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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 242.

lierantroortlt» für Den reOauioneUen Trii: Dr. I- Kramer.

2 für dir La,eigen: 5. Parzrürr-Fulda. s Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda, ^ern'oreckxr Nr. 9. Postickeck-Kon'o 4051 Frankfurt a. M.

Zreitag, 20. Oktober 1922.

Bezugspreis: Monatlich 140 Ml. zugestell' frei ins Haus.

= »bgebolt in der Cefchästsstclle 136 Mk.

Anzeigen: Kleinzeile nachTo'oneiS.OOMk.; ausw.10,00Mk.

Reklame, »i>e (ItrtbreHel nach Colone'mak 30 "lark.

49. Zahrg.

RMDrMeiiieWZhI erst 1925.

Der Dertagrrngsbeschlutz.

Wie aus Berlin gemeldet wird, haben in der Frage der Wahl des Reichspräsidenten die R e i chs- tagsfraktionen der Regierungsparteien auf Vorschlag des Zentrumsführers Dr. Marx mit Zu­stimmung der Deutschen Volkspartei und der Bayerischen Volkspartei beschlossen, im Reichstag einen gemeinschaftlichen Antrag emzu- bringen, durch den Art. 180 der Verfassung dahin geändert werden soll, daß der von der National­versammlung gewählte Reichspräsident sein Amt bis zum 3 0. Juni 192 5 woiterführt. Der Antrag ist bereits, unterzeichnet von den Fraktionsoorsitzen­den der genannten Parteien, dem Reichstag zuge­gangen.

Der Antrag, der Ebert das Amt eines verfas­sungsmäßigen Reichspräsidenten für den Rest seiner Amtsperiode bis zum 30. Juni 1925 verleiht, wird voraussichtlich schonamFreitagzur Beratung gelangen und mit erbrüctenber Mehrheit angenom­men werden. Die zu der DerfaffungsLiÄierung not­wendige Zweidrittelmehrheit dürfte jedenfalls erreicht werden, da die aus Deutsch­nationalen und Kommunisten bestehende Opposition im höchsten Falle 70 bis 80 Stimmen von 460 Stimmen aufbringen wird.

Gegen die Teuerung.

Bayerische Vorschläge zur Teuernagskatastrvphe.

Die bayerische Staatsregierung hat an die Reichs- regievung eine Denkschrift gerichtet, die sich zu­nächst mit den sich ganz besonders in Bayern ver­hängnisvoll geltend machenden Auswirkungen der Teuerungskatastrophe beschäftigt. Die Denkschrift betont, daß an den Worten des ReichskanAers „ErstBrot,bannReparation" unter allen Umständen festgehalten werden müsse. Ebenso müsse nicht die Wirtschaft, sondern der Staat herrschen. Ais Maßnahmen zur Verhütung weiterer Verschlech­terung der Mark und zur Besserung ihres Wertes bringt die bayerische Regierung u. a. in Vorschlag:

Sicherung der Ruhe und Ordnung im Inlands, strengste Sparsamkeit im Reichshaushalt, mög­lichste Verhinderung der Ausfuhr lebens­wichtiger, im Jnlande nicht genügend vorhandener Waren, Einschränkung des inländischen Be­darfs auf das unentbehrlichste, Verhinderung der Einfuhr von Luxuswaren, möglichste Heran­ziehung der Ausfuhr zur Deckung der unentbehr­lichen Einfuhr, V e r b o t der inländischen Fakturie- rung und Zahlung in Auslandswährung. Außer­dem schlägt die bayerische Regierung als repressive und prophylaktische Maßnahmen gegen die Aus­wüchse der Geldsucht und gegen das rücksichtslose Streben nach eigener Sicherstellung u. a vor streng« Ueberwachung der Kartelle, .Verbünde und Syndikate in Handel und Industrie, insbesondere über Preisfestsetzung, im Wege einer hohe Strafen vorsehenden. Notverordnung, Preisüberwachung auch im übrigen Verkehr, schärfste Bekämp­fung des Wuchers mit Zuchthaus, Aus- Weisung, Arbeitshaus, Dermögenskonsiskation und Schließung des Betriebes als Strafmittel, Verrin­gerung und Säuberung des Zwischenhandels.

