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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

49. Zahrg

Nr. 249

Darüber berichtet uns

(Tel.) Im Laufe des einer offiziellen Sitzung

Programm stattgefunden, ein Privattelegramm:

wtb Paris, 27. Ott. gestrigen Nachmittags bei

ungeheurer Gewalt nach der anderen Seite geschleudert, und von neuem hörte ich das Krachen splitternden Holz­werkes und vernahm ein dumpfes Gurgeln und Rau­schen wie von hereinbrechenden Wassermassen.

„Wir sinken!" schrie ich in Todesangst, denn der weiße Gischt, der die Kajütenfenster beständig überspülte, er­weckte in mir die entsetzliche Vorstellung, daß wir uns bereits unter der Wasseroberfläche befänden.

Mrs. Burke antwortete nicht. Sie klammerte sich noch immer krampfhaft an den Stützbalken. Schließlich erlahmte ihre Kraft. Erschöpft ließ sie sich an dem Pfeiler herabgleiten, stieß mit den Füßen hart an die Kajütenwand und blieb einige Augenblicke wie tot neben mir liegen. Dann aber packte sie oerzweiflungsvoll meine Hand und schrie:

„Um Gottes willen, was ist passiert?"

„Wir wollen versuchen, an Deck zu gelangen," schrie ich zurück, denn in dem entsetzlichen Toben der Elemente konnte man sich nur durch Aufbietung aller Lungenkräfte verständlich machen. „Sollen wir hier unten elend er­trinken?"

„Reden Sie nicht so," jammerte die Aermste. „Wo ist Edward? Was soll aus uns werden?"

Ein donnerähnliches Gebrüll über uns ließ sie ver­stummen. Gewaltige Sturzseen mußten Über das Quar­terdeck gegangen sein, denn gleich einem brausenden Ka­tarakt stürzten plötzlich schäumende Wasiermassen die Kajütentreppe herab, und im Nu standen wir bis an die Brust in der wirbelnden Flut.

Mrs. Burke kreischte in Todesangst.

Doch allmählich richtete das Schiff sich wieder auf, erst langsam — dann mit einem plötzlichen Ruck, der das plätschernde Naß um uns her in Gischt verwandelte. Hinter uns öffnete sich eine Tür und Mr. Owen tau­melte herein.

„Mein Gott," rief er aus, mühsam auf den Pfeiler zu watend, an dem Mrs. Burke und ich uns fefthielten, „was ist passiert? Meine Kabine steht halb unter Wasser!"

„Still!" erwiderte Mrs. Burke, die gerade angestrengt nach oben lauschte. An Deck wurden Männerstimmen laut, und wenige Sekunden später rief der Kapitän von Ken obersten Stufen der Kajütcnircppe zu uns hinab:

I Bezugspreis: MonaM-d 140 Mk. zuaestelb tret ins Haus. :: Abgeholt In der Geschästsst.lle 135 Hit "•

Anzeigen: Kleinzeile nachTo'one'S.00M.: ausw.10.00Mk. R e t > o m e z » i' e lTeN^eite> nach Colone maß 30 Mark.

Das Berliner Programm Ser Reparatlonskommißiou Mitte November Parloments-Neumahten itt England. Die italienische Regierung zurückgetreten.

üerantroortlict) tüt Ben ceoainonellen leti. Dr. 3- Stamer. u tut die Anzeigen: 3- Aarze >-r-S«w-. -

Rotationsdruck u. Verlag 6«^rnr fnrt a m 'emiDtecber Nr. « Post'ckeck-Konw 4051 Frankfurt a. Jt.

Die karioffelverforgung.

Der Reichsernährungsmini st er hatte auf den letzten Ernährungsministerkonferenzen in Berlin und Hamburg erklärt, er würde so­fort zur schärferen Zwangsmaßna hm en übergehen, wenn Mangel oder Preistreiberei am Kartoffelmarkte einträte. Wie die „Zeit" mitteilt, hat das sächsische Wirtschaftsminffterium fetzt an Fehr die Frage gerichtet, was er gegen die Zu­rückhaltung der Kartoffeln zu tun gedenke.

