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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

49. Zahrg.

Freitag, 3. November 1922

fir. 253

BSSKRWVeSHSHaeH

Roman von Clark Russell.

der für

müßten. Die Kommission beabsichtige nicht, deutsche Souveränität anzutasten, sie hoffe aber eine loyale Zusammenarbeit und sei auf Grund von Deutschland emgegangenen Verpflichtungen nötigt, eingehende Fragen zu stellen.

lang nicht erzielt zu sein.

In der ersten Sitzung gab der Vorsitzende Repko, Barthou, gewissermaßen eine Disposition dei Verhandlungen, indem er erklärte, daß

1. die Balanz ierung des Budgets,

zierungsgange wiederkam, fragte er:

Klärt cs sich noch nicht auf?"

Es schneit, daß man nicht die Hand i:

sehen kann," war die Antwort.

Eisgeruch in der Luft?"

Rein, Kapitän."

Ich wunderte mich über den Ausdruck.

Kann man denn Eis riechen?" fragte ich.

Daraus hielt Staatssekretär Schröder einen Vortrag über die allgemeine Gestaltung des Bud­gets für das laufende Jahr, soweit es sich bisher über­sehen läßt. Bei der Besprechung dieses Themas wur­den von der Gsgenseite verschiedene Fragen gestellt mit dem Zweck, hierüber näheres Material im Laufe der nächsten Sitzung zu erhalten. Es interessierten be­sonders die Ausgaben für den Reichsbahnetat

die aus der ge-

2. die Frage der schwebenden Schuld, und

3. die Stabilisierung der Mark

hie Hauptaufgaben feien, die jetzt behandelt werden

Gewiß, wenn es uns gelingt, ihn ordentlich zu be­festigen, können wir zwischen feiner Spitze Ufnd dem Bugsprietende ein Stück Segelleinward ausspannen. Und bläst dann der Wind aus Süden oder meinetwegen auch nur aus Osten oder Westen, so wollen wir schon wieder vorwärts kommen. Doch jetzt hinunter mit Ihnen, Miß, Sie sehen ja schneeweiß aus."

Zur ein deutsches Memettand.

Kundgebung in Tilsit und Insterburg.

Wie aus Memel gemeldet wird, ist die memel- ländische Deputation nach Paris abgereist, an deren Spitze der Vizepräsident oes Staatsrats und Präsident der Handelskammer I. Kraus steht.

In der Tilsiter Bevölkerung wurde bekannt, daß die Delegation des Memellandes, die nach Paris reist, nachmittags den Bahnhof passieren werde. Eine große Volksmenge begab sich zum Empfang nach dem Bahnbof. Als der Zug einlief, ermahnte der Cchmiede-Obermeister Endrejat die Delegation, nicht zu vergessen, daß sie deutsch seien und daß das Memelland wieder nach Deutschland zurück müsse. Die frühere ostpreußische Reichstagsabgeord­nete Frau Brönner-Höpfner gab der Delegation gleichfalls ernste Mahnworte mit auf die Reise. Auch in Insterburg fanden sich zum Empfang der memelländischen Abordnung tausende von Männer und Frauen vor dem Bahnhof und auf dem Bahnsteig ein. Der Vorsitzende des Deutsch- Litauischen Memellandbundes in Insterburg, Kon­rektor Plauskinat, sagte in einer Ansprache: Wir geborenen Memelländer verlangen die Rückgabe des Memellandes an Deutschland. Sollte das nicht möglich sein, verlangen wir das gleiche Recht, das unseren deutschen Volksgenossen in den Masuren, Schleswig-Holstein und Schlesien gewährt wurde; freie Volksabstimmung über das Schicksal unseres Heimatlandes.

Die Verhandlungen in Berlin.

Die Täkigkeik der Reparakionskommission.

Die Punkte Barthous.

Seit Dienstag mittag stehen die in Berlin ein- getrvffenen Mitglieder der Reparationskommission mit der deutschen Regierung in s a ch l'i ch e n Berhand- hmgen. Daß die Verhandlungen für die Lage Deutsch­lands von größter Bedeutung sind, ist klar. Greifbare Ergebnisse scheinen nach den offiziellen Mitteilungen, die über die Verhandlungen ausgegeben werden, bis-

Dezugspreis: Monatlich 150 Alk. zuqesielli irei ins Haus. :: Abgeholt in der Geschäftsstelle 146 IRL v.

Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 10 Ult, ausw. 12 Alk. Reklamezeile (Tertbrette) nach Colonelmaß 36 Akark.

schuldigtenprozeß statt. Es wird gegen den Land sturmmann Grüner wegen angebirchcn Diebstahlr und Plünderung verhandelt werden, die er tn Eharleroi verübt haben soll. Ter Angeklagte be­findet »ich in Untersuchungshaft.

Der Aufmarsch zum Wahlschlacht . in England,

Nach einer vorläufiaen Aufstellung bewerben sich um die 615 Eitze im Unterhaus 435 Unionisten, 160 National'Liberale, etwa 300 unabhäng. Liberale und mehr als 460 Arbeiterkandidaten. Die end­gültige Aufstellung der Kandidaten erfolgt am 4. November. DaS Verhältnis der einzelnen Par­teien zu einander ist noch unklar, abgesehen vom Gegensatz zwischen der Arbeiterpartei und deit übrigen Parteien.

In einzelnen Teilen des Landes erhalten die National-Liberalen allgemein die Unterstützung durch die Liberalen, während in anderen Teilen die Natio­nal-Liberalen durch die Konservativen unterstützt werden, für den Fall, daß sie sich verpflichten, die allgemeine Politik Bonar Laws zu unterstützen. Wahrscheinlich werde das für Schottland und einige Teile Englands geschloffene Wahlabkommen noch weiter äusgebaut werden.

Das genaue Verhältnis zwischen den Koalitions­konservativen und Bon ar Sato ist nicht ganz klar. In einigen politischen Kreisen heißt es, die Reden Harnes und Birkenheads in Glasgow schienen darauf hinzuweisen, daß sie sich bis zu einem gewiffen Grade abseits halten würden.

Lloyd George erkrankt.

Lloyd' George leidet an einer Erkältung und muß sich mehrere Tage Ruhe gönnen. Seine Reise nach Bristol ist aufgegeben worden.

Mussolini

Rücktritt italienischer Botschafter.

Mussolini sandte an P o i n c a r e und B o n a r L a w eine Depesche, m der er den Regierungshaup- iern der befreundeten Nationen herzliche Grütze übermittelt und das Vertrauen ausfprickst, daß bei Erfüllung feiner Aufgaben Italien die Solidarität der alliierten Nationen erhalten bleibe, die er für die Wirksamkeit ihres politischen Handelns für un­erläßlich halte.

Der italienische Botschafter m Paris, Graf Sforza, und der italienische Botschafter in Ber­lin, F r a s s a t i, haben ihren A b f ch i e d eiuge- reicht. ____________________

Die herkiubc.'chen're Dunkelheit brachte wieder schweres Wetter. Bon Kap Horn her blies ein eisiger Schueesrurm über dce See, die bald wieder einem kochenden Hexen­kessel glich.

Die Mannschaft sachte, wie tags zuvor, in der Kajüte Zuflucht und kochte hier, so gut es ging, ihr Abendbrot. Auch wir, Kapitän Burke, seine Frau imb ich, setzten uns zu einer Mahlzeit nieder, die aus etwas faltem Fleisch und einer Tasse heißen Kaffees bestand. Mr. Owen erschien gleichfalls auf der Schwelle seiner Kabine, zog sich aber, als er den Kapitän bemerkte, sofort wieder zurück und schloß die Tür hinter sich. Mr. Burke nahm keine Notiz von ihm. Seine hoffnungsfreudige Stim­mung war wieder verflogen und hatte tiefster Nieder­geschlagenheit Platz gemacht. Düster brütend starrte er vor sich hin, sprach kein Wort und rührte kaum einen Bissen an. Seine Frau warf ah und zu einen besorgten Blick aus ihn, wagte aber nicht, ihn anzureden, oder zum Essen zu nötigen.

Von Zeit zu Zeit ging einer der Leute nach obev, um Ausguck zu halten, doch alle kehrten mit dem Be­scheid zurück, man könne an Deck keine drei Schritt­weit sehen. Der Kapitän kümmerte sich um nichts; nur als der Bootsmann von einem solchen Rekognos-

Rus dem besetzten Gebiet.

hohe Belohnungen. Die amerikanische Armeeverwaltung in Koblenz hat auf die Ermitte­lung des Täters beim Raubmordversuch aus den ameri­kanischen Major James Sauerwein eine Belohnung von 100 000, die Eisenbahnverwaltung eine solche von 30000, der Regierungspräsident in Wiesbaden von 20000 Mark ausvesetzt.

