Sonntag, 22. Oktober 1922
Nr. 244
beui
mache.
Der Reichskanzler
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49. Zahrg
wirtschaftliche ttampsbewegungen.
= Streit bel Krupp. Wegen der Entlassung von 421 Arbeitern, die die Arbeit verließen, sind in den Kruppschen Werkstätten in Essen etwa 10 000 Arbeiter in den Ausstand-getreten.
Kus der Zentrumspartei.
— Vie britische Z»g««»brweg»ns und die Partei. ES liegt im Wesen der deutschen Jugendbewegung, sich mit den Erscheinungen des heutigen Lebens krltttch auScrnanderzuseÄen, auch mit der Politik und den Parteien. Zwar ist das politische Wollen unserer I Jugend von heute noch unklar und voller Gahrunp, doch lebt in ihm der Wille, LaS gesamt.: öffentliche Leben aus weltanschaulichen Kräften, aus der Seele heraus zu gestalten. Auch in den Pechen unserer Zentrumsjugend strebt der Wille zur Neuaestaltung deS politischen Lebens empor. Was in Godesherg^ hierüber' gesagt worden ist, gibt vre neueste unter obigem Titel erschieneneSchrift des Reichsverbandes der deutschen Windthorstbunde wieder, die zum Preise, von 12 Mark durch LaSReichkgeneralsekretarlatBerlin>V8,Französische, straße 62 zu beziehen ist
führen.
Wie aus dem Telegramm weiter hervorgeht, wer. den im einzelnen folgende Vorschläge zur unverzüglichev Durchführung empfohlen:
1. Der Garantie-Ausschuß kann von der deutschen Regierung gewisse Maßnahmen fordern cder verbieten. 2. Der Ausschuß wird seine Vorkehrungen treffen, daß seine Tätigkeit wirksam wird. 3. Die Maßnahmen für die Konttolle der Einnahmen und Ausgaben und Verhinderung der Kapstalflucht werden unverzüglich angewandt. 4. Die Kontroll-Organisation wird die Verpflichtung und das Recht haben, dauernd alle Veränderungen der Finanzgebahrung des Reiches und der einzelnen Staaten zu kennen und wird alle Mittel der Nachforschung anwenden, um das Mindestmaß der zu erzielenden Einnahmen und der Höchst betrag der erlaubten A u s g a den festsetzen zu können und wird das Recht haben, unangebrachte Ausgaben zu verbieten. Wenn die deutsche Regierung sich nicht den Weisungen der Kontroll-Organisation fügen sollte, wird dieser Vor. stoß sofort den Mächten mitgeteilt.
-Die Finanzdelegation schlägt weiter vor: 1. Sofort die öffentliche Finanzverwaltung Deutschlands unteren vor- stehenden Bedingungen unter d i e Kontrolle der Gläubiger Deutschlands zu stellen. 2. Alle erfor- derlichen Maßnahmen zu treffen, um das Gleich.
