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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

49. Zahrg

Nr. 243

ierfpätung des Ge-

Roman von Clark Russell.

der Kapitän mit sei-

jagte er ernst, aber

— ich red' hier für

Deutscher Reichstag.

Roch einmal der Umlage-Preis.

der Hüfte ein langes Scheidemesser steckte, und einer schottisch tarierten Mütze. Nach ihm kletterten aus der Luke noch drei andere Matrosen, die ihm auch folgten, als er nach einer kurzen, aber erregten Beratung aus uns zuschritt.

Kapitän Burke tat so, als ob er die Leute gar nicht sähe, sondern sagte zu seiner Frau, er gehe seinen Sex­tanten holen, um die Mittagshohe zu nehmen. Auch der mürrische Steuermann ging auf seiner Backbordseite bin und her, ohne von den Matrosen, die an der Treppe zum Quarterdeck stehen geblieben waren, Notiz zu neh­men.

Nach kurzem Zögern trat schließlich der Matrose mit der schottischen Mütze einen Sä,ritt vor und sagte zum Steuermanne:

„Könnten wir 'n Wort mifn Käpp'n sprechen, Herr?"

„Was wollt ihr von ihm?" erwiderte Mr. Green, dem Mattosen den Rücken zukehrend, über die Achsel.

„Beschweren wollen wir uns, daß das Fleisch heut' pich" nach 'n Hcuervertrag is!"

„Na, warum?"

„Stinken tut's!"

der schottischen Mütze.

Und ein anderer setzte hinzu:

„Das ganze Vorderdeck ist von dem stinkigen Dunst voll."

„So, so! Na, dann holt mir ’n Stück zum Schmecken her", antwortete Kapitän Burke, seinen Sextanten rich­tend, um die Mittagshöhe zu nehmen und danach die Lage der Lady Emma zu bestimmen.

Die Leute gingen und kehrten bald mit einer Schüssel zurück, in der ein großes Stück Pökelfleisch dampfte. Die Schüssel reichten sie dem Kapitän, der an dem

aus dem besetzten Gebiet.

= Line Beschwerde der deutschen Parlamenkarler. Sämtliche Fraktionen des Reichstages mit Ausnahme der Kommunisten haben folgende kleine Anfrage eingebracht: Im Laufe der letzten Jahre haben die Besatzungsbehörden im besetzten Rheinland sich mehrfach Uebergriffe erlaubt gegen Parla­mentarier des deutschen Reiches oder der Länder. Es sind Verhaftungen vorgenommen trotz der gesetzlich sestgelegten Immunität der Abgeordneten. Vernehmun­gen haben ohne genügenden Anlaß stattgefunden. Sach­liche Reden der Abgeordneten in den Parlamenten oder in Versammlungen, auch im unbesetzten Gebiet, sind zum Gegenstand von Unbersuchungsoerfahren gemacht wor­den. Welche Schritte hat die Reichsregierung demgegen­über unternommen zur Wahrung der Immunität der Abgeordneten seitens der Besatzungsbehörden?

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Als Kapitän Burke uns erblickte, kam er rasch aus uns zu, beglückwünschte mich zu meiner Genesung von der Seekrankheit und trug für feine Frau und mich zwei Stühle an eine windgeschützte Stelle.

Nun konnte ich mir alles in Ruhe und Bequemlichkeit ansehen. Es war ein herrlicher Tag, die Sonne schien so warm, und die Brise, die aus Westen wehte, war so lind, als ob wir schon im Juni und nicht erst im launi­schen April wären. Der aus dem Kombüsenschornstein aufsteigende Rauch wirbelte lustig und schnurgerade em­por, bis der Wind ihn packte und leewärts wehte.

In der Kombüsentüre tauchte gerabe ein Matrose mit einer dampfenden Schüssel auf, mit der er >n einer kleinen Luke, dem Zugang zum Volkslogis, verschwand, und kurz danach folgte ihm ein zweiter.

„Nun holen sich die Leute ihr Mittagessen," erklärte Mrs. Burke mir.

„Was gibt es denn heute?" fragte ich den Kapitän.

„Salzfleisch und Pudding," antwortete dieser.

„Das hört sich sehr gut an," flüsterte seine Frau mir $u; „in Wirklichkeit sieht es aber ganz anders aus. Und feit ich meinen Mann begleite, wundere ich mich nicht wenig, wie die Leute bei der sommerlichen Kost, die sie tagaus, lagern erhalten, ihre schwere Arbeit verrichten können."