Die Denkschrift betont, daß olle diese Vorschläge nur eine Linderung des Uebels, aber keine

Arn Gismeer.

Roman von Clark Russell.

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„Dort liegt sie. Miß Eveline! Dort liegt unser Schiff, Ihre künftige Ozeanwohnung. Was sagen Sie zu unserer Lady Emma, Miß 6oe(ine?N

Bald fand ich in dem Mastengewirr des Docks das Schiff heraus, das sie mir zeigte. ,

Es war, wie es in der mir später recht geläufig ge­worbenen Scemannsfprach« heißt, eine vollgetakelte höl­zerne Bark — eiserne Schiffe waren damals noch sehr selten — von 700 Registertons. Der Schiffskörper war sauber schwarz gestrichen, und von dem neuen Kupfer- beschlag ragte noch ein Streifen über die Wasserlinie hinauf, im Sonnenlichte hellglänzend wie ein Doldzürtel. Ihre Untermosten waren weiß, die Töpen und Raaen hellgelb gestrichen, in schöner Gesamtwirkung mit der natürlichen Holzfarbe der frisch geschrapten und geölten Stengen und Gafseln. Die Raaen waren vierkant ge­braßt und zeigten so in ihrer ganzen Breite bas schöne Verhältnis zu der Höhe der Masten. Und wenngleich das Schiff auch voll beladen war, hatten seine Bewegun­gen doch nichts Schwerfälliges. 3m Gegenteil, selbst mir, die ich in nautischen Angelegenheiten vollständig unbe­wandert war, fiel im Vergleich mit anderen in der Nähe ankernden Schiffen sofort die elegante Bauart und das vollendete Ebenmaß seiner Formen auf. Entfaltete die Lady Emma ihre gesamte Segelfläche, fo mußte sie einem Albatros, diesem Prototyp von Kraft, Schön­heit und Schnelligkeit gleichen, wenn er mir weit ge­spreizten Schwingen in sausendem Fluge durch den blauen Aether dahinschießt.

„Wie gefällt sie Ihnen?" fragte Mary.

«Ein entzückendes Schiff!"

„Die Lady Emma macht auch bei günstigem Winde khre dreihundertzwölf Meilen in vierundzwanzig Stun­den!" sagte Mary stolz. Mir mußten aufbrechen, denn um fünf Uhr wollte Kapitän Burke absegein. Wir gin­gen langsam zum Pier, von wo uns ein Boot rasch längsseits der Lady Emma brachte. Hier empfingen

Heilung bringen können, daß die Grund- ursachebes Uebels in unseren R e p a r a t i o ns- verpflichtungen, in bem Mißverhältnis zwi­schen inländischem Verbrauch unb inländischer Pro­duktion liegt, unb schließt mit einem Vorschlag zur künftigen Stabilisierung bes Inlanbspreisniveaus, der darauf hinausläuft, den gesamten Deoi- senverkehr zu zentralisieren und alle inländischen Preise, Gehälter unb Löhne auf ihrer bermaligen Höhe, allenfalls unter Beziehung auf bie Friedenspreise unb Frtebenslöhne, behördlich festzufetzen.

Di« bayerischen Vorschläge dürften bes Beifalles aller wahrhaften Daterlanbsfreunde gewiß sein. Die Reichsregierung sollte nicht zögern, ungesäumt an die Verwirklichung des Programms heranMgehsn.

Verbot des Akark-Kaufes.

Havas meldet: Der französische Finanzminister hat in ber Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, durch den j e b e r Ankauf von deutscher Mark in Frankreich verboten wird, außer wenn er zur Ausführung von Handelsoperationen dient. In diesem Falle soll di« Ermächtigung zum Markkauf von den Handelskammern erteilt werden.

