FuldaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadt Fulda.
Nr. 226.
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Sonntag, L Oktober 1922«
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49. Zahrg,
sei.
m die erhobenen
Ver
sucher der Produ-
amsrikcmischen verknüpft fei, verlange unberechtigterweise Dollarpreise. Möge die Regierung die breiten Masten der Beoölk * - - - - -
Sefina van Ingen.
Roman von Anny van Panhuys.
der Deutschnationalen die schwere Not des Volkes lediglich für ihre Parteiprvpaganda auszunutzen suchten. Jede Lohn- und Gehaltserhöhung bringe uns noch einen Schritt näher an den Abgrund, und nur die größte Anspannung aller Arbeitskräfte könne eventuell den enormen Produktionsausfall ausgleichen, den Krieg und Friedensdiktate verschuldet hätten. Deshalb werde feine Partei alles ablehnen, was geeignet fei, die Produktion zu hemmen.
Im Kampfe gegen die Teuerung bme Anfrage über die Notlage des deutschen Volkes.
Teuerungsdebatte im Landtag.
©cfina schwankte. Er hielt sie und plötzlich schkanaen "m feinen und ein krampf- haftes, ersticktes Wernen ließ ihren Körper erbeben.
Hans Elmhorst war ganz eigen zurnute. Gesina lag plötzlich °n ferner Brust, als müsse das so sein, als sch das der selbstverständlichste Zufluchtsort der West für sie Ihr Herz pochte gegen das seine und ihr dichles, gleißendes Haar flimmerte vor seinen Augen. B
Er wagte sich nicht zu rühren und blickte nur immer d^uf nieder. Ganz merkwürdig war ihm zurnute. w'e rn eurer Art von süßer Betäubung stand er und starrte auf das rotfunkelnde Haar, lauschte dem erstickten, wehen Wernen wie einem ergreifenden Lied
Niemals hatte er ähnliches empfunden, wenn Adche ihn umschlang.
Seine Hand hob stch unwillkürllch und strich sankt über die schweren, aufgesteckten Zöpfe. ‘
„(Befind, arme, arme Gesina. nicht so trostlos meinen i”
Mit einer scheuen und geschmeidigen Bewegung löste sich das Mädchen von ihm und trat einige Schritte von ihm fort. „Verzeihen Sie", hörte er ihre Stimme sagen dabei traf ihn ein rascher, voller Blick, in welchem ein Etwas lag, davor er erschrak. Wie eine Offenbovuna ein jähes, rücksichtsloses Bekennen war dieser Blick und er erfuhr dadurch besser, als es ihm tausend Sätze za sogen vermocht hätten, Gesina van Ingen liebte ihn, ohne sich vielleicht über ihre Empfindung zu ihm klar zu sein.
Gleich einer heißen Welle lief dieses Wissen über ihn hin, es durchbebte ihn vom Scheitel bis zu den Füßen I und er stand wie einer, vor dem ganz dicht ein blenden- der, scharfer Blitz niedergefahren.
Wie schön Gesina war, wie reizvoll ihre Gestalt, ihr feines, bleiches Gesichtl Am liebsten hatte er ih,k seine Anne entgegengestreckt und ihr zugerufen: Was hätte ich dir zu verzeihen!
Aber Adries Gesicht stieg vor ihm auf und er schämte sich der Aufwallung.
Adele war seine Brmck, und bis vor wenigen Minuten noch hatte er gemeint sie zu lieben —
Sein Blick fiel auf die Tote im Korbsessel, das gab ihm vollends seine Fassung iuairf
öge die Regie' Masten der Bevölkerung gegen den Wi zenten und Händler aufrufen.
roirb diese Organisation schon am L_._______ ......
