Einzelbild herunterladen
 

Nr. 248

I Bezugspreis: Monatlich 140 M. zuaeftelt irei ins Haus.

" Aboeboli in der Geichältsst.lle 136 Ulk. n I AQ Tqmfq Anzeigen: Kleinzeile nachlo^one'S.OOMk. ausw 10,00M. I • J J J3* Reklame zri > e (?ert breite nach Colone maß 30

verantwortlich tür Orr ^oauioneUen leii: Dr.?. Kramer, für die Anzemen: 3- fPotgeiiet*t$u«Da. -

Rotationsdruck u. Verla" d« Fuldaer ^c^ndruckere' in FuIda 'erni-i etter u Poktttbeck-Konw 4051 manfmti a^t<

FuldaerZertung

Amtticher Anzeiger für den Kreis und die Skadi Fulda.

es von luvwärts gekommen — dwars ab von leewärts gepackt

!en gewesen ist und sich um ihre i Verdienste erworben hat, klar-

obcr bätt's uns — oder ein bis

tretrrin bei Förderung

Wie ein Pfeil schoß sie in den Abgrund hinab. Mir schwindelte und ich fühlte, daß mein Herz zu schlagen aushörte. Denn so abschüssig war die Rückwand dieses Wasserberges, daß ich glaubte, unser Schiff werde zu tief Hinabschiehen, um je wieder empörteuchea zu können

Doch das Wasser hinter d»r gewaltige,» Welle war so glatt, daß der Bug der Lady Emma wie eine Boje cmporschnellte ...

»Trimmt die Segel, Wache!" kommandierte Kapitän Durke, woraus er vom Ruder forttrat und aus uns zu­kam. »Bringen Sie dar Schiff wieder auf den alten Kurs, Mr. Green. Das hing an einem Faden! Wäre

zwei Strich tiefer beladen angetroffen, dann---’

Er brauchte den Sah nicht zu beenden, wir konnten uns den Rest allein ergänzen

„Was war das denn eigentlich?" fragte ihn seine Frau stammelnd.

„Eine Sturmflut!" antwortete er, noch immer weih wie Kalk.

Er blickte leewärts.

Es war eines teuer vulkanischen Späßchen, die von Zeit zu Zeit die Inseln Ascension und St. Helena zu I vernichten suchen.

Nach diesem gefährlichen Zwischenfall verliefen die nächsten Tage ereignislos. Mir war vor der Kälte, die in dieser stürmischen, unwirtlichen Weltgegend des Kap Horn herrschen sollte, reckt bange, doch erwies sich meine Furcht als übertrieben, denn ich sand das Klimg durch­aus nicht so unerträglich, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Meine Garderobe war mit Pelzsachen und anderen warmen Kleidungsstücken reichlich versehen, und meine | in der herben Seeluft schon erstarkie Gesundheit verlieh mir Widerstandfähigkeit gegen die Unbilden der Witte- I rung. Da in der Kajüte außerdem das Feuer den gan­zen Tag nicht ausging, so lieg dec Frost sich ganz gut ertragen, obwohl wir mitten ’m 3uni waren, dem kälte­sten Wintermonat der südlichen Halbkugel, und die Sonne nur vier bis fünf Stunden lang als kleiner, glutroter Feuerball am Himmel stand.

Eintönig verflossen die Tage Zwischen Essen und Trin­ken, Lesen und Plaudern und allerlei Bejchastigungs-

Finanzkcmferenz der deutschen und ausländischen Sachverständigen sowie der Regierungsoertretep veranlassen wird.

Reichsfinanzminister Dr. Hermes wird, nach dem „Verl. Tagebl.", dieser Tage aus Kifsingen zurückkehren, um an den weiteren Finanzbespre- chungen und den wahrscheinlich am Dienstag be« ginnenden Verhandlungen der

Reparationstommifiion

teilnehmen zu können. Das Reichsfinanzministe­rium dürfte bestimmte Vorschläge für die Stabili­sierung der Mark unterbreiten. Die Arbeiten für diese Vorschläge sind gegenwärtig noch in vollem Gange. In den letzten Tagen hat auch die vom Reichswirtschaftsrat eingesetzte Kommission täglich Sitzungen abgehalten. In der Mittwoch-Sitzung machte ein Vertreter des Reichsfinanzministeriums längere Ausführungen über die Frage der innerenDolksanleihe.