Deutsches Keich.

* Berlin, 27. Oft Reichsfinanzminister Dr. Hermes ist von feinem Kuraufenthalt in Bad Kif singen hierher zurückgekehrt und hat die Leitung des Mnanzministeriums wieder übernommen. — lieber Besoldungsfragen wird zwischen der Regierung und dm Spitzenorganlsationen bereits wieder verhandelt. Einigung ist noch nicht er­zielt. Die Verhandlungen über die neue Lohnrege­lung für die Reichs- und Staats ar bei ter, die im Reichsfinanzministerium begonnen beben, führ­ten bisher zu keinem Ergebnis. — Mehreren Blät­tern zufolge hat der Reichsanwalt die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Pfarrer Traub wegen Beleidigung des Reichspräsidenten vor dem süddeutschen Senat des Staatsge­richtshofes zum Schutze der Republik beantragt.

* Das Ministerium Lerchenfeld in Bayern soll nach übereinstimmenden Meldungen infolgeMeinungS- verschiedenheilen über die Wirtsckaftsfragen und anderes schwer erschüttert sein. Graf Lerchenfeld persönlich ist angeblich amlSmüdc.

Einsicht »der wellkataftrophe.

Eine amerikanische Stimmt.

Einer Reutermeldung aus Rewyork zu­folge erklärte Sir George Palsh in einer Rede, nur wenn die Böller aller Nationen darauf bestunden, daß die Staatsmänner ihre wirtschaftlichen und politi­schen Anschauungen änderten, könnte das Herannahen der Weltkatastrophe abgewandt werden. Die Staats­männer aller Nationen seien in einer gemeinsamen Anstrengung begriffen, die Nationen daran zu ver­hindern, ihren Verpflichtungen gegeneinander nachzu­kommen und brächten so die ganze Welt zum Bankerott.

Etwas viel auf einmal, möchte man airsrufen, an­gesichts der in den Ueberfchristen mitgeteilten Ta.fachen. Die ganze europäische Politik kommt in eine Bewe­gung, die fast Schwindel erregen könnte. In den tollen Wirbel ist natürlich das Schicksal Deutschlands eng verflochten. Jetzt muß sich jede Unbesonnenheit, die in unserem Lager begangen wird, doppelt rächen. Das deutsche Volk muß gerade in diesen Tagen dm Beweis erbringen, ob es politisch reis ist und verdient, wieder eine würdigere Rolle in der internationalen Politik zu spielen als in den Jahren seit dem Kriege. Ln den Tagens da die, Resarotionskommission im Berlin sich aushalten will, kann es für einen vater­ländisch gesinnten Deutschen wohl kaum etwas anderes geben als sich hinter den Reichskanzler zu steilen, der nun für Derrtschland das Wort sichren muß. Er muß das Allgemeinwohl, das Bolkswohl, vertreten. Gerade in einem solchen Augenblick haben Privatirrteresfen und Sonderwünsche unbedingt in den Hintergrund zu treten. Wer sie doch lärmend geltend macht, begeht ein Verbrechen am Volke.

Dor der Ankunft der RepLo.

Die Reparationskommission, Repko, wie sie jetzt der Kürze halber vielfach genannt wird, soll in Berlin eintreffen. Geführt wird sie von dem früheren französischen Justizmmifter und Unterhändler in Genua, dem jetzigen Repkovorsitzenden Barthou. Außerdem beteiligen sich an der Berliner Fahrt Bradbury, Salvago Raggi und Dela­croix mit sämtlichen Beisitzern. Mit ihnen reisen der Generalsekretär der Kommission und einige Beamte, im ganzen 16 Personen.