treten tonnen. Ein Vertreter des Handels- Mlnrstersums erklärt, die Einschränkung der zum
^'gelassenen Pensionen auf einen atmen taffigen ftreis sei immer das Bestreben der Regierung
Zum Schluß der Aussprache äußerte sich der San8« Wirtschaftsmini st er Dr. Wendorff. Auch er führt die Not auf die unerträglichen Lasten des Friedensvertrags zurück. Deshalb müssen Sicherheiten dafür geschaffen werden, daß die vorhandenen Nahrrmgsmittel auch in die Hände der Verbraucher gelangen. Das gilt namentsich für die Getreideumlage, zumal der Ernteertrag um 1,9 Millionen Tonnen geringer ist als im Vorjahre. Die Einbringung der Getreideumlage wird um so schwieriger fein, als der Umlagepreis für das erste Drittel durchaus unzureichend ist. Selbst bei einer Vervierfachung würden die. Landwirte noch keinen großen geldlichen Nutzen haben, denn die Preise für Kunstdünger find enorm gestiegen, und der Landwirt braucht Kapital, um die nächstjährige Ernte bester vorbereiten zu können. Von den Kartoffeln darf auch diesmal nur em Drittel zum Brennen benutzt werden. Ebenso bür« fcn sich bte Zustände nicht wiederholen, wie wir sie in der Zuckerwirtschaft erlebt haben. Vom Reichs- "Nahrungsminister ist eine Vorlage vorbereitet, die der Bevölkerung die nötigen Zuckermengen sichern soll, ohne den ganzen Apparat der ftüheren Zwangswirtschaft ”:!sers:ler^“^-.. Mit Unterstützung des Handels 15. Oktober In Kraft
ein Ende gemacht werden.
Der Sprecher der Doutschnationalen, Abg. Becker, führte das Nachlassen der intensiven Arbeit zmn Teil auf die Lehren des Marxismus zurück. Der Kampf der Linken gegen die Erhöhung der Getreidemnlagepreife fei ungerecht und verderblich, zumal der Landwirt art der Erhöhung des Brotpreises nur mit fechs Prozent beteiligt s ' Durch das republikanische Schutzgefetz mit feinen ohne jede Begründung ausgesprochenen Verboten von Organisationen und Zeitungen sei das Vertrauen zmn Rechtsstaat und zu unserer Wirtschaft erschüttert. Redner bedauert, daß die Deutsche Bolkspartei die Hand der Deulschnationalen zurückgestoßen habe, und das zu einer Zeit, wo Deutschland eine Nvtgemeinschaft aller, die guten Willens find, von rechts bis links billigt. Abg. Dr. Salle (D. Vpt.) meint, mit so parteipolitischen Re- den würden peue Gegensätze geschaffen, und nimmt die chemische und die Stickstoffindustrie gegen die erhob Vorwürfe in Schutz. Im Inland werde fast nichts dient. Die hohen Dividenden stammten aus den Auslandsgeschäften. Redner appelliert an die Parteien, alle Unterschiede zurückzustellen.
Abg. Schulz-Neukölln (Komm.) griff dann die prassenden Großgrundbesitzer an, die die Not nicht kennen und jetzt mit Hilfe ihrer Orgeschgarden den Lebensmittel- wucher im Großen betreiben wollten, ebenso aber auch die Sozialisten, die die Mitschuld an den hohen Umlagepreisen trügen, und bte kommunistische Betriebsbewegung totgeschwiegen hätten. Abg. Riedel (Dem.) bedauerte, daß die Redner der äußersten Linken ebenso wie
Gegenüber dieser stark parteipolitisch geschauten Auffassung der Dinge machte Abg. Mehinger (Ztr.) in erster Linie das Versailler Friedensdiktat für die Not verantwortlich, bedauert aber, daß es bet nus noch Leute gebe, die aus der Not ein politisches Geschäft zu machen suchten. Der gemeinsamen Not könne nur durch gemeinsames Zusammenwirken aller Stande begegnet werden. Die unerhörte Preistreiberei in Deutschland entspringe dem Bestreben des Großhandels, auch im Jnlande in ausländischer Währung zu verkau-
Es ist SU,verstehen, daß eine Der ersten Sitzungen 6es preußischen Landtages der Frage der Teue- rmtg gewtdmet worden ist. Die weitesten Kreise ^Volkes seufzen unter der Last des Notstandes. Wohl gib..es^Leute, die da meinen, nur ihnen ginge es schlecht, wahrend andere noch in Saus und Braus leben konnten. Das trifft für wesentliche Teile des deutschen Volkes nicht mehr zu. Einzelne *]}ügen sich, namentlich in den Großstädten, wo die Schreber ihre Hauptrummelplätze haben, noch dem Wohlleben hmgeben: falls man die Volksgefamt- 2£uge faßt, so haben heute Unternehmer und Arbeiter, Beamte, Angestellte, Handwerker und Landwirte unter zwar verschiedenen, aber doch überall reich bemessenen Schwierigkeiten zu leiden. Der Kampf ums Dasein ist für die gewaltige Mehrzahl der Volksgenossen drückend schwer geworden. Das Volk erwartet von seinen Führern Hilfe, baldige Hilfe. Wir zweifeln nicht, daß die gewählten Volksvertreter nach bestem Können auf Hilfe bedacht sein werden.