„Setz' Du den sauertöpfischen Dickschädeln bloß ein­mal solche Raupen in den Kopf, dann sollst Du sehen, wie rasch wir hier Meuterei an Bord haben," erwiderte Kapitän Burke, dessen sonst stets lustiges Gesicht bei diesen Worten sehr ernst geworden war.

Und kaum hatte er ausgesprochen, als in der Logis- kapp auf der Back das bärtige Gesicht eines Matrosen erschien, der vorerst einen scheuen Blick nach dem Achter­deck warf, ehe er sich aufrichtete und aus der Luke an Deck kroch.

Sein Anzug bestand aus einer blauen Düffelhose, einem roten Wollhemde, einem Ledergürtel, in dem an

Mehr Volksgemeinschaft!

Am Donnerstag wurde die Beratung über die Er­höhung der Getteideumlagepreife fortgefetzt.

Der Zentrumsabgeordnete Vlum führte dazu etwa I folgendes aus: Die Umlage ist zur Kampf para le geworden — sie erweitert die Kluft zwischen den Stan­den, das deutsche Volk aber braucht mehr denn je die Einheit. Einheit in der Not — ein einig Volk von Brüdern. Wir müssen zur V o l k s g e m e i ns ch a f t hinstreben. Die Landwirtschaft hat dafür Verständnis. In ganz Deutschland werden von den Organisationen der Bauern Ausrufe ertaffen, um die notleidende Be­völkerung mit Kartoffeln und (Betreibe zu unterstützen. Uederall sind sie auch erfolgreich gewesen. Die Ernah- rungspolitik muß auf großzügige Gesichtspunkte eingestellt werden. Ein Zickzackkurs kann die Ernährung nicht fördern. Das Zentrum hat programmatisch gegen die Zwangswirtschaft wiederholt Stel­lung genommen und deren Abbau verlangt. JDer Reichs­ausschuß hat beschlossen, diese Politik zu fördern. Die Erzeugungsmöglichkeit und »Freudigkeit muß gesteigert werden. Das erreicht man nicht durch Zwangsumlage. Die Umlage schafft große Härten. Die Proteste dagegen häufen sich. Ein angemessener Preis muß bewilligt werden. Der erste Umlagepreis von 345 <M. ist ein brutaler und von parteipolitischen Rücksichten diktiert. Auch Stegerwald hat ihn bekämpft und als ungenügend bezeichnet. Daher kann auch dieser Preis nicht die Grundlage fein für die Vervielfältigung. Eine Sabotage des Gesetzes hat nie eine landwirtschaftliche Drganffaffon empfohlen. Wir schwächen nie die gesetzliche Autorität, auch wenn wir Gegner des Gesetzes sind. Die Re-

Fleische roch und es den Leuten mit den Worten zurück- I gab:

„Ihr habt recht, Jungens! lieber Bord damit. Solcher I Schund sollte euch gar nicht erst vorgesetzt werden. Daran I' hat der Koch schuld. Bitte, Mr. Green, sorgen Sie I dafür, daß die Steuerbordwache sogleich Konservenfleisch I als Ersatz erhält."

Nachdem die Matrosen den Inhalt der Schüssel mit I vergnügtem Grinsen über Bord geworfen hatten, ent» I fernten sie sich, mit dem Erfolge ihrer Reklamation I augenscheinlich sehr zufrieden.

Als sie jedoch fort waren, sagte Mr. Burke lächelnd I zu mir:

„Arme Kerle find'-. Miß Ütway. Aber eins will ich I Ihnen sagen: Sie werden nie finden, daß Janmaats j Rechte etwa darum beeinttächiigt werden, weil er zu I ihrer Verteidigung seinen Schnabel nicht weit genug auf­reißt. „Darauf können Sie sich lest verlassen".

Mich hatte der Vorgang an Deck so interessiert, daß I ich Kapitän Burke beim Abendessen bat, mir doch auch solch ein Stück Pökelfleisch zum Kosten holen zu lassen, und Dr. Owen schloß sich trotz Mrs. Burkes Abraten I meiner Bitte an.

Schmunzelnd befahl der Kapitän dem aufroartenben I Stewarb, ein gutes Stück von bem für die Mann- I schaftsmeffe bestimmten Pökelfleisch zu bringen.

