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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadt Fulda.

49. Zahrg.

Dienstag, IO. Oktober 1922.

Nr. 233.

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Verantwortlich für Den redlMionellen Teil: Dr. I. Kramer. - für die Anzeigen: I. Par zell er»Fu»da. Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckere .n Fulda, ^ernicrecher Nr. 9. Posticbeck-Konto 40ol Frankfurt a. M.

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Für die große Koalition.

Die Auffassung des Zentrums. u

Das SBetltner Zentrmrsorgan, dieGennama , hält den Augenblick, wo hervorragende Führer der Deutschen Volks Partei ihre Bereilroilligkrit bekundet haben, auf dem Boden der Verfassung mit den andern Parteien zusammenzuarbriten, für günstig, um ein entschiedenes Wort für die gr'ohe Koa­lition zu sprechen.

Diese sei nötig, so schreibt das Blatt, um das Gleichgewicht wieder herzustellen, das durch die Vereinigung der beiden sozialdemokratischen Parteien gestört sei. Es gehe nicht an, daß die Sozialdemo­kratie in der Koalition dank der hinter chr stehenden Abgcordnetenzahl die Mehrheit habe, während drau­ßen im Lande die Volksmehrheit sich zu den nicht- sozialdemokratischen Parteien bekenne. Es sei ein un­natürlicher Zustand, daß die Zahl der bürgerlichen Abgeordneten außerhalb der Regierungskvalition grö­ßer sei, als die, die ihr angehören. Die Arbeits­gemeinschaft, also der Zusammenschluß der bür­gerlichen Kräfte, solle keine Kampf- und Ge­sinnungsgemeinschaft {em, sondern eben eine Arbeitsgemeinschoft, die aber aus keines ihrer Glieder verzichten könne. Außen- und innenpolitische Gründe zwängen zu ihrer Bildung. Die Ausführung eines Teiles unserer aus dem Friedensvertrag herrührenden Verpflichtungen liege in den Händen der Führer un­seres Wirtschaftslebens, die ihre politische Vertretung in der Deutschen Volkspartei hätten. Deshalb könne man diese nicht außerhalb der Regierung und chre durch die deutsch-französischen Verträge gesteigerte Machtsülle ohne politische Vertretung lassen, umso­weniger als in den übrigen Ländern die Sozialdemo­kratie nur eine höchst bescheidene Rolle spiele, wäh­rend der Einfluß der kommerziellen und Finanzkreise umso stärker sei, und sie würden in einer Regierungs­mehrheit mit der Sozialdemokratie als Hauptträgerin kaum eine besonders kreditwürdige Vertretung des deutschen Volkes sehen wollen.

Dazu komme, daß einige sozialdemokratische Län­der eine Wirksamkeit entfalteten, die rm Lande be­unruhige und Befürchtungen für die Entwicklung rm Reich erweckten, und endlich liege es nicht im Interesse der Republik, es so vielen wertvollen Kräften schwer zu machen, in ein richtiges Verhält­nis zum neuen Staat zu kommen. Mitarbeit stärke die Verantwortung. Natürlich dürfe die Deutsche Volkspartei sich nicht in eine Rich­tung drängen lassen, die aus der Partei eine F i - liale der Deutsch nationalen mache. Es sei Zeit, unter Vergangenes einen Strich zu machen und sich weniger an Worten als an Taten zu halten, die Periode der Irrungen und Wirrungen durch eine zielbewußte Ordnrmg und Sicherheit ver­bürgende Politik abzulösen. Das geschehe am besten durch die große Koalition.

Kankreich und Italien.

Oelige Redensarten.

In einer Besprechung mit einem Vertreter des Mornale d'Jtalia' hat Poincarö den in seinen letzten Reden erläuterten Standpunkt in der Frage der Reparationen bestätigt. Poincars setzte hinzu: Die Freundlichkeit und Herzlichkeit unserer Beziehungen mit Italien befinden sich unter meinen wichtigsten Beziehungen. Das bedeutet eine Garantie für den europäischen Frieden. Nichts, absolut nichts trennt die Jnteresien der beiden Länder und das schließt aus, daß Gründe für einen zukünftigen Ko nflikt vor­handen sein können.

Am das Schicksal Thraziens.

EnBand und Frankreich wieder einig geworden.

3n Mudania kann weilervrrhandelt werden.