(Eine Zentrumsanfrage.
Die Zentrumsfraktion im Preußischen Landtag, Dr. Porsch und Genossen, hat folgende große Anfrage an die Regierung gerichtet:
Die Notlage des deutschen Volkes ist ungeheuer und erfordert dringend Maßnahmen des Staates. Ist das Staatsministerium bereit, entsprechende Maßnahmen zu fassen, insbesondere zur Kreditbeschaffung für künstlichen Dünger, zur Verbilligung der Frachten für notwendige Lebensmittel, Futter- und Düngemittel, durch Anpassung des Preises für Umlagegetreide entsprechend der allgemeinen Geldentwertung, durch Ausfuhrverbot aller Lebensmittel, durch Ausschalten der unsauberen Elemente aus dem legitimen Handel, durch Einschränkung der Konzession bei Zulassung zum Handel, für die allein das volkswirtschaftliche Bedürfnis maßgebend fein muß?
Bereits am Freitag fand im Landtag eine Aussprache über obige Anfrage und ähnliche An- xegungen von anderer Seite statt.
Beratungen im Landtag.
In der Freitagsitzung des Preußischen ßanbtages sprach zu der Angelegenheit der Lebensmittelteuerung zunächst ber sozialdemokratische Abgeordnete Cimbert. Er macht für die schwere Notlage ben verloren gegangenen Krieg verantwortlich, nicht bte Revolution unb bte Erfüllungspolitik. Die Klagen ber Landwirte über ihre Notlage könne kein Mensch ernst nehmen, unb die beutsche Industrie, die mit ber französischen unb ber
fett. Die Bevölkerung müßte sich mehr auf die Pflicht besinnen, bie vom Auslanbe angeführten entbehrlichen Waren zu meiden. Selbsthilfe wirkt hier viel besser als alle behörblichen Verbote. Wir brauchen Pro- buttions ft eigerungen auf allen Gebieten, vor allem bei ber Landwirtschaft, unb die Landwirte seien dazu auch bereit. Dadurch müßte aber auch der Um- lagepreis erhöht werden. Redner fordert strenge Kon» wolle gegen bas Treiben unberufener Elemente mit Kartoffeln und Zucker. Keinesfalls dürfe Inlandszucker zur Schokolabenfabrikatton verbraucht werben. Auch ber unberechtigten Preistreiberei auf dem Baustoffmarkte mußte
Maria van Ingen saß in' ihrem Armstuhl aus Korbgeflecht, in bem sie besonders gern zu sitzen pflegte, aber eigentlich konnte man es kein Sitzen nennen, es war wehr Kauern, ein Hocken. Winzig unb zusammengefal- fen war die Gestalt und bie Augen blickten starr und ^adsch mit halbgeschloffenen Libern irgendwo in eine gerne, bie den anderen unsichtbar war.
Elmhorst ging auf sie zu.
Ihnen ?*6n 2'°9, Fräulein van Ingen, wie geht es 9n^ T1£annte ihr Gelenk, UM ben Puls zu fühlen.
sw - eT ,bax toQr fein Pochen unb sehr unregelmäßig.
,Un9 wehrte ab. „Es -hat- keinen - me> - ich - werde - wohl - gehen mTßLn^' 5tt)"n9te Üe mühsam hervor. Ihr Auge mnr / f euchtete darin auf. „Sage noch ein- mal was so gut klang - fo wohltuend."
3u ber alten Dame mederzeugend, raunte sie ihr zärtlich w
„Liebe, liebe Tante —-
,f Lächeln glitt Über das spitz-, gelbe Gesicht, die Augen schlefien sich wie zum Schlafe, ein leises Röcheln Hang auf, erlosch, noch mehr fiel die schmale gebückte Gestalt zusammen, bas aste Fräulein hatte bie' ßeitlick'- keit verlassen unb d.e Wanderung in die Cwigkeft an- getreten.
Gesina ftüfterte: , ®as ist mit Tante Maria, sie sieht so — unheimlich aus? 1 ' '
Hans Elmhorst erwiderte sanft:
„Ihre Tante ist tot, Fräulein van Sagen."
