Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
49.' Zahrg
Dienstag, 24. Oktober 1922.
Ur. 245
empfohlenen Konttvllmaßnähmen werden am Montag
fortgesetzt.
poincare sondiert.
mit ei| die S
Ministerpräsidenl Poinccrre hat Sonntag vormittag den am« iranischen und später den englischen Botschafter empfangen.
gestiegen sind, nicht endlich jten, Stadt und Land, Er-
Me englischen Haupteinwendungen richteten sich gegen dir Befugnisse, die der französische Plan fern GaranÄeaasschuH geben wolle und die England ats dem Zahlungsplan vom 26. Mai widerstreitend betrachte, ba dieser dem Ausschuß nicht gestatte, sich in dir deutschen Aerhältmsse einzumifchen. Die Bespre-
cße Stärke und Boikss ,. ,—
zeug« und Verbraucher zu der Erkenntnis durch, daß wir in Not und Tod auf G-dech und Verderb mit einander verbunden sind, dann ist unserem armen deut- fchen Vaterland nicht mehr zu helfen."
zösischm Kammer, hat in Rußlmü gemein, sich einmal
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Sie Kritik an variho«; Vorschlag.
Das Draichury sagt.
Der diplomatische Mitarbeiter der Agentur Haoar teilt mit, daß Bradbmy im Laufe der letzten Dormib-
Hs Sowjet-Reich« wett genug ooevngeschritten ffl, um einige Geschäfte zu wagen. Er ist in Rußland mit all« Höflichkeit empfangen worden. Man hat ihm zu Ehren sogar d!»
LUqd George in der Opposition.
Gegen eine extrem konservative Regierung.
Als Führer ber englischen Koalitionsliberalen hat Lloyd George die erste Wahlrede in Leeds ge- halten. Er rechtfertigte darin sein« Politik im Krieg und in der Nachkriegszeit. Er warnte da» Land vor den Gefahren ein« extrem kons«vatioen Regierung.
Die konservative und liberale Kombination, die zum Siege im Kriege verhalf und die aus den Schwierigkeiten heraus allmählich, aber sicher zum Frieden führte, sei beendet, weil die konservative Partei nicht genug dabei herausschlagen konnte. Das englische Volk mutz entscheiden, ob die Partei oder die Ration an erster Stelle kommt. Die Regierung habe die Wiederherstellung des nationalen Kredits in die Hand genommen und England fei jetzt das einzige Land in Europa, das fein Budget vollkommen ausgleiche. England beginne eben dem Dol-
ringe, daß eine ReAung:<Mon der europäischen Wirtschaft nicht möglüh ist, uww man fortwährend
Sine internationale SitlWitinlm
»Vernunft und Versöhnung!"
3n ber deutschen Wchchaftszeitung (Nr. 14) behandelt der Vizepräsident des deuftcheu Reichstag:,. Reichsminister a. D. Dr. Del (,' die Entwicklung b« Reparationsprvbtems, wie es sich nach dem Abschluß bas Wxdercmsbauabtommens zwischen Stinn« urtb
Bernasprsisr Monatlich 140 Mk. »upestekl- frei in» Haus. 2 Abaedoll in der GrschLttsstell, 136 3tL ••
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Vor weiteren Verhaftungen.
Laut „Lokaianz." hat d« m Berlin weilend? Ober- keichsamvalt Ebermeyer den in ber Angelegenheit ber zttteirtctspläne gegen tfen Reichskanzler Verhafteten per s önlich vernommen, ebenso eine ganze Reihe von Zeugen» Dc» Matt will erfahren haben, daß als Ergebnis der bisherigen ErmMungm bte Verhaftung mehrerer kompromittierter Personen vorgenommen werden soll.
MarseLais« gespielt, kurz alles getan, was einem ftangösifchen Hrrzon schmeicheln kann. So ist denn auch Herrlol des Lobes und der Hoffnungen über Rußland voll. 5n zahlreichen Interviews hat er sich üb« di« Aussichten ftanzösisch-russischen Zusammenarbeit«« -wrgesprochm, und dabei nicht vergessen, wie sich das für einen echten Franzosen geziemt, Docherten Mr Deutschland und die deutsch-russischen Wertschaftsbezie- hcmgm «intzuflechten. Man kann gespannt sein, weich« Folgen die Hurrareis« des Herrn Herriot in Frankreich habm wird.
