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49. Zahrg

Donnerstag, 21* Sept* 1922

Nr. 217

vor gut

Frau Sternhof furchte die Stirn, sie wollte sich solche Reden verbitten, aber sie wußte, viel Aweck hatte das nicht, wozu sie also erst aufregen. Sie verfügte in der Beziehung über genügend Erfahrung, fo sagte sie denn nur:

„Macht Euch schnell ein bißchen ordentlich zurecht, denn Herr Elmhorst möchte Euch auch gern „guten Tag" sagen." ,

Adele stand schon vor dem Spiegel und bürstete ihr Haar zurecht. Meta aber maulte: „Wegen dem Trottel eile ich mich nicht I"

„Meta!" rügte Frau Sternhof scharfen Tones.

Einige Minuten später begrüßten die Zwillinge den Besucher und Frau Sternhof erzäkKe:

„Denken Sie mir, Herr Clmhorst, wie ich meine bei­den Mädelchen fand! Als Ringkämpfer! Haben die zwei Uebermütigen doch einen regelrechten Ringkampf in Szene gesetzt und balgen sich jubelnd und lachend rote toll im Zimmer herum. Schrecklich kindlich sind meine großen Töchter noch, Herr Clmhorst, aber ich denke manchmal, es ist gut so und der Himmel erhalte ihnen ihre harmlose Kindlichkeit. —"

Meta sagte später zu ihrer Schwester:

„Mama versteht es meisterhaft, unsere Fehler zu Vorzügen zu machen, der Hans Elmhorst fällt auch drauf rein, schade nur, daß seine Frau Mutter sich hunde­schnäuzig ablehnend verhält, da doch Mama so viel daran liegt, mit ihr bekasnt zu werden."

Ja, Frau Sternhof lag noch immer viel daran, und sie äußerte das auch zu Adele,, als sie sich einmal mit dieser allein befand.

Adeles weiches Gesichtchen wurde plötzlich sehr ernst, erhielt einen kaum wahrnehmbaren, fast harten Zug.

„Hm", stieß sie nachdenklich hervor und nochmals den­selben Laut, dabei betrachtete sie die Mutter mit einer Beimischung von leichtem Spott.

„Die Geschichte ist nicht ganz korrekt, Herr Elmhorst kommt gewissermaßen hinter dem Rücken seiner Eltern zu uns und wir rücken dadurch alle in ein etwas merk­würdiges Licht. Ich meine, du müßtest da etwas tun, um Abänderung zu schaffen."

Das letzte klang beinahe vorwurfsvoll.

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Die deutsch-belgische Einigung

Eine Beparationsfcebatfe in Genf* Der Völkerbund und die Hilfsaktion für Oesterreich.

Verantwortlich tür den redauionellen Teil i. D.: A. W e ß l e r. : für die Anzeigen: I- Parzeller-Fulda. ::

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Postscheck-Konto 4051 Frankfurt o. M.

Kus dem besetzten Gebiet.

fpd- Neues französisches Gerichtsverfahren. Neue Bestimmungen für bas französische Gerichtsverfahren besagen, daß sowohl Anklageschrift, wie auch die Zeugen­protokolle des Vorverfahrens dem Angeklagten wört­lich in deutscher Sprache vorzulegen sind. Nach der Bekanntgabe des Urteils mutz dem Verurteilten gleich­falls in deutscher Sprache mitgeteilt werden, datz ihm binnen zwei Tagen das BerufungZrecht zustehe, er außerdem das Recht habe, nach Rechtskraft des Urteils ein Gnadengesuch an das erkennende Gericht einzu­reichen. Die Bestimmung über die Bekanntgabe der Zeugenprotokolle hat außer dem prozessualen Wert über den Angeklagten noch den Vorteil, datz er dadurch von jetzt ab auch etwaige Denunzianten kennen lernt.

Hans Elmhorst ahnte nicht, wieviel Berechnung in diesem kinderfeinen blonden Geschöpschen war und lä­chelte: „Wie dem auch sei, bei uns ist in allen Dingen meines Vaters Ansicht ober Wunsch maßgebend." spöttelte innerlich über diese altpatriarchischen Zu tande, doch schwieg sie, denn sie hatte keine Lust, den Kurmacher, der ihr ausnehmend gefiel, zu verjagen.

