FuldaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 247.
tietanrwortlta füt den cedauionellen Teil: Dr. I. Kramer.
2 für die Anzeigen: I. ParzeUer-Furba. z Rotationsdruck u. Berlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^ermvrecder Nr. 9. Posttcbeck-Kon'o 4051 Frankfurt o. M.
Donnerstag, 26, Oktober 1922,
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Bezugspreis: Monatlich 140 Mt. zuaestell« frei ins Haus. z Abqeholr in der Geichäftsfttlle 136 Alk. “ Anzeigen: Kleinzeile nochTo>one>S.00Mt.^ ausw.10,00Mk. Rek'omezeil t (Terrdreitel nach Cowne'mak 30 Mark.
49. Zahrg.
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Die große Not.
Seit einigen Tagen steht unser politisches Leben wieder in einer akuten Krisis. Der Sturz der Mark trotz des Heberemkommens mit Belgien und trotz der Devifenoervrdnung hat gezeigt, daß dem deutschen Wirtschaftsleben die Balanze fehlt, hat be- Tmefen, daß, wenn keine energischen Hemmungen gesunden werden, der Zusammenbruch vor der Türe steht. Heilung können nur diejenigen gewähren, die für diesen Niederbruch die erste Verantwortung tragen, das sind die Diktatoren von Versailles. Noch zanken sie sich um den geeignetsten Sanierungsplan, aber weder England noch Frankreich hat den Mut, das Hebel an der Wurzel zu fassen und den Versailler Friedensvertrag in seinem Wesen zu revidieren. Man arbeitet an den Krankheitssymptomen herum, ohne sich an den eigentlichen Krankheitsbazillus heranzuwagen. Die Folge ist, daß die innere Fäulnis am deutschen Wirtschaftskörper immer weiter um sich greift, und die Not unseres Volkes immer größer wird.
Wenn auch nun Wesen und Kern alles Hebels der Versailler Friedensvertrag ist, so ist damit doch nicht gesagt, daß w i r nicht das Hebel lindern könnten, wenn wir es selbst wollten. Aber die Frage ist auch wieder berechtigt: was nützen alle Gegenmaßnahmen und Linderungsversuche, wenn das Unheil doch nicht aufzuhalten ist, wenn die fremden Herren in Frankreich und England doch nicht durch die Tat beweisen wollen, daß sie unsere heißen Bemühungen, um unsere Selbsterhaltung und um unsere Kräftigung für die Erfüllung der Vertrags- Verpflichtungen anerkennen. Das deutsche Volk ist in seinen weitesten Schichten von einer tiefen Mut- t o s i g k e i t erfaßt, die es daran hindert, so zu arbeiten und so zu schaffen, wie es tun würde, wenn es ein positives Ergebnis seiner Tätigkeit erwarten könnte. Wenn die heutige wirtschaftliche Produktivität des deutschen Vlükes ans 60 Proz. der Friedensleistungen zurückgegangen ist, so hat dieser Niedergang seinen ersten Grund in dieser psychologischen Einwirkung des Friedensdiktats, in der Erkenntnis der Nutzlosigkeit jeder Anstrengung. Was der Einzelne sich erarbeitet und spart, das zerrinnt ihm bei der fortwährenden Geldentwertung in den Händen. Andererseits ist die Geldentwertung nicht zu hemmen, wenn nicht Deutschland zu einer aktiven Handelsbilanz kommen kann, d. h. seine Produktion derart vermehrt, daß der Wert der Ausfuhr den der Einfuhr übersteigt.
Aus dem Gesagten ergibt sich eine doppelte Notwendigkeit: einmal ein klares Wort an die Entente und zweitsns ein klares Wort an das deutsche Volk- Das Wort an die Entente lautet folgendermaßen: Wir müssen für eine geraume Frist von allen Reparationslasten und Wirtschafts- fchikanen befreit werden und es muß das Maß unserer Reparationsverpflichtungen auf eine Summe zurückgeführt werden, die nach dem Stand der deutschen Handelsbilanz vernunftgemäß normiert wird. Es hat ferner auch die Summe nicht zu überschreiten, zu der wir uns in unserem Waffenstillstandsangebot verpflichtet haben. Das klare Wort an das deutsche Volk aber lautet: Schließe dich zu einer großen Leistungsgemeinschaft für das Gesamtwohl zusammen. Wir sind uns allerdings darüber nicht im Hnklaren, daß dieses zweite Wort an das deutsche Volk wirkungslos verhallen wird, wenn auf das Erste an die Entente nicht em günstiges Echo gefolgt ist. Denn die
Wurzeln zum Wiederaufblühen der deutschen Mrt- schaftskraft liegen heute zum größten Teil in der Hand der freinben Gewalten.