UnserersEs nehmen mir die von Herriot so glänzend gepriesenen Erfolge sein« Reis« nach Rußland nicht aüzu tragisch. Wir haben dm so optimistischen Maire von Lyon vielmchr stark im verdacht, daß er sich von
mmm te MlkMMlMM.
B«afung«i beim Reichskanzl«. Devisenbsschlagnahme?
Nach einer Mitteilung der „Montagspoft" hat her Reichskanzler die Führer der Parteien für Montag nachmittag zu sich gebeten, um mit ihnen den Zusammenbruch der deutschen Wahrung und bte damit zusammenMrgende Teuerung zu beraten. Die Fraktionen werden vorher im Reichstag Besprechungen abhalten. Dem Watt zufolge plant die Regierung, die Devisenverordnung zu erweitern und zu verschärfen. Es wird sogar von einer grundsätzlichen Neuregelung des De- »isenverkehrs gesprochen, wobei, wie das Blatt schreibt, sogar bis zu einer Beschlagnahme der Devisen geschritten werden soll.
«gen die ökanormschen Grundgesetze verflöge. Am 1 Lchlultr sainn Auftatzes macht er Mgertben Dorsch^
„Sekt ist — außer dm Firmnzkreisen — ba> Reihe geftxtwnat «i die Wrttchaftter. Eine i n t e r n a t i o- not« Wirtschastskonserenz Me so schlemug afc -.möglich Unberufen weedsn. Die g-w»sgte,ten Wirtichaftskenner all« brieil-igtai Länder sollten cmt« der Aufschrift Vernunft in» ^1°t»rnmgatad»eser K-nserenz gemeinsam ein großzugrgrs Wirtschoftspr^ gronrm zum SR Eluopas antworten und
urwerzüylich zur brir-zon. Der Wirtschaft' rrnnt: m-r < wahrlich des Schweißes
der Men wat Die w-tchistorische Deleuckftmig der oorgeschlagrnien grohsn Wirtschaftskonserenz al» Rrl- terin Suropo» ist ber Lohn, der reichlich b-hoet! An die deutsche Wirtschaft etgefr d« M SHutes vorantz
Jnschwischeu darf «rch rm Sntanoe nichts versäumt werden, rooe der Gesmidcmg unseres Avhsnhands!- w» vor allem ber allmählichen Herbei fichrung sm« aktiven Zahlungsbilanz troendw« förderlich ist. Doyu gilt er, neben der uneriäßlsthen Lih«- sten SpariomkÄt m ber Ananggsdohrung der Reiches ur» der Länder sowie in den Stac^rtriebm zwecks Dalanzinung der Etats, di« Ausfuhr tumüchst zu steig«», dagegen die Ewsuhr auf das Notwendigste emprschränkeii und den Import von ßuptsnxiren und Genutzmitteln, soweit nicht leider der Brrsaill« Vertrag hinderlich ist, überhaupt zu unterbinden.
Große Hoffnungen bet Arbeiterpartei.
Der Arbeitevführ« Clynes sagte in einer Rede Ni Bristol, bas Ansehen der Arbeiterpartei sei noch niemals so groß gewesen urtb die Furcht ihrer (Stegner noch niemals so stark wie jetzt. Die Arbeiter- lckait fcßxr trete nunmehr in den Wettbewerb um die
Da; Orient-Problem.
Die Konfnen; in Lausanne.
Die Vereinbarungen zwischen London, Paris unb Rom über die Einberufung der Orientkonferenz nach Lausanne sind nahezu abgeschlossen. Die Frag« der Meerengen soll getrennt behandelt und Rußland, Bulgarien und die Ukraine sollen zu diesem Teile der im übrigen zwischen Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Ru-
vle sranMschen Annäherungsversuche an Rutz!and.