Reichsschulgesetz oder yreutzischer 5chulnotgesetz?

Der preußische Kultusminister Dr. B o e l i tz hat Montag abend in einer Berliner Dertreteroersamm- lung der Deutschen Volkspartei bie bereits bekannte Absicht der preußischen Staatsregierung, ein preußi­sches Schulnotgesetz dem Landtag zur Beschlußfassung vorzulegen, für bett Fall, daß die Parteien des Reichs­tags sich über das Reichsschulgesetz rächt einigen, be­stätigt.

Er sagte:

„3n Kürze wird dem Bildungsausschuß des Reichs­tags ein neuer Entwarf eines R-ichsschu-igesetzes zugehen. Wird auch dieser Entwurf nicht Gesetz, dann bedürfen wir eines Notgefetzes, das zunächst Ordnung in untere Schuloerhältnisse bringt. Der augenblickliche Zustand der Notlösung mit den sogenannten Sammelklassen der vom Religionsunterricht befreiten Kinder, hat sich nicht al» brauchbare Lösung erwiesen. Aber ebenso leldenichaftlich wie sie von der einen Seite unter politischen Gesichts­punkten gefordert werden, werden sie von der anderen Seite abgelehnt. Es droht ein Schulkampf zu enteren- nen, der nicht zum Segen der Schule ift Daß wir keine Einengung der Gewissensfreiheit wollen, darüber besteht ernsthaft kein Streit; nur aber Äs dem verantwortlichen Berwalter der Schulangelegenheiten muß es am Herzen liegen, auch darauf bedacht zu fein, daß die Dinge sich in einer ruhigen Entwicklung und Ordnung vollziehen. Der Dorwurf, der der konfessionellen Schule gemacht wird, daß sie die Kinder engherzig religiös erzöge, trifft bei der außerordentlich regsamen und ihrer Verantwortung be­wußten Lehrerschaft nicht zu. Ich persönlich würde einer solchen Entwicklung auf das nachdrücklichste entgegen­treten."

Man wird bie Worte des Preußischen Kulturmini­sters wohl nicht falsch verstehen, wenn man sie als neuen Appell an bie Fraktionen bes Reichstags aufaßt, sich über bie Grundlagen des neuen Gesetzes möglichst ba.d zu verständigen. Es unterliegt aber auch keinem Zwei- fei, daß bie Schwierigkeiten, welche die Einigungen der Parteien rm Reichstag hemmen, sich auch in Preußen bei Beratung eines Schulnotgefetzes eirrfteilen würben. Und wenn Preußen zu einem Rotgefetz Zuflucht neh­men müßte, bann würben weitere deutsche Länder die- fern Beispiele folgen. Die Schwierigkeiten des Reichs­tages würden sich überall mehr ober weniger wieder­holen und bas Ende wäre eine große Verwor­renheit m ber deutschen Schrlgssetzgebung, mit welcher sich der Nuancenreichtum ber Schulgesetz» gcbung im deutschen Bundesstaate vor dem Krieg nicht

mehr vergleichen ließ«. Es ist schon notwendig, daß sich der Reichstag schnell verständigt, füllte es sonst zu der oben g: kennzeichneten Verworrenheit in der deutschen Schutgesetzgebimg kommen, so bürste es später schier unmöglich sein, auch nur ein geringes Dtaß von Einheitlichkeit wiederzugewirmen.

Zur Kenderung der V *amtenbcfolöung.

120 Mllianen Mark Reichsschahr-.nweisungen.

Dem Reichstag ist, wie das „SBerl. Taget»!." hört, ein Nachtrags kredit zu-gsyangen, ber bie Be­reitstellung von Mitteln für bie in den letzten Monaten erfolgten Aufbesserungen der Dsanterrschälter und Ar- beiterlöhne enthält.