„Tot?" Gesina schrie laut auf: „Tot — nun wo sch Tante beginnte liebzugewinnen und sie mir auch »st sie gestorben? Aber bas kann nicht sein, ich glaube es nicht I"
„Siebes Fräulein, Ihre Tante ist tot, cs gibt feinen Zweifel! Mein herzlichstes Beiles"
gewesen. Der Fakturierung in auslänbischer Währung bei Inlanbsgeschästen solle entgegengetreten werden.
Die Besprechung ber Anfragen wirb schließlich auf Samstag vertagt. ;,A y.,,. ....
Vie Gewaltpolitik der Heinde ist schuld.
(Eine sozialistische Entschließung.
Der Ausschuß des sozialtftischen Allgemeinen Gc- WerkschaftsbiMdes hat eine Entschließung zur Wirtschaftslage, in der eine Aenbernng der Wirtschaftspolitik in der Richtung zur Gemeinwirtfchast gefordert wird, angenommen. Es sei eine Wirtschaftsorganisation herbeizufühvon, die der kapitalistischen Ausberttung durch Privatmonvpol em Ende macht und dm wahren Zweck einer organisierten Wirtschaft, die Deckung des Bedarfes der Gefamtbevökkeurng, zur Erfüllung bringt. Der Ausschuß verkennt jedoch nicht, daß die Hauptsache der w-ittschafttichen Notlage des deutschen Volkes in dem außenpolitischen Druck liegt. Dn Ueberemsttmmung mit dem Beschluß des englischen Gewerkschaftskongresses fordert ^deshalb der Ausschuß des Allgemeinen «deutschen Gewerkschafts- bundes, daß im Interesse des Wiederaufbaues Europas die Gewaltpolitik gegen Deutschland endlich aufhört und der Weg zu einem mähren Frieden der Versöhnung der Völker eingeschlagen werden muß.
Eine zweite Entschließung wendet sich gegen die kommunistischen Gewrnckschaftszerstörer und stellt fest, daß der von der kommunistischen Pattei geforderte Reichsbetriebsrätekongreß lediglich kom- munistrschen Patteizwecken dienen soll.
Kommunistische Demonsttaüonsaüsichlen.
Der Allgemeine deutsche Gewerkschaftsbund, der Allgemeine freie Angeftelltenbund mid die Berliner Gewerkschaftskommisfion erklären in gemeinsamer Kundgebung, daß die deutschen Gewerkschaften mit den von der kommunistischen Partei für Sonntag den 1. Oktober geplanten Demonstrationen aus Straßen und öffentlichen Plätzen nichts zu tun haben.
3et «tue keiilW Walter in Mw.
Graf Drockdorff-Ranhau.
Die schon seit längerer Zeit schwebende Er- nennmmg des Grafen Brockdorff-Rantzau zum Botschafter in Moskau wird nunmehr amtlich bekanntgegeben, nachdem das Agrement der Sowjetregierung eingetroffen ist.
Graf Brockdovff-Rantzau entstammt einer holsteinischen AdelsfamMe. Er ist 1869 geboren und ging nach Absolvierung der juristischen Studien 1895 zur diplomatischen Laufbahn über. Von 1900 bis 1912 war er, mit einjähriger Unterbrechung, die ihn nach dem Haag führte, in Oesterreich- Ungarn diplomattsch tätig. 1912 wurde er zum Gesandten in Kopenhagen ernannt. Ende 1918 wurde er Staatssekretär des Auswärtigen Amts. Seine Mitwirkung bei den Friedensverhandlungen als Führer der deutschen Delegation ist noch in frischer (Erinnerung. Er legte sein Amt nieder, um den Versailler Vertrag nicht unterschreiben zu müssen.
Gewerkschaftlicher.
— Verschmelzung der lpolizeibeamkenverbände. Auf der Tagung der preußischen Pottzeibeamtenverbänbe wurde ein Zusammenarbeiten ber beiden Polizeibeamten, cerbänbe (blaue unb grüne) unter ber Bezeichnung: „Die vereinigten Verbände Preußischer Polizeibeamten verband unb Verband ber Polizeibeamten Preußens e. SB." beschlossen. Ein in kurzer Zeit einzuberufender Der- banbstag soll über bie enbgültige Verschmelzung beschließen. Der neue Verband wird etwa 90 000 Mitglieder umfassen.