Lord Curzon hat sich im weiteren Verlaufe seiner Pa­riser Mission mit den Franzosen verständigt. Danach wird die griechische Armee ersucht werden, Ostthrazien sofort zu räumen. Es versteht sich von sechst, daß die Alliierten dir geräumten Gebiete während einer Periode von dreißig Tagen bis zum Zeitpunkt der endgültigen Räumung Ostthraziens be­setzt halten werden. Dies Abkommen wird dem tür­kischen Vertreter in Mudania vorgelegt werden, dem erklärt werden wird, daß es erst in Kraft treten soll, wenn die Türken auch die anderen Bedingu'.>gen an- nehmen, die in der Alliiertennote vom 23. September enthalten sind, insbesondere diejenigen, die sich auf die Respektierung der neutralen Zone, des Bosporus und der Dardanellen beziehen. Ob die Sache nun eine glatte Erledigung finden wird, ist eine ancm Frage. Angeblich ist die Autorität Lloyd Georges bei den Parteien in EnAand stark beeinträchtigt, so­daß schon von seinem Rücktritt gesprochen wird. Dagegen scheint jetzt ein wirksamer

Druck auf die Griechen ausgeübt zu werden, daß sie die Durchführung der alliierten Beschlüsse über die Räumung Thraziens nicht mehr ernstlich gefährden.

Havas berichtet aus griechischer Quelle, Griechen­land habe eine ernste Verwarn'unz wegen der Derstärkung der griechischen Truppen tn Thrazien er­halten.

Die griechische Regierung hat ein Telegramm des Generals Mazzarakis über ben Verlauf der Kon­ferenz von Mudania erhalten und dem Ee- rterd nach einer kurzen Ministerratssitzung neue In­struktionen erteilt. Es verlautet, daß dem General empfohlen worden ist, in der Frage von Thrazien nur vor dem einsti'mmigen Beschluß der Mächte nachzugeben. Die Regierung hat außerdem ein langes Telegramm von V e n i s e t o s erhalten, wer in er über seine Unterredungen mit Poincare Be­richt erstattet und der Regierung den Rat erteilt, in der Frage von Thrazien ihren bisher unmersöhnlichen Standpunkt aufzugeben. Der englische Gesandte unternahm ebenfalls einen Schritt bei der Regierung. In Athen herrscht allgemeine Bestürzung angesichts der immer dringender erscheinenden Notwenttgkeit, Thrazien endgültig aufzugeben.

Das veneselistische OrganEleutheros Typos" be­ginnt die griechische Oeffentlichkest vorzubereiten, daß Thrazien wahrscheinlich nicht mehr gerettet werden kann. Die Armee treffe hierfür feine Schuld, da der Zusammenbruch in Kleinasien nur durch eine Abteilung Meuterer 'verursacht worden sei. Wenn England plötzlich seine hergebrachte Orientpolitik ver­leugne, müsse Griechenland sich fügen.

Griechenland gehorcht.

Ans Athen wird nunmehr bereits gemeldet: Der Ministerrat hat auf Grund der von Veniselos einge- troffenen Telegramme beschlossen, den Wünschen der Alliierten nachzugeben und Ostthrazien zu räu­men. Die Regierung wird aber weitere Verhand­lungen über einen Aufs chu'b der Räumung führen.

Die Blätter melden, Veniselos habe formelle Zu- sicherungen erhaüen, daß die griechische Souveränität über Westthrazien aufrechterhalten werden solle.

ÄUS dem besetzten Gebiet.

Deutsche Beschwerde wegen der llebergriffe in Oberkassel. In der Oberkasseler Angelegenheit, an der bekanntlich nur belgische Militärpersonen beteiligt waren, aber Maßnahmen gegen die deutsche Bevölkerung und deutsche Behörden ergriffen worden waren, überreichte der deutsche Geschäftsträger in Brüssel dem belgischen

Ministerium des Aeußern eine Note. Darin wird ins­besondere Beschwerde geführt über die dem Beigeord­neten Dr. Odenkirchen und dem Polizeibeamten Blasius zuteil gewordene Behandlung. ______

Deutsches Reich.

