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Fulda er Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Nr. 215.

Verantwortlich für den redauionellen Teil : Dr. I. Kramer. z für die Anzeigen: 3- Parzeller-Fn'.da. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 0. Postcheck-Konto 4051 Frankfurt « M

Dienstag, 19. September 1922.

Bezugspreis: Monatlich 50,00 2RL zugestellt frei ins Haus. = Abgekolt in der Geschäftsstelle 48,00 M. :: Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 4.00 Mt; ausw. 5,00 Ulf. Reklamezeile (Textbreitef nach Colonelmaß 15 Mark.

49. Zahrg.

fstz zu Frankreich gesteift und die Lage auf dem Dal- kan wird dadurch zu einer bedrohlichen. Man wird in Deutschland die weitere Entwicklung mit großer AufmerksamkÄt verfolgen müssen.

Vielleicht wird das deutsche Dolk aber, wie schob so oft bei früheren Gelegenheiten, wieder einmal die Erfahrung machen müssen, daß die Einigung Eng- iands und Frankreichs in der Orientfrage von England durch Zugeständnisse an Frankreich auf deutsche Kost«, erzielt worden ist.

Verstimmung in Frankreich.

Die in einem halbamtlichen Rsuterkommuniqu- mitgetsiltsn Beschlüsse des englischen Minbsterrates und die Ankündigung bisheriger Vorberei­tungen zum Schutze der Meerengen und der neutralen Zone gegen die Eventualität eines türkischen Angriffes haben in Daris auher- ordenftichs Beunruhigung hervcwgenffen. Die französische Regierung hatte sich zwar in ihrer letzten Rote ausdrücklich zum Prinzip der Freiheit der Meerengen bekannt und sich bereit erklärt, an ihrem Schutze direkt mitzuwirken, aber man hatte in Frankreich damit alles anders gemeint als das, was dis englische Regierung heute zu unternehmen sich anschickt. Nach dem „Temps" mußte es sich für die englische Regierung „lediglich um sine friedlich« Demarche in Angora handeln, um der dortigen Re­gierung zu verstehen zu geben, daß sie alles. Inter­esse daran habe, dis Entscheidung der Mächte hin­sichtlich der Aufrechterhaltung der Neutralität und der Meerengen zu respektieren." Die englische Re­gierung dagegen plane Maßnahmen, die in Angora entgegengesetzt aufgefaßt werden müßten. Es fei außerordentlich bedauerlich, fährt das Blatt fort, daß die englische Regierung, die ihre Abneigung gegen Zwangsmaßnahmen jedesmal bekunde, wenn Frankreich sich ihrer zu bedienen beabsichtige, um dem Vertrag von Versailles in Deutschland Respekt zu verschaffen, Maßnahmen der gleichen Natur im jPftan ergreife zur Abwendung einer Gefahr, die noch gar nicht einmal bestehe. AuchinItalien scheine man nicht geneigt anzuerkennen, daß das Emoernshmen unter den Verbündeten zur Teil­nahme an einer militärischÄr Operation im Falle eines bewaffneten Konflikts verpflichte, einer Teil­nahme, die von der öffentlichen Meinung Italiens unter leinen Umständen geduldet werde.

Der Brand von Smyrna.

Drei Wichet der Stadt liegen, nach dem „Daily Telegraph", in Asche. Uvbsr 300000 Menschen wa­ren heute Morgen ohne Behausung. Die Straßen sind bedeckt mit Leichen, deren Zahl sich nicht bersch- neu läßt. Diele Flüchtlinge sind , schwer verwundet. Das armenische, griechische und di« fremden Viertel sind zerstört und brennen aus. U. a. sind alle fremden Konsulate, Bankhäuser usw. vernichtet. Der Schaden belauft sich auf annähernd 40 Millionen Pfund Ster­ling. Außer dem armselig«, Türkanvieutel hat Smyrna aufgehört zu bestehen. Unter den zerstörten Häusern befindet sich auch das Hauptquartier Mustapha Kemal Paschas. Nach eidlichen Aussagen von Arme­niern wurden türkische reguläre Soldaten beim Anlegen von Bränden gesehen, offenbar zur Vergeltung für den unschätzbaren Schaden, den die griechische Arm« auf ihrem Rückzüge angerichtet hat. Dis Lebensmittel. Versorgung der Flüchtlinge ist unzureichend. Die vor- handenen Vorräte genügen nicht für den zehnten Teil der Bedürftigen. Das Auswärtige Amt teift mit, daß entgegen den Blattevmeldungen keine englischen Staatsangehörigen in Smyrna getötet worden feien.

