Fuld aerZertung
49. Zahrg
Dienstag, l7. Oktober 1922
Nr. 239
haben.
schs
Roman von Dark Russell.
1]
Meine
ein ge*
Erstes Kapitel.
Alitz Otway erzählt.
Geschichte beginnt am 24. Februar des Iah.
z/ie looueyiury «uw» «w|«geiuwun. ,v», u»i dessen Aus» arteitimg das Fimmzmmisterium betraut fei, steh«
dem Mmdc eines Ministerpräsidenten stellten solche Worte eine Kampfansage dar, Me man sie fischen Paris Md London seit 25 Jahren nutzt mehr gehört, ha^. 5,, d»Li,chnet die AnschuldiMMg als
Das Neparationsprodlem.
Doch eine große Konferenz in Brüssel.
Der „Mattn" glaubt zu wissen, daß die stanzösi- Delegation dem Plane Bradbury eine wir-
mals noch — und dann sieten wir beide uns um hals.
Ihr Mann stand lächelnd hinter ihr.
Mein Vater schüttelte ihm kräftig die Hand. Dann führte er ihn in sein Arbeitszimmer, während 'ch mit Mrs. Burke nach oben ging. Wir hätten uns stundenlang miteinander unterhalten und von tausend Dingen sprechen können, hatten wir doch sechzehn Lebensjahre gemeinsam verlebt. Ich hätte ihr von meiner Verlobung erzählen müssen und ihr das Bild meines Bräutigams zeigen sollen, aber ich war allzu begierig darauf, zu welcher Entscheidung mein Vater und Kapitän Burke gekommen waren. —
So gingen wir schon nach zehn Minuten wieder in die Halle, wo wir meinen Vater und den Kapitän in eifrigem Gespräch vor dem Kaminseuer fanden.
Der Kapitän sprang auf, als ich eintrat, und mein Vater holte einen Stulsi herbei für Mrs. Burke, die immerwährend knixte.
„Nun, Mrs. Burke," sagte mein Vater in ernstem Ton zu ihr, „diese Idee einer Reise meiner Tochter au? dem Schiss Ihre- Mannes ist schließlich von. Ihnen aus. gegangen. Sie begreifen, daß es mir nicht leicht wird, endgültig eine Entscheidung zu treffen. Aber Sie haben ja zwei Reisen um die Weir mit Ihrem Mann gemacht, und diese Steifen scheinen Ihnen gut bekommen zu sein. Sogen Sie mir: 2st es behaglich genug für meine Tochter aus Lhrem L-chifs? Sicher genug? Der Arzt
Frieden gewahrt."
Die Schlußworte der Rede Lloyd Georges, tn denen er einen Ausblick auf die Zukunft gab, waren verschiedenen Deutungen zugänglich.. Nachdem Lloyd ©1
Er war von untersetzter, gedrungener Gestalt: Irländer. Die Sonne hatte sein Gesicht gebräunt, rötet, verwittert. Aus seinen hübschen blauen Augen sprachen Fröhlichkeit und Selbstbewußtsein. Wenn er lochte, sah man blanke weiße Zähne, die sicher tüchtige Leistungen vollbringen konnten. Er stand still da wie ein Soldat auf Wachposten, die derben Fäuste hinter dem Rücken verborgen. Aber dabei lachte er mit dem gan- zen Gesicht Natürlich hatte ich ihn schon früher kennen gelernt. Ich war Gast bei feiner Hochzeit gewesen, und später hatte seine Frau uns mit chm einmal besucht, als sie von ihrer ersten Reise zurückgekommen waren.
lierantwortlta für Den ceoarüonellen AN Dr K r ° mer. ;• * * *ür der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda
res 1860.
Am Nachmittag dieses Tages wartete ich m der Halle Im Hause meines Vaters auf die Ankunft des Kapitäns Burke von der Segelbark Lady Emma und feiner Frau, Mary Burke. Mary war meine Amme gewesen. Sie hatte mich aufgezogen vom Kind zum Mädchen und sie war meine liebe zweite Mutter nach dem Tode meiner eigenen Mutter im Lahre 1854. Vor zwei fahren erst hatte sie uns verlassen, um die Frau des Kapitäns Edward Burke zu werden. Seitdem hatte sie mit ihrem Mann schon zwei Reisen um die Welt gemacht und die dritte stand bevor.
