Wahlkämpfe in Sachsen. . Es ist die höchste Zeit, daß die Nütenträumc des Sozialismus blaffen.

toi Die MtörMtoto MM

Die alliierten Mächte sind auf ihren der Reichs­regierung gemachten Vorschlag zurückgekommen, die bestehende interalliierte Militärkommissicm zurückzuziehen und durch ein bedeutend we­niger zahlreiches militärisches Garantiekomi- t e e zu ersetzen, dessen Kosten die genannten Re­gierungen tragen sollen. Eine Vorbedingung für die Verwirklichung des Vorschlages ist, daß die end­gültige Durchführung mehrerer die Entwaffnung Deutschland betreffenden Fragen ftchergestellt ist. Die Reichsregierung erklärte sich bereit, über dresen Vorschlag in Verhandlungen einzutreten.

Der Kulturaampf in Sachsen.

Die bevorstehende Landtagswahl. *-»

Am 5. November finden in Sachsen die Wähler: zum neuen Landtag statt, die im eigentlichen Sinne des Wortes Kutturkarpfswahlen genannt wer­den können. Die sächsische Regierung, die bisher aus lauter Sozialisten besteht, hatte es als eine ihrer Haupt­aufgaben betrachtet, in der Gesetzgebung und Verwal­tung dem sozialistischen Gedanken Raum zu schassen. Es war ihr dabei ziemlich gleichgültig, ob sie habet b;e Gesetzgebungsbefugnisse, die den Länderregierungen von der Reichsverfassung eingeräumt werden, über­schritt. Sir hat auf dem Gebiete des Schulwesens Verordnungen erlassen, welche nicht nur mit dem Geiste, sondern auch mit dem Wortlaut der Rsichsorrfafsung in direktem Widerspruch standen. Mit der katholischen kirchlichen Behörde lag sie darum in einem dauernden Konflikt. Aber auch die gläubigen Protestanten sahen sich von der roten sächsischen Regierung in ihren kul- turollen und kirchenpolitisckM Interessen fortwährend gehemmt und geschädigt. Große Aufregungen erregte es in den bürgerlichen Kreisen Sachsens, daß die sächsische Regierung den 1. Mai und den 9. November als gesetzliche Feiertage verordnete, nicht minder groß war die Entrüstung über die radikale Personal- p o 1 i t i t, mit welcher das sozialistische Regime glaube im Herzen der sächsischen Bevölkerung sich fest verankern zu können. Sachsen sollte nicht nur in seiner Politik und SSerroaltung, sondern auch in feinem gesamten Kullmweftn sozialistisch geführt und gestaltet werden; das war das Programm, das die Regierung mit aller Energie verfolgte. Die Regierung mußte um so radi­kaler äufneten, als sie sich im Landtag auf keine fest« Mehrheit stützen konnte, vielmchr zu ihrem Bestand und zur Durchführung ihrer politischen Gnmdsätze der Gnade der Kommunisten bedurfte, die offiziell der Regierung nicht angehörten. Eine sozialistische Regierung von Gnaden der Kommunisten, das war das Symbol des sächsischen politischen Systems.

Kein Wunder, daß der Radikalismus ihrer, Politik von dem bürgerlichen Teil der fächstschrn Bevölkerung sehr bald unerträglich empfunden wurde. Be­sonders war es die KulturpÄM, welche die Gemüter außerordentlich ausreizte. Sie hat auch in den Kreisen der Sozialisten selbst, vor. allem wenn man an dte weiblichen Wähler des Sozialismus denkt, auf- fiärenb und abschreckend gewirkt. Jedenfalls besteht bei dem gegenwärtigen Wahlkampf m Sachfen eine außerordentlich breite kufturpolitische Front gegen den Sozialismus. Das Verhältnis der bür- aerlichen zu den sozialistischen Stimmen im alten Landtag betrog 47 zu 49. Die Minderheit war also eine außerorderÄich starke, sodaß bei der allgemeinen Abneigung gegen die sozialistische Mißwirtschaft höchst- wahrscheiMch die sozialist. Mehrheit in diesem Wcchl- kamof gebrochen wird. Die Vorgänge, welche zu die­sem Wahlkampf geführt haben, dürften ziemlich be­kannt sein. Bei den Etatsberatungen im säckftschen Landtag in diesem Sonimer wurde der Justizetat abgelchnt, weil auch die Kommumisten zusammen mit den Bürgerlichen für die Attchnung stimmten. Es wäre in der Ordnung gewesen, wenn schon damals die Regierung abgetreten wäre, aber eine kurze kommunistische Erklärung über die Motive ihrer Ab- fehrmng des Iustizeiats hat das vechindert. Ein von bürgerlicher Seite aus eingebrachter Antrag auf Auf­lösung des Landtags Hieb, da sich die Kommunisten entgegen ihren bis dahin gemachten Aeußerongen ab­lehnend verhielten, in der Minderheit. Es wurde daraufhin von bürgerlicher Seite ein Volksbegeh­ren mit dem Ziele der Auflösung des Landtages ein­geleitet, das eine solche umfassende Unterstützung in der äck,fischen Bevölkerung fand, daß die Regierung schießlich nicht anders konnte, als eine Gesetzesvorlage auf Auf.öftmg des Landtages diesen zu unterbreiten. Die bürgerlichen und die kommunistischen, Abgeord­neten — das war die Mehrheft — nahm die Vorlage an. Die Folge war die Ausschreibung neuer Wahlen für den 5. November.