I gern i d) t des Haushalts aufrecht zu erhalten, wo- I bei man progressiv mit den Ausgabe den Teil der Repara- I tionen einfügt, der eine Anzahlung fein soll, wenn nicht I andere Mittel oder Anleihen zur Amortisierung des Kapi- I tals aufgebracht werden können. 3. Dem Schatzamt zu ver- I bieten, Schatzwechsel irgend welcher Art bei der Reichs- I bank zu diskontieren sowie jede Ausgaben von Schuld- I Verschreibungen auf kürzere oder längere Dauer ber in« I ternlliicrten Kontrolle zu unterstellen. 4. Die Reichs« I bank unter eine Sicherheitskontrolle zu stellen, die I damit beauftragt ist, die Maßnahmen, die ein Eingreifen I der Organisation erfordern, zu überwachen. 5. Die I Maßnahmen zur Vermeidung der Ka p i t a l f l u ch t I und Anhäufung der ausländischen Devi- I s e n im Innern durch interalliierte Kontrolle zu ver- I schärfen. 6. Sobald es die Umstände erlauben, soll mit der Ausgabe der Gold-Schatzanweisungen be-
I gönnen werden, deren Ausgabe durch fiskalische Vorteile I erleichtert werden könnte. Das Ergebnis der Schatz- I wechsel-Ausgabe soll, soweit es nötig ist, zur Verstärkung I des Metallbestandes der Reichsbank dienen, um den Er- I folg der Währungsreform zu sichern. Der Rest würde I dazu dienen, den Teil der Reparationen, die noch nicht j aufgeführt sind, zu beschaffen. 7. Die deutsche Regie« I rung soll weiter an Geld oder ausländischen Devisen I Beträge von mindestens 2 5 Prozent des Wertes I der Ausfuhr erheben. Das Ergebnis dieser Summe, I das Erträgnis der Zölle bei der Einfuhr und I das Erträgnis der Ausfuhrabgabe soll auf ein I besonderes Konto überwiesen werden, das bei der I Reichsbank namens des Garantieausschusses eröffnet und I von ihm besonders kontrolliert wird. Die deutsche Re- I gierung wird das Verfügungsrecht über das Konto haben, I solange die Reparationskommission der Ansicht ist, daß I sie ihren Verpflichtungen nachkommt. Wenn die Kom- I Mission der Ansicht ist, daß dies nicht geschieht, wird I der Garantieausschuß von den für ihn verfügbaren I Summen und dem Ergebnis der späteren Abgaben Be- I sitz ergreifen.
Die englische Kabinettskrise und Deutschland.
I Die Hinausschiebung des Reparalionsproblems.
Preußischer Landtag.
Minister Sevcring über den Zirkus-Krawall.
Schule und Volksbildung.
- Sa, Reichrichuigesrtz. Der BildungsauSschuß des Reicbstaocb vertagte mit den Stimmen der Regierungsparteien die Weiterberatung des Re>chS,chul- gesetzeS auf November.
Deutscher Reichstag.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst kleine Anfragen. Dann wird der Gesetzentwurf über Verlängerung der Geltungsdauer der Demodilmachungsvcrord- nungen bis zum 31. März 1923 nach kurzer Debatte angenommen.
Die Reichspräsidentschast.
Ein gemeinsamer Antrag desZentrums, der deutschen VolkSpartei, der bayerischen Volkspartei, der Deutsch- Demokraten und der Sozialisten lautet folgendermatzen: .Der von der Nationalversammlung gewählte Reichspräsident führt sein Amt bis zum 3 0. Juni 19 2 5.“ Der deutich-nationale Antragheitzt: »Der Reichstag wolle beschließen: In Ausführung deS § 2 des ReichSgesetzeS über die Wahl deS Reichspräsidenten wird bestimmt: Die nächste Wahl deS Reichspräsidenten findet
Nachspiel der Krawalls.
Verhaftungen.
Gegen die wegen der Zusammenstöße beim Zirkus Busch verhafteten kommunistischen Stadtverordneten Dr. Rosenberg u.-ch Ehrt st, der, Sekretär der kommunistischen Partei Brandenburgs, Art ®ochlke Knb den Studenten E l 1 sowie eine große Anzahl wet« lerer Beschuldigter hat der Untersuchuugsrichttr Haftbefehl erlassen. Di« Angeschuldigten find ms Untersuchungsgefängnis übergeführt worden.
Ein Verfammiungsoerbot.
Eine nach den Kamimersälen in Berlin emberusenc
Brennende Schande
Das Treiben der Rechts- «nd Linksradikalen.
Mordpläne und Bürgerkrieg.
Was die Franzosen fordern.