Mein Vater, Sir Mortimer Otway, der vierte Baronet seines Namens, faß am flackernden Kaminfeuer und las eine Zeitung.
Cs ist nicht notwendig, daß ich von Famiüendingen viel erzähle. Nur kurz fei berichtet: Mein Vater war Oberst außer Diensten. Er hatte in Indien gedient, aber die Armee ftfjon längst verlassen, um sein kleines Landgut am Meer zu bewirtschasten. Er besah nur ein kleines Vermögen. Ich war sein einziges Kind. Man hatte mich nach meiner Mutter Eoeline getauft. Ich war damals zwanzig Jahre alt und ein schwächliches Mädchen. Um meine Gesundheit handelt es sich ja bei dieser Geschichte oder zum mindesten gab die Sorge um meine Gesundheit feie Veranlassung zu meinem Erleben und damit zu dieser Geschichte. Denn Kapitän Burke und seine Frau sollten heute von London herüberfahren zu uns, um mit meinem Vater den großen Plan zu besprechen, der seit einigen Tagen das Gesprächsthema zwischen ihm und mir war: ich sollte mit den Burkes eine Weltreise machen, zur allgemeinen Kräftigung meiner Gesundheit.
Unser Haus war ein wunderschöner englischer Herrensitz, vor hundert Jahren ungefähr erbaut. Es stand hach oben über dem Meer, fmtm einen Steinwurf weit weg vorn Rande des Kliffs. Seine Mauern und Hecken schlossen siebzig oder achtzig Acker Landes ein, Wiesen und Felder und Wälder, und um das Haus selbst r fick ein
der Matrone nur mnso lieber und gemütlicher erscheinen ließ. Sie war angezogen, wie es sich in jenen Zeiten für die Frau eines simplen Segelschiffkapitäns schickte. Sie trug ein einfaches, rundes Hütchen mit einem Shet- landschleier, einen unförmigen, warmen Mantel, und darunter ein einfaches Kleid von derbem Stoff. Dor meinem Vater machte sie einen Knix — man tnijte baden
waren verschiedenen Deutungen zugänglich, Nacy- , dem Lloyd George seine Stellungnahme näher umschrieben hatte, fuhr er wörtlich fort: „Ich beabsichtige bei dieser Anschauung zu verbleiben und wenn ich infolgedessen allein in die Wüste getrieben werde, so werde ich mich stets mit Stolz daran er- • iintern, daß es mir dank der Unterstützung ergebener Kollegen möglich gewesen ist, in dunklen Stunden unserer Geschichte der Nation nicht ganz unbeträchtliche Dienste zu leisten." Diese Stelle der Rede Lloyd Georges wird, wie das Reurersche Büro bemerkt, dahin ausgelegt, daß L l 0 y d G e - v r g e, ohne zu beabsichtigen in nächster Zeit zurückzutreten, zurücktreten will, sobald die Auslehrung der Unionisten an Ausdehnung ge-
wnmt. _,'.
Evening News verbreiten out Grund von Mitteilungen von Personen, die die Rede Lloyd George.' angehört haben, die Deutung, Lloyd Georgs beabsichtigt entweder zurückzutreten oder eine Mtt- telpartvi mit ihm selbst als Mittelpunkt zu bilden.
In Lloyd Georges Ausführungen hat man in Frankreich die Anschuldigung erblickt, daß cs in der Ori-entsrage seine Versprechungen ntcht gehalten hab». Das hat in Frankreich starke Erregung hervorgerufen. „Echo nationale" schreibt, man müsse die Dinge bei ihrem! richtigen Namen nennen. Aus
Nach der „Mvntagspost" soll die vom Reichswirt- schaftsinmrifterium vorgesehene Schaffung einer wertbeständigen Anleihe zu Kapitalanlagen für inländische Sparer jetzt auch die grundsätzliche Genehmigung des Kabinetts - Die Vorlegung eines Gesetzentwurfes,
sche Zeitung" feilbot, wurde von der Menge surchb bar mißhandelt und seiner Zeitungen -eraubt- Nc^ Ansicht der Aerzte dürste er nicht lebend baoonlotn men Um 11 Uhr war die Versammlung beendet. Die Teilnehmer zogen in kleinenTniPps davon. Dabei kam es am Kastamenwaldchen SU neuen Zu ammenstößen. Die Kommunisten utersielen mck» prengten einen Zug der DersammlungsteilneA«. Auch mehrere Studenten, die von. ter Jeter der Rektoratsübergabe an ter Umveri>tat kam « wurden mißhandelt. .■ma. sr»,
Gegen diejenigen, welche die fomntunqnW a tion szeniert haben, wird das Straf ne rf ähren wegen Landfriedensbruches, An- tiftung zum Landesfriedensbruche und Aufforte rung zu strafbaren Handlungen eingeleitet werten.