„Fräulein Gesina", sprach er weich und überredend, „lch werde Sie jetzt zu meiner Mutter führen, die sich zunächst Ihrer annehmen wird, hier dürfen Sie jedenfalls nicht allein bleiben."
Sie flüsterte ein „Ja" und ging still neben ihm her, als er sie unter bas Dach feines väterlichen Hauses geleitete.
Erna Helmhorst empfing das schlanke Mädchen gütig unb mütterlich.
»Sie schlafen vorläufig bei uns, Kind, wir haben Platz genug", unb Hermann Elmhorst hielt ihre Hände lange, in ben feinen unb schaute aufmerksam in bas verweinte Gesicht, dessen Mundwinkel das Leid schmerzlich niederzogen. „Die schönsten Rosen aus meinen Treibhäusern schneide ich für Sie ab, liebes Fräulein van 3ngen, und die legen Sie ber Toten aufs Grab."
Sefina muhte ein ganz klein wenig lächeln. Hermann Elmhorst wollte ihr etwas Gutes erweisen, sie auf feine Art trösten.
Drei Tage banach warb bas alte Fräulein auf dem Heinen Vorortfriedhof zur letzten Ruhe gebettet. Gesina trug ein schwarzes Kleid, doch riet Frau Elmhorst, nur ein paar Wochen Trauer Zu tragen und die schwarze jarbe wieder abzulegen, wenn sie nach 'Holland reifen mürbe, auch bürfe sie nicht in ber Farbe ber Trauer zu Cornelius van Cooper kommen.
Außer dem Geistlichen und Gesina gab nur die Familie Elmhorst und bie Auswärterin ber Verstorbenen dieser bas Geleit. Nach ber Heimkehr vom Friedhof wollte Gesina wieder in bas Häuschen, bas nun ihr Eigentum geworben, zurückkehren, doch Frau Elmhorst wiberfprach:
„Nein, Kinbchen, bas bürfen Sie nicht tun, so mutter» stelenallein in bem Hause zu sitzen, ist nichts für Ihre •ongenb, die Erinnerung an bas traurige Geschehnis ist
zu lebendig in Ihnen und auch in ben Räumen, m benen.Sie mit Ihrer Tante lebten. Sie finb vorläufig unfer Gast, unb da Sie ja bald nach Holland reifen, um zu heiraten, werden Sie unsere Gastfreundschaft sowieso nicht lange in Anspruch nehmen."
Mit einem ganz merkwürdigen Gefühl hörte Hans Elmhorst diese Worte mit «a. Zorn gepeu be# reichen
Die Türken an den Dardanellen.
Die Kemalisten haben die Besetzung der neutralenZoneam Südufer der Dardanellen mit Ausnahme von Tschanak, wo bekanntlich die Engländer eine Operationsbasis errichtet haben, jetzt völlig durchgeführt. Zwischenfälle mit den Engländern sind bisher noch nicht vorgekommen.
Der französische Politiker F r a n k l i n-B o ui l- Ion, der als Mittelsmann zwischen der Entente und den Türken tätig sein soll, ist in Smyrna angekommen und hatte eine Unterredung mit Kemal Pascha. Er ist mit diesem zusammen nach Angora weitergereist.
Eine Abdankung des jetzigen Sultans wird für möglich gehalten. Sultan Mshmed Wahid Eddin, geboren am 2. Februar 1861, war seinem Bruder, dem Sultan Mehmed Reschad am 3. Juli, 1918 gefolgt. Sein Nachfolger wird dem Brauche gemäß der älteste Prinz des Hauses, Abdul Med- fchid, geboren am 30. Mai 1868, sein. Der bisherige Sultan ist niemals populär gewesen. Er stand, als er zur Regierung kam, im Gegensatz zu den herrschenden Jungtürken und namentlich zu den Männern, die der Türkei jetzt die Erfolgs gegenüber England verschafft haben.
Vie Revolution in Griechenland. Georg II.
Das provisorische Revolutionskomitee hat nach einer Meldung aus Athen die Regierungsgewalt jetzt offiziell übernommen. In einem Aufruf wird das Volk aufgeforderl, die Ordnung zu wahren. Unruhe- stifter sollen scharf bestraft werden.
Der Kronprinz hat vor dem Mmisterrat unter idem Namen Georg der Zweite den Eid geleistet.