Die Sozialdem ojkea t ie macht in ihrer Presse heute große Worte, als wenn unser Volt nur deshalb zusammenbräche, well die anderen deutschen Berufs stände, rote Industrie und Landwirtschaft und Bankwelt sich nicht ihren Forderungen fügen wollen. Gewiß wird in allen Berufs- zweigen heute cru^rordentlich gesündigt. Aber auch bei den Arbeitern und nicht zuletzt bei den zur Sozialdemokratie zählenden Arbeitern selbst. Darüber wollen wir uns doch keinen raten Dunst vormachen. Die Maßnahmen, welche heute die Sozialdemokratie zur Behebung der Wirtschaftsnot vorschlLgt, mögen diskutabel sein oder nicht, jedenfalls werden sie die deutsche Wirtschrft und das deutsche Volk iricht retten können. Sie haben parteipolitisch« und vielleicht auch bis zu einem gewissen Grade außenpolitische Bedeu- tung, aber sie sind kein wirksamer Trost m unserer TrÄsal. Es ist eine bewerßte Irreführung der öffentlichen Meinung, wenn die Sozialdemokratie Home so tut, als könnten ihre Vorschläge das deutsche Volk retten und als sei sie aller Verantwortung ledig, wenn sie sich von einer Regierung zurückzöge,, die diese ihre Varschläge nicht akzeptierte.
Was wir heute nötig haben, ist zunächst eine Verstärkung des Widerstandes gegenüber unseren früheren Feinden. Er st Brot, dann Reparationen muß die Parole lauten, mch sic muß durchgeführt werden. Hinzukommen müssen aber Maßnahmen zur Zusammenfassung des deutschen Volkes zu einer großen Leistungsgemeinschaft zur Erzielung einer positiven Handelsbilanz. Was die Sozialdemokratie in ihren eigenen Reihen dazu tun kann, das wird sie wohl wißen. Es wäre vaterländischer gedacht und gehandelt, wenn sie sich anschickte, hier das Gewissen der chr folgenden Massen zu schärfen, als sich mit dem lächerlichen Nimbus des verkannten politischen Genies unb Vaterlandsretters zu umhüllen.
Es würde aber selbstverständlich küe Erreicht der Arbeitermassen in ihre heutigen Pflichten erleichtern, wenn auch die Träger der Industrie, die Landwirte und die Dankwelt zu einer ’Remcbur ihrer bisher so einseitig befolgten Politik des privaten Nutzens schritten. Wer nicht selbst mit gutem und ganz klarem Beispiel vvrangeht, der hat zu allerletzt das Recht zu predigen und Ansprüche cm ferne Mit- menschen zu stellen.
Die innere Lage.
Das Reichskabinett erörterte Dienstag nachmittag die Vorschläge des Reichswirtschaftsministers zur Abänderung der Deoisenverordnung. Die Beratungen wurden noch nicht abgeschlossen. Sie sol- len fortMsetzt werden. Nach der „SBoff. Ztg." dürste die Veröffentlichung der abgeänderten De- Visenverordnung voraussichtlich Donnerstag erfolgen.
Wie die Blätter schreiben, soll die Der Handlungspause des Reichstages van den Fraktionen dazu benutzt werden, um die Meinungsoerfchie- d e n h e i t e n darüber, welche Schritte zu tunternehmen sind, mn der Not dieses Winters zu steuern, aus- zu gleich en. Die „©ermania", die die Entwick-
Jrn Gis ms er.