Außerdem wird das ReichsfinonJMimsterium er- mächligt, zur Bestreltimg einmaliger außerordentlicher Ausgaben 120 Millionen Mark durch eine Anleihe flüssig zu machen. Zum Zwecke der zur Sicherung der Do'kscrnührung erforderlichen Ankäufe von Ausland-- und Jntenbsgstreibe sollen Reichsschlltzamveisungen bis zur Höhe von 120 Millionen Mark ausgegeben werden.

Nach dem „Derl. LoLclanF." ist ein Gesetzentwurf betreffend bie Aenderung der Beamtenbe- folbung dem Reichstage zugogangen. Die Grund- gehattssötze betragen in Gruppe I 5700—11 500 Mark, in Gruppe XIII 37 300 bis 56 000 monat­lich. Die in den Gruppen nicht einbegriffensn Emgel» «hättet- beginnen mit 50000 Mark und steigern sich dis zur höchsten Gruppe auf 140 000 Mark. Di« Orts- Zuschläge werden in Klaffe A auf 2100 Mark m der ersten Gchckltsgruppe festgesetzt: sie steigern sich für jÄe weitere Gehaltsgruppe um 1603 bis 6000 Mark. Sn der Orte Lüfte B betrogen die ZufchlLge in der niedrig-- sten Gehaltsgruppe 1800 Mark und steigern sich bis 4500 Mark. Sn Ortsklasse C 1500 bis 3800, Orts- klasse D 1200 bis 3000, Ortsklasse E 900 bis 2200 M. Iowischen unterbreiteten laut „B. T." emgelne Ge­werkschaften dem Reichsfmanzmimsterrmn die Ditte, möglichst umgehend über bie neue Teuerungs­aktion für die Beamten unb Gtaatearbert« Ver­handlungen aufzunehmm. Das Reichsstmmzmm'ste- rium erklärte jedoch, daß di« neue Teurrungsaklion vor Erledigung des Gesetzentwurfes durch den Reichs­tag unmöglich fei.

Soziales.

-- Schwierige Lage bet Krankenkasse«. Nach einer Mitteilung der /Sofft Ztg.' sind die Krankenkassen n i cd t in der Lage, da» am 15. Oktober fällig gewordene Honorar den Aerzten auSzuzahlen. öf» handelt sich nm da» Entgelt für die von Juli bi» Oktober ge­leistete Behandlung, da» über 100 Millionen Mark be» trä t. Durch die ZahlungSunfähiakeit der Kranken­kassen wird die Notlage der deutschen Aerzte weiter gesteigert.

— Vas ksau»o«hilfei»geketz. Der vorläufige Reich»- wirtschaftSrat beschäftigte sich mit der dritten Beratung de» HauSgebtlfengesetzentwurfe». In der Abstimmung wurden die Beschlüsse der zweiten Lesung in der Hauptsache aufrechterhalten. Paragraph 12, der die Arbeitszeit regelt, erhält entsprechend dem Antrag Mühsam den Zusatz, daß die Arbeitsbereitschaft täglich höchsten» 13 Stunden betragen darf. Darauf wurde dem Teschentwur, auch in der Gesamtabstimmung zugestlmmt.____

Kohlenbergbau.

— Vie llederschickte» im Ruhrgebiet. Hinsichtlich der Beteiligung der Belegschaften cm Ruhrgebiet an der Ueberarbeit ist in der letzten Zeit eine Besse­rung zu verzeichnen. Während in der zweiten Sep- temberhälste durchschnittlich 52 pEt. 5er unter Tage be- schcntigten Arbeiter an der Ueberarbeit beteilt t waren, ist feftaefteUt worden, daß vom 5 dis 11. Oktober 77,5 pCt der Belegschaften unter Tage Ueberarbeit geleistet haben.

uns Kapitän Burke unb Dr. Owen bereits an der Fall- reepstreppe. Der Kapitän streckte mir beide Hände ent­gegen:

.Willkommen, Miß Otwayl Herzlich willkommen an Bord der Lady Emma!"