Sn Genna und im Haag war Frankreich der Sowsetraaterung hartnäckigster Segnet. Seitdem «btt der Präsident der Anglorufstschen Bank, Urquhart, mit Krassin sein berühmt« Abkommen schloß, ist die fränkische Eifersucht erwacht. Ja Frankreich beginnt sogar, wenn man den Auslassungen H«riots trauen bars, über bi« Heiligkeit de, Eigertt-.?^« etwas nach» iäffig« zu denken. (Man muß hier hinzufügm, daß Frankreich über die Heiligkeit des Eigentums der besiegten Nationen, insbesondere Deutschlands, bish« fchr nachlässig gedacht hat.) Hrrriot, Bürgermeister von Lyon und Gegner des Nutionalistenbüicks in ter fron-
kenswerten DrstrSbungen des Reichrwrrtschaftsrats, den Gedanken ter deutschen Schicksal-gemein- schäft in den Vortergrunb zu stellen und eine über den Parteien stehende geschlossene wirtschaftliche Einheitsfront zu schaffen. Ringen sich jetzt, wo bi« Volksnöte auf.
ten 'schlauen Moskatlsr Dottskomnnffar-n ordentlich h« rnihbrouchen lassen. _ „ . „
Zu dieser Annahme terechii^en
machten Erfahrungen, daß die Ruhen ihre ^.rtfchaft^ abkommen, ihre gesamt Ha-itxlrpoltnk auch nach politischen Gchchtspunkten yi regulieren, sich bemühen. Di« Begrüntunie ter Nichlbestatzyimg des Urqichört-Abkomm«» ist dafür ter Varste ’!9CTei5 im® bte Vermutung liegt nahe, daß ixe Lowfet-DockSMM- missare den übergroßen Eis« Herriot» bomitzen, um ■ Frankreich gegen England Lus-ufpielen. Wcchrschcm- lich damit Monsieur Herriot da, mckft mertt, hat man ihm einiges über angeblichr^ deutsch-russische Berftirn- mungen m bi« Ohren geblafen.
Es ist kein Äheimnis mehr, daß sich Mmschen England ur» Rußland gerat« im letzten Jahre em reg« Geschäftsverkehr entwickelt hat, ein Geschäftsverkehr, bet nach den oorliegniten Statistiken ten deutsch- rassischen Goschäftsv«kchr bereits «rheteich überflügelt Die englischen Banken unterstützon diesen Vorkehr m großzügiger und weitsichtig« Farm 5m Hinblick auf drrsen englisch-russischen Geichäftsverkehr könnten wohl einige krÄischr Urteile üb« den teutsch-russischrn Gr- schöstsverkchr nohctiegen, ater ganz genüg nicht im Hinblick auf ten bisherigen französisch-ruffifchsn Verkehr. sodaß «s recht auffaltend anmuten wurde, wmn bi« Russen sich gerate Herrn Herr«! dazu aurgesucht hätten, um den deutschen Handelsleuten, die mit Rußland verkehren, einige Wahrheiten jagst zu lassen. Wie schon gejagt, liegt dafür auch in ter gesamte« französischen Politik gegenüber Rußland, wir brauchen mrr an ten rirffffch-polnifchen Krieg zu erinnern, nid# die geringste Verantassung vor.
Immerhin tun die deutschen Geschäftsleute ist» vor allem di« deutsche Stegioruttg gut daran, die sich aritnüpfenben GeschaftooerbuLmngen zwischen tert europärschen Weststaaten und Rußland genau zu beobachten unb bat» Gcschüftsoerfahven eingehend zu studieren. Es erscheint ur» unzweckmäßig, trenn mögliche deutsch-russische Gjchäftsovlbindungen durch engherzige Parteipoütrsch- Bsdeuken gehemmt würden. Deutschtanb hat durch ten Rapallovertrag vor den unteren Staaten einen großen Dorsprung gewonnen. Es trete unser« Auffassung nach eine jfurzsichtigkeit, wollte es diesen Dorsprung nicht mit kluger Energie ausnutzen. Die Frage te, deutsch-russischen Wirt, schaftsverkehr» bedarf ater noch einer besonderen Ds- trachtung.
äine deutsch-russische Abmachung.
Die russische Telegrap!?en-Agentur meldet, durch ein von Lenin unterzeichneter Dekret de? Roter der VolkSkommiffare fei der Vertrag mit dem deutschen Konortmm Otto Wolff, welch« einige große deutsche Industriewerke, darunter Phönix, Rheinstahl usw. bereinigt, bestätigt worden. Nach dem Berlraa werde eint russisch-deutsche Handelsgesellschaft mit einem Kapital von 300000 Goldrudel gegründet, welche HandelrkonZessionen für Import und Export erhält. DaS Konsortium ge- wäyri der neuen Gesellschaft einen Warenkredit von 7,6 Millionen Goldrubel, an die Regierung außerdem von 6 Millionen. Die Gesellschaft werde Der Kontrolle de» Lußenhandeltkommissariaier unterstellt. Die ruffische Regierung und dar Konsortium würden ihre Vertreter in der Direktion der Gesell- jchaft haben. Der Gewinn werde beschränkt.
