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49. Zahrg

Samstag, 7. Oktober 1922

Nr. 231

Rotationsdruck u. Verlag

Test

'z zu Beobachtung der Psyche

nationalen Jugendbund worden sei. Dessen Bi

deutlicher

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abend im deutschnationalen Jugendbund empfangen war- den ist, auf seine Berühmtheit als Spaß.

den drei weh tat.

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der des

Die Bosheit, die zuweilen in ihr hochquirlte, wenn ihr nicht alles nach Wunsch ging, regte sich, aber es fiel ihr nichts ein.

Hermann Elmhorst machte wieder ein paar Schritte durchs Zimmer.

„Weiß der Himmöl, weshalb überhaupt gleich so großspurig angesangen werden soll. Es heißt doch: Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar, und wenn man einen Mann so liebt, daß man sich gleich das Leben nehmen will, weil man ihn nicht mehr sehen soll, dann ist man selig, mit dem Erwählten in der kleinsten Wohnung zusammen hausen zu dürfen."

Der Teufel der Bosheit zwickte Adele, sie vergaß den letzten Rest von Klugheit.

Werner Techow.

Es wird weiter angegeben, daß Günther am Abend des Mordtages, nachdem er sich großsprecherisch gebrüstet hatte, auf Rathenau mitgeschossen zu haben, i m deutschnationalen Jugendbund als Held ge- feiert worden sei. Auf eine Frage des Justizrates Dr.

das Reichsfinanzminffterium feine Bereitwilligkeit er­klärt, die VerhMdlrmgM wieder aufzunehmen, wem, die Drgamfationen in der Frage der Frauenzulage ernleNkeu sollten.

Ehrenwort ist immer heilig.

Es folgt nun die Vernehmung des Angeklagten Willy Günther. Verteidiger Dr. Gollnick beantragt, den

Hahn gibt der Angeklagte aber an, daß er im deutsch-

—i:—«----nicht ernst genommen

Selbständigkeit zu erleichtern. Wir würden uns auch beide die größte Mühe geben, dir deine Güte zu danken." Sie faltete die Hände in kiMicher, aber zu kindlicher Weise, was nun gekünstelt wirkte. „Liebes Papachen, bitte, erfülle Hans und mir unseren Herzenswunsch, kaufe uns das Schloß in Thüringen. Wir würden natürlich zuerst gemeinsam hinfahrsn, es besichtigen und —"

„Spare dir weiteres. Adele, ich denke nicht daran, mich.von dir breitschlagen zu lassen. Wenn Hans klug ist, bleibt er zunächst noch einige Jahre bei meinem Freunde Wolter und schasst sich praktische Erfahrungen, wenn ihn aber der Hafer sticht, eröffnet er im Berliner Westen eine Praxis, keinen Sanatoriumsklimbim, denn zum Leiter eines solchen eignet er sich noch nicht, den Plan schiebt auf, bis sich die ersten grauen Härchen bei euch zeigen, kurz, wenn ihr älter und verständiger ge- worden seid!"

Erna Clmhorst tat die schroff Zurückgewiesene leid. Sie wußte, wie wenig ihr Mann das junge Mädchen leiden mochte, und wenn sie auch selbst nicht viel für Adele übrig hatte, so war sie doch stets desien eingedenk: Adele Sternhof war ihres einzigen Sohnes Braut.

Tröstend sagte sie: „Mein Mann meint es nicht ganz so schlimm, wie es sich an hört. Ihr braucht nicht warten, bis ihr graues Haar habt, in einigen Jahren werden wir schon mal mit ihm über die Verwirklichung eures Planes reden dürfen."

Adele ließe nach maulender Kinderart die Unterlippe hängen.

Hermann Elmhorst ärgerte sich darüber.

„Ehe du ans Heiraten und alle möglichen hochfliegen­den Zukunftspläne denkst, liebe Adele, solltest du lernen, dich zusammenzunehmen. Es Jft für andere Menschen peinlich, wenn man dir deine Stimmung gleich vom Ge­sicht ablesen kann, es ist zugleich ein Zeichen schlechter Erziehung. Mir scheint, deine Eltern haben dich zu viel verwöhnt."

Das war Adele doch zuviel. Sollte sie sich denn noch mehr von diesem galligen alten Mann abkanzeln lassen. Ein befehlender Mick traf Hans. Der zuckte leicht die Achseln. Er hatte Adele gewarnt, mochte sie nun allein fertig werden. Da setzte sie sich denn zur Wehr.

