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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadl Aulda.

Nr. 229.

Verantwortlich für den redaüionellea Teil: Dr. I. Kramer. z für die Anzeigen: 3- Parze Iler-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^ernfprecher Nr. 9. Postscheck-Konto 4051 Frankfurt a. M.

Donnerstag, 5. Oktober 1922.

Bezugspreis: Monatlich 140 Mk. zuqestelst frei ins Haus, n Abgeholt in der Geschäftsstelle 136 Mk. :: Anzeigen: Kleinzeile nachColonel8.00Mk., ausw.10.00Mk. Reklamezeile (Textbreite) nach Colonelmaß 30 Mark.

49. Zahrg.

Vie Reparalionsfrage.

Der englische handel fordert eine Regelung.

Ms LonLon kommt folgendes Telegramm:

wtb London, 4. Off. (Tel.) Eine Abordnung des Verbandes brififchcr Handelskammern sprach gestern nachmilkag beim Schaßkanzler vor, um die Regierung nachdrücklich aus die Rotwendigkeil einer baldigen Regelung der Repara- lionssrage im Interesse des Welthan­dels hinzuwcisen. Der Schahkanzler versprach, die Absichten der Abordnung einer sorgfältigen Erwägung zu unterziehen.

Die Diskontierung der deutschen Schatzwechfel.

Wie mehrere Matter melden, bestätigt es sich, daß ein schweizerisches Fmanzkonsortium unter Füh­rung des Schweizerischen Bankvereins die ersten an Belgien gegebenen sechsmonatigen deutschen Schatz­wechsel, insgesamt in Höhe von 96 Millionen Gold- morf gleich 118,9 Millionen Schweizer Franken, dis­kontiert hat. Die Diskontierung geschah zu 4% Proz.

Der Streit um die Kriegsschuld.

Die Franzosen find unruhig.

Die Entgegnung des Franzosen Viviani, der 1914 französischer Ministerpräsident war; auf die Hinweise des deutschen Reichskanzlers auf neue russische Kriegsschulddokumente, verrät, daß man in Frankreich eine sachliche Diskussion über die Kriegsschuldfrage scheut. Wie das W. T. B. er­fährt, wird voraussichtlich von berufener Seite auf Vivianis Aeußerungen zu dem Interview des Reichskanzlers zu der Schuldfrage eine Antwort er­folgen. Es kann indessen schon jetzt darauf hln- gewiesen werden, daß Vivianis Entgeg­nung als übereilt angesehen werden muß, da er nach seinen eigenen Worten die Veröffentlichung des Freiherrn von Romberg nicht kennt. Daher kommt es auch, daß er die neuen Tatsachen, die aus Rombergs Schrift hervorgehen, unberücksichtigt läßt und die altbekannte französische Version wie­derholt. Weshalb der Reichskanzler, wie Viviani meint, über die diplomatischen Archive mit größerer Bescheidenheit sprechen soll, ist nicht einzusehen, da die von ihm geleitete deutsche Regierung die G e- heimarchive mit einer Vollständigkeit öff­nete, die Viviani gestattet, aus den deutschen Ge­heimdokumenten zu zitieren, während die fran- z ö s i s ch e Regierung ihre Archive immer noch ängstlich geschlossen hält. 500 unverkürz­ten deutschen Dokumenten gegenüber stehen lediglich die 160 französischen des Gelbbuches von 1914,'von denen bereits mehrere als Fälschungen fest- gestellt wurden.

Französische Veröffenflichungen.

Daß die Franzosen einsehen, durch die Erklä­rungen des deutschen Kanzlers in die Verteidigung gezwungen zu sein, läßt auch folgende Meldung erkennen:

DasJournal des Delats" erklärt, in der Lage zu fein, bereits zum Teil die Dokumente veröffentlichen zu können, auf die der Reichskanzler Dr. Wirth hingewiesen habe. Die Geheinidoku- mente, um die es sich handele, seien von der Sow­jetregierung im ersten Bande der sogenannten roten Archive veröffentlicht worden, der vor einigen Wochen in Moskau erschienen ist. Die Hälfte des Bandes fei der Geschichte der revolutionären Be­wegung in Rußland und der Zensur des letzten Regime gewidmet. Die andere Hälfte enthalte Do-

Gesina van Jagen.