Ich betrachtete verwundert da» Deck mit all den vie­len, für mich vollständig neuen Geräten und Gegenstän- dey, die mir später so vertraut werden sollten. Damal» machte bas Deck auf mich nur den Eindruck einer lang­gestreckten, hellen, an mehreren Stellen durch besondere Aufbauten unterbrochenen Fläche, die sich vom Bug bis zum Heckbord hinzog. Wie ich nach und nach erfuhr, war der vorderste Aufbau der Kombüse ober Schiffs- küche, neben der ein großes Boot zum provisorischen Schasstall umgewandelt war, wahrend sich darunter ein Schweinekoben befand, dessen Bewohner sich die größte Mühe gaben, das Blöken der Schafe zu überquieken. Nach der Mitte des Deckes zu befand sich eine große, viereckige, mit einem Ueberzuge von geteertem Segeltuch bedeckte Luke, und noch weiter nach dem Heck zu ein länglicher, mit dicken Glasscheiben und Messingstangen überdachter Aufbau, bes Oberlicht, bas den großen Kajütenscckon er- hellte. Dicht dahinter erhob sich eine Art von Schrank mit rundem Dach, nämlich die Rajüfstreppe, die hinab zur Kajüte und zu den Sabinen für die Schiffsofsiziere und Passagiere führte. Ganz am Heck aber funkelte, mit feinen im Sonnenschein wie Gold glänzenden Messing­beschlägen bas Steuerrad unb dicht davor bas Kompaß- hous mit dem Steuerkompaß.

Die andern plauderten noch am Fallreep. Mich for­derte Mrs. Durke auf, mit ihr in die Kajüte hinabzu- gehen, um mir diese unb bie Sabine anzirsehen, bie für mich bestimmt und eingerichtet war.

'■ Die Burkes hatten ihr Bestes getan, um die Kajüte so schmuck wie möglich guszustatien. An ber einen Wand war ein Büchergestell mit einer kleinen aber gewählten Bibliothek befestigt, während unter dem Deckfenster zwi­schen Farnkrautampeln mehrere Goidsischgstjser hin- und herpendelten. Hinter dem polierten Besanmoste stand zu meiner größten und freudigsten lleberraschung in Gurt- feilen befestigt ein Pianino, das ich — wie ick später erst erfuhr — der liebevollen Fürsorge Archibalds ver­dankte. Am mittelsten Decksbalken war in einem blitzen­

den, messingnen Doppelachsengestell die große Kajüten­lampe derart befefttgt, daß sie nach allen Richtungen frei schwingen konnte, also nie aus ber wagerechten Lage kam. Darunter stand auf einem nagelneuen Teppich ein großer Ausziehtisch mit einer Plüschbecke, der sich aber während der Mahlzeiten in eine Speisetafel mit blitzen­dem Silber- und Glasgeschirr verwandelte. Auch einen Keinen, ganz neuen Ofen bemerkte ich im vorderen Teile ber Kajüte, an bie sich nach achtern zu ein schmaler Korridor anschloß, zu dessen beiden Seiten je vier Kojen lagen.

.Kommen Sie her, Miß Evy," sagte Mrs. Burke zu mir unb öffnete eine der weißlackierten, mit Goldleisten verzierten Türen an der linken Batfborbfeite. .Sehen Sie sich jetzt einmal Ihr künftiges Boudoir an."

„Oho," rief mein Baier, der uns inzwischen mit den anderen Herren in die Kajüte gefolgt war, überrascht aus, „diese Sabine ist ja größer, als ich sie jema’s an Bord eines der neueren ßupisbampfer für Dich hätte bekommen können!"

Der Kapitän hatte, um für mich eine geräumige unb bequeme, kurzum eine förmliche Staatskabine *u schaf­fen, die Wand zwischen zwei nebeneinanberiiegenben Kojen herausnehmen unb so aus den beiben kleinen eine große Herstellen lafs-n. Doch nicht genug damit, hatte meine herzensgute Mary sich bie größte Mühe gegeben, bie innere Ausstattung biefer Doppelkabine berjenigen meines Bouboirs möglichst getreu nachzubilden. Ich war so gerührt über diese Fürsorge, daß ich meine liebevolle zweite Mutter schluchzend umarmte.