Die bezahlken Terroristen aus dem Asyl.
Für die Methode, die bei ter Durchführung tec kommunistischen Aktion eingeschlagen wurde, ist, nne eine mehrhestssozialistifche Korrespondenz müteilt, charakteristisch, daß ter Mgeuommene O b mann des Berliner Obdachlofenaiyls ausgesagt hat daß die Asylisten von der kommunistischen Part« zur Teilnahme an ter Demonstratron besonders aufgeboten worden seien. Aus den oon den Kommunisten für die Asylisten gesammelten Gechem hat dieser Obmmm des Asyls 200, dre übrigen Asylisten e 13,50 Mark erhalten. Der Obmann sowie tee Geldgeber wurden verhaftet.
Wie die Berliner „Montagspvst meldet, hat ter Berliner Polizeipräsident aus die Ergrerfungterverbrecherischen Urheber ter blutigen Zusammenstöße am Zirkus Busch eine Beiohnug von 50 000 Mark ausgesetzt. ___________
Zn der Abwehr -er Mark-5turzer.
Erlaß von Zusahbeskimmungen zur Demsenordnung.
Der „Montagspost" zufolge werten demnächst Zu« satzbestimmungen zur Demsenordnung erscheinen, Sre eine Reihe noch vorhandener Lücken ausfüllen sollen. Namentlich werte in ter Anwendung der Verordnung tes Reichspräsidenten in ein Gesetz von der Regierung beantragt werten, Bestimmungen einMfügen, wckche die Wirksamkeit der Vorschriften erhöhe und insteson-. dere die nachträgliche Revision ter bisher getaugten Devisengeschäfte ermöglichen werden.
Schaffung einer werkbesländigm Anleihe.
Lloyd George «nd die Franzosen Ein Vorwurf »««« N-ankr-ich« LrientPoM».
Große Anfregnng i» Paris.
kungsvolle Kontrolle der deutschen Finanzen entgegenstellen wolle, ohne die Regelung der deutschen Zahlungen damit zu verknüpfen, die auf ter großen Re-
prächtiger Garten hin. Ich stand am Fenster und sah auf das Meer hinaus. Das Wasser sah hart, düster, grau aus, und düster und grau waren die schweren Wolken am Himmel. Die Luft war bitter kalt. Nach einiger Zeit fing es an zu schneien und bald verhüllten die weihen Flockengebilde Meer und Himmel.
Mein Vater legte seine Zeitung hin und kam zu mir ans Fenster herüber.
„Um wieviel Uhr wollten sie hier sein, sagtest Du?" „Um drei Uhr"
Er sah auf seine Uhr und starrte zum Fenster hinaus.
„Das sieht nicht aus da draußen, als wäre eine Seereise das geeignete Mittel zum Gesundwerden für ein schwächliches Mädel!"
„Nein —" antwortete ich und ein Schauder überlief
* mich.
„Nun," fuhr er fort, „Dr. Bradshaw ist ein sehr geschickter Arzt, und was er mir erzählte über die wunderbaren Kuren, die lange Seereisen schon bewerkstel- ligten, hat starken Einfluß au mich gehabt. Es ist doch ein großer Unterschied, ob man nur am Meer lebt oder eine wirkliche Seereise macht. Auf einer Seereise sind vor allem die immer wechselnden klimatischen Einflüsse wertvoll — die Ruhe besonders — dann wieder die mannigfaltigen Anregungen im Schiffsleben — jedenfalls halte ich die Idee an und für sich für sehr gut und gesund!"
Er ging mehrere Male im Zimmer auf und ab.