Die letzte griechische Armee in Kleinasien gefangen.

Lus Angora wird gemeldet: Nach ten letzten Nachrichten von der Front wurde dieletztegriechi-

Herr Haven stein in London.

Kriegszustand auf dem Balkan.

14]

„Wir Nadeln i

■ können doch solch Haar nicht mit unechten verunstalten." ,

Sefina van Zngen.

Roman von Anny van Panhuyr.

Förmlich empört klang dar.

Da blieben die teuren Nadeln an ihrem Platze und «as so verbissene Mtjüngferchen sann, daß es von ihrer Seite nur ein Gebot der Klugheit war, sich mit ihrer Nichte gut zu stehen und sie so zu halten, daß Herr van Cooper, wenn Gesing zu ihm kam, gleich merkte, sie hatte vorzüglich für sie gesorgt

• Hm das rote Haar gefiel, so war das eben “TV5 sich dagegen nichts einwenden, w e lewst fand den brandigen Kopfschmuck auch weiter« immerhin mußte sie zugeben, Gesina war ^such bes Kaufhauses und Friseurs äußerlich E völlig anders geworden. Die Menschen auf der Strafe duckien nach ihr hin und es lag Bewunderung m den Augen der Männer, Neid in den Augen der Frauen.

Altjüngferchen fand,' die Menschen von heute hat- en merkwurd.gen Geschmack, als sie jung gewesen, war solch H°°r °-rp°nt und deshalb hatte sie sich doppelt darüber erregt, daß gerade ihr einziger Bruder eine so gekennzeichnete Lebensgefährtin erwähtt. —

Am nächsten Vormittag fuhren die beiden van 3n- genschen Damen schon wieder nach Berlin hinein, um allerlei Besorgungen zu machen. Sie aßen bei Kem- pinrky, von dem das alte Fräulein schon oft gehört hatte, wenn sie auch noch niemals dort gewesen war, und benützten dann einen der ersten Nachmittagszüge zur Rückfahrt.

Als sie in das Dagenabteil stiegen, stockte sowohl ®e« sinas Fuß als auch der ihrer Tante sekundenlang denn im Kupee saß Frau Sternhof mit den Zwillingen. Sie tat, als habe sie die Eingesllegenen noch niemals gesehen und 'plauderte mit ihren Töchtern, die ebenso unbekannt taten, ruhig weiter, wenngleich sie Gesinas elegantes Asuhere sehr verblüffte.

Die Verhandlungen des Rerchsbankpräsitenien von Ravenstein in London scheinen einen Verlauf SU nehmen, der einige Aussicht auf ein Gelingen ter Aktion feiet et. Diese Verhandlungen stellen zunächst Ee rein geschäftliche Angelegenheit zwischen der Reich-benk und der Bank von England dar. Die Sach- lage fit so, daß Deutschland die Garantien für die Ein­lösung der Schatzwechsel an Belgien innerhalb 6 Mo- naten übernimmt, und daß damit die Forderungen der Reparation^ k omrni s fron grundsätzlich «füllt wären. Da die Roichsbank jedoch nicht in der Lage ist, dies» einst von sich aus innezuhaften, so muß sie sich selbst Mne Rückendeckung schaffen, und zu diesem Zweck ist Hllvenstein nach London gefahren. Geht die Bank mm Island, bzw. das von ihr geführte Konsortium auf . Vorschlag ein, dann ist eirrmat die Forderung Dei- F,£n5. Aullt, und andererseits bre Leistungsfähigkeit t>er deutschen Regierung nicht überspannt

Eine andere Frage ist die, wie die Rsichsbank sich tnrt der Bank von England auseinander, setzen wird. Na-tÜrfich muß die Reichs bat;? auch der Bank von England Garantien dafür bieten daß dr^o ihre Auslagen innerhalb 18 Monaten zurückerhält Alle über diesen Punkt verbreiteten Nachrichten sind reine Kombinationen, denn es handelt sich bei diesen Derafilngen lMglich darum, die beste Abrechmmas- methode zwischen zwet großen Banken zu finden, wie sie auch sonst im geschäftlichen Leben Mich ist. In Bersin finden seden-falls vorläufig üb« das Repara- fionsproblem keine weiteren Beratungen statt, da man zunächst die Rückte^ Havsnsteins abwarten muß.