Nachdem die Debatte zu Ende geführt war, erklärte in einer persönlichen Bemerkung Abg. Dr. hergt (Dtl.) unter Bezugnahme auf die Ausführungen des Präsiden- ten Lobe über die verstärkten Schutzmaßnahmen für den Reichskanzler, daß feine Partei mit kräftiger Entschieden- hest jene Bestrebungen zurückweise, deren verbre- ckerischer Wahnsinn erst durch den Leipziger Ra« tfenau-Prozeß enthüllt fei. Jeder soll wissen, daß die verbrecherischen Wahnsinnigen bet ihnen feine Statte finden, keine Entschuldigung, keine Duldung und fernen
Auf der Tagesordnung steht die Besprechung der Interpellationen über die Vorgänge am Zirkus "
Minister des Innern Severing weist wortung der großen Anftage daraus hin, daß es darauf ankommt, den üblen Eindruck wieder zu beheben, als ov tn Preußen alles drunter und drüber ginge. _ Preußen wird im Inlande, wie im A«slonde, durch diese Ausschreibungen schwer kompromittiert. Ich will die Ereignisse am Zirkus Busch nicht beschönigen, verwahre wich aber dagegen, daß der preußische Staat irgendwie wackele. (Lebh. Aust, bei der Mehrheit.) Am wenigsten kann ich die Aufregung der Kommunisten verstehen. Rach Herrn Geschke's Ansicht ist alles Orgefch, was rechts von ihm steht. (Große Heiterkeit.) Auch ich kann Ihnen Waffen vorzeigen! (Unter großer Heiterkeit des Hauses hott der Minister mehreren kommunistischen Demonstranten abgenommene Pistolen und andere Waffen aus großen Aktenumst^ägen hervor.) Wir gehen gegen beide Seiten in gleicher Weise vor. Wie ich erfahren habe, hatte die kommunistische Zenttale die Absicht, den
BtWäspreie; Monatlich 140 Ult zugestelll frei ins Haus. ~ Abgeholt in der Geschäftsstelle 136 IRL ~
' nieiaeo: Kleinzeile nachCownei8.00AU., ousw.10,00Air. < .ii.n.iilii (T.rtbreitel finrfi ffoIone'maS 30 ITTart
Antrag der Mi11elparteier wird sodann gegen die Stimmen der Deutschnatron»- i c n und der Kommunisten in e r ft e r und «weiter Lesung angenommen. Die dritte Lesung erfolgt am Dienstag. Samstag kleinere Vorlagen und
Deutscher Reich.
* Die Getrcideumlaze. Der volkswirtschaftliche ReichstagsauSschuß hat zum Gesetz über die Regelung deS Verkehrs mit Getreide einen Zentrums- anttog angenommen, wonach der Preis für das erste Drittel der Getreideumlage nach dem um <5 Prozent ermäßigten DurchschnittsinlandpreiS für September und Oktober berechnet werden soll. Außerdem sollen vier Lieferfristen festgesetzt werden. Auch "soll die Umlagemenge entsprechend herabgesetzt wer- den, falls die Ernteerträgnisie ungenügend sein solllen. _ ■ •
* Das Urteil im Fechenbach-Prozetz. Das Urteil in dem in München krrchgeführten LcnDesvvrratspw- $rfj gegen die Journalisten Fechenbach und Genossen wurde verkündet. Fechenbach erhielt 11 Jahve Zuchthaus, Sorgas 12 Jahre Zuchthaus und Lembke 10 Jahre Zuchthaus. Außerdem wurden jedem der Ber- urteillen die bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre aberkcmnt. Die Verurteilten hatten Berichte, die angeblich geheim zu halten sind, an die Auslan-rpresfe geleitet.
Armes Vaterland! Von zähen und haßerfüllten Hemden von außen her bedroht, wüten im Innern immer fanatischer die Radikalen auf der Rechten inö Linken und streben bewußt und unbewußt auf den Äugenblick zu, wo der deutsche Staat zusammenbrechen rnd das Chaos beginnst muß. Furchtbares Eiend, hunger und Zerstörung wird dann über die Volksgenossen hereinbrechen, die letzte Hoffnung aus Rettung muß versncken: alles das ist den Hetzern einerlei. Ste sind verblendet, Vernunft beraubt, lieber« legungen, Geboten der Sitte und der Menschlichkeit unzugänglich.