Nachdem Barthou vom französischen Minister­präsidenten Poincare empfangen worden war, hat in Paris eine Vorbesprechung über das Berliner

im Hotel Astoria einigfen sich die Delegierten der Rexarakionskommission über das Programm ihrer bevorstehenden Reise nach Berlin. Ls liegt ein belgischer kompromißoorschlag

der Sommission vor, eingebracht von dem belgischen Sommissionsmitglied Delacroix, der nur einer kurzen Diskussion unterzogen wurde. Rach den Pariser ZNorgenblättern soll dann der Plan des französischen Sontrollsysiemes (Denkschrift Barthou) erörtert und vorgeschlagen worden sein, von Deutschland zu verlangen, die sofortige Kontrolle anzunehmen, wahrend der Vorschlag eines Zahlungsaufschubes der Brüsse­ler Konferenz vorgelegt werden soll, die die gesamten Reparationsprobleme behandeln wird.

Wie weit die Informationen der Pariser Blätter das Richtige treffen, läßt sich natürlich nicht sagen. Daß man jetzt alles auf einer KonferenzinBrüssel ins Reine bringen will, scheint zuzutresfen. Auch aus dem Haag wird gemeldet, daß der belgische Mimster- präsident Theubnis im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten erklärt habe, der Sturz der deut­sch e n M a r k sei ein Beweis dafür, daß Dmtschland finanziell nicht so kräftig dastehe, wie man anfangs

Während wir uns vorsichtig an Dan Wänden entlang tasteten, um bei den starken Schwankungen des Schiffes nicht das Gleichgewicht zu verlieren, tarn Mr. Dm’n mit einer Flasche und einem Glas aus der Vorratskammer. Er bot uns einen Schlwck Branntwein an, doch Mrs. Burke sowohl als ich verzichteten darauf, da wir in einer so ernsten Situation unserer Sinne völlig Herr bleib«; wollten.

Meine Kabine, die etwas höher tag als die Hau,vt kajüte, war leidlich trocken geblieben, sodaß ich mich uin kleiden konnte. Vergebens versuchte ich bann, durch ti Lichtöffnung etwas von den Vorgängen draußen wahr zunehmen. Ich sah nichts als schäumende Wassermassin die unablässig gegen die Schiffswand donnerten und das Kabinenfenstsr überspülten.

In der Kajüte war das eingednungene Wasser mitt- lerweile verschwunden, doch hatte der dicke Teppich sich so vollgesogen, daß jeder Tritt eine Pfütze hinterließ. Die Lampe brannte noch immer, nur das Dfenfeuer war erloschen, und eisig wehte mir eine von scharfem Salzgeruch erfüllt- dumpfe und feuchte Luft entge­gen, als ich aus meiner Kabine tret.

Mrs. Burke hatte kaltes Fleisch auf den Tisch gestellt und nötigte mich zum Essen. Sie selbst würgte gleich­falls ein paar Bissen hinunter und versuchte krampf­haft, mich durch zuversichtliche Blicke und Worte zu er­mutigen.

„Noch leben wir," sagte sie. „und da die Lad» Emma ein außerordentlich seetüchtiges Schiff und mein Mann einer der erfahrensten Seeleute ist, so brauchen wir uns nicht zu ängstigen. Wo ist eigentlich Mr. Owen?" fügte sie hinzu, indem sie sich suchend umblickte. Sie klopfte an die Tür feiner Kabine, öffnete und rief hinein:

„Wollen Sie nicht ein paar Bisten mit uns essen?"

„Nein, danke," klang es in eigentümlich undeutlichem Ton zurück.

Mrs. Burke sah den Doktor eine Weile forschend an, schloß bann die Tür und setzte sich wieder zu mir an den Tisch. Die Bewegungen des Schiffes waren io plötzlich imb unvermittelt, daß wir ans nur mit großer Mühe auf unseren Sitzen behaupten konnten und die Speisen alle Augenblicke vom Tische herabfielen.

in' den Ententeländern angenommen habe. Die^ga.'.ze Reparation müßte revidiert imb die deutsche Schuld herabgesetzt werden.