Die ehemaligen Minister Cumaris, Stratos, Proto- papadakis, Gudas und Thsotokis sind festgenom - men worden. Sie sollen, da die öffentliche Meinung sie wegen der Vorgänge in Kleinasien verantwortlich macht, abgenrteilr werden. ' Das neue Kabinett konnte bis jetzt noch nicht gebildet werden. Heber die Abreise König Konstantins ist noch nichts entschieden. Er ist nicht gefangen gefetzt worden. In Kamda auf Kreta hat sich eine oenizelistische Kommission aus drei Mit- gliedern als vorlÄffige Regierung konstituiert.
Venizelos ist auf seiner Rückkehr nach Griechenland ans BeauoÄle in Paris angekom- men. Er erklärte, daß er an den gegenwärtigen Unruhen keinen Anteil habe.
Vor einem Umsturz in Bulgarien?
Nach der „Chicago Tribüne" soll auch Bulgarien vor einem pblitischen Umsturz stehen. Man g'airbt, daß sich auch die Reste der Wrangelarmee, die sich noch in Bulgarien befinden, an dem Ausstand teilmhmen.
Deutscher Reich.
* Berlin, 30. Sept. Die am 15. August und 15. September fällig gewordenen deutschen Schatzwechsel in Höhe von 100 Millionen Goldmark sind jetzt von verschiedenen englischen, amerikanischen und schweizerischen Banken diskontiert worden. Der Diskontsatz ist noch nicht bekannt.
* Zur 7tof der Presse. Auf Anregung des Abg. R h i e l-Fulda hat die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages folgenden Antrag eingebracht: Der Landtag wolle beschließen: Das Staatsministerium wird ersucht, dem Landtag alsbald Vor- schlage zu unterbreiten, durch die die Presse in Preußen vor dem ihr drohenden Zusammenbruch bewahrt wird, wobei ' ' ' prüfen wäre, ob dieser Zweck durch
Farmer auf Java packte ihn, ber sich die schöne Gesina übers Meer kommen ließ wie eine Ware. Er dachte an bie Tage, ba Gesina so gern zu den Rosen im Garten gekommen unb es ihm frei geftanben, bei ihr der Erste zu sein unb diesem Herrn drüben in den Tropen den Rang abzulaufen. Narr, dreifacher, der er gewesen. Nun war es zu spät. Das Mädchen liebte ihn, ein banges, dunkles Augenpaar hatte es ihm verraten unb er mußte schweigen, mußte all bie Sehnsucht, die in ihm war, nieberzwingen. Fern im Wunderlande Indien mar- tete ein Mann auf Gesina, unb im Mai sollte seine Hochzeit mit Adele fein, mit ihr, bte ihn über alle Maßen liebte, bie seinetwegen hattt sterben wollen.
Das war ein Banb stärker als bie stärkste Eifenkette.
Er wußte nun allerdings, seiner Werbung um Adele lag viel Eitelkeit seinerseits zugrunde, wer weiß, ob er daran gedacht, wenn ihm Meta nichts von Adeles Selbstmord verraten hätte.
Ach er fand sich nicht mehr zurecht, und er wußte nur das eine, bie Welt wäre wunderschön und vollkommen gewesen, wenn bas Mädchen mit ber goldenen Flechtenkrone fein Weib hätte werden können. Wie herrlich das märe. 3m Sommer, als draußen Rasenduft in den Lüften schwamm, hätte er bas Glück erringen können, statt dessen hatte er bas schönste Haar der Weir abscheulich genannt unb feine Trägerin „wijfjesvos" gerufen. Gut, daß bie Toren nicht ausftarben, fönst märe auch vielleicht zu viel Glück in der Wett gewesen.
Hans war am Seerbigungstage von Berlin herüber- getommen unb blieb bis zum letzten Zuge. Die Mutter trug ihm Grüße an Adele auf, er dankte flüchtig unb dachte peinlich berührt daran, daß er ja nun Adele Mitteilung machen mußte, wie feine Unterrebimg mit bem Vater am Sonntag abgriaufen,. bisher hatte er sich da- vor drücken können, am nächsten Tage aber würde er wohi bekennen müssen, daß der Vater sich seiner Saue- toriumsgrünbung gegenüber durchaus ablehnend verhalte unb er in absehbarer Zeit bas Thema bei ihm r.W mehr anbrechen bürfe.
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Hermes« Elmhorst war schon vom frühen Morgen an iis täglich, mit Gesina in den Treibhaus rn.
veionoers zu Maßnahmen