Fuld a er Z eitun
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.
Nr. 218.
Verantwortlich für den reDotiionellen Teil i. V.: A. Weßler- - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fuloa r Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, iternforetber Nr. 9. Posttcheck»Koni o 4051 Frankfurt a. M.
Zreitag, 22. September 1922.
Bezugspreis: Monatlich 50,00 Akk. zugestellt frei ins Haus, n Abgeholt in der Geschäftsstelle 48,00 M. s Anzeigen: Kleinzeile nachColonel8.00MI!.-, ausw.10.00Mk. Reklamezeile (Textbreitef nach Colonelmaß 30 Mark.
49. Zahrg.
Völkerbund und
Wcltprobkeme.
Der Vorschlag des französische» Delegierte». Ein SLOMillionen-Kredit für Oesterreich.
3>he von dem französischen Delegierten de Sou* «-nei Lngernnvrgten Svrschläge zu dem gestrigen Antrag« 'Lord Robert Cecils über die Löschung der interalliierten Schulden sind gegenwärtig Gegenstand der Beratung der alliierten Delegationen, lieber ihren Inhalt erfährt man, daß sie sich mit den Grundlinien der Cecilschen Anregungen decken. Dor allem weist de Souvenel hin, wie es heißt, auf die Dringlichkeit der Frage und auf den engen Zusammenhang, der zwischen Problemen der Gegenwart besteht, z. B. A b - rüstung, Wirtschaftskrise und Valutafrage. Desgleichen sieht er in Uebereinstimmung mit Cecil das Problem der zwischenstaatlichen Schulden als Ganzes, d. h. Reparationsschulden und interalliierte Schulden als Teile desselben Problems an.
Wie weiter verlautet, haben die Vorschläge de Iouvenels die Form eines eigenen Resolutionsentwurfes als Grundlage für eine Entschließung der Versammlung. Dieser Entwurf hat, wie versichert wird, im wesentlichen folgenden Inhalt:
In Uebereinstimmung mit Lord Robert Cecil wird als V o r a u s s e tz u n g für die materielle Abrüstung die moralische Abrüstung gefordert. Die moralische Abrüstung aber sei nur zu erzielen durch Wiederherstellung des internationalen Vertrauens und die internationale Sicherheit. Hierzu sei eine sofortige Lösung der großen internationalen Probleme, unter denen alle Staaten leiden, notwendig, namentlich der Valutakrise, der finanziellen Unsicherheit, der Arbeitslosigkeit usw. Es sei daher erforderlich, daß alle Länder zu einem allgemeinen Abkommen gelangten, das sich sowohl auf den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete, als auch aus die interalliierten Schulden und die Reparationsschulden beziehe. Don diesen Grundsätzen ausgehend, würde in dem von Iouvenel vorgeschlagenen Resolutionstext die Völkerbundsversammlung
die interalliierten Negierungen auf die Notwendigkeit einer solchen Regelung Hinweisen,
2. den Völkerbundsrat auffordern, mit größter Aufmerksamkeit alle Bemühungen der interessierten Regierungen in dieser Richtung zu verfolgen, aber selbst erst an die Beratung der Frage herantreten, wenn die interessierten Regierungen sie darum ersuchen.
Der Kreöit für Oesterreich.
Der fünfte Ausschuß des VölkerbundsrÄes für die Behandlung der österreichischen Frag« genchmiote d'L Vorschläge des Finanzausschusses, der ein Pro- granun aufstellle, das u. a. folgendes enthält: Auflegung einer Anleihe von 520 Millionen Gold krönen, für die jede der teilnehmenden Mächte eine prozentuale Garantie übernimmt, Ausarbeitung eines Programms einer inneren Finai^reform für Oesterreich mit lveitgcherchen Rechten für di« Regie- rang, Ucbemahme dieses Programmes durch das Par- lament, Einsetzung einer Kontrollkommission des Völkerbundes, die die Durchführung des Programms zu überwachen und die den Gläubigem zu gewährenden Sick^rheiten zu kontrollieren hat. Die Vertreter der vier Mächte des fünften Ausschusses erklärten, daß sie
Sesina van Zagen.