„Es wäre mir lieber gewesen," sagte er bann, „wenn Du die Reise auf einem Dampfer hättest machen können. Man reift rafcher. Vor allem läßt sich die Dauer der Reise genau berechnen. Aber ich bin nicht in der Lage Dich zu begleiten, imb ich möchte Dich die Reise nicht allein machen lassen. Vor allem aber wärest Du bann nicht so lange Zeit auf See, wie Dr. Bradshaw es verschreibt. Nein, ich werde Dich wohl Mrs. Burke mit- zeben; es ist mir sehr lieb. Dich von ihr behütet zu wissen. Aber vorher muß sie mir doch noch oerschie- bene Fragen beantworten. Wann kommen die beiden? Haben sie ihren Zug versäumt?"
Fünf Minuten später jedoch wurden Kapitän Burke und Frau gemeldet.
Mrs. Burke, meine alte Amme, war eine gute, ein- fache, weichherzige Frau, nicht ganz vierzig Jahre alt damals. Klein und rundlich sah sie aus, und sie hatte wunderschöne wasserblaue Augen und ein liebes gemütliches Gesicht, das ter leise Ansatz zu dem Doppelkinn
In der großen politischen Rede, die Lloyd George gemäß den Ankündigungen in Manchester gehalten hat, schnitt er vor allein die Orientfrage an. Lloyd George erklärte zunächst mit Nachdruck, daß feine Regierung zu keiner Zeit die Absicht gehabt habe, England in einen Krieg zu stürzen. „W i r sind keine kriegerischen Leute, sondern Pazifisten." Lloyd George beklagte sich fodann über die Kritiken, deren Gegenstand die Koalitionsregierung feit einiger Zeit in England fei. „Dis jüngsten Verhandlungen sind in einer Weife geführt morten, wie sie in der Gefchichte ohne Beispiel sind. Die Regierung ist in der Tat während der ganzen Dauer der Verhandlungen über die Orientfrage mit Verleumdungen überhäuft worden. In der Orientfrage haben wir drei Zwecke verfolgt: Die Aufrechterhaltung der Freiheit der Meerengen, Bewahrung Europas vor einem Kriege und den Schutz Konstantinopels. Seit 1914 haben die Türken nach offiziellen Zahlen 1 Millionen Armenier und Griechen nietergemetzelt." Der Vorwurf, wonach seine Regierung Bluff getrieben habe, müsse entschieden zurückgewiesen werden. Mit den Kemalisten sei kein Bluff möglich. Den Türken gegenüber fei eine ernste Sprache am Platze. Darum fei der Friede gewährt worden. Man habe ferner ferner Orientpolitik den Vorwurf gemacht, sie laufe der alten Diplomatie zuwider. Lloyd George erklärte: „Desto schlimmer für die alte Diplomatie. Sie habe den schlimmsten Krieg, den die Welt je gesehen hat, auf dem Gewissen. Unsere Diplomatie hat dagegen den
unerhört.""Lloyd George habe den Alliierten seine» Landes verletzendere Beleidigungen ent- aeaengeschleutert, als es deren Fsmte wahrend tes Krieges je getan hätten. Es sei allerdings richtig, so führt das Matt aus, daß Frankreich, als dre Griechen ich anschickten, Konftantm-opel zu besetzen, verbmgt Ute daß die Alliierten gemeinsam ten Respekt ter neutralen Zone sicherten. Damals wäre Frankreich bereit gewesen, die Neutralen ebenso entschieden gegen die Türken zu verteidigen, wenn diese vMsmht haben würden, ten Krieg auf europäisches Gebiet $u utertra- gen, wie gegen die Griechen. D.eLagehatesich mm Grund aus verändert, als nach dem mrktarischen Zusammenbruch Griechenlands die Türken denMarsch gegen die Meerengen und ihre eigene HauptstE an- qeneten hätten. Da Frankreich und Italien nicht die Absicht gehübt hätten, sich an ten Meerengen festzik- setzenj hättensie auch keinerlei Der an la ffun g gehabt, sich dem türkischen Vormarsch entgegMMstellen, zumal fie sich sagen mußten, daß der klemste Zicham- menstoß genügt haben würde, um einen neuen srrtcg 3U Ach te^franzosisch-enMchen Verhältnisse wirft die Auseinandersetzung jedenfalls em Helles Licht.
Die Türken wieder in Europa-
Die neuen Gouverneure.