Durch verschiedene Ereigniss« in Europa wird leider die baldige Regelung der Reparationsfrage nicht be- aünftick. Der Wechsel in der englischen Regierung ist dabei m erster Linie zu nennen. Dem Kabinettswech- d ist jetzt die

Auslosung des Unterhauses.

«folgt Aus London kommt die Meldung: Das im Dezember 1918 cewählte Parlament ist aufge- [ ö st worden. Der König ha! den enffpreche.den Er­laß unterzeichnet. Damit ist der Auftakt zu einem Wahlkampf gegeben, der nach den jetzt schon be­kannt gewordenen Reden und Wahcknrfrnsen der ver- chiedenen Parteien schwer werden wird um£> jeden- alls einen großen Teil der politischen Energie Eng- ands auszehren dürfte.

Zu allem Ueberfluß ist nun auch noch die italienische Regierung MSckgrtreten. Nachdem schon vor einigen Tagen anläßlich einer gro­ßen Tagung der nationalistischen Faszisten-Partei in Neapel beunruhigende Meldungen gekommen waren, besagt nunmehr ein Privat-Telegramm folgertbes:

wtb Kon», 27. Okt. (Tel.) Das Kabinett de Fakta ist zurückgetrelea unter der Drohung der F a s z i st e n. die die Teilnahme an der Regierung verlangen und die allge- meine Mobilisation sämtlicher faszi- siischen Organisationen in Italien durch Dekret angeordnek haben. Man sieht die Lage jedoch optimistisch an und glaubt die Bildung eines Ministeriums durch Orlando oder Giolitti Voraussagen zu können.

Es ist möglich, daß sich aus der italienischen Kabinettskrise gleichfalls mit in England Kammer- auflöfung und Neriwahlen heraus entwickeln. Neben den faszistrfchen Forderungen ist auch in Italien die dort rvachsende Lebensmittelteuerung für das Kabinett de Fakta zur Ursache des Sturzes ge­worden.

Während es in Europa so wenig an aufregenden Ereignissen fehlt, wird auch bei uns in Dsutschland fortgesetzt in der Reichshauptstadt beraten und vor- handest.

Ser Aanzler über die Lage.

Die Berliner Besprechungen.

lieber die Besprechungen der Parteiführer beim Reichskanzler werden folgende Einzelheiten bekannt: In einer einleitenden Ansprache wies der Reichskanzler auf die Bedeutung der bevorstehenden Ankunft der ausländischen Währungs­fachverständigen und der Mitglieder der Re- parationskommiffuon hin. Dieses hochpolittfche Er­eignis habe ihn abgehalten, im Namen der Reichs­regierung rm Reichstag eine Erklärung abzugeben, da durch eine solche Erklärung die Verhandlungen

Ausland.

* Dir Verhältnisse in Sibirien. Nach einer Havasmeldung aus Tokio haben die letzten Truppen der japanischen Beiatzungsarmee in Sibirien Wladiwostok verlassen. Vor der Abfahrt halten sie den Roten Waffen und Munitiion übergeben. — Reuter meldet aus Wladiwo tok, daß die Truppen der Tscheka in vollkommener Ordnung in die Siadt eingezogen seien.

* Eine Verhaftung in Äther. Reuter meldei aus Alhen, daß Prinz Andreas von Griechen­land im Zusammenhänge mit dem miliiärischen Zusammenbruche Griechenlands verhaftet worden 'st- __________________ ______

ÄUS dem besetzten Gebiet.

— Sie Amerikaner als Helfer der Lernuufk. Ir einer kleinen Anfrage führte ßanbtaysabgecrbneter Buch Horn Beschwerde darüber, daß die französijche Besatzun» von Engers in der Gemarkung Neuwied etwa 13( Morgen besten Ackerlandes zur Anlegung eine- Exerzierplatzes zu beschlagnahmen beabsichtige Das Staatsminifterium wurde gefragt, was es zu tu» gedenke, um die drohende Beschlagnahme, Lie unser-

Roman von Clark Russell.