* Berlin, 9. Oki. Die deutsche Regierung erteilte ihre Zustimmung zur Ernennung des Herrn von Margerie zum französischen Botschafter in Berlin. Mehreren Blättern zufolge ist die Meldung, daß Fürst Bülow beabsichtche, seine Memoiren zu ver­öffentlichen, unzutreffend. Nach einer amt­lichen Uebersicht über die Finanzgebarung des Reiches nahm die schwebende Schuld an diskontier­ten Schatzanweisungen in der dritten Septemberdekade um 89.7 Milliarden Mark zu. Der Gesamtbetrag ter schwebenden Schuld des Reiches ergibt formt 450 Mil­liarden. Davon sind 13 mit längerer Laufzeit ver­sehene Schatzanweffungm, die übrigen sind mit drei­monatiger Laufzeit bei der Reichsbank diskontiert.

* Der vierte ordentliche Parteitag der deutsch­demokratischen Partei wurde in Elberfeld unter Leitung des Reichstagsabgeordneten Dr. Petersen eröffnet. Die Parteileitung hat den Geschäftsbericht vorgelegt.

* Ein neues Sachlieferungsabkommen. Der Deutsche Jndustrieverband" (Sitz München) hat mit großen französischen Wiederaufbau­gruppen zur Durchführung eines Lieferungs- abkommens Verhandlungen eingeleitet, die vor dem Abschluß stehen.

* Gegen die Devisenspekulation. Die sozialde­mokratische Fraktion des preußischen Landtags hat folgende Entschließung gefaßt: Die sozialdemo- kransche Fraktion hält es für unabweisbar, daß vom Reich sofort mit dem größten Nachdruck der Devisen- spekulation und der Ausschaltung der Mark als Zahlungsmittel entgegengetreten wird. Zu den not- wendigen Maßnahmen gehören die Schaffung eines wertbeständigen MarktpapiereS, die Schaffung einer Devisenausgleichsstelle, das Verbot der Zahlung mit ausländischen Zahlungsmitteln im innerdeutschen Handelsverkehr, stärkere Erfassung der Exportgewinne und verstärkte tatsächliche Kontrolle der Rohstöffpreise.

Ausland.

* Der Größenwahn der Jaszislen. DieInns­brucker Volkszeitung" erhielt einen Brief der Faszfften- partei aus Trient, worin es heißt: MM, daß Italien infolge göttlichen Rechts biszumBren- ner reicht. Wir werden die Deutschen biesfeifs dcr Grenze himmswersen, damit sie nicht mehr italie­nische Erde beschmutzen. Wir werden an den Häup­tern der Deutschen diesseits der Grenze für alle srü- Here Unbill und Barbarei Rache nehmen. Wenn dies nicht genügt, werden wir wissen, über die Grenze zu kommen, um Gerechtigkeit zu üben. Die Deuts ch- tiroler sind angesichts solcher Frechheiten natürstch auf eine schwere Geduldsprobe gestellt.

* Rußland lehnt den llrquharl-Verkrag ab. Vor etwa drei Wochen hat Krassin im Nomen und Auf­trage der SowjetwgienMg mit dem englischen Groß­industriellen Urquhart einen Konzefsionsvertrag ab- geschloffen, der in der ganzen Wslt außerordentliches Aufsehen erregt hat. Nun veröffentlicht die russische TÄrgraphenagentur folgende Erklärung der Sowjet­regierung: Obwohl der Rat der Volkskommissare mchr- mafs anerkannt hat, daß die Teilnahme ausländischen Kapitals an dem Wiederaufbau der Wirtschaft Sow- jetrußlands und insbesondere der Abschluß des Ver­trages mit der von Urquhart geleiteten Ruffo- Asiatic Consolidated unter tert festgesetzten Bedingun­gen äußerst wünschenswert fft, meint der Rat ter Volkskommissare, daß der außerordentliche Umfang der Verpachtung wegen ihrer wirtschaftlichen und politischen

Bedeutung in erster Reihe freundliche und dauerhafte Beziehungen zwischen ter Sowjetrepublik und der Sie» giemng des Landes, dem die Zentrale der Rufso- Afiatic Consolidated angchört, erfordert. Demgegen­über bezeugt die jüngste Tätigkeit der engli­schen Regierung, die die Gleichberechtigung Sowjetrußland im nahen Osten und im Schwarzen Meer bestreitet, klar das Fehlen der oben bezeich­neten wünschenswerten Beziehungen. Unter btefen Umständen hat ter Rat der Volkskommissare beschlos­sen, dem am 19. September in Berlin von Urquhart und Krassin unterzeichneten vorläufigen Vertrag« seine Bestätigung zu versagen.

gortgang des Rsthenauprozesses.