Zentrumsfraktion und Reichskanzler.

Die Zentrumsfraktion des Reichstages beriet in einer längeren Sitzung über tie Lage. Auch der Reichskanzler nahm an der Be'Piechung teil und nahm wiederholt das Wort. Aus den Mitteilungen des Reichskanzlers ist zu entnehmen, daß er mit Energie an d.e Lösung der schwebenden Fragen her» auzuaehen beabsichtige. Zum Schluß wurde eine Resolution gefaßt, in welcher die Fraktion sich einmütig hinter den Reichskanzler stellt.

Rach dem „Vorwärts" dienten bei den am Mitt- | woch geführten Verhandlungen der Sozialdemokra­tie mit der Reichsregierung die Beschlüsse der sozialdemokratischen Reichstagsfrak­tion vom letzten Dienstag als G r u n d l a g c. Als wichtigste Voraussetzung für die Gesundung der Wirtschaftsverhältnisse sei eine planmäßige Aktion

zum Schutze der Mark

ersorderlich. Zu diesem Zwecke soll ein D e v i s e n- fonds bereitgestellt werden, um den tatsächlichen Bedarf der deutschen Wirtschaft innerhalb der näch­sten drei Monate zu befriedigen. Dafür soll ein Teil des Goldbestandes der Reichsbank in Anspruch genommen werden. Die Sozialdemo- I traten sind für die Aufrechterhaltung der Devisen- Verordnung. Dem weiteren Fallen der Mark könne aber nur Einhalt getan werden, wenn auch die

Devisenkontrolle

verschärft wird. Um den Kapitalbesitzern Gelegen­heit zu geben, ohne in fremde Devisen flüchten zu müssen, ihre Kapitalien gegen Entwertung zu sichern, wird die Ausgabe einer wertbe- ständigenAnleihe durch die Reichsbank ver­langt. Reben den eigentlichen währungspolitischen Fragen seien auch sinanz- und wirtschaftspolitische | Maßnahmen notwendig. In diesem Zusammen­hang verlangt die Fraktion erneut beschleunigte

I Steuereinziehung und Unterbindung derLuxuseinfuhr. Es dürfe nicht zugelassen werden, daß Kartoffeln und Getreide für die Er­zeugung von Trinkbranntwein verbraucht werden. Auch die Forderung auf vollständige Erfastung der wichtigsten Lebensmittel wird die Fraktion erneut der Regierung gegenüber vertreten. Eine endgül­tige Ordnung und Gesundung unserer Wirtschaft könne nur herbeigeführt werden, wenn die Ver-

I Handlungen mit der Reparations­kommission zu einem günstigen Abschluß füh-

I ren.

I Im Anschluß an die Besprechung mit den sozial­demokratischen Führern fand die Konferenz der

Berliner Dankfachleuke

unter dem Vorsitze des Reichskanzlers statt. Die Besprechungen, die noch keine Beschlüsse zeitig­ten, werden heute fortgesetzt werden. Abends war

I eine Besprechung zwischen dem Reichskanzler und den Führern der Koalitionsparteien sowie der Deut-

I scheu Volkspartei. Hierbei wurden die Vorschläge I des Reichswirtschaftsministers zur Abänderung der I Devisenverordnung erörtert.

Die bevorstehenden Beratungen der Reichsregie- I rung mit den ausländischen Finanz- I sachverständigen werden sich, dem „Verl. Tagebl." zufolge, in der Form abspielen, daß die

I Reichsregierung zuerst die Ansicht der einzelnen Der- I freier anhören wird und dann eine allgemeine

Die Berliner Besprechungen

Meinungsaustausch der Zinanrmänner.

zuiegM. Und dabei hat das Zentrum noch ausdrück­lich bei dieser Gelegenheit das Verlangen an die Reichs« regierung gestellt, ein besonderes Reichsge« setz über das Privalschu'wesen möglichst bald zur Vorlage zu bringen.

Aber die Hetze gegen das Zentrum geht bei den Deutschnationalen anscke n-nü ?urv M»rr all«. Es muß schlecht um eine Sache bestellt sein, wenn sie sol­cher Verdächtigungen anderer Parteien bedarf, wie sie anscheinend die Deutschnationalen zur Kräftigung ihrer Sache für notwendig erachten. Mit aller Entschieden, heit muß die Zentrumsfraktion gegen diese Art des Vorgehens sich vermähren. Wir bitten unsere Partei­freunde, der Entwicklung dieser Angelegenheit die vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden.

die in den Gemeinden nicht vorhanden sind, oder zur , Errichtung ron privaten Volksschulen (Au.kel 11t I Abjag 2 der Reichsversajsung) ist tunlichst zu sordern.