Der Brüsseler Korrespondent deS ,Temps' be- stättgt daß ma» kn Brüssel bereit ist, eine Kombtnation, wie sie gegenwärtig von Deutsch- mJ.n. S°nb°n„versucht wird, anzunehmen.

Darstellung könne für die Regierung in Brussel keinerlei Arrangement in Frage kommen, daS die Intervention einer dritten Seite an Stelle Deutschlands vorsehe. Die Einlösung der zu über­gebenden Schatzwechsel fei ausschließlich an der deutschen Regierung, die als Sicherheitsleistung da­für entweder einen entsprechenden Betrag in Gold zu hinterlegen oder aber Garantien beizubringen habe, d,e die sofortige Diskontierung der Pa- prere ermögliche. Das Letztere scheine bei der neuerdings von Deutschland inS Auge gefaßten Lö­sung der Fall zu sein.

Reichsbankpräsident Havenstein hatte am Samstag eine Beratung mit den Gouverneuren der Dank von England.

Die Grientknse.

Englisch-ftmizösische Verständigung.

Reuter erfährt als Ergebnis der englischen Kabi- Kettssitzung, am Freitag habe sich eine vollstän­dige Uebereinstimmung der britischen mit französischen Regierung über die Notwendigkeit heraus- gestellt, die Neutralität in der ganzen entmilita­risierten Zone ausrechtuisrhalten. Man kam überein, an Mustapha Kemal Pascha eine gemeinsame Erklä­rung der französischen, britischen und italienischen Re- gterung zu richten, bis die ständige Regelung erfolgt. Wie Reuter wefter erfähtt, wurden Vorbereitungen getroffen, um Verstärkungen in die neutrale Zone zu entsenden und um die alliierten Farben im Falle eine» drohe,iden Angriffes zu schützen. Sie britische Flotte soll angewiesen merken, nicht zu gestatten, daß Truppen übersetz en. Die rumänische und die

serbische Regierung betrachten die mögliche Rückkehr der Türken nach Thrazien mit großer Sorge. Das Diedererscheinsn der siegreichen Sitten an der europäischen Küste würde nach Ansicht der britischen Regierung auf dem ganzen Balkan eine sehr ernste Lage schaffen. Pflicht der Alliierten ist en, diese Ge­fahr mi beseitigen. Die britische Regierung ist bereit, ihr Teil dazu beizutragen und jete mögliche Anstren­gung für eine befriedigende Lösung zu unternehmen. Sir hat sich in diesem Sim« an die a ndersn Groh- möchte sewaM, die an der Verteidigung Konstantinopels und der neutralen Zonen be­teiligt smd. Die britische Regierung wendet sich eben­falls an Rumänien, Südflawien und Griechenland zu dem Zweck, sie art einer wirkungsvollen Verteidigung der neutralen Zonen zu beteiligen, an der sie wesini- lich tnjeref fiert sind. Die britische Regierung lädt auch die überseeischen Dominions ein, sich durch Kontin­gente bei der DertMigung der neutralen Zonen ver­treten zu lasten. Die britische Regierung beabsichtigt, sofort, tcrtb wenn nötig in ausgedehntem Maße, die dem General Harrington, dem amtierten Oberbefehlshaber in Konstantinopel, zur Verfü­gung stehenden Truppen zu verstärken, während außerdem dem britischen Mittelmeergeschwa­der der Befehl erteilt worden ist, mit allen Mitteln einer Verletzung der neutralen Zonen durch die Türken oder einem Versuch, auf die europäische Küste überzu­setzen, Widerstand zu leisten.