Roman von Clark Russell. 8] -----------
Da begann der Kapitän eine etwas mysteriöse Erzählung von einer Brigg, die von Cork aus in See ging. Die Seelenverkäufer von Heuerbaasen, die verwünschten „Landhaie", hatten einen sinnlos betrunkenen Matrosen ins Bolkslogis geschafft, wo der Kapitän — der sich wahrscheinlich sagte: hat der Kerl seinen Rausch ausge- schlafen, so wird er schon von selbst zum Vorschein kom- men — ihn den ersten Tag'ruhig liegen ließ. Da der Mann sich jedoch weder rückte noch rührte, untersuchte man ihn und fand, daß er schon vor mehreren Tagen gestorben sein mußte und sicherlich schon tot war, als er aufs Schiff transportiert wurde. Jene Landhaie hat- ten eben, um ihre Provision nicht einzubüßen, den Toten an Bord geschleppt. Der Leichnam wurde bestattet. Aber ^^nd der ganzen Reise zeigte sich sein Geist Nacht für Nacht im Vorderteil des Schiffes, und stets schlug s-in- Ge.sterhand pünktlich auf die Minute „ein Glas" re'JL? lb an, wonach die unnatürliche
Erscheinung verschwand und die Hundewache an Deck wieder aufatmete. —
Ohne Zweifel glaubte auch Mr. Burke insgeheim an Me Ge.stergeschichte, schämte sich jedoch, es uns gegen- über zuzugeben. Danach gab Dr.. Owen der für einen solchen Aberglauben nur ein ironisch-verächtliches Lächeln batte, ein paar so drollige Gespenstergeschichten zum besten, daß selbst der Kaprtan lachte.
Inzwischen hatte der Bootsmann feinen Auftrag aus- geführt und kam wieder nach achtern.
„Na, wie steht's?" fragte Kapitän Burke.
„Niemand da, Kapitän."
„Wo haben Sie gesucht?"
Der Bootsmann nannte eine Reihe von Orten, die mir damals auch dem Namen nach ganz unbekannt waren.
„Gut!" rief Kapitän Burke, von seinem Stuhle auf- hnstngend, „vorläukia läßt sich nichts weiter tun."
Am nächsten Morgen, als wir alle beim Frühstück saßen, begrüßten wir den Kapitän mit dem Morgen, grüß, den wir uns schon längst angewöhnt hatten:
„Wie kommen wir vorwärts, Kapitän?"
„Famose Fahrt macht sie," antwortete Mr. Burke. «Schöne Oberbramsegel — Kühlte — aber es hätte nicht viel gefehlt, so wären wir von ihr überrumpelt worden."
Der sonst so lebhafte und lustige Mann schien still und gleichgültig. Instinktiv fragte ich:
„Wurde in der Nacht noch etwas von dem Geist gesehen?"
Seine ganze Antwort beschränkte sich jedoch auf ein kurz angebundenes: „Nein, Miß!"
„Es mar doch kein Geist'" rief rum auch Mary aus. „Mr. Owen hat ganz recht, zu solch einer Geistererscheinung gibt es keine besseren Zutaten als grellen Bollmondschein und das bewegliche Schattenspiel der Takelage."
„Natürlich nur für solch einen E> clltspinsel wie den Matrosen, der den Geist gesehen zu haben behauptete", warf unser Arzt mit einem kaum bemerkbaren, lauernden Seitenblick auf Kapitän Burke ein, während dieser in müdem, schleppendem Tone erwiderte:
„Aber Mondschein und Schlagschatten können doch nicht Menschen, sich bewegende, wahrnehmbare Menschen vortäuschen!"
„Doch!" erwiderte Dr. Owen, „einer lebhaften Phantasie ist alles möglich"
„Ich begreife gor nicht, wie Du so töricht sein kannst. Edward", mischte Mrs. Burke sich nun in scharfem Tone in das Gespräch.
Ueberrascht beobachtete ich sie heimlich; dahinter steckte etwas. Sie spannte meine Neugier jedoch auf feine allzu lange Folter, denn nach einer kurzen Pmsft fügte sie Haid spöttisch, halb ärgerlich hinzu:
„Der Mann, der zuerst den Geist gesehen haben will, hat meinem Manne nämlich durch die Sorte: er hätte anfangs geglaubt, den Kapitän vor sich zu haben, da der Geist diesem sehr ähnlich gewesen wäre, einen großen Schreck eingejagt."