Der An.iag bezweckte, w.e sich au- der Begrirubung in I der Ausschußsitzung er^ab, der Gesetzgebung der ein- I zemen Länder zur Pflicht zu machen, die gesetzliche Mooiiichien der Verbindung von Schulverbanü-n zur U-ttecha.tung von Schulen zu schassen, deren Unter­haltung den einzelnen Verbunden finanziell un« möglich träte. Der Antrag der Deulschnationalen wurde vom Zentrum, und sicher mit gutem Recht, für | unbrauchbar erklärt. Denn es verspr icht wenig Erfolg, dM Ländern nur die „tunliche Förderung" der Er- ricbtung von solchen Verbindungen aufzuerlegen. Das | Zentrum hat, als der Sinn des deutschnationruen An- I träges, der nicht ohne werteres ersichtlich ist, von den Antragstellern flarg.tegt war, den berechtigten Inhalt des deu-schnationaien Aittrags in folgenden Antrag zu- fammengechßt: „Die Landesgesetzgebung hat die Ver­änderung und Verbindung der Verbände zum Zweck der Einrichtung und Unterhaltung von Schulen zu re­geln, deren Einrichtung und Unterhaltung von den einzelnen Verbänden anderenfalls nicht durchgeführt werten kann." Hier wird mit Recht der Landesge etz- gebung diese Regeurng zur Pflicht gemacht und kein anderer Weg wird auch voraussichtlich zmn Ziele führen. Statt gegen das Zentrum unberechtigte Vor­würfe zu erheben, so tten die Deu.schnutionalen dem Zentrum danlbar fern, daß es die von ihnen ange-

। wogte Frage in eine gesetzlich brauchbare und zweck- wüßige Form gckieidet hat.

Aber noch nicht genug damit: Der weiter in dem erwähnten Antrag ausgesprochene Gedanke, „die Er­richtung von Schulzweckvcrbänden zur Errichtung von Privatvolksschulen tunlichst zu fördern", ist in dieser Form durchaus unbrauchbar. Man denke sich SchMzweckverbände, also öffentliche Organisatio- mn sollen gefördert werden gut Errichtung privater Volksschulen! Das ist geradezu grotesk. Die auf diese Weise errichteten Volksschulen würden naturge­mäß überhaupt keine privaten sein können, fo.iiern selbstredend öffentliche Bo.ksschulen sein. So feit ft« I verständlich das ist, der Umstand, daß das Zentrum sich gegen diesen in sich unsinnigen Antrag gewandt und darauf aufmerksam gemacht hat, daß er keines­falls in ein Gesetz zur Ausführung des Artikels 146, Absatz 2 der Rei chs Verfassung gehört, gibt den Herren der deutschnationalen Partei ausreichend Veranlas- I sung, dem Zentrum vorzuwerfen, es lege keinen Wert mehr aus die Förderung von privaten Volksschulen. Man braucht diesen Anwurf hier nur festzunageln, um seine ganze Ungeheuerlichkeit gegenüber einer Par- | tei, die seit jeher die wär.rfte und erfolgreichste Ver­

spielen in der Kajüte. Mehrmals sichteten wir ein Schiff, doch fand sich während der ganzen Zeit keine Gelegenheit, einen zweiten Brief nach Hause zu senden.

Ich weiß nicht mehr genau, welchen Breitengrad wir an dem Tage, dessen Verlauf ich jetzt schildern will, er« reicht hatten,, doch erinnere ich mich, daß wir aus Grün­den, die sich meiner Kenttmis entzogen, von unserem Kurs weiter nach Süden abgewichen waren, als der Kapitän eigentlich beavsichtigt hatte. Ein trüber, kalter Morgen brach an. Cs schneite mit geringen Unterbre­chungen. Die See ging hoch, und van Süden her wehte eine schwache, aber eisige Brise.