Ritterliche" Uampsesweise.

Wie die bayerischen Rechtsradikalen den Grafen Lerchenfckd stürzten.

lieber die Ursachen des Rücktritts des bayeri­schen Grafen Lerchenfeld schreiben Organe der Bayerischen Dolkspartei folgendes:

In letzter Stunde wurde die vielleicht in einigen Punkten mißratene Denkschrift an die ^ceichsregie- rung über die gegenwärtige Wirtschafts- und dmanznot als Zerwurfnisgrund genannt. So weitgehende Folgen kann aber die Denkschrift, die sehr viele gute Dorschwge enthält, nicht haben, lieber solche Meinungsverschie­denheiten kann man sich verständigen. Der w a h r« Grund der Amtsmüdigkeit des Grafen Lerchemeld liegt tn den ständigen Treibereien beutschvolkifch-natw- nalistischer Kreise. Dem Ministerpräsidenten selbst konn­ten diese Kreise ja nichts anhaben. Er besitzt eine taSe.» lose Vergangenheit und einen lauteren Charakter Des­halb wurde das politische Haberfeldtreiben wuk seine Familie eingestellt. Die Gräfin wurde als ,,-oudw verschrieen, trotzdem sie dem katholischen Bekenntnis an- gehärt. Als geborene Amerikanerin war sie den allein ächtenDeutschen" eine lästige Person. In Wirklichkeit sollte einem Deutschamerikaner oder einer Deutschameri- kanerln nicht so leichtfertig die deutsche Qualität abge­sprochen werden. Schließlich reichte dieses Geschoß auch nicht aus. Es begann deshalb die Schnüffelei im Pri­vatleben der Gräfin. Was soll man zu der Taktik des Ausschnüffelns intimer Familiensachen sagen? Be­sonders wenn Dienstboten zu diesem unsauberen Handwerke benützt werden. Schließlich lag ein Zwischen­fall vor, der sich während des Krieges zntrug und eine bedenkliche Seite hat. Der Graf war im Fein­desland im Menst und daheim bahnte sich eine zu intime Freundschaft mit einem Künstler an. Es folgten unlieb­same Auseinandersetzungen, denen eine vollständige Aussöhnung folgte. Eigentlich müßte eine solche Angelegenheit unter anständigen Menschen begraben bleiben, nachdem sie vergessen war. Die Gegner Lerchenfelds ließen aber in letzter Zeit Flugschrif. ten in der Schweiz drucken und verschickten sie in ganz Deutschland an alle bekannten politischen Persönlichkei­ten, in denen diese internen Familienfachen breit ge» treten wurden in der offenen Absicht, den Grafen Lerchenfeld durch seine Frau zu treffen. Kein Wunder, wenn ein Mann in der Stellung und dem Charakter der Grafen Lerchenfeld diese widerlichen Treibereien satt be­kam und seinen Gegnern, von denen viele mehr Flecken auf ihrer Weste haben als er, das Feld räumte. Den

Absetzung des Sultans.

Wieder ist ein Ereignis zu verzeichnen, das hinter eine geschichtliche Entwicklung vieler Jahrhunderte einen Strich zieh: und das politische Gesicht Europas in einem wesentlichen Punkte ändert. Was schon seit längerer Zeit angekündtgt wurde, ist jetzt erfolgt: der Sultan der Türkei ist von der türkischen Na-- ticmawersammluug in Angora abgesetzt urch eine Staatssorm proklamiert worden, die der Republik ent­spricht. Wir erhallen solgendes Telegramm:

wtb Paris, 2. Ros. (ZeL) Rach einer Riel düng derChicago Tribüne" aus Konstanlinopel, Hai die Rationalversammlunz in Angora die Absetzung des Sultans proklamiert. Die Raiionaivrrsamminng Hai leinen Nachfolger des Sultans bestimmt, sich aber Vorbehalten, einen Skaatsches ohne dynastische Rechte zu erwählen. Sie hat schließlich das Volk als souverän erklärt und die BezeichnungOitsmanuischrs Reich" durchTürkischer Staat" ersetzt, was der Cr- fierung der Türkei zu einer Republik gleichkommi. Für Konstantinopel ist ein Generalgouverneur ernannt worden, der alsbald die Gewalt in der bisherigen Suitanstadi übernehmen soll.