Die Verhandlungen in den Berliner Parlamenten zeigen uns das ganze Elend. Wir lasten die Berichte foligen:
Veränderungen lm Berliner Polizeipräsidium.
Die vom preußischen Minister des Innern Seoe- rtng angekündigten größeren Veränderungen im Berliner Polizeipräsidium gehen den Mattem zuso^e dahin, daß der bisherige Leiter der Berliner Wucher- polszei Rechemngs-mt FroiAemn als Vertreter des PolizerpräüsLenten mich Köln versetzt werden soll, wah° renü die Leitung der Berliner Wucherpoligei Ober- reaierunasrat Weiß, dem bisherigen Leiter der polrtt= Men Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums, üder-
babe, hatte die kommunistische Zenttale die Absicht, den Zirkus Bchch zu besetzen. (Lebh. Hört! Hört!) Ist das nicht das, was Sie (nach links) das SBormärtstreiben de«. Revolution nennen? Sie haben die Arbeiter zu Acht« groschenjungen herabgewürdigt. Ich bin nicht fn ber Lage, auf die Staatsanwaltschaft einzuwirken, die Verhafteten wieder frei zu lassen. Drohungen schüchtern mich nicht ein, sondern rufen nur meinen Widerstand hervor Der Abg. von Cynern von der deutschen Volks« partci sagte, wir dürfen nicht aufputschen. Der Bund für Freiheit und Ordnung ist aber eine Stätte, in ber nach meiner Ueberjeugung mindestens soviel aufgeputscht wirb, wie bei der kommunistischen Zen- ttale Schon bei der Gründungsversammiung des Blm« bes wurde die Rede des Abg. Kopfch durch Zurufe unter« brachen- „Los von den Juden!" Wir wollen unseren Kaiser wieder haben!" „Wir wollen Germanen fein'" (Große Heiterkeit.) Die Verfassung gibt das Der« sammlungsrecht nur denen, die sich friedlich und ohne Waffen versammeln. Darum ist es besser, eine Versammlung zu verbieten, als daß es nachher Tote und Sermimbete gibt. In diesem Punkte hat allerdings die Polizei insofern o e r f a g t, daß, wenn eine Vestammlung um 10 Uhr angesetzt ist und eine bestimmte Partei ankündigt, die Versammlung sprengen zu wollen, die Polizei nicht erst um «10 Uhr antreten darf, dann muß man eben früher aufstehen und auch der Polizeipräsident muß früher ansstehen. 3m Berlins
Vie Denkschrift Varihous. Das verlangen nach einer Finanzkontrolle über Deutschland.
lieber das schon lmgekündigte Programm, für dessen Durchsetzung m der Re pa r ati o n sk omni i s s i o n die Franzosen sich bemühen und das sie dem gemäßigten Vorschlag des Engländers Dradbury gegen, Ersetzen, wird gemeldet:
wtb Paris, 20. Ott. (Tel.) Barkhoit, der Der- tretet Frankreichs, überreichte t^ute nachmittag der Rsparationskommlssion namens der französischen Delegation eine Denkschrift. Danach ist im Gegensatz zu der Anreguiig BtcMurgs die Jinanzdelegalion nicht der Ansicht, dafi man dem zu erwartenden IHorato- riumsanhag Deutschlands für 1923—24 zuvorkommen und einen solchen Anlrag Einbringen müsse. Die französisch- Delegation schlügt eme strengeÄontrolle des haushalte- des Reiches und der etn- zeinen Länder vor. Dieses Aufsichisrecht müßte auch das Recht umfassen, Neisse Ausgaben zu beschränken, zu streichen oder auszuschreben und ! eine Erhöhung der Einnahmen durch;»-
| können nur Herren ihres Amtes walten, die mit ber Der- I fammlun Psychologie einigermaßen vertraR sind. Red« ner appelliert im übrigen an bte B er n unf t unb r*tet an die Rechte bie Mahnung, auf lebe Selblstchutzbe« roegung zu verzichten. Es soll eine neue deutsche Fret- heittpartei gegründet werden, bie junge neue Führer der Rechten schaffen will und für bie Befreiung des Volkes | emtreten soll. Das sieht ganz so aus, als wenn sie ein I Wiederaufleben der aufgelösten Seibstfihutzverbande be« I zweckt. Wer sich in seiner eigenen Sache selbst hilft,. b«. I geht Raub am AllgemeinAlt. ?Betf. b. b. Soz., Unruhe I bei den Kommunisten.) ., ,
I Die anschließende Debatte brachte nichts neues mehl.