Ms wir beim Mittagessen saßen, wurde auf den oberen Stufen der Kajütentreppe die ganz in rauhes, dickes Seemannstuch gekleidete Gestalt des ersten Steuer­mannes sichtbar, von dessen Gesicht nur die rote Nasen­spitze zwischen den gewalttgen Ohrenwärmern feiner

i Pelzmütze hervorguckte

„Leewärts ist ein großer Eisberg in Sicht!" rief er i uns zu. „Vielleicht will das Fräulein ihn sich mal an« I sehn."

Eiligst zog ich mich warm an und ging mit dem i Kapitän an Deck.

I Etwa zwei Meilen entfernt tauchte aus dem fahlen Grau der Schneewolken in alabasterheller Schönheit eine gewaltige Eismasse empor, die in ihrer Form einer gi«

I gantischen Kathedrale glich. Schäumend brachen sich an ihrem Fuß die schwerflüsiigen, bleifarbenen Ozeanwel- len; schneeweiße Sturmoögel umflatterten die leuchten­den Zinnen dieses großartigen Bauwerkes der Natur und erhöhten durch ihre Anmut noch den zauberhaften Reiz des Bildes.

„Woran erinnert dieser Eisberg doch nur?" fragte Mr. Owen, der mit Mrs. Burke neben mir stand.

„An einen Dom," gab ich zur Antwort. „Wahrhaftig, Sie haben recht!" rief er aus.

„Angenehmer Gedanke, in einer dunklen Sturmnacht mit dem Ding da zusammenzuprallen," brummte Kapitän Burke mit einem besorgten Rundblick auf den schwer umroöltten Horizont.

. „Wie lange könnte man wohl auf so einem Eisberg I leben?" {ragte ich.

Zum Keichrschulgesetz.

Dan Senatspräsident W. Marx, M. d. R.

Die deutschnattonale Partei scheint in der jüngsten Zeit ihre ganze Kraft auf eine Verdäch­tigung der Tätigkeit der Zentrumsfraktion tm Reichstag konzentrieren zu wollen. Keine Gelegen­heit, mag sie passen oder nicht, läßt man voruber- gehen, ohne irgendwie sich zu bemühen,^ einen Grund zu konstruieren, um die wärmere Fürsorge der Deutschnationalen für Kulturfragen dar,zutun. Für heute sei kurz auf einige Agitationsmanover I hingewiesen, zu denen man den Anlaß aus den Ver­handlungen des Schulgesetzes entnehmen zu können glaubt.

Zunächst erhebt man ganz allgemein den Vor­wurf, das Zentrum verschleppe die , Be­ratungen des Reichsschulgesetzes. Dieser Vorwurf ist absolut unwahr, auußerdem auch außerordentlich töricht. Das Zentrum hat alle Veranlassung, auf baldige Verabschiedung des Reichsschul­gesetzes hinzuwirken. Es darf aber nicht übersehen werden, daß Schulgesetze überhaupt der Beratung große Schwierigkeiten darbieten, vor allem unter den gegenwärtigen Parteiverhältnissen des Reichs­tages. Wie schon mehrfach dargelegt, können die Beratungen im offiziellen Vildungsausschuß des I Reichstages nicht zu einem erwünschten Ergebnisse führen. Das Zentrum verfügt mit den rechtsstehen­den Parteien über 14 Stimmen, aber ebenso viele Stimmen entfallen auf die linksstehenden Parteien. Jeder grundsätzliche Antrag, mag er von rechts oder von links kommen, verfällt deshalb der Ablehnung, sofern keine Verständigung erfolgt. Das Zentrum hat deshalb von vornherein mit allem Ernst den Versuch unternommen, zunächst eine Verständi­gung über die grundlegenden Fragen des Schul­gesetzes zwischen den Koalitionsparteien herbeizu- I sichren. Die deutschnationalen Kritiker mögen ruhig dem Zentrum das Eintreten für feine Grundsätze und die Grundsätze der katholischen Weltanschammg überlassen. Die Deutschnationalen sind am aller­letzten'dazu berechtigt, hier mitzureden. In der Nationalversammlung haben sie das Zen­trum im Sticl>e gelassen, als es sich darum handelte, die konfessionelle Schule in der Verfassung soweit wie irgend möglich zu sichern. Damals haben sie ihre Mitwirkung wie so oft versagt, letzt wollen sie sich als die Retter der Konfessionsschule cmfspte- len, wo es sich um die Ausführung dessen handelt, was allein der zähe und unermüdlichen Tatigker« der Zentrumsfraktion zu verdanken ist. Jeder Ver­such der Verständigung nimmt selbstredend weit mehr Zeit in Anspruch, als die Beratung in Parla­mentsausschüssen, wo Meinungsverschiedenheiten einfach durch Abstimmung erledigt werden. In der Natur der Sache liegt es, daß sich Verhandlungen über Schulgesetze länger hinziehen als Beratungen anderer Vorlagen, bei denen es sich nicht um so tiefgehende Weltanschauungsunterschiede handelt.