Die englisch-französische Einigung kommt nach allem, was in den letzten Wochen an Beschimpfungen und Drohungen in der beiderseit. Preste geleistet worden ist, überraschend. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Nationaltürken ihren großen Erfolg gegenüber den von England unterstützten und vorgeschickten Griechen- land nur mit einer sehr wirksamen Unterstützung Frankreichs und wohl auch ItMsns erreichen tonrmen. Die Starke der türkischen Armee an schweren Ge- schützen und Waffen modernster Art stammt lchne alle Frage aus französischem Besitz. Selbstverständlich hat Frankreich die Naticmaftürken nicht um ihrer selbst willen so nachdrücklich gefördert und unterstützt. Das anzunchmen wäre mehr als töricht. Frankreich hat Der Türkei diesen Liebesdienst nur deswillen erwiesen, weil es auf dies« Weise am besten zu seinem Ziel« zu kommen glaubt«, den englischen Einfluß in Kleinasien zurückzudrängen und mit der Zeit ganz zu beseitigen, darüber hinaus aber di« reichen Bodenschätze Klein­asiens <m Kohlen, Petroleum und andern Mineralien unter feine Hoheit zu bringen. Es müssen hinter den Kusisten starke Kräfte am Werke gewesen sein, die diese offen zuiag» liegenden Gegensätze überbrücken formten und ein geeinigtes Vorgehen Englands, Frankreich» und Italiens gegen den Pascha Mustapha! Kemal zu ermöglichen. Wahrscheinlich ttfrb 3t alten, Des seit Beginn der Onentkrise unablässig bemüht war einen Ausgleich zu schaffen, nicht wenig «fügten Einigung beigetrogen haben. Vielleicht tst es auch der Umstand, daß man sowohl in England wie in Frankreich sich heute noch vor einem offenen Konflikt scheut. Richt wenig zu einer nachgiebigen Haltung Frankreichs dürfte cffeK ötngs auch der Umstand teige tragen haben, daß der S^chlmg Frankreichs sich im Gegensatz zu Frank- reich auf dre Serie Griechenlands gestellt hat und sich Mem Anscheine nach dazu anschickt, ba» bedrängte mck Waffengewalt zu schütz«». Damit

■ > netne Entente in einen bewußten Oeaen»

Doch Gesina war bei dem unerwarteten Wieder- sehen gluhendrot geworden. Bitterer Groll faßte sie

u"b ^7 wäre am liebsten wieder ausgestiegcn, aber der Zug fitz»e sich in Bewegung, und wenn sie, ebenso wre -an.e Mana, ihren Mitreisenden auch leicht den r “ xelL ”anbte„unb °um Fenster hinaussah, so mußte sie docy deren Unterhaltung mitanhören, denn die drei dämpften ihre Stimmen nicht im geringsten.

_ "Es war eine gute Idee von dem jungen Herrn Ihorst, uns zur Besichtigung der väterlichen Nosen- kulturen einzuladen , sagte Frau Sternhof. Leider wurde unsere Bekanntschaft durch ein unangenehmes Vorkommms vermittelt, aber weder er noch ich trugen die Schuld daran, sondern eine dritte Person." 8 '

»estna fühlte drei höhnische Augenpaare auf sich ruhen, doch rührte sie sich nicht, das Trio sollte sich nicht daran weiden, wie sehr sie diese Worte kränkten Die drei sprachen werter. Doch Gesina achtete dessen nicht mehr, sie sann und sann. Eigentlich zürnte sie der bösen Frau Sternhof kaum, viel abscheEch^ als diele war Hans Mmhorst, der sich ihr gegenüber erst als Nit- ter aufspielte, und sich bann doch so wenig ritterlich be­nahm, daß er gewrstermaßen mit klingendem Spi-l ins feindliche Lager übergegangen.

Am Ziele angekommen, atmete Gesina auf, sie war froh, endlich ausfteigen zu können. Ihr chöß gegen Hans Elmhorst aber war während der kurzen Eisen­bahnfahrt ganz riesenhaft angewachsen, Gesina bebte vor Haß.

Kurz nach drei Uhr begab sich H-n, Elmhorst in den Garten, er wollte, wenn es irgend möglich mar, Frau Sternhof mit ihren Töchtern am Tor empfangen. Der Besuch war ihm ebenso peinlich und lästig wie den Eltern, aber gerade weil die Eltern nicht die geringsten Umstände machten, wollte er sich bemühen, die Damen darüber hinwegzutäuschen, wie wenig ihr Besuch galt.

Er hatte nun mal die Torheit begangen, sich eine Einladung abpressen zu lassen und mußte jetzt auch die Derantwortung dafür tragen. Schließlich gab es so etwas wie eine Pflicht der Höflichkeit, die ein ge­bildeter Nann nicht hintan letzen dürfte-

So stand er am Tor und wartete, machte ab und zu einige Schlenderschritte und ließ sich die golden« Herbsffonne mittäglich warm auf den unbedeckten Echei- tel scheinen.