lar auf gleichem Fuße in, Aug« zu scheu unb \ England werd« den G e l d m a r k t ter W«lt wre- dergewinnen. Der englische Kredit sei so gut wie ie sa noch bester; England sei wich« l>och gekom- hin. Dies fei in großem Maß« ter Staatskunst von Männern mit Thamberlarn und Home zu verdanken. Die Zerstörung ber Kombination, die den Hantel und ten Kredit Englands in ter ganzen Welt wieder hochgebracht habe, sei ein Verbrechen gegen die Ration. Wenn Balfour nicht zu einem Rüstungsabkommen mit den Vereinigten Staaten gelangt wäre, so wäre ein Rustungswett- bemtrb entstanden und mit ihm eine riesige Vermehrung ter Steuern, die dann erdrückend gewor- ■ den wären. . , . .
Lloyd George fahr fort: Die Regiermiü habe auch ten Frieden mit der irischen Rasse zustande- aedracht. Seine, des Redners, Anichauwrgen leitn demokratisch unb fortschrittlich. Da. finde jchoch bei gewissen Leuten keinen Anklang. Donar Law habe sich in di« La«, eines Reiters gebracht, ter dar Pferd nicht am Zugei, sondern am Schwänze halte. All« erfahrenen Manner seien £ Ansicht dich die Ration die Schlmerigkeiten ät£r«S V. « teil« W, tat dh »T- zeugungstreuen Männer ohne Unterschob«! Par- täfärbung zusammenhielten, bis die ^hwierigkn- ten vorüber seien. Dar Zusammenhalten fei tetzt vorsäÄich beendet, trotz des Rates aller ien«r her- ^orraamden Männer wie Balfour, Chamberlam und Horn«. Die reaktionären Meuterer, d e im Carlton-Club dominierten, wurden, wenn fte bet ten Wahlen bte Stimmenmehrheit —und
er sei ernstlich besorgt wegen der Ergebnstfes der Wahlen —, wenn sie erst einmal test« tm sattel säßen, ohne Rücksicht darauf, was sie vor den Wahim gesagt hätten, ihr exftremes Programm durchführen wollen. Dies wurde zu einer Star tungter auf den Umsturz gerichteten Elemente führen und könnte katastrophale Folgen nach sich ziehen.
Dir Parteien im «ogfifchev patame*
Anaesichts ter Möglichkeit engt. ParlamentsWihlen ist jo<yr»e5 von Interesse: An Konservativen silnwnisten) sitzen im Unterhaus«: 346 K^E- unioni ten, 22 Ulfterunilm.sten und 8 unadhSiMge Umomsten. Don ten Liberalen haben die 5ko^ iitionsüberalen 120, die unabhängigm Literalen 33 Sitze inne. Di« Arbeiterpa rtel verfügt teer 76 Mandate. Irische Mitglied« zählt bas Hm» zurzeit 105. 3m neuen Unterhaus wird sich triefe Sahl auf die 13 vertret« aus Ulster redigieren, so- teß ee tm gatten 615 statt bisher 707
Im Gismeer.
Roman von Clark Russell.
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Wir Damen bissen uns fast die Lippen wund, nm nicht in lautes Gslächter auszubrechen- Dr. Owen» breites Gesicht zog sich verblüfft in die Länge, und er konnte gar nicht schnell genug aus der Kombüse ver« schwinden.
„Das für eine Pastete soll dies denn werden?" fragte Mrs. Burke den Koch. Vieser aber, der gerade im Begriff »ar, di« Pastetenkruste, mit seinem großen Küchenmester zu garnieren, taumelte bei einem plötzlichen Schlingern des Schiffes, die Pastete glitt ihm aus ber Hand und siel mit einem dumpfen Klatsch auf den Baden. Ein Strom von Stachelbeennarmslade «goß sich aus dem zerbrochenen Prachtstück.
„Nun sehen Sie selb«, was drin ist!" antwortete ihr »er Koch, ter in seiner Dut das Mester mit solcher Ducht auf das Deck warf, daß die Spitze tief in die Deckplanken drang.
„Ja," fuhr « fort, „wem w.öcht wohl so 'n »unter- schönes Leben als Dchiffskoch nich gefallen?"