Inzwischen war bie Scheibestunde immer näher ge­rückt. Die Burkes gingen auf Deck unb mein Vater unb Dr. Owen begaben sich in die Kajüte. Archibald unb ich waren allein.

Mir brach fast bas Herz, als Archie mich wieder uns immer wieder an feine Sauft drückte, meine Lippen, j Stirn und Augen mit Küssen bedeckte unb mir immer \ wieder Liebesworte zuflüsterte.

■ Plötzlich erklang über uns ber schrille, laute Ton der Schiffsglocke, sodaß wir erschreckt fluseinanberfubrerr,

. unb in bemseiben Augenblick erschien Kapitän Burke mit feiner Frau wieder in der Kajüte, um meinem

i Pater und Archibald in größter Hast mitjuteUen, daß b»

Sm Mii Jo?. M M JetoEti WM!

Don Dr. A. Kayser, M. d. 91. W. 9t., Berlin.

Generalsekr. d. Vereinigung d. deutschen Bauernvereeine, „Ein guter Hirt die Wolle nimmt ab. Zeucht aber nicht das Fell gleich ab;

So soll mit Mag die Obri gleit

Auch schätzen ihre armen ßeut' Auf baß sie können geben mehr; Detz wird sie haben Nutz' und Ehr!"

Di« Länder und Gemrmden sind nach dem Lan- dessteuergetetz vom 30. Mitez 1320 berechtigt, Steuern nach Lindesrechl zu erheben, soweit nicht die Reichs- Verfassung und reichsrechtliche Vorschriften entgegen- stehen. Eine Jmurspruchmahme von Steirern für dos Reich schließt die Echdbung gteichariser Steuern durch dr« Ärrider mrd Gemeinden aus, wenn nicht reichLgcsetzlich ein anderes vorgeschrieben ist. Die Er- Hebung von Zuschlägen zu den Reichssteuern ist den Ländern tmb Gemeinden nur auf Grund rcichsgefetz- ticher Ernächligung gestcutet. Di« Länder erheben Steuern vom Grundvermösm und vom Gewerbe­betrieb. Die Gemvrrben st.L verpachtet, eine Wer- gnügmgefteuer zu erheben, falls nicht der Gemeinde» verband oder das Lar-d, dem die GemeMde cmgehört, eine solche Stouer «inführt. Ob und in w-elchem Um­fang di« Länder einen Anteil an den Einnahmen aus Reicheftc-uern haben, wird durch Reichsgesetz be­stimmt. Dir 3?^t4i*t,ur.g der Gemeinden an den ll.bc:- rveistMHM aus Reichssteurrn bestimmt die Landes» gefetzgebunZ nach voichsgesetzlichen Grundsätzen.

Die nach Erlaß des Lardsssteuergesetzes geschafse- nen Reiche steuWgefetze haben den Inhalt des Landes- steuevgssetzes zum Leit in entschsÄrnder Weise berührt. Das ständige Sinken des Markwertes hat den Finanz- bedarf der Länder und Gemeinden erhöht. Daher ist im Reü^simmgmin'.sterium Anfang des Jahres 1921 der Entwurf eines Gesetzes betr. Aen­derung des Landessteuergesetzes aus- yearbeitet worden. Einzelne Steuern sind neu für die Länder und Gsmorteden vorgesehen, auch wird die Be- toüiWng an den Reichs.steuern neu gerogDtt.