Hans lobte das Teegebäck, fand es ganz wunderbar und Frau Sternhof nickte mutterstolz:

C'J'i x Adele ganz allein gebacken, sie hat viel Hausfrauentalent."

Hans war entzückt. Das hätte er 9tffprbr„n?U«-^n ^“^en wirklich nicht zugetraut, g wurde er anderer Meinung geworden sein, Cq hätte, daß diese von ihm bewunderten ? Spe3,otität einer Konditorei in der Char­

lottenstraße waren.

<mnnnp?h?f^HeJin»fe2lnen9 3U' und da die Liebe des Mannes bekanntlich oft durch den Magen geht, empfand Hans E.mhorst plotzüch das Gefühl einer großen Zu­neigung für Adele Sternhof. a D

Zwillinge trugen heute hellblaue Tuchkleider in ^anscform m’t breiten, weißen Spitzenkragen. Sie sahen zum Verlieben aus

Hans verfiel immer stärker Adeles Zauber, und als er endlich aufbrach, gab er das Versprechen, recht bald wiederzukommen.

Und er kam wieder, mehrmals kurz hintereinander.

Meta warnte altklug.

„Hänge dich nicht fest. Adele, du bist noch zu jung und kannst abwarten, bis was Besseres kommt eine klelne Doktorsfrau zu werden, könnte mich nicht reiten " „Elmhorsts find schwerreich und der Cohn ist" ein hübscher Kerl", verteidigte sich Adele, „außerdem würde

die französische Delegation bereits bestimmte Vor­schläge zpr Anregung Lord Cecils ausgearbeitet habe. Damit den anderen Delegationen Zeit zur Stel­lungnahme bleibe, beantrage er, daß er auf der näch­sten Sitzung die Debatte eröffne. Schon bei meinem ersten Auftreten in Genf, erklärte Jouvenel, wies ich darauf hin, daß wir nur zu einem Ergebnis in der Abrüstungsfrage kommen können, wenn «die Länder, die im Kriege einig waren, auch im Frieden einig bleiben. Wenn wir zu einer Konsolidierung des Frie­dens gelangen wollen, müssen die Folgen des letzten Krieges liquidiert fein.

Nachdem Poullet - Belgien auf das besondere Interesse seines Landes an der Lösung der Repara- tionssra'ge hingewiesen hatte, ging unter 'lebhaften Kommentaren der Delegierten, der Pressevertreter und des Publikums der Ausschuß auseinander. Der An­trag Lord Robert Cecils ist nach allem, was man hört, nach vorhergeganGener eingchsnden Besprechung mit de Jouvenel-Frankreich formuliert worden, wie auch die französische Delegation erst nach längerer Beratung und Fühlungnahme mit der Pariser Regierung an die Ausarbeitung ihrer Vorschläge herangetreten ist.

Man wird den kommenden Sitzungen des Völker­bundes mit besonderem Interesse, wann auch ohne allzu großen Optimismus entgegensehen können. Ersprieß­liche Arbeit und eine wirMche Lösung dsr Reparakions- frage und der mit ihr zusammenhängenden Probleme wird im Völkerbund nur dann geliefert werden können, wenn Deutschland und Amerika im Kreise der in Genf versammelten Nationen nicht mehr fehlen. Möglich, daß man im Völkerbund zu dieser Erkenntnis vor­dringt und damit wäre dann schon etwas gewonnen.

Oesterreich und der Völkerbund,

Wie aus Genf gemeldet wird, wurde in der Dienstags-Sitzung des Komitees, das sich unter dem Vorsitz Lord Balfours mit der Frage einer Hilfs­aktion des Völkerbundes für Oesterreich befaßte, ein Plan angenommen,der folgende Punkte vorsieht:

1. Die Unabh ängigkeit und Unverletzbar­keit Oesterreichs wird garantiert, wogegen sich Oesterreich verpflichtet, keine mit den finanziellen Ver. pflichtungen gegen die Kreditgeber im Widerspruch stehenden Verträge abzuschlietzen.