Als er aber mit dem vom Koch aufge:ud)ten besten Stücke zurückkehrte, verbreitete sich in der Kajüte ein so I penetranter Geruch, drß wir Damen im ersten Augen- I blick unwillkürlich die Nasen rümpften. Auch Mr. Owen schnitt ein so drolliges Gesicht, daß man unmöglich ernst bleiben konnte. Doch trotz des keineswegs appetitlichen I Duftes blieben Dr. Owen und ich dabei, ein Stück von bem Fleisch zu kosten. Kapitän Burke wetzte, seiner in­dignierten Frau von Zeit zu Zeit einen schelmischen I Blick zuwerfend, bas große Tranchiermesser mit komisch I übertriebener Anstrengung und fabelte von dem großen Stück zwei Scheiben herunter. (Eine reichte er dem Arzt, I die andere mir. Meine Scheibe war hart wie Sohl- I leber und salzig wie scharfe Lake. Dr. Owen aber fragte I den Kapitän mit treuherzigster Miene, ob der Koch sich I nicht etwa vergriffen und aus Versehen einen Klumpen * von dem Material geschickt habe, woraus die Mattoien >

nicht unfreundlich.

„Unsere Fleischration, Käpp'n

die Sreuerbordswache — is so ftäntrig, baß wir sie nich essen können," begann wiederum der Matrose mit

in den Freiwachen so hübsche Schnupftabaksbosen und Schiffsmodelle zu schnitzen pflegten!

. Viertes Kapitel.

Mann über Bord!

Wir kamen in die Zone der Roßbreiten, einem Gürtel zwischen 30 und 35 Grad Breite, in dem verän­derliche Winde und sehr unbeständiges Wetter herrschen, und näherten uns nun bei ständig klarem Himmel der Region der Passatwinbe. Heil! Jetzt ging's wie im Fluge vorwärts! Mit einer Segelflucht, die ihre Luvseite um manchen Fuß überragte, flog unsere schmucke Lady Emma dem Aequator entgegen. Stundenlang konnte ich, auf einem bequemen Ruhesessel ausgeftredt, dem Spiel der fliegenden Fische zusehen, die zu beiden Seiten des Schiffes plötzlich auftauchend, im Sonnenglast wie Lichtpfeile jäh vorüberschoffen. Wie wonnig war diese Ruhe, dieses Träumen, während meins Lungen dte heilsame, salzige Seeluft tief einfogen und der ganze Körper sich im Sonnenlichte förmlich' badete.

Dr. Owen behauptete, der Ozean habe seine Heilkrast bereits ganz deutlich an mir gezeigt, und ich selbst fühlte mich auch schon kräftiger und frischer. Ich wurde unternehmungslustig. Mit Dr. Owen guckte ich eines Tages unter Marys Führung in alle Räume des Schif­fes. In der Kombüse trafen wir den Koch beim Bocken einer Pastete für die Kajüten-Mittagstafel. Der Raum war nicht viel größer als ein Schilderhaus!

Während Dr. Owen und ich uns erstaunt in dieser Miniaturküche umsahen, ließ Mrs. Burke sich mit dem Koch in ein Gespräch ein. Ob der Herd auch guten Zug hätte?

„Viel zu viel, Madam!" entgegnete der Koch, indem er uns erstaunt anglotzte. „Hier brennt alles an, wenn man nich immer auspaßt. Es ist ein wahres Kreuz!"

Dr. Owen wollte wahrscheinlich leutselig erscheinen, tarn aber mit seinem Versuch bei dem Koch an den Unrechten, denn auf seine joviale Frage:

„Na, wie gefällt Ihnen die Stellung als Schiffskoch? * erhielt er die unerwartete Antwort:

„Hm — ich denk beinah so, wie Ihnen bas Am als Schiffsdoktor!"

(Fortsetzung solat.)

Deutscher Reich.

• Berlin, 20. Okt. Der Reichsrat hat das Gesetz über die Erhaltung der Kriegergräber aus dem Weltkriege angenommen, ebenso das Gesetz über die Abänderung des Reichslagswahlrechtes.

* Die Verfassungstreue der Richter. Auf seiner letzten Vertreterversammlung hat der preußische Richterverein eine Entschließung angenommen, in der seine Mitglieder ihre unerschütterliche Verfassungstreue betonen und die Vorwürfe, von einer unparteiischen volkstümlichen 3ufti$ tn politischen Sachen abgewichen zu sein, der Gesamt­heit des Richterstandes gegenüber als unbegründet erklärt. Ausnahmefälle würden auch von den preußischen Richtern verurteilt. Die Hieras gegen die Allgemeinheit der Richter erhobenen Verdach- tigungen verdienen schärfste Zurückweisung.