Roman von Anny van Panhuhs. 17] ----------
Ein paar kurze Höflichkeitsworte wurden gewechselt, dann bot die Dame des Hauses Platz an.
Frau Sternhoss Augen musterten das Zimmer, in dem sie sich befand und die große Einfachheit störte sie etwas. Die alten, prächtig gehaltenen Mahagonimöbel mochten allerdings Wert haben, aber sie standen so kühl und feierlich. Es fehlte jeder Luxus, der ihre alte Schönheft betont hätte, fand sie, außer zwei mächtigen, nachgedunkelten Landschaftsbildem gab es hier nur ein paar große holländische Vasen in Delfter Manier und ^PEN in den Farben maügewordenen Perser. Wie leicht und bmtt, wie üppig und reich war dagegen ihre Umwelt m der Keithsttaße.
.. Eliten, mir mitzuteilen, welchem Grund
ich die Ehre Ihres Besuches verdanke, Frau Stern- Hos?
Diese tirage riß sie aus ihren Betrachtungen.
. 7+ “Qr ia nicht gekommen, um hier Zimmer-
«lnrichtungsstudien zu machen.
Ein feines Lächeln hing sich um jh„ Lippen. „Sa, verehrte gnädige Frau —" m;Aieni^bernnSh%rb^4 "2ch bitte freundlichst, mich n cht »gnädige Frau zu nennen, ich bin stolz darauf, Frau Elmhorft zu heißen."
3,6 Hellblonde läelte etwas gequälter. Leicht schien „Shre Hoheit, die Gartnersfrau" nicht zu behandeln zu sein.
„Also Frau Elmhorst, weshalb ich komm-? —" E'e schob eine kleine beabsichtigte Pause ein. „Das läßt sick> nun nicht so gerade heraus mit ein paar kurzen Wortem ausdrücken. Sch möchte es eigentlich nur andeuttn denn es wäre nur entsetzlich, wenn irgend eine kleine Unae- schicklichkeit meinerseits etwas verderben würde an einer Angelegenheit, die noch so hauchzart ist. daß man eigentlich überhaupt noch nicht davon sprechen sollte."
„Dann taffen Sie es doch bitte nur, Frau Slernhof ch bin wirklich garnicht neugierig." 1 '
am Montag ober Dienstag die EichcheÄungen ihrer Regrenmyem in der Gararüiefmg- «warteten. Wenn die Regierungen zur Uebrrnahme der Garantie bereit seien, würde den Parlamenten entsprechende Vorschläge unterbreitet w«den. Der Finanzausschuß betont, daß dir Zustimmung der verschiedenen Parlamente bis 1. Januar 1923 erfolgen müßte, damit die Auflegung der Anleihe bereits zu Beginn des nächsten Jahres m Aussicht genommen werden könnte. Man erwartet die Ankunft des Bundeskanzlers Seipel für Samstag. Dr. Benesch ist nach Prag zurück- greeist, wird oder nächsten Montag wieder in Genf eintrcffen.
Sur Rußland.
Tas internationale Hilfskomitee für das hungernde Rußland ist zu einer kurzen Tagung zusammen- getreten und hat die Berichte Nau enS und feiner Mitarbeiter über die Lage Rußlands entgegengenommen, woraus hervorgeht, daß bis jetzt eineinhalb Millionen Hungernde gerettet werden konnten. Leider ist die Sage ober noch überaus ernst. Die Ernte wird weniger gut aursallen, als man vor einigen Wochen hoffen konnte.
Die deutschen Schatzwechsel für Belgien.