2. Auflegung einer Anleihe von 26 Millionen Goldkronen, für die jede der sich be- feilig:en Mächte eine prozentual festzusetzende Garantie übernimmt.

3. Ausarbeitung eines Programms über die innere Finanzreform Oesterreichs und Ein­setzung einer Kontrollkommission des Völker­bundes, welche die Durchführung dieses Programms überwachen wird.

In dem aufgestellten Plan heißt es weiter, daß, wenn Oesterreich wirklich an eine Sanierung seiner wirtschaftlichen und finanziellen Lage gehen wolle, müsse es nichl mehr konsumieren als es produziert. Diese Forderung bedeutet natur­gemäß für Oesterreich eine weitere sehr harte Zeit, aber nur auf diesem Wege könne es vermieden werden, daß das Land in das gleiche Elend gerate wie Rußland.

Die belgisch-deutschen Verhandlungen sind noch nicht zum förmlichen Abschluß gelangt, doch sind sie auf dem besten Wege dahin. 9leu und eigentümlich ist bei dieser günstigen Wendung der Singe die Heimlichkeit, welche die beteiligten beiden Banken von Berlin und London über ihre entscheidende Ver­ständigung bewahren.

Die Reichsbank und die Londoner Bank hätten sich demgemäß wirklich als „autonom" gezeigt, — als selbständig und eigenmächtig in der Abmessung der Informationen für ihre Regierung. Ob den leitenden Mmistern nicht doch einige vertrauliche Mitteilungen gemacht sind, muß dahingestellt bleiben. Auf jeden Fall bleibt die Regierung verschont von der Verantwortlichkeit für die kaufmännische Seite der Sache. D. h., die beiden Banken tragen ausschließlich die Verantwortung dafür, daß die Ein­lösung der Schatzwechsel von 270 Goldmillionen im nächsten Jahre keine Schwierigkeiten macht.

Vielleicht ist es noch denkbar, daß die französische Regierung an dem Schleier zupfen wollte, unter dem Vorwande, es könnten Sicherheiten verpfändet sein, auf die der Versailler Vertrag bereits Beschlag gelegt habe. Doch würde sich ein solcher Vorstoß, auf den übrigens noch nichts hindeutet, durch eine glatte Verneinung wohl abwehren lassen.

Die „Vossische Zeitung" stellt die Vermutung auf, das Trassierungsdepot, das die deutsche Reichsbank bei der Bank von England hat, werde wohl die Grundlage für die Kreditgewährung bilden. Wenn das zutrifft, hätte allerdings niemand das Recht, sich in dieses Bankgeschäft einzumischen. Was die politische Lage im ganzen angeht, so lauten die jüngsten Nachrichten aus dem Orient schon etwas besser. Jedenfalls verdient es Anerkennung, daß die Bank von England sich durch die Schwierigkeiten im Orient nicht hat abhalten lassen von der Ver­ständigung mit der Reichsbank. Vielleicht haben die Bankleiter sogar das Gefühl gehabt, man müsse die deutsche Frage möglichst schnell erledigen, da im Orient schwere Probleme die ganze Sorgfalt er­fordern.

Wie die belgische Telegraphen-Agenwr meldet, hat der deutsche Botschafter Landsberg in Brüs­sel dem Minister des Aeußern mitgeteilt, daß die Reichsbank nunmehr bereit sei, die sechsmona­tigen Wechsel im Gesamtbeträge von 270 Millionen Goldmark, fällig vom 15. Febr. bis 15. Juni 1923 unter Verzicht auf die zunächst verlangte Verlänge­rung auf 12 und 18 Monate, zu unterzeichnen. Unter diesen Umständen faßt die belgische Re­gierung ein gütliche Lösung der strittigen Frage ins Auge auf den Grundlagen, die die bel- giischen Delegierten in Berlin aufgestellt haben.

Die Einigung zwischen Brüssel und Berlin wird von der französischen Presse ohne bemerkens­werte Kommentare registriert. Die englischen Finanz­kreise begrüßen einmütig Havensteins Erfolg.

Der Beschluß der belgischen Regierung.