Diese Indiskretion seiner Frau war dem Kapitän pein- lich, denn er sagte mit einem gezwungenen Lächeln zu mir:
„Nach Ihrem Fortgänge, Miß Otway, machte ich noch die Rynde durch bas Schiff, um selbst jeden Winkel
lung als sehr ernst bezeichnet, erklärte, daß die Not- stmÄsaktion der Regierung nicht auf die lange Bank geschoben werben dürft. Das Blatt hofft, daß bald eine befrtebigersbe Lösung gefunden wirb und daß zu der wirtschaftlichen Krise s«h keine politische hir^u- gcsellt.' Oer HmstanÄ, daß die Koalitionsparteien bei der Abstimmung über die Getrerdeumlage auseinander- fielen, brauche nicht als der Vorläufer eines unheil- bvren Bruches ar^efehen zu werden.
Laut „Vorwärts" beschäftigte sich iMh Beendi- gung der Reichstag: fitzung die sozialdemokratische Fraktion nochmals mit dem von ihr am Montag ausgestellten Finanz- und wirtschaftspolitischen Programm. Die Fraktion stimmte darin überein, daß es unmöglich ist, mit der Durchführung ihrer Forder- migen bis zum Wicderzusammentritt des Reichstags zu warten, sondern daß sofort das Notwendige getan werden muh. Für die Beratung mit der Regierung über die von der Fraktion gewünschten Fi- nanz- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen wurde eine Kommission von fünf Mitgliedern eingesetzt.
Die Parteiführer-Besprechung beim Reichskanzler, die Dienstag nachmittag stattfinden sollte, ist aus Mittwoch verschoben worden.
Die Maßnahmen der Entente.
Aus Paris wird gemeldet: Die Reparations- kommission wird am Sonntag abend nach Berlin abretfen, um mit der deutschen Regierung über die Maßnahmen zu verhandeln, die zum Ausgleich deS Budgets und zur Stabilisierung der Mark führen sollen.
Neue Forderungen.
Ter französische Ministcrrat hat beichlvssen, von Deutschland den für die französische Landwirtschaft erforderlichen Stickstoffdünger zu verlangen.
Die Alliierten haben von Deutschland eine Erhöhung der monatlich zu liefernden Koblen- mengen von rund 300 000 Tonnen auf 1950000 Tonnen verlangt, obwohl ihnen in früheren Verhandlungen wiederholt nachgewiesen worden sei, daß der dringliche deutsche Bedarf gerade wegen der Abgabe von Rcparalionslohle nicht befriedigt werden kann.
Ter Wieöerausbau NoidfrankreichS.
AuS Anlaß des Adschlusies deS Abkommens zwischen dem Aktionskomite für die zerstörten Gebiete Nordfrankreichs und dem Verband der Baubetriebe empfing der deutsche Reichskanzler eine Abordnung des Akt'onskomitees, wobei er erklärte, daß er die Durchfühlung des Abkommens nach Möglichkeit unterstützen werde. Voraussetzung sei allerdings eine (Einigung über die Höhe der deutschen Kohlenlieferungen, die den lebensnotwendigen Bedürfnissen der deutschen Wirtschaft hinreichend Rechnung tragen müsse.
Mac Kenna gegen Lloyd George,
Eia bemerkenswertes Urteil.
Der frühere Schatzkanzler im liberalen Kabinett Asquith und jetzige Vorsitzende der London Joint City and Midland Dank, Mac Kenna, richtete in vielbeachteten Reden in der City, die er für Donar Law gehalten hatte, scharfe Angriffe gegen die Regierung Lloyd Georges. Mac Kenna sagte: Trotz der beklagenswerten Lage der Industrie wurden die Ausgaben in rücksichtslosem Maße »setzt, was eine große Gefahr für die roirt- iche Stabilität Englands bedeute. Infolge
zu durchstöbern. Den Matrosen, dem der Geist zu allererst erschienen ist, ließ ich mir nochmals holen unb befahl ihm, mir den Geist zu beschreiben. Der Matrose sagte: ,Er hat Ihr Gesicht gehabt, Kapitän!' Nun glaubt meine Frau, ich ängstige mich. Hoffentlich glauben Sie's nicht auch, Miß Otway. Sonst könnten Sie sich ja nicht ruhig fühlen auf einem Schiffe, das unter der Führung eines Kapitäns stehl, der sich durch ein Seemannsgarn ins Bockshorn jagen lägt."
„Die ganze Geistergeschichte ist nichts anderes als ein Schabernack aus dem Bolkslogis. Bald werden wir auch den Beweis dafür erhallen, bartatf können Sie sich Der» lasten", meinte Dr. Omen.