„Ein Flegel, dies« Koch!', sagte Mr. Owen, als wir ans weit« nach d« Back begaben, „hoffentlich bekomme ich ihn einmal in meine Fing«. Na, »arte nur, öfter Freund, an die Medizin, die ich dir dann gebe, sollst du dein Lebtag denken!"
Wir gingen zum Matrasenlogis. Durch die kleine Falltür guckten wir hinein. Zunächst war in dem dunklen Loch nicht viel zu erkennen; nachdem sich meine Augen ab« an die trübe Dämmerung gewöhnt hatten, sah ich auf einer grünangestrichenen alten Seemannskiste einen bejahrten Matrosen sitzen.. Der Alte schielle fürchterlich, war über und über mit Pockennarben bedeckt, hatte lange, gelblich fahle, krause Haare unb »inen eben- solchen Dollbart. Blinzelnd ftarrie er uns eine Weile mit seinen Schielaugen an, bann ließ « den Kopf wieder sinken unb blickte stumpfsinnig vor sich hin. Er war krank.
„Sßie geht'-.?'' rief Dr. Owen fein« —
»D je, o je! Mir ls, als hätt' ich glühende Pftopfen- zieh« im Leib, stöhnte ber Alte.
»Chronisch« Gelenkrheumatismus," flüstert, Dr. Owen uns zu. Und zu dem Alten: „Die Mebzin immer rechtzeitig einnehmen!'
„Medizin?" sagte der Kranke. „Dos ging oid leichter, wenn die Medizin Rum wär'. Das Teufelszeug, da, ich getriegt hob', kann kein Schwein nicht eunterwürgen. Nee, und wenn Sie mir bas Schlagwasser mit alle ersoffene Ratten drin eingegeben hatten, denn wär'» noch immer nich fo'n Gesöff wie die Medizin. Ich elendiger Künd« sitz hi« und hab nich ’n Happen Rum — nee, Doktor, nich zum Trinken, man bloß zum Einreiten."
3h diesem Augenblick hörten wir beit gellenden Ruf des Ausgucks:
„Segel voraus."
Sofort eilten wir an Kapitän Burtts «rite. Das gesichtete Schiff kam rasch tn Signalwelte. «lgnol- flaggen, die sofort bi, zur Spitze ter Btfangaffel empor- schwirrten und dort lustig im Winde zu fiattent anfingen, gaben mit ihren bunten Farben der Lady Emma im Handumdrehen einen festlichen Anstrich.
Als ber Fremde beim Näherkommen unsere Signal, bemerkt,, holte tr die rote Flagg- ber englischen Kauf, fahrteifchiffe nieder, die an ter Briggsegels-Gafftl geweht hatte, unb hißte einen langen schmalen Wimpel, die SlnhDortflagge, bas Zeichen, daß das Signal v«- stanben worden war.
„All right!" sagte Kapitän Burtt, da, Fernrohr ab- setzend. „Es ist ein Engsänd«, und ohne Zweifri auf ter Heimreise. Holen Sie rasch Ihren Brief, Miß Dtarnt)," wandte er sich an mich, „unb ist jene Brigg wirklich nach England bestimmt, so werde ich ihn mit der Bitte um Weiterbeförderung hinüberschttken."
Ich flog förmlich nach meiner Kabine. Da ich meta Tagebuch bis yim Wend vorher pünktlich geführt hatte, brauchte ich nur noch die Begegnung mit ter Brigg tinjutragen. Nachdem ich noch meinem iß ater und Archie tausend Küsse gesandt hatte, schloß ich mein um- fangreiches Schreiben mit bet kurzen Mitteilung, daß es mix gut ginge, unb daß ich mich bereits sehr «h»lt hätte. Dann eilte ich wieder an Deck. Die Brigg, ein forsches, kleines Fcchrzeua mit scharfem Bus unb über«
fallenden Masten, hatte sich uns inzwischen so weit genähert, daß sie nun drvars ab von uns lag.
„Wriches Schiff ist das, mrd wohin geht die Reife?' fragte setzt Kapitän Burke.
„Brigg Königin d« Nacht, von Maurttrus krach Liverpool, temdstundzehn Tage in See. Und roer find Sie?" . !
Kapitän Burke antwortete ebenso kurz und knapp und «kündigte sich bei seinem Kollegen, ob et einen Brief nntnehmen wolle. . ,
jawohl! Schickt ihn rüber!"