Das Ergebnis der Ankersuchung der Pralinees. Maßnahmen gegen neue Anschläge.

Die Verhandlungen des Staatsgerichtshofes werten Montag vormittag 9 Uhr wieder ausge­nommen, da das Befinden der erkrankten Ange­klagten sich soweit gebessert hat, daß sie der Ver­handlung wieder teiwohnen können.

Weiter wird gemeldet, daß die chemische Untersuchung ter Pralinees bisher ergeben habe, daß diese präpariert waren. Auch sei durch die polizeiliche Untersuchung festgestellt worden, daß die Schokoladenpäckchen, die den Angeklagten War­necke und Msemann zugeschickt worden sind, nicht von einer Schokoladenfabrik stammten, sondern von dritter Seite.

Sie die Blätter weiter berichten, sind umfang­reiche Schutzmaßnahmen getroffen worden, da man ein neues Attentat auf einen der Angeklagten be­fürchtet. Dabei besteht die Vermutung, daß die Anschläge sich gegen solche Angeklagte richten, die Aussagen über die Geheimbundstätigkeit machen können. Zuhörer werden nur in beschränktem Maße gegen polizeiliche Legitimation zugelassen werden.

Schule und volksbildmg.

Die Linheikskurzschrist. Sn der Frage der Schaf, fung einer Einheitskurzschrift fand dieser Tage im Reichsministerium des Snnern eine Konferenz der Reichs- und Ländervertreter statt, die einmütig den Re- ?ierungsentwurf als geeignete Grund- age für eine Einheitskurzschrift anerkannte. Die wei­teren Arbeiten zugunsten leichterer Erlernbarkeit sollen so gefördert werden, daß die Einführung in den Schulen zu Beginn des nächsten Schul» jahres erfolgen kann.

Veamterrfragen.

Vas neue Veamkenrecht. Unter dem Dorsitz des Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts, Staatsmini­sters a. D. Dr. D r e w s, fand eine Berhandlung über das neue Beamtenrecht statt, an der neben Regierungs- Vertretern Delegierte der Spitzenorganisationen der Be­amtenschaft teilnehmen. Es fand der Dorschlag beifällige Aufnahme, die Beamteneigenschaft durch Aus­händigung einer Bestellungsurkunde zweifelsfrei festzu- stellen. Die Anstellung soll grundsätzlich auf Lebens­dauer erfolgen. Daneben soll aber auch eine Aus­stell u n g auf Zeit möglich sein. Bei politi­schen Beamten soll die Dersetzung in den einst­weiligen Ruhestand jederzeit möglich fein.

wirtschaftliche rrampsbewegungen.

Schiedsspruch für die Buchdrucker. Nachdem am Freitag die Verhandlungen im Tarifausschuß der Buch­drucker ergebniÄos abgebrochen worden waren, ist am Samstag im Reichsarbeitsministerium ein Schieds­spruch gefällt worden. Nach diesem Schiedsspruch er- halten die Gehilfen in den Spitzenlöhnen der ersten bei­den Wochen eine wöchentliche Zulage von 1000 Mark und ferner für die dritte und vierte Woche eine weitere Erhöhung um wöchentlich 400 Mark. Der Schiedsspruch ist, wie darLeipziger Tageblatt" erfährt, von beiden Seiten angenommen worden.

Gesina van Zogen.

Roman von Anny van Panhuhs,

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Frans Mendelaar verwunderte sich über ihre Ruhe. Er berichtete ehrlich, wie sehr ihm davor gebangt, ihr die inhaltsschwere Mitteilung zu machen.

In ihren Augen blitzte ein Tränlein auf.

Cornelius van Cooper hat es gut mit mir gemeint, aber ich kannte ihn nicht. Er war ein lieber fremder Mann, wir hätten uns erst kennen lernen müssen."

Wie einfach das klang; er begriff plötzlich gar nicht mehr, weshalb ihm fo sehr davor gebangt, Eesina die Wahrheit zu sagen.

Sie kehrten ins Hotel zurück und Frans Mendelaar versprach Eesina am nächsten Tag abzuholen, um sie nach der Plantage ihres toten Gatten hinauszubegleiten. Er ging nachdenküch heim in sein Haus, das nicht allzufern vom Hotel lag und ihm war es, als durchführe es ihn, daß es herrlich und werwoll fein mußte, ihre Liede zu besitzen.