„Sicherlich wird der widere Matrose jetzt auch behaupten, daß der Geist, den er sah, Dir ähnelte", sagte nun Mrs. Surfe spöttisch lächelnd zu ihrem Manne.
„Das hat er bereits getan", erwiderte der jedoch mit einer so ironisch tiefen und zeremoniellen Verbeugung, daß Dr. Owen in fchollendes Gelächter ausbrach
Als ich nach dem Frühstück au Deck ging, schloß sich mir Dr. Owen an und kam, während wir langsam auf und ab gingen, noch einmal auf des Kapitäns Aberglauben zurück
„An einem fo fchönen Morgen wir heute ists wirklich schwer, an Geister- und Gespeustererscheimmgen zu glauben, nicht wahr. Miß Otway?" begann er.
Sollte der Fremde heute wieder zum Vorschein tarn- men, so tut er es hoffentlich bei Tageslicht", antwortete ich. „Anscheinend hat die Geschichte auf Kapitän Burkes Stimmung eine sehr ungünstige Wirkung ausgeübt!“
„Aus die Ihrige doch hoffentlid) nicht?"
„Nein", erwiderte ich, „an Geister glaube ich nicht, jedoch an Vorzeichen, Ahnungen und Warnungen."
Bei meinen Worten nickte Dr. Owen und murmelte etwas vor sich hin. Ich glaube, ihm lag noch etwas auf der Zunge, was er mir anoertrauen wollte, im letzten Augenblick jedoch unterdrückte. Schließlich sagte er mit einem Seitenblick auf den Kav'.tän, der an der Reeling eifrig auf seine Frau einlprach:
„Zu dumm, daß die Matrosen Mr. Burke sagten, Ne Erscheinung hätte ihm geähnelt. Aus Diele Menschen macht so etwas Eindruck. Unser Kapitän wird dadurch ohne Zweifel stark beunruhigt. In feiner Anwesenheit müllen wir diesen Gesprächsstoff unbedingt vermeiden."
dieser extravaganten Ausgaben leide die Nativ» unter der Last der erbrüctenben Steuern, wodurch der Unternehmungsgeist erstickt, die Ansammlung von Kapitalsreftrven unterdrückt und die natürliche Entwickelung des englischen Handels verhindert werde. Vier Jahre nach dem Waffenstillstände liege ein großer Teil Europas noch immer i n R u i n e n. Statt bester scheine die Lage immer schlechter zu werden. Mac Kenna erklärte weiter: Wir brauchen eine Periodedes wirtschaftlichen Friedens und brauchen Sparsamkeit in der Verwaltung und die Erhaltung guter internationaler Beziehungen, was nur möglich ist, wenn die Aufrichtigkeit der britischen Diplomatie unanfechtbar ist. Wir brauchen die Wiederherstellung des Vertrauens in den Handel, gegründet auf die weift Leitung unserer Finanzen unb unserer Außenpolitik. Man habe böse Erfahrungen gemacht mit der Politik improvifierter Abenteuer ohne Rücksicht auf die Kosten und Folgen. Man hatte vier Jahre Frieden. Trotzdem wurde während dieser Zeit so wenig zum Wiederaufbau Europas und Englands getan, daß die heutige Lage, verglichen mit der Lage am Tage nach dem Waffenstillstand, keinerlei Fortschritt darstelle. Mac Kenna lobte den Mut unb die Heberzeugung Sonar Laws und fügte hinzu, daß der Name Stanley Baldwine als Schatzkanzler in der City begrüßt würde. Die Politik der neuen Regierung sei bie einzige Politik, welche irgendwelche Hoffnungen auf Wiederher st ellunz des englischen Wirtschaftsleben bieten könne.
Deutscher Reichstag.
Reichspräsident Ebert bis 1925 bestätigt.
Vertagung.
Der Reichstag begann mit kleinen Anfragen. Auf Anfrage des Abg. Dr. Kahl (D. Vp.) wird von der Regierung erwidert, daß eine Denkschrift betr. Besatzungstruppen dem Reichstag in allernächster Zeit vorgelegt werden würde. Auf Anfrage Giebel (Soz.) über die Zurückhaltung von Kartoffeln durch die Landwirte erwiderte ein Regierungsvertreter, daß von einer absichtlichen Zurückhaltung der Kartoffeln durch die Landwirtschaft dem Ministerium nichts bekannt fei.