Roman von Anny van PanhuyZ.

28] --

Gesina suchte nach keiner ablenkenden Höflichkeits- phrase, noch viel weniger fiel cs ihr ein, zu lügen, sie er­klärte offen:

Freilich Hobe ich das schon gedacht, vorhin, als ich sah, wie hübsch und bequem du wohnst früher glaubte ich immer, du hättest vielleicht Sorgen."

Willem Bouwers lächelte.Bis vor kurzem hatte ich die auch, und zwar genügend, wenn ich auch hinzufügen muß, selbstverschuldete Sorgen. Sch bin von Natur ein windiger Bursche, Gesina, wie gewonnen, so zerronnen, meine Bilder brachten wohl seit langem viel Geld, aber dies Geld festzuhalten war tausendmal schwieriger» als es zu verdienen. Als deine Eltern starben, saß ich juft am metiten in der Patsche und ich konnte dich nicht in mein damals sehr wenig gemülliches Junggesellenheim brin» ®en" Deine Tante machte mir außerdem klar, du ge­hörtest zu ihr und es sei Pflicht, dich für einen Beruf vorzubereiten, da du kein Geld besäßest. Ich sah das ein unö lieg dich wft ihr gehen." Er blinzelte ihr zu, ein nk D°le^°Sen umspielte seine Lippen:Seit einem r-Arx M reiße ich mich zusammen und mache keine Schulden mehr. Und ich gebe kein Geld mehr für un- ^en «rempel f^ zgar einigen Monaten ward mir onn Gelegenheit, dieses Haus hier billig zu kaufen, ein , ,'Ollege von mir, der nach Norwegen übersiedelte, über­ließ es mir mit vollständiger Einrichtung zu einem Spottpreise, und wenn du jetzt nicht heiraten würdest, büre ich dir nun, nach dem Tode deiner Tante, selbst­verständlich ein Heim unter meinem Dache an", schloß er.

Gesina nickte ihn, zu.

Du bis" gut, Onkel Bouwers, und all das andere verstehe ich nun.

Gesina wurden die Glieder schwer, und so sehr sie 4 wich zusammennahm, so mußte sie gleich nach Tiich doch gestehen, sie sei entsetzlich müde. Da klingelte Wil­lem Bouwers und Frau Kuypers geleitete Gesina in ihr L-nn»e-. Kaum im Bett, wollte sie der Schlaf über­wältigen, doch KrÄrcnaupy ->ß sie sich noch einmal

kumente über die Geschichte dieser Dokumente der deutsch-russischen Beziehungen. Der größte Teil dieser Dokumente beziehe sich auf dre Ereigmie des 19. Jahrhunderts, aber man finde auch aktuellere Dinge darin, fo namentlich 1) 37 diploma­tische Depeschen, die nicht rm Orangebuch veröffentlicht worden feien, und 2) ein vertraulicher Bericht des russischen Geschäftsträgers ^in Berlin über die letzten Augenblicke feines Aufenthaltes t der Hauptstadt vor der Kriegserklärung 1914. Die diplomatischen Depeschen trügen die Unterschriften des russischen Botschafters in Berlin Swerl^zew. Auch Depeschen des Vertreters Bronewsty sowie der divlomatischen Vertreter Rußlands m München und Stuttgart und schließlich des Außenministers Ssasianow seien enchalten. DasJournal des De­büts" veröffentlicht bereits 18 Geheimdokumente und verspricht die Fortsetzung.

Der Preis für dar Umlagegetreide.

Die Regierung ffimmf der Erhöhung zu. Verdoppelung des Preises für Markenbrol im Rovbr.

Gleichzeitig Erhöhung der Gehäller und Löhne.