Der abgesetzte Sultan, Wahiü E d d i n, ist also der letzte Nachfolger jenes Osman I., der 1290 n. Ehr. den Titel Sultan angenommen hatte und den Anstoß zur Errichttrng des osmanischen Reiches gab. Wahid Eddin folgte im Juli 1918 feinem Bruder Mohammed V. im Sultanat, der bekannt­lich der Nachfolger des im Jahre 1909 zurückgetrete­nen vielgenannten Abdul-Hamid war.

Der Kapitän warf mir einen abweisenden Blick zu und bejahte kurz und schroff.

Mrs. Burke, die sich trotz aller Sorgen über ihres Mannes Unhöflichkeit ärgerte, wandte sich an den Doots- mann, dessen stämmige, gedrungene Gestatt sich auf dem warmen Plätzchen neben dem Ofen durch wiegende Le- wegungen im Gleichgewicht zu halten suchte:

Haben Sie schon einmal Eis gerochen, Mr. Wall?"

Ja, Madam," antwortete er mit einem scheuen Seitenblick auf den Kapitän, der sich erhoben hatte und die Kajütentreppe hinausstieg. Kaum war die Tür hinter ihm ins Schloß gefallen, als Mr. Owen, der den Ka­pitän durch das Schlüsselloch beobachtet Haden mußte, die Kajüte betrat. .

Wie riecht Eis eigentlich?" fragte ich. Die Furcht vor einem Zusammenprall unseres Fahrzeuges mit einem Eisberg beherrschte mein ganzes Denken und Empfinden, und ich brannte darauf, zu erfahren, wie man die An­näherung dieses furchtbaren Feindes in tiefer Dunkelheit ohne ihn zu sehen, wahrnehmen könne.

Es ist kein Geruch im eigentlichen Sinne, sondern ein ganz besonderes Kältegefühl, das man beim Ein- atmen der Luft spürt," sagte der Bootsmann.Auf meiner ersten Reise in diesen Breiten hab' ich es selber kennen gelernt, als uns in der Nähe von Kap Horn ein Nebel überfiel, dick wie Milchbrei.Kapitän, es riecht nach Eis!" Härte ich plötzlich den Bootsmann rufen, und gleich barauf tönte auch aus dem Mastkorb der Ruf: Eis in Sicht!"Hart Backbord!" schrie der Kapitän, und in demselben Augenblicke tauchte dort auch ein gewaltiger Eisberg auf, der beinahe unser Bugspriet streifte. Damals lernte ich den Eisgevuch kennen."

Ein zustimmenbes Gemurmel durchlief den Kreis der Matrosen.'s Eis kann man riechen," murmelten sie. j Auch in dieser Nacht ließen die jähen Bewegungen i des Schiffes, bas Heulen des Sturmes und der bon« \ nernbe Anprall ber Wogen an die Seitenwänbe meiner ; Kabine mich kaum ein Auge z'-ttun. Am nächsten Morgen > aber herrschte rounberbarer Weise wieder völlige Winb- | stille, unb ich konnte gegen zwölf Uhr mit Mrs. Burke . an Deck neben.

* (Fortsetzung folgt.)

und die Ausgaben des außerordentlichen Haushalts. Staatssekretär Schroder teilte mit, daß das voraus­sichtliche Defizit des Budgets etwa 140 Milliarden Mark betragen werde, das im wefentlichm zu Lasten des Friedensvcrtrags gehe.

In der Mittwoch-Sitzung sprach hauptsächlich Fi- nanzminister Dr. Hermes, lieber diese Sitzung wird ferner bekannt, daß den Ausführungen tes Reichrf inanzmimsters über den deutschen Standpunkt zur Frage der Ma rkstabilisierung fÄoender Eedankengarrg zugrunde gelegen habe: eine Aktion, zur Stärkung der deutschen Währung 'könne nur auf der Basis eines G o l d f o nb s durckMführt werden. Da eine Inanspruchnahme des Goldschatzes der Reichsbarrk nicht in Frage käme, so bleibe nichts anderes übrig, zu diesem besonderen Zweck, also nicht ür allgemeine Reparationszwecke, eine Gold- anlei'he im Ausland aufzuuehmen. Barthou habe verschiedene Fragen an Dr. Hermes gerichtet und sich vorbehalten, zu einigen Punkten noch besonders Stellung zu nehmen.