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„Allerdings," entgegnete ich, „und es ist mir jetzt voll­kommen verständlich, daß ein echtes Seemannsherz an seinem Schiff hängt wie an einer Geliebten. Kommt mir’s doch mitunter selbst so vor, als ob die Lady Emma ein lebendiges Wesen sei, das bei jeder Welle und jedem Windstoß lauschend die Ohren spitzt."

Mrs. Burke warf mir einen zärtlichen Blick zu.

„Wenn Mr. Moore nicht wäre," sagte sie, „so möchte ich zehn gegen eins wetten, daß Sie einmal einen See­mann heiraten würden, Miß Otway."

Ich schüttelle schweigend den Stopf.

„Nun, das öeeleben bekommt Ihnen doch ganz aus­gezeichnet," fuhr sie fort, „trotzdem wir jetzt in der Nah- des schrecklichen Kap Horn sind, von dem Ihr Herr Batt« um Ihretwegen solche Angst hatte. Müssen Sie nun mch-selber zugeben, daß es lange nicht so schlimm ist, wie Sie sich s dachten?"

Ein gellender Aufschrei, der durch die Decksplanken gedämpft, abe- deutlich zu uns herunterklana, unterbrach sie. Gleich darauf legte sich das Schiff unter der Wucht eines plötzlichen, orkanartigen Windstoßes auf die Lee­seite, sodaß die Kajütenfenster tief in die schäumende Salz- flut hinabtauchten. Ich fühlte, wie mein Stuhl unter mir fortrutfchte, und ohne mich halten zu können, rollte ich in eine Ecke, wo ich halb betäubt, aber unverletzt liegen blieb.

lieber mir hing Mrs. Burke, hllflos an einen Stütz­balken geklammert, so daß ich jeden Augenblick fürchten mußte, sie könne auf mich herabstürzen. Das Schiff lag ganz auf der Seite, und in das Heulen des Sturmes und den bonnemben Anprall der Wogen mischte sich ein unheimliches Krachen und Knirschen.

Ich versuchte mich zu erheben, konnte mich aber faum ein wenig auf den Knieen emporrichten, so stark war die Neigung des Fußbodens, der wie eine schräge Wand leben mir aufragte. Plötzlich wurde bas Schiff mit

mit der Reparationskommission möglicherweise prä- judiziert worden wären. Die gleiche

.< ai Dedachknahme

auf die bevorstehenden politischen Verhmtdlungen erbitte er auch v o n d e n P a r t e i e n. Sie moch­ten der Sachlage dadurch Rechnung tragen, daß sie versuchen, eine gemeinsame Plattform zu finden, auf die sich eine für die kommenden Er­eignisse notwendige starke Regierung stützen könne.

Für die Sozialdemokratie vertrat dann Abg. Müller-Franken die von der sozialdemokra­tischen Fraktion vertretenen Forderungen auf dem I Gebiete der Währungs- und der Ernährungspolitik. I Wenn seitens der Regierung jetzt nichts Durchgrei- endes geschähe, werde die Sozialdemokratie in der I ommenden Woche nochmals zufammentrsten, um I endgültige Beschlüsse über ihre zukünftige Haltung gegenüber der Regierung und der Koalition zu fas­en. Diese Warnung wurde durch den Reichswirt- I chastsminister Schmidt unterstrichen, der längere Ausführungen über die Wirtschaftslage des Reiches machte, die gekennzeichnet sei durch die positive Ten- I denz der Handelsbilanzen. Wolle man die Aus­fuhr steigern, so bedinge das eine Erhöhung der Arbeitsleistung. Im Ruhrremer sei das lieber» schichtenabkommen zwar zustandegekommen, aber in der Ausführung habe es nicht die Hoffnungen I erfüllt, die man darauf gefetzt habe. Es sei jedoch zu hoffen, daß dieses Ueberschichtenabkommen, eben­so wie ähnliche Abkommen auch für andere Indu­strien zu hoffen seien, bald in höherem Grade

Mehrproduktion

zeitigen werde. Der Reichswirtschaftsminister er­örterte darauf die Vorschläge, die er zur Verbesse­rung der erlassenen Devisenverordnung gemacht hat. Diese laufen in der Hauptsache auf eine Stützungsaktion der Mark durch Heranziehung des Goldes der Reichsbank und auf einen verschärf- tm Kampf gegen die überflüssigen Wechselstuben, gegen das Hamstern von De­visen und gegen die Nutzbarmachung von Devisen­beständen zu anderen Zwecken als denen der Ein­fuhr von Rohstoffen hinaus.