Was mochte mit Gesina geworden sein? Das alte Fräulein van Ingen hatte sie neulich sicher wenig freundlich empfangen, aber vielleicht fand das arme Ding recht bald eine neue Stellung. Möglicherweise befaß seine Mutter irgendwelche Beziehungen und ver- mochte ihr nützlich zu sein. Er rooltte sogleich nachher, wenn die Sternhofs wieder fort waren, mit ihr dar­über reden.

Ein paar Gestalten tauchten an der Biegung der Straße auf, und als sie sich näherten, erkannte Hans Elmhorft feine Nachbarinnen. Aber die schlanke Ge- fina erschien ihm seltsam verändert, und da die Damen bis auf ungefähr zehn Schritte herangekommen, wußte er auch, was ihn an der Scheuen, Trotzigen befremdete.

Sie hatte sich beinahe völlig oerro anbett. Wie eine nach der letzten Mode gekleidete junge Dame der ersten Gesellschaft sah sie aus. Wäre nicht das leuchtende Haar, das schmale, weiße Gesicht mit den dunklen Augen gewesen, das beides so unverkennbar war, dazu die Be­gleitung der Tante, hätte er überhaupt bezweifelt, Ge­sina vor sich zu haben. So aber mußte er es glauben.

Und er staunte die weichen Wellenscheitel an, um feie ein Löckchengewirr fprang und die durch ein dunkel- grünes Jackenkleid zur besten Geltung gebrachte Schlank- gestatt. Wie reizvoll sich unter der linksseitig aufge- fchlagenen Krempe des ebenfalls dunkelgrünen Seiden­filzhutes das gleißende Haar zeigte. Daß Gesina f o oiussehen konnte, hätte er nicht für möglich gehalten. Run waren die zwei Damen dicht herangekommen und Hans Elmhorft grüßt» durch eine Verbeugung.

Da» alte Fräulein neigte den Kopf, um Gesina» Sippen aber spielte ein verächtlicher Zug, den er zu be­greifen glaubte, als er nun auch tn einiger Entfernung drei Damen näherkommen sah. Das war sicher Frau Stemhof mit ihren Töchtern.

Hm — es war und blieb eine Dummheit, daß er diese Frau eingeladen hatte.

Auf Gesina mußte das nach dem Vorkommnis ja wie ln Schlag ins Gesicht wirken.

s ch e Armee, die sich noch in Kleinasien befand, von der nationalistischen Armee gefangen. Cs sind un­gefähr 7000 Soldaten. Diese Armee stand unter dem Befehl des Generals Decrearffs.

England tilgt feine 5chuld an Amerika.

Wie der ,Rew-Dork Herald' aus Washington meldet, hat die englische Regierung offiziell mit­geteilt, daß sie ohne Rücksicht auf die europäische Lage ihre Gesamtschuld an die Vereinigten Staaten zurückzahlen wolle. Die Zahlungen dürften mit dem 15. Oktober, wo die fährlichen Zinsbeträge in Höhe von 125 Millionen fällig werden, ihren Anfang nehmen. Die englische Kommission für die Schuldenftage werde Ende dieses Monats in Washington eintreffen und am 1. Oktober die Ver­handlungen über die Konsolidierung der Schuld be- ainrlen. Die Umwandlung der gegenwärtigen Schuldscheine in langfristige Obligationen ist vor- gesehen.________________

ver Kredit für Oesterreich.

Oesterreich soll nunmehr, wie aus Genf gemeldet wird, einen Kredit von 15 Millionen Pfund erhalten, der von schweizerischen, italienischen und tschechischen Banken und wahrscheinlich auch von französischen Finanzinstituten zur Verfügung gestellt werden soll. Die genannten Staaten übernehmen die Garantie für diesen Kredit und werden eine Finanzkontrolle in Oesterreich einführen. Die Selbst­ständigkeit und Integrität Oesterreichs soll von allen Mitgliedern be$ Völkerbundes garantiert werden. Ebenso ist die Neutralisierung Oesterreichs nach dem Muster der Schweiz in Aussicht genommen. Der Gedanke der Einsetzung einer internationalen Gendarmerie in Oesterreich ist endgiltig fallen ge­lassen worden.

Gegen die Schlemmerei.