Die Nationalv-crsamirilung in Angara Hai Aff im Bey zum Gouverneur von Gallipoli, Ihsap Bey zum GouMmeur mm Rodosto, Tewsik Bey zum Gouverneur von Kirktlisse und R i f a a t Bey zum Direktor ter Polizei in Konstantinopel ernannt. Die ersten Streitkräfte ter Gendarmerie in Stärke von 2500 Mann werden unverzüglich nach Thrazien ab« geben. Im Gangen sind 8000 Mann vorgesehen.
"Der griechische Oberkommissar Simopulos hat oas Protokoll von Mudunia unterzeichnet.
Beginnettbe Räumung Thraziens.
Wie gemeldet wird, sollte die Räumung Thraziens durch die Griechen ten 15. Oktober um Mitternacht unter ter Kontrolle ter Alliierten beginnen. Die an ter TschataldfchalMie stehenden französischen Streitkräfte werten die griechischen Linien üterfdjterien und zum Zwecke ter Räumung durch die Griechen vorrücken. Die britischen Streitkräfte werten gleichfalls über die Griechen vorgezvgen werten.
schon für die nächsten Tage bevor.
Kein bayrisches Ultimatum.
Ein Berliner Abendblatt brachte Mitteilunge» über bayrische Forderungen an die Reichs« regierung bezüglich Maßnahmen gegen die Teuerung, die gewissermaßen auf ein Ultimatum Hinauslaufei: sollten. Wie die ,Börsenzeitung' hierzu von zuständiger Berliner Stelle erfährt, könne von einem Ultimatum ebensowenig wie von einer Aenderung bet deutschen Wirtschaftspolitik die Rete fein. Der Nachricht liege lediglich die Tatsache zu Grunde, daß Graf Lerchenseld mit Berliner Stellen wegen Maßnahmen zurBekämpfungberTeuerung verhandelt habe; alle übrigen Angaben feien frei
erfunden.
behauptet ja, daß eine lange Seeresse außerordentlich gut für sie sein würde."
„Das glaube ich auch. Sir Mortimer", antwortete Mrs Burke. „FreUich wird's ihr gut tun. Und ba sie mm bach einmal Miß Evy nicht begleiten können, fo
möchte ich sie doch am liebsten bei mir haben. Kein Dampfer kann sicherer fein als unsere Lady Emma!"
Der Kapitän stteß ein kurzes, lautes Lachen aus, das offenbar bedeuten sollte, baß er von der Sicherheit des Dampfbetriebes auf dem Ozean sehr wenig halte.
„Wenn Sie mir Miß Evy anoertrauen wollen, Sir Mortimer, verspreche ich Ihnen, baß sie es auf dem schönsten Dampfer nicht besser haben könnt« als aaj unserem Schift!"
„Welchen Tonnengehalt hat bie Lady Emma, Kapitän Burke?" fragte mein Vater.
„Sechshundert Tonnen, Sir."
„Dann ist die Lady Emma ein kleines Schiff. Die Hindostan, auf der ich meine letzte Reise von Indien nach England machte, hatte vierzehnhunbert Tonnen."
„Sechshundert Tonnen sind aber auch nicht zu verachten," antwortete der Kapitän ein wenig beleidigt.
„Sie segelt ausgezeichnet und ist ein wunderschönes Schiff!" erklärte meine alle Amme eifrig.
„Wann wollen Sie ausreisen?" fragte mein Vater.
„Gegen Ende des nächsten Monats, Herr."
„Diese kleinen Schiffe, die nicht Passagierschisfe sind, werben häufig sehr tief beloben, wie ich gehört habe, und gelten deshalb als unsicher."
„Ich überlabe mein Schiff niemals!" erklärte der Kapitän. „Außerdem haben wir diesmal leichte, ge« mischte Ladung: Portersässer, Brandy, Wisky, Konserven, eine Unmasse Theaterdekorationen, Türrahmen, Fensterrahmen und Oelkuchen."
„Leicht, aber feuergefährlich!" meinte mein Vater bedenklich. z
„Feuergefährlich ist schließlich jeder Kargo", meinte Kapitän Burke lächelnd. „Aber wohin wollte man kom. men, wenn man auf Ser immer mir an allerlei Ge- fahren denken sollte, um die wir uns an Land gar nicht kümmern. Ich wenigstens halte eine Eisenbahnfahrt von hier nach London für viel gefährlicher als eine Resse mit meinem Schiff von der Themse um die Welt."