| Samstag Weiterberatung, aufeeroem Notlage der
I Presse und Fall Stubenrauch.
Verantwortlich tüi den revaawnttlen Teil: Dr. L K ramer. - für bk Anzeigen. 3- Parzeller-Fuloa. - Rotationsdnick u. Verlag der Fuldaer Artkndruckerei in Fulda, se.mhn-»*«' Rr. 0. Dosttcheck-Konto 4061 Frankfurt a. M.
sah sich veranlaßt, bie persönlichen Verunglimpfungen Des Reichspräsidenten durch den Vorredner zurück zürn eis en. Er machte bie Deutschnationalen darauf aufmerksam, baß sie nicht im Parlament sitzen unb solche Reben halten könnten, wenn sich nicht der Reichspräsident Ebert unter Mißachtung feiner Person und Gesundheit für die Rettung des demokratischen Gedankens gegenüber ber proletarischen Diktatur eingesetzt hätte. Wenn Herr Abgeordneter Dr. Hergt glaube, bie christliche Tradition in ber deutschen Politik retten zu müssen, so solle er zunächst das heidnische deutschvölkische Element aus seiner eigenen Partei aus« merzen. Das deutsche Volk habe für den Präsidenten, ber wahrhaftig das Bestreben habe, ein Präsident des ganzen Volkes zu fein, außerordentlich viel zu verdanken, besonders wegen seiner Wirksamkeit in den letzten Un- ruhernonaten. Er bitte die Parteien, nachdem sie sich einmal für die Fortdauer der Amtstätigkeit des Reichspräsidenten entschlossen hätten, schnelle Arbeit zu machen, damit endlich bie verhetzende Agitation von rechts auf« höre.
Der letzte Ausdruck weckte bei den Deutschnationalen lauten Protest. Sie mußten sich aber jetzt noch heftige Vorwürfe nicht nur seitens ber Sozialisten durch den Abg. Müller-Franken, sondern auch durch den Abg. Strefemann von ber Deutschen Dolkspartei gefallen lassen, ber bie aufreizende Rede Dr. Hergts mit schärfstem Nachdruck zurückwies.
vor neuem politischen Mord?
Gewaltiges Auffehen aber rief es hervor, daß auch ber Präsident des Reichstages eine Mahnung an das Haus richtete. Präsident Löbe rief zunächst den Abg. Koch-Düsieldorf (Dnatl.) nachträglich zur Ordnung, weil er dem Reichskanzler zugerufen habe: „Sie Hetzapostel!" Im Anschluß hieran erklärte ber Präsident bann noch mit ernsten Worten: Es ist dringend erforderlich, daß bie Abgeorbneten sich auch in den Ausdrücken mäßigen unb bie Leibenschafien1 nicht entfachen. Es ist dem Präsibenten amtlich mitgeteilt worden, daß die Schutzmaßregeln für das Leben des
Reichskanzlers
km Reichstag erhöht werben muffen, weil er von neuen Anschlägen beb roh t ist- Darum bitte ich alle Seiten des Hauses, sachlich zu bleiben unb bie Diskussion picht auf eine persönliche Spitze zu treiben.