Das Reichskabinett hat die Beratungen über die Erhöhung der Preise für das erste Drittel des Umlagegetreides fortgesetzt. Trotz bes Be­schlusses der vereinigten sozialdemokratischen Fraktio­nen des Reichstages, jede Erhöhung für das erste Um» lagedrittel abzulehne n, hat (bas Kabinett dem vom Reichsminister für Ernährung und Laichwirtschaft vor gelegten Gesetzentwurf, in dem etwa eine Verdrei­fachung der Preise für das erste Umlagedrittel vorge- schen ist, zugestimmt. Der Gesetzentwurf wird alsbald dem Reichsrat und dem Reichswirtschaftsrat zugehen.

Nach einer Meldung der sozialdemokratischen Par- lamentskorrespondenz haben sich die sozialdemokrati­schen Minister bei der Abstimmung über die Regie­rungsvorlage zur Erhöhung des Preises für Umtage­getreide entsprechend üsm am Montag von der sozial­demokratischen Reichstagsstoktion gefaßten Beschluß der Stimme enthalten.

In der gleichen Sitzung des Kabinetts, in der über den Preis verhandelt wurde, der den Landwirten ge­zahlt werden soll, stimmte das Kabinett einem An­träge des Reichsernährungsministers auf Erhöhung der Abgabepreise der Reächsgetreide- st e l l e zu. Das von dieser abgegebene Getreide wird sich etwa zu gleichen Teilen aus Inlands- und Auslandsgetreide zusammensetzen. Von amt­licher Seite wird darauf hingewiesen, daß das Aus- tandsgetreide nach dem sprunghaften Steigen der frem­den Valuten eine außerordentliche Preissteigerung er­fahren hat (Auslandsweizen kostete zur Zeit der Ver­handlungen über das Reichsgetreidegesetz und die jetzt geltenden Abgabepreise 18 000 bis 20 000 Mark pro Tonne. Heute kostet dieser ausländische Weizen fast 80 000 Mark, nachdem der Preis bereits auf 93 000 Mark und höher gestiegen war) und daß infolgedessen eine erhebliche Steigerung der Abgabepreise der Reichs­getreidestelle unvermeidlich war. Dementsprechend ist der Preis für das Markenbrot erhöht worden; diese Erhöhung werde aber nicht vor Ablauf des Monats eintreten und voraussichtlich über eine Verdoppelung des gegenwärtigen Preises nicht wesentlich hinausgehen.

Da die Erhöhung des Brotpreises eine schwere Be­lastung der minderbemittelten Bevölkerung mit sich bringe, beabsichtigt .die Regierung noch im Laufe dieser Woche mit den Vertretern der Arbeitsgemeinschaften in Besprechungen einzutreten, um gleichzeitig mit der Er­höhung des Vrotpreises auch eine entsprechende Er- hohung der Gehälter und Löhne zu be­wirken.

wach. Nebenan schlug eine Uhr mit tiefem vollen Kir­chenglockenton. Sie richtete sich ein wenig auf und zählte 'Nd knipste das Lämpchen auf dem Nachttisch an, trotzdem sie wußte, es mußte Zwölf fein. Ein leiser Schauer lief über sie hin. Allerlei Spukgeschichten huschten irrlich- ternd durch ihren müden Kopf. Sie dachte an die Witwe Claudia. Eben verhallte der letzte Uhrenschlag In derselben Sekunde erlosch das elektrische Lämpchen, und in das Dunkel des Zimmers zeichneten sich die UMrisse einer schneeweiß gekleideten Frauengestalt himin, ein Antlitz wie aus zartem Wachs schälte sich aus dem Dunkel und rotes Frauenhaar brannte förmlich. Sie war es wieder, die Witwe Claudia von Elmhorst, die ihr so ähnlich sehen sollte.

Sie hatte das ja auch gefunden, wenn sie zuweilen in der letzten Zeit vor das Bild hingetreten, um Ver­gleiche zu ziehen. Aber wenn es auch angenehm war, einer so schönen Frau zu ähneln, war es zugleich etwas unheimlich, weil man der schönen Frau nachsagte, daß sie zuweilen spuke.