Schnell wurde eine» d« Quarterbocte kl« gemacht, unb der Steuermann ließ sich hinüberrudern, um meinen Brief abzugeben. 3n kürzester Zeit war bas Boot wieder zurück. Dir dippten die Flagge zum Dank und vbfihitb. Lange noch sah ich feuchten Auge» ber Königin ter Rächt nach, bis meine Ozeanpost kleiner und Nein« wurde unb endlich mein« Blicken ganz entschwand.
5h Heimatckräume »«sanken, saß ich da. Da pas- sterte etwa» Schreckliche». Ich hörte, wie Kapitän Barte ten Stmermann «staunt fragte:
„Da» will der Kerl denn eigentlich dort oben? Der ist'»? Rufen Sie ihn herrmi«! Solche Bummler kann ich an Bord meine» Schiffe» nicht brauchen."
Mr. Green, ber in Kapitän Barte» Dorten einen Vorwurf zu wittern schien, trat ein paar Schritte vor, blickte aufwärts and brüllte bann mit so scharfer und barscher Sttmme zu dem Matrosen hinaus, daß e» mir eisig über den Rück« rieselte:
„He, Du da auf der Vormarsraa! Komm runter, Äi---" Unb bann folgt» ein Hagel von Flüchen
und Schimpfworten.
Der Matrose rief irgend etwa», in» wir nicht ötr» standen.
„Runter mit Dir!' schri« ter Steuermann.
Der Mann glitt läng» de» Pferde» nach ten Stengewanten. Da — »in Schrei — rin durch die Luft saufend« Körper. . . Dicht neben ber Komlüse schlug er i auf da» Deck auf. Müstsam richtete er sich ein wenig aus. ' Der Mann sah entsetzlick' aas. Blut rieselte über sein | Gesicht. Hit leien« verzerrten Lächeln blickte er uns an.
Dann ein Zacken und 6er Unglückliche brach tot zusammen.
Ich hörte Mrs. Barte gellend «iffchreien, dann sank ich bewußtlos za Boden.
Als ich wieder «wachte, ruhte mein Kopf auf dem Schoße meiner fieben Mary, die mir Stirn und Schilfen mit Waller netzte. Der Leichnam des BerunglüdteM war entfernt worden, und mehrere Matrosen bearbeiteten die Decksplanten kräftig mit Seife, Wasser und Scheuerstein, um die Blutflecken zu entf«nen.
Nie in meinem Leben werte ich den schrecklichen An- blick v«gesten. Aber uns stand an demselben Tage noch ein zweite» unheimliche» Ereignis bevor.
Auf De. Owen» Rat hatte Kapitän Barte der heißen Witterung wegen die Bestattung des ven'nglückten Ma- trafen möglichst bald, nämlich zur sogenannten „Erst« Hundewache", b. h. zwischen 4 uttb 6 Uhr nachmittag», angesetzt.
Um jene Zeit hatte die Brise sehr nachgelasen; e» war beinahe windstill, unb vom Schiffsrumpfe zog sich nur noch schlongenförmig »in breit«, roter Lichtstreifen über die sanfte Dünung zur strahlenlosen Sonne hin, dir fern wie eine glühend» Kupfertugei in gering« Höhe üb« dem Horizonte hing.
Ich stand neben Mary auf dem Quarterdeck, als die Mattosen mit ter Leich» ihres verunglückten Kam««- den tarnen. Der Leichnam, in Segeltuch eingenäht, lag auf ein« Plante und war mit ber großen roten Nationalflagge bedeckt.
Nachdem ein Teil des Fallreep» entfernt unb die Plante in die Lücke gelegt warten war, begann Kapital Surfe mit den bei einer Bestattung auf englisch« Schiffen üblichen feierlichen Zeremonien.
Entblößten Haupte» umstand die Mannschaft Hie Plant». Währrnd Kapitän Barte bas Gebet vorla», herrschte tiefes Schweigen. Kaum hörbar plätscherte bas ©afier. Ms ber Kapitän das Gebet beendet hatte, gab »r rin Zeichen. Di» Flagge wurde fortgezogen unb di» Plante angehoben. Sanft glitt b« Tote in bte Nuten.
Wenige Stunden darauf kam der fremde Mann.
1 (Fortsetzung folgt)