Führer der konservativen Partei ernannt worden ist. Diese Versammlung wird von den Partei- ührern unverzüglich einberuseu und wahrscheinlich am Samstag oder Montag stattfinden. Dem „Imps“ zufolge ist es sehr wahrscheinlich, daß die konservative Partei Donar £aro zu ihrem Führer wählen wird. Auch in unionistischen Kreisen werde es als sicher angenommen, dah Donar Caro die Regierung bilden wird. Der genaue Zeitpunkt der Auflösung des Parlaments ist weniger sicher, da dies bis zu einem gewissen Grade von der Zeit abhängt, bis die Ratifizierung des irischen Vertrages möglich ist. Man sei der Ansicht, dah sich kein ernster widerstand gegen dte Irland. Dill erheben werde und sie nach den Reuwahlen angenommen werden könne. In diesem Falle würde die Auflösung u n m i t t e l b a t auf die Dtl- düng der neuen Regierung folgen. Der post tische Korrespondent der „DaUy Lhronicle teilt nut, dah in der konservativen Regierung für den Schahkan,- lerposten der bisherige Handelsmintster S a I d w i n in Aussicht genommen fd, ein jüngerer konservativer Führer. ____

FmKM uni hie Sepnwlion.

Immer noch der alte Geist.

Heber dem Stand der Reparationsfrage, die durch die Entwicklung der Dinge in England sicherlich neuen Verzögerungen E-gesetzt sein wird, berichtet ein Tele­gramm folgendes: m „ ..

wtb Paris, 20. DtL (Tel.) Wie der „Mann mit teilt, ist der französische Plan, der der Re- parations-Koamission unterbreitet wird, nichts ande­res als der verschärfte Plan Mauclaires. Er verlangt verschärfte Kontrollmoßmchmen über die deutschem Finanzen, namentlich über die Reichsbank, und die Eröffnung von S pez i a l k o n t o s für de« deutschen Export, kurzum Anwendung aller Matz- mchmen, Wer die sich die französischen und englischen Sachverständigen während der Londoner Konferenz im Monat August verständigt hatten und die bis jetzt nicht zur Anwendung gekommen sind. Das Blatt glaubt nicht, daß das französische Memorandum, obschon es heute tziberreicht werden soll, schon im Laufe der heu­tigen Sitzung zur Diskussion gestellt werden könne.

„Sein Mensch zwingt euch, es zu essen!"

„So sollte der Steuermann nicht mit den Leuten reden!" flüsterte Mrs. Burke mir entrüstet zu.

In diesem Augenblick erschien nem Sextanten wieder an Deck.

„Na, Jungens, was gibt s9"

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* < 1 CI*7'1 I - «bgehott in der Geschäftsstelle 136 M.

Samstaa« 21* OMOPet I Anzeigen: KleinzeilenachCvwne!s.00rm., ausw.10.00M.

— 1 Reklamezeile (Iertbrette> nach Colvne'maß 30 Mark.

Siegerfeft am B sporus.

Die Räumung Thraziens. ..

Aus Konstantinopel wird unter dem 19. Oklbr. ge­meldet: Um 12 Uhr mittags kam General Raset Pascha, der So nde r k 0 m m is s a r für Ost­thrazien, von Mudania an Bord des Dampfers „Gülnihal" mit feinem Stabe und einigen höheren Be­amten hier an. Eine riesige Menschenmenge befand sich auf dem Kai and jubelte bem Pascha zu, der sich nach der Fatih-Moschee begab, wo feierliche Ge­bete stattsanden. Auf dem ganzen Wege begrüßten begeisterte Zurufe die Ankunft des ersten Delegierten

preußischer Landtag.

Katzbalgerei wegen Katzbalgereien.