„Ich mache freute nichts recht, aber ich begreife nicht, weshalb ich geschimpft werde, schließlich habe ich auch keine Lust, hierherzukommen, nur um mich herunter­

nehmens, namentlich nach Der Steigerung der Arbcits- .rirtensität, gewünscht. Zur Angleichung der Personen- tarife an die Gütertarife soll zum 1. Januar eine weitere Steigerung der Personen­tarife erfolgen, sodaß dann in der dritten und vier­ten Klasse die Erhöhung etwa das Hundertfache des

Eine Flut von „Erinnerungen" der bis zum Umsturz m Deutschland führenden Männer ist gerade in den letzten Monaten wieder zu verzeich­nen. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Ver- öffenwchung des früheren Kaisers, die in Buchform noch nicht erhältlich, aber durch auszugsweise in den Zeitungen schon zum großen annt ist.

Der Kaiser über Bethmann Hollweg.

Nachdem die bisherigen Kapitel der kaiserlichen Erinnerungen sich mit den Kanzlern Bismarck, Ca­privi, Hohenlohe und Bülow beschäftigt hatten, ist nunmehr in den zur Veröffentlichung gelangenden Stücken von Bethmann Holl weg die Rede. Heber den Fürsten Bülow spricht Wilhelm II. sehr anerkennend, und er hat, wie er erklärt, dem Für­sten auch sein Auftreten gegen das persönliche Re­giment, bei der „Daily-Telegraph"-Affäre, ver­ziehen. Bethmann dagegen wird schon in den ein­leitenden Sätzen, die seiner Kanzlerschaft gelten, als der Urheber allen Unglücks hingestellt. Der ehemalige Kaiser sagt, ihm hätten Bethmanns

„Ihrer Hoheit der Eärtnersfrau" lag ein Vorwurf.

Es kribbelte ihr bis in die Fingerspitzen, Menschen irgend etwas zu sagen, was ihnen

rede keinen Unsinn, denn wer roollte sich denn das Le­ben nehmen, weil deine Mutter Hans nicht mehr empfing, wer?"

Der schroffe Ton reizte Adele zum Alleräußersten. Sie lachte.

„Ich war es nicht, und wenn Hans den Unsinn ge­glaubt hat, den ihm meine Schwester in übermütiger Laune aufgebunden, so ist es seine eigene Schuld."

„Was?" Hans sprang auf und fein Gesicht harv- einen verzerrten Ausdruck, „das wagst du zu sagen, das? Aber ich glaube es nicht, so eine Affenkommödie kann man mit mir nicht aufgeführt haben."

Die zornig blitzenden Augen ihres Verlobten, die erstaunt verächtlichen seiner Eltern gaben Adele einen Teil ihrer Besinnung zurück, aber zugleich kam ihr die Erkenntnis, daß sie eben eine große Dummheit began­gen. Sie wollte überlegen, wie sie sich am besten aus der Patsche zog, doch ihr wollte nichts einfallen und viel Zeit zum Nachdenken blieb ihr auch nicht, denn Hermann Clmhorst trat dicht vor sie hin, unheimlich dicht, und unwillkürlich drückte sie sich wie schutzsuchend, fest gegen die Sofalehne.

„Weiht du, du blondes, zerbrechliches Dingelchen, was du bist?" Seine Augen blitzten wie Stahl und fein Mund hatte beinahe eckige Form, so hart sprach er sie an.

Adele schwieg trotzig, dann brummte sie:

„Was willst du denn von mir, daß Meta mit Hans einen Scherz gemacht hat, ist doch kein Verbrechen."

Er musterte sie zornig.

„Ein alberner und roher Scherz. Man treibt feinen Scherz mit solchen Dingen, dazu ist wohl das Sterben- müffen, als auch das Sterbenwollen zu heilig, verstehst du? Aber angenommen, deine Schwester hätte sich diesen rohen Scherz mit Hans erlaubt, durftest du nicht den Schein erwecken, die Lüge sei Wahrheit."

„Nein, das durstest du nicht," Hans bebte vor (Eny pörung, „das war gemein."

Adele dachte: Nun ist schon alles ganz egal! Und da es ihr zugleich durch den Kopf ging, in wie tnei'Je Ferne ihr Traum von dem Thüringer Schloß gerückt und sie mit Schaudern daran dachte, daß sie auch nach ihrer Verheiratung die Sonntage hier draußen verbrin­gen sollte, um sich von dem galligen alten Herrn er­ziehen zu lasten, sah sie keinen Grund zu irgendwelcher^ Rücksichtnahme mehr. Auch ihre Mutter, die sich allerlei]

Schrill rief sie: „Sich aus Liebe das Leben nehmen wollen, ist ein abgeschmackter Witz!"