Wie der Brüsseler Berichterstatter des „Temps" Meldet, haben die Verhandlungen zwischen der bel­gischen und der deutschen Regierung zu einem E r - g e b n i s geführt. Am Montag abend 7 Uhr habe Minister I a s p a r den deutschen Geschäftsträger Landsberg zu sich gebeten und ihm notifiziert, daß die belgische Regierung entschlossen sei, am Dienstag mittag, ohne weiter auf die Antwort der deutschen

Sefina van Ingen.

Roman von Anny van Pan Huys.

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3n flüchtigen Umrissen tauchte ein Zukunftsbild Gr auf. Der Name Baronin Elmhorst hätte ihr gefallen.

FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadl Fulda.________

Die wirren im Grient.

Wie der „Petit Parifien" zu wissen glaubt, hat die Angoraregierung sich beeilt, auf den von Frank­reich, England und Italien unternommenen Schritt in einem mäßigen, aber festen Tone zu antworten. Die Antwort geht dahin, daß die Zone, zu deren Re- ipeftierong die Kemalistsn aufgesordert itrerien, in einem Dokument festgesetzt worden sei, das die Kema- listen nicht kennten, nämlich den Friedensver- trag von Sevres. Uebrigens sei tiefes Doku- ment für die Entente auch nicht mehr maßgebend, da es nicht ratifiziert worden sei und da die Alliierten bereits aus eigener Initiative eine Revision dieses Vertrages ins Auge gefaßt hätten. Unter diesen Voraussetzungen erkennten die Kemalistm stillschwei­gend die Anwesenheit der Alliierten an den Punkten an, an denen sich die Alliierten bereits seit bre: Jahren festgesetzt hätten, den endgültigen Friedensabschluß ab­wartend. Gegen diese Punkte würden dir Kemalisten keine Versuche unternehmen, die A l l i i e r t e n s e i e n daher in keiner Weise bedroht. Die Kema- listen Wien auch nicht die Absicht auf Konstaninopel, nach Gallipoli oder nach Thrazien zur Tschatnidscha- linie vorzumarschieren.

Italien zog, wie Frankreich, sein Kontingent von der neutralen Zone der Meerengen zurück, wo­durch es den Willen unterstreicht, an keinen Operatio­nen teilzunehmvn und gleichzeitig die englischen Mcl- düngen dementiert, die Ententemächte planten gemein­same Verstärkungen in die neutrale Zone abzusenden.

keine kriegerischen Absichten Englands.

Reuter erfährt von maßgebender englischer Seite, es sei keine Rede davon, daß die britische Re­gierung irgend etwas unternehmen werde, was auf einen neuen Krieg hinauskomme, oder daß sie neue Operationen zu Lande oder zu Wasser plane. Es handle sich nicht dämm, daß die Alliierten seit einiger Zeit in den 'neutralen Zonen um den Bos­porus und Dardanellen herum Truppen hätten. Diese französischen, englischen und italienischen Truppen schützten die Ausführung der Verpflich­tungen aus dem Vertrage von Sevres. Die Frage, um die es sich handele, fei lediglich derSchutz dieserStreitkräfte gegen jede mögliche Ge­fahr und nicht Krieg gegen irgend jemand. Kemal Pascha sei davon benachrichtigt, daß er diese Zone nicht verletzen dürfe und welche Folgen eine Ver­letzung nach sich ziehen würde.

In Paris erwartet man den Bcksuch des eng­lischen Botschafters sowie die Uebergabe einer englischen Note im Quai d'Orsay. Lord Curzon hat sich zu einer persönlichen Aus­sprache mitPoincare nach Paris begeben. Sein Besuch soll den Zweck haben, die französische Regie­rung zu bewegen, ihre Truppen in Tschänak zu be­lassen und die schleunige Einberufung einer Konferenz zu vereinbaren.

Das englische Memorandum.

Die „Times" behauptet, das englische Memorandum vom Samstag sei ohne die Billigung des Aus­wärtigen Amtes veröffentlicht wovden. Der übte Ein­druck in Frankreich rühre, abgesehen von dem grundsätzlich verschiedenen Standpunkt Frankreichs, daher, daß Frankreich von diesem Schritt n i ch t vor­her verständigt wovden sei und keine offizielle Antwort auf,seine letzte Woche Downing Street über­mittelte Präzisierung seines Standpunktes erhalten habe.