Nach Ausführungen des Abg. Stresemann, der von der Regierung Auskunft über den Stand der Reparationsfrage verlangte, gab der Reichskanzler eine ausführliche Darlegung der internationalen politi­schen Lage und machte dabei vertrauliche Mit­teilungen über die Tätigkeit der Regierung in der letzten Zeit. Die Reich-regierung habe das Repara- tronsproblem niemals passiv, sondern immer aktiv behandelt. lieber seine innerpolitische Stellung er­klärte der Reichskanzler, daß er weder der Kanzler der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft, noch der der Sozialdemokratie fei. Die Regierung bestehe aus drei Parteien und diese Koalition sei die Drücke, auf der er sein Amt führe. Nach Ausführungen der Abgg. Hilferding (S.), Lange-Hegermann (Z.), v. Raumer (D. Vpt.), Koch (Dem.), Müller- Franken (Sm.), Rießer und Stresemann (D. Dpt.) wurde schließlich tem Vorschlag des Reichs­kanzlers auf Bildung zweier engeren Aus­schüsse zugestimmt.

„Edward, komm herunter," schrie Mrs. Burke, „sag uns ums Himmels willen, was ist passiert?"

„Wie hoch steht bav Wasser in der Kajüte?" fragte er zurück, stieg bann selbst die Stufen hinab unb sah sich mit irren, verstörrten Blicken in dem verwüsteten Raume um.

„Sag uns, was ist passiert?" flehte Mrs. Burke wie­der, „wir sind beinahe ertrunken unb halb tot vor Angst."

„Das Schiss ist ein Wrack," erwiderte er, noch immer halb geistesabwesend. „Alle drei Masten sinb über Bord gegangen."

„Allmächtiger Gott!" schrie Mary auf, unb mit asch­fahlem Gesicht versuchte Dr. Owen die Kajütentreppe zu erklimmen. _ _ ....

Doch mit ausgestreckten Händen wies der Kapitän ihn zurück. .

„Halt, so weit sind mir noch nicht," rief er. „ras Wasser hier wird sich verlaufen. Kümmern Sie sich um bie Damen uD sorgen Sie dafür, baß sie trockene Kleider aus den Leiv unb einen Schluck Branntwein in ben Magen bekommen. Ich muß nach oben."

Er eilte die Treppe hinauf unb schloß die Kajütentür hinter sich zu. Vergebens schrie Mr. Owen ihm nadn „um Gottes willen, schließen Sie uns doch nicht ein! Vergebens rüttelte er verzweifelt an der Tür — sie gab nicht nach.

Auch mich erfüßte bie Vorstellung, hier unten ge­fangen zu sein, mit rasender Angst, unb Mrs. Burke ver­suchte vergeblich, mich zu beruhigen.

„Mein Mann fürchtet, es könnte noch mehr Baffer hier einbringen, unb hat daher bie Tür zugeschlossen," sagte sie. „Er glaubt uns in der Kajüte besser aufge­hoben als an Deck unb mjrb uns sicherlich nicht elenb er­trinken lassen."

„Aber er kann über Bord gespült werben unb bie an­deren denken dann nicht an uns," wandte ich verzweif­lungsvoll ein.

„Nein, nein, kommen Sie nur," redete Mrs. Burke mir zu. „Sie müssen sich umziehen, sonst erkälten Sie sich auf den Tod. Horch, was ist das wieder für ein Geräusch? Ah, die Pumpen sind in Tätigkeit. Kommen । Sie, Coeline!"

I „Wie sieht's da unten?"