Nunmehr sollen die Länder für di« Zwecke der öfsontlich rechtlichen Btegeunterhattung eine Fahr­zeugsteuer erheben. Befreiungen sollen znar zu­lässig sein, jedoch kann sich die Landwinsti-ast nicht damit zufrieden geben. Qn der Landwirtschaft gibt es in der Haup.sache nur leicht« Wagen, durch di« öffent- Uchr Weg« kaum abgenutzt werden. Dazu kommt, daß der größte Teil der Fahrzeug« nur in großen Zwi- schrmäumen benutzt wird. DeehÄb mutz der Land» wirtschaft die Zahl der im Betriebe benutzten Ge­spanne zugrunde gelegt werden. Landrorrtschast- liche Fahrzeuge, die nur im Bel riebe oenvcmÄt wer­den, und nach ihrer Bestimmung im allgemmnen öffentliche Wege nicht befahren, sind frei zu lassen. Di« im Interesse der Allg-rmeinheil dringend ersordorliche Hebung der londwirischafttichen Betriebe erfordert, diese Grundsätze, welche die Bauenwereine bereits in einer EntMehung festgetest haben, schon im Reichs­gesetz zu berücksichtigen.

Weiter sind neu die B.'sümmunyen über die für Gemeinden vorgeschMe Schankoerzehrsteuer und G e t r ä n k e st e u «r. Auch dich« Bestimmungen betörten weitgcheichster Aendemngen, soweit dadurch das Garverbe unnütz beiastst wird. Die vorg^ehene Belastung des Tnmkbrann^wmrcs wird die Monopol­erträge schädigen und durch die Einschränkung der Er­zeugung an Schlompe die ViehhÄtung und damit die Dersorgung der Großstädte mit Milch weiter beein­trächtigen.

Unter dem 9. September 1922 hat das Rsichs- ftnantzministerium eimtn vollständig neuen Entwurf der AerLerungsgesetzes vorgologt und darin neu eine Vieh st euer vor gesehen. Die Gememdcm dürfen hiernAh mit Genehmigung der /Landesregierung oder der von ihr beauftragten Behörde Steuern auf dos Laby Emma soeben ihre Vertäuungen üosnemorfen habe unb ber Schlepper sich sogleich in Bewegung setzen werbe.

Mein Vater zog mich wortlos in seine Anne und küßte mich auf bie Stirn.

Als mich danach aber Archibald noch einmal an fein Herz preßte, als ob er mich nie wieder freigeben wolle, schwanden mir die Sinne, und ohnmächtig sank ich um.

Drittes Kapitel.

Die Matrosen ber Dark.

Tagelang lag ich in den Qualen ber krank beit und war gänzlich abgestumpft gegen alle Eindrücke. Wenn ich mich recht entsinne, so habe ich während der ganzen Leibenszeit weder an Heimat, noch an meinen Vater ober an meinen Verlobten gedacht. Das einzige, was ich mir In jenem entsetzlichen Zustande wünschte, war — der Tob. Ja, ich glaube beinahe, ich hätt» nicht ein­mal um Hilfe geschrieen, wenn bas Schiff untergegange» wäre . . .

Am fünften Tage aber hatte ich das Hebel soweit überwunden, daß ich mich aufrichten und einen Hühner- flügel unb ein Glas Wein genießen konnte. Am nächste» Tage wagte ich mich sogar an Deck.

Wie staunte ich über die Wasserwüfte, die uns um­gab! Denn ber Kanal lag bereits hinter uns, unb soweit bas Auge reichte, war nirgeibs Lanb zu sehen. Nur in weiter Ferne schimmerten, vom Aeiherblau scharf ab- stechend, ein paar weiße Segel, unb etwa eine viertel Meile achter aus stieß, ben gleichen Kurs wie wir fteuernb, ein mächtiger Dampfer dicke, schwarze Rauch­wolken aus.

Durch mein langes Kranksein geschwächt unb durch ben Hellen Sonnenschein halb geblendet, mußte ich mich fest auf Mrs. Burkes kräftigen Arm stützen, um bei ber Peinlich starken Deckskrängungunserer Lady Emma, bie sich im Schmucke ihrer schneeigen regel auf bei langen Dünung bes Atlantischen Ozean ’jiös wiegte, nicht schwinblich zu werben unb umy lFortfetzung folgt.)

*) Neigungswinkel des Deckes,