Gesina wollte versuchen, das Licht wieder anzudrehen, aber sie war wie gelähmt, ihre Arme gehorchten ihrem Willen nicht mehr.

Sie lauschte nut angehaltenem Atem in die nächtliche Stille hinein, sie fieberte nach einem Laut, der die Nähe von Menschen verraten hätte. Sie wollte die Augen schließen, und wider Willen mußte sie doch in das Ant­litz der Witwe Claudia starren, das sie holdselig anlächelte. Alles Bangen gerflatterte vor diesem Lächeln in nichts. Mit klarer Stimme in deutscher Sprache schwang es sich in ihr Ohr:

Ich bin du und du bist ich, wenn wir beide eins sein werden, dann kommt dein Glück".

Wie merkwürdig, das waren ja genau dieselben Rät- felmcrte, die sie heute schon einmal vernommen Gesina fanb keinen Sinn dahinter und wagte doch keine Frage, di- so wie so zu spät gekommen wäre, denn die Er- Meinung war jetzt verschwunden und bann wußte Go- Fma überhaupt von nichts mehr unb erwachte.erst, als ihr bie Morgensonne ihre Strahlen durchs Fenster fanbte.

Verwundert hielt sie Umschau, denn sie mußte sich tatsächlich erst besinnen, wo sie sich befand. Aber bald

Der Reichstag tritt zusammen.

Beginn der Verhandlungen am 17. Oktober.

Wie derVorwärts" mittelst, ist die Absicht, den Reichstag erst Anfang November einzuberufen, fallen gelassen worden, da über den Umlage- getreideprcis eine baldige Entscheidung durch das Par­lament notwendig ist. Es bleibt also bei der geplan­ten Einberufung des Reichstages zum 17. Oktober. Der Reichstag wird sich außer mit der Vorlage über den Umlagepreis mit dem Gesetz zum Schutze der Kleinrentner und der Festsetzung des Termins für die Wahl des R e i chs- präfidenten beschäftigen.

Preußischer Landtag.

Abg. Schmitt-Fulda über die Rolsiände.

Auch am Dienstag wurde die Teuerungsdebatte fortgesetzt. Es sprachen zunächst die Abgeordneten Dr. Schuster (D. Vp.) und Meyer-Solingen (Soz.).

Reber Wohnungsnot, Kleinrentner- und Kriegsbeschäbigkenvot

sprach Abg. Karl Schmilk-Fulda. Rebner führte aus:

Eine ber wichtigsten Fragen, bie uns heute bewegen, ist neben ber Nahrungsmittelnot ohne Zweifel die Woh­nungsnot. Sie ist wie alles andere Unglück, das uns betroffen hat, eine Folge des verlorenen Krieges und des Diktates von Versailles. Unzählige Volksgenos­sen würben aus ben uns abgenommenen Gebieten aus- gewiesen oder mußten flüchten. Tausende von Woh­nungen wurden im besetzten Gebiete zu militärischen Zwecken beschlagnahmt. Die Bautätigkeit, die während des ganzen Krieges, soweit Wohnungsbauten in Betracht tarnen, lahmgelegt war, konnte wegen Baustoff- und Geldmangel nur langsam wieder einsetzen. Unter der jetzt herrschenden Wohnungsnot haben naturgemäß d i e unteren Schichten des Volkes am meisten zu leiden. Tausende und Abertausende von ehemaligen Kriegsteilnehmern, die schon damals im hei­ratsfähigen Alter waren, ist es infolge der Wohnungs­not nicht möglich, eine Ehe einzugehen. Das Recht auf Familiengründung, das für die Angehöri­gen aller Schichten des Volkes gilt, wirb burch bie Woh­nungsnot unmöglich gemacht. Unerhörte sittliche Gefahren werben burch bie Wohnungsnot herauf- befchworen. Cs muß Aufgabe bes Reiches, ber Länder und aller derer, die in der Lage find, zu helfen, fein, einzugreifen. Trotzdem das Reich und die Länder schon viel für die Behebung der Wohnungsnot getan haben, steht uns noch viel zu tun bevor. Auch die jetzt bewillig­ten 3 Milliarden werden in Anbetracht der über­großen' Not nur einen Tropfen auf einen heißen Stein darstellen. Den Städten ist es unmöglich, im selben Maße wie seither Zuschüsse zu den Wohnungs­bauten zu leisten, weil es ihnen unmöglich ist, Kapi­talien zu diesem Zwecke aufzunehmen. Auch die Er­trägnisse der Wohnungsbauabgabe langen bei weitem nicht, um das benötigte Kapital zu verzinsen und zu tilgen. Die Hoffnungen, die den Städten gemacht wor­ben waren, daß die Landesversicherungsanstalten in der Lage feien, die nötigen Gelder vorzuschießen, haben sich als Irrig erwiesen. Das Reich muß unbedingt Mittel und Wege finden, den Städten gegen eine angemessene Verzinsung Geld zu Wohnungsbauten zu beschaffen. Weiter muß dem immer mehr überhandgreifenden W u - cher mit Baustoffen Einhalt geboten werden. Das Zentrum verlangt eine Gemeinwirrschaft in der Baustoffindustrie. Die Preise sollen unter der Kontrolle von Staat und Verbraucher sestgesetzt werden. Während die Industrie in der Sage ist, fortwährend Neubauten aufzuführen, mußten Wohnungen monatelang liegen bleiben, weil kein Zement aufzuireiben war. Die Sieb- lungsgesellschaften, Eigenhanbbaucr usw. müssen vor­zugsweise mit Baustoffen zu einem erträglichen Preise beliefert werben.

Ein weiterer Gegenstanb der Staatsfürsorge muß die Crwerbstosenfrage fein. Schon jetzt müssen Vorbeugungsmaßnahmen gegen eine etwa ein» tretende Erwerbslosigkeit getroffen wer­ben. Die Staatsregierung wirb ersucht, auf die Reichs- regierung einzuwirken, daß die Erwerbslosenunter.

fiel ihr die mitternächtliche Erscheinung ein und sie nahm sich vor, dem Vormund davon zu erzählen. Natürlich würde er sie auslachen, doch das war gut, bann lachte er wenigstens bas seltsam bebrückeube Gefühl weg, das sie bei der (Erinnerung an das Gestern beschwerte. Sie öffnete ihren Koffer und entnahm ihm ein loses lila Kleid. Nachdem sie vollständig fertig angeklcidet mar, betrachtete sie sich flüchtig im Spiegel unb eilte sich bann, 3um Frühstück zu kommen, der gesunde Appetit ihrer achtzehn Jahre meldete sich stürmisch.

Kurz vor ihr hatte Wilhelm Bouwers das Zimmer betreten, in dem man gestern zur Nacht gegessen, und er tarn Gesina mit strahlender Miene entgegen.

--Nun, du junge Frau Venu», wie hast du geschlafen, was hast du geträumt?" Er wertete keine Antwort ab. »Hoffentlich befandest bu dich gestern abend schon int Seif, als das Sich: verfagre, es war gerade zwölf Uhr, ich befand mich iiod> auf »nd suchte erst e:ne Bierrer- fiunbe noch meinen Streichhölzern herum, natürlich stieß 'ch dtiöe- an Tisch unb Stuhl."

Eestva sah ben Maier verblüfft a*

»Auch bei bir ist bas Licht ausgegnrrgen?"

. --Aber Kinb, bas ist doch nicht verwunderlich' Wenn lr9en6 eine Störung in der Leitung ist, wird doch das ganze Haus dunkel, übrigens scheint bie Störung noch nufjt behoben." Er knipste an bem Schairer de- Spei je- Zimmers, aber das Licht flammte nicht auf.

Söic gut der frische Kaffe« duftete und wie zart- i-ockig das Weißbrot war. Willem Bouwers ime Gesina Wen sich und Gesina schenke bem Vormund ein und bediente ihn. Er schmunzelte.