Hans bückte sie erstaunt an.

„Du solltest dergleichen nicht sagen, du nicht."

Adele war nicht mehr imstande zu überlegen, sie

M Miln Ser „EriMliliW"

putzen zu lassen, wenn Ihr meint, das sei ein beson­deres Sonntagsvergnügen, dann irrt Ihr Euch."

Hermann Elmhorst zog unwillig die Brauen zusam­men.

„Meine liebe Adele, dieser Ton ist bei uns nicht ein« geführt, ich bitte dich, das fortan nicht zu vergessen."

Hans flüsterte ihr zu: „Was fällt dir nur ein?"

Adele hätte am liebsten taut ausgeweint vor Zorn, ihr Plan war mißlungen, und außerdem wurde sie noch mit Vorwürfen bedacht, selbst in dem eisigen Schweigen

Mudania und die Griechen.

Iraner um Thrazien.

Reuter berichtet aus Athen, daß der Beschluß der Konferenz von Mudania zugunsten der Räu­mung Thraziens die Griechen in Trainer versetzt und bittere Gefühle gegen die Alliierten erzeugt hat. Es werde erklärt, daß Griechenland durch den Verlust Thraziens aus dem europäischen Krieg geschwächt und so gut wie ohne einen Pfennig hervorgehen werde.

Verantwortlich für den redatiionellen Teil: I. K ramer.

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Fernsprecher Nr. 9. Postlcheck^KonteckOol^ran^tta^^

folgte nur dem Drange, den drei Menschen hier wehe zu tun, sich über sie zu erheben dadurch, daß sie ihnen klar machte, wie kindisch dumm sie gewesen, an das Märchen ihres Sterbenwollens zu glauben und mit derselben schrillen Stimme von vorhin rief sie:

„Weshalb soll ich nicht sagen, sich aus Liebe das Le­ben zu nehmen, sei ein abgeschmackter Witz? Normale Menschen werden dergleichen niemals tun, ich wenigstens nicht." . <■ ; :

Hermann Elmhorst sagte scharf:

„Bitte, nimm dich zusammen und sprich ruhig wie es sich gehört, so zu schreien ist geschmacklos. Im übrigen

Vorgänge in der Kampfleitung bei Verdun bringen dürften. > . -.

Ueber die Schulösrage.

Nach einer Mitteilung der Zentralstelle für die Er- forschung der KriegÄurfachw, 'Beilin, sind ldie im Journal des Debats" vom 4. Okt. abgedruckten 18 r u f f Dokumente nicht identisch mit den Dokumenten, welche der Reichskanzler Wirch ausländischen Preffe- verireiern gegenüber erwähnte. Die im „Journal des Debets" veröffenüichen Telegramme stammen fast alle aus Berlin und haben mit de mTelegrammwechsel zwischen Paris und Petersburg, der in der Romberg- fchm Schrift veröffentlicht wird, nicht das Geringste Kl tUN.

Wie die „K. V." hört, steht eine Antwort des Frhr. o. Romberg auf die Erklärung Vivianis zur Schuldfrage bevor.

das Dreffache der jetzigen Sätze betragen.

In der Aussprache wurde eine Beschler organisatorischen und technischen Maßn- Hebung der Wirtschaftlichkeit

feinem Tode erscheinen sollten, s ch o n j e tz t zu ver­öffentlichen.

Roch ein Kronprinzenbuch.

Der frühere Kronprinz Wilhelm, der bekanntlich vor einiger Zeit ein Buch mit Unterstützung eines Schriftstellers veröffentlichte, läßt fetzt durch den Ver­lag E. S. Müller u. Sohn in Berlin ein neues Werk unter der Ueberschrift: „Meine Erinnerungen ans Deutschlands Heldenkampf" ankündi- gen. Me es in der Voranzeige heißt, habe er sich ent­schlossen, sein größtes Erleben ohne Vermittlung und Zusätze durch andere persönlich dem deutschen Volke zu berichten. „Hochinteressante psychologische Betrachtungen und selten rückhaltlose Selbstbekenntnisse gewähren einen Einblick in die Gedankenwelt des Führers der fünften Armee und in den Konfsikt mit feinem damaligen Generalstabschef", hecht es in der AMündmma, die demnach Aufschlüsse über interne

Einer Korrespondenzmeldung zufolge soll sich frühere Reichskanzler Fürst Bülow auf Grund jetzt veröffentlichten Kaiserbuches entschlossen >en, seine Memoiren, die ursprünglich erst nach

Die neuen Eisenbahntariserhöhungen.