Erklären Sie mir bitte gleich, weshalb mein Mann Nicht kam, mich als erster zu begrüßen," drängte sie, aber sie mußte sich doch gedulden. Erft ward ihr ein Zimmer angewiesen, dann sie mit Frans Mendelaar in einem hübschen, kühlen Speiseraum, aber danach saß sie mit ihm im Garten, blickte in ein Gewirr von Pal­men und fremdartigen Sträuchern, sah einen grellblauen herrlichen Himmel über sich und ferne Geräusche dran- gen zu ihr, die ihrem europäischen Ohr fremd und unge­wöhnlich klangen.

Der Mann neben ihr schien in eine Art von Erstar­rung versunken. Eesina drängte:

Sie wollten mir mitteilen, weshalb mein Mann nicht selbst gekommen ist, mich abholen." Er rüttelte sich auf. Er beabsichtigte, ganz langsam, ganz vorsichtig der schönen mädchenhaften Frau die böse Kunde beizu­bringen. doch wie er nach den rechten Enleitung-worten luchte, traf ihn ein langer, fragender und. aufs äußerste -änaitigter Blick von iht

Da stammelte er, die Augen schließend, hilflos: Cornelius van Cooper ist tot!"

Er hielt den Atem an, denn er fürchtete, ein entsetzter Schrei würde ihm antworten.

Ms alles still blieb, öffnete er die Augen und sah Eesina noch in derselben Haltung wie vorhin, aber die Angst ihrer Züge war gewichen, fast kindlich war der Ausdruck des ebenmäßigen Gesichts, fast kindlich die Art, in der sie klagte:

Der gute Cornelius van Cooper ist tot, das ist sehr, sehr traurig."

Eesina konnte nicht einschlafen, sie lag unter dem Mosquitonetz und wunderte sich, daß sie nicht mir ruhig war, sondern ein beinahe erleichtertes Gefühl hatte. Wie oft hatte sie sich während der langen Seefahrt ihre erste Begegnung mit Cornelius van Cooper ansgemalt und sich bei der Vorstellung davon in ein förmliches Herz­klopfen hineingesteigert. Und nun war das alles umsonst gewesen. Wohl war sie Cornelius van Coopers Frau nach dem Gesetz und brauchte doch niemals fein Eigen zu fein. Als sie aber am nächsten Tage auf feinem Besitz sah, welche Dorbereitungen Cornelius van Cooper für sie getroffen und Frans Mendelaar ihr erklärte, wie sehr sich der Verstorbene auf sie gefreut, stieg ihr ein Schluchzen in die Kehle und sie weihte seinem Andenken echte innige Tränen.

Nun wohnen Sie vorläufig hier, meorouw", meinte Frans Mendelaar,wenigstens bis der Nachlaß geordnet ist, da keine rechtmäßigen Erben außer Ihnen vorhanden sind, wird die Erbfchaftsregelung keinen besonderen Schwierigkeiten begegnen."

Eesina blickte den Sprecher fast verblüfft an.

Sie meinen, ich erbe, was mein Mann hinterlassen hat?"

Aber natürlich, Sie sind doch die Gattin des Ver­storbenen gewesen."

Eesina verwunderte sich.Das ist aber Unrecht, ich habe meinen Mann doch niemals gesehen, ich meine, jeder gute Bekannte von ihm, vor allem Sie, fein bester Freund, mühten mehr Recht haben als ich, die Fremde."

Ich bin reich genug", wehrte Mendelaar ab.und tes Gesetz front nicht ob Sie Cornelius van tzpoper

persönlich kennen ober nicht. Sie sind seine richtig an« getraute Gattin, das genügt dem Gesetz."

Sie saßen sich gegen Abend, wo es kühler wurde, auf der Veranda, die rings um das Wohnhaus führte, gegen­über und ein Malaie hatte eben eisgekühlte Getränke auf das Tischchen vor ihnen niedergefetzt.

Nachdem der Malaie gegangen, sagte Frans Mende­laar:

Nun will ich Ihnen noch wiederholen, was mein Freund Cornelius dicht vor seinem Sterben zu mir ge­fügt. Ich habe mir die Worte gut gemerkt, damit ich sie genau roeitergebe, so wie er sie mir für Sie anocrtraut." Dem Manne war es, als sähe er wieder seinen sterben- den Freund auf dem einfachen Feldbett liegen und als höre er noch einmal, Silbe für Silbe, was jener zu ihm gesprochen.