Der Gesetzentwurf betr. Aenderung der Vorschriften über Pfändbarkeit von Gehaltsansprüchen (Gehälter bis 120 000 Jl unpfändbar) wurde erledigt.
In dritter Lesung angenommen wird der Antrag Dr. Stresemann (D. Vpt.) auf Verlängerung der Zuckerungsfrist der diesjährigen Weine bis zmn 31. März 1823.
Das Derficherungsgefetz für Angestellte wird dann in feiner neuen Fassung in der Oefamtab- ftimmung gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen.
Die RcichsprSflbentfchaft
Der Antrag auf Verlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten wird mit 314 gegen 76 Stimmen der Deutschnationalen und Kommunisten bei einer einzigen Stimmenthaltung angenommen. Er hat cckso damit die erforderliche Zweidrittelmehrheit erlangt, Präsident Lobe stellt fest: Der Reichstag hat damit das bisherige Provisorium de« Reichspräsid entschaft beendigt und den gegenwärtigen Reichspräsident en Ebert ersucht, sein Amt als erster Präsident der deutschen Republik bis zum 3 0. Juni 1925 weiterzuführen.
Der deutschnationale Eventualantrag, die '-Birftarntet des jetzt eben beschlossenen Gesetzes auf zwei Monate auszu setzen, wird mit 310:77 Stimmen bei zehn Enthaltungen abgelehnt.
Präsident Löbe teilt darauf mit, daß das Präsidium des Reichstages sich sofort nach Schluß der Sitzung zum Reichspräsidenten begeben werde, um ihm von dem Beschlüsse des Reichstages Mitteilung zu machen, und ihn zu fragen, ob er diesem Ersuchen Folge leisten wolle. (Lebhafter Beifall. Abg. Höllein (Komm.) stürzt
Nach einer kurzen Pause fuhr er fort:
„Die wassertriesende Erscheinung, die der Matrose gesehen haben will, erinnert mich an Lord Byrons Erzäh» limg von einem Schiffskapitän, dessen in Indien wohnen- ter Bruder einst auf hoher See in feine Kajüte trat unb sich in seine Koje legte. Als der Kapitän erwachte, sand er seine gesamte Bettwäsche durchnäßt vor —"
„Vielleicht hatte er nur vergeßen, das Fenster tn seiner Sabine zu schließen", unterbrach ich ihn lachend, „und bei einigem Seegang ist ihm das Wasier hinein, geschlagen." , . _r
„Wie dem mich fein mag", fuhr Mr. Owen m ernstem Tone fort, „jedenfalls erhielt Kapitän Kidd später die Nachrickt, daß fein Bruder in jener Stunde ertrunken fti." ' _
Fünftes Kapitel.
3m Orkan.
Wir näherten uns dem Kap Horn. Eines Tages, als ich auf Deck war, wurde das Wetter auf einmal trübe, und Kapitän Burke ließ sofort die drei Roycüs aufgeten unb beschlagen, und andere Segel ganz einziehen.
Da erscholl plötzlich em lautet Schrei gerade über mit, und als ich nach oben schaute, erblickte ich im Kreuzmars einen Matrosen, der sich mit einer Hand an einer '-Monte festhiell, während er mit der andern leewärts zeigte und oerftört schrie:
„Dort kommt eine ganze Wasserwand auf uns zu!"
Erschrocken blickte ich hin. Ein Wasierwall eilte mit fürchterlicher Geschwindigkeit in unserer Richtung daher. Sein oberer Rand hob sich hoch über die Meeresfläche, unb feine gewaltige, von den Sonnenstrahlen getroffen« Masse schien in Flammen zu stehen.
Mary, die auch an Deck gekommen war unb bei dem schrecklichen Anblick beinahe den Verstand verlor, kreischt« gellend:
„Hilfe, Edward, Hilfe! Es ertränkt uns!"
Doch hatte sie kaum den Mund geöffnet, als ihr Mann, der nur einen blitzschnellen Seitenblick leeroärte warf, auch schon aus vollem Halse brüllte:
„Hart auf das Ruder! Hart auf! Hol die Achter Luv- brassen! 2)wäre die Raaen vorne unb achtern! Rasch Jungens! Um hiw.irelswillen, rasch!"
(Fortsetzung folgt)