Die Personenlarise zum 1. Dezember verdreisachk.

In der Sitzung des ständigen Ausschusses des Reichseisenbahnrates wurden die Vorschläge der Ver­waltung auf Tariferhöhungen gegen zwei Stim­men angenommen.

Danach erhöhen sich die Gütertarife zum 15. Oktober um 60 Prozent der derzeitigen Sätze, ausgenommen die Notstandstarife für Kar­toffeln und Obst, die in ihrer bisherigen Höhe bestehen bleiben.

Die Personentarife, die zum 1. November um 100 Prozent erhöht werden, werden zum 1. Dez. um weitere 50 Prozent gesteigert, sodaß sie im Dezbr.

abgezogen und in die Heimat zurückgekehrt ist, nachdem sie ihr Ziel erreicht habe, nämlich die Stadt- Verwaltung in ihrem Geiste zu „reformieren . 0as asMische Programm werde von den Bozener Faszi» ten nach den bisherigen Richtlinien wstter verfolgt.

* Wiederum Hinrichtungen in Sowjetrußland. Aus Reval wird geschrieben: Das Revolutions­tribunal von Gomel hat nach sechstägigen Verhand­lungen gegen 32 Anhänger des Sozial-Revolutionärs Sawinkow das Urteil gefällt. Wie die „Moskauer Brawda" behauptet, war der Führer dieser Sawin- kowschen Organisation ein gewisser Gribkow, gleich- e Agent des polnischen Generalstabes., Acht

_ klagte wurden zumTodedurch Erschießen, 17 zu Gefängnisstrafen von 1—10 Jahren verurteilt' und sieben Personen freigesprochen. Unter den zum Tode verurteilten Personen befinden sich eine Reihe früherer Offiziere der zarischen Armee. In Kamenez- Podolsk hat ein Prozeß gegen vier katholische Geistliche wegen Widerstandes gegen die Enteig­nung der Kirchenschätze mit der Verurteilung der An»- geklagten zum Tode seinen Abschluß gefunden.

Nervenarzt Prof. Dr. Schulz zu Beobachtung der Psyche des Angeklagten an Gerichtsstelle zuzulasten. Er habe Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten, der nach den Aussagen feiner Kameraden „nicht richtig im Kopfe" sei. Darauf deute sein planloses Umherreisen in der Türkei nach seiner Fahnenflucht und später in Oberschlesien hin. Er habe auch einen schweren Eisen bahnunfall erlitten und sei mehrmals an der Malaria erkrankt. Diesem Antrag wird stattgegeben. Der Ange­klagte Günther war Mitglied des Deutschnationalen Ju­denbundes, des Bundes des Aufrechten und anderer Bünde. Im Kapputfch war er Ordonnanzoffizier des Obersten Bauer und zwar in Zivil. Günther sagt u. a. aus: Stubenrauch hatte den Plan, Rathenau im Reichs­tag zu erschießen. Ich hielt den Plan technisch für un­ausführbar, außerdem hielt ich es nicht für zweckmäßig, einen politischen Märtyrer zu schaffen. Um Stubenrauch abzuhalten, machte ich den Vorschlag, die Tat bei Kam- merzienrat Mamroth zu begehen, in der Hoffnung, Stubenrauch von seinem Plan abzubringen. Ebenso sollte ich ihm einen Revolver besorgen. Auch damit hielt ich ihn hin. Ich machte ihn auf die Organisation C. aufmerksam und vermittelte die Bekanntschaft mit Ernst

ieffen Vorsitzender, ein Justizrat Pretsch, habe vielmehr die Tat nicht gebilligt. Der Angeklagte gibt weiter an, daß sich das Hallo, mit dem er am Mord-

Ausland.

* Regierungskrise in der Tschechossowakai. Mmifter- prüsident Venesch hat noch einer außerordentlichen Sitzung des Mmlsterrates dem Präsidenten der Re­publik die Demission des Kabinetts unter­breitet. Präsident Mafaryk hat die Demission ange­nommen und das Ministerium mit der Wetterfüh­rung der Staatsgeschäste bis $ur Ernennung einer neuen Regierung betraut. Es ist zu erwarten, daß das neue Kabinett unter dem Vorsitz des Führers der Agrarpartei, des Abgeordneten Svehla, bereits in den nächsten Tagen konstituiert fein wird. Dr. Benesch behält das Portefeuille des Auswärtigen.