Eine offizstzlle Mittvilursg aus Brüssel über die Annahme des deutschen GaraMreoorschlages ist bis Mittwoch abend in Berlin noch nicht erngefaufen. Die „Franks. Ztg." bringt das damit in Zusammenhang, daß sich an diesem Tage die ReparÄivn-kommission in Paris in offizieller Sitzung mit der ArMlogenheit beschäftigt hat. Man darf aber annsymen, daß auch die Rexarationskommiifsion ebensowenig wie die Brüs- seler Regiamng gegen die vovgeschlagMe Regelung grundsätzliche- Einwendungen erheben wird, sodaß Donnerstag oder Freitag die Schatzwechstl ausgestellt MÄ der belgischen Regierung üb«^en'werden kön- nen nachdem sie das Indossament der Reich-bank erhalten habe. »
Ein neuer Finanzplan. §
SBie die „Germania" mitteilt, ist bezüglich der Abmachungen zwischen der ReichSbank und der ena- Ilschen Finanzwelt zu erwarten, daß die Regierung bald einen F r n a n z p l a n zur Deckung der Wunaen an die ReichSbank ausstellen wird. Mr tiefen Fincmzplcm dürsten sich die vom Reichskanzler in seiner Besprechung mit den Gewerkschaften an- gekundigten Maßnahmen (Steigerung der Ausfuhr durch Mehrproduktion, Verringerung der Einfuhr durch Einfuhrbeschränkung entbehrlicher Waren) als notwendig erweisen.
(ei^erfZt.^6 [CrSfÜHi8 ""b-r-itete Ein- V-k?nnn^7"b--f verbarg ihre Verstimmung, die nähere Bekanntschaft der ihr Gegenubersitzenden reizte sie setzt SÄmSn"* “* "* S-ch- -f» ttÄ” w"“' “ ton *
„Cs ist meine Pflicht, mich mit Ihnen zu befvrechen ich selbstverständlich überhaupt nicht gestört. Aber das Glück der Kinder liegt einem am Herzen. Sie werden Ihrem Sohne auch alles Gute Mün chen, sehen Sie dasselbe Gefühl hege ich für meine Tochter. Und mm bin ,ch soweit, Frau Elmhorst, mm bin ich bei dem Punkt angelangt, der mich herführte Es ist da nämlich etwas im Werden zwischen Ihrem Herrn Sohn und meiner Tochter, etwas, worüber sich die Beiden vielleicht selbst noch nicht völlig klar sind desto besser aber ihre Umgebung. Ich gUm Beistiel zweifle nicht daran, daß Ihr Sohn und meine Tochter Adele einander innig zugetan sind, sich lieben Mein Kind ist noch sehr jung, kaum achtzehn, ich möchte nicht, daß Enttäuschungen einen Schatten auf Adeles frohe Jugend werfen sollen, deshalb bin ich heute gekommen. Ihr Sohn ist öfter Gast meines Hauses, daß heißt, er besucht uns von Zeit zu Zeit und trinkt den Tee mit uns. Er kommt gerne, um Adeles willen, aber es wirkt nicht gut auf Andere, Fernstehende, daß seine Mutter nicht bei uns verkehrt. Sie verstehen mich wohl, Frau Elmhorst, ich meine, der Ruf meiner Tochter darf nicht getrübt werden, und das könnte geschehen, wenn weder Sie noch Ihr Gatte uns jemals das Vergnügen fchen- ken. Darüber wollte ich mich mit Ihnen offen beraten. Ich achte und schätze Ihren Herrn Sohn sehr —"
Weiter kam sie nicht, denn mit einer scharfen Falte auf der Stirn unterbrach sie die Andere.
„Mein Junge steht vor dem Examen und könnte wahrhaftig etwas Gescheiteres tun, als sich gerade jetzt mit einer Liebelei zu verplempern. Ich begreife nicht, Frau Sternhof, wie Sie folchs Kinderkrankheiten so ernst nehmen können."
Ser holländische Krcöit.
Wie holländischs Blätter melden, ist infolge Geldmangels m Deutschland der von Holland gewährte Kredit m der letzten Zeit stark in Anspw^ch ge- nrnnmai worden, so daß bereits di« Hälfte des ©uiöen belaufenden Kredits oerb. aucht ist. Es werdet: nun Verhandlungen über eine beträchtliche Erhöhung dieses Kredltage- CTIlJPrcrI>erit* Sicherheiten, vornehmlich
Safiern3 aren' Betriebsstoffen und Bank-
NEMIfAslkllllllSSkrölillller-ZkrlM.