„Freiheit", in Aussicht genommen.

* 3n dem Beleidigungsprozeß Dr. Herme» g e g e n d i e „F r e i h e i t" beantragte der Staats­anwalt gegen den angeklagten Redakteur 3 Mo­nate Gefängnis. Er betonte, daß bezüglich der Vorwürfe, die wegen der Weinkäufe des Mim» fters erhoben worden feien, die Beweisaufnahme durchaus zu Gunsten Dr. Hermes aus­gefallen sei. Die Verkündung des Urteils ist auf Samstag anberaumt.

* Dem Gedächtnis der deutschen Gefallenen, die in Frankreichs Eide eine letzte Ruhestätte ge­funden haben, war am Allerseelen-Tag auch in diesem Jahre eine Feier gewidmet, die in Paris stat stand. Die deutschen Kriegergräber sämtlicher Pariser Fried­höfe trugen Blumenschmuck. Bei der Einweihung des' Gedenksteines hiell Botschafter Mayer eine An­sprache, in der er der in französischer Erde ruhenden deutschen Krieger gedachte. Die. Rot der Heimat fei groß und fordere stets größere Opfer, aber feine so bittere Not werde jemals aus dem Herzen des deut­schen Volks die Gefühle der Dankbarkeü und der Be­wunderung für unsere Tapferen cmslöschen. Die Frau des Botschafters legte für die deutschen Mütter und Frauen einen Kranz niedere

* Die formelle Demission des Kabinetts Lerchen­feld ist jetzt erfolgt. Der Ministerpräsident hat in einem Schreiben dem Landtagspräsidium feine» Rücktritt angezeigt.

Ausland.

* 3n Moskau ist der neu ernannte deutsche Bot- schafter Graf Brockdorff-Rantzau einge» troffen. — Die „Prawda" eröffnet eine Artrkelrerhe, die der (Erörterung der Annehmbarkeit des Urquhartvertrages gewidmet ist. In den ersten zwei Artikeln wird festgestellt, daß die Sen- herang in der politischen Lage die Möglichkeit einer neuen Erörterung der Urquhartfragc in die Nähe rücke. Der »ertrag müsse jedenfalls revidiert werden. Auf gründ statistischen Materials wird ausgeführt, daß Urquhart Riesenge­winne herausschlagen würde, und u. a. das Mo­nopol in der Blei- und Zinkproduktion erhielte, was sogar die Verteidigung der Republik gefährde» könnte.

* Berlin, 5. Nov. Die deutsche Regierung, ist genötigt gewesen, bisher für insgesamt dreißig Milliarden englischer Kohle zur Ausrecht- erhaltung des Betriebes der Reichsbahn einzukaufen. — DaS Berliner Polizeipräsidium hak Maßnahmen getroffen, um dir öffentlichen Sammlungen zu Gunsten des im Rathenau-Prozeß verurteiteen Techow zu verhindern. — Wie die ,Role Fahne berichtet, bat der ReickSausfckuß der deutschen Be­triebsräte tu seiner letzten Sitzung beschlossen, den Neichsbetriebsrätekongreß endguMg für den 23., 24. und 25. November nach Berlin einzu­berufen. — Der Reichsrat nahm die neuen Post­gebühren, die bereits am 15. November in Kraft treten sollen, an. Der Poftm-mister rechnet trotz der Erhöhung mit einem Defizit von 60 Milliarden Mark, im kommenden Jahre von 120 bis 150 Milliarden Mark. Der Driefterkehr sei ganz enorm zurückgeyau- gen. — Nach der für November getroffenen Ab­machung zwischen Regierung und Spitzenorganisatio­nen der Beamten werden die gesamten Teuerungs- Zuschläge zum Grundgehalt, Ortszuschlag und Kinder- Zulage von 11 aus 49 Prozent erhöht, das ist «rne 25prozentige Erhöhung der Gefamtbezüge. Die Ver­treter der Drganifationen sehen in der Regelung nur ein Provisorium. — Als Nachfolger des Herrn von Simjon auf dem Posten des wirtschaftspolitischen Staatssekretärs im Auswärtigen Amt ist nach bet . Dr.

Eine Rettcrhand?

Alles hängt von der Entente ab.