Die eiligen Versicherungen der Ministerpräsidenten der Dominions, daß diese zur Hilfe bereit seien, können nicht darüber hinroegtäuschen, daß auch die Dominions von einem neuen Krieg nichts rotf« f e n wollen. Die südafrikanische „Cape Times" z. B., ein regierungsfreundliches Organ, sieht keine dringende

„Ich — etwas — tun? Ja, um des Himmels willen, was kann ich denn tun? Meinst du vielleicht, du törichtes Kind, ich hatte noch nicht darüber nachgedacht? um einen Weg zu finden! Im Anfang glaubte ich ja, durch den Sohn auch die Bekanntschaft der Mutter zu machen. Ganz selbstverständlich erschien mir das. Um Frau Elmhorst zu uns zu zwingen, lud ich den Sohn ein, doch muß ich nun erkennen, daß meine Berechnung falsch war. Wahrscheinlich spricht der junge Elmhorst gar nicht von seinen Besuchen bei uns."

Adele nickte eifrig.

„Sehr wahrscheinlich verhält es sich fo."

„Er kommt nur deinetwegen", sagte die Aeltere plötz­lich unvermittelt. r

Adele nickte wieder, doch geschah es jetzt mit einer gewissen Bedächtigkeit. , .

„Ja, er kommt meinetwegen, und gerade deshalb kann es auf keinen Fall so weitergehen, denn ich möchte nicht verklatscht werden. Entweder lernen wir jetzt auch die Mutter von ihm kennen, oder Hans Elmhorst soll unser Haus meiden."

Frau Sternhof sann verblüfft, woher ihre knapp acht­zehnjährige Tochter diese Weisheit hatte.

Etwas kleinlaut antwortete sie:

„Ich kann ihm das doch nicht so gradeheraus mittei- len, und kann ihm doch auch nicht schlankweg die Tür weisen, umso weniger da wir ihn doch eingeladen haben."

Adele legte den Zeigefinger der Rechten an die Nase und erwiderte halblaut mit wichtig hochgezogenen Augen- brauen:

„Ich weiß einen anderen Weg, der dich entweder zum Ziele führt, oder der ganzen, etwas verfahrenen Sache ein Ende bereitet."

Frau Sternhof fieberte vor Neugier.

„Rasch, Kind, zeige mir den Weg, wenn ich ihn für gut halte, will ich ihn gehen."

Adele lächelte zufrieden, sie wußte, der Plan, der ihr vorhin durch den Kopf gezuckt, würde vollen Beifall fin­den, er war der ganzen Wesensart ihrer Mutter sym­pathisch, dergleichen lag ihr gut.

Sie neigte sich näher zu ihr und sprach lebhaft und flüsternd auf sie ein, bis sie von der genau ZuHörenden

Regierung zu warten, der Reparationskommission ein Protokoll über die deutsche Verfehlung zu über­senden. Die Dinge hätten Dienstag früh infolge eines Schrittes des deutschen Geschäftsträgers plötz­lich eine günstige Wendung genommen. Um Hll Uhr fei der deutsche Geschäftsträger zum Minister des Aeußern gekommen und habe ihm mitgeteut, daß Deutschland dis von Belgien bei den Verhand- [ungen in Berlin gestellten Bedingungen, deren An­nahme es zuerst verweigert habe, glatt und ohne Vorbehalt annehme. Heber den Besuch würbe eine amtliche Note ausgegeben. Die amtliche Feststel­lung schließt, daß „unter diesen Umständen bte belgischeRegierungdiefreunds ch a f t- l i ch e Lösung der Meinungsverschiedenheiten auf den Grundlagen, die die belgische Delegation in Berlin festgestellt habe, beabsichtige .