Mit verhaltener Stimme kündete er Eesina, was ihm aufgetragen:Grüße Eesina von mir, sie soll nicht trau­rig fein. Alles, was ich hinterlasse, gehört ihr; möge es ihr Segen bringen."

Eesina reichte dem Manne die Hand.

Dielen Donk, und nun feien Sie auch mein Freund, sonst bin ich ganz verlassen hier im fremden Lande. Lange werde ich allerdings nicht hier bleiben, mich zieht es schon jetzt zurück in die alte Heimat."

Frans Mendelaar machte eine hastig abwehrende Be­wegung.

Sie sind ja erst gekommen, das Lebewohl hegt noch fern."

Er bewunderte Gesinas Haar und dachte, wie sie wohl ausfehen möchte, wenn die Flut dieser rotgoldenen Pracht entfesselt an der schlanken Gestalt niederfiel. Ihm ward heiß, und beschämt dachte er, daß cs doch nicht recht von ihn» war, sich kaum, daß Cornelius van Cooper unter der Erde ruhte, in seine Witwe zu verlieben und sie zu be- gehren. Er war viel zu alt für sie, war noch ein paar Jahre älter als der Tote, der zudem verhältnismäßig jugendlich gewirkt. Eine Fata Morgana war es, die ihm ein herrliches Zukunftsbild vorgaukelte, nur eine Fata Morgana, und er mußte klug genug fein, sie als solche zu erkennen und sie nicht für Wirklichkeit zu halten. Wer war klug, wenn das Her- revoltierte?

Es folgten köstliche Tage für Frans Mendelaar, nach Weltevreden fuhr er nur feiten xnb blieb als Gesinas Gast. Er kannte bie Dienstboten genau, wußte mit ben Arbeitern Bescheid, stand auf gutem Fuß mit den Auf­sehern und dem Inspektor und konnte Gesina über alles für sie Wissenswerte Auskunft erteilen. Auch unterhan­delte er mit einem ernsthaften Käufer der Plantage, die von ter Regierung gepachtet, und deren Pachtzeit noch nicht um ein Viertel abgelaufen war. Zuweilen fuhr er mit Gesina nach Batavia, aber nicht nur nach dem ele­ganten Stadtteil Weltevreden. sondern auch nach ter alten unteren Stadt, wo allerlei Volk h-mste und Bazar an Bazar sich reihte, wo Chinesen. Arader und Malaien durcheinander rannten und kleine braune Javcn-innen so wissend lächelten. Auch am Grabe Gomeltua von Coopers hatte Gesina gestanden, ihm einen Strauß leuch­tenden Orchideen und ein stilles Gebet jür ihn gesprochen.

Eines Tages war ter Kcms perfekt, bie Plantage ging in andere Hände über und Gesina war frei, Indien zu verlassen. Sie hatte das Wohnhaus mit der vollständigen Einrichtung mitverkauft, sie hätte bie Sachen ja doch nicht mit sich herumschleppen können. Sie zog wieder in bas Hotel des Indes und ließ ihr Geld nojfc Holland überweisen auf eine Amsterdamer Bank.

Wollen Sie wirklich schon wieder fort?"

Frans Menbelaar konnte sich mit dem Gedanken nicht vertraut machen und plauderte über ihr 3a fort wie über einen kleinen törichten Scherz. Er begann ihr 3n- bien wie ein farbenprächtiges Bilderbuch zu zeigen. $: zeigte ihr den Botanischen Garten in Buitenzorg, diesen paradiesischen Erbenfleck von unsäglicher Schönheit, alle berühmten Berge Javas sah ihr staunendes Auge und über manchen, von Palmenwäldern umkränzten See fuhr sie auf flachem, von einer Art Thronhimmel überdachten Doot. Ihre Tage waren wie Märchen.

Aber so schön die Natur hier war. sie fühlte sich nicht wohl hier, ihr Sehnen zog über das Meer den weiten Weg zurück, auf dem sie hierhergekommen, zurück bis nach Deutschland nach einem kleinen märkischen Ort mit fern« bigen Pfaden und hochstämmigem Führenwüldchen.

Gesina empfand ein Glücksgefülft, wenn sie dachte, datz sie nun reich mar und leben konnte, tut« ß« «aeäN. Lae