Während die Verhandlungen in Berlin Zwischen der deutschen Regierung und den Mitgliedern der Reparationskommission sowohl als auch mit ersten Finanzmännern Europas geführt werden, kommt so­eben folgende Meldung aus Paris:

wti> Paris, 5. Nov. 1922. (Id.) wie der Berliner Berichterstatter des „Echo de Paris" er­fährt, hat die deutsche Regierung In den letzten lagen bedeutende Anleihe-Angebote von auslän­dischen Finanzkreisen erhalten. Es hMdele sich um die Summe von einer Milliarde Goldmark, die zur Stabilisierung der Mark verwendet werben solle. Die Halste dieser Summe soll Frankreich für den Wiederaufbau zur Berfügung gestellt werden und die andere Halste Deutschland gestatten, keine ausländischen Devisen zu kaufen, um seine Auslandskäufe zu begleichen. Der Finanzsachverstän­dige, der diese Anleihe vorschlage, gehöre einem inter- cattonalen Konsortium an. Die verlangte Garantie bestehe nur in der Genehmigung der Repa­rationskommission. Die deutsche Regierung werde vom Reparalionsansschutz verlangen, seine Zu- ftiirmung zu dieser Anleihe zu geben.

Der Inhalt dieser Meldung dürste ungefähr mit dem übereinstimmen, was in den Besprechungen, die feilens der deutschen Regierung mit den

ausländischen Sachverständigen gepflogen worden sind, zu Tage getreten ist. Zu die­ser Besprechung in Berlin, die durch eine Ansprache des Kanzlers eingeleitet wurde, haben sich eingefunben die Herren Bisftrmg, Gaffel, Brand, Keyner/Dubois unö Sewks. Sm Anschluß an eine gemeinsame Sitzung haben sich die Sachverständigen auch unter­einander beraten. Nach dem „Verl. TagM." haben die Sachverständigen, soweft ihre Ansichten bisher zur Kenntnis der amtlichen deutschen Stellen gelangt sind, der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß einzig und allein die Goldanleihe im Ausland« zu dem besonderen Zweck, eine Aktion zur Unterstüuug der deutschen Währung in die Wege zu feiten, Hilft brin­gen könne. Wie das Blatt hört, haben sich in den fetzten Tagen hierfür ganz bestimmte Aussichten er= öffnet. Bisher könne mir soviel gesagt werden, daß die Möglichkeit besteht, durch Derrntttlung eines sich über verschiedene Staaten erstreckenden Korsortiums eine solche Anleihe zu erhalten. Reichsfinanzmmister Dr. Hermes wird die deutschen Vorschläge der Re­parationskommission in Form einer ausführlichen Denkschrift vorlegen. Diese Denkschrift wird neben den positiven Vorschlägen zur Frage der Markstabilisferung auch eine ausführliche Darlegung der Entwicklung der finanziellen und wirtschaftlichen Lage DoutschlanLs enthalten.

Die Reparationskommiffion

hat inzwischen in Berlin gleichfalls weiter beraten. Am Donnerstag hielten die Kommission und Reichs- finanzminister Dr. Hermes, der von mehreren Staatssekretären unterstützt wurde, drei Be­sprechungen ab, in deren Derlauf die Vertreter der deutschen Regierung die den H a u s h a 1 t f ü r 1922 und 1923 betreffenden Fragen sowie di« Fragen der Stabilisierung dar Mark und der schwe­benden Schrill» darlegten. Cs wurde vereinbart, unter Zurückstellung einer Anzahl Fragen zur spä­teren (Erörterung, daß Hermes in der Nachmittags­sitzung vom 3. November eine schriftliche Darlegung der von der Reichsregierung vor­gesehenen Lösungen oorlegen werde. Die weitere (Erörterung werde auf der Grundlage dieser offi­ziellen Mitteilung geführt werden.

Das Programm der deutschen Regie- rung ist in vorbereitenden Beratungen der an &em Reparationsproblem unmittelbar interessiertes! Relsorts in großen Umrissen bereits festgelegt wor­den. -an einer Beratung, die Freitag vormittag Vn„teT Vorsitz des Reichskanzlers stattfinden toll, werden die Vorschläge unter Berücksichtigung öer bisherigen Verhandlungen mit der Repa- rattonskommisfion ihre endgültige Form er- hauen.

Vorschläge der Gewerkschaften.

Fn einer denkichrift der Gewerkschaften aller Ricklungen an den Reichskanzler, die Re.chs- minlsterlcn und die Paneien, schlagen die Gewerk­schaften eine Reihe Mittel zur Verhinderung des weiteren Zerfalls der Markwäbrung vor. In der Denkichrift heißt es: Die Hauptquelle der Teuerung bildet die ständige Entwertung des deutschen Geldes Alle Berjucke die einheimischen ,Warenprelie den W ttmarkiprelsen an- zupassen, müssen aussichrslos bl ben, da die deutschen Verdraucker solche Waren nicht mehr kaufen können. Tie Anpassung der Löhne an den Wclimaikt würde aber die Wirtschaftskatastrophe nur beschleunigen. Aus die em Dilemma müssen wir durch Stabilisierung der beutichen Mar! heraus- kommen. Mil der Erhaltung der deulschrn Mark als Zahlungsmittel und Wertmesser iit das Lebensinteresse der arbeitenden Bevölkerung und das Wohl und Wehe aller Verbraucher lowie das Schick­sal des deutschen Staates verknüpft. Eine Stützung der deutschen Mark würde u. a. erreicht durch die Einführung einer wertbeständigen inneren