In rechtsstehendcn Presseorganen fand man vor einiger Zett den Vorwurf, das Zentrum lasse an­scheinend die evangelische Konfessions- schule fallen und wenüe seine Sorgfalt nur der kath. Bekenntnisschule zu. Die Deutsche Zeitung faßt dir ■* Vorwurf noch boshafter in den Satz zusammen: „Das Zentrum rechne damit, daß es die katholische Schule schon sichern werde, wenn auch die evangelische dabei M kurz komme." Dieser nichswürdige Vorwurf ist ebenso unhaltbar wie der weitere, das Zentrum habe kein Interesse mehr an der Privüschule. Beide Borwürfe sind wohl daraus zurückzuführen, daß das Zentrum einen Antrag der Deutschnationalen zu § 5 des Schulgesetzentwurfes bekämpft hat, der lautete: „Die Errichtung von Schul'w?dverbänden zur Er­richtung oder Unterhaltung solcher Volk: schulen (§1),

Soziales.

— Die Angestelltenversicherung. Der sozialpolitische Ausschuß des Reichstages genehmigte eine Verordnung der Regierung, nach der die Versicherungsgrenze für die Angestellten auf 840 000 M festgesetzt wird.

Roman von Clark Russell.

4] ------------

Die Mannschaft flog an di» Brassen. Ihr geschultes Ohr hörte auZ Kapitän Burkes Stimme den Klang her­aus, der ihr fagte. daß es auf Tod und Geben ging.

Das Schiff gehorchte feinem Ruder wie die beste Rennjacht und machte mit den: Winde eine halbkreisför­mige Seitenschwenkuaz, daß bas Wasser schäumend bro­delte und die Klüsen bis in die unter ihren sich brechen­den Wogen eintauchten. La-,alarn richtete sich die Lady Emma wieder auf, als sie den Wind von achtern hatte, bis sie, ohne zu rollen oder zu stampfen, der heran­nahenden, langen, sel-wandähnlichen Wassermasse schnur­gerade entgegenschwebte.

„Haltet end) fest, alle Mann!" brüllte Kapitän Burke der mit dem Manne am Ruder die Speichen krampshaft gepackt hielt.

Mr. Omen joar hinter dem Besanmaste niedergekniet, während der eteuermann, Mr Green, an den Besans- roanten stand und sich krampfhaft festhiett. Es war, als ob über uns aus einer Wolkenbutterie unter unaufhör­lichem Krachen ein elektrischer Sturm losbrtidje Dabei schien das Schift plötzlich so hoch empargeworfen zu wer­den, daß sogar der Kiel frei in der Luft schwebte.

Gerade in dem Moment, als bas Bugspriet der Lady Emnra den schrägen Abhang der geroaltigen Wasserwand berührte, warf ich einen Blick .unter mich und sah, rote die Kante ihres Heckbords so leicht wie der Rand eines schwimmenden Löffels heruntergedrückt wurde, und in dem weißen Gischt, der sich gurgelnd unb rauschend über das Deck ergoß, neben dem Mann« am Ruder, leichen­blaß zwar, aber seit aufrecht, ein Bild ungebrochener Kraft, unfern Kapitän Burke.

Mit einem einzigen Knall wurden sämtliche Segel gegen den Mast gepreßt, und einen Augenblick später waren wir hoch oben auf dem Kamm der ungeheuren rollenden Wassersäule. In diese: Sekunde, da uns vor Entsetzen der Atem steckte, mar die Lady Emma der »ollen, ungebrochenen Wucht des Sturmes ausgesetzt.

Um den Achtstundentag.