Dom Tagebkatt zufolge verlautet in den Kreisen der Reparationskommission, daß chr AufenchM in Berlin zum mindesten wohl bis Ende nächster Woche bemessen sein werde. Wie man in unter­richteten Kreisen annehme, werde die Reparations- kommission irgend welche Entscheidung in Berlin nicht treffen. Die Diskussion über eine Reparationscmleihe und ein Moratorium werde vielmehr der großen Brüsseler Finanzkonferenz üöerlasien werden.

über Bord. Auf dem Achterdeck pendelte der Kiel einer zerstörten Pinasse zwischen den Davsts hin unb her. Das große ßangboct rogr noch fest vertäut unb unver­sehrt, aber von ben übrigen Booten war überhaupt keine Spur mehr zu sehen. Der Miverbaum fehlte, unb die Kombüfe war zum größten Teil fytgeriffen. All bas zersplitterte Trümrnerwerk trug einen glitzernden, in sat­tem Stahlblau schimmernden Eispanzer.

Ein fahler, gelber Dunst lag über ber weiten, schwer wogenden Wasserwüste; nur fern am Horizont glänzi- eine schmale, senkrechte Fläche in bläulichem Weiß. Noch vor wenigen Tagen hätte ich sie für ein nahendes Segel gehalten, jetzt , aber mutzte ich jene magisch leuchtende Masse war kein rettendes Schiss, sondern verberben- brohenbes Eis.

Siebentes Kapitel.

Der Nakmast.

Alle Mann mühten sich aus Leibeskräften, einen Notmast zu errichten. Ein unbeschreibliches Gefühl ber Hoffnungslosigkeit überkam mich beim Anblick ber dün­nen Spiere, die v.nfere drei stolzen Masten ersitzen fällte.

Wie konnte der Fetzen Leinwand, den die schmächtige Holzstange dort tragen konnte, uns aus dieser entsetz­lichen Lage befreien! Unwillkürlich formten meine trost­losen Gedanken sich zu Worten.

Das nützt doch nichts!" rief ich aus; die Spiere ist ja viel zu dünn, um ein Segel zu tragen!"

Dann wirb sie uns als Signalstange gute Dienste leisten," erwiderte Mrs. Burke.Eine Flagge rnüffen wir hijfen, benn ein flach baliegenbes Wrack ist auf vier Meilen Entfernung fchon nicht mehr sichtbar."

Der Kapitän nickte uns ermutigend zu.

Manche gute Brise ist schon mit noch dünneren Ma- sten aus der Seeschlacht in den Hafen bugsiert worden," rief er, halb zu den Leuten, halb zu mir gewandt. Dann riet er mir, nicht zu lange an Deck zu bleiben unb mir bas Herz nicht unnötig schwer zu machen.

Nimm Miß Otmay wieber mit nach unten, Mary." fegte er zu feiner Frau,ber Anblick dieser Verwüstung hier ist nichts für sie."

Soll der Notmast ein Segel tragen?" fragte ich.

Verantwortlich kür l-en ceöaaionellen Teil: Dr. I. Kramer, sür die Anzeigen: I. Parzeller-Fmba. .: sRntntinn«bru(f u Ver'.ao der Fuldaer Actlenbrmkerei in Fulda. ß°Ere»ec Nr' g Post'-heck-Konto 4051 Franksurt a. M.

Ausland.