Die Schlägereien zwischen Links- und Rechtsradikalen am Zirkus Busch in Berlin sind eine Angelegenheit, die das preußische Volk in seiner Gesamtheit wemg beruh- reu. Es hat andere Sorgen. Außerhalb des „Wasser- topp" Berlin geht man Sonntag vormittags zum G o t- tesdiensi. Im „fortgeschrittenen „Berlin schlagen sich um diese Zeit die „Hakenkreuzritter mit den „Mos- kowitem". Das ist ihre Privatsache. ®ma daß der Landtag ganze Sitzungen an die Besprechung dieser Keilereien zwischen vollblütigen Extremis.en wen­den muß. Bezeichnend ist, daß der Kommunist Katz zu Beginn der Besprechung beantragte, daß ferne Partei als Veranstalterin der ganzen Sache (Stur- mische Zustimmung) zuerst zu Wort komme. Das Haus ließ aber erst den Mehrheiisfoz,allsten Rabold reden, der den Kommunisten derbe Wahrheiten sagte und ihnen vorwarf, daß sie den rechtsradikalen Veranstaltern der Versammlung durch ihre Gewaltaten Wasser auf die Mühlen geleitet hätten. Außerdem hatten sie, die Kom­munisten, anscheinend bei der Prügelei den Kürzeren gezogen. Abg. Hippel, der für die Deutschnationalen sprach, suchte den Bund für Freiheit und Ordnung zu rechtfertigen. Die Deutschnationalen würden sich stets wehren, wenn ihre Versammlungen gestört würden. Der Kommunist Schulz verlangte bann zur Geschäfts­ordnung, daß Vertreter von 60 000 Arbeitern, den Berliner Betriebsräten, im Parlament zu Gehör kämen. Das wurde natürlich mit großer Heiterkeit quittiert, worauf Schulz wütend fortfuhr, daß für dieses Hohn» gelächi. er, .die Arbeiter mit den.-BürgerliKey ,ab « r e'chne n würden. Die Tribünen quittierten diese Aus­führungen ihres Genossen mit dankendem Zuruf. Der Vizepräsident bezeichnete diese Zurufe als unzulässig und drohte mit der Räumung, lieber bett Antrag selbst wird zur Tagesordnung übergegangen, weil er nicht ernst genommen werden kann.

Nach Schluß der Debatte ertönen von der reich­besetzten Tribüne Rufe wie: „Ihr ßumpenbanbe", „Ihr Morder", „Ihr Hunde", worauf die kommu- Nlstischen Abgeordneten aus dem Saal Bravo hinauf. rufen. Dies zeigt schon den ganzen Geist, unter dem sich die Verhandlungen abwickelten.

Arn Freitag soll dieses Trauerspiel fortgesetzt werden,

Abg. Dr. heim (Bayer. 53p.) als nächster Redner aufge rufen wird, lehnt dieser es ab, jetzt zu zprechen, da « nach der Frattionsstiirke vor ber Kommunisten haft» zu Wort kommen müssen. Abg. Ledebour halt bleses Verhalten Dr. Heims für eine schlaue Taktik um sich " " eine klare Stellungnahme herumzudrucken. Dieser außer- lief) bäuerlich angestrichene Herr sei auß er0rd enn ch diplomatisch. (Heiterkeit.) Der Redner foroert die Sozialdemokratie auf, sich um ihn zu sammeln zum g meinfamen Kampf gegen die Srotcerteuerung.

Damit schließt die Aussprache. Die Dorwge wird nun im Ausschuß roeiterberaten. Das Haus vertagt ney auf Freitag: Anfragen, Amrag der «Regierungsparteien und der Deutschen Volkspartei auf Verlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten, Anttag Hergt (Dnat. 23p.), die Präsidentenwahl auf den 3. Dezember festzusetzen, Antrag Lauscher (Zentr.) auf Erlaß von Maßnahmen gegen die U e b er s -u tung Deutschlands von valutostarken Auslän­dern. _____

LW Gcorze uidjt mhkMiniftMSfiimt

Rücktritt des englischen Kabinetts.

Di- Nachfolgerschaft Bonar Laws.

Die Kunde von großem weltpolitischem Geschehen «t von London gekommen. Das von Lloyd George geführte KÄ>mett ist zurückgetreten. Weniger wegen der Örierttkrise, wie cs vielfach dargestellt wird, als aus innenpolitischen Entwicklungen heraus. Lloyd George, der im Dezember 1916 an die Spitze der englischen Regierung getreten war, konnte seine Mehr­heit, die durch die Kriegsnot seinerzeit zusamrnenge- schweißt worden war, in dem Fluß der Entwicklung nicht mehr zusammenhatten. So ist er jetzt zurückge­treten, nicht etwa müde und abgedankt, sonLern sicher­lich mtt der Absicht, nach einer Reinigung der innenpolitschen Verhältnisse aufs neue englischer Ministerpräsident zu werden.