Zu dem Brief an den Reichskanzler, in dem der greife rheinische Industrielle August T h y s s e n die Beseitigung des Achtstundentages anregte, schreibt die „Köln. Volkszeitung":

Gewiß, die entgegenstehenden Schw i erig t eiten sind ungeheuer groß, aber sie müssen und können über­wunden werden. Freilich nur dann, wenn alle, aber auch alle Berufenen, in erster Linie die maßgebenden Arbeiterführer, sich bereit finden, unser Volk in dem Sinne aufzuklären: Der Achtstundentag, der im Bolle als die größte soziale Errungenschaft angesehen wird — und unter normalen Verhältnissen mit Recht als solche gelten kann — soll grundsätzlich nicht ange- tastet werden. Es handelt sich um eine zeitlich zu be­grenzende N o t rn a ß n a h rn e, die mit allen möglichen Kautelen umgeben werden und mit andern Maßnahmen Hand in Hand gehen muß, damit sie ihr Ziel, „Volk unb Vaterland vor dem Untergang zu bewahren", auch wirk­lich erreicht. Was in dieser Hinsicht bei einer vorüber- gehenden Aufhebung des schematischen Achtstundentages zu geschehen hätte, wird sehr sorgfältig zu prüfen sein. Aber die Hauptsache ist zunächst einmal, daß der Stein ins Rollen gebracht, daß von den verantwortlichen Stellen der Mut an den Tag gelegt wird, dem er­lösenden Wort die erlösende Tat folgen zu lassen. In diesem Sinne kann jeder, der es mit unferm Volke gut meint, der mit August Thyssen der Meinung Ist, daß „die Masse des Volkes notfalls gegen ihren eigenen heftigen Widerstand vor dem vollständigen Ruin geschützt werden muß", nur aus sorgenvollem Herzen wünschen, daß dieser eindringliche Appell an die Reichsregierum nicht ohne Wirkung bleibe.

Daß der Arbeiterschaft das Opfer des Achtstun dentages nur zugemutet werden könnte, wenn auch dieIndustrie ein gleichwertiges Opfer für das Vaterland zu bringen sich entschließt, ist eine Selbst­verständlichkeit.

„Wenn man ein paar Schisfstrürnmer zum Bau einer Schutzhütte und genügend Nahrungsmtttel und Feuerung hat," antwortete der Kapitän, „so kann man sein Leben schon eine Zeitlang fristen, bis man von einem vorüberfahrenden Schiff ausgenommen wird. Ich

I habe selbst Walfischfänger gekannt, die, auf einer Eis­scholle treibend, die sie höchstens noch vier ober fünf Tage getragen hätte, von einem passierenden Schiss gerettet wurden."

Mit ungläubigem Lächeln blickte Mr. Owen den Ka- pitän an; dieser aber hatte sich bereits von uns abge» wandt und ließ von neuem feine Blicke unruhig in die Runde schweifen.

.Großbramsegel einholen! Alle drei Topsegel ref­fen!" schallte dann plötzlich sein Kommando laut unb scharf über das Deck hin.

Im Nu wimmelte es um uns von geschäftig hin- und hereilenden Matrosen; ein schräger Sonnenstrahl huschte in diesem Augenblick über die Lady Emma und spiegelte I sich in den tausend glitzernden Eiszapfen, die von jeder I vorspringenden Ecke niedechingen. Noch einmal leuchtete I die gewaltige Eislathcdrale in magischem Schein her- I über — bann entzogen dichte, dunkle Schneewolken sie I unseren Blicken.

Alle Mann waren an Deck, denn der Kapitän hatte I unmittelbar nach jenem ersten Kommando angeordnet daß auch das Kreuz-Tcpsegel eingehakt werden sollte.

1 Es war unterdessen immer dunkler geworden; der . Horizont verschwamm in nebligem Dunst und es begann I wieder dicht unb gleichmäßig zu schneien. Ich zag mich jetzt in die Kajüte zurück, die trotz der frühen Stunde — es war ungefähr zwei Uhr mittegs — schon behaglich erleuchtet war. An den starken Schwingungen der großen Hängelampe konnte man erkennen, daß unser Fahrzeug mühsam gegen die immer höher gehenden Wogen an» kämpfen mußte.

„Ich fürchte, wir bekommen schweres Wetter," sagte ich zu Mrs. Burke, die mir Gesellschaft leistete.

„O, die Lady Emma ist ein gutes Schiff," erwidert» sie sorglos. „Hat sie uns nicht ganz sicher bis hierher gebracht?/

<Fortsetzung folgt.)