Durch eine in bett nächsten Tagen zur Deröfsem- lichung geümgvnL« Bekanntmachung des RLichsmini- sters für Ernährung und LanÄmirtschast wird mit Rück­sicht auf die ungünstige Wirtschaftslage des Inlandes außer den bereits in der Bekanntmachung vom 29. August 1922 aufgeführten Erzeugnissen die Einfuhr noch für sine Reihe weiterer entbehrlicher Le­bens- und Genußmittel gesperrt. Es Han­deft sich dabei um die nachgsnanrrten, nach den Num­mern des statistischen Warenverzeichnisses aufgeftditen Positionen: Datteln, getrocknet, Austern, Seeschild­kröten, Seekrebs«, Svemuscheln, Schnecken, Schild­kröten, auch Froschkeulen, in anirrer Weise als durch bloßes Abkochen oder Einsalzen zubereitet, Zuckerwerk und sonstige Zuckerwarvu, Früchte mit Branntwein zubereitet oder in Branntwein 'eingelegt, sowie Tafel- äpsel, Tafeibirnen und Edellobst im Sinne der Bekannt­machung ter Reichsstelle für Gemüse und Obst vom 31. Juli 1918.

M VnNkMW für Dos UMttÄe.

Nach kangroierigen DerhcmÄMgen hatten sich die Koaiitirmsparteien bekanntlich auf der Grundlage eines RoggenprÄf« von 6900 Start pro Tonne geeinigt. Nach dem so geftmtenen Kompromiß bestimmt der vom Reichstag genehmigt« Gesetzentwurf für das erste Drittel der Umlage, das bis zum 31. Oktober 1922 abzuliefern ist, «men Preis für Weizen von 7400, für Gerste von 6700 und für Hafer von 6000 Mark pro Tonne. Hinsichtlich der Prsisbemefsung für Sie beiden anderen Dritte, die bis zum 15. Januar 1923 bezw. 28. Februar 1923 <m die Reichsgetreide.

Er wollte denken: Was liegt mir an Gesinas Mei­nung! und brachte es doch nicht zustande. Sein Lächeln, mit dem er den drei Besucherinnen entgegenging, wax sehr gequält.

Frau Sternhof überschüttete ihn gleich mit liebens- würdigen Phrasen uns stellte ihre Töchter vor. Beide blond und rosig mit schmalen dunklen Brauen über gxo- ßen, tiefblauen Augen. Die Kirschenlippen lachten, weiße Perlenzähne blitzten.

„Wrr freuen uns unendlich auf die Rosen!" beteuerte sie kindlich.

„Was sind das für zwei wunderniedliche Mädelchen, dachte Hans Elmhorft und fühlte fein Blut in angeneh­mer Erwärmung durch die Adern fließen. Die Degeg. nung, die hinter ihm lag, verblaßte schon ein wenig. Die Mutter, die ihn so oft ungalant zu Damen nannte,1 hätte jetzt keinen Grund gehabt, ihn dieses Fehlers zu' zeihen. Süß fand er die beiden anmutigen Geschöpfe, die kätzchenweiche Schmiegsamkeit ihrer zierlichen Körper gefiel ihm.

Frau Stemhof selbst aber gefiel ihm heute noch weniger als letzthin, da er ihre Bekanntschaft machte. Sie redete zu viel, prahlte mit allerlei Beziehungen, nannte klangvolle Namen und Tttel in dem offensicht­lichen Bemühen, ihm zu imponiere«.

Bor dem ersten Treibhaus erwartete Hermann Elm- horst die Besucherinnen. Sein hageres Gesicht mit dem Leidenrzug gab sich nicht Mühe, eine allzu liebenswür­dige Miene aufzusetzen, ihm gefiel die hellblonde Familie nicht besonders. Bei der Wanderung durch sein Hellig- tum merkte er auch bald, daß die Bewundemng für Blumen sehr lau sein mußte, trotz der vielen entzücken­den Ausrufe, die laut wurden. Hermann Elmhorft liebte feine Rosen nut förmlicher Inbrunst, er fühlte es in­stinktiv, wer feine Lieblinge wahr und aufrichtig oer» clyrte.

Nach dem Rundgang lud der Hausherr die Tarne« ein, mit nach oben zu kommen und das Stoatsgemach tat sich vor ihnen auf. Nun war wohl der Augenbsick da, wo sich „Ihre Hobest die Gärtnersfrau" zeigen würde.

(Fortsetzung folgt)