Nach dem „Jntransigeant" hat die belgische Re­gierung ihrem Vertreter in Paris bereits Mittei- lvng von dem Ergebnis der Verhandlungen ge­macht. Delacroix habe die R e p a r a t i o n s- kommission benachrichtigt, die noch Dienstag abend eine offiziöse Sitzung abhalten werde, um allen ihren Delegierten zur Kenntnis zu bringen, datz mit der Durchführung der am 31. August ein­stimmig gefaßten Entschließung begonnen worden fei. Die Kommission werde dann beschließen, noch einige Tage zu warten und dann zu einer offiziellen Sitzung zusammenzutreten, um die zwischen Belgien und Deutschland zustande gekommene Gintgung einfach zu b e ft ä t i g e n.

Die Ausgleichszahlungen.

Die Reichsregierung hat kürzlich angekündigt, daß sie von dem Rest von VA Million Pfund, die von der Augustrate für die Ausgleichszahlungen an die Alliierten zu bezahlen iift, zunächst 500000 Pfund leisten werde, ohne sich wegen der Zah­lung der noch ausstehenden 1 Million Pfund fest­legen zu können. Die 500 000 Pfund = 10 000 Mil­lionen Goldmark sind in den letzten Tagen tatsäch­lich gezahlt wovden. .

Der Kohlentribnt an die Entente.

Die Kohlenlieferungen an die Entente, die von der Reparationskommission ab 1. August zunächst auf 1 725 000 Tonnen monatlich festgesetzt worden waren, sind nach einer Meldung des „Lok.- Anz." ans Essen schließlich für August bis Oktober auf monatlich 1 610000 Tonnen vermindert worden.

Das Reparationsproblem vor -em Völkerbund.

Am Enda der Dienstagabondsitzung des Ab- rüstungsausfchusses in der Völkerbundsver- fammlung wurde plötzlich unter größter Aufmerksamkeit der Teilnehmer die Reparations frage zur De­batte gesteAt. Lord Robert Cecil verlas einen aus­führlichen Antrag, der als Voraussetzung für die Abrüstung die Lösung der Repara- tionsfrage und der alliierten Schulden, überhaupt dsr schweren wirtschaftlichen Krise, die Deutschland und die gange Wett bedrohten, bezeichnet.

Unter großer Spannmrg der Delogierten ertlärte uLJ V ' dO Frankreich mit einer Ans- spräche über dtosen Punkt eincerftanban sei und daß ich dem Herrn Gärtner nicht ehIrHheHmen, bis er auf die eine oder andere Weise den „Baron" wieder vor fernen Namen fetzt. Wenn man ein Ziel sieht, gibt cs auch Mittel und Wege, dahin zu gelangen."

,bu bringst alles zustande!" seufzte Meta ver- fhmmt, denn es buntte ihr ebenso wie Adele ein er­strebenswertes Ziel, recht bald verlobt zu fein qab es kein besseres Mittel, um den Neid der Freundim nicht. 3^ me9Cn- aber j?bcn mochte man doch ^ch

fo^Winb ms Garn zu laufen, denn lieb hast du ihn doch

Adele lachte laut auf.

„Nellchammel!"

ÜKetas Gesicht zeigte Empörung und Berachtung

Weshalb sollte ich dich beneiden, etwa darum, willst^"» emen °rmen Dummkopf unglücklich machen

Adele ging mit geballten Fäusten auf die Schwester los und diese stellte sich m Kampfbereitschaft

Ein paar Spottreden flogen hin und her' wie mit scharfen Nadeln gespickte Bälle und dann begann zwischen den „zwei süßen, blonden Mädchen" ein erbitterter Ringkampf, der erst nach mehreren Zornesausrufen aus mütterlichem Munde fein Ende erreichte.

Mit zerzaustem Haar, roten Wangen und funkelnden Augen standen die beiden und wollten sich gegenseitig verklagen.

Doch Frau Sternhof schnitt ihnen mit schroffer Hand­bewegung die Rede ab.

„Schämt Euch", schallt sie mit gedämpfter Stimme. „Ihr benehmt Euch ja wie Gassenbuben schlimmster Sorte, anstatt wie junge, wohlerzogene Damen. Herr .Elmhorst ist gekommen, Adele ein Buch zu bringen, um das sie ihn gebeten hat, nun, wenn der Euch eben ge­sehen hätte, dann--"

„Bann wäre es mit dem so überaus passenden Schwiegersohn Essig," ergänzte Meta trockenen Tones den unvollendet gebliebenen Satz. ,