Die Gewerkschafisführer beim Kanzler. ,
Die Vertreter der Gewerkschaften hatten eine längere Aussprache mit dem Reichskanzler Dr. Wirth über den zwischen Hugo Sünnes und Luber- sac geschlossenen Aufbauvertrag. In Gewerkschaftskreisen verschließt man sich einerseits nicht der Erkenntnis, daß dieses Abkommen zur Entspannung der politischen Atmosphäre zwischen Deutschland und Frankreich geeignet sei. Andererseits hat man, so berichtet das „Berl. Tagedl.", vom Gewerkschafts- und Arbeitnehmerstandpunkt aus gewisse Bedenken, die sich insbesondere auch auf die Möglichkeit übermäßiger Gewinne der Unternehmerkrelse und die dadurch eintretende Verteuerung des zu liefernden Materials beziehen. Die Besprechungen der Gewerkschaften werden mit dem Aufbaumini - sterium fortgesetzt werden.
Der Grient und Mitteleuropa.
Dttttschland ist so gründlich ohnmächtig gemacht worden, daß es bei dem Aufflammen der orientarischen Frage nur den einen Gedanken hat: Wird diese neue Verwicklung vorteilhaft oder nachteilig auf Misere Verhandlungen in Paris und London sein? Kon- itardinopd und seine Meerengen haben Jahrtausende hindurch den Angelpunkt der Weltpolitik gebildet. 3m letzten Kriege waren wir mit den Türken verbündet urÄ haben zur iBerteibigunig von Gallipoli wesentlich midgowirkt. Alles das ist versunken und vergessen. Unser Simen und Trachten muß sich erschöpfen in der ei gelten Notlage. Ueberall ist unsere erste Frage und letzte Sorge: Wie wird es unserem verstümmelten und bedrängten Datertande ergehen? Das kann man wohl einen beschränkten Egoismus nennen, aber er ist notgedrungen, denn der Schiffbrüchige, der in den Wogen ringt, kann keine „höhere" PMik be- trei-teii, als seine einfache Lebensrettung.
Wie eigenartig die Dinge sich verzwicken, sieht man daraus, daß die Türken, die wahrend des Weltkrieges die Verbündeten Deutschlands waren, jetzt zu den Freundon und Schützlingen Frankreichs gehören. Wer klug ist, der steckt seine Finger nicht ohne Rot in dieses Wespennest.
Was bisher zutage getreten ist, bestätigt die Er- nxuinng, daß die orientalische Verwicklung auf die Lage Deutschlands keimen schädlichen Einfluß ausübt. So ist die Verständigung mit Belgien über das Moratorium für 1922 gerade unter dem Eindruck der Kemalschen Siege zustande gekommen. Frankreich hat sich durch den Erfolg, der ihm im Orient zugefallen P, nicht verleiten lassen, gegen den Zahlungsaufschub Schwierigkeiten zu machen, obschon Poinrare dazu schon Vorwände hätte finden können. Und als unser, Neichsbankpräfident nach Loudon reiste, fand er bei den Engländern kerne kalte Schulter, sondern Verständnis und Teilnahme für die mitteleuropäischen Interessen, obschon den Geldmämiern von London die Wichtigkeit für ihre Weltpvtttrk ganz klar ist.
Auf der Versammlung des Völkerbundes in Griff sind überraschenderweise die Abrüstungsfrage, die Re- parationsfrage und die Frage der interalliierten Schul- den in ihrem Zusammenhang soweit in den Vorder- gründ gerückt worden, daß man den Eindruck gewinnt gerade die neuen Wirren im Orient wirkten als Ttteb- kraft, um die Lösung der dlten schwebenden Schmie- rigrecton zu beschleunigen. Das könnte uns wohl ae° fallen. Es ist ja auch gang vernünftig, daß man im übrigen Europa nach dem rechten ficht, wenn an einem Ende des Weltteils die Flammen emporschlagen und daß man die gegenseitigen Jntereffen in Mitteleuropa um so schneller auszugleichen sucht, je mchr Konflikts- stoss nn Süüosten lauert.
Der hellblonden Frau schlug eine jähe Flammenröte über das Gesicht und ihre Brauen zuckten.
„Auch an Kinderkrankheiten sind schon viele gestorben und bann nochmals, ich kam besonders, weil ich auf dem Ruf meiner Tochter nicht das kleinste Stäubchen dulden darf und will."