^Reichskanzler Dr. Wirth: Seien Sie sich des Ern- ft »s ber Situation durchaus bewußt. Rach den Nach richten, bie roir haben - es ist bereits von einem Se« tetligten an einer Verschwörung ein Setenntnis abgelegt worden - müssen mir nut neuen politische-. Morden in Deutschland rechnen. (Bewegung.) Ich habe bie Politik immer nach sachliche n Gesichtspunkten bs- handelt. Darum hat mich bet der Rede des Abg. Hergt bas schmerzliche Gefühl darüber befallen, daß in einer so fachlichen Frage gerade die P°rson des Reichspräsidenten, dem wir alle zu großen, Dank verpfiichtet sind, in den Vordergrund geschoben wurde. Der Ncichskanzler verweist darauf, daß er auch au dem Inbrfftne- und Handelstag zur Einigung "k^er Stande au,gefordert habe. Diese Mahnung habe ttbg. Hergt heute mit feiner gehässigen Rede beantwortet.
Abg. Aehrenbach (Ztr.) ersucht die Deutschnationalen bringend, aus die ihnen nahestehenden Kreise m a ß i - gend ein zu wirk en, vor allem auf bte deutzchnatlo- nah Presse, um der Mordatmosphare ein Ende zu
Beamtenfragen
--- Dar Seamtenstreikrecht. Nach einer Meldung aus Leipzig verwarf das Reichsgericht die Revision gegen die Verurteilung einer großen Anzahl von Eisen- bahnbeamten zu Geld, und Gefängnisstrafen tm Zu- fammenhang mit dem letzten Eisenba hner streik. Die Urteile waren ergangen aufgrund ber Verordnung, die der Reichspräsident am 1. Februar d. I. erlassen hatte und die nach längeren Verhandlungen mit Ver« tretern der Eisenbahnbeamten am 9. Februar wieder aufgehoben wurde. Die Revision suchte aus der Aufhebung der Verordnung die Folgerung zu ziehen, daß gerichtliche Lestrafuneen aufgrund der Verordnung u*. zulässig seien. Der Reichsanwalt erklärte jedoch, ein Streikrecht der Beamten könne ei nicht geben. Dies folge schon au? dem Verhältnis ber Beamten zum Staat unb au8 dem DiSziplinargesetz. DaS den Beamten verliehene Koalitionsrecht bedeute nur da» freie Vereins« und Versammlungsrecht, nicht aber da» Recht zur Niederlegung und Verweigerung der Arbeit. DaS Reichsgericht trat darauf dem Antrag deS ReichS- anwaltS auf Verwerfung sämtlicher Revisionen bet.
Die engüfche Kabinettskrise erfolgte in einem Augenblick, da das Reparationsproblem sich anschickte, in ein ganz neues Stadium einzutreten. Der Abschluß des Stinnes-Lubersac-Ab- kommens, die Rede Mac Kennas, die Reparations- Vorschläge Bradburys und Barchous, all diese Vorgänge zeigten, daß das Ausland willens wurde, die Reparationsfrage aus dem Bereich der Polittk mehr in den Bereich der Wirtschaft zu ziehen.
In diesem Augenblick erfolgt der Sturz des Londoner Kabinetts durch die Konservativen. Diese sollen nun bis zu den Neuwahlen im November die Zügel der Regierung in die Hand nehmen. Sonar Law soll Ministerpräsident werden. Es ist doch möglich, daß ein anderer konservafiver Führer Chef des neuen Kabinetts wird. Aber wer es auch immer fein mag, und welche Ballmachten man dem neuen Kabinett übertragen mag, in diesem ZMischenstadium bis zu den neuen Wahlen wird kein . Ministerpräsident große entsck-eidende Aktionen vornehmen wollen. Es müssen erst die Neuwahlen geschehen sein und die sich bann, neubildende Regierung einigermaßen sich eingespielt haben, ehe man . eine energische Inangkiffnahme des Reparattons- problems durch die Entente wird erwarten können.