* Der Vorfloß der Fafzlflen nach Südtirol. Das Presseamt des Fafzistenkommandos in Bozen hat be­kannt gegeben, daß die Fafzistenlegiion aus Bozen

Deutscher Reich.

* Berlin, 6. Okt. Das Reichskabinett beschloß, alsbald einen Reich stagsbefchluß über die Wahl des Reichspräsidenten herbeizuführen und Sonntag, den 3. Dezember als Wahltag vor- zuschlagen. Ueber die Personenfrage ist bei den vorausgegangenen Besprechungen der Parteiführer nicht verhandelt worden. — Wie aus Paris gemeldet wird, ist Dubois nunmehr endgültig vom Präsi- dium der Reparationskommission zurückgetreten. Poincarö hat den Justizminister Barthon zum Nachfolger Dubois ernannt. Ministerialdirektor Colrath wurde zum Justizminister ernannt.

* Die deutsch-russischen Handelsbeziehungen. Wie das „Berl. Tagebl." hört, haben in Berlin auf Einladung desReichsverbandes der deutschen Industrie Besprechungen über die Frage statt­gefunden, mit welchen Mitteln die deutsch-russischen Handelsbeziehungen gefördert werden könnten. Die Beratungen sollen demnächst fortgesetzt werden.

* Die Seamfenbefolfeungen. Wie die „Germania" zu beim zurzeit zu verzeichnenden Scheitern der Ver­

schwor gemacht. Schon in der Schule habe man den kleinen Bethmann „die Gouvernante" genannt. Bethmann sei „im Grunde seines Wesens Pazifist" gewesen und habe durchaus mit England zu einer Verständigung kommen wollen, sich aber falscher Mittel bedient. „Bethmanns Unzuläng­lichkeit als Kanzler" fei „inzwischen erwie­sen", er habe keinen Sinn für die „Realitäten der Politik" gehabt, immer alles besser als andere ge­wußt und auch feinen Kaiser ständig belehrt.. „So hat er in der Tat unser Unglück mitver- schulde t", denn er „machte Fehler über Fehler" urtb mußte 1914 zugeben, daß all seine politischen Berechnungen fehlgeschlagen seien. Der Exkaiser erklärt, er habe beim Kriegsausbruch nur deshalb nicht einen neuen Kanzler eingesetzt, weil man ihm gesagt habe, Herr von Bechmann Hollweg habe das Vertrauen der Arbeiterschaft.

Weser Bethmann Hollweg, über den hier ein so vernichtendes Urteil gefällt wird, ist 8 Jahre lang aus kaiserlichem Vertrauen heraus der Leiter der deutfckM Geschicke gewesen.

Sie Memoiren des Fürsten Bülow.

Bezugspreis: Monatlich 140 Mk. guqefteöf frei ins Haus. 2 Abgeholt in der Geschäftsstelle 136 Mk. -

Anzeigen: Kleinzeile nachTolonel8.00M.; ausm.10,002uE. Rekiamezeile (Textbreite) nach Colonelmaß 30 Mark.

®efina van Zügen.

Roman von Anny van PanhuhS.

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Hermann Elmhorst unterbrach Adele schroff:

„3d; habe über Besseres nachzudenken, als über solchen Unfug. Aus deinen Aeußerungen von vorhin, ich meine den Andeutungen, wie du dir die Sanatoriumsgäste in dem alten Thüringer Schloß verstellst, geht ja deutlich hervor, daß du aus meinem Sohn so einen modernen Scharlatan machen willst, der den Leuten das Geld für nichts aus der Tasche zieht."

AdÄes Gesicht färbte sich bis unter die krausverfpon- nenen Stirnlöckchen. ' , 1

Gräßlich, daß sie sich soviel Grobheit gefallen lassen mußte, und dabei warfen ihr Hans und seine Mutter noch vorwurfsvolle Micke zu. Sie schnitt ein Gesicht und >°h Hans herausfordernd an, in ihren Augen stand beut, bä) die Anforderung zu lesen, er möge ihr beifpringen, irte Lage retten, mit ihr zu gemeinsamem Sturm vor- Scheu. . ,

Hans dachte nicht daran.

oder nicht, das war ihm momentan ganz entsetzlich gleichgültig, ihm war überhaupt alles gleich­gültig bis auf das Eine, das Große, das Schwere, daß Gesina van Ingen nun verheiratet und unterwegs war zu chrem Manne. Wie konnte das nur geschehen, wie durfte das nur geschehen? Er liebte sie ja doch, er und Me das erst zu fpät erkannt.