„Das mag wohl richtig sein", sagte mein Vater- ,.Welche Punkte laufen Sie auf Ihrer Reise an?"
„Unser erster Anlauf ist Valparaiso und zwar ma- chen wir den Weg übers Kap Horn. Dort löschen wir, (Fortsetzung folgt.)
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Refiamezeiie (Tertkrettel nach Colone maß 30 1
paraLionskonferenz in Brüssel besprochen werten ^Das Oeuvre" vertritt ten Standpunkt, baß mit einem Moratorium nichts erzielt werte. Nach seiner Ansicht müsse der auszustellente Pan um« fassen: Kompensation der interalliierten Schulten, Festsetzung ter deutschen Schulten, eine tnterncttiamle Anleihe, die zu verwenden fei für die Reorgamsiemng der Reichsbank, für die Repamtionszah' mgen und für die Wiedererhebung Europas. Schließlich muffe auch eine Abrüstung erfolgen. Es sei nowendg, tetz sich die europäischen Staatsmänner erschlossen, den Krieg zu liquidieren und ten Frieden zu organisieren. — Die Welt wartet darauf, daß bald angefangen wird. Der Worte sind genug gewechsen, laßt uns endlich Taten fehen!
Auftakt ;um Bürgerkrieg.
Blutige Kämpfe am Zirkus Dusch in Berlin.
Die Kommunisten
gegen eine Qmbenburgoerfammlung.
Eine Berliner nationalistische Organisation: Bund für Freiheit und Ordnung hielt am Sonntag vormsttag im Zirkus Busch in Berlin eine Versammlung ab, die in der Annahme einer Entschließung gipfelte, daß als Reichspräsident nur ein Mann in Frage kommen könne, der n 1 ch t der sozialistischen Minderheit des deutschen Volkes an« gehöre, und dessen Vergangenheit dafür bürge, daß er üb er dem Parteigetriebe stehe, ein treuer und vorbildlicher Trager des deutschen Gedankens sei, eine Forderung, die am glücklichsten verkörpert sei in dem Generalfeldmarschall von Hindenburg.
Im Zusammenhang mit dieser Versammlung kam es vor dem Zirkus zu blutigen Zusammenstößen. Bereits um 9 Uhr sammelten sich infolge eines Ausrufs ter „Roten Fahne' mehrere 100 Personen vor dem Zirkus an, die die Versammlungsteilnehmer durch Redensarten belästigten und tätlich angriffen. Als die Schutzpolizei einem Verletzten zu Hilfe eilte, wurde em Beamter am Hinterkopfe schwer verletzt, sodaß er besinnungslos niederstürzte. Eine zufällig vorbei- rahrente Radfahrpatrouille ter Schutzpolizei von vier Mann wurde von den Rädern gerissen und niedergeschlagen. Die Räder wurden ge- stöhlen. Als weitere Verstärkungen der Schutzpolizei heranrückten, war die Menge bereits bis auf etwa 1000 Personen angewachsen. Bei der Räumung des Platzes vor dem Zirkus wurde den Beamten hestiger Widerstand entgegengesetzt. Neun Rädelsführer wurden f eftgen ommen. Einem weiteren Aufgebot der Beamten gelang es schließlich, die Demonstranten in die Seitenstraßen abzu- drängen. Nach den bisherigen Feststellungen dürften von den.Teilnehmern der Versammlung und von ten Demonstranten 26 verletzt fein, vier Beamte wurden verletzt, davon zwei sehr erheblich. Bei den Tumultszenen am Eingänge des Zirkus wurden mehrere Fensterscheiben und Türen zertrümmert. Den Verhasteten wurden aus der Wache Dolche, Totschläger, Schlagringe und andere gefährliche Waffen abgenommen. Von den zwei schwerverletzten Unterwachtmeistern . ft ar b _ der eine; man hatte die Beamten hinterrücks überfallen und ihnen mit ihren eigenen Seitengewehren die Verletzung beigebracht. Zwei Dersammlungste:l- nehmer wurden von den Demonstranten i n s Wasser geworfen und von einem Schisser gerettet. Ein Zeitungsverkäufer, der die „Deut-