Dazu kommt noch, daß auch die Regierungs- oerhältnisie in Italien als sehr unsicher bezeick-
FuldaerZenung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda._______
beTTrt'SGras Westarp spre^n sÄUe, Ist aufgrund des Gesetzes zum Schutze der Republrk verboten worden. Als die Dersammlungsteünchtmr erschienen, fanden sie die Saaleingänge von Schutzpouzet besetzt. Zu Ruhestörungen ist es nickst gekommen.
am 3. Dezember 1922 statt."
Abg. Marx (Ztr.) begründete in kurzen Ausführungen den gemeinsamen Antrag der bürgerlichen und sozialistischen Arbeitsgemeinschaft. Er betonte,daß bie > x.-; Verfassungsänderung, welche durch den gemeinsamen I s • “
Antrag herbeigeführt würde, nur ausnahmsweise aus I /»»»»Iai»
itoingenben Gründen borgenommen werden soll. Wenn I pj» HttClttGtSPldltC GMj vCIt tlüUjlCl. die Rücksicht auf das allgemeine Wohl eine Verfasiungs. r . l. ifew.«,
änderung verlange, so dürfe man nicht davor zuruck- Sn Ergänzung zu den MrtteMngen m oer ^iryv- schrecken. Er wies auf die großen politischen Gefahren I -Esitzun« über Attentatsplän« gegen den Roichs- hin, welche eine Wahl am 3. Dezember jur das deutsche |^J fi. . . tonnvfnftniy-tu mit1
Volk haben müsse und rühmte die bisherige Tätigkeit I kimgler teilt eme soFtalisttsche Korresponveitz mt. des Reichspräsidenten. Dieser habe sich im fietgenben I < Zufall ist die Polizeibehörde auf die Spur Maße während seiner Amtsführung die Sympathien I 5 ™>ac-n htm Reickiskanzler
wertester Bevölkerungskreife erworben, seine ruhige und mehrerer Wtotstatsarrfchlage gegen den .ttenysranzier sachliche Amtsführung habe allmählich auch die bös- I gekommen. jugendlich? Person war von Kreisen, SSSSSdi- d-m Uch-d-, “*•
und Fefti g leit der deutschen Politik wünsche et ine I stehen, zu hohem Solde gedungen worden, den Reichs- Fortdauer der Amtsperiode des jetzigen ReichSpräsi- I .a_^r w «rmordm. Gewissensbisse haben den jun«
«°N MMch-n *«**. °°n hr
Präsidenten für feine Tätigkeit den herzlichsten Dank I Planes Abstand zu nehmen unb über die Vorbereitung ausspräche. . . I Pol«vi Mitteistma zu machen. Er wurde darachhin
Nun begründet der deutschnationale Abgeordnete oer y \
Bergt een Antrag seiner Partei. Dabei zeigt sich un- tn Hast genommen und machte Auskünfte, die ote verhüllt der Haß, den die Deutschnationalen gerade bet I Fährten lmtte. Nach einer Mittoilung
diesem Anlaß gegen alle empfinden, bte für ihre Partei- I T hr « ift Verbaftuna im Rheintande
egoistischen Zwecke keine Schlepperdrenste leisten wollen. I des „Ber.. Tagevl. ist die ^ryst ng .
Er lehnt es zwar ab, den Reichspräsident Ebert per- | erfolgt. Der Verhaftete soll nach Derlm uvergefuhrt sönnch in die Debatte zu ziehen, unterließ es aber Eine zweite von der Polizei verfolgte Spur
jedoch nicht, ihn als den Mann zu bezeichnen, der stet-
für feine Partei gesorgt habe, als einen Mann, tn dem I soll nach Bettln weisen.
die christliche Tradition des deutschen Volkes fernen I jß,™ ba5 „Berliner Taget»!." hört, besteht die Ab- Ausdruck finde. Diese personltcheir Angriffe gegen den I SR-rtWatts beim Be-
Reichspräsidenten hinderten ihn zum Schlüße nicht, an I sicht, künftig jeden Besucher des Reichstags mim -c« diesen selbst zu appellieren, daß er auf fein Amt trettn Gebäudes auf Waffen zu untersuchen, verzichte und dre Wahl am 3. Dezember möglich I