Immer meinte er, Gesina vor sich zu sehen, so wie er sie zum erstenmal erblickt. Sie stand am Abteilsfenster bes Zuges, ihre Hand streckte sich aus, feine Noten ent­gegenzunehmen, und ihre Augen schauten ihn an, so voll Trauer und Bangen, während sie ihn rührend anlachette: Ich bin nicht mehr boos auf Sie, weil Sie mir Fuchsin fügten! — Und nun hatte er, als er ihr am Hochzeitstage Glück wünschte, doch wieder das Warr „Fuchsin" ge- braucht. Es war scherzhaft gemeint, vielleicht hatte sie es aber für bösen Spott gehalten.

Solche Gedanken dmchzogen den Kopf de° jungen Arztes und er kümmerte sich nicht im geringsten um Adele.

Diese saß mit brennendem Gesicht und stieß endlich etwas stockend hervor:

„Ich begreife nicht, Papachen, weshalb du dich sträubst, Deinem Sohn und feiner Frau die ersten Schrstte in die

FuldaerZeilung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Der Prozeß gegen die Nathenaumörder.

WikyGünther, der Ordonanzoffizier beim Kapp-Putsch.

Ein Opfer der Malaria.

In der Verhandlung am Donnerstag wird der Haupt­angeklagte Ernst Werner Techow noch einmal darüber verhört, ob er Befürchtungen vor der gewalttätigen Na­tur des Kern gehabt habe, wenn er sich der Aufforderung Kerns, das Mordauto zu führen, widersetzt haben würde. Der Angeklagte verneint, daß er Ängst vor Gewalt­tätigkeiten des Kern gegen ihn selbst gehabt habe. Das kameradschaftliche Verhältnis habe ihn auch davor ge- schützt. Er beruft sich lediglich auf sein Ehrenwort, das er Siern gegeben habe. Ein Ehrenwort sei heilig. Der Präsident fragt: Auch wenn Sie es zur Mithilfe an einem Morde gegeben haben? Angeklagter: Ein

preußischer Landtag.

Am Donnerstag wurde die Aussprache über Oberschlesien zu Ende geführt. Die Anträge werden an­genommen mit Ausnahme des Antrages der Deutschen Volkspartei auf Verleihung der Rate-Kreuz- M e d a i 11 e an die Teilnehmer an den Kämpfen in Ober» ^Zur'gemeinsamen Beratung kommen hierauf mehrere Anttäge zur Äusbesserung der Gehäller der Beamten, Gewerbe- und Handelslehrer und der Bezüge der Warte­geldempfänger, die an den Beamten- und Handelsaus- fchuß verwiesen werden.

Freitag: Kleinere Vorlagen.

eines Valutazufchlages für Ausländer im inneren deutschen PersonenVerkehr. Es wurde schließlich ein Antrag angenommen, daß feie feit alters» her im internationalen Verkehr gebotenen Grundsätze über die gleichmäßige Behandlung der Ausländer mit löten Inländern au ch in Zu knufft beizubehalten sind.

Die neue kohlenpreiserhöhuns.

Die vereinigten Ausschüsse des Reichskohlenrates und des Retchskohlenoerbandes beschäftigten sich mit den neuen, aufgrund der kürzlichen Lohnerhöhungen gestellten Anträgen auf Erhöhung dec Kohlenpreise. Es wurde beschlossen, am 1. Oktober folgende Erhö- hrmgen eintreten zu lassen: Für Fettförder- kohle des rheinisch-westfälischen Steinkohlenreviers 639 Mark, fees Aachener Reviers um 860 Mark, für Sachsen um 996 Mark, Niederschlvsien um 867 Mark und Niedersachsen um 891 Mark.

Für Braunkohlen betragen die Erhöhungen: Halle: Rohbramckohle 127,25 Mark, Briketts 321 M.

Nach der neuen Erhöhung würden sich d.e Preise für westfälische Fettförderkohle aus 5000 Mark einschl. Steuer ab Zeche stellen. Der Preis für Rohbraun­kohle würde einschließlich Steuer fl241 Mark, für Braunkohlenbriketts 3907 Mark feie Tonne ab Zeche betragen.