So ist es heute durchaus nicht an der Zett, dem englischen Staatsmann einen N ach ruf zu schreiben. Immerhin werden einige Daten über ihn willkommen sein: David Lloyd George ist 1863 in Manchester ge­boren, wurde 1884 Rechtsanwalt in London, 1890 Unterhausmitglied, wo er sich den Liberalen anschioß, war 1905—1908 Präsident des Handeisamtes und 1908 Schatzkanzler. Als Führer der Walliser Dissen­ters, begabt mitt rücksichtsloser Tatkraft und einem demagogischen Talent, wußte er sich rasch einen über- rageräen Einfluß im Parlament und Kabinett zu sichern, trug durch seine drohenden Reden nicht wenig zur Rückenstärkung Frankreichs bei und verdrängte den durch die Sommeschlacht in seiner Stellung erschütter­ten Ministerpräsidenten Asquith im Dezbr. 1916, wurde dann selbst Ministerpräsident und einigte in der konservativ-liberalen Koalition alle Kräfte zur energi­schen Durchführung des Krieges, der ohne seine groß­zügige Organisation wohl anders ausgegangen wäre.

Dte ungeheure Sensation.

Vor Neuwahlen.

Aus London wird gemeldet: Das englische Ka­binett ist in seiner Gesamcheit zurückgetreten. Der König hat das Rücktrittsgesuch angenommen und Bonar Sara, den Führer der konservativen. Partei, mst der Neubildung des Kabinetts betraut-. Bonar Läw hat den Auftrag zur Kabinettsbildung angenommen.

Der Rücktritt der Regierung erregt ungeheure Sensation. Der Grund hierzu liegt in dem Be­schluß der konservativen Partei, sich bei den Wahlen als unabhängig-konservative Partei zu prä­sentieren und in dem Anspruch der Partei auf Stellung des Premierministers, falls die Partei bei den Wlchlen siegreich fein sollte. Man erwartet, daß der neue Premierminister Bonar Law bald neue Wahlen anberaumen wird. Man glaubt, daß verschiedene unionistische Minister, wie Chamber­lain und Home, auch weiterhin zu Lloyd George stehen werden, ber, wie verlautet, zur Bildung einer neuen Partei entschlossen fein soll. Die beiden politischen Reden, die Lloyd George demnächst in Leeds und in der Guildhall zu halten beabsichtigt, wurden nicht abgesagt.

Die Lage in London.

Wir erhalten folgendes Privat-Telegramm: '

wtb £ 0 n don, 20. Okt. (Tel.) Ls wird ge­meldet, daß Sonar Caro seine Regierung erst bilden wird, nachdem er von einer Versammlung der konservativen Mitglieder des Parlaments zum

Serantmortltd) für ben reoauioneUen Teil: Dr. I. Kramer.

für die Anzeigen: 3- Parzeller-Fu.0a. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Aclienbruckerei in ttulba. ^emmretber Nr. 9. Posft-beck-König 4051 Frankfurt a. M.

über die Umlage.

Der Abg. Cuno betont die grundsätzliche Ablehnung ber Deutschen Sollspartei gegen jede Form vor, Zwangswirtschaft und beklagt die falsche psnchische Ein­stellung der Bevölkerung zmn Ernährungsproblem. Diese sei dadurch verschuldet worden, daß man die allge­meine Not fälschlich auf Wucher und Schiebertum zu- rückführe statt rechtzeitig auf die rapide Geldentwertung als Ursache hinzuweisen. Der Abg. Dr. Böhme von ber beutsch-demokratischen Partei wendet sich gegen die Aus- fübrungsbefHmmungen, welche Thüringen in Verschär­fung des Gesetzes erlassen hat. Zum Schluß verlangt er Dom Reichserttährungsminiiter, baß er bas deutsche Volk darüber auffläre, wie geringfügig das Mehrverdiensi ber Lanbwirte ist, wenn ber Umlagepreis erhöht wird. Dann nimmt ber Kommunist heydemann bas Wort zu einer stundenlangen Hetzrede gegen bie Landwirt­schaft. Der Sitzungssaal ist dabei z'emlich leer. Als

auch wenn wir Gegner des Gesetzes sind, gierung trifft die große Schuld ber Serfpätur fetzes. Schiebungen überdie Grenze kommen vor. Die Auslieferung des Lieferungsgetreides wird verzögert. Es muß eine großzügige Düngeroerforgung erfolgen zur Mehrung der Crzeugniffe. In dem Sinne ist auch ber Antrag Preußens auf Einführung von Chi­lisalpeter zu begrüßen und zu prüfen. Eine weit- gehende Kreditgewährung für Saatgut, Dünger sowie für den Verkehr zwischen Erzeugern und Verbrauchern ist zu organisieren. Hoffentlich ist diese Debatte die letzte