* Medsrausflackera der irischen Ausstaudsbr- wegung. Eine Abteilung Aufftänd'.scher bat in Irland mit Unterstützung von Panzerautos die Station von Clifden angegriffen und sie zur Kapi­tulation gezwungen. Auf beiden Seiten gab es mehrere Tote. 80 Mann der Regierungstruppen wurden gefangen genommen- >

* Der Wiederaufbau Rußlands. In der Sitzung der 4. Tagung der Allrussischen Zentralexekutme hiell Lenin eine Rede, in der er erklärte, das indu- triett zurückgebliebene Rußland werde in kurzer Zett das kapitalistische Ausland technisch emholrn urrd zwar in einem Tempo, das im Ausland unbe­kannt sei. Durch die Annahme des Bodenkodex habe die Sowjetmacht neuerlich den Interessen der Bauernschaft Rechnung getragen. Das neu nnge nommene Gesetz über das Gerichtsverfahren könne dem Auslande als Beispiel vorgehalten werden. Die Vsroollkommnung des Derwaltungsapxarates und die Bekämpfung der Bürokratie Werbe eine wichtige Aufgabe.

"Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen, Mr. Owen," erwiderte ich.Außerdem ist unsere Lage jetzt auch wohl vielt zu ernst, um über dergleichen Dinge zu rechten."

Der Kapitän hat mich abgekanzelt wie einen Schul­jungen," fuhr Owen zu Mrs. Burke gewendet fort.Ich bin aber Weber Schiffsoffizier noch Matrose, fonbern lediglich Passagier unb beanspruche daher auch alle Rechte eines solchen."

Auch ben Passagieren ist ber Mißbrauch geistiger Getränke untersagt," erwiberte Mrs. Burke.Kein Ka­pitän bulbet übermäßiges Trinken an Borb, namentlich in solcher, Gefahr wie gestern abend."

Um der unerquicklichen Auseinandersetzung ein Ende zu machen, äußerte ich ben Wunsch, an Deck zu gehen, was Mrs. Burke mir aber auszureben versuchte.

Die Schwankungen bes Schiffes imb so heftig, baß Sie auf den glatten Decksplanken leicht ausgleiten kön­nen," sagte sie; ich merkte aber, baß ihr in Wirklichkeit nur vor bem cntmutigenben Eindruck bange war, ben bis Verwüstung oben aus uns ausübeik mußte. Ich er­klärte, allein zu gehen, wenn sie unten bleiben wolle, worauf sie sich feufzenb entschloß, mich zu begleiten.

Eng aneinander geklammert unb mit ber freien Hanb uns vorsichtig stützenb unb festhalienb, krochen wir Stufe für Stufe bie Kajütenstiege empor, bis wir oom Treppenhals aus bas Deck übersetzen konnten.

Unwillkürlich stieß ich einen Schrei bes Entsetzens aus. So schlimm hatte ich mir bie Wirkungen bes Sturmes doch nicht vorgestellt. Ein paar zersplitterte, mit Eis und Reif überzogene Holzftürnpfe waren bie einzigen Ueberbleibfel ber beiben Hinteren Masten. Nur vom . Fockmast stauben noch etwa fünfzehn Fuß 2In ber i Steuerborbseite wies bie Reeling flaffenbe Lücken auf, unb jebe Sturzsee, bie sich über bas Deck ergoß, s jchwemmte einen Teil bes umherliegenben Tauwerks i

Deutsches Reich.

* Berlin, 2. Nov. Die zweite Verordnung zur Ausführung der Devisenverordnung vom 12. Oktober 1922 wurde nunmehr im Reicksgesitz- blatt veröffentlicht. Sie bringt insbesondere Er­leichterungen für die Zahlung in ausländischen Devisen im Jnlandsverkebr, indem sie für diese grundsätzlich verbotenen Jnlandszahlungen gewisse Ausnahmen zuläßt. Ferner wird die Frage der Gültigkeit laufender Verträge, wobei effektive De- visenzahlungen ausbedungen wurde, geregelt.

* Ter 9. November. Die Vollversammlung der Berliner Gewerkschaftskommissionen beschloß laut ,Roter Fahne' den 9. November durch bolHtän» dige Arbeitsruhe zu feiern. Die Durchführung von Demonstrationen bleibt ben Arbeiterparteien überlaßen.

* Von dem Staatsgerichtshof. Wie die Blätter hören, ist die Anklageschrift in dem Untersuchung»» verfahren wegen des Mordanschlags auf Scheidemann jetzt ferliggestellt. Die Erhebung der Anklage vor dem Staatsgerichtshof dürfte in den nächsten Tagen erfolgen.

* Ein neuer Kriegsbeschuldigten Prozeß. Einer Meldung aus Leipzig zufolge findet am 12. No­vember vor dem Reichsgericht ein neuer Kriegsbe»