„Das mußten Sie bedenken, ehe Sie sich einen jungen Herrn einluden," erfolgte die nüchterne Antwort.
„Die erste Einladung ergab sich bei meinem Besuch hier nach der Besichtigung der Treibhäuser, Ihr Gatte gab mir für sich und Sie einen Korb, und ich dachte damals nicht so weit, daß Ihr Sohn und meine Tochter — --" Sie vollendete nicht.
Erna Elmhorst sah vor sich hin. Der dumme, dumme Hans. Es gab so viele hübsche Mädchen aus der roeiten1 Herrgottserde, und er war bisher noch an allen rmch- schalig und ungalant vorbeigeschritten, um sich nun ausgerechnet in eine Tochter dieser ihr unsyrnpathischenFrau zu verlieben. Aber vielleicht sah diese viel zu elegante Frau mit dem Dutzend kostbarer Ringe an den Fingern Gespenster und Hans hatte gar nicht daran gedacht, sich zu verlieben, denn er erzählte ihr bisher noch nicht das Geringste von seinem Verkehr bet Frau Sternhof, und man tagt doch immer: Weß das Herz voll ist, deß gehl der Mund über!
Sie sprach ihr Denken offen und gerade aus.
Die Besucherin schüttelte den Kopf.
„Ich erkenne, Frau Elmhorst, Sie wünschen nicht 3u verstehen, und damit ist mein heutiger Gang zu Ihnen hinfällig, was ich sehr bedauere, da wir uns sicher irgendwie geeinigt hätten. Schon um der Kinder willen wäre bas gut gewesen, wir hätten ihnen badurch die glückselige Harmlosigkeit lassen können."
Ihre Stimme zitterte ein wenig vor Aerger, weil sie ihre heutige Mission scheitern sah, doch Erna Elmhorst suchte andere, tiefere Gefühle hinter dem Zittern der Stimme, glaubte ein betrübtes Mutterherz dahinter und warb entgegenkommender. Dadurch wurde Frau Stern» b°f plötzlich sicher, glaubte sich am Ziele und verließ den Boden der Diplomatie.
Sie jagte langsam und wichtig- j
Greist der Völkerbund ein?
Die Völkerbundsversammlung hat auf Antrag des Initiativkomitees beschlossen, auch den zweiten Teil der Vorschläge Nansens über die Vorgänge im Orient auf die Tagesordnung zu setzen und ihn zunächst dem politischen Ausschuß zu überweisen. Es handelt sich um eventuelle Schritte des Völkerbundes zurBeilegungdesgriechisch-türkischenKri eg es.
Die englische ZchrrlöeMgmg an Amerika.
Reuter erfährt, daß der Schatzkanzler das führende Mitglied der britischen Delegation sein soll, die nach Amerika gehen soll, um die Vorbesprechungen für die Fundierung der britischen Schuld an die Bereinigten Staaten zu erörtern. Es wird dem Schatzkanzler aber unmöglich sein, vor dem 18. Oktober nach Amerika zu gehen.
ÄIwiMtr in MMn.
Nach einer Reuiermeldung der bulgarischen Tc- legraphenagentur gelang es der Regierung, ein Komplott nationallftiischer Elemente zu vereitÄn, die Banden getibet hatten und tritt Resten der Armee Wranigels in Fühlung getreten war, um die Regierung durch einen Staatsstreich, der am 17. September von Tirnowo seinen Ausgang nehmen sollte, zu stürzen. Die Stellung der Regierung hat sich dadurch gefestigt. Die bulgarische Telegraphenagentur meldet: Die loyale Haltung der Bevölkerung von Tirnowo und der be- nachbarten Städte hat sehr dazu betgetvagen, Verwicklungen und ernste Zwischenfälle zu vermeiden. Die BevAkerung dieser Städte hat Telegramme an dm Minister des Innen: gerichtet, in denen sie für feine Maßnahmen zur Erhaltung der Ordnung dankt. Das Vorgehen der Oppositionsblocks gilt allgemein als gescheitert.
Der Kulturkampf in Lachsen- Anrufung der Reichsregierung gegen den sächsischen Verfassungsbruch.