So jst's spiele ein bißchen Hausfrau, zeige m>r altem Knaben, um welches Glück ich mich gebracht, well >ch allein geblieben."

Eesina mußte während des Essens immer wieder euren, wie seltsam die nächtliche Erscheinung gewesen, hielt es nicht mehr aus, sie mußte davon sprechen.

. wie sie gedacht, geschah es, Willem Bouwers be- sich höchlichst über ihre Erzählung.

, "7-wbste Gesina, du hast merkwürdige Träume, denn wie du von der Witwe Claudiu nur träumtest, 0 5 "u gestern abend im Liegestul-l dein« Stauners ein«

stützrmg beträchtlich erhöht wird. Ein Erwerbsloser mit Frau und 4 Kindern bezieht nach der jetzigen Regelung für den ganzen Tag kaum einen Stundenlohn eines Hilfsarbeiters. Hier muß für Abhilfe gesorgt werden. Weiter sind die Erwerbslosen bei Urbarmachung der Oed­länder in schon bevölkerten Gebieten und zur Herstellung von Wohnungen zu verwenden, damit dadurch auch Werte für die Gesamtheit geschaffen werden.

Die Sozial- und Kleinrentner leben in äußerst dürftigen Verhältnissen. Man kann, um deutlich zu werden, sagen, sie sind am Verhungern. Die kürzlich von Preußen bewilligten 500 Millionen reichen bei weitem nicht aus, all die Not und das Elend in diesen Kreisen zu lindern. Nicht nur der Staat, sondern auch die Allgemeinheit hat die Pflicht, hier helfend einzu­greifen, um die 31 o t der alten Leute zu lindern. Wenn alle Stände und Schichten des Volkes die Pflichten der Nächstenliebe erfüllen würden, dürfte die Not und das Elend in unserem Vaterlande nicht so groß sein.

Zu denen, die auch von der Not der schweren Zeit betroffen sind, gehören ohne Zweifel die Kriegs­beschädigten und Hinterbliebenen. Die Versorgung durch bas Reich ist bei weitem nicht aus­reichend. Für bie Renten mit allen Zuschlägen können kaum bie notroenbigften Nahrungsmittel beschafft werben. An Anschaffung von Kleibern unb sonstigen Gegen- ftänben können bie Kriegshinterbliebenen gar nicht benten unb sind immer mehr der Verarmung preis­gegeben. Der Dank des Vaterlandes muß sich hier in größerem Maße bemerkbar machen. Die Staatsregierung wird ersucht, beim Reiche darauf hinzuwirken, daß eine zeitgemäße Erhöhung der Renten eintritt. Die Versor- gungsämter arbeiten zu langsam. Es sind Fälle be­kannt, wo der Antrag auf Versorgung schon vor vier Jahren gestellt worden ist, ohne daß bis jetzt ein Ver­sorgungsbescheid eingetroffen ist. Durch die Verzögerung in der Bearbeitung der Rentenfachen wird unnötiger­weise viel (Erregung unter den Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen entfacht. Die Staatsregierung wirb er­sucht, beim Relchsarbeitsministerium barauf hinzuwirken, baß in Zukunft alle Rentenanträge, Umrentungen und sonstigen Arbeiten rascher erledigt werden.

Wohlfahrtsminister Hirksiefer betonte, daß die vor­übergehend erfolgte Stillegung der Wohnungsbautev in diesem Sommer dank der Neubewilligung des Reiches und Staates erfreulicherweise beseitigt werden könnte, und kündigt neue weitere Zuschüsse an. Erschienen die Forderungen der Baustoffe zu hoch, so hätten seine Kom­missare eventuell das Recht der Beschlagnahme. Er bittet daher um Angabe der Fälle, in denen diese Kommissare versagt haben sollten.

Es sprachen noch weiter der Kommunist Kiliao, bann ßübemann (Soz.), Dr. Bredt (Wirischastsp.) unb Dr. Stummler (Ztr.). Letzterer behandelte ins­besondere die 3lot der Rechtsanwälte, Aerzte unb bil- benben Künstler.