Eine Kundgebung des geschäftsführenden Aus-, schusses der Zentrumspartei im Freistaat Sachsen wendet sich gegen die kulturkämpferischeu Verordnungen des sächsischen Kultusministers. Er erhebt aufs entschiedenste Einspruch gegen die Verordnungen, j wonach an staatlich nicht anerkannten Feiertagen Lehrern und Schülern künftig in keinem Falles mehr Unterrichtsbefreiung zum Zwecke der Teilnahme an religiösen Feiertagshandluugen erteilt werden soll. Auch gegen die zweite Verordnung des Kultusministers, wonach Andachten, Gebete und Kirchenlieder nur in den Religionsstunden zulässig sind und wonach die allgemeinen Veranstaltungen der Schule, wie Schulferien, Aufnahme und Entlassung von Schülern usw. keinen kirchlichen oder religiösen Charakter tragen dürfen, wird aufs schärfste Einspruch erhoben. Kein Er- zrchungSberechtigter wird gezwungen, seine Kinder tu eine Bekenntnisschule zu schicken, kein Lehrer gezwungen, an einer Bekenntnisschule zu unterrichten. Um so mehr muffen aber die christlichen Erziehungsberechtigten das Recht für sich in Anspruch nehmen, daß die konfessionellen Schulen auch wirklich im leiste, ihres Bekenntnisses geleitet werden. Der geschaftssührende Ausschuß der sächsischen Zentrums« Partei richtet an die deutsche Reichsregieruug das Ersuchen, unverzüglich dafür Sorge zu tragen, daß der durch die Verordnung 155 und 156 des sächsischen Kultusministeriums vollzogene Bruch der Reichsverfassuug aufgehoben wird.
„Ihr Herr Sohn fühlt sich so wohl bei uns, es hätte mir weh getan, wenn ich ihm meine Tür fortan hätte verschließen müssen."
Da erwiderte die Andere mit kleinem Achselzucken-.
„Tun Sie das noch, erproben Sie damit, wie weit bei den zwei jungen Menschen von Liebe überhaupt die Rede sein kann. Wahrscheinlich handelt es sich nur um eine jener flüchtigen Neigungen, die schon am ersten schwachen Widerstand erlöschen."
In Frau Sternhof kochte Heller Zorn. Schon glaubte sie alles in Ordnung, da fühlte sie sich wieder schroff zurückgestoßen. Mit dieser Frau war nichts zu wollen. Der, Plan, den Adele Hug ersonnen, konnte auch nur bei „Ihrer Hoheit, der ©ärtnersfraar“ scheitern.
Sie erhob sich. „Ich will nicht länger stören", und ging mit dem demütigenden Gefühl, eine Niederlage erlitten zu haben.
So kam sie nach Hause und dort schimpfte sie mit Adele gemeinsam.
Ms Hans Elmhorst, von Sehnsucht nach Adeles Btau- augen getrieben, einen feiner in letzter Zeit ziemlich häufig gewordenen Besuche machen wollte, fertigte ihn das Mädchen an der Tür ab mit der Erklärung, die Damen feien ausgegangen. Er kam wieder, es erging ihm ebenso. Und noch einmal dasselbe.
Da ward er stutzig, erkannte die leere Ausrede hinter der Erklärung. Aber er begriff nicht, weshalb man sich mit einemmal von ihm verleugnen ließ. Er entsann sich doch keiner Schuld. Vielleicht hatte man ihm aber doch etwas übel genommen, irrtümlich. Doch so ein Irrtum mußte sich aufklären lasten. Gesenkten Hauptes trat er den Rückweg an.
Lu der Nähe der Potsdamer Sttahe lief er Tieto in die Quere.
Sie war allein, und da er sie, tief in Gedanken versunken, nicht bemerkte, packte sie ihn am Aermel.
„Hallo, stehengeblieben, verlorener Sohn!"
Hans Elmhorst mußte lächeln. „Verlorener Sohn?' wiederholte er fragend.
Er sah in Metas blaue Augensterne, die denen Adeles gar so sehr glichen, sah in das seine Antlitz, das Adeles Züge trug und bewunderte das lichte Haar von der Farbe