Damit schließt bie Aussprache. Die Anträge werben dem Ausschuß überwiesen. Die Abstimmungen sollen morgen vorgenommen werden.

Es folgen die Anträge auf Anfragen über die Ver­hältnisse in Oberschlesien, in denen Flüchtlingsnot, Notstandsarbeiten, Verbrängungsschäden, Wohnungsnot behanbelt werben. Abg. Gäbel (Ztr.) fordert in Begrün­dung seiner 2lnfrage Maßnahmen gegen die durch den Zustrom der Flüchtlinge entstandene Wohnungsnot in Oberschlesien. lieber 40 000 Flüchtlinge lagerten zurzeit in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden.

Um 5 Uhr nachmittags wird die Weiterberatung auf Mittwoch vertagt.

WsMPMiM für denDckß.

Die Konferenz in ZNudania.

Nach einer Havasmeldung ans Smyrna ver­lautet aus Mudania, daß General Jsmed Pascha Montag abend 10 Uhr in Begleitung seines Adju­tanten in Mudania angekommen ist. Der Presse habe er jede Erklärung verweigert. Der englische, der italienische und der französische General seien noch erwartet morden.

In Kreisen der Pariser Presse verlautet, baß Ge­neral Jsmed Pascha den Auftrag habe, in Mudania bie sofortige Räumung Thraziens rind die Fest- setzung der Grenze so wie sie tm Jahre 1916

nickte, genau so war die nächtliche Erscheinung nur ein Traum,, ber sich sehr lebendig an das plötzliche Ver­löschen des Lichtes anschloß. Dazu die verrufene Mit­ternachtsstunde! Aber weißt du, Gesina, ich finde diese längst verstorbene Dame, dis sich deinetwegen von Deutschland extra nach Holland bemüht, redet selbst für einen Traumspuk, oder einen Spuktraum, ein bißchen reichlich törichtes Zeug, denn daraus werbe der Teufel klug: Ich bin du und du bist ich, wenn wir beide eins fern werden, dann kommt dein Glück!" Er fchüttellc- lebhaft den Kopf.Es wäre schade, über solchen offen­sichtlichen Unsinn auch mir eine einzige Minute fte» Nachdenkens zu verschwenden."

Gesina fand das jetzt auch. Das Lachen bes liebens, würbtgen Vormundes, die strahlende Lorsrühlingssonne zerstörten ben letzten Rest ihrer etwas beengten Stim­mung und sie vergaß die Witwe Claudia.

Später bat Willem Bouwers Gesina mit in sei« Zimmer zu kommen und dort erstattete er Bericht von den Vorbereitungen die er für die Zeremonie der Heirst habe treffen müssen, unb was dazu noch nötig war. Er selbst stund an ber Stelle bes 'Bräutigams unb ver­trat ihn, brr nicht abkommen konnte, bei der Trauung-, formalität

Drollig, nicht wahr, Gesina, daß das beinahe feiv wirb, als ob bu meine Frau wirst."

In feinen Augen blitzte es auf, er zwang dar- leibe», schaftliche Wort, bas sich ihm auf bie Lippen drängt», zurück ;n bas für Schönheit fo leicht empfängliche Herz Er war Gesinas Bvrmunb unb somit eine Art von Vater für sie.

In zehn Tagen wirst bu auf b <n Bureauvan den burgelijken staub" Cornelius van Coopers Frau und drei Tage später sticht der Dav>ps»r in S<e, mit dem by in bie neue Heimat sährst", erklärte er.

Gesina dachte erschreNt, rrffn m zwei Wochen befand sie sich scho-i weit draußen au) t.-m Meer. Wft weit, weit hinter ihr lag dann Deutschland! Hans Elmhorst her­risches Jungengcsicht erstand vor ihr unb verschwand mutier

Eie atmete t-ef unb bedrängt. Sonderbar, daß ihr die Zuku-ft so